Feminismuskritik heilt Tourette-Syndrom! – Der kuriose Wandel des Shlomo Finkelstein und die gruppenbildende „Anti-SJW-Identität“

Heute hab ich endlich das zwei-stündige Video „Ursachen der Flüchtlingskriminalität“ von den beiden Youtubern ‚Doktorant‘ und ‚Shlomo Finkelstein aka Die Vulgäre Analyse‘ zu Ende geschaut. (ist schon vom 21.07.) Zunächst eine gewisse Einführung in die Thematik und wer die beiden sind:

Doktorant ist das Pseudonym eines anonymen Biologen, der sich insbesondere dadurch hervorgetan hat, dass er mit Youtube-Videos Feminismus, Gendertheorie und Identitätspolitik aus (evolutions-)biologischer und politisch linksliberaler Sicht kritisiert. Er zeichnet sich dabei durch einen betont neutralen, wissenschaftlichen und sehr Statistik-lastigen Stil aus. Dabei schafft er es aber meistens, äußerst geistreich und anschaulich zu argumentieren. Er hält sich mit seinen Urteilen grundsätzlich zurück, wenn ihm die Faktenlage nicht klar ist. Seine Lieblingswörter sind „Daten“ und „anschauen“. Manche seiner Videos haben inhaltlich den Wert von wissenschaftlichen Arbeiten, wie sie im akademischen Bereich Standard sind (bzw. sein sollten). Zum Thema Flüchtlinge und Islam hatte sich Doktorant vor dem Video mit Finkelstein noch nicht geäußert.

Shlomo Finkelstein aka DVAist das Pseudonym eines anonymen Youtubers, dessen Markenzeichen ist, dass er vor allem Islam, Feminismus und „Gutmenschentum“ bzw. „Social Justice Warriors (SJWs)“ in maximal beleidigender Form in den Dreck zieht, Schweinespeck auf dem brennenden Koran grillt, Andersdenkende regelmäßig als wertlose Vollspastis ansieht und inhaltlich auf eher bescheidenem Niveau argumentiert. Dumm ist er nicht, auch kein klassischer Neurechter etc. doch das rhetorische Niedermachen des Andersdenkenden und -glaubenden steht bei ihm definitiv im Vordergrund. Er verkauft sich nicht durch Seriösität und Intellekt sondern; ähnlich wie z.B. Akif Pirinçci; durch exzessiv zur Schau getragene politische Unkorrektheit und massig Fäkalsprache. Wie Pirinçci kommt er mir als wütender gekränkter Narzisst daher. Finkelsteins Lieblingswörter sind „ich“ und „fick“. Seine Videos haben daher einen gewissen Unterhaltungswert (wenn man Tourette-Patienten und Mein Kampf lustig findet, wird man auch mit ihm seinen Spaß haben). Manchmal können sie auch zum kritischen Nachdenken anregen oder sind sehr origineller witziger Spott auf dümmliche Diversity-Ideologen. Doch abgesehen davon sind sie nach wissenschaftlichen Standards wertlos und nach journalistischen Standards meist hochgradig tendenziös. Sie sind oft der Prototyp von dem, was Heiko Maas als „Hatespeech“ verbieten möchte.

Beide Youtuber sind also sehr unterschiedlich. Das einzige, was sie verbindet ist ihre ablehnende Haltung zur Identitätspolitik der „SJW“-Bewegung und insbesondere zum zeitgenössischen Feminismus. Und genau dies hat sie nun zusammengebracht. Beide hatten ein beliebtes Opfer; nämlich den öffentlich-rechtlich finanzierten Youtube-Kanal „Jäger&Sammler“, bei dem auch die völlig verblödete aber um so mehr von sich selbst überzeugte Feministin Suzie Grime und der dusselig-nervige „Antirassismus“-Aktivist Tarik Tesfu zu Wort kommen, dessen Qualität vor allem darin besteht ein schwarzer schwuler Hipster zu sein. Des Weiteren gibt’s da noch Nemi el-Hassan, deren wichtigste Lebenswerke sind, dass sie ein Kopftuch trägt aber trotzdem emanzipiert ist und diskriminiert wird aber trotzdem hübsch lächeln kann und dann noch weitere Gestalten, die ich nicht kenne und wahrscheinlich auch nicht kennen muss. Das Programm soll politische Aufklärung für Jugendliche darstellen, ist aber meist nur oberflächliches Political Correctness und Diversity-Kasperletheater für die Kids. Dieses Youtube-Projekt hat nun – wie das nun mal so ist, wenn man die Leute GEZ-finanziert für dumm verkaufen will – ein großes Problem mit „Hatespeech“ (also anderen Meinungen) und ist daher auf die selbstgerechte Idee gekommen, den bösen Nazis, die sie immer in den sozialen Medien haten eine „Hass-Therapie“ anzubieten. Dafür boten die Neger&Gammler den drei Youtubern, die sie „für den meisten Hass verantwortlich machen“, ein Gespräch in Berlin an, um die Welt endlich ein Stück weit vom grausamen Joch des Meinungspluralismus zu „therapieren“. Diese fiesen Oberhater, die dafür eingeladen wurden, waren nun Doktorant, Shlomo Finkelstein und noch ein Dritter namens Dorian, der hier jetzt keine Rolle spielt.

Das Gespräch kam leider nicht zu Stande. Warum, ist jetzt nicht wichtig. Wichtig ist, dass durch die ganze Aktion der Jäger&Sammler zwei Charaktere zusammenkamen, die kaum zueinander passen und sich unter normalen Umständen wohl eher aus dem Weg gehen würden. Doch diese haben nun bereits drei Videos zusammen gemacht und eines davon ist das oben verlinkte „Ursachen der Flüchtlingskriminialität“. In dieser Youtube-Diskussion zwischen dem Doktorant und Finkelstein geht es um die Frage, ob die häufigen Sexualstraftaten von muslimischen Einwanderern in Deutschland direkt mit dem Islam zu tun haben. Finkelstein meint, „ja“, kann dies aber nicht ausreichend begründen und Doktorant meint „weiß nicht“, weil er keine ausreichende Begründung sieht. Das war’s eigentlich schon. Inhaltlich ist das Video daher nicht so super spannend, auch weil beide bei dem Thema auch nur Zeitungsleser sind. Doch sehenswert ist es aus einem anderen Grund: Weil dort ein kleines Wunder geschehen ist.

Shlomo Finkelstein wurde plötzlich von seinem aufgesetzten Tourette-Syndrom geheilt und konnte während des gesamten zwei-stündigen Videos ganz normal reden. Und das obwohl es in dem Dialog um sein absolutes Lieblingsthema geht; nämlich den kausalen Zusammenhang zwischen Islam und Widerwärtigkeit. Nur ganz selten musste er unbedingt mal „Fick“ sagen (was sollen sonst die Leute denken, schließlich hat er viele Fans zu verlieren) aber ansonsten argumentierte er ruhig und sachlich. Niemand wurde schwer beleidigt, sämtliche Koranexemplare in greifbarer Nähe wurden verschont. Er konnte sogar – aufpassen! – seine eigene islamfeindliche Position in Frage stellen und verschiedene Sichtweisen abwägen. Hammerhart! Und das, obwohl der Doktorant eine Sicht auf muslimische Flüchtlinge offenbarte, die Finkelstein höchstwahrscheinlich als „schwachsinnige naive SJW-Fotzen-Scheiße“ und „Leck-mich-am-Arsch-Islamfaschismus-Fick-Relativierung“ oder dergleichen gelten würde, wenn sie jemand aus dem linken politischen Lager geäußert hätte. Doch nun kann er auf einmal seine penetrant nervige ultra-arrogante „dass ich Recht hab ist absolut klar und wer das nicht einsehen will ist Abschaum“-Attitüde komplett ablegen. Wie kommt das? Spontaner Sinneswandel? Ist Finkelstein kurz vor dem Gespräch Gutmensch geworden? Macht er heimlich ’ne „Hasstherapie“ mit Nemi el-Hassan, die ihn solange anlächelt und ‚Islam ist Frieden‘ sagt, bis er hypnotisiert und zu Tränen gerührt in ihre Arme fällt?

Leider nein; es gibt andere Gründe. Er ist Narzisst. Und die etablierten linken Meinungsmacher, die ihn und seinesgleichen als boshafte Nazi-Ketzer ansehen und mit ihrer aufdringlichen Verlogenheit seinen Geschmack beleidigt haben, haben ihn schwer gekränkt. Und so geht’s vielen. Nur beherrschen sich die meisten halt trotzdem. Aber nicht Finkelstein. Er will Rache. Und die schweren Beleidigungen, mit denen er seine Videos ausschmückt, sind eben nicht einfach nur vulgär-polemische Überspitzung seiner Meinung, sondern sie erfüllen genau diese Funktion. Mit ihnen zahlt er es den politisch-korrekten SJW-Beknackten heim. Aber warum sollte er sich am harmlosen Doktorant rächen? Ich verwette meinen fucking islamophilen Arsch darauf, dass der Dok sogar dann ungefickt geblieben wäre, wenn er explizit gesagt hätte, dass er eine Mitschuld des Islams an der Flüchtlingskriminalität ausschließt. Denn seinen Bruder fickt man eben nicht.

Was lernen wir draus? Je nachdem mit welcher Seite Finkelstein gerade redet, passt er seine Rethorik, seinen Stil und sogar seine Meinung an. Denn nur so ist erklärbar, weshalb sich Finkelstein im Dialog mit Doktorant nicht kämpferisch geben musste. Schließlich musste er sich ja hier nicht mit den verfeindeten SJWs messen, sondern nur mit einem „Gleichgesinnten“ von der anscheinend „eigenen Seite“, der halt nur eine etwas andere Meinung vertritt.

Ferner wurde durch die Aktion „Hasstherapie“ der J&S eine problematische Gruppenidentität geschaffen, die es möglich machte, dass ein lösungsorientierter Wissenschaftler wie Doktorant mit einem islamfeindlichen Schwadroneur wie Finkelstein zusammen Videos zu macht. Beide gehörten nämlich in Folge der unnötigen und eben polarisierenden Auseinandersetzung mit den selbstgerechten Linken von J&S der „Anderen Seite“ an, nämlich dem Lager der „politisch-Unkorrekten“ – den „Anti-SJWs“. Beide saßen im selben Boot. Und als die Bootsfahrt eigentlich zu Ende war, sind sie einfach drin sitzen geblieben und noch mal rausgefahren. Die Tatsache also, dass Doktoant und Finkelstein u.a. die Feminismuskritik teilen und daher vermeintlich eine Gruppe bilden, hat letzteren von den nervösen vulgären Ausfällen seines vorlauten Mundwerks befreit.

Wieso ist mir dieser blöde Finkelstein so wichtig, dass ich so einen langen Artikel darüber schreibe? Weil ich glaube, dass Finkelsteins Lagerdenken ein anschauliches Beispiel für ein tiefliegendes Problem der Anti-SJW-Bewegung ist. Wie harmlos wäre Finkelstein, wenn er sich in all seinen Videos nicht dem entmenschlichten SJW-Zeitgeist gegenübersehen würde, sondern einfach nur gleichrangigen Mitbürgern, die halt eine andere Meinung haben als er? Was wäre, wenn er sich nicht dauernd im destruktiven Lagerdenken des Finkelstein vs. SJW-Modus befinden würde, sondern konsequent im konstruktiven Finkelstein vs. Doktorant-Modus? Es würde garantiert kein Koran gegrillt werden und keine Fotze müsste gefickt werden, weil sie die falsche Meinung vertritt.

Jeder, der das hier liest, fasse sich an bzw. in die eigene Nase und prüfe, wie groß der Finkelstein ist, der in ihm steckt. Denn dieser identitätspolitische Popel ist ein generelles Problem aller, die sich vom herrschenden politisch-korrekten linken Diskurs abgestoßen fühlen. Wie würden wohl unsere Meinungsäußerungen und Argumentationen aussehen, wenn wir uns nicht einem wahnsinnigen quasi-entmenschlichten übermächtigem Feind gegenübersehen würden (z.B. dem Staat, den Medien, dem linken Zeitgeist, Dem „System“ oder der „Islamisierung“), sondern ganz normalen Mitbürgern, die halt einfach eine andere Meinung haben? Man könnte einfach seine Ansichten austauschen, zu einer Lösung kommen oder am Ende einsehen, dass man eh keine Ahnung hat und fertig. Das ganze kann man natürlich leicht weiter spinnen: Pegida-Demonstranten müssten sich keine Volksverräter und Lügenpressen, die das deutsche Volk austauschen wollen, herbei phantasieren, dauerrasende Berserker wie Hadmut Danisch könnten mal ’ne Woche Urlaub nehmen und in sich gehen, bevor sie heißlaufen wie ein MG im Grabenkrieg und WikiMANNia bräuchte sich kein Frauenbild zusammenbasteln, das an nationalsozialistische Rassentheorien erinnert. Sie alle müssten es nur schaffen, sich der Anti-System oder Anti-SJW-Identität zu verweigern. Dann würde es keinen Krieg der Vorwürfe, sondern einen Austausch der Ansichten geben. Selbiges gilt natürlich für die „andere Seite“.

 

Kurznachrichten vom 27.05.2017

1: Serdar Somuncu findet Promi-Frauen nervig, die sich zum Feminismus bekennen, um ihren Marktwert zu steigern.

2: Don Alphonso greift noch einmal die Übergriffe in einem Tübinger Kulturzentrum auf und stellt diese in einen größeren Zusammenhang.

3: Zwei Tage nach dem Attentat von Manchester hat eine Journalistin das größte Problem unserer Gesellschaft entdeckt, nämlich mal wieder Männer, die sich in der U-Bahn breitbeinig hinsetzen (sog. „manspreading“). Und natürlich machen das Männer nicht, um bequem zu sitzen, sondern um Dominanz und Macht auszustrahlen. Ja nee, is klar. Haben ja auch ein paar Gender-„Forscher“ gesagt. Dann muss es ja stimmen.

4: Auch die Jusos Berlin nutzen den Vatertag/Christi Himmelfahrt, um Männer als „root of all evil“ hinzustellen:

vatertag

So ein wenig Aufruf zur Straftat ist auch ganz schick, wenn es um die gute Sache geht. Wo da allerdings „gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse“ zelebriert werden, wenn ein paar junge Männer sich voll laufen lassen, ist mir ziemlich unklar. Wenn junge Frauen pöbeln, wie bei Femen oder auf dem 2. Deutschen Gender-Kongress, dann ist das natürlich gerechtfertigter Protest.

5: Eine Frau hat sich mit 9 Jahren in einen Bahnhof verliebt und fühlt sich seitdem mit ihm verheiratet. Kann mir mal eben jemand sagen, welches Gender das ist? Ich hab das grad nicht parat.

6: Die Vulgäre Analyse, der Doktorant und die „Übermenschen“ Dorian und Imp diskutieren zwei feministische Artikel nämlich:

Recht spaßig gemacht, manchmal ein wenig abgleitend in pubertären Humor, aber dennoch ok und ganz lustig.

7: Noch mal ernst und tatsächlich ein wenig Off Topic, aber dennoch will ich auf den m.E. ausgewogenen Artikel von Lucas Schoppe über den islamistischen Terroranschlag in Manchester und die Verantwortung von muslimischen Mitbürgern hinweisen.

Kommentator Gereon meint dazu gleich im ersten Kommentar:

Ach Herr Schoppe.
Jetzt auch Nazi?
Willkommen im Club.

Das bringt es leider auf den Punkt. Wer sich der herrschenden Anordnung widersetzt, nämlich Ruhe bewahren, hinnehmen, Kerzen anzünden und nationale Symbole beleuchten, ansonsten aber schulterzuckend weitermachen wie bisher, wer sich erlaubt auf den Elefanten im Raum hinzuweisen, den von den „Guten“ niemand sehen will, der ist ganz schnell ein Rassist und Nazi.

 

Fundstück: Der Doktorant über den Segen der Anonymität

Der Doktorant bringt noch eine Zugabe zur Wilderer und Verlierer-Geschichte:

„Anonym gehasst“ – Dokto-Rant #6

Schöne Diskussion um Anonymität: „Warum denn anonym? Was Ihr macht, ist doch harmlos!“ – „Ja, sicher ist das harmlos und das finden wir auch, nur leider sehen das einige Leute anders und versuchen das als Hass zu brandmarken.“ Und wenn man erst einmal stummt geschaltet wurde, wird es verdammt schwierig, den Prozess wieder umzukehren. Und die Nachwirkung ist viel größer: Mache einen fertig und zig andere Leute üben erst gar nicht ihre Freiheit aus, weil sie befürchten, dass ihnen auch etwas passiert.

Dazu gehören auch die bewusst angezielten Verschiebungen in der Frage, was legal ist und was nicht bzw. die Bestrafung dessen, was nicht illegal ist, sondern nur als „moralisch anstößig“ gebrandmarkt wird.

Doxxing ist deswegen gefährlich, weil dem sozialen Druck gegen Arbeitgeber und Umfeld kein Riegel vorgeschoben werden kann (wer das versucht, bekommt seinerseits sozialen Druck). Und auch ein Unschuldiger ist sozial verbrannt (vgl. Falschbeschuldigungen).

Anonymität ist die beste Möglichkeit, auf Missstände aufmerksam zu machen, die durch sozialen Druck in der Öffentlichkeit verschwiegen werden.

Ja, sicher, wie Arne Hoffmann einmal ausführte: Mit irgendeinem seltsamen Nutzernamen ist man weniger zitierfähig. Aber auch diesem Fall läßt sich abhelfen, indem man einen halbwegs seriösen, nach einer Person klingenden Namen wählt (siehe Lucas Schoppe).

Eines der widerlegten Argumente gegen Anonymität war, dass man unter Klarnamen gesitteter miteinander reden würde. Bereits 5 Minuten Facebook-Kommentare zu lesen heilt einen für alle Zeiten von diesem Irrglauben. Man sieht aber auch anhand der Youtube-„Promis“, die immer wieder Schleichwerbung für Produkte machen, dass ein Gesicht nicht für mehr Vertrauenswürdigkeit sorgt, sondern im Gegenteil die Zuschauer einlullen kann.

Auch die Idee, dass Leute sich danebenbenehmen, weil sie anonym sind, stimmt nicht. Leute werden jede Art von Anstand über den Haufen, wenn sie meinen, dass sie richtig liegen und das das einzige ist, was zählt. Das andere wäre übrigens Ausdruck eines sehr negativen Menschenbildes, laut dem sich Menschen nicht anständig benehmen würden, wenn man sie nicht ständig im Auge behalten würde.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da der Doktorant auch darüber redet, wie er via „guilt by association“ versucht wird zu verurteilen…

Sentenced: Guilt and Regret

Fundstück: Wilderer und Verlierer

Kommentator und Blogger jck5000 alias lollipops4equality alias Shitlord hat seinen neuesten Artikel zusätzlich bei Youtube veröffentlicht:

Inhaltlich geht es um das öffentlich-rechtliche Format „Jäger und Sammler“, Suzie Grime und die Kritk, die z.B. Der Doktorant formuliert, aber auch unnötiges De-anonymisieren.

Der Doktorant dazu: Die Quadratur der Liebe – Jäger & Sammler auf Abwegen

Kurz zusammengefasst: Jäger und Sammler setzte „Hass“ mit „Kritik“ gleich und wollte dann drei der größten Hasser, äh, Kritiker, nach Berlin einladen. Zwei von ihnen waren aber berechtigterweise um ihre Anonymität besorgt (Stichwort Doxxing und Vernichtung von Existenzen). Die Sache riecht danach, dass es kein aufrichtiger Versuch war, sondern nur der schwarze Peter (ist der Ausdruck eigentlich rassistisch?) an die Youtube-Kritiker gegeben werden sollte nach dem Motto „seht her, sie trauen sich nicht“. Allerdings wäre es ein leicht durchschaubares Manöver und natürlich stellt sich die Frage, wieso man so etwas wie Google Hangouts zum Vorgespräch verwenden kann, es aber nicht als Kanal für eine Debatte akzeptiert (zumal das weniger kosten würde als Filmen vor Ort).

Alles Evolution berichtete ebenfalls. Schöner Kommentar dort von ichichich:

Warum darf die „Vulgäre Analyse“ denn nicht in Burka oder Niqab auftreten? Nora Illi dürfte sogar bei Anne Will vollverschleiert sitzen.

Sind die ÖR Medien etwa islamophob?

Derweil wurde das Geschlechterallerlei in zwei weiteren Videos erwähnt: Zum einen der Artikel Sinkende Einkommen bei Männern führen zu weniger, bei Frauen zu mehr Ehen zwischen 18:23-22:49 beim MaMMoNMaGaZiN:

MaMMoNMaGaZiN: Safespace #028 – MGTOW

Die Weltraumaffen haben außerdem auf Leszek über Kulturmarxismus verlinkt.

Weltraumaffen: Pausenclowns der Frankfurter Schule

(Quellenliste)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da Shitlord in ersterem Beitrag keine große Lust verspürt, nach Berlin zu reisen…

Kraftklub: Ich will nicht nach Berlin

Fundstück: Suzie Grime ist „meinungsstark“, also „faktenschwach“

Der Doktorant kritisierte ein von Rundfunkgebühren finanziertes Video, in dem die sachlich falsche Aussagen von ungleicher Bezahlung wiederholt wird, und wendete sich in einem offenem Brief an die Öffentlich-Rechtlichen. Zwei schöne Zitate aus diesem Brief, die man zusammen lesen sollte:

[Suzie Grime] erklärt, dass die männlichen Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Geld für ihre Arbeit bekommen als sie.

Im einem kurz darauf folgenden Clip unterhält sich Suzie Grime mit einigen Möbelpackern über den Gender Pay Gap.
(…)
Suzie Grimes Gucci Handtasche, welche kurz zuvor im Video sekundenlang deutlich zu sehen ist, überschreitet das verfügbare monatliche Einkommen eines Möbelpackers mit hoher Wahrscheinlichkeit um mehrere Größenordnungen.

(Ich habe das gemeinsam mit einigen anderen Quellen zur Materialsammlung zum Gender Pay Gap hinzugefügt.)

Richtig spaßig ist allerdings auch die Antwort, die der Doktorant auf seinen Brief bekommen hat:

Offener Brief an FUNK / EditionF / Identitätspolitik [Dokto-RANT #5]

Mit welcher Eigenschaft versieht man Suzie Grimes dort und verteidigt somit ihre Finanzierung? Sie ist „meinungsstark“. Mit anderen Worten: „faktenschwach“.

Früher hätte man so eine Person vielleicht „prinzipientreu“ genannt – sie bleibt bei ihrer Meinung, auch wenn sie mit Argumenten widerlegt ist und sich die Welt längst weitergedreht hat. Auf der ideologischen Gegenseite sind Menschen mit derselben Einstellung natürlich postfaktisch und was sie verbreiten sind Fake News. Schön mit zweierlei Maß gemessen, Öffentlich-Rechtliche!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Irgendwie kam mir der Refrain in den Sinn…

Helmut Schmid: Nimm Du sie, die Susi

Fundstück: „Niemand bezeichnet erwachsene Männer als Jungen“

Die Schauspielerin und Neurowissenschaftlerin Mayim Bialik richtet ein Sprachappell an alle Männer: Sie sollen nicht „Mädchen“ zu Frauen sagen. Aus der Beschreibung des Videos:

I get super annoyed when people call women „girls.‘ You don’t call a grown man a „boy,‘ do you?

Mayim Bialik: „Girl“ vs. “Woman“: Why Language Matters

Nun hatte der Doktorant erst kürzlich dafür plädiert, beim Argumentieren Fakten zu verwenden statt Emotionen. Das läßt sich hier schon auf ganz kleiner Flamme anwenden.

Die Behauptung sowohl in dem Video als auch in der Beschreibung ist: Man würde doch auch keine erwachsenen Männer als „Jungen“ bezeichnen.

Mir fielen da als erstes die „Chicago Boys“ ein, eine Gruppe von chilenischen Ökonomen, die unter Pinochet die Wirtschaft Chiles nach den Lehren von Milton Friedman umgestalteten. Aber gut, die muss ja nicht jeder kennen.

Aber wie heißt denn das noch auf Neudeutsch, wenn man angebliche Nachteile von Frauen bei der Karriere beseitigen will, die dadurch entstehen, dass die Männer sich gegenseitig unterstützen und sie außen vor ist? Ah ja, das „old boys‘ network“ aufbrechen…

Die ganze Argumentation basiert auf der sprachlichen Ungleichbehandlung von Frauen und Männern – und ich schüttele mir direkt zwei einfache Gegenbeispiele aus dem Ärmel. Das war wohl nichts…

Das Video selbst ist aber ein gutes Beispiel für unbelegte Behauptungen. Man könnte hier wie bei einem Fehlersuchbild die typischen Irrtümer nacheinander aufzeigen.

Weitere Beispiele, in denen erwachsene Männer mit „Jungs“ tituliert werden, gerne in den Kommentaren!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Gut, einen habe ich noch zum Thema „man wird doch keine erwachsenen Männer als Jungs bezeichnen“… wenn das wahr wäre, wie müsste die Zeile „I’m looking for a good time“ dann interpretiert werden?

Sabrina: Boys, Boys, Boys

Fundstücke: Gender Pay Gap

Kurz und bündig – worum geht’s?

Summiert man die Löhne aller Männer und Frauen und bildet den Durchschnitt jeweils für ein Geschlecht, so ist der Unterschied zwischen diesen Durchschnitten der Gender Pay Gap (GPG). Das sind die Fakten, grob, nackt und ohne weitere Erklärung, auf die man sich allgemein einigen kann.

Als ideologischer und politischer Kampfbegriff wird der Gender Pay Gap verwendet, indem er mit zwei zusätzlichen Annahmen verbunden wird:
– Frauen bekämen weniger Lohn für dieselbe Arbeit
– Er sei ein Merkmal für die Diskriminierung von Frauen
Beides gibt der GPG so nicht her.

Aber wie ist die Faktenlage im Detail? Und wie läßt sich der GPG erklären? Dazu dient diese Quellensammlung.

die beste Quelle zuerst

Von Erzählmirnix stammt der beste Artikel zu dem Thema, inklusive dem Phänomen „Gender Equality Paradox„. Wer nur wenig Zeit hat, lese diesen!

Diskriminierungsthese längst erforscht

Bereits 1981 (!) argumentierte der Ökonom Thomas Sowell anhand eigener Forschungsergebnisse gegen die Idee einer allgemeinen Diskriminierung – in der Fernsehsendung Firing Line – „The Economic Lot of Minorities“ (auf Englisch; deutsche Besprechung im Blogartikel).

zwei Videos auf Deutsch

der Doktorant zum Gender Pay Gap
der Doktorant zum Gender Pay Gap, Teil 2

Equal Pay Day

Diesen Tag gibt es doppelt: Als Datum dienen sowohl am 19. März als auch der 02. November.

Bereits der Begriff „Equal Pay Day“ ist ein ideologischer Trick: Durch seine (doppelte!) Existenz und die Namenswahl wird die Idee verbreitet, „gleiche Bezahlung“ sei ein noch nicht erreichtes Ziel. Denn wenn schon so wäre, wozu bräuchte man dann überhaupt so einen Tag?

Das ist eine Steilvorlage für Gratismut. Das Lohngleichheitsgesetz ist reine Symbolpolitik, ohne wirklich etwas tun zu müssen (die politische Variante des „virtue signalling“: zeigen, dass man zu „den Guten“ gehört, ohne etwas riskieren zu müssen).

Statistik-Experten bezeichnen GPG-Behauptung als Unfug

Wie hier im Blog erwähnt, war der GPG Thema der „Unstatistik des Monats“ des RWI – Leibniz-Institutes für Wirtschaftsforschung. Inzwischen war er das sogar zweimal (letztere Meldung gefunden via MANNdat):

Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern? (Unstatistik Nr. 5 vom 03.04.2012)

Nichts dazugelernt – Equal Pay Day weiter falsch (Unstatistik Nr. 53 vom 31.03.2016)

Besserverdienende Frauen klagen gegenüber Männern

MANNdat zitierte und kritisierte Dr. Daniela De Ridder (SPD-Bundestagsabgeordnete), deren Jahresgehalt zum Zeitpunkt ihrer GPG-Behauptung etwa 263.000 EUR betrug, und stellte süffisant fest:

Fakt ist, dass eine Frau Dr. De Ridder Ende Februar schon mehr verdient hat, als ein männlicher Lkw-Fahrer im ganzen Jahr insgesamt verdient.

Der Doktorant kritisierte ein von Rundfunkgebühren finanziertes Video, in dem die sachlich falsche Aussagen von ungleicher Bezahlung wiederholt wird, und wendete sich in einem offenem Brief an die Öffentlich-Rechtlichen. Zwei schöne Zitate aus diesem Brief, die man zusammen lesen sollte:

[Suzie Grime] erklärt, dass die männlichen Zuschauer mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Geld für ihre Arbeit bekommen als sie.

Im einem kurz darauf folgenden Clip unterhält sich Suzie Grime mit einigen Möbelpackern über den Gender Pay Gap.
(…)
Suzie Grimes Gucci Handtasche, welche kurz zuvor im Video sekundenlang deutlich zu sehen ist, überschreitet das verfügbare monatliche Einkommen eines Möbelpackers mit hoher Wahrscheinlichkeit um mehrere Größenordnungen.

Materialsammlungen

von man in the middle – sehr ausführliche Hintergrundinformationen, da bleiben keine Wünsche offen:
Kampfbegriff „Gender Pay Gap“
Berechnung des GPGs
Erklärungsmodelle und Bewertung des GPGs
GPG: Propaganda und Debatten
Ergänzungen und Literatur zum GPG

MANNdat über Feministische Mythen: Lohndiskriminierung

beeindruckende Sammlung an Videos bei Alles Evolution

alle Beiträge zum Stichwort „Gender Pay Gap“ bei Alles Evolution (auch für die Zukunft), darunter:

Der Gender Gap

Berufswahl von Frauen und andere Prioritäten als Beruf

Ausnahmen

  1. der Fall Birkenstock – hier wurde Frauen tatsächlich weniger gezahlt für dieselbe Arbeit
  2. der Fall Janusz Korwin-Mikke – hier vertritt tatsächlich jemand diskriminierende Ansichten

Man achte bei diesen Fällen darauf, wie die Allgemeinheit darauf reagiert!

Diese Materialiensammlung wird weiter ergänzt.

Warum ich einmal grundsätzlich zum „gender empathy gap“ schreibe

Der Begriff „gender empathy gap“ wird taucht immer wieder in der Geschlechterdebatte auf. Aber was steckt genau dahinter?

Ich wollte schon lange einen Grundsatzartikel dazu schreiben, konnte mich aber nie entscheiden, wie herum ich die Argumentation aufziehen wollte. War das „gender empathy gap“ Ursache oder Wirkung, Annahme oder Folgerung? Schließlich wollte ich einen Zirkelschluss vermeiden. Dann las ich, was der Doktorant zu Induktion und Deduktion geschrieben hat, und ich hatte endlich eine Idee. Mal sehen, ob ich sie Sache halbwegs anständig über die Bühne bringe oder mich übernehme.

Meine Definition

Das „gender empathy gap“ – also die Empathielücke zwischen den Geschlechtern – bezeichnet das Phänomen, dass unter denselben Umständen die Angehörige eines Geschlechtes mehr Mitgefühl bekommen als die des anderen. Allgemein gilt dies im Durchschnitt, das heißt, auch wenn allgemein einem Geschlecht weniger Empathie entgegengebracht wird, kann es Fälle geben, in denen das andere weniger abbekommt.

So weit, so gut. Diese Definition sagt so noch nichts darüber aus
– ob dies tatsächlich allgemein so gilt
– welchem Geschlecht gegenüber weniger Empathie gilt
– was die Ursache hierfür ist

Diese Definition ist ferner dafür offen, dass es andere Kriterien für Empathie gibt, die stärker wirken als dieser Unterschied bei ansonsten gleichen Voraussetzungen.

Beispiele für Männer

Männerrechtler / Maskulisten führen an, dass Männern im allgemeinen weniger Mitgefühl entgegengebracht wird. Das fängt an mit Formulierungen in den Nachrichten wie „unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder“, nach denen es offenbar weniger schrecklich ist, wenn Männer die Opfer sind.

Fefe hatte die Frage nach der Empathie einmal in größerem Zusammenhang gestellt, was ich an anderer Stelle bereits zitiert hatte:

Habe vorhin kurz bei zwei Biologen und einer Psychologin nachgehakt:

Im Wesentlichen triggert

  1. der Tod eines Kindes am stärksten,
  2. dann der einer attraktiven Frau im gebärfähigen Alter,
  3. dann folgt der Tod eines „schwachen“ Menschen (alt, körperlich eingeschränkt, geistig eingeschränkt und, tatsächlich, „alle anderen Frauen“ -> also Frau tatsächlich auf derselben Empörungsstufe wie ein „behinderter“ Mensch!)
  4. und dann erst folgen Männer.

Männer im wehrfähigen Alter erhalten das geringste Mitgefühl, wenn ihnen etwas wie „Tod durch Erschießen“ widerfährt.

Die Einsender bei Fefe hatten zum Großteil Evolutionsbiologie als Ursache angegeben. Sowohl die Verfeinerung der Empathierangfolge als auch die Erklärung erscheinen mir schlüssig.

Das Schöne an dem biologischen Hintergrund ist ja: Es ist verständlich, ohne dass es bedeutet, dass es so bleiben soll. Insbesondere in einem westlichen Industriestaat ist nicht einzusehen, warum gegen diese biologischen Grundlagen, die früher einmal sinnvoll waren, nicht jetzt gegengesteuert werden sollte (wenn sich auch, da bin ich realistisch, die Biologie nie verleugnen oder negieren läßt). Insbesondere die kulturelle Ausformung ist ja gerade nicht durch die Biologie vorbestimmt, selbst wenn die Biologie einen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen man sich bewegen kann.

Dies ist kein „reines Männeranliegen“, wie Genderama an einem interessanten Fall belegte. Hintergrund war eine steigende Zahl von Übergriffen gegen Frauen bei der Polizei. Nach wie vor sind allerdings zu 82,5% Männer betroffen, sogar 87,5% bei Totschlag. Ein Leser kommentierte: Bei der französischen Polizei seien Frauen anstrengend, weil sich im Konfliktfall die Männer automatisch vor sie stellten. Man kenne von der israelischen Armee, dass Soldaten ihren Auftrag vergäßen, um eine Soldatin zu retten. Die Veränderung in Deutschland sei also ein Zeichen von Gleichberechtigung. Die Reaktion darauf war allerdings, dass der Chef der Gewerkschaft der Polizei NRW eine Begrenzung des Frauenanteils forderte. Arne Hoffmann urteilte:

Die Tendenz, das Leiden von Männern leichter als das Leiden von Frauen zu gewichten, droht hier ausnahmsweise auch einmal die Gleichberechtigung von Frauen zu torpedieren.

Zur Kultur, genauer zur Popkultur, äußerte sich Blogger uepsilonniks in einem Kommentar bei „Alles Evolution“:

Man schaue sich mal an, wer als Vertreter seines Geschlechts etwa in Action-Filmen Gewalt erfährt und reihenweise getötet wird, ohne dass es den Filmspaß trübt. Wären es Frauen die vom Helden abgeschlachtet würden, der Film würde keinen Spaß machen (genauso wie bei Kindern). Auch das zeigt: Wir verurteilen Gewalt gegen Frauen stärker, leiden mit, können das nicht auf die leichte Schulter nehmen sind also anders als bei Männern dem gegenüber sensibilisiert.

Folgen zur kritischen Beobachtung

Was sind die erwartbaren Folgen eines solchen Empathieunterschiedes gegenüber Männern allgemein bzw. Männern im wehrfähigen Alter?

Nummer eins wäre für mich, dass man sich weniger um diese allgemeine und noch weniger um deren spezielle Untergruppe kümmert. Stattdessen werden sie sich selbst überlassen.

Einen institutionellen Hinweis in diese Richtung haben wir schon: Das BMFSFJ kümmert sich um alle außer Männer zwischen 18 und Rentenalter.

Nummer zwei: Probleme aller Art, von denen sie ausschließlich oder in stärkerem Maße als andere betroffen sind, bekommen weniger Aufmerksamkeit.

Wie ich im oben bereits erwähnten Artikel, in dem ich einen Beitrag von Fefe zitierte, schrieb:

Die geringere Empathie bei Männern wird sich bei der Behebung von Problemen, von denen Männer häufiger betroffen sind (Selbstmord, Obdachlosigkeit, Trennung von Kindern) erschwerend auswirken.

Nummer drei: Wird dann doch einmal spezielle Aufmerksamkeit für diese Gruppen gefordert, dann erwarte ich einen Abwehrreflex, gerne getragen von dem Gefühl, dass man das Mitleid „an die falschen Leute verschwendet, die es am wenigsten brauchen“.

Hier kann dann als „Begründung“ eine Argumentation mit Durchschnitten kommen, etwa welche Gruppe insgesamt im Schnitt reich ist, Macht hat usw., ohne zu berücksichtigen, dass die Mitglieder einer demographisch definierten Gruppe keineswegs untereinander zusammenhalten und alle anderen ausklammern und dass ein Durchschnitt nichts bedeutet, wenn man die Varianz, Standardabweichung, kurz: Verteilung innerhalb der Gruppe zu kennen.

Was die Probleme, die außerhalb der Aufmerksamkeit liegen, angeht, so drückt es Martin Daubney so aus (gefunden via Genderama):

Man muss beweisen, dass Männer und Jungen leiden, weil es die meisten Leute einfach nicht glauben.

Hilfsangebote speziell für Männer und Jungen erleben eine Abwehr. Das führt dann zum Beispiel zu Sachbeschädigung.

Wie kommt man die Probleme derzeit aus dem toten Winkel? Wie es Matze sinngemäß beschrieb: Probleme, die Männer haben, werden erst dann relevant, wenn Frauen durch sie Nachteile erleiden.

Was tun?

Wenn der gender empathy gap tatsächlich vor allem Männer trifft, dann ergeben sich darauf einige interessante Konsequenzen, wenn man Schieflagen mehr Aufmerksamkeit verschaffen möchte, von denen Männer besonders betroffen sind:

Weil Männer weniger Mitleid bekommen…

  1. …ist es wichtig, auf die Verzahnung des Wohlergehens von Männern mit dem von Frauen und Kindern hinzuweisen, also gerade das Gegenteils des „Geschlechterkrieges“ zu präsentieren. Lucas Schoppe hat diesen Aspekt so oft erwähnt, dass ich aufgehört habe, zu zählen.
  2. …ist das Etablieren und Einhalten allgemeiner, universaler Rechte dienlicher als eine spezielle Aufmerksamkeit oder Förderung. Kurioserweise ist letzteres eine Standardforderung von Lügnern und Manipulatoren (SJW) sowie Gender-Feministinnen, während sich auf ersteres einige Gegner dieser Gruppen berufen.
  3. …lohnt es sich, beim Interesse wecken für ein Problem gerade keinen besonderen Wert auf das Geschlecht der Betroffenen zu legen oder weibliche Betroffene ins Rampenlicht zu rücken. Das passt frappierend mit der Beobachtung zusammen, dass sobald über eine Betroffenengruppe berichtet wird, die überwiegend männlich ist, entweder das Geschlecht nicht erwähnt wird oder besonderer Fokus auf der weiblichen Minderheit liegt.

Das alles gilt allerdings nur vor dem Hintergrund, dass man diesen „gender empathy gap“ als „gegeben“ hinnimmt und nicht gegen ihn angeht. Angesichts der Lage der Dinge halte ich es allerdings für utopisch, dass das zuerst geschieht.

Die argumentative Redlichkeit gebietet es außerdem, stets zu messen, ob es Beispiele gibt, die den oben genannten Ausführungen widersprechen. Es darf ja nicht in die Richtung gehen „wir nehmen den gender empathy gap als gegeben hin und stellen ihn nicht mehr in Frage“. Es muss stets eine Offenheit geben in die Richtung „Was würden wir denn erwarten, wenn es sich so verhält? Was beobachten wir in der Realität? Was entspricht unseren Erwartungen, was verhält sich anders?“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dass es tatsächlich einmal eine Band mit diesem Namen gegeben hat…

The Gap Band: Early In The Morning

Fundstücke: Was tun im neuen Jahr?

Einige Artikel und Kommentare aus den letzten Wochen zeigen in Kombination einige interessante Möglichkeiten für 2017 auf. Bei Alles Evolution sind Fragen zum neuen Jahr erschienen und die ersten beiden finde ich besonders interessant:

1. Was wäre aus euer Sicht etwas, was die Männerbewegung voranbringen könnte? Wie setzen wir es um?
2. Welche Aktionen plant ihr oder würdet ihr gerne sehen?

eckitake5 beantwortet diese in den Kommentaren wie folgt:

1. Ein Gesicht. Jemand, der für die Männeranliegen steht und auch Talkshow-tauglich ist. Und öffentlich gegenhält. Am besten nicht ganz so provokativ wie Milo Yiannopoulos, sondern so klug und klar wie Janice Fiamengo. Kann man sich aber nicht selber backen und ist wohl nicht in Sicht.

2. Man sollte die Hauptstadt-Medien stärker bearbeiten. Vor allem an den hohen feministischen Feiertagen wie dem Equal Pay Day und dem Tag gegen Gewalt an Frauen. Das würde vielleicht manche Berichterstattung etwas verbessern. Viele Journalisten plappern den feministischen Kram nach, weil sie die Gegenposition gar nicht kennen.

Bei man-tau blickt man in the middle (mitm) in zwei Kommentaren sowohl zurück als auch voraus:

Gute Idee, die man auf sich selber ausdehnen kann: hat man im vergangenen Jahr seine Ziele erreicht, seine Zeit sinnvoll verwendet, stimmen die Annahmen über das politische oder sonstige Umfeld noch?

Die Männerrechtsbewegung (wie auch immer man die eingrenzt, zählt z.B. Fischer im Recht zur MRB? formal sicher nicht, faktisch hat er aber enorm viel für die MRB erreicht) ist ja in gewisser Weise eine thematisch spezialisierte außerparlamentarische Opposition und Protestbewegung, die insb. auch die feministische Propaganda und Meinungsmanipulation in den dominierenden Medien seit Jahren bekämpft. 2016 kann man insofern fast Erdrutsch bezeichnen, denn u.a. der Brexit und die Trump-Wahl zeigten, daß man mit der Kritik an der Presse und der feministischen Politik keineswegs alleine war. Vermutlich hat das jahrelange Hinweisen auf die Denkfehler und Widersprüche der feministischen Ideologie viele Leute zum Nachdenken und zum Ziehen von Konsequenzen gebracht (in den USA und in GB, in D wird es erst bei der Bundestagswahl richtig spannend). Allerdings ist dieser Erdrutsch nicht trennbar von singulären Ereignissen, namentlich der Flüchtlingswelle oder dem islamistischen Terror, die der Hauptgrund waren, warum einige politische bzw. mediale Betonköpfe an Macht verloren haben. Die MRB ist da eigentlich mehr Trittbrettfahrer, was aber egal ist, man hat jetzt eine Chance, mehr politischen Einfluß zu gewinnen. Man muß aber jetzt neu nachdenken, welche Chancen und Randbedingungen man hat und welche Forderungen man stellt.

Zur Lügenpresse, unserem Lieblingsgegner: der ist geschwächt, aber Totgesagte leben meistens länger, als man denkt, die Propagandaschlachten werden also weitergehen, und Gegendarstellungen bleiben eine zentrale Aufgabe. Das führt zu einigen Fragen:

Wieviel fundierte Information können wir als thematisch spezialisierte Masku-Blase für uns selber und ggf. auf Nachfrage dem allgemeinen Publikum bieten? Es ist relativ einfach, nur die Denkfehler und inneren Widersprüche feministischer Argumentationen aufzuzeigen. Wenn man in die Rolle eines zuverlässigen Informationslieferanten wachsen will, wird es anstrengend. Das schafft keiner alleine, dazu ist die Bandbreite an Themen viel zu groß. Es würde schon helfen, wenn man für die ca. 10 wichtigsten Themen einen sattelfesten Experten hätte.

Damit zusammen hängt das Thema Informationsüberflutung. Viele Themen im Kontext der Geschlechterthematik ufern aus, kein Mensch kann das alles lernen und wissen (vor allem in der Freizeit). Informationsreduktion ist daher entscheidend. Was direkt zu Bildungsfragen führt: was kann man als Grundwissen in den diversen Themengebieten voraussetzen? (Abiturwissen?) Was setzt man als spezielleres und volumenmäßig noch schaffbares Spezialwissen eines zertifizierten Maskus 🙂 oben drauf? Eine Debatte um ein Masku-Curriculum fände ich spannend (und notwendig): Education is not preparation for life…

Ebenfalls bei Lucas Schoppe wird Mark E. Smith in mehreren Kommentaren unter seinem eigenen Artikel ganz konkret, was er als Strategie sieht:

Ich beschäftige mich nur mit Schutzbach [gemeint ist Franziska Schutzbach], weil sie gegenwärtig in der Schweiz quasi die Schnittstelle zwischen dem Spezialdiskurs (Wissenschaft) und dem Interdiskurs (Medien) ist. Mir geht es quasi darum, dass so viel wie möglich im Netz über sie gelesen werden kann, wenn man nach ihr googelt und man dann sieht, dass sie auch viel Schrott erzählt.🙂

Ich habe ziemlich viel qualitative Inhaltsanalysen und Diskursanalysen gemacht, einfach weil ich der Überzeugung bin, dass schlussendlich für Krieg oder Frieden, für Sozialabbau oder Sozalstaatlichkeit, die öffentliche Meinung relevant ist. Deshalb finde ich bei den Linken momentan, wenn es um die Medien geht, die Nachdenkseiten am sinnvollsten. Relativ einfache Sprache, jedoch trotzdem reflexiv und kritisch. Mich hat immer Öffentlichkeit, Medien, PR, politische Kommunikation, Framing, Narrative, Diskurse, kulturelle Hegemonie etc. interessiert, weil ich wie gesagt, das Gefühl habe, dass dies die halbe Miete für politischen Erfolg ist.

Diesen drei Einschätzungen möchte ich meine Ansicht hinzufügen, insbesondere was das Bloggen angeht.

  1. Grundsatzartikel zu bestimmten Stichworten halte ich für wichtig und ich würde sie möglichst trennen von der tagesaktuellen Debatte, aus deren Anlass sie dann leicht wieder hervorgeholt werden können.
  2. Weil durch tagesaktuelle Ereignisse, Artikel, Videos usw. bestimmte Themen immer wieder hochkochen, habe ich schon länger eine Themensammlung ins Auge gefasst. Damit läßt sich zeigen, dass man sich schon länger mit einer Thematik befasst hast, dass bestimmte Argumente und Narrative immer wiederholt werden und dass umgekehrt vieles, was ein anderer vielleicht zum ersten Mal liest, trotz Analyse und Debatte stets auf ähnliche Weise erneut durchs Internet geht. Quasi „man in the middle“-Unterstützung.
  3. Mit demselben Ziel, also leichteres Einlesen für Neulinge, ältere maßgebliche Artikel immer wieder aufführen. Umgekehrt Insiderjargon vermeiden – oder, noch besser, getrennt erläutern.
  4. Mehr Verlinkung, um die Artikel zeitloser zu machen. Am Tag selbst findet jeder Artikel X und Kommentar Y, aber später sieht’s ganz anders aus.

Wie so ein Blogerfolg aussehen kann, das zeigt das hohe Google-Ranking von Alles Evolution und man in the middle beim Stichwort Privilegientheorie (2. und 3. Treffer bei mir). Mit anderen Worten: Wer nach dem Wort googelt, bekommt ganz oben bereits die Impfung gegen die Beschämungspropaganda angeboten.

Gleichzeitig lohnt es sich, sehr populäre Themen zu behandeln. Alles Evolution hat etwa den Dauerbrenner „Wie vermeidet man die Friendzone?“ – das war der meistgelesene Artikel 2016 (siehe Grafik in den Kommentaren), obwohl er vom Januar 2012 stammt.

An solche „Einstiegsartikel“ gilt es anzudocken und weitere lesenswerte, leicht erschließbare Inhalte anbieten. Sprich, ich möchte es neuen Besuchern leicht machen, viel Zeit mit Lesen zu verbringen. So geht es mir als Leser woanders nämlich ebenfalls: Ich komme via Google oder einer Verlinkung für eine ganz bestimmte Sachen und dann schaue ich mich um. Finde ich auf die Schnelle noch mehr, das interessant klingt, bleibe ich länger hängen.

Insofern zahlt es sich aus, „feministische Kampftage“ und populäre Videos durch eigene Beiträge begleiten. Ich denke da an die „36 Fragen an Männer„, die im letzten Jahr die Runde machten (das wäre eine Steilvorlage für die nächste, spontane Blogparade) oder auch die zahlreichen Artikel zum vermeintlichen „Equal Pay Day“. Gerade weil sie in aller Munde sind, werden diese Themen dann von Leuten gesucht, was dann wieder Zufallsfunde ermöglicht.

Eine der schönsten Entwicklungen des vergangenen Jahres geht über das Bloggen hinaus. Fragte Christian Schmidt noch im Dezember 2015 „Braucht die Männerbewegung einen Youtubekanal (und wer will einen unterhalten/helfen)?„, so läßt sich heute konstatieren: Ab 2016 gab es endlich interessante Youtube-Kanäle auf Deutsch, die die entsprechenden Themen beackerten und in schöner Regelmäßigkeit etwas veröffentlichten.

Das wird auch vorbildlich mit dem Bloggen kombiniert: Zum einen werden in Blogs die Quellen aufgelistet. Das Stapelchipsblog wurde etwa aus diesem Grund überhaupt ins Leben gerufen und bietet immer wieder Artikelsammlungen an. Umgekehrt sind Youtube-Videos leicht in Artikel einzubinden und liefern, wie z.B. der Doktorant, auch einfach mal das komplette Thema eines Artikels.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich mache mir keine Illusionen: Es wird noch viel Wasser den Rhein herunterfließen, bis sich etwas ändert in Gesellschaft und Politik. Dennoch bin ich verhalten positiv – so wie etwa das folgende Lied. Wer sagte, dass Männer keine großen Emotionen jenseits von Fußball ausdrücken können?

Herbert Grönemeyer: Land unter