Gastartikel: Laurie Pennys Artikel ist keinen Penny wert

Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen hat einige erfreuliche Reaktionen losgetreten. Woanders hält man sich jedoch an Dingen wie dem Feindbild weißer Mann nach wie vor fest.

So wies Mark E. Smith in einem Kommentar auf folgenden Artikel von hin, in dem Laurie Penny (stammt laut Sargon of Akkad aus recht wohlhabendem Hause und hält sich für unterdrückt, da Frau) Dampf abläst: «Es ist nicht elitär, dem Faschismus ins Auge zu blicken und ihn zurückzuweisen». Dankenswerterweise hat djadmoros gleich die Kommentierung übernommen:

Ich greife mal nur ein Argument aus Pennys Rant heraus:

»Ihr hört nicht auf die ‹gewöhnlichen Leute›.» Tatsächlich sind damit weisse Leute gemeint. Wenn sie uns sagten, wir würden den «echten AmerikanerInnen» keine Aufmerksamkeit schenken, meinten sie damit weisse AmerikanerInnen. Und wenn sie uns vorwarfen, wir würden deren Sorgen nicht ernst nehmen, meinten sie damit, dass wir ihnen nicht zustimmen. Genau wie schon vor dem Brexit in Britannien erhielten die WählerInnen aus der «weissen Arbeiterklasse» auch vor den US-Wahlen jede Menge Aufmerksamkeit – unter anderem auch von der Mainstreampresse, die sie zu verabscheuen vorgeben. (…) Es wurden alle möglichen Bemühungen unternommen, Verständnis für ihre Sorgen aufzubringen; Sorgen über den gefühlten Verlust von Privilegien, den sie fälschlicherweise als ungerecht empfinden.«

Da steckt implizit und explizit einiges drin:

(1) Weiße »gewöhnliche Leute« sind keine gewöhnlichen gewöhnliche Leute, sondern solche, die man als problematisch hervorheben muss.

(2) Wenn die »weiße Arbeiterklasse« Aufmerksamkeit erhält, dann ist das eigentlich bereits ein ungebührliches Zugeständnis. Sie kann daher nicht erwarten, dass man sich obendrein auch noch mit der Lösung ihrer spezifischen Probleme befasst.

(3) Die Mainstreampresse gibt bloß vor, die weiße Arbeiterklasse zu verabscheuen. Tatsächlich hat die weiße Arbeiterklasse echten und aufrichtigen Abscheu verdient.

(4) Die »Sorgen« der weißen Arbeiterklasse sind völlig ungerechtfertigt, weil sie nur im »gefühlten Verlust von Privilegien« bestehen, »den sie fälschlicherweise als ungerecht empfinden«.

Das ist das übliche »Weiter-so«-Denken. Wir tun witerhin, was wir auch bislang immer schon getan haben: wir sprechen der »weißen Arbeiterklasse« jegliche Legitimität ihrer Interessen und der Artikulation dieser Interessen ab. Indem wir ihre Selbstwahrnehmung zur Halluzination erklären.

»Wie kamen wir zum feigen Konsens, dass die «weisse Arbeiterklasse» eine homogene Masse tobender FanatikerInnen sei, denen man nachgeben muss wie einem Kleinkind, das am Rand eines Abgrunds einen Trotzanfall hat?«

Wie kommt Laurie Penny auf das schmale Brett, ein Rant, der Formulierungen wie »Dieser Unsinn muss sofort aufhören.« und »Ich habe keinen Bock mehr, auf ihre Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen.« sei etwas anderes als genau dieses: ein Trotzanfall?

Denn wann hätte jemand, der die Sorgen von Menschen mit der falschen Hautfarbe für bloß »gefühlte« Probleme eines »weissen Patriarchats« hält, überhaupt jemals auf deren Befindlichkeiten Rücksicht genommen? Da hatte eine Frau Penny doch noch nie »Bock drauf«!

Und was ist ihr Fazit? »Es ist der Moment gekommen, ernst zu machen.« Ach. Hat sie bisher nur Spaß gemacht? Wenn man sich immer schon an der oberen Kante der Tugendhaftigkeit verortet hat, wie will man diese Tugendhaftigkeit denn jetzt noch steigern? »Nun müssen wir noch härter arbeiten« heißt dann wohl: »jetzt müssen wir uns noch tiefer in unserem Weltbild einbetonieren«. Die intersektionale Opferhierarchie ist sakrosankt und wird sich von Trumps weißen Wählern nicht erschüttern lassen.

Fazit: »Rassismus ist Scheiße, außer gegen Weiße!«

Der Artikel ist keinen Penny wert.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Damit „Penny“ wenigstens in einem positiven Zusammenhang hier fällt…

The Beatles: Penny Lane

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5 Kommentare zu „Gastartikel: Laurie Pennys Artikel ist keinen Penny wert“

  1. »Es ist der Moment gekommen, ernst zu machen.«
    Ich finde sie macht das ganz richtig, nach altbewaehrtem kommunistischen Rezept. Wenn die nun Benachteiligten sich beschweren:
    1. Stufe: ruhigstellen mit Schnuller und sanften Worten
    2. Stufe: Propaganda intensivieren
    3. Stufe: Gulag
    🙂

  2. „(3) Die Mainstreampresse gibt bloß vor, die weiße Arbeiterklasse zu verabscheuen. Tatsächlich hat die weiße Arbeiterklasse echten und aufrichtigen Abscheu verdient.“

    Das habe ich übrigens anders verstanden: Die weiße Arbeiterklasse gibt vor, die Mainstreampresse zu verabscheuen, hat jedoch von dieser ganz viel Aufmerksamkeit bekommen.

    Im Original: On the election of Donald J Trump (ohnehin gut, das mal griffbereit als Referenz zu haben):

    “White working class” voters have been given plenty of airtime in this election, just as they were in the EU Referendum, including in the mainstream press that they claim to despise

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