Kurznachrichten vom 20.11.2017

1: Die Süddeutsche Zeitung berichtet darüber, dass man an Schwedens Universitäten eine Frauenquote für alles einzuführt, was in Seminaren gelesen wird – nicht nur Sekundär-, sondern auch Primärliteratur, und welche aberwitzigen Folgen das hat. Der Beitrag von Thomas Steinfeld ist für die SZ ungewohnt kritisch, was Berichte über die absurden Auswüchse von Political Correctness angeht.

Politisch brisant ist das Versprechen der „Normkritik“ aus mehreren Gründen. Zum ersten verwechselt es das aus den Idealen der Demokratie hervorgehende Prinzip der „Gleichberechtigung“ mit dem Prinzip der „Gleichstellung“. Dabei handelt es sich aber nicht um dieselbe Sache. Denn während die „Gleichberechtigung“ auf die Voraussetzungen zielt, unter denen ein Mann, eine Frau oder wer auch immer sich in die Wechselfälle des gesellschaftlichen Lebens begibt, verlangt das Prinzip „Gleichstellung“, die Dinge umgekehrt, also vom Resultat her, zu betrachten.

„Gleichgestellt“ kann eine Gesellschaft erst dann sein, wenn jede ihrer Fraktionen im gesellschaftlichen Leben angemessen repräsentiert ist, weshalb das Prinzip „Gleichstellung“ dem Prinzip „Gleichberechtigung“ zumindest latent widerspricht: Wenn die Ergebnisse aller Anstrengungen immer die gleichen sein sollen, wird man auf unterschiedliche Voraussetzungen Rücksicht zu nehmen haben. Dann muss man Menschen absichtlich ungleich behandeln, um am Ende Gleichheit erzeugen zu können – irgendwann vielleicht. Weil solche Ungleichbehandlungen aber durchgesetzt werden müssen, immer und überall, setzt das Prinzip der „Gleichstellung“ eine permanente Kontrolle aller gesellschaftlichen Aktivitäten voraus. „Gleichstellung“ ist deswegen ohne einen autoritären Staat nicht zu haben.

In der Tat ist das ungewöhnlich deutlich für die Verhätnisse der SZ, insbesondere der letzte Satz, den auch Fefe in einem süffisanten Kommentar herausstellt.

2: Ein Oberster Richter aus dem Bundesstaat Ohio, Bill O’Neill, der auch für den Senatsposten in Ohio kandidiert, prahlte mit seinem Sexleben, um klarzustellen, dass für ein politisches Amt absolute moralische Reinheit nicht vonnöten sei. Natürlich gab es einen entsprechenden Shitstorm und O’Neill musste teilweise zurückrudern.

3: Ein AfD-Abgeordneter fragt im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern die SPD-Frau Nadine Julitz eine ganz einfache Frage, nämlich wieviele Geschlechter es ihrer Ansicht nach gebe. Was die Befragte ganz gehörig ins Stottern bringt.

4: Nur der Vollständigkeit halber: Das Urteil gegen Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung ist nun endgültig rechtskräftig.

5: Und nun zum Boulevard und zur toxischen Weiblichkeit: Eine Frau beauftragt einen Auftragskiller für ihnen Mann und wird dabei ertappt.

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4 Kommentare zu „Kurznachrichten vom 20.11.2017“

  1. Fefe:

    Nachdem die Leitung des politikwissenschaftlichen Instituts die Liste geprüft hatte, bestand sie darauf, es seien Werke der amerikanischen Feministin Judith Butler darin aufzunehmen. Diese hat zwar weder etwas mit Konservativismus zu tun, noch ist sie Anarchistin. Dafür aber ist sie für die von ihr etablierte Kategorie des „sozialen Geschlechts“ berühmt – und die bloße Nennung ihres Namens gilt als Ausweis einer geschlechtspolitisch angemessenen Gesinnung.

    Ihr seht also: Es ist völlig egal, was gesagt wird. Wenn es ein Mann sagt, ist es ein anachronistisches Auslaufmodell und vergiftete Frucht des patriarchalen Baumes der Unterdrückung, und wenn es eine Frau sagt, ist es gut und wichtig und ein güldener Leitfaden der Weisheit für zukünftige Generationen.

    Die Paradoxie an dieser Brechstangen-„Gleichstellung“ ist ja, dass je freier die Gesellschaft wird, desto weniger haben Frauen Bock auf Männerberufe. Je weniger Druck es gibt, Familie und Privatleben einem Beruf beispielsweise im Management zu opfern, wo 80-Stunden-Wochen und Hingabe bis hin zur Aufopferung gefordert werden, desto weniger Frauen machen das. Leuchtet ja auch ein. Wenn man sich das aussuchen darf, machen die Leute das, worauf sie Bock haben. Und auf so Dauerstress haben Frauen weniger Bock, weil für sie andere Faktoren wichtiger sind als Geld in der Tasche. Nur Männer sind so doof, sich bis 50 kaputtzuarbeiten, dann mit 1-2 Millionen auf dem Konto an Herzinfarkt zu sterben und nichts davon zu haben.

    Der nächste Schritt wird bestimmt noch besser. Wenn man bei der Literatur auch Asiaten und Schwarze gemäß ihrer Anteile an der Weltbevölkerung berücksichtigt. Das kann sicher nicht schaden, um den Horizont zu erweitern. Finde ich jetzt nicht abwegiger als die Frauenquote. Also los, Schweden, macht mal.

    Das Money Quote aus dem Artikel ist jedenfalls das hier:

    „Gleichstellung“ ist deswegen ohne einen autoritären Staat nicht zu haben.

    Aber das ist ja auch genau der Wunsch an der Stelle. Der Ruf der Linken nach Autorität. Die Alt Right und die Ctrl Left.

    http://blog.fefe.de/?ts=a4ef1010

      1. Ja, nervig. Lustigerweise die Dein Text in der Benachrichtigungs-Email noch fett an den Stellen, die Du wohl auch fett gemacht hast. Sprich: „‚Gleichstellung‘ ist deswegen ohne einen autoritären Staat nicht zu haben.“, „Der Ruf der Linken nach Autorität.“ und „Ctrl Left“.

        Mir gings übrigens genauso. Ich habe im Zitat oben auch den Satz „‚Gleichstellung‘ ist deswegen ohne einen autoritären Staat nicht zu haben.“ und den Satz „Dann muss man Menschen absichtlich ungleich behandeln, um am Ende Gleichheit erzeugen zu können“ auch fett gemacht. Ist trotzdem nicht zu sehen. Im Quelltext stehen die Auszeichnungen allerdings als *strong* bzw. *b*.

  2. Abgesehen von der nun wirklich verräterischen Bemerkung mit dem autoritären Staat: Diese 50:50-Teilung geht doch völlig nach hinten los. Immerhin wäre es in einem Seminar doch durchaus hinterfragenswert, warum sich zu diesem Thema überproportional mehr Männer als Frauen geäußert haben (oder auch umgekehrt). In Sachen Gleichberechtigung, meinetwegen auch Gleichstellung, könnte damit sogar ein echter Erkenntnisgewinn verbunden sein.

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