Fundstück: Parteien zur Bundestagswahl 2017 über die Frauenquote in Aufsichtsräten

Wie schon zur Wahl in Berlin 2016 und der Landtagswahl in NRW 2017 präsentiere ich eine These aus dem Wahl-O-Mat und die Positionen der Parteien dazu. (Die Reihenfolge der Parteien habe ich dabei 1:1 von dort übernommen.)

Für diejenigen, die zurecht bemängeln, dass der Wahlkampf vollkommen auf Personen zurechtgeschnitten ist, gibt es diesmal eine Alternative, die dem Rechnung trägt: Beim Geil-O-Mat wählt man rein nach subjektiven Merkmalen!

Bohemian Browser Ballett: Geil-O-Mat – Welcher Kandidat ist mir eigentlich sympathisch?

Doch zurück zum Wahl-O-Mat. Die relevante These für die Geschlechterdebatte lautet diesmal:

25/38. Die Frauenquote für die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen soll abgeschafft werden.

dafür

FDP
„Wir Freie Demokraten wollen mehr Frauen in Führungsverantwortung. Frauen sind in der Leitung von Unternehmen und anderen Führungspositionen sehr erfolgreich und gemischte Teams arbeiten produktiver und erfolgreicher. Wir erwarten daher von Unternehmen in Deutschland eine deutliche Verbesserung des Frauenanteils in Führungspositionen. Eine gesetzliche Quote lehnen wir jedoch ab: So werden Frauen zu Platzhaltern degradiert und nicht entsprechend ihrer Leistungen gewürdigt.”

AfD
„Die bisherige Frauenquote, bei der einzelne Karrierefrauen oft in mehreren Aufsichtsräten gleichzeitig sitzen („Goldröcke“), hat für die Masse der Frauen, die nicht zu einer privilegierten Elite zählen, überhaupt nichts gebracht. Die AfD lehnt alle Quotenregelungen strikt ab. Menschen sollen ausschließlich nach ihrer Leistung beurteilt werden.”

Piraten
„Prinzipiell halten wir nichts von Quoten jedweder Inhalte. Hier muss ein gesellschaftliches Umdenken gefördert werden hinsichtlich der Einsicht, dass sich unabhängig von sozio-kulturellen Merkmalen die höchste Qualifikation durchsetzt.”

NPD
„In Unternehmen müssen Positionen nach Leistung, nicht nach Quote vergeben werden. Es ist wünschenswert, wenn sich auch Frauen für hohe Positionen bewerben, diese dürfen ihren männlichen Kollegen jedoch nicht per Gesetz bevorzugt werden.”

ÖDP
„Quoten sind oft nicht praktikabel zu handhaben, sondern es kommt auf die gesellschaftliche Einstellung an. Diese gilt es entsprechend weiterzuentwickeln für ein Miteinander von Frauen und Männern. Frauen und Männer dürfen auch bei herkömmlicher Erwerbsarbeit nicht benachteiligt werden, Frauen nicht aufgrund von Erziehungsleistungen. Sie müssen die gleichen Aufstiegschancen haben. Es muss gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt werden.”

BP
„Die Bayernpartei lehnt Quoten aller Art strikt ab. Allein die Qualifikation und die Qualität der Arbeit sollten entscheiden. Nicht das Geschlecht.”

Volksabstimmung
„Es ist verfassungswidrig, Frauen in Berufe zu drängen, die sie nicht ausüben wollen.”

PDV
„Das muss der Arbeitsmarkt regeln.”

Die Rechte
„Eine festgelegte Quote darf nicht über eine Stellenbesetzung entscheiden. Passende Charaktereigenschaften, erbrachte Leistungen und der Bildungsgrad müssen ausschlaggebende Argumente für eine Stellenbesetzung sein und nicht das Geschlecht.”

ADD
„Die Stärkung der Tarifautonomie und Hilfestellung öffentlicher Wirtschaftsförderungsstellen sollen vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wenn es darum geht, Gleichstellung in der Praxis umzusetzen. Gleichstellung und Chancengleichheit sind jedoch nach unserer Meinung nicht mit ideologisch unterfütterter Gleichmacherei zu verwechseln, wie sie in Beschäftigungsprogrammen für selbsternannte Gesellschaftsarchitekten unter Titeln wie Gender Mainstreaming propagiert wird.”

Die Grauen
„Wir lehnen Quotierungen ab. Arbeitsplätze sollten ausschließlich nach persönlicher Qualifikation und Eignung vergeben werden.”

neutral

Freie Wähler
„Eine gesetzlich verpflichtende Quote kann nicht die alleinige Antwort auf die vielfältigen Ursachen für die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen sein. Auch wenn in der Theorie Frauen die gleichen Chancen wie Männer auf dem Arbeitsmarkt haben, gibt es in Wahrheit noch viele Baustellen wie beispielsweise klischeehafte Rollenbilder, mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mangelnde, gezielte Karriereförderung von Frauen. Wir sehen in der Quote jedoch nur eine Übergangslösung.”

MLPD
„Diese Frauenquote hat nur Alibi-Funktion. Viel wichtiger ist es, für die wirkliche Gleichstellung der Masse der Frauen einzutreten und ihrem Kampf um die Befreiung zu fördern.”

SGP
„Die Debatte um die Frauenquote in Aufsichtsräten ist eine Diskussion in den obersten zehn Prozent der Gesellschaft und hat mit einem wirklichen Kampf für die Rechte der Frau nicht das Geringste zu tun. Um insbesondere arme und alleinerziehende Frauen zu stärken, sind umfassende öffentliche Sozialprogramme aufzulegen.”

BGE
„Das Bündnis Grundeinkommen (BGE) ist sich einig, dass Frauen bei der Stellenbesetzung gleiche Chancen wie Männer haben sollen, und eine Benachteiligung von Frauen mit gleicher Qualifikation bei der Stellenbesetzung gesellschaftliche Ächtung erfahren soll. Ob die Frauenquote hierzu ein geeignetes Mittel ist, kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.”

Die Humanisten
„Wir stehen einer Frauenquote skeptisch gegenüber. Dem eigentlichen und begrüßenswerten Ziel der Geschlechtergleichstellung kann diese positive Diskriminierung sogar noch schaden, da Frauen so nur wegen ihres Geschlechtes und nicht wegen ihrer Leistungen in Verantwortung kommen. Dennoch kann eine solche Maßnahme gerechtfertigt sein um bestehende Rollenmuster und diskriminierenden Strukturen aufzubrechen. Dazu sollten Studien die Wirksamkeit beleuchten.”

Gesundheitsforschung
„Die Partei für Gesundheitsforschung ist eine Ein-Themen-Partei, die als einziges Ziel hat, Forschung für die ursächliche Behandlung altersbedingter Volkskrankheiten wie Krebs, Alzheimer, Diabetes usw. massiv zu fördern.”

dagegen

CDU/CSU
„Die Geschlechterquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten bei den börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen hat dafür gesorgt, dass der Frauenanteil in deren Aufsichtsräten gestiegen ist. Daher sehen wir keinen Grund, die Frauenquote wieder abzuschaffen.”

SPD
„Mit der Frauenquote für Führungspositionen in Wirtschaft und im öffentlichen Dienst sorgen wir dafür, dass bei der Besetzung von Top-Jobs die Qualifikation zählt und nicht das Geschlecht. Unser Ziel: Führungsgremien sollen jeweils zu 50 Prozent mit Frauen und Männern besetzt sein. Dafür benötigen wir eine Gesamtstrategie Frauen in Führungspositionen. Wir werden die Frauenquote weiter steigern, ihren Geltungsbereich auf alle Unternehmen, alle Gremien wie Vorstände und Aufsichtsräte ausdehnen.”

Die Linke
„Ganz im Gegenteil. Die bestehende Flexi-Quote ist zu unverbindlich. Immer noch stoßen Frauen an die „gläserne Decke“, die ihnen den gleichen Zugang zu Führungsgremien und Leitungspositionen verweigert. DIE LINKE tritt für eine verbindliche Frauenquote für alle Aufsichtsräte sowie für die Vorstände aller Unternehmen ein.”

Grüne
„Wir wollen eine 50-Prozent-Frauenquote für die 3.500 börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen. Denn Führungsgremien sind in Deutschland weitgehend Männerrunden. Daran ändert das bisherige Quotengesetz nur wenig: Es gilt für ganze 101 Unternehmen. Die Potentiale und Qualifikationen von Frauen zu verpassen, kann sich dieses Land nicht weiter leisten. Darum wollen wir Maßnahmen für Führungspositionen auf allen betrieblichen Ebenen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind.”

Tierschutzpartei
„Frauen sind – trotz gleicher Eignung – in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Um hier eine Veränderung in Gang zu bringen, bedarf es zunächst einer Quotenregelung, bis Frauen in Führungspositionen eine Selbstverständlichkeit geworden sind.”

Die PARTEI
„Die PARTEI fordert schon seit Jahren die Einführung einer Faulenquote von 17 Prozent. Ergänzend bestehen wir auf einer Männerquote an der Lidl-Kasse, in Kindergärten und auf Junggesellinnen-Abschiedspartys.”

BüSo
Zu dieser These hat die Partei keine Begründung vorgelegt.

Tierschutzallianz
„Es sollte zwar immer die Geeignetheit eines Menschen im Vordergrund stehen, aber solange Männer nicht bereit sind, qualifizierten Frauen einen Platz in der Vorstandsetage einzuräumen, bedarf es einer gesetzlichen Regelung.”

B*
„verstaatlichung aller konzerne mit weniger als 50 % frauen im vorstand! 😀 wir lehnen die einteilung der menschen in zwei geschlechter ab. aber solange menschen aufgrund ihres -wenn auch konstruierten und zugeschriebenen- geschlechts diskdriminiert werden, soll es auch mechanismen genau dagegen geben. wie stark diese mechanismen die kategorien wiederum festschreiben, darf dabei gern offen bleiben…”

DiB
„Die Quote ist derzeit eines der wenigen Mittel, die für eine Veränderung in den Unternehmen sorgen können. Bis eine tatsächliche Chancengleichheit hergestellt ist und Frauen ganz selbstverständlich die gleichen Karrierewege offen stehen, sorgt die Quote für den nötigen Druck auf die Unternehmen, aktiv etwas zur Förderung der Frauen zu tun.”

DKP
„Die DKP kämpft für eine Welt ohne börsennotierte Unternehmen. Die DKP setzt sich für den Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit ein. Denn Frauen erhalten heute für die gleiche Arbeit rund 25 % weniger Lohn. Die Einführung von Frauenquoten kann da nur ein Anfang sein.”

DM
„Frauenquoten sind erst dann unnötig, wenn die Gesellschaft auf dem richtigen Weg ist. Wir sollten also schauen, dass wir uns so entwickeln, dass wir derartige Krücken nicht mehr benötigen. Wichtig bleibt darüber hinaus, dass wir Familien stärken – und die Mütter darin auch. Kinder brauchen beide Eltern, besonders in den ersten drei Jahren, das muss unser System fördern: Flexibilität, Durchlässigkeit! Und Frauen haben andere Qualitäten als Männer, das sollten wir berücksichtigen.”

du.
„Die Quote ist weiterhin gut und wichtig und sollte nicht nur für Aufsichtsräte gelten, sondern top down auf weitere Ebenen im Unternehmen ausgeweitet werden.”

Menschliche Welt
„Wir sehen die Frauenquote als ein Mittel, die Beteiligung qualifizierter Frauen in den Führungspositionen zu erhöhen. Dies ist eine Methode, mehr Geschlechtergerechtigkeit und eine Verbesserung der Führungsqualität zu erreichen.”

V-Partei^3
„Die Frauenquote ist ein wichtiges Werkzeug, um den Anteil an Frauen in Führungspositionen zu erhöhen und der bevorzugten Einstellung von Männern entgegenzuwirken.”

Anmerkungen

„Die Qualifikation soll der Maßstab sein“ ist das wichtigste Argument gegen eine Quote. Die FDP verbreitet leider den Mythos weiter, gemischte Teams seien (automatisch) produktiver und erfolgreicher. Bemerkenswert die Aussage der ÖDP, dass sowohl Frauen und Männer nicht benachteiligt werden dürfen. Unter den neutralen Stimmen finde ich beachtlich, dass die MLPD und SGP korrekt feststellen, die Frauenquote habe eine Alibifunktion und von ihr profitierten nur Frauen in den oberen Schichten.

Bei den Quotenbefürwortern wird es deutlich abstruser: Die DKP betet den längst widerlegten Mythos herunter, der Gender Pay Gap entstehe durch ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Die Linke spricht von der angeblichen „gläsernen Decke“ an der Spitze. Dabei müsste für eine linke Partei doch der gläserne Boden für die vielen Menschen unten in der Gesellschaft viel wichtiger sein.

B* ist völlig in dem Glauben verfangen, Geschlechter seien konstruiert, während V-Partei^3 davon ausgeht, Männer würden bevorzugt eingestellt. Übertroffen wird das noch von der Tierschutzallianz, die herbeifantasiert, die Männer würden sich generell gegen Frauen in hohen Positionen sträuben. Eine solche Unterstellung der Marke „als Gruppe handeln“ ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) in Reinform.

DiB sieht die Quote als eines der wenigen Mittel für Veränderungen in Unternehmen. Von allgemeinen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen hat man dort wohl noch nichts gehört, ganz zu schweigen etwa von einer vernünftigen Sozial- und Familienpolitik.

Die Grünen kündigen bereits an, wo die Reise hinzugehen hat: 50%-Quoten und Maßnahmen auf allen Ebenen, bei denen Frauen in der Minderheit sind. Was für bizarre Züge das annimmt, haben sie zumindest bei der Wahl ihrer Spitzenkandidaten gezeigt…

Dabei wäre es doch so einfach, wenn es stimmt, was wie die Grünen schreiben: Denn wenn Unternehmen es sich nicht leisten können, Frauen als Angestellte zu verpassen, dann wird der wirtschaftliche Druck sie dazu zwingen, entsprechend einzustellen. In Märkten mit hohem Wettbewerb gibt es weniger Diskriminierung, wie schon Thomas Sowell 1981 feststellte. Könnte vielleicht das Gegenteil der Fall sein und der „Fachkräftemangel“ nur ein Mythos, während uns in Wirklichkeit die (anständig bezahlte) Arbeit ausgeht?

Ins gleiche Horn, nur viel extremer, stößt schließlich die SPD, die hier noch einmal eindrucksvoll demonstriert, warum sie für Männer im Jahre 2017 nicht mehr wählbar ist: So wie schon bei den Grünen Zwang und 50% überall, aber dazu garniert mit einem Neusprech allerfeinster Güte:

„Mit der Frauenquote für Führungspositionen in Wirtschaft und im öffentlichen Dienst sorgen wir dafür, dass bei der Besetzung von Top-Jobs die Qualifikation zählt und nicht das Geschlecht.”

Diese Partei merkt wirklich nichts mehr. Um Merkel abzulösen, bräuchte es eine andere große Partei neben der Union – alles andere ist nach Adam Riese illusorisch. Da die SPD aber alles tut, um niemals wieder groß zu werden, ist sie der beste Wahlhelfer, den sich Angela Merkel und die Christdemokraten wünschen können.

Lesenswertes zur Wahl

Ich selbst hatte ja bereits Anfang Februar geschrieben, warum ich die „arme Merkel“ für Angela, die Alternativlose halte. Sie hat sich zwar alternativlos gemacht, aber auch keine große Strategie. Sie hat immer auf Sichtweise regiert, so bei Fahren im Nebel. Weitere Einschätzungen:

  1. Fazit der Politik der Großen Koalition bei Fefe
  2. Wie hat sich die deutsche Regierung geschlagen? Ein Rating der Minister mit ihren Zukunftschancen bei der NZZ (gut für den Blick von außen!), zu Merkel etwa: „Kontroversen weicht Merkel aus. Politisch hat sie wenig mehr erreicht, als den Zustand ordentlich zu verwalten.“
  3. Merkel hat keine Vision für Deutschland oder Europa. – diese und andere klare Benennungen von Jens Berger bei den Nachdenkseiten
  4. Fefe zitiert aus der Welt: Angela Merkel hat die Grenzen geöffnet, weil sie Angst vor den negativen Bildern hatte.
  5. Mathias Sodem: der neue Kanzlerkandidat der SPD von Tom Wellbrock bei den Neulandrebellen – als Beispiel, was ein SPD-Spitzenkandidat tun müsste, um erfolgreich zu sein

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ganz populistisch ein Lied einer bekannten Band, allein wegen des Titels ausgewählt.

Coldplay: Politik

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Fundstück: Fefe und die Einbrecher

Fefe berichtet mal wieder Interessantes:

Die BBC erzählt, wie die deutsche Polizei eine mutmaßliche Diebesbande aus Kroatien geschnappt hat. Die Einbrecher sollen angeblich für 20% der Einbrüche in Deutschland verantwortlich sein. Die Taten würden außerdem bevorzugt von Frauen ausgeführt, weil diese, wenn sie erwischt würden, ein milderes Strafmaß bekämen.

Nun muss man, gerade wenn einem ein Bericht ins Weltbild passt, ein paar kritische Medienfilter davorschalten:

  1. Die BBC hat ein Interesse an einer möglichst dramatischen Geschichte.
  2. Die Polizei hat ein Interesse daran, ihren Erfolg so groß wie möglich darzustellen.
  3. Rechtskräftig verurteilt ist hier niemand.

Es bleibt ein Beispiel dafür, was auch unter dem Stichwort „gender prison gap“ die Runde macht: Vor dem Gesetz mögen Männer und Frauen gleich sein, in der Rechtspraxis bekommen Frauen für gleiche Vergehen im Durchschnitt geringere Strafen.

Hier würde letzten Endes nur ausgenutzt, was man unter Kenntnis der Rechtsprechung auch bei minderjährigen Delinquenten einkalkuliert. Ich denke da an Berichte über sogenannte „Ehrenmorde“, bei denen für die Tat absichtlich ein junges Familienmitglied ausgewählt wird.

Schön zu sehen, wie in dem Bericht über die Bande die Einbrecherinnen verteidigt werden: Die Frauen wurden „als Arbeiterdrohnen eingesetzt“, „hatten keine Wahl“… ich würde das bei Kindern und Jugendlichen tatsächlich als Argument durchgehen lassen, aber bei Erwachsenen fällt mir das schwer, ohne weitere Details zu kennen.

Dass Frauen nicht die besseren Menschen sind (sondern einfach nur normale Menschen), scheint schwer zu akzeptieren. Ich warte noch auf eine Pseudo-Theorie, die erklärt, was für ein deutlich schwereres Schicksal die mutmaßlichen Täterinnen hatten, etwa so:

Es gibt einen Gender Loot Gap: Für dieselbe Einbruchsarbeit bekommen Frauen 23% weniger Beute als Männer. Dazu kommt, dass ein Großteil der After-Care-Arbeit (entscheiden, wofür das Geld ausgegeben wird) nach wie vor auf ihnen hängen bleibt.

Popmusik

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popmusik? Bringen wir doch mal etwas Schönes aus Kroatien wie zum Beispiel Musik…

Jinx: Smijem se

Fundstücke: Fefes Füllhorn über Xing, Wikipedia, Computerspiele und Syrien

Eines muss man Fefe lassen: Was der für Sachen findet! Da sind in den letzten Tagen gleich vier interessante Fundstücke zusammengekommen:

Nummer 1: Xing ist erneut Zielscheibe der Empörungsmaschinerie geworden. Es ist ein schöner Fall von „manche Leute kann man eben nie zufriedenstellen„: Erst wird für extra weibliche Berufsbezeichnungen gekämpft, weil Frauen bei den bisherigen ja „nur mitgemeint“ seien oder sich nicht angesprochen fühlten. Jetzt stellt sich heraus: Oh, Moment, wenn sich Frauen stets anders bezeichnen, werden die über die bisherigen Stichworte gar nicht gefunden. Also damit konnte ja niemand rechnen!

Jetzt wo die Frauen endlich eigene Berufsbezeichnungen haben, stellt sich raus, dass wenn man beispielsweise bei Xing nach „Controller“, „Berater“ oder „Fotograf“ sucht, der lauter Männer findet. Denn die Frauen haben sich unter „Controllerin“ und „Fotografin“ eingetragen.

Die schlaue Frau von heute würde natürlich beide Bezeichnungen führen und damit sowohl über die normale Suche gefunden werden als auch, wenn jemand speziell nach einer Frau sucht. Aber das würde eben keine Opfergeschichte hergeben!

Nummer 2: Wikipedia hat Krebs. Einnahmen und Ausgaben wachsen exponentiell, wie Krebszellen. Wenn ich mir überlege, wie oft ich mich in den letzten Jahren über diese Riesenwerbeeinblendungen geärgert habe… dabei sind die offensichtlich völlig unnötig, weil soviel Kohle gar nicht benötigt wird und sich stattdessen anstaut.

Und so ein großer Geldstrom lädt natürlich zum haufenweise Verplempern ein. Dabei beachte man noch den Unterschied zwischen Wikipedia und Wikimedia. Hier wurde z.B. in Deutschland in der Vergangenheit ein fröhliches Bäumchen-wechsel-Dich gespielt: Geworben wurde mit der Wikipedia, das Geld sammelte aber Wikimedia Deutschland ein (das ging sonst nicht spendenrechtlich, wenn ich mich recht erinnere). Bei Kritik gegenüber der Wikipedia wurde dann aber betont, man sei Wikimedia, sei also nicht zuständig bzw. habe keinen Einfluss usw. – ganz große Nummer!

Derweil werden wissenschaftlich okaye, aber weltanschaulich unpassende Artikel gelöscht – denn für eine sachliche Diskussion bleibt trotz der massenweise vorhandenen Knete keine Zeit. Und wie der Nutzer unter dem Profil Guy Macon korrekt feststellte: Lass einen großen Skandal kommen und den Einnahmenstrom versiegen und Wikipedia ist in seiner freien Form am Ende – also nicht nur, was Neutralität angeht. Die ist ja jetzt schon längst über die Wupper gegangen.

Nummer 3: Junge Frauen bieten gegen Geld an, mit einem Computerspiele zu zocken. Gegen Geld! Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Gut, es passt ins Narrativ von der ungerechterweise unbezahlten Care-Arbeit, sprich, Frauen gehörten eigentlich bezahlt dafür, sich überhaupt mit so etwas wie Männern abzugeben.

Es ist aber ein schönes Indiz gegen die These, die auf der Gegenseite der Gamergate-Bewegung vertreten wurde: Dass nämlich Die Computerspiele-Szene eklatant frauenhassend sei und insbesondere Frauen nicht mitspielen lassen wolle. Wenn das grundsätzlich und überall so wäre, wie könnten dann solche Dienste entstehen? Dafür läßt sich ja mein kleiner Test ganz wunderbar anwenden: Angenommen, man würde den Computerspielern vorwerfen, sie hätten etwas gegen Ausländer/Schwarze/Juden in ihren Reihen. Jetzt werden Dienstleistungen angeboten, in denen Ausländer/Schwarze/Juden einem anbieten, gegen einen Betrag von 5-10 USD mit einem zu zocken. Würde das einen Sinn ergeben, wenn die Computerspieler doch diese Leute hassen würden und nicht dabeihaben wollten?

Nummer 4: Ein Syrer flieht vor dem Wehrdienst nach Deutschland. Das Gericht erkennt das nicht als politische Verfolgung an. Gut, über den Terminus kann man streiten. Aber mal ganz ehrlich: Leute, die vor dem Bürgerkrieg fliehen, sind ok, aber Männer, die vor dem Wehrdienst mit Einsatz im Bürgerkrieg fliehen, sind nicht ok? Ein Argument mehr für die Abschaffung des Wehrdienstes! Und dann noch so eine Formulierung wie „die völlig unpolitische Furcht Wehrpflichtiger vor einem Kriegseinsatz“ – *schäum*! Wir sollten uns freuen über jeden Mann mit gesundem Menschenverstand, der nicht in den Krieg ziehen will!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Von Bombe 20 drüben bei Tom174 erwähnt:

Erste Allgemeine Verunsicherung: Wir marschieren

Fundstück: Warum scheiterte Hillary Clinton – ganz ohne Verschwörung?

Fefe erwähnt einen hochinteressanten Artikel in der Basler Zeitung. Unter dem Titel „Der Totalschaden“ berichtet Markus Somm über ein Buch, das die Hintergründe für den gescheiterten Wahlkampf erklärt. Fefes Ultrakurzzusammenfassung:

Hillary Clinton ist nicht am FBI oder den Russen gescheitert, sondern an Hillary Clinton. Sie war im Wahlkampf ein paranoider Kontrollfreak und die Dinge entglitten ihr der Reihe nach, aber — und das ist für mich der wichtigste Punkt an der ganzen Sache — die Presse war so Pro Hillary, dass sie nichts davon berichteten.

die ideologische Brille

Den Autoren Markus Somm hatte ich erst kürzlich positiv erwähnt. Ich erinnere mich an einen Kommentar unter dem Artikel in der Basler Zeitung, der ihn kritisierte. Und auch unter diesem Artikel fehlt es nicht an kritischen Rückmeldungen. Man überfliege zum Vergleich die ersten Abschnitte dieses Portrait in der Zeit – „rechtsbürgerlich“ im Gegensatz zum linken Basel, führt als Zürcher eine Basler Zeitung, dann wird eine Verbindung zu Christoph Blocher hergestellt… nun ist „die Zeit“ natürlich nicht neutral, sondern hat auch ihre Feindbilder. Was ich als Schnittmenge aus der Kollision der Weltbilder mitnehme: Markus Somm ist irgendwo zwischen liberal und konservativ, auf jeden Fall nichts links. Was ist von seinem Artikel zu halten, wenn man diese Information im Hinterkopf behält?

Die Fakten

Das erwähnte Buch stammt von Jonathan Allen und Amie Parnes. Es heißt „Shattered: Inside Hillary Clinton’s Doomed Campaign“ (Übersetzung der Basler Zeitung: „Zertrümmert: Im Innern von Hillary Clintons dem Untergang geweihter Kampagne“).

Einordnung und Deutung

Die beiden Autoren werden als linksliberale Journalisten bezeichnet, die der Kampagne Clintons positiv gegenübergestanden hätten. Als sie ihre Recherche eineinhalb Jahre vor der Wahl begannen, seien sie sicher gewesen, den Weg zum Sieg zu dokumentieren. Dabei seien nicht die Gegner, sondern die Freunde Clintons zu Wort gekommen.

Sie hätten mit mehr als Hundert Mitarbeitern Clintons gesprochen, denen sie sowohl Anonymität zugesagt hätten als auch eine Veröffentlichung des Buches erst nach der Wahl. Das habe dann äußerst ehrliche Antworten ermöglicht.

All das hat, wenn man es skeptisch betrachtet, einen Sinn: Das Buch soll als authentisch präsentiert werden. Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen und dann noch von Wohlwollenden ist die beste Kritik, die man sich als Gegner vorstellen kann, sofern diese negativ ausfällt.

Es ist also eine gehörige Portion gesunder Zweifel geboten, wenn man sich die Schilderung durchliest. Allein – schlecht geschrieben ist es nicht. Es ist eben nicht die Geschichte eines Menschen, der scheitert, weil die Linken durch und durch verkommen wären (was ja eine viel dankbarere Geschichte ergeben würde bei Lesern, die die Linken nicht mögen), sondern der an sich selbst scheitert. Um eine peinliche Episode herauszugreifen:

das katastrophale Interview

Hillary Clinton wünschte sich ein Interview „mit Brianna“. Ihre Sprecherin, mit der sie nicht einmal direkt kommunizierte, organisierte eines mit Brianna Keilar von CNN, welche sich nicht mit kritischen Fragen zurückhielt.

Es kam nicht so heraus wie geplant. Keilar stellte sich als ­kritische, ja aus der Sicht von Clinton unverschämte Befragerin heraus: «Würden Sie ­jemanden wählen, dem Sie misstrauten?», fragte Keilar etwa, was Clinton aus der Fassung brachte: «Sie starrte sie mit Messern in den Augen an», erzählt eine Mitarbeiterin der Clinton-Kampagne. Das Interview galt als Desaster.

Gemeint war jedoch Brianna Golodryga von Yahoo! News, von der Clinton wohl eine wohlwollende Behandlung erwartete, weil deren Mann ein Freund der Clintons war. Mal von der Peinlichkeit dieses Fehlers abgesehen – und solche Klopper passieren durchaus – spricht es doch Bände, dass hier Journalisten nach Wohlwollen ausgewählt werden und man sich keine kritischen Fragen gefallen läßt. Das ist kein spezifisches Problem der Linken, sondern wird bei jedem Politiker kritisiert. Es ist außerdem ein Negativkriterium, auf das man sich über alle politischen Gräben hinweg einigen kann.

Es hat nichts mit ihrem Geschlecht zu tun

Das interessanteste Element an der Erzählung ist jedoch: Das Geschlecht spielt keine Rolle! Hillary Clintons Niederlage ist weder „aufgrund“ noch „trotz“ ihres Geschlechtes geschehen, sondern aufgrund von schweren Fehlern. Man könnte die gesamte Geschichte auch mit einem „Joe Smith“ erzählen.

Und gerade der „falschen“ Brianna wird das bescheinigt, was bei dem Gros der Journalisten während des US-Wahlkampfes schmerzlich vermisst wurde: Professionelle Distanz. So sieht es aus, wenn Frauen durch Leistung überzeugen, und es ist eben nicht zuviel verlangt und es muss nichts geschenkt werden, „weil sie eine Frau ist“.

Der Artikel wäre jedoch nicht vollständig ohne seine kritischen Kommentare. Wie viele Zeitungen moderieren ihre Kommentare stark oder haben die Kommentarfunktion ganz abgeschafft? Hier stehen zumindest sehr kritische Reaktionen. Es ist heutzutage so einfach, besser in Sachen Meinungsfreiheit zu sein als der Durchschnitt…

Aktualisierung: weitere Artikel hier im Blog, die sich mit dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen befasst haben:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Der Name Clinton ist nicht automatisch mit Misstönen in Verbindung zu bringen…

George Clinton: We Got The Funk

Fundstück: Die Realität blubbert hervor – bei Fefe

Fefe veröffentlichte kürzlich einige äußerst erhellende Leserbriefe zum Thema Politik und gesellschaftliche Lage in Deutschland. Also, wenn das mal eine Tageszeitung so abdrucken würde, dann würde ich ernsthaft über ein Abo nachdenken!

Die beiden ersten Leserbriefe sollte man sich wirklich komplett gönnen. Da fällt es mir schon schwer, überhaupt einen Ausschnitt zu zitieren.

Von einem ehemaligen links/grün-Wähler:

Ich habe ein Problem mit der Tochter meiner Nachbarin: Die ist Bäckereiverkäuferin und kommt trotz achtstundenjob mit dem lächerlich wenigen Geld nicht über die Runden. Ich habe ein Problem mit Millionen Arbeitern, denen es genauso geht, weil seit Jahren die Reallöhne gekürzt werden, während die soziale und die monetäre Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land, zwischen Bildung und Prekariat immer weiter aufgeht. Ich habe ein Problem mit einer verlogenen und unfähigen Regierung, die die Digitalisierung komplett verschläft und sich von der Wirtschaft immer mehr kaufen lässt.

Aus dem schönen Bayern, wo es angeblich allen so gut geht:

Eltern haben vorher gespart und sich in Schulden gestürzt, das Haus zahlt sich mit Zinsen und Wachstum und Spekulation von selbst ab. Bei den Kindern geht das nicht mehr.

Eltern verstehen das nicht – für sie hat das doch auch funktioniert. Kinder stehen als Versager da, einser Abschluß und trotzdem nur Praktika bis 35.

Mich wundert die Wut nicht. Ich hab das jetzt ein paar Mal gesehen, im Keller bei Nachbars wohnt der Sohn, der war seit 6-7 Jahren bei Licht nicht mehr draussen. Hikikomori gibt es auch bei uns, im angebl. super-duper Boom-Oberbayern, im Landkreis mit den wenigsten Arbeitslosen.
(…)
Ich kann die Denkzettelwahl verstehen – es ist der einzige Freiheitsgrad, der einem (noch! – wie lange?) gelassen wird, weil Demos sind seit den unsanktionierten rausgekärcherten Augen ja auch diskreditiert!

(Gemeint ist Dietrich Wagner, der Rentner auf der Anti-Stuttgart-21-Demo, dem die Augen ausgeschossen wurden. Ganz gruselige Bilder, hat mich davon überzeugt, nicht mehr auf Demonstrationen zu gehen.)

Im Grunde wird da auf fast schon unheimliche Weise bestätigt, was ich sowieso schon vor Monaten geschrieben und fleißig zitiert habe:

Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren.

Die wirtschaftliche Lage und das „von der Politik vergessen worden sein“ treibt die einfachen Leute in die Arme der Rechtspopulisten.

Im Zuge der US-Wahlen gab es ja einige erstaunlich ehrliche Äußerungen von oben:

Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da sagt jemand vom politischen Establishment:

  1. Uns ist gar nicht bewusst, dass es den Leuten so mies geht.
  2. Wir rechnen nicht damit, dass solche Leute konsequent genug sind, um wählen zu gehen und entsprechend zu wählen.

Wieso ist die politische und wirtschaftliche Lage ein Geschlechterthema? Den Zusammenhang habe ich erst kürzlich erklärt im Artikel „Sinkende Einkommen bei Männern führen zu weniger, bei Frauen zu mehr Ehen„.

Interessant ist, dass in den Mainstreammedien und der öffentlichen Debatte Ursache und Wirkung falsch dargestellt werden: Das Feindbild weißer Mann sorgt für die Erklärung, „die bösen weißen heterosexuellen Männer (WHM)“ seien die Macht hinter dem früheren Establishment – und hätten sich wieder verschworen und würden jetzt „zurückschlagen“ in der Form der Rechtspopulisten. Dabei sind es gerade die Männer ohne höhere Ausbildung, die von wirtschaftlich kargen Zeiten besonders getroffen werden, also gerade nicht von der Politik der letzten Jahrzehnte profitiert haben. Die Rechtspopulisten bzw. alles, was unter dieser Klammer so verortet wird, sind nicht besonders geliebt – sondern werden mangels Alternative in Betracht gezogen, weil sonst ja niemand mehr auch nur vorgibt, sich zu interessieren.

Fefe hat übrigens eine Alternative zu „AfD wählen“ anzubieten: Kleinstparteien wählen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Radikal, aber positiv… und auch mit der Botschaft, dass man ernten wird, was man sät…

New Radicals: You Get What You Give

Fundstück: Fefe-Feminismus

Fefe hat innerhalb weniger Tage zweimal zu Feminismus gebloggt – und zwar einmal, was für ihn Feminismus ist, und das andere Mal, was Feministen tatsächlich tun. Er selbst hat den Zusammenhang zwischen den beiden Fundstücken so nicht hergestellt; mir sprang die Diskrepanz nur so ins Auge.

Was für Fefe Feminismus ist

Fundstück Nummer eins: Indische Wissenschaftler schicken Rakete zum Mars. Im Bild zu sehen: Indische Wissenschaftlerinnen in traditioneller Kleidung, die sich gegenseitig zum Erfolg gratulieren.

In der Tat: Wenn man Beispiele sucht, in denen Frauen Großartiges geleistet haben und damit Mädchen ermutigen will, dass ihnen alle Möglichkeiten offenstehen – dann passt das in das Narrativ. In meiner eigenen Welt ist es völlig normal, dass Inderinnen in traditioneller Kleidung dasselbe leisten können wie ich – und das auch tun, wenn sie wollen.

Doch leider darf für einige das positive nicht normal sein. Die Welt muss grundsätzlich in den schwärzesten Farben gemalt werden. Das führt dann zu Handlungen, die überhaupt nicht zu solchen begrüßenswerten Entwicklungen passen. Ich erinnere an folgende Vorfälle aus den vergangenen Jahren:

Der Fall Matt Taylor, auch bekannt als „Shirtgate“: Astrowissenschaftler läßt Sonde auf Kometen landen – die wohl unglaublichste Leistung im Weltraum seit einer Generation – und wird wegen seines Hemds solange gemobbt, bis er sich unter Tränen für seine Kleiderwahl entschuldigt.

Der Fall Tim Hunt: Nobelpreisträger hält Vortrag und macht einen Witz, dieser wird völlig aus dem Zusammenhang gerissen und für eine Schmutzkampagne verwendet, um die Karriere des Wissenschaftlers zu beenden.

Der Fall, in dem die deutsche Professorin einem indischen Studenten grundsätzlich keinen Praktikumsplatz anbieten möchte. Begründung: „Indien, das Land mit der schrecklichen rape culture„.

Ja, in welcher Weise war das denn ermutigend? Wo ist hier der Geist von „wenn Du gut genug bist, kannst Du alles schaffen“ zu sehen?

Was Feministen tatsächlich tun

Fundstück Nummer zwei: Der neuerliche Shitstorm gegen Fettlogik überwinden.

Da zerreißen Feministen ein Buch einer Autorin, die es aus eigener Kraft zu einem Doktortitel geschafft hat und ein Sachbuch geschrieben hat. Jemand, den man hochhalten könnte, als Heldin feiern. (…) Und das Buch ist auch noch ein klassisches Empowerment-Buch, das sich bemüht, Leuten das Gefühl der Ohnmacht wegzunehmen, wenn sie glauben, ihr Leben nicht im Griff zu haben, und nichts dagegen tun zu können.

Wie Erzählmirnix selbst berichtet, gab es eine sehr negative Rezension von Nicole Heinz, bei der völlig aus dem Zusammenhang gerissen zitiert wurde und welche dann u.a. von der Mädchenmannschaft verlinkt wurde:

Das fand ich besonders interessant, denn bei allen dieser großen Seiten oder Personen handelt es sich um Profile, die „feministisch“ in der Selbstbeschreibung haben. Dabei empfand ich Teile der Kritik als etwas, das üblicherweise von feministischer Seite wohl als „antifeministisch“ kritisiert würde.

Beispielsweise scheint es in diesem Fall völlig okay zu sein, mir als Frau mangelnde Bescheidenheit vorzuwerfen, weil ich meine Qualifikation herausstelle.

(…)

Nun sage ich nichts, wenn das jemand mit „Laber Rhabarber“ abtut – es ist ja keiner verpflichtet, jetzt in Mitleid auszubrechen. Wenn das allerdings von Feministinnen kommt, deren erklärtes aktivistisches Ziel sich u.a. auf zwei Dinge richtet, nämlich:

1. Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen im Berufsleben zu beseitigen, z.B. sexistische Rollenzuschreibungen der „bescheidenen Frau“, die ja nicht zu „arrogant“ auftreten soll
2. Stalking und Drohungen gegenüber Frauen, die öffentlich ihre Meinung vertreten beseitigen

… dann hat es schon einen gewissen Geschmack, wenn eine solche Rezension unkritisch geteilt und empfohlen wird.

Es ist natürlich nichts Neues. Wir hatten das ja schon im September 2015: Radikalfeministinnen kritisieren erzählmirnix und die Anzahl der Follower geht steil hoch. Wie auch von Fefe erwähnt: Streisand-Effekt. Der Shitstorm hat die Zugriffzahlen auf ca. 100.000 erhöht; die Verkäufe gehen nach oben, die Vorbestellungen ebenfalls. Erzählmirnix selbst witzelte daher schon von einer Shitstorm-Quote, auch wenn ein Shitstorm natürlich nicht so leicht wegzustecken ist.

Erzählmirnix, deren Comics bereits als „Maskuscheiße“ etikettiert wurden, bezeichnet sich sich selbst nicht als Feministin, erkannte allerdings auch Unterstützung von einigen Feministinnen an:

Der feministische Shitstorm der letzten Wochen hatte nun einen geradezu paradoxen Effekt: Er hat mir Feminismus näher gebracht. Zum ersten Mal, dadurch dass ich plötzlich nicht nur mehr die lauten Extreme wahrnahm die kreischten und sich als Furien gebärdeten, wie ich es die letzten Monate und Jahre schon x Mal miterlebt hatte. In den letzten Tagen erlebte ich, wie ganz viele Feministinnen Stellung bezogen, und zwar gegen diesen Bevormundungsfeminismus.

Es ist eben keine Schwarzweißwelt. So gibt es positive Besprechungen von „Fettlogik überwinden“ von Robin Urban und von Onyx. Und warum auch nicht, wo sollte da das Problem sein?

Der Witz ist natürlich nur, dass hier auf zwei verschiedenen Seiten Feministinnen stehen, und man egal, wo man selbst steht, daher immer als „antifeministisch“ gebrandmarkt werden kann. Antifeminismus als Tautologie.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei schwarzweiß fällt mir immer zuerst dieses Lied ein…

Michael Jackson: Black or White

Warum ich einmal grundsätzlich zum „gender empathy gap“ schreibe

Der Begriff „gender empathy gap“ wird taucht immer wieder in der Geschlechterdebatte auf. Aber was steckt genau dahinter?

Ich wollte schon lange einen Grundsatzartikel dazu schreiben, konnte mich aber nie entscheiden, wie herum ich die Argumentation aufziehen wollte. War das „gender empathy gap“ Ursache oder Wirkung, Annahme oder Folgerung? Schließlich wollte ich einen Zirkelschluss vermeiden. Dann las ich, was der Doktorant zu Induktion und Deduktion geschrieben hat, und ich hatte endlich eine Idee. Mal sehen, ob ich sie Sache halbwegs anständig über die Bühne bringe oder mich übernehme.

Meine Definition

Das „gender empathy gap“ – also die Empathielücke zwischen den Geschlechtern – bezeichnet das Phänomen, dass unter denselben Umständen die Angehörige eines Geschlechtes mehr Mitgefühl bekommen als die des anderen. Allgemein gilt dies im Durchschnitt, das heißt, auch wenn allgemein einem Geschlecht weniger Empathie entgegengebracht wird, kann es Fälle geben, in denen das andere weniger abbekommt.

So weit, so gut. Diese Definition sagt so noch nichts darüber aus
– ob dies tatsächlich allgemein so gilt
– welchem Geschlecht gegenüber weniger Empathie gilt
– was die Ursache hierfür ist

Diese Definition ist ferner dafür offen, dass es andere Kriterien für Empathie gibt, die stärker wirken als dieser Unterschied bei ansonsten gleichen Voraussetzungen.

Beispiele für Männer

Männerrechtler / Maskulisten führen an, dass Männern im allgemeinen weniger Mitgefühl entgegengebracht wird. Das fängt an mit Formulierungen in den Nachrichten wie „unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder“, nach denen es offenbar weniger schrecklich ist, wenn Männer die Opfer sind.

Fefe hatte die Frage nach der Empathie einmal in größerem Zusammenhang gestellt, was ich an anderer Stelle bereits zitiert hatte:

Habe vorhin kurz bei zwei Biologen und einer Psychologin nachgehakt:

Im Wesentlichen triggert

  1. der Tod eines Kindes am stärksten,
  2. dann der einer attraktiven Frau im gebärfähigen Alter,
  3. dann folgt der Tod eines „schwachen“ Menschen (alt, körperlich eingeschränkt, geistig eingeschränkt und, tatsächlich, „alle anderen Frauen“ -> also Frau tatsächlich auf derselben Empörungsstufe wie ein „behinderter“ Mensch!)
  4. und dann erst folgen Männer.

Männer im wehrfähigen Alter erhalten das geringste Mitgefühl, wenn ihnen etwas wie „Tod durch Erschießen“ widerfährt.

Die Einsender bei Fefe hatten zum Großteil Evolutionsbiologie als Ursache angegeben. Sowohl die Verfeinerung der Empathierangfolge als auch die Erklärung erscheinen mir schlüssig.

Das Schöne an dem biologischen Hintergrund ist ja: Es ist verständlich, ohne dass es bedeutet, dass es so bleiben soll. Insbesondere in einem westlichen Industriestaat ist nicht einzusehen, warum gegen diese biologischen Grundlagen, die früher einmal sinnvoll waren, nicht jetzt gegengesteuert werden sollte (wenn sich auch, da bin ich realistisch, die Biologie nie verleugnen oder negieren läßt). Insbesondere die kulturelle Ausformung ist ja gerade nicht durch die Biologie vorbestimmt, selbst wenn die Biologie einen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen man sich bewegen kann.

Dies ist kein „reines Männeranliegen“, wie Genderama an einem interessanten Fall belegte. Hintergrund war eine steigende Zahl von Übergriffen gegen Frauen bei der Polizei. Nach wie vor sind allerdings zu 82,5% Männer betroffen, sogar 87,5% bei Totschlag. Ein Leser kommentierte: Bei der französischen Polizei seien Frauen anstrengend, weil sich im Konfliktfall die Männer automatisch vor sie stellten. Man kenne von der israelischen Armee, dass Soldaten ihren Auftrag vergäßen, um eine Soldatin zu retten. Die Veränderung in Deutschland sei also ein Zeichen von Gleichberechtigung. Die Reaktion darauf war allerdings, dass der Chef der Gewerkschaft der Polizei NRW eine Begrenzung des Frauenanteils forderte. Arne Hoffmann urteilte:

Die Tendenz, das Leiden von Männern leichter als das Leiden von Frauen zu gewichten, droht hier ausnahmsweise auch einmal die Gleichberechtigung von Frauen zu torpedieren.

Zur Kultur, genauer zur Popkultur, äußerte sich Blogger uepsilonniks in einem Kommentar bei „Alles Evolution“:

Man schaue sich mal an, wer als Vertreter seines Geschlechts etwa in Action-Filmen Gewalt erfährt und reihenweise getötet wird, ohne dass es den Filmspaß trübt. Wären es Frauen die vom Helden abgeschlachtet würden, der Film würde keinen Spaß machen (genauso wie bei Kindern). Auch das zeigt: Wir verurteilen Gewalt gegen Frauen stärker, leiden mit, können das nicht auf die leichte Schulter nehmen sind also anders als bei Männern dem gegenüber sensibilisiert.

Folgen zur kritischen Beobachtung

Was sind die erwartbaren Folgen eines solchen Empathieunterschiedes gegenüber Männern allgemein bzw. Männern im wehrfähigen Alter?

Nummer eins wäre für mich, dass man sich weniger um diese allgemeine und noch weniger um deren spezielle Untergruppe kümmert. Stattdessen werden sie sich selbst überlassen.

Einen institutionellen Hinweis in diese Richtung haben wir schon: Das BMFSFJ kümmert sich um alle außer Männer zwischen 18 und Rentenalter.

Nummer zwei: Probleme aller Art, von denen sie ausschließlich oder in stärkerem Maße als andere betroffen sind, bekommen weniger Aufmerksamkeit.

Wie ich im oben bereits erwähnten Artikel, in dem ich einen Beitrag von Fefe zitierte, schrieb:

Die geringere Empathie bei Männern wird sich bei der Behebung von Problemen, von denen Männer häufiger betroffen sind (Selbstmord, Obdachlosigkeit, Trennung von Kindern) erschwerend auswirken.

Nummer drei: Wird dann doch einmal spezielle Aufmerksamkeit für diese Gruppen gefordert, dann erwarte ich einen Abwehrreflex, gerne getragen von dem Gefühl, dass man das Mitleid „an die falschen Leute verschwendet, die es am wenigsten brauchen“.

Hier kann dann als „Begründung“ eine Argumentation mit Durchschnitten kommen, etwa welche Gruppe insgesamt im Schnitt reich ist, Macht hat usw., ohne zu berücksichtigen, dass die Mitglieder einer demographisch definierten Gruppe keineswegs untereinander zusammenhalten und alle anderen ausklammern und dass ein Durchschnitt nichts bedeutet, wenn man die Varianz, Standardabweichung, kurz: Verteilung innerhalb der Gruppe zu kennen.

Was die Probleme, die außerhalb der Aufmerksamkeit liegen, angeht, so drückt es Martin Daubney so aus (gefunden via Genderama):

Man muss beweisen, dass Männer und Jungen leiden, weil es die meisten Leute einfach nicht glauben.

Hilfsangebote speziell für Männer und Jungen erleben eine Abwehr. Das führt dann zum Beispiel zu Sachbeschädigung.

Wie kommt man die Probleme derzeit aus dem toten Winkel? Wie es Matze sinngemäß beschrieb: Probleme, die Männer haben, werden erst dann relevant, wenn Frauen durch sie Nachteile erleiden.

Was tun?

Wenn der gender empathy gap tatsächlich vor allem Männer trifft, dann ergeben sich darauf einige interessante Konsequenzen, wenn man Schieflagen mehr Aufmerksamkeit verschaffen möchte, von denen Männer besonders betroffen sind:

Weil Männer weniger Mitleid bekommen…

  1. …ist es wichtig, auf die Verzahnung des Wohlergehens von Männern mit dem von Frauen und Kindern hinzuweisen, also gerade das Gegenteils des „Geschlechterkrieges“ zu präsentieren. Lucas Schoppe hat diesen Aspekt so oft erwähnt, dass ich aufgehört habe, zu zählen.
  2. …ist das Etablieren und Einhalten allgemeiner, universaler Rechte dienlicher als eine spezielle Aufmerksamkeit oder Förderung. Kurioserweise ist letzteres eine Standardforderung von Lügnern und Manipulatoren (SJW) sowie Gender-Feministinnen, während sich auf ersteres einige Gegner dieser Gruppen berufen.
  3. …lohnt es sich, beim Interesse wecken für ein Problem gerade keinen besonderen Wert auf das Geschlecht der Betroffenen zu legen oder weibliche Betroffene ins Rampenlicht zu rücken. Das passt frappierend mit der Beobachtung zusammen, dass sobald über eine Betroffenengruppe berichtet wird, die überwiegend männlich ist, entweder das Geschlecht nicht erwähnt wird oder besonderer Fokus auf der weiblichen Minderheit liegt.

Das alles gilt allerdings nur vor dem Hintergrund, dass man diesen „gender empathy gap“ als „gegeben“ hinnimmt und nicht gegen ihn angeht. Angesichts der Lage der Dinge halte ich es allerdings für utopisch, dass das zuerst geschieht.

Die argumentative Redlichkeit gebietet es außerdem, stets zu messen, ob es Beispiele gibt, die den oben genannten Ausführungen widersprechen. Es darf ja nicht in die Richtung gehen „wir nehmen den gender empathy gap als gegeben hin und stellen ihn nicht mehr in Frage“. Es muss stets eine Offenheit geben in die Richtung „Was würden wir denn erwarten, wenn es sich so verhält? Was beobachten wir in der Realität? Was entspricht unseren Erwartungen, was verhält sich anders?“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dass es tatsächlich einmal eine Band mit diesem Namen gegeben hat…

The Gap Band: Early In The Morning