J. B. Peterson im ZEIT-Interview – Zusammenfassung, Analyse, Kommentar

Als erste große deutsche Zeitung, hat ausgerechnet die relativ feministische ZEIT sich die Ehre gegeben, dem äußerst einflussreichen politisch-unkorrekten kanadischen Denker Jordan B. Peterson ein Interview (Paywall) zu geben. Das Interview wird in der Schweiz stattgefunden haben, wo Peterson gerade auf Tour ist. Das Interview ist fair, ausführlich (5 Seiten) und mit gebotener Seriösität und kritischer Distanz. Auf einen Teaser und eine Einleitung, die Peterson erst einmal ins falsche Licht rücken sollen, wurde natürlich trotzdem nicht verzichtet:

„Junge Männer haben gar nichts“

Der kanadische Bestsellerautor Jordan B. Peterson ist der globale Star einer neuen Männlichkeitsbewegung. Er hält das Patriarchat für naturgegeben.

Die Überschrift soll wohl suggerieren, Peterson meine, dass junge Männer total arm dran und ausgebeutet sind, während Frauen alles hätten. Dergleichen will Peterson mit diesem Satz aber nicht zum Ausdruck bringen, sondern etwas völlig anders, was ohne Zusammenhang unverständlich ist. Ich werde unten darauf eingehen. Weiter heißt es, Peterson sei „Star einer neuen Männlichkeitsbewegung“, was dann in den Zusammenhang mit „dem Patriarchat“ gestellt wird. Das ist wörtlich nicht falsch, doch die ZEIT hantiert hier mit Begriffen, die ohne Kontext irreführend sind. Dieser Teaser mit seinen Schlagworten dient in erster Linie dazu, Peterson als einen Geschlechterkrieger vorzustellen, was jedoch eine grobe Verzerrung seines Werkes darstellt. Doch auch dazu unten mehr. Zunächst zum Einleitungstext:

Jordan B. Peterson gilt manchen als „einflussreichster Intellektueller der westlichen Welt“ („New York Times“). Sein Buch „12 Rules for Life“, das einfache Regeln für ein gelungenes Leben herleitet, wurde weltweit mehr als zweieinhalb Millionen Mal verkauft. Petersons YouTube-Kanal hat 1,8 Millionen Abonnenten, auf Twitter folgt ihm eine Million, auf einer Art Welttournee sprach er bereits vor mehr als 250.000 Menschen. Manche seiner meist männlichen Verehrer nennen sich „Hummer“, weil Peterson deren archaisches Dominanzverhalten als Beispiel für die patriarchalische menschliche Gesellschaft dient. Sein 20 Jahre altes, verrätseltes Hauptwerk über das Entstehen von Mythen und Glaubenssystemen [ZEIT meint: Maps of Meaning] fand kaum 500 Käufer – jetzt, im Zuge seines plötzlichen Erfolgs, ist es auf Deutsch erschienen („Warum wir denken, was wir denken“, mvg Verlag). Das späte zweite Leben des 56-Jährigen begann erst vor wenigen Jahren mit seinem öffentlichen Kampf gegen Political Correctness und mit teils irritierenden Thesen zum Verhältnis der Geschlechter. Für Empörung sorgte etwa sein Tweet, man werde für die Frage gekreuzigt, ob Feministinnen den Islam deshalb nicht kritisierten, weil sie sich unbewusst nach männlicher Dominanz sehnten. […]

In dieser Zusammenfassung ist immerhin nichts inhaltlich falsch; doch entscheidende Informationen fehlen hier in so auffälliger Weise, dass ich böse Absicht vermute: Peterson ist ordentlicher Professor der Toronto University und in erster Linie ist er nicht Feminismuskritiker oder überhaupt politischer Denker, sondern akademischer und klinischer Psychologe! Er beschäftigt sich mit Religion, Bibel, Literatur, Evolutionsbiologie, Ethik und Gesellschaft aus psychologischer (jungianischer) Perspektive und nur nebenbei kommt es vor, dass er die letzten Wasserstandsmeldungen zum Geschlechterkampf kommentiert. Es ist ein grundsätzliches Problem der (deutschen) Medien, dass Peterson als Wissenschaftler nicht ernst genommen wird und in erster Linie als eine Art politischer Provokateur wahrgenommen (und verunglimpft) wird, wie der nächste Satz bezeugt:

Heute ist er ein Star der Maskulinisten, die die Männlichkeit gegen die Anfeindungen des Feminismus verteidigen – und der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung. […]

Ah ja. Was die ZEIT unter „Maskulinisten“ versteht und wie viele Jahre Höllenfeuer es laut der Redaktion nach sich zieht, wenn man Männlichkeit gegen den Feminismus verteidigt, kann man sich gut vorstellen, wenn Peterson im selben Satz erst einmal mit dem Rechtsextremismus in Verbindung gebracht wird. Vorsicht Kinder, das ist Bäh! Jeremy-Pascal, nimm sofort den Atommüll aus dem Mund!! Ob es diverse Rechtsextreme gibt, die Peterson etwas abgewinnen können, ist nicht von Interesse. Seine Zielgruppe sind sie jedenfalls nicht. Seine politische Grundhaltung ist liberal-konservativ. In seinen Vorträgen geht er regelmäßig auf die totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts ein und sucht z.B. nach gemeinsamen Ursachen von Kommunismus und Faschismus. Im Interview selbst behauptet die ZEIT noch einmal, dass sein Publikum rechtsextrem ist, was Peterson zurückweist.

Aber halten wir uns nicht länger mit dem manipulativen „linksextremen“ Vorgeplänkel auf. Ich werde im folgenden wichtige Teile des langen Interviews passagenweise zitieren, ggf. zusammenfassen, analysieren und kommentieren:

 

Gleichstellungsfrage

Das erste Thema ist natürlich – wie könnte es anders sein – die ökonomische Ungleichheit von Mann und Frau. Peterson rattert routiniert herunter, was er zu Gender Pay Gap und Gender Mainstreaming zu sagen hat. Chancengleichheit ist nicht gleich Ergebnisgleichheit, weibliche Präferenz zur Kinderbetreuung und Pflege, männliche Präferenz zur Karriere und hoch bezahlten Berufen, etc… altbekannte Dinge halt, die jeder halbwegs belesene Feminismuskritiker so oder so ähnlich erklären würde und für die man eigentlich kein Interview mit Peterson machen müsste. Die ZEIT und die bürgerlich-feministische Leserschaft lassen sich das alles aber vorsichtshalber noch einmal durchkauen, um die Tatsache, dass freie Frauen eher keine Männerrolle einnehmen wollen, ganz langsam und allmählich zu verdauen. Wahrscheinlich hätte die ZEIT auch ein Interview mit Albert Einstein gemacht, um sich noch einmal erklären zu lassen, wie man eine Glühbirne … aber lassen wir das.

Dann geht Peterson kurz auf seine bedeutende Theorie von „agreeableness“ und „non-agreeableness“ ein und führt diese beiden gegensätzlichen Charaktermerkmale als Faktor für die durchschnittlich niedrigere Bezahlung von Frauen ein:

[…] Frauen sind auch konfliktscheu. Und konfliktscheue, verträgliche [„agreeable“] Menschen verdienen weniger, weil sie für sich selbst nicht so gut verhandeln.

Agreeable und non-agreeable bzw. disagreeable sagen aus, inwiefern Menschen bereit sind, Widerspruch zu leisten und ich gehe davon aus, dass er diese Begriffe im englischen Original benutzt hat. Peterson erklärt in seinen Vorträgen regelmäßig, dass agreeableness eine tendenziell weibliche Eigenschaft ist und non-agreeableness tendenziell männlich. Dies wirkt sich natürlich (unter anderem) auf den Lohnanspruch aus. Ich persönlich würde allerdings nicht sagen, dass Frauen „nicht so gut verhandeln“, sondern ich würde eher meinen, dass sie eine andere Zielsetzung haben. Sie haben ganz einfach nicht den eigenen Anspruch, möglichst viel bei einer Gehaltsverhandlung heraus zu holen, weil dies ihren sozialen Status nicht erhöht. Bei der Frage, welche Chancen Peterson dem umgekehrten Ernährermodell (Karrierefrau, Hausmann) einräumt, kommt er auf die Frage des sozialen status selbst zu sprechen:

Peterson: Ich glaube nicht, dass das funktioniert, insbesondere weil Frauen den niedrigeren Status ihrer Männer nicht tolerieren können, der damit verbunden ist.

Dies ist natürlich eine Verallgemeinerung, was die ZEIT auch prompt bemängelt. Doch diese Verallgemeinerung ist als soziologisches Modell aufzufassen und nicht als Aussage über Einzelfälle. Des weiteren sollte man bei Peterson beachten, dass er in der Regel als Psychologe über unterbewusstes Handeln spricht. Wenn er also davon redet, dass Frauen von Männern Status und Geld verlangen, dann meint er nicht unbedingt, dass sie das bewusst tun.

Männlichkeitskrise und Sexualität

Peterson soll zum Incel-Terroristen von Toronto Stellung nehmen, den er angeblich in Schutz genommen haben soll. Peterson weist das zurück und erklärt stattdessen, dass er nur versucht habe, die psychischen Beweggründe des Täters nach zu vollziehen:

Nur die Zugehörigkeit zu einer schwachsinnigen Organisation ist keine Erklärung. Ich habe gesagt, dass der junge Mann böse auf Gott war, weil die Frauen ihn zurückgewiesen hatten. […]

Um das Thema „böse auf Gott“ wird es später noch ausführlicher gehen.

ZEIT: Sie haben aber auch gesagt, dass „erzwungene Monogamie“ für [Incels] eine Lösung wäre. Das ist verstörend.

Peterson: Das ist in erster Linie ein anthropologischer Fachbegriff und bezeichnet die sozialen Normen, die langfristige monogame Beziehungen fördern. Es gibt eine starke Neigung vieler Kulturen zu erzwungener Monogamie, auch Gesetze können dies begünstigen. Ein Grund dafür ist, dass polyamore Kulturen extrem gewalttätig werden. Jeder weiß das.

Petersons Ausführungen sind hier recht plump. Soweit ich weiß, ist er der Meinung, dass eine monogame gesellschaftliche Ordnung sicher stellt, dass kein Mann zu kurz kommt und daher nicht aggressiv wird. Das mag schon sein, doch was das nun mit den Incels zu tun haben soll, bleibt schleierhaft. Dass „jeder weiß“, dass „polyamore Kulturen extrem gewalttätig werden“ ist mir neu. Die Tyranneien des 19. und 20. Jahrhunderts waren jedenfalls nicht „polyamor“ und die Gewalttätigkeit in der modernen islamischen Gesellschaft, auf die Peterson hier möglicherweise anspielt, hat mit Polyamorie nichts zu tun. Sehr schwacher Teil, doch es folgt ein stärkerer:

ZEIT: Was läuft falsch bei jungen Männern? Sie reden oft über deren Probleme.

Peterson: Das, was immer falsch lief. Warum sind sie für eine vernünftige Frau nicht attraktiv? Junge Männer haben gar nichts, keine Begabung, keine Fähigkeiten, keine Erfahrung. Sie haben Jugend und Potenzial, das ist schon was, aber …

ZEIT: Das gilt genauso auch für junge Frauen, oder?

Peterson: Keineswegs. Junge Frauen sind schön und attraktiv.

ZEIT: Junge Männer nicht?

Peterson: Das ist nicht dasselbe.

ZEIT: Warum?

Peterson: Weil Männer keine Babys haben.

ZEIT: Wie meinen Sie das?

Peterson: Männer und Frauen wählen einander auf unterschiedliche Weise. Eine wichtige Eigenschaft für die Paarungsattraktivität ist die Jugend von Frauen. Sie ist für Männer in Bezug auf Frauen viel wichtiger als umgekehrt – das gilt für alle Kulturen, denn Jugend bei Frauen wird mit Fruchtbarkeit assoziiert. Nicht bei Männern, jedenfalls kaum. Männer und Frauen wählen einander nach Intelligenz, Humor, physischer Attraktivität aus – aber es gibt eben Unterschiede.

ZEIT: Und die jungen Männer?

Peterson: Sie haben sich noch nicht etabliert, also sind viele von ihnen nicht besonders attraktiv. Frauen auf Datingsites bewerten 85 Prozent der Männer unterdurchschnittlich, bei Männern ist es fifty-fifty.

Das ist übrigens der Zusammenhang, aus dem die ZEIT die Artikelüberschrift gerissen hat. Ich denke, inhaltlich ist dem nichts weiter hinzuzufügen. Peterson führt dann weiter aus, dass sich diese Situation heute durch Digitalisierung, Pornofizierung und den „Kollaps traditioneller Heiratsstrukturen“ verschärft hat, doch dieser Teil ist dann leider wieder ziemlich vage gehalten. Er will darauf hinaus, dass die Krise junger Männer durch die traditionelle Ehe überwunden werden kann und casual sex mit Vorsicht zu genießen ist.

Außergewöhnlich interessant dabei ist, dass Sexualmoral auf dem ersten Blick etwas für Konservative, für Traditionalisten wie mich zu sein scheint. Aber gerade die radikale Linke hat einen Knoten in der Unterhose wegen der sexuellen Übergriffe. Die #MeToo-Bewegung ist überall. In 20 amerikanischen Staaten haben wir Gesetze, die die ausdrückliche Zustimmung zu Sex regeln, und es gibt sexuelle Verhaltensregeln an den Universitäten, nach denen Sie jeden kleinen Schritt in einer intimen Beziehung vorher mündlich verhandeln müssen. Das gute alte sexuelle Tabu, das wir glaubten, los zu sein, manifestiert sich bei der radikalen Linken noch stärker, und das heißt doch was.

Ja sehr richtig, das heißt sehr wohl etwas. Doch was, lässt Peterson dabei leider offen, weswegen ich hier mal eine Interpretation dieses Befundes wage: Die zeitgenössische feministische Prüderie, dieser neue Viktorianismus, entspringt in einer Verdrängung der tabuisierten („sexistischen“) erotischen Wünsche und einer Projektion dieser auf die „toxische Männlichkeit“. Diese Projektion, diese Beschämung des Gegenübers, ist für die gut-bürgerliche akademische mehr oder weniger feministische junge Generation die einzige Möglichkeit der Offenbarung des eigenen hochpeinlichen natürlichen Trieblebens (neben der Pornographie versteht sich). Gerade bei Metoo und im feministischen Sexualstrafrecht offenbart sich in diesem Sinne der starke Wunsch nach sexueller patriarchaler Unterwerfung. Die Feministinnen von heute sind zumindest von dominanter Männlichkeit offensichtlich völlig fasziniert, so viel steht fest. Man erkennt es ja schon an dem verklemmten Verhältnis des Feminismus zum Islam, das Peterson ja schon süffisant kommentiert hat (siehe oben). Und damit kommen wir zum nächsten Thema: Dem „Patriarchat“, das Jordan Peterson, ja für naturgegeben halten soll, wie die ZEIT im Teaser schon vorlaut heraus prusten musste. Doch was genau heißt das?

 

Chaos und order

Peterson: […] Soziale Hierarchien repräsentieren Ordnung – und sie sind männlich. […] Die Gesellschaft ist ein Patriarchat – das bedeutet, sie ist männlich dominiert. Das genau ist mein Punkt, es ist eine natürliche Kategorie. Die andere Frage ist: Warum steht das Weibliche für Chaos? Zunächst: Irgendetwas muss Chaos sein, denn das ist der Gegenspieler von Ordnung. Da ist aber noch mehr, denn das Weibliche ist die Natur, Mutter Natur – ein Prozess, der Reproduktion organisiert. Während menschliche Weibchen sexuell selektiv sind, sind sie die Natur. Das ist nicht nur symbolisch. Natur ist, was auswählt, das ist die darwinistische Definition. Und das sind die Frauen. […]

Um das zu verstehen, ist zunächst eine Erläuterung zu Petersons Grundbegriffen von chaos und order von Nöten. Chaos ist zunächst nichts böses oder schlechtes, sondern die unberührte Natur, die jenseits von Gut und Böse ist. Diese assoziiert Peterson mit dem weiblichen Prinzip, wie er es in dem Abschnitt erklärt. Order (also Ordnung) ist das schöpferische männliche Prinzip – die menschliche (oder auch göttliche) Ordnung. Weiblich und männlich sind hier zunächst als Symbolisierungen zu verstehen. Diese Konzepte hat sich Peterson nicht selbst ausgedacht, sondern sie aus seinen Studien zu Mythen, Bibel, Brauchtum und der analytischen Psychologie Carl Jungs entnommen bzw. abgeleitet. Sie bezeichnen, um es noch einmal zu betonen, ein Phänomen des Unterbewusstseins. Auf die konkrete menschliche (Geschlechter-)Ordnung sind diese Prinzipien nur bedingt anzuwenden. Diesbezüglich sagte Peterson einmal den netten Satz: „Männer testen Ideen, Frauen testen Männer“. Peterson erteilt allerdings einer patriarchalen sozialen Ordnung eine klare Absage (leider ohne dies zu begründen). „Das Patriarchat“, das Peterson für naturgegeben hält, wie uns die ZEIT am Anfang weismachen wollte, ist also nicht das fiese Weinstein-Hitler-Unterdrücker-Patriarchat aus der lüsternen feministischen Fieberfantasie, sondern er redet über den psychologischen Vaterarchetypus aus der analytischen Psychologie von Jung, bzw. – wie ich persönlich es nenne – das Patriarchat der Seele. Und dieses Patriarchat existiert heute wie vor 10000 Jahren. Es ist nun mal naturgegeben. Unterdrückung ist es, es zu verleugnen. Wenn Peterson nun sagt „Die Gesellschaft ist ein Patriarchat“, meint er, dass der Ursprung jeder gesellschaftlichen Ordnung dem Vaterarchetypus entspringt, wodurch jede Rebellion gegen die Ordnung eine Rebellion gegen den psychologischen Vater ist, wie im folgenden vielleicht deutlicher wird:

Peterson: Betrachten wir die symbolische Repräsentation – sagen wir Ordnung-Männlichkeit. Sie teilt sich in zwei gleich mächtige archetypische Unterkategorien, eine ist positiv, die andere negativ. Die positive ist der weise König, die negative der Tyrann. Der Tyrann allein, glauben die Radikalen, sei unsere Kultur. Aber das ist nicht nur so – man kann es fälschlicherweise so sehen, weil jede Kultur auch ein Monster ist. Die menschliche Geschichte ist vom ersten Tag an von Blut und Katastrophen gezeichnet. Jede soziale Struktur bringt auch Schreckliches hervor. Aber man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Radikalen kritisieren das Patriarchat nur für seine blutige und brutale Seite.

Peterson als PC-Gegner

Machen wir weiter mit etwas weniger abstrakten Themen. Wie ich ja schon angemerkt habe, krankt die mediale Peterson-Rezeption daran, ihn in erster Linie als einen politischen Provokateur o.ä. wahrzunehmen. Wenn man sich die vorangegangenen Passagen anschaut, ist das allerdings nicht verwunderlich. Seine Thesen sind unvermeidbar politisch, eben weil sie politisch-unkorrekt sind.

Peterson: […] Es ist kompliziert, weil ich vor einigen Jahren in diese politische Debatte verwickelt wurde, worüber ich nicht sehr glücklich bin, aber …

ZEIT: Sind Sie nicht?

Peterson: Nein, überhaupt nicht! Ich finde das sehr anstrengend. Die Politiker in Kanada haben damit begonnen, Dinge zu beeinflussen, in die sie sich verdammt noch mal besser nicht eingemischt hätten.

ZEIT: Sie meinen die Sprache?

Peterson: Die Regulierung der öffentlichen Rede – das ist ein großer Fehler. Ich fand das nicht akzeptabel, aber ich bin nicht erfreut, in diesen hitzigen Streit hineingezogen worden zu sein.

Und weiter unten:

ZEIT: Macht es Ihnen nicht auch große Freude, diese ganzen Linken zu provozieren?

Peterson: Nein. Nein. Es klingt abgefahren, aber ich genieße das nicht. Ich bin eher konfliktscheu. Die Folgen davon, diese Konflikte nicht auszutragen, schrecken mich aber noch mehr. Als klinischer Psychologe weiß ich, was es bedeutet, Probleme ungelöst zu lassen.

Und im weiteren Verlauf:

Eine Reihe von wissenschaftlichen Artikeln erscheint demnächst im American Psychologist, der Flaggschiffpublikation meiner Zunft, die hervorheben, was gegen Mikroagression unternommen werden muss. […]

… was aus seiner Sicht auf das Verbot von Sarkasmus, wütenden Äußerungen und Witzen hinauslaufen wird. An anderer Stelle betont er eindringlich die Wichtigkeit der freien Rede und des freien Denkens an den Universitäten, deren Grenzen Peterson ja selber regelmäßig aufgezeigt bekommt.

 

Peterson als Person

ZEIT: In Ihrem ersten Buch schreiben Sie, den archetypischen Helden charakterisiere „die Weigerung, Bedeutung für Sicherheit zu opfern“. Sind Sie das?

Peterson: Ja, definitiv.

ZEIT: Sie sind also ein Held?

Peterson: Das ist ein Ideal.

[…] Schon vor langer Zeit habe ich einen Entschluss gefasst: Ich berechne nicht die Konsequenzen dessen, was ich sage. Ich sage, was ich denke. Das ist ein ganz anderer Seinszustand. Ein fundamentales Element des Glaubens an die Macht der Wahrheit ist, dass man nicht plant. Wie bei diesem Interview. Ich bin nicht hier hereingekommen und habe gedacht: „Das will ich erreichen.“ Sondern: „Sie werden mir Fragen stellen, und ich werde Ihnen so gut antworten, wie ich nur kann.“

Diese Grundeinstellung ist meiner Meinung nach der wesentliche Grund dafür, dass er so souverän wirkt und nicht wie ein Funktionär, der sein Programm abarbeitet. Bei seinen Vorträgen hat er meist nur einen groben roten Faden, meistens schweift er lange ab und lässt sich von seinen Gedanken treiben, ohne sie groß zu steuern. Er verlässt sich in gewisser Weise darauf, von einer höheren Weisheit als der bewussten eigenen gelenkt zu werden. Bzw. wie er es formuliert:

Das Problem mit der Planung ist, dass man bestenfalls das bekommt, was man will. Sie bekommen nie das, was besser ist als das, was Sie wollen. […]

Dies lässt Petersons Vorträge zu etwas außergewöhnlichen werden, was ihn zusammen mit seinen Ratschlägen und Ermahnungen an sein Publikum bisweilen wie einen Prediger wirken lässt.

ZEIT: Und doch wirkt es, wenn man die Verehrung der Menschen sieht, als seien Sie auf dem Weg, eine Art Glaubensführer zu werden.

Peterson: Religiöse Annahmen liegen dem Weltbild aller Menschen zugrunde.

Der Begriff „religiös“, den Peterson hier verwendet ist unpräzise. Gemeint ist das archetypische Unterbewusstsein. Leider antwortet er nicht direkt auf die Frage, die darauf anspielt, dass er vielen Menschen Hoffnung, (männliches) Selbstbewusstsein und vor allem Orientierung gibt. Petersons Hauptfeind ist nämlich nicht die PC oder der Marxismus oder dergleichen, sondern eigentlich der Nihilismus, den er als Rebellion gegen Gott auffasst. Einer seiner wichtigsten Referenzen ist Friedrich Nietzsche, der bekanntlich formuliert hat, dass der moderne Mensch „Gott getötet“ hat und der sich nun den Kopf darüber zerbrach, wie diese Verbindung wieder hergestellt werden kann. Carl Jung hat Nietzsches Werk weitergeführt, indem er Gott in der menschlichen Psyche wiederfand, wenn man so will. Peterson wiederum ist, wie schon mehrfach dargestellt, in erster Linie Jungianer. Ein religiöser Führer ist er damit nicht, weil Peterson kein religiöses Dogma und keine konkrete Gottesvorstellung vermittelt und auf dem Boden der Naturwissenschaft bleibt. Auch wenn er getauft ist, ist sein Weltbild konfessionslos, aber keineswegs atheistisch und auch nicht wirklich agnostisch. Petersons Verständnis von Gott psychologisch und greift auch hin und wieder in die Mystik hinein. Seine Vorträge können daher wie Predigten wirken und sind durchaus auch dazu gedacht den Glauben an Gott, bzw. wie Peterson es häufig nennt „das Göttliche“ zu stärken bzw. zu entdecken.

[…] Ich spreche zu den Menschen über die Schwierigkeiten ihres Lebens und darüber, dass diese unvermeidbar sind. Die Vorträge sind sehr dunkel. Aber je mehr sich die Menschen den dunklen Dingen stellen, desto besser können sie sich vorstellen, sie zu überwinden. Es gibt keinen radikalen Optimismus ohne vorherigen radikalen Pessimismus. Die gesamte psychologische Literatur über die erfolgreiche Behandlung psychischer Störungen basiert auf dieser Idee.

Mit viel Leidenschaft und Energie redet Peterson in seinen Vorträgen über die Massenmorde des 20. Jahrhunderts, Psychopathen und die Hölle auf Erden, die man erfährt, wenn man sein Leben nicht in den Griff bekommt. „Catastrophy“, „pathologic“, „bitter and resentful“, „literally hell“ und weitere sind Worte die jeder auswendig mitsprechen kann, der sich ein paar der Vorträge angeschaut hat. Die hellen und schönen Seiten der Welt bzw. der Psyche, die Liebe, das Paradies, die Ausschweifung kommen dagegen eher kurz.

ZEIT: Haben Sie jemals nachts wachgelegen und sich gefragt, ob Sie die Büchse der Pandora geöffnet haben?

Peterson: Jede einzelne Nacht. Und das meine ich todernst.

Peterson ist ein eher düsterer Typ, der in tiefe menschliche Abgründe geschaut hat, aber eben daraus seine Weisheit bezieht. Er gibt gelegentlich ein Carl-Jung-Zitat zum besten, dass auch in diesen Zusammenhang passt: „Die meisten Menschen finden Gott nicht, weil sie nicht tief genug suchen.“

 

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Walexplosion bei der ZEIT: Frauen, hört endlich auf sexy zu sein!

Vorab: allen Leserinnen und Lesern, allen Lesenden und LeserXen, ein ganz herzlichen Glückwunsch zum diesjährigen Walexplosionstag 2017. Am 12. November 1970 strandete ein ausgewachsener toter Pottwal am Strand von Oregon (USA). Die Behörden wollten das Tier beseitigen, aber wie entfernt man einen tonnenschweren Wal? Den riesigen Kadaver im Ganzen ab zu transportieren ist schwierig, also zerlegt man ihn vorher in Stücke. Und wie geht das am schnellsten? Richtig: mit einer halben Tonne (!) Dynamit. An diesem 12. November vor genau 47 Jahren passierte das, was der große Schriftsteller Stefan Zweig eine „Sternstunde der Menschheit“ nennen würde: Ein stinkender schleimiger Walkadaver wurde in tausend Stücke gesprengt und regnete stückchenweise in einem Radius von mehreren hundert Metern auf Land und Leute hernieder. Todesopfer: mindestens ein Auto, das von einem gewaltigen Fleischmeteoriten zerschlagen wurde. Um diesen denkwürdigen Moment zu feiern, veranstaltet mein Mitbewohner jedes Jahr den Walexplosionstag: er bäckt Kuchen und es wird gesoffen: Auf den Irrwitz der Menschheit!

Offenbar möchte sich auch die ZEIT dieser Tradition anschließen, denn der neue „Sexismus“-Artikel bringt den alten stinkenden Kadaver namens „Sexismus“ endlich zur Explosion. Eine neue Qualität wurde erreicht. Und „neue Qualität“ bedeutet nicht „neuer Tiefpunkt“ sondern mehr: Der Artikel ist eine radikale Gesellschaftskritik.

Wenn aber – mit Marx – radikal sein heißt, ein Problem bei der Wurzel zu packen, dann müssen Frauen schon auf dieser tieferen Ebene dazu ansetzen, aus dem asymmetrischen Regime des Gutaussehenmüssens auszubrechen. Sie müssen aufhören, sich zu schminken, zu schmücken und zu stylen, sich selbst permanent als Körper zu präsentieren.

Und radikal bedeutet hier nicht „extrem“ oder „männerfeindlich“ und schon gar nicht bedeutet es „besonders dumm“, sondern radikal bedeutet hier, dass hier tatsächlich das Problem bei der Wurzel (radix) gepackt wird und rücksichtslos rausgerissen wird; Mit allen Konsequenzen wie zum Beispiel herabregnende Kadaverstücke. Operation geglückt; Patient aber leider gestorben. Die Autorin Barbara Kuchler plädiert dafür, dass sich Frauen weniger schön machen müssen, da sie ansonsten Teil des frauenunterdrückenden „Systems“ seien. Ihre Ausgangsthese (die im Artikel leider sehr weit hinten steht) ist äußerst hellsichtig; sie dreht sich um die Doppelbelastung von Frauen:

Und noch eine Warnung an die weiblich-selbstbewussten Frauen, die jetzt sagen: „Ich kann beides, Leistung bringen und gut aussehen, und wer denkt, dass sich das ausschließt, ist Opfer seiner Vorurteile.“ Im besten Fall läuft das auf eine Doppelbelastung von Frauen hinaus, wie wir sie am Punkt „Kinder und Karriere“ schon kennen und fürchten gelernt haben: Es lässt sich eben nicht einfach problemlos beides nebeneinander machen, sondern wer beides macht, bezahlt mit einem insgesamt gesteigerten Stresslevel. Dieselbe Doppelbelastungsgefahr droht auch in puncto „Karriere und Gutaussehen“. Mädchen und Frauen dürfen zwar jetzt auch in Sachen Leistung voll ran, ohne aber in Sachen Aussehen dafür entlastet zu werden.

Und da stimme ich ihr voll zu: Frauen, die glauben, dass sie Barbiepuppe und Bundeskanzlerin sein können machen sich Illusionen und werden an diesen Erwartungen meistens scheitern. Ich finde es daher wunderbar, dass hier eine Feministin klipp und klar die Vereinbarkeitslüge anspricht, an der sich Millionen Frauen in der westlichen Gesellschaft sinnlos kaputt arbeiten. Doch der nächste Schritt, den die Radikalfeministin Kuchler nun gehen muss ist fatal. Da sie als Feministin  selbstverständlich Frauen, wie sie nun mal gerne und freiwillig sind nicht akzeptieren kann und sie unbedingt zu Männern umerziehen muss, platzt nun die Bombe im Walbauch. Hier nur ein paar Häppchen aus dem großen Fundus von fauligen Walspeck-Fetzen:

Schulen: Verschärft eure Kleidungsvorschriften und zwingt Mädchen, ebenso viel von ihrem Körper zu bedecken wie Jungs.

Oder

Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung. Geht nicht mehr als einmal im Vierteljahr zum Friseur.

Und

Politiker, Frauenminister: Droht mit der Regulierung der Modeindustrie! Erwägt Vorschriften, wonach Modefirmen gleich viele Artikel im Frauen- und im Männersortiment haben müssen und gleich viel Geld für deren Produktwerbung ausgeben müssen, oder bestenfalls um einen gewissen, anpassbaren Faktor von 1,5 oder 1,25 differierend. Nein, das ist nicht schön und freiheitlich. Aber dafür spart man hinterher Regulierungsaufwand in Sachen Antidiskriminierung und Anti-Grapsch-Gesetzen.

Leider hab ich nicht so viel Zeit diese ganze radikale Moralisierung, diesen widerwärtigen autoritären Modernisierungseifer, diese kulturfeindliche wahnhafte Gleichheits-Ideologie zu kommentieren. Denn ich muss jetzt Kuchen essen und Bier trinken: Auf den Untergang von Schönheit, Liebe und menschlicher Kultur! Prost!

Fundstück: Warum scheiterte Hillary Clinton – ganz ohne Verschwörung?

Fefe erwähnt einen hochinteressanten Artikel in der Basler Zeitung. Unter dem Titel „Der Totalschaden“ berichtet Markus Somm über ein Buch, das die Hintergründe für den gescheiterten Wahlkampf erklärt. Fefes Ultrakurzzusammenfassung:

Hillary Clinton ist nicht am FBI oder den Russen gescheitert, sondern an Hillary Clinton. Sie war im Wahlkampf ein paranoider Kontrollfreak und die Dinge entglitten ihr der Reihe nach, aber — und das ist für mich der wichtigste Punkt an der ganzen Sache — die Presse war so Pro Hillary, dass sie nichts davon berichteten.

die ideologische Brille

Den Autoren Markus Somm hatte ich erst kürzlich positiv erwähnt. Ich erinnere mich an einen Kommentar unter dem Artikel in der Basler Zeitung, der ihn kritisierte. Und auch unter diesem Artikel fehlt es nicht an kritischen Rückmeldungen. Man überfliege zum Vergleich die ersten Abschnitte dieses Portrait in der Zeit – „rechtsbürgerlich“ im Gegensatz zum linken Basel, führt als Zürcher eine Basler Zeitung, dann wird eine Verbindung zu Christoph Blocher hergestellt… nun ist „die Zeit“ natürlich nicht neutral, sondern hat auch ihre Feindbilder. Was ich als Schnittmenge aus der Kollision der Weltbilder mitnehme: Markus Somm ist irgendwo zwischen liberal und konservativ, auf jeden Fall nichts links. Was ist von seinem Artikel zu halten, wenn man diese Information im Hinterkopf behält?

Die Fakten

Das erwähnte Buch stammt von Jonathan Allen und Amie Parnes. Es heißt „Shattered: Inside Hillary Clinton’s Doomed Campaign“ (Übersetzung der Basler Zeitung: „Zertrümmert: Im Innern von Hillary Clintons dem Untergang geweihter Kampagne“).

Einordnung und Deutung

Die beiden Autoren werden als linksliberale Journalisten bezeichnet, die der Kampagne Clintons positiv gegenübergestanden hätten. Als sie ihre Recherche eineinhalb Jahre vor der Wahl begannen, seien sie sicher gewesen, den Weg zum Sieg zu dokumentieren. Dabei seien nicht die Gegner, sondern die Freunde Clintons zu Wort gekommen.

Sie hätten mit mehr als Hundert Mitarbeitern Clintons gesprochen, denen sie sowohl Anonymität zugesagt hätten als auch eine Veröffentlichung des Buches erst nach der Wahl. Das habe dann äußerst ehrliche Antworten ermöglicht.

All das hat, wenn man es skeptisch betrachtet, einen Sinn: Das Buch soll als authentisch präsentiert werden. Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen und dann noch von Wohlwollenden ist die beste Kritik, die man sich als Gegner vorstellen kann, sofern diese negativ ausfällt.

Es ist also eine gehörige Portion gesunder Zweifel geboten, wenn man sich die Schilderung durchliest. Allein – schlecht geschrieben ist es nicht. Es ist eben nicht die Geschichte eines Menschen, der scheitert, weil die Linken durch und durch verkommen wären (was ja eine viel dankbarere Geschichte ergeben würde bei Lesern, die die Linken nicht mögen), sondern der an sich selbst scheitert. Um eine peinliche Episode herauszugreifen:

das katastrophale Interview

Hillary Clinton wünschte sich ein Interview „mit Brianna“. Ihre Sprecherin, mit der sie nicht einmal direkt kommunizierte, organisierte eines mit Brianna Keilar von CNN, welche sich nicht mit kritischen Fragen zurückhielt.

Es kam nicht so heraus wie geplant. Keilar stellte sich als ­kritische, ja aus der Sicht von Clinton unverschämte Befragerin heraus: «Würden Sie ­jemanden wählen, dem Sie misstrauten?», fragte Keilar etwa, was Clinton aus der Fassung brachte: «Sie starrte sie mit Messern in den Augen an», erzählt eine Mitarbeiterin der Clinton-Kampagne. Das Interview galt als Desaster.

Gemeint war jedoch Brianna Golodryga von Yahoo! News, von der Clinton wohl eine wohlwollende Behandlung erwartete, weil deren Mann ein Freund der Clintons war. Mal von der Peinlichkeit dieses Fehlers abgesehen – und solche Klopper passieren durchaus – spricht es doch Bände, dass hier Journalisten nach Wohlwollen ausgewählt werden und man sich keine kritischen Fragen gefallen läßt. Das ist kein spezifisches Problem der Linken, sondern wird bei jedem Politiker kritisiert. Es ist außerdem ein Negativkriterium, auf das man sich über alle politischen Gräben hinweg einigen kann.

Es hat nichts mit ihrem Geschlecht zu tun

Das interessanteste Element an der Erzählung ist jedoch: Das Geschlecht spielt keine Rolle! Hillary Clintons Niederlage ist weder „aufgrund“ noch „trotz“ ihres Geschlechtes geschehen, sondern aufgrund von schweren Fehlern. Man könnte die gesamte Geschichte auch mit einem „Joe Smith“ erzählen.

Und gerade der „falschen“ Brianna wird das bescheinigt, was bei dem Gros der Journalisten während des US-Wahlkampfes schmerzlich vermisst wurde: Professionelle Distanz. So sieht es aus, wenn Frauen durch Leistung überzeugen, und es ist eben nicht zuviel verlangt und es muss nichts geschenkt werden, „weil sie eine Frau ist“.

Der Artikel wäre jedoch nicht vollständig ohne seine kritischen Kommentare. Wie viele Zeitungen moderieren ihre Kommentare stark oder haben die Kommentarfunktion ganz abgeschafft? Hier stehen zumindest sehr kritische Reaktionen. Es ist heutzutage so einfach, besser in Sachen Meinungsfreiheit zu sein als der Durchschnitt…

Aktualisierung: weitere Artikel hier im Blog, die sich mit dem Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen befasst haben:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Der Name Clinton ist nicht automatisch mit Misstönen in Verbindung zu bringen…

George Clinton: We Got The Funk

Zeit und Pendler: Wenn die Genderaspekte ungemütlich sind

Mehr als doppelt soviele Männer als Frauen pendeln. Männliche Pendler legen dabei längere Strecken zurück als Pendlerinnen. So hätte die Überschrift in den „Qualitätsmedien“ heissen können. Wäre es andersherum, so stände das auch da.

Zeit Online ist ja schon ein ziemliches Genderkampfblatt. Locker drei radikalfeministische Artikel pro Tag, dazu noch das feministische Sonderschulprojekt Zett und daneben noch mit Frau Kahane und anderen Kämpfer_*Innen gegen Freiheit und Wahrheit unter einer Decke. Frauen-sind-besser-aber-Opfer-Quoten-her-und-wir-müssen-dringend-über-Menstruation-bei-weiblichen-Führungskräften-reden.

Aber halt auch nur wenn es paßt. Bei Pendlern anscheinend nicht. Obwohl, das ist sexistisch. Das muß „pendelnde“ heißen!

Pendler sind gestresster und anfälliger für Krankheiten – auch für psychische.

Na, da fällt dem maskulistisch geschulten Leser doch was ein. Haben Frauen nicht gerade erst mit der Lohnarbeit für dieses Jahr angefangen? Und war einer der nicht näher untersuchten Gründe für den Gender Pay Gap von ca 23%-2% nicht die größere Flexibilität von Männern? Von unbezahlten Überstunden und all dem patriarchalen Dreck? Von der Bereitschaft zu Pendeln etwa? Und da ist ein ganzer Artikel in der Zeit ohne Genderaspekt?

Aber schauen wir uns mal an, was der Spiegel zu sagen hat. Denn die Qualitätspresse schreibt ja eh nur von dpa ab. Spiegel, das einstige Sturmgeschütz der Demokratie, heute eher die Heimat von Radikalverwirrten Gendertröten wie Stokokowski. Ein weiterer Quell von feministischen Lügen und Unsinn und hat auch sein eigenes feministisches Sonderschulprojekt namens Bento.

„Die verfügbaren Untersuchungen zeigen, dass tägliche Pendelmobilität die körperliche und psychische Gesundheit der Erwerbstätigen gefährden kann und einen negativen Einfluss auf das Gesundheitsempfinden hat“, sagt Simon Pfaff vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Scheint, daß SpOn irgendwas auf der Spur ist.

„Je länger die Fahrzeit der Erwerbstätigen, desto größer die Belastung, auch weil weniger Zeit zum Regenerieren bleibt.“ Die Krankenkassen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema. So haben Pendler laut einer Studie der Techniker Krankenkasse ein höheres Risiko, psychisch zu erkranken.

Nur was? Schauen wir mal in den Artikel, den SpOn schon letztes Jahr zur gleichen Studie vom selben Auftraggeber gebracht hat und praktischerweise verlinkt ist.

Für den typischen Fernpendler ist Hammer ein gutes Beispiel: Er ist promovierter Physiker, hat Frau und zwei Söhne und ist Alleinverdiener. Seine Familie sieht er nur am Wochenende. „Das Pendeln ist ein notwendiges Übel“, sagt er.
Hammer wechselte nach Düsseldorf zu einem Mobilfunkanbieter ins Management, weil er dort bessere Karrierechancen sah. Frau und Kindern wollte er den Umzug aber nicht zumuten, so wie viele Pendler. DGB-Experte Adamy erklärt das mit der insgesamt gestiegenen Berufstätigkeit bei Frauen: „Wenn sie hinterherzieht, ist das Risiko groß, dass sie keine gleichwertige Stelle mehr findet.“

Adamsky scheint ein großer Spezialexperte zu sein. Was sagt uns uns das Wort „Alleinverdiener“ in Bezug auf Hammers Frau? Da kommt der nie drauf. Dafür komme ich nicht darauf, wie steigende Berufstätigkeit von Frauen das Risiko steigert, keine gleichwertige Stelle mehr zu finden. Konkurrieren Frauen um Frauenarbeitsplätze? Oder haben die halt einfach keinen Bock zu pendeln? Das würde ich für eine coole Idee halten, nur muß man sich das halt auch leisten können – im wahrsten Sinne des Wortes.

Doch auch wenn ein Teil zu Hause bleibt, drohen Probleme. „Es wird für alle Beteiligten schwieriger, Privatleben und Beruf unter einen Hut zu bringen“, schreibt Adamy in seinem Papier. Als besonders belastend werde der Mangel an Zeit empfunden, denn die Anfahrt geht von der Freizeit ab. Bei Hammer sind das zwischen vier und sechs Stunden pro Strecke, je nach Verkehrsaufkommen. „Es ist schon ein gewisser Stressfaktor zusätzlich da“, meint er. Weil er nur am Wochenende da sei, sei etwa die Erziehung der Söhne hauptsächlich an seiner Frau hängengeblieben. Und einen Freundeskreis habe er sich in Düsseldorf auch nicht aufgebaut. Das bedeute viele Abende allein in der Zweitwohnung. „Mein sozialer Mittelpunkt bleibt Nürnberg.“

Halten wir fest. Pendeln ist doof, macht keinen Spaß dafür aber krank. SpOn findet keinen Genderaspekt. Und jetzt schauen wir doch mal in die Originalstudie. Wirklich kein Genderaspekt?

http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/IzR/2007/Downloads/2_3BrinkmannDittrichMielke.pdf?__blob=publicationFile&v=2

„[…] an den vollzeitbeschäftigen Pendlern haben Frauen bereits[sic!] einen Anteil von über 30%“ (S.95)

Nun ist die Metrik „Pendeln“ recht ausbaufähig, denn Pendler ist, wer die Gemeindegrenze überschreitet. Das ist natürlich wenig sinnvoll. Ein Hamburger, der im Norden wohnt und im Süden arbeitet, hat lange und aufreibende Wege von über einer Stunde, pendelt aber nicht laut Definition. Wer auf dem Land an der Gemeindegrenze lebt und rüber zum nächsten Bauernhof geht, der pendelt auch wenn er das zu Fuß macht. Aber selbst 20km Autofahrt wären wahrscheinlich schnell und stressfrei zu erledigen.

Auch wenn geeignete Daten weitgehend fehlen, so kann man aus der Karte auf S.95 doch zumindest erahnen, dass Frauen weniger weite Distanzen pendeln. In den eher strukturschwachen Gebieten im Norden und Osten NRWs sind sie deutlich seltener als in den Ballungsräumen. In letztgenannten spricht die Studie auch von „Erreichbarkeitspotenzialen“, sprich es ist dort einfacher zu pendeln.

Aus der Studie geht eindeutig hervor, daß Pendeln eine männliche Domäne ist. Deutlich mehr Männer als Frauen pendeln. Und das macht alles mögliche, wahrscheinlich ist es verantwortlich für im Schnitt mehr Gehalt, aber sinnstiftend ist es nun wirklich nicht. Pendler sind die Helden ihrer Familien. Die absolute Anzahl an gefahrenen Kilometern und auswärtigen Übernachtungen ist nicht bekannt, die Genderforschung könnte genau hier mal ansetzen um ihre Existenz zu rechtfertigen, um das Wort „Forschung“ überhaupt mal zu rechtfertigen und den bereinigten Gender pay gap mal zu untersuchen anstatt immer nur zu bejammern. Die Medien könnten ihren Teil dazu beitragen und überhaupt mal die richtigen Fragen stellen.

Man könnte so viel.

Wie geht es Männern und Kindern nach ihrer Flucht hierher?

…fragt niemand. Der erste April ist übrigens vorbei.

Hier geht es NICHT um die Frage ob wir Flüchtlinge reinlassen sollen oder nicht und was Frau Merkel damit zu tun hat. Ich mache hier explizit das Thema auf, wie wir mit den Menschen umgehen, die hier sind. Wer die Flüchtlingsfrage(tm) diskutieren will, macht das bitte woanders. Ich behalte mir daher ausnahmsweise und explizit vor, entsprechende Kommentare nicht zuzulassen oder auch zu löschen. Danke für Euer Verständnis.

Jedenfalls hat mal wieder jemand gefragt, wie es weiblichen Flüchtlingen geht. Und natürlich den Kindern von Müttern. Es war Unicef und die Berliner Charité. Dargestellt in der Zeit und bei Spiegel Online.

Mir erschließt sich schlichtweg nicht, warum man hier nur die weiblichen Flüchtlinge sieht. Was übrigens eine Tradition ist, die so lange währt wie die Flüchtlingskrise. Schon früh wurde bemängelt, dass Frauen viel zu weit weg von Waschräumen untergebracht wurden. Dass man insbesondere Frauen helfen müsse.

Man könnte sich natürlich auch mal zu den geschlechtsspezifischen Problemen der 2/3 Mehrheit der Flüchtlinge machen, aber das wäre wohl zuviel der Gleichstellung, um die man sich in diesem Land doch sonst so sehr bemüht. Was würde rauskommen?

  • Männer bekommen wahrscheinlich grundsätzlich die schlechteren Unterkünfte.Sie werden ohne Rücksicht auf unterschiedliche Ethnien und Kulturen zusammengepfercht.
  • Männer werden stärker aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt.
  • Männer werden bevorzugt auf die gefährliche Reise geschickt und unter Männern sind die meisten Todesopfer zu verzeichnen.
  • Männer haben den expliziten Auftrag, ihre zuhausegebliebenen Familien zu versorgen und verzweifeln im besonderen Maße daran ihn nicht erfüllen zu können.
  • Männer sind sicherlich nicht nur hier, sondern natürlich noch mehr in ihren Herkunftsländern von Gewalt bedroht und haben sie reichhaltig erlebt.
  • Wie steht es eigentlich mit dem Problem des sexuellen Missbrauchs von Männern?

Ich bin ehrlich gesagt ziemlich angekotzt darüber, dass unsere Qualitätsmedien klaglos darüber berichten wie man die Hälfte der Menschen mal wieder vergisst. Nebenan bei Alles Evolution fragt Christian ob man Maskulist sei, wenn man findet, dass durch den Feminismus in unserer Gesellschaft die Männer systematisch benachteiligt und Frauen bevorzugt werden. Für das Frauenministerium ist man bei Bejahung ein fieses Maskunazischwein. Sowas aber auch.

Fundstücke: Weibliche DJs

Zum Thema weibliche DJs hatte aranxo aus einem Interview mit Susanna Kim zitiert. Dabei wird die Behauptung im Anreißer, sie erkläre, warum Frauen hier fehlten, nicht gehalten.

Frage: Was denken Sie, warum gibt es, gerade im Hip Hop, so wenig DJanes?

Kim: Ich glaube, dass es gar nicht so wenige DJanes gibt. Früher habe ich das aber auch so wahrgenommen. Umso mehr ich mit der Thematik zu tun habe, umso mehr DJanes lerne ich kennen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es viel mehr DJanes im Elektronischen Bereich gibt als im Hip Hop. Obwohl es mittlerweile einige Frauen gibt, ist der überwiegende Teil immer noch männlich. Genau sagen, woran das liegt, kann ich gar nicht, das finde ich selbst komisch. Vielleicht kommen Frauen nicht so oft drauf, dass man ja auch selbst auflegen kann.

Damals vermutete aranxo selbst, die Fragerei habe darauf abgezielt, eine Antwort zu erhalten à la „die Männer lassen sie nicht richtig ran, Frauen müssen sich doppelt beweisen etc.“. Die Antwort von Susanna Kim finde ich tatsächlich angenehm unaufgeregt.

Schon 2014 hatte sich bei Erzählmirnix folgende Diskussion ergeben:

cheshirecat1234:

Zum feiern gehe ich sehr gern zu elektronischer Musik aus. Im Sommer oft zu Openairs und Festivals. Das Lineup besteht meist fast ausschließlich aus männlichen DJs, da die Veranstalter meist nur Männer einladen und das Publikum es gewöhnt ist, Männer an den Mischpulten zu sehen. Warum ist das wohl so?

erzählmirnix:

Weiß ich nicht, mir fallen viele Gründe dafür ein. Hast du Studien dazu oder ist deine vage Vermutung alles was du an Fakten hast?^^ Möglich wäre ja auch, dass es weniger Frauen in der Branche gibt. Dass sie keine Lust haben. Dass sie sich weniger in den Vordergrund drängen. Dass sie schlechter sind. Alles ebenso möglich wie „Niemand will Frauen auf die Bühne lassen!“

Einige Kommentare später kommt noch eine sehr schöne Erklärung:

Kenshin:

Hauptberuflich DJ (also Elektro DJ im Sinne selbst mixes zu machen, nicht nur cds in den player oder das macbook laufen lassen) zu sein ist ein großes finanzielles Risiko. Und es gibt auch nicht unendlich Geld zu verdienen in der Szene. Um wirklich gut zu werden muss man sich mit der Technik auskennen, originell sein und das auf längere Sicht. Das schreckt viele Neulinge ab. Und da sind wir dann auch bei dem Grund, warum in den meisten (nicht Pop-) Bands keine Frauen sind und warum es so wenige weibliche Selbstständige gibt. Frauen tendieren dazu risikoavers zu handeln und das hat wahrscheinlich nicht mal etwas mit ihrer Sozialisation zu tun.

Es dürfte also für den Veranstalter nicht unbedingt einfach sein eine Qualitativ hochwertige DJane zu finden, die entsprechend Publikumswirkung hat, schlicht weil es auch so viel weniger von ihnen gibt.

Ist doch schon, wenn die wesentliche Punkte schon einmal gesagt wurden und man sie nur noch einmal zitieren muss…

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Jaja, dummes Wortspiel mit dem Namen und so… ich musste aber trotzdem daran denken!

Alice Deejay: Better Off Alone

Kurznachrichten vom 31.12.2016

1: Pünktlich vor den nächsten Silvesterfeiern feiert der gute alte Keuschheitsgürtel Wiederauferstehung, diesmal „Safe Shorts“ genannt.

„Steig in deine Safe Shorts, ziehe die ergonomisch verlaufenden reiß- und schneidfesten High-Tech-Schnüre fest, bis die Hose sitzt“, steht es auf der Website. Danach werden die Schnüre am Schließmechanismus fixiert, der an den Sirenen-Poweralarm angeschlossen ist. […] Sollte sich jemand an der Hose der Joggerin zu schaffen machen, geht die Sirene an und jault in einer Lautstärke von 130 Dezibel, was Angreifer in die Flucht schlagen soll. […]

Die Schnüre in der Hose, die übrigens aus demselben Material angefertigt sind wie kugelsichere Westen, sollen sich zumindest von Angreifern nicht ohne Weiteres aufschneiden lassen – angeblich nicht einmal mit einer Heckenschere.

Jetzt bin ich mal gepannt, ob das ein Verkaufsschlager wird.

2: In der Jungle World beschäftigt man sich ebenfalls mit Silvester, aber noch mit dem vergangenen. Hannah Wettig beschreibt darin, „wie der feministische Diskurs die Opfer der Silvesternacht im Stich ließ“.

Feministische Frauen initiierten das Bündnis #ausnahmslos, das sich gegen Sexismus und Rassismus gleichermaßen wenden sollte. Diese zunächst in der Sache plausible Reak­tion mutierte sofort zu einem antirassistischen Abwehrkampf gegen die Opfer. […]

Ohne dass es einen Hauch von Zweifel an der Masse der Zeugenaussagen gab, sagten Protagonistinnen des Bündnisses, man wisse überhaupt nicht, wer die Täter gewesen seien. Die Bloggerin Nadja Shehadeh beleidigte auf dem feministischen Blog Mädchenmannschaft die Opfer als Kartoffeln, die einen Italiener nicht von einem Araber unterscheiden könnten. Etliche Feministinnen im Umkreis des Missy Magazins relativierten das Ereignis, indem sie sinngemäß sagten, dass derartige Übergriffe jedes Jahr auf dem Oktoberfest vorkämen, ohne dass es jemanden störe. Schon im Januar konnte das niemand ernsthaft glauben, der sich auch nur einige wenige Zeugenaussagen angesehen hatte. […]

Es war aber kein linker Stammtisch, der sich mal eben spontan äußerte. Vielmehr war es eine Zäsur in der Geschichte der Frauenbewegung, ein Bruch mit entscheidenden Leitideen des Feminismus. Feministinnen glaubten den Opfern von sexu­eller Gewalt nicht, sondern relativierten die Taten. Wo einige noch die Herkunft der Täter abstritten, wiesen andere schon auf traumatische Fluchterfahrungen hin, um das Handeln der Männer zu erklären. […]

Flüchtlinge als politisch denkende und handelnde Menschen zu sehen, ist das Gegenteil von Rassismus. Trotzdem wird allen, die auf den Islamismus als Ursache hinweisen, Rassismus vorgeworfen – und das deutlich heftiger als denjenigen, die sich um eine Erklärung aus Kultur und Tradition bemühen.

Das hat Gründe: Häufig sind es Vertreterinnen islamischer Organisationen oder sogenannte Feministinnen mit Kopftuch, die antiislamistische Argumentationen als rassistisch geißeln. Ihre Argumente werden von Linken oft übernommen. Dabei sollte klar sein: Sie haben eine Agenda, und die ist ganz bestimmt nicht links.

3: MANNdat hat eine maskulistische Filmkritik von Dr. Bruno Köhler zu einem der letzten ARD-Tatorte mit dem Titel „Wofür es sich zu leben lohnt“ (ausgestrahlt am 4.12.) veröffentlicht. Das Urteil von Köhler:

Das übliche männerfeindlich-sexistische Frauenkino. Gute Opferfrauen gegen böse Tätermänner. Die Macher des Films lassen kein Klischee aus, damit beim Zuschauer zu keinem Zeitpunkt auch nur den Hauch von Zweifel an der Legitimität der brutalen Taten der Protagonistinnen aufkommen könnte. Die Ermordeten entsprechen dem Übelsten, was das derzeit politisch korrekte Feindbild zulässt – der Ausländer hassende Rechtspopulist, dessen Tochter zudem noch mit einem Ausländer anbändelt, der skrupellose, über Leichen gehende Unternehmer, der Hunderte armer Frauen auf dem Gewissen hat, der rücksichtslose, geldgierige Betrüger. Alle sind natürlich böse, alte, weiße Männer. […]

Der Film verherrlicht Gewalt, genauer gesagt, er verherrlicht Frauengewalt gegen Männer.

Merke: Wenn Frauen Gewalt gegen Männer ausüben, ist diese immer moralisch gerechtfertigt. Männer wollen dagegen nur Macht ausüben, wenn ihre Gewalt gegen Frauen geht. Die Klischees in der Filmwirtschaft und im Fernsehen sind seit Jahrzehnten immer dieselben.

4: Die ZEIT interviewt die DJane Susanna Kim und behauptet in ihrem Anreißer:

DJane Susanna Kim aka I am Kim Kong erzählt, wie es ist, professionell Platten aufzulegen. Und warum Frauen hier fehlen.

Na, da bin ich schon gespannt wie ein Flitzebogen, als ich endlich an die entscheidende Frage komme:

Frage: Was denken Sie, warum gibt es, gerade im Hip Hop, so wenig DJanes?

Kim: Ich glaube, dass es gar nicht so wenige DJanes gibt. Früher habe ich das aber auch so wahrgenommen. Umso mehr ich mit der Thematik zu tun habe, umso mehr DJanes lerne ich kennen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es viel mehr DJanes im Elektronischen Bereich gibt als im Hip Hop. Obwohl es mittlerweile einige Frauen gibt, ist der überwiegende Teil immer noch männlich. Genau sagen, woran das liegt, kann ich gar nicht, das finde ich selbst komisch. Vielleicht kommen Frauen nicht so oft drauf, dass man ja auch selbst auflegen kann.

Danke fürs Gespräch, liebe ZEIT, kann ich da nur sagen. Genau das, was versprochen wurde, wurde nicht geliefert.

Das ganze Gespräch macht auf mich den Eindruck, als ob Interviewerin Marcia Scharf unbedingt eine feministische Message herausquetschen wollte. Irgendwas nach dem Schema, die Männer lassen sie nicht richtig ran, Frauen müssen sich doppelt beweisen etc. Kein Wunder, der Artikel erschien ja zuerst bei Edition F. Nur zieht die Interviewte nicht so richtig mit. Auch die eher beschwichtigende Antwort auf die Frage:

Frage: Haben Sie schon negative Erfahrungen gemacht, weil Sie eine Frau sind?

Kim: Manchmal bekomme ich schon zu hören: ,Also für eine Frau bist ja gar nicht so schlecht.‘ Das passiert aber sehr selten – zum Glück.

muss natürlich zu der Artikelüberschrift

„Für eine Frau bist du ganz gut“

destilliert werden.

Nebenbei: Ich kann mich an kein einziges Interview erinnern, in dem ein Mann gefragt worden wäre, ob er in seinem Job negative Erfahrungen gemacht hätte, weil er ein Mann ist. Wahrscheinlich weil ein kleiner Teil denkt, das existiert gar nicht, weil Männer eh immer bevorzugt werden. Und der Rest denkt, da müsste man als Mann eben durch. Oder weil Kindergärtner, Erzieher, Grundschullehrer und Krankenpfleger so selten interviewt werden.