Nachgedanken zur Berliner Demonstration vom 29. August

Am vergangenen Samstag waren meine Lebensgefährtin und ich auf der Berliner Corona-Demonstration. Ursprünglich wollte ich in diesem Blogpost hauptsächlich unsere Beobachtungen schildern – nach all den mittlerweile stattgefundenen Diskussionen und umlaufenden Berichten im Netz hat sich der Schwerpunkt inzwischen sehr stark vom Beobachten zum Reflektieren verschoben. Der folgende Blogpost ist dreigeteilt: im ersten Teil schildere ich unsere persönlichen Beobachtungen, im zweiten Teil versuche ich mich an einer Einschätzung der Demonstration aus meiner in der zeitlichen Differenz einer Woche entstandenen Perspektive und im dritten Teil kommentiere ich den Anlass der Demonstration: das staatliche Corona-Krisenmanagement. Ich danke meiner Lebensgefährtin für eine tagelange, intensive Text- und Videorecherche, ohne die ich als berufstätiger Mensch diesen Blogpost so nicht hätte verfassen können!

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#Pride und #Pinkwashing : Die allgegenwärtige Regenbogenfahne

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Vorbildlich: Endlich dürfen auch Schwule Schuhe tragen. Quelle.

Es ist wieder CSD-Saison und verstärkt nehmen Medien, Regierung und Unternehmen die Gelegenheit war, um auf „LGBT“ aufmerksam zu machen. Da ich online ohne Adblocker unterwegs bin, wurde ich in den letzten Wochen immer mehr mit bunten Werbebannern zugespamt. Auch das Frauenministerium, das sich noch nie weltanschaulicher Neutralität verpflichtet fühlte oder kritische Distanz zum Gender-Feminismus durchblicken ließ, macht fröhlich mit, wobei es natürlich nur um „Information“ geht. Pride-Veranstaltungen werden damit zu staatlich promoteten politischen Demonstrationen. Auf Websites, Straßen und auf Produkten – überall grellbunte, kitschige Regenbogenfahnen. Der Tagespiegel berichtet:

 Zum CSD im Juli wehen für gewöhnlich überall in Berlin die Regenbogenfahnen: An öffentlichen Plätzen, an Kulturstätten, von privaten Balkonen aus. Auch die Deutsche Bank, die Deutsche Bahn, MyMuesli, Douglas und Flaconi nutzen den Regenbogen – zu Werbezwecken. Die Firmen möchten Weltoffenheit, Diversität und Akzeptanz gegenüber der LGBTQI* Community und den Kunden demonstrieren – ein Image, aus dem sich Profit schlagen lässt.

Dazu stülpen manche Firmen ein Regenbogenmuster über ihre Produkte, um das LGBT-Kundensegment anzusprechen oder einfach als virtue signalling, um woken Millenials und wohlmeinenden Biedermeiern, den Groschen aus der Tasche zu locken. Die Zielgruppe wird im „Handelsbatt“ 2019 als zahlungskräftig beschrieben:

Seit Jahren gibt es hier einen harten Wettbewerb um die bunte Klientel, der viele Studien überdurchschnittliche Reise- und Konsumlust attestieren.

Die Kaufkraft der Queeren-Gemeinschaft ist immens und wird in Deutschland „rosa Geld“ genannt. Experten des britischen Marktforschungsunternehmens LGBT-Capital schätzen das rosa Geld der Welt auf 3,7 Billionen US-Dollar pro Jahr, doppelt so viel wie die gesamte Kaufkraft von Kanada. In Europa beträgt die jährliche Kaufkraft 950 Milliarden US-Dollar und für Deutschland wird eine Kaufkraft von über 151 Milliarden Euro geschätzt.

Auch der „Fokus“ schreibt:

Schließlich gilt die LGBTIQ+-Community als kaufstark – allein in Deutschland wird ihr jährlicher Umsatz auf 50 bis 100 Milliarden Euro geschätzt.

Der „LGBT“-Trend hat eben auch etwas mit „Selbstverwirklichung“ und auch mit Eitelkeit zu tun. Meiner persönlichen Ansicht nach, wiegt dieser Aspekt sogar schwerer als natürliche sexuelle Veranlagung. „Selbstverwirklicher“ haben im Allgemeinen Geld und geben es gerne für Produkte aus, die ihrem selbstkreierten „Selbst“ besonders entsprechen und auch die „politisch interessierte“ ImM-Studentin gibt das väterliche Geld gerne aus, um sich passend zur Saison ein paar bunt gestreifte Kosmetikartikel zu shoppen und ihren Freundinnen zu zeigen.

Das Geschäft scheint sich zu lohnen, doch bei der Zielgruppe selber weckt das politisch angesagte Marketing auch Kritik. „Pinkwashing“ nennen Queer-Aktivisten es, wenn Unternehmen ohne Bezug zu LGBT-Themen nur oberflächlich auf der Welle mitschwimmen. Die Kommerzialisierung der politischen Agenda und ihrer Symbole kommt nicht überall gut an. „Tagesspiegel„:

“Das ist kein ‘für die Community’, das ist reines Pinkwashing”, findet Candy [eine Aktivistin]. Aus ihrer Sicht profitieren allein die Firmen von den Aktionen, während glaubwürdige Gesichter aus der queeren Community nur benutzt werden.

Aktivisten bemängeln, dass die Firmen nicht glaubwürdig genug die LGBT-Bewegung unterstützen, indem sie z.B. an entsprechende Organisationen spenden oder mehr Queers in die Führungsetagen hieven. Man könnte natürlich sein Geld auch selbst an politische Organisationen der Wahl spenden, anstatt es für bunten Nippes auszugeben aber man kann natürlich auch einfach meckern und fordern. Aber Moment mal: Wenn man eine poltische Agenda übernehmen muss, eh man sich in der sympathischen Gemeinschaft von Tunten, Kampflesben und halbnackten Partyfreaks einreihen darf – würde das nicht bedeuten, dass „LGBT“ eben nicht einfach nur eine Ansammlung von „sexuellen Minderheiten“ ist, sondern doch eher eine politisch-ideologische Gruppe, wie Kommunisten oder Nationalisten?

Um diese Frage soll es hier gar nicht gehen, denn ich habe sie schon hier ausführlich behandelt. Spoiler: Ja, ich halte „LGBT“ in erster Linie für linke Ideologie. Menschen und ihre Gefühle respektiere ich und in das Liebesleben Fremder mische ich mich nicht ein, aber bei der LGBT-Bewegung geht es um weit mehr als ein bisschen Liebe, nämlich um eine politische Weltanschauung, in der marxistische Ideen von Gleichheit und Umsturz der bestehenden (Geschlechter-)Ordnung propagiert werden, ganz ähnlich wie bei feministischer Ideologie, die dementsprechend mit der LGBT-Bewegung heute im Gleichschritt marschiert.

Natürlich steht es jedem frei, an die Heilswirkung dieser Ideologien zu glauben – es herrscht schließlich die Freiheit der Weltanschauung – eine moralische oder rechtliche Verpflichtung, diesen Stuss gutzuheißen, gibt es aber ganz gewiss nicht. Man sollte es nicht einfach hinnehmen, wenn mit den Symbolen einer wie auch immer gearteten politischen Bewegung der öffentliche Raum weiträumig zugekleistert wird. Diese Republik ist nach wie vor pluralistisch (ein liberales Ordnungsprinzip, das in weiten Teilen der Linken heute kompett falsch als „diversity“ verstanden wird). Und eigentlich verboten ist es, wenn sich auch noch staatliche Institutionen – die der weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sind – mit den Farben einer kontroversen politischen Minderheitsbewegung „schmücken“, wie es z.B. die Hamburger Polizei hier mit … naja… viel Geschmack und Einfallsreichtum vormacht:

 

Hey, Hamburger Polizei und alle anderen Staatsorgane und Unternehmen, die ihre Logos, Websites und Produkte politisch verschönern wollen, wie wär’s das nächste Mal mit Hammer und Sichel zum 1. Mai? Wär unpassend? Verboten gar, Geschäftsschädigend? Spalterisch? Ach was! Na dann ein anderer Vorschlag: Schwarz-Weiß-Rot zum 18. Januar, dem Datum der Kaiserproklamation Wilhelms I in Versailles? Der historische Anlass würde alle Kriterien erfüllen: Sehr relevant, kontrovers und wichtiges Datum einer kleinen, unsichtbar gemachten Minderheit – nämlich reaktionären Monarchisten. Ein sehr vorbildlicher Bürstenhersteller aus Muldenhammer hat’s vorgemacht:

REICHSBESEN
Endlich: Der REICHsbesen! Zeige deinen Freunden, wie woke und progressive du bist und dass du fest an Kaisers Seite stehst und hol dir JETZT DEINEN stylischen REICHsbesen in angesagten Farben. Feg die ganzen patriophoben Sozialdemokraten und Franzosen aus DEINEM REICH einfach heraus! Direkt hier bestellen!

Wie? Kaiserfans als politische Minderheit zählen nicht? LGBTSED aber schon? Warum, wenn ich fragen darf? Weil die mediale Öffentlichkeit die einen wie heilige Kühe behandelt und die anderen wie Volltrottel? Diskriminierung! Ich will endlich meinen #REICHSday !!!1! Ich will endlich wenigstens einmal im Jahr Crèmedöschen mit Wilhelmkonterfei und Bismarck-Gummibärchen kaufen können. Ich will, dass die Regierung offiziell Werbung für kostümierte preußische Paraden macht und Tips gibt, wie man sich in der lokalen Reichsbürger-Community vernetzen kann. Das Deutsche Kaiserreich war schließlich der erste geeinte deutsche Staat. Also wehe, es kommt mir einer, der diesen Kult kritisiert! Wer nächsten Januar zum kommenden 150-jährigen Jubiläum (!) der Reichsgründung nicht schleunigst Opas alte Flaggen aus der Mottenkiste kramt, ist offensichtlich Gegner der Einheit, also Staatsfeind! Deswegen: Flagge zeigen! Macht euch Bodypaintings in ihren Farben und tanzt nackt mit Pickelhaube auf den Straßen. Sie soll allgegenwärtig sein, die erlösende Fahne Schwarz-Weiß-Rot!

 

Ist das keine lustige Vorstellung? Fände es der eine oder andere gar etwas gruselig, von allen Seiten einseitige Jubelpropaganda entgegen geblasen zu bekommen? Vor allem, wenn es dabei auch noch um eine politische Bewegung geht, die nicht die nationale Einheit anstrebt, sondern eine Art dadaistischen Sex-Tribalismus predigt?

Mit Sicherheit bin ich nicht der Einzige, der das so wahr nimmt, doch die meisten schweigen und wenden sich ab. Doch damit muss Schluss sein. Der Pluralismus und die Meinungsfreiheit sind in Gefahr. Runter mit den albernen postkommunistischen Kindergartenflaggen. Schluss mit dieser pseudoliberalen Diversity-Äfferei. Macht euren Vorgesetzten, Lehrern und Kollegen Dampf, dass sie virtue signalling und pinkwashing sein lassen sollen. Kauft nicht diesen billigen schwulen Kommerz. Lasst es nicht zu, dass linke oder rechte Ideologen den öffentlichen Raum okkupieren und pfeifft auf diese Schwachköpfe, die euch irgendwelche „Phobien“ einreden wollen.

Aber wem das alles zu anstrengend ist, der kann schon mal unsere zukünftige globale Nationalhymne auswendig lernen. der Text dürfte nicht all zu anspruchsvoll sein:

 

Political Correctness: J. K. Rowling unter Beschuss wegen „Transphobie“ #IStandWithMaya

Die britische Schriftstellerin J. K. Rowling, weltbekannt für die Harry-Potter-Reihe, steht seit einigen Tagen im Visier von linken Medien und Twitteraktivisten, weil sie eine Frau verteidigt hat, die sich des „Misgenderns“ einer „Transfrau“ schuldig machte, also einem biologischen Mann, der sich als Frau ausgibt, als „er“ bezeichnete und außerdem meinte, dass das Geschlecht biologisch festgelegt und keine Entscheidung ist. Bei der Frau handelt es sich um Maya Forstater, eine Ökonomin, die bis vor kurzem beim Think Tank „Center for Global Development“ unter Vertrag war. Als sie dann den Trans-Kollegen „misgenderte“ und ihre verhängnisvollen Ansichten über Transgender äußerte, wurde ihr gekündigt. Forstater zog vor ein britisches Arbeitsgericht, was laut BBC allerdings entschied, dass:

that view is „not worthy of respect in a democratic society“

BBC weiter:

Ms Forstater […] was not entitled to ignore the rights of a transgender person and the „enormous pain that can be caused by misgendering“, employment judge James Tayler said.

Sprich: Das Gericht entschied, dass ihre Aussage keinen Schutz genießt und ihr Arbeitgeber daher das Recht hat, ihr aufgrund dieser Aussage zu kündigen. Unter dem Hashtag #IStandWithMaya versammeln sich Unterstützer Forstaters, die ihrer Aussage zustimmen bzw. ihre Kündigung und den Gerichtsentscheid gegen sie als Angriff auf die Meinungsfreiheit ansehen. Unter diesen Unterstützern findet sich auch Potter-Autorin Rowling:

Prompt erntete Rowling einen Shitstorm sogenannter „Transaktivisten“, die ihr „Transphobie“ vorwarfen, obwohl sie selbst sich eigentlich gar nicht über Transgender geäußert hat, sondern nur jemanden in Schutz genommen hat, der meinte, dass das Geschlecht biologisch festgelegt sei und dafür mit juristischer Deckung einen Posten verloren hat. Rowling und Forstater werden nun als „TERF“ bezeichnet, also als transexclusive radikal feminists. Dazu muss man wissen, dass es innerhalb des Feminismus die Auseinandersetzung darüber gibt, ob auch „Tansfrauen“, also quasi übergelaufenen Männern, das Diskriminierungsprivileg zusteht, oder eben nur den biologischen Frauen. Ein Teil der Radikalfeministinnen der Zweiten Welle (u.a. Alice Schwarzer) sehen „Transfrauen“ als fünfte Kolonne der Männlichkeit, also als Agenten des Patriarchats, während sich intersektionale Queer-Feministen der Dritten Welle darüber freuen, dass Transgender die verhassten Geschlechtskategorien durchbrechen. Ob nun Forstater und Rowling wirklich TERF sind, oder einfach nur ganz normale Frauen, die halt an der etablierten biologischen Sicht festhalten bzw. sich nicht den Mund durch aggressive Transaktivisten verbieten lassen wollen, sei mal dahingestellt, jedenfalls wurde der Streit um die beiden unbequemen Frauen schnell zu einem neuen Aufguss des Konflikts zwischen altem und neuem Feminismus.

Auch deutsche Medien haben das Thema aufgegriffen und attackieren Rowling und Forstater als „transphob“. In einem queerfeministischen Meinungsmagazin namens DER SPIEGEL teilt ein seine tiefsinnigen Gedanken zu dem Fall:

Wie kann die „Harry-Potter“-Autorin sich Hauselfen, Gestaltenwandler ausdenken, utopische Welten schaffen und in der Realität, außerhalb ihrer Bücher, so anachronistisch und kleingeistig denken?

Meinungsfreiheit und Biologie sind für ihn also „anachronistisch und kleingeistig“. Doch es geht noch lächerlicher:

Ein Feminismus, der im Jahr 2019 immer noch nicht Race, Klasse, Gender konsequent mitdenkt, sondern sich von Transfrauen bedroht fühlt, der Hass gegen Transmenschen weiter anheizt, während Transwomen of Color umgebracht werden, ist nichts weiter als ein Dementor – so heißen die magischen Seelenaussauger bei „Harry Potter“.

Frei von jeder logischen Argumentation wird aus Rowling hier ein rassistisches, seelenaussaugendes Ungeheuer. Wahrscheinlich ist sie sogar Klimawandelleugnerin und Putinanhängerin und alles nur deswegen, weil sie gesagt hat, dass man jemanden, der das bioloische Geschlecht für gültig hält, nicht ausgrenzen soll. Auch die FAZ beteiligt sich am fröhlichen politisch korrekten Schlachtfest. Redakteurin Natalia Wenzel-Warkentin verzichtet zwar auf direkte Angriffe gegen Rowling, bezeichnet aber Forstater ohne Belege als „transfeindlich“ und erwähnt mit keiner Silbe den naheliegenden Kritikpunkt, dass dies ein Angriff auf die Rede- und Gewissensfreiheit ist. In dieselbe Kerbe schlägt auch das linksidentitäre ZEIT ONLINE-Nebenprodukt ze.tt.

Es ist ein fürchterlicher Befund, dass in Großbritannien die Ansicht, dass das Geschlecht eines Menschen biologisch determiniert ist und nicht einfach gewechselt werden kann, keinen rechtlichen Schutz mehr genießt. Erst kürzlich wurde im Mutterland des westlichen Liberalismus eine Frau wegen entsprechender Äußerungen, bzw. wegen „Misgenderings“ festgenommen. Doch dies ist Angelegenheit der Briten. Bedrohlicher finde ich, dass auch deutsche Journalisten sich demonstrativ gegen die Meinungsfreiheit stellen, Andersdenkende verteufeln und die abstruse Idee, dass das Geschlecht eines Menschen von der biologischen Veranlagung unabhängig ist, zum unhinterfragbaren Dogma erklären.

Ich wünsche allen Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit, in der man vom Irrsinn unserer Zeit Abstand finden kann.

 

 

Im Bett ohne Feminismus: Die persönliche Geschichte einer emanzipierten Frau

Es folgt ein Gastartikel der Leserin Hannah, in dem sie beschreibt, wie sie ihre feministische Erziehung hinter sich gelassen hat:

Ich bin Anfang 20 und würde mich nun endlich als emanzipiert bezeichnen – emanzipiert von einem Feminismus, der mich jahrelang eingeschränkt hat. Ich glaube, Feminismus schränkt viele Frauen ein und führt zu viel Frust bei Männern und Frauen, bei mir kam aber hinzu, dass meine Mutter Radikalfeministin ist, sich politisch engagiert und für ein Verbot von Pornos, Prostitution und (sexistischer) Werbung kämpft. Ich wurde also von einer Feministin feministisch erzogen und auch mein Vater ist zwar nicht ganz so radikal, unterstützt meine Mutter aber letztlich in ihren Ansichten.

Feminismus bedeutet für meine Mutter, dass Männer und Frauen sich nur rein biologisch ein klein wenig unterschieden, alle anderen Unterschiede, die wir tagtäglich beobachten können sind das Konstrukt der Gesellschaft. Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu gemacht. Dieses Zitat von Simone de Beauvoir ist wohl einer der Schlüsselsätze. Wie sich Frauen kleiden, welche Berufe sie ergreifen, welche Hobbys sie haben und natürlich auch Gehaltsunterschiede und die Tatsache, dass weniger Frauen in Chefetagen oder der Politik vertreten sind, einfach alles lässt sich demnach auf gesellschaftliche Umstände und rein gar nichts auf biologische Gründe zurückführen. Nebenbei bemerkt sind Frauen bei den rein biologischen Unterschieden – dazu später mehr – natürlich komplexer und irgendwie besser als Männer.

Diese gesellschaftliche Realität, die letztlich verändert werden muss, wird wiederum von Medien, Werbung, Politik, Schulen, sonstigen öffentlichen Institutionen etc. erzeugt oder zumindest verstärkt und konserviert. Allerdings, so das Weltbild, sind die einzelnen Akteure in unterschiedlichem Maß dafür verantwortlich. So wird der Pornoindustrie unterstellt, sie wolle (neben anderen Zielen) bewusst ein „falsches“ Frauenbild bei Männern und Frauen schaffen. Die Marketingbranche oder allgemein die Wirtschaft und große Teile der Medien hingegen verstärken Geschlechterrollen bewusst, aber nicht unbedingt mit einem negativen Ziel und Schulen vermitteln eher aus Unachtsamkeit ein „falsches“ Geschlechterbild.

In der Kindheit bedeutete diese Einstellung für meine Erziehung in erster Linie, dass rosa Kleidung und Prinzessinnenkostüme weitestgehend vermieden wurden und ich statt Puppen auch Lego-Technik geschenkt bekam. Aber außer gelegentlichem Quengeln, um rosa Kleidung zu bekommen, war das für mich als Kind glaube ich kein Drama und wurde logischerweise von mir als Kind nicht hinterfragt. Zu Reibungspunkten kam es dann ab der Pubertät. So wie es eben ganz normal ist, möchte man als Mädchen irgendwann Hotpants, kurze Röcke, bauchfreie Tops anziehen. Natürlich wurde mir das nicht verboten. Denn es ist das absolute Recht jeder Frau, knapp bekleidet rumzulaufen, ohne dass dies einem Mann das Recht gibt, auch nur abschätzig zu schauen (der sog. Male Gaze). Stattdessen gab es dann ein ernstes Gespräch, nicht etwa mit dem Ziel, mich zu bekehren oder zu belehren, sondern um meinen freien Willen und meine Einsicht in die gesellschaftlichen Realitäten zu stärken. Das führte immer mal wieder zu Streit, aber nicht zu einem Hinterfragen der Ideologie. Denn grundsätzlich klang das alles für mich schlüssig. Ich war also lange Zeit eher hin- und her gerissen: Will ich mir wirklich die Fingernägel lackieren oder wurde mir das von Wirtschaft und Werbung nur so eingeredet? Mode, Schmuck, Make-Up, Haarentfernung etc. waren so letztlich ständig Themen, die immer unter den Aspekten Macht und Unterordnung diskutiert wurden und die ich selbst auch ständig hinterfragt habe. Ich habe mich schließlich als Feministin gesehen und wollte jede Handlung unter diesem Aspekt reflektieren.

Ein weiteres Thema, das im Laufe der Pubertät dazu kam, war natürlich Sexualität. Ich habe im Beitrag zum „Mythos vaginaler Orgasmus“ durchaus einiges bekanntes entdeckt. Ganz im Stile Alice Schwarzers wurde mit vermittelt, die Klitoris ist das eigentliche Lustzentrum, Penetration ist vor allem von den Männern gewünscht, bringt der Frau aber nicht viel. Aber auch die Männer möchten nicht nur aus Lustgründen penetrieren, sondern auch als Akt der Besitzergreifung. Vielleicht anders als Schwarzer es sieht, müsse die Vereinigung allerdings nicht per se negativ sein, sondern könne ein Akt der Zweisamkeit, der Verbindung sein – aber bei reiner Penetration eben ohne besonders großen Lustgewinn für die Frau und vor allem nicht als Muss in einer Beziehung. Unabhängig davon wurde es sowohl im Rahmen der Aufklärung, wie ich finde aber auch in mehr oder weniger allen Frauen- und Jugendzeitschriften so dargestellt, als gäbe es ein Recht auf einen Höhepunkt und sei es (alleinige) Aufgabe des Mannes, dafür zu sorgen.

Nun war mir eigentlich schon vor dem ersten Mal klar, dass die Klitoris, zumindest bei mir, nicht dieser Lustknopf ist, den man einfach nur richtig drücken muss und dann kommt man. Ich bin heute nicht mehr sicher, ob ich darüber damals, als mein Sexleben begann, schon nachgedacht habe. Aber wenn ich es nichtmals selbst schaffe, mich einfach so zum Höhepunkt zu bringen, wie sollte das einem (sexuell ebenso unerfahrenem) Jungen gelingen? Vermutlich aber habe ich darüber nicht nachgedacht, sondern hatte einfach die Erwartung, dass das nun seine Aufgabe sei. Gleichzeitig aber hab ich auch eine Art Pflicht empfunden, kommen zu müssen – also beste Voraussetzungen, damit es dann am Ende klappt….nicht. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich bei meinem ersten Freund überhaupt mal gekommen bin. Mit etwas mehr Erfahrung bei mir und meinem jeweiligen Partner änderte sich das zwar etwas, aber der Normalfall war weiterhin, dass ich nicht zum Orgasmus kam und das obwohl ich all die Tipps, die so kursieren, ausprobierte. Recht oft spielte ich den Höhepunkt auch vor. Gar nicht, weil ich wollte, dass der Akt dann vorbei ist, sondern weil ich die Erwartung spürte, dass ich kommen muss, und diese Erwartung wollte ich ihm gegenüber aber auch mir selbst gegenüber erfüllen. Man lügt sich also selbst in die Tasche.

Nun war es natürlich nicht so, dass ich nur noch dauerfrustriert durch die Gegend gelaufen bin. Mir machte der Sex ja durchaus Spaß. Es gab aber eben diese Diskrepanz zwischen dem was mir als Normalität, als Anspruch vermittelt wurde und der Realität. Das führte allerdings noch längst nicht zu einem Hinterfragen dieser vermeintlichen Gewissheiten oder gar der gesamten Konstruktion des Feminismus. Bis dahin sollte es noch lange dauern.

Zunächst einmal entdeckte ich so mit ca. 17 eine sexuelle Vorliebe, durch die ich mich im Grunde dem Mann spielerisch unterwerfe, ihm meine Hingabe zeige, was sich aber eher schwer mit dem Leben als Feministin vereinbaren lässt. Dieser Zwiespalt ließ mich anfangs zögern, obwohl ich diese Vorliebe ausleben wollte und als ich sie dann auslebte war ein schlechtes Gewissen die Folge. Ich wollte weiter Feministin sein, aber es fühlte sich nun für mich an, als wäre ich eine Außenstehende, eine, die dazugehören will, aber nicht mehr kann. Im Grunde fühlte ich mich als Verräterin.  Letztlich zeigen sich beim Sex die natürlichen oder archaischen Neigungen besonders explizit und dies auch bei Personen, die ansonsten Geschlechterrollen ablehnen. Dies erkannte ich wohl ab da immer mehr. Das Hinterfragen des Feminismus blieb zwar weiter zunächst aus, doch im Rückblick würde ich sagen, dass dieses Gefühl, nicht mehr wirklich dazuzugehören in der Kombination damit, sexuelle Befriedigung durch diese Vorliebe und damit unabhängig vom Orgasmus zu erleben, den Ausschlag gab, mich mit der Biologie zu befassen.

Internetrecherchen zum Thema Orgasmus brachten mich allerdings nicht sofort weiter. Wer das Thema googelt findet viel, aber nicht unbedingt biologisches Hintergrundwissen. Ich fand zunächst vor allem Seiten mit klugen Tipps, wie „es auf jeden Fall“ klappt und „Tipps, die jede Frau wissen muss“, darunter praktisch immer die übliche Klitoris-Fixierung, so als wäre das nun eine total neue Erkenntnis und nicht etwa das, was einem ohnehin überall erzählt wird.  Als ich dann auf Artikel stiess, wo erklärt wurde, der weibliche Orgasmus sei nach wie vor ein Rätsel, da er evolutionsbiologisch unnütz sei, machte mich das zwar neugierig aber zunächst auch regelrecht wütend. Selbst die Biologie – oder etwa die männlichen Biologen? – schien den Männern hier ein Privileg einzuräumen. Bis dahin hatte ich tatsächlich nie über irgendwelche biologischen Gründe und Notwendigkeiten nachgedacht und wollte das alles, was ich nun las auch nicht wirklich wahrhaben. Es wurde für mich immer erschreckender. Da wurde der weibliche Orgasmus teils als Unfall der Evolution bezeichnet. Es gab zwar eine ganze Reihe von Theorien, wieso Frauen zum Höhepunkt kommen, aber durchgesetzt hatte sich in Fachkreisen offenbar keine. Die wohl wahrscheinlichste ist tatsächlich, dass der weibliche Orgasmus ein Nebenprodukt des – biologisch notwendigen – männlichen Höhepunkts ist, weil die entsprechenden Voraussetzungen schon teilweise gebildet werden, bevor beim Fötus das Geschlecht festgelegt ist – so wie Männer biologisch unnötig Brustwarzen haben.

Und ich fand Zahlen, nach denen nur jede zehnte bis jede Vierte Frau mehr oder weniger immer kommt und dass das alles auch noch genetisch bedingt sein soll, ob eine Frau eben gut und häufig kommt, eher schwierig oder sogar gar nicht. Mich machte das wütend, ich fühlte mich nun erst recht ohnmächtig, aber es begann auch ein Prozess des Nachdenkens: War das alles, was mir erzählt wurde, nicht richtig und bin weder ich noch meine Partner anormal? Hatte ich sowohl mich als auch meine Partner unnötig unter Druck gesetzt? Und was bedeutete das nun? Ich realisierte immer mehr, es gibt keinen Anspruch auf einen Orgasmus, aber damit eben auch keinen Druck, kommen zu müssen.

Mit dem Loslassen von diesem ganzen Denken, kam ich dann sogar häufiger. Ganz anders als es von Feministinnen dargestellt wird, verlor der Orgasmus nun aber für mich an Bedeutung, ich hörte auf, etwas anzustreben, was unwillkürlich passiert und von dem genetisch determiniert ist, wie schwer oder leicht es passiert. Und auf der anderen Seite gewann der eigentliche Akt, die Penetration an Bedeutung. Die Realisierung der Bedeutung der Biologie veränderte für mich sehr viel. Die ganze Einstellung zum Sex ändert sich. Dazu kam, dass ich mich nicht mehr als Feministin fühlte, aber auch nicht mehr als Verräterin, wie zeitweise vorher. Im Gegenteil, ich fühlte mich nun vom Feminismus verraten. All die Jahre an Frust und schlechtem Gewissen, weil mir im Grunde Lügen erzählt wurden. Und auf einmal war auch klar: Wenn hier die Biologie wichtig ist, dann auch in den ganzen anderen Bereichen, wo ich lange glaubte, das alles wäre komplett gesellschaftlich bestimmt. Es setzte ein Gefühl ein, als hätte man mir die Augen geöffnet und ich sah immer mehr, welche Rolle die Biologie auf unser Verhalten hat und sah damit immer mehr, welcher Unsinn mir über Jahre erzählt wurde, der überall und meist kritiklos weiterhin erzählt wird.

Mittlerweile kann ich mein Sexleben, meine Vorliebe ohne jedes schlechte Gewissen und ohne (Orgasmus-)Druck frei und unbeschwert genießen. Mein früherer Frust hat sich nun in Wut auf den Feminismus gewandelt. Beinahe täglich entdecke ich Artikel, Aussagen, Kommentare zu allen Bereichen des Lebens, die mir mittlerweile komplett absurd erscheinen, die aber offenbar ernst gemeint sind. Da wird ein Sexverbot für Männer, die kein Kondom benutzen, gefordert, Cheerleaderinnen wird ihr Sport verboten, dass Frauen seltener zum Orgamus kommen wird als “Orgasm Gap” zur Ungerechtigkeit stilisiert, Männer sollen erzogen werden, richtig zu sitzen und Siri und Alexa sind sexistisch, weil es Frauenstimmen sind (aber wehe, es wären Männer)… die Liste ist endlos. Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto klarer sehe ich, dass Feministinnen eine neue Unfreiheit auch und gerade für Frauen schaffen.

Daniele Ganser in Karlsruhe

Am vergangenen Montag Abend habe ich wieder eine Vortragsveranstaltung besucht – Daniele Ganser war mit einem Vortrag zum Thema »US-Imperialismus« im Karlsruher Konzerthaus zugegen. Karten für die Veranstaltung hatten wir schon Monate im Voraus besorgt, sodass wir zentral in der zweiten Reihe saßen (die erste Reihe war für alle möglichen VIPs reserviert). Im folgenden schildere ich meine Eindrücke von Person und Vortrag, und gehe auch noch kurz auf die Handzettelverteiler vor dem Konzerthaus ein: wie auch schon beim Genderkongress in Nürnberg gab es auch hier Leute – eindeutig unter der Flagge der Antifa – die der Meinung waren, dass man diese Veranstaltung doch eigentlich besser nicht besuchen sollte.
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Mehrwertsteuersenkung auf Tampons beschlossen: Quengeln und Lügen hat geholfen

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Diese Petition auf Change.org hatte mit 190 000 Unterschriften Erfolg. Sie suggeriert fälschlicherweise, dass Tampons im deutschen Steuerrecht als „Luxusgegenstand“ gelten.

Wie die FAZ meldet, hat der Bundestag am Donnerstag die Senkung der Mehrwertsteuer auf Tampons (und E-Autos) beschlossen. Dem Voraus ging eine Petiton auf Change.org, die eine solche Senkung der Mehrwertsteuer forderte und von mehr als 190 000 Menschen unterschrieben wurde. Bei den beiden Initiatorinnen der Petition handelt es sich um Nanna-Josephie Roloff und Yasemin Kotra, die beide SPD-Mitglieder sind und nach eigenen Angaben „Sozialökonomie bzw. Politik und Öffentliches Recht studiert“ haben, sich also mit der Materie auskennen (müssten). Trotz (oder wegen) ihres Fachwissens und ihrer Vernetzung in der SPD nehmen es die beiden jungen netten Aktivistinnen aber mit der Wahrheit nicht immer ganz so genau:

In Deutschland gibt es zwei unterschiedliche Mehrwertsteuersätze: Den generellen Satz von 19% und den ermäßigten von 7%.

Soweit richtig.

Der ermäßigte Steuersatz gilt für Grundnahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs.

Jein. Viele Dinge des alltäglichen Bedarfs (vorallem Lebensmittel) sind ermäßigt besteuert; andere (z.B. Kleidung) hingegen nicht. Andersrum gilt der ermäßigte Steuersatz von 7% auch für unverzichtbare Grundbedürfnisse, wie Kinobesuche, Schnittblumen, Katzenfutter oder Sammlermünzen. Warum auch immer. (Wer sich für die ermäßigten Waren/Dienstleistungen interessiert: hier die amtliche Liste). Weiter im Text:

Menstruationsartikel, also Tampons, Binden, Menstruationstassen, Panties, etc. fallen nach dieser Einteilung unter die Kategorie „Luxusartikel“, da sie mit 19% besteuert werden.

Falsch. Und angesichts dessen, dass die beiden Damen vom Fach es besser wissen müssten: Lüge. Es gibt keinen besonderen Mehrwertsteuersatz für „Luxusartikel“. Tampons und andere Hygieneartikel werden mit dem regulären Mehrwertsteuersatz besteuert, der -um einen alten Klassiker zu zitieren – „AUF ALLES (außer Tiernahrung)“ erhoben wird: Nämlich die ganz normalen 19%, die auch für „Luxusartikel“ wie Hosen, Kochtöpfe und Kugelschreiber gelten. Genau dieses falsche Gerede von einer Luxussteuer, die auch von manchen Medien unkritisch widergegeben wird, ist es, die der Petition die Unterstützer in die Arme treibt und sie schlussendlich ins Parlament gebracht hat. Die folgende Skandalisierung ergibt sich quasi als Folgefehler:

Die hohe Besteuerung dieser Produkte stellt eine fiskalische Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts dar, die das Grundgesetz eigentlich nicht erlaubt.

Selbst wenn wir annehmen, dass diese Behauptung zuträfe, dass 19% Mehrwertsteuer gegen das Grundgesetz verstoßen, wie krass wäre diese Diskriminierung eigentlich, wegen der die armen gebeutelten Frauen „finanziell bluten“ müssen, wie es RTL.de poetisch beschreibt? Christian von AllesEvo hat schon vor 3 Jahren ausgerechnet, wie viel eine Frau durchschnittlich sparen würde, wenn die Mehrwertsteuer für Tampons auf 7% gesenkt wird. Sein Ergebnis:

Demnach geht es hier um ein Ersparnis über das Leben einer Frau gerechnet von:

  • bei den billigen Tampons: 6,93 € (pro Periode 0,015 €)

  • bei den teuren Tampons: 156,34 € (pro Periode 0,34 €)

Ich habe die Zahlen nachgerechnet und komme auf höhere, aber in etwa vergleichbare Ergebnisse. Auch der Spiegel geht von ähnlichen Zahlen aus, auch wenn er redlich bemüht ist, die Zahlen aufzubauschen:

Nicht mitgerechnet: Die vielen Tampons, die in Handtaschen und unterwegs verloren gehen.

Da werden die Fakten knallhart auf den Tisch geballert, dass die Tampons fliegen. Aber leider nichts zu machen. Es bleibt dabei: Die Frau kann durch die Mehrwertsteuersenkung Geld im Wert von ein paar Kuchenkrümeln pro Monat sparen. Und dafür dann das ganze Gezeter und dutzende Artikel über „Luxussteuern“ und „Diskriminierung“. So geht Feminismus! So geht SPD! Es ist reine Symbolpolitik und Relevanzsimulation und ein Vorwand für den sich breit machenden feministischen Fetisch um Menstruationsblut.

Mir persönlich ist es gleich, ob Tampons mit 19% oder 7% besteuert werden und das zugrunde liegende System, was ermäßigt besteuert wird und was nicht, kann ich eh nicht ganz nachvollziehen. Doch angesichts dessen, dass das neue Gesetz durch unnötige Skandalisierung und verzerrte Darstellung der Rechtslage befeuert wurde, wäre es besser, wenn man es demonstrativ abgelehnt hätte, um dieser unehrlichen Art des politischen Aktivismus und der Symbolpolitik eine Abfuhr zu erteilen.

ZEIT Campus: Studienanfängerinnen / So viele Frauen wie noch nie. Eine Textanalyse.

Quelle: ZEIT Campus

Ich hau mal ohne Vorwort in die Tasten. Es wird launisch! (Nur so kann man diesem ideologischen Mist noch begegnen)

Wir wollten wissen: Was studieren Frauen und Männer in Deutschland? Ist es wirklich so, dass Männer sich für ein technisches Fach und Frauen häufiger zum Beispiel für Pädagogik entscheiden? Oder ist das ein altes Bild und die Realität in den Hörsälen sieht anders aus?

Ihr mit euren Schein-Fragen, die ihr später nur selbst beantwortet, wollt gar nichts wissen. Ihr wollt einfach nur vorgeben, was gut und richtig ist. In euren Augen.

Ja ob denn wohl die Realität in den Hörsälen anders aussieht, hmmm? Weiß man das nicht schon längst?

Wer sich die relative Verteilung von Frauen und Männern, die ein Studium beginnen, ansieht, wird an vielen Stellen nicht überrascht sein (Spoiler: Maschinenbau). Klischees wirken wie überall in der Gesellschaft. Stereotype Geschlechterbilder prägen nach wie vor die Studienwahl von jungen Erwachsenen.

Oh ja. Die bösen Klischees und Stereotype. Aber Gottseidank:

Aber es gibt auch Studiengänge, in denen sich das Verhältnis von Frauen und Männern verkehrt hat. Die innerhalb weniger Jahre von einem sogenannten Männer- zu einem Frauenfach wurden.

Freude, schöner Götterfunke!

In den Fünfzigerjahren …

Ja, damals in der Steinzeit. Immer gut, wenn man mit ollen Kamellen, die heute überhaupt keine Relevanz mehr besitzen, noch mal auf die prekären Verhältnisse von damals hinweisen kann. Warum wurde nicht auch das mit dem fehlenden Wahlrecht für Frauen irgendwo untergebracht? Wäre doch für den beabsichtigten Gesamttenor des Artikels gut gewesen?

In den Neunzigerjahren näherte sich die Zahl der Frauen jener der Männer an, das Verhältnis wurde grob halbe-halbe.

Soweit so gut, der historische Unterbau ist gezimmert. Aber … wir sind ja gesellschaftlich noch nicht weit genug:

Seit ein paar Jahren haben die Frauen die Männer sogar überholt, mit steigender Tendenz. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch in Skandinavien. „Diese Länder sind uns sogar noch voraus“, sagt Markus Lörz. Er ist Bildungssoziologe und untersucht am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), warum sich Bildungswege nach dem Abitur stark unterscheiden.

Impliziert die Phrase „sind uns voraus“ nicht eigentlich eine begrüßenswerte Entwicklung? Also als Ziel für „uns“?

Der Herr ist sich aber wohl auch nicht richtig sicher, denn:

„In vielen anderen europäischen Ländern stellt man sich bereits seit Längerem die Frage: Wie bekommt man die Männer in die Hochschulen?“

Was nun? Skandinavien als Vorbild oder will man tatsächlich „zurück“ in die 90er, wo es noch halbe-halbe war?

Doch wie kommt die Wahl des Faches zustande? „Eine Vielzahl von Faktoren spielt da hinein“, sagt Cort-Denis Hachmeister. Er ist Psychologe und forscht zu Motivationen bei der Studienfachwahl. „Eine Erklärung ist, dass Frauen sich für Fächer mit einer praktischen Anwendung nah am Menschen interessieren.“ Ganz klassisch sind das soziale Fächer, Lehramt, Lebenswissenschaften.

Hinzu kommt, dass die Wahl des Studienfaches stark durch Entscheidungen in der Schulzeit geprägt ist. „Wo man seine eigenen Leistungen sieht, ist immer vom Elternhaus und der Gesellschaft geprägt“, sagt Bildungssoziologe Lörz. Das zeige sich zum Beispiel darin, auf welche Fächer man in der Schule seinen Schwerpunkt lege.

Geschlechterstereotype spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wer glaubt, dass starre Geschlechterbilder überkommen sind, liegt falsch. Frauen und Mädchen gelten weithin als sich kümmernde, emotionale, musische Menschen. Männer und Jungs als rational, technisch interessiert, erfinderisch. Und das hat Auswirkungen auf die Studienfachwahl.

Um es mit Klaus Wowereit zu sagen: „Und das ist auch gut so!“. Daher ist die negativ konnotierte Wortwahl „starr“ und „überkommen“ falsch, ihr Genderideologen. So lange eine Frau auch Maschinenbau studieren kann, wenn sie denn will und so lange ein Mann auch Grundschullehrer werden kann, wenn er will, ist alles in Butter. Nennt sich Gleichberechtigung. Frauen „gelten“ nicht als kümmernd, emotional, musisch, sie SIND es. Aber das paßt euch nicht, weil ja Männer als „rational“, „technisch interessiert“ und „erfinderisch“ wiederum „gelten“ (sie SIND es). Und dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern führt zum kruden Gedankengang, dass dies eine Abwertung der Frau bedeutet. Und weiter führt dies zum Gedankengang, dass das alles „anerzogen“ ist (Elternhaus, Gesellschaft). Nein, umgekehrt: die Gesellschaft ist dadurch geprägt, was vorhanden ist.

Die Medizin war dagegen lange männlich dominiert. Frauen fehlten in der Wissenschaft und im Berufsalltag, dadurch war auch die medizinische Forschung jahrzehntelang von Männern geprägt. Medikamente wurden zum Beispiel überwiegend an Männern getestet, dann aber Männern und Frauen verschrieben – obwohl sie bei den Geschlechtern unterschiedlich wirken können. Seit einigen Jahren ist die Medizin zumindest an den Universitäten weiblich geprägt, viel mehr Frauen beginnen ein Medizinstudium als Männer. Der Unterschied ist in der Zahnmedizin und in der Tiermedizin noch größer.

Was hat jetzt die medizinisch forschende Frau / der medizinisch forschende Mann damit zu tun, dass Medikamente überwiegend an Männern getestet wurden? Ich dachte, es ginge in diesem Artikel um Erklärungsansätze der Studienwahl und nicht um die Forschung an sich? Aber wenn wir schon dabei sind: Nur her mit den Frauen als Versuchskaninchen. Es müssen nicht immer nur Männer die Drecksjobs machen, die nicht ungefährlich für Leib und Leben sind.  Bei den Kanalarbeitern und Müllwagenfahrern sind Frauen übrigens auch deutlich unterrepräsentiert. #aufschrei

Wer in der Oberstufe keinen naturwissenschaftlichen oder mathematischen Schwerpunkt gewählt hat, studiert auch eher kein MINT-Fach. Das konnte Hachmeister in einem Forschungsprojekt für das gemeinnützige Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zeigen, in dem es um Frauen in der Informatik geht. „Nur etwa vier Prozent der Frauen wählen einen Leistungskurs Physik“, sagt er. Für viele kommt allerdings selbst dann ein Studienfach wie Physik nicht in Frage, zeigt die Studie. Sie entscheiden sich eher für ein kombiniertes Fach. „Weil sie diese Stereotypen wohl selbst im Kopf haben.“

Was für eine grandiose Binsenweisheit: Wer sich nicht für MINT interessiert, wählt so etwas nicht in der Oberstufe und wird so etwas später auch nicht studieren …

Aber leider liegt es nicht am mangelnden Interesse … die Leute bescheißen sich selbst durch Stereotype. Selbst den Frauen, die ein „kombiniertes“ Fach wählen, wird das unterstellt. Quasi ist ein Teilfach das Feigenblatt oder der Sicherungsfaktor für das andere Teilfach. Aber fest steht: wir unterliegen alle einem gesamtgesellschaftlichen Massenwahn.

In manchen Studiengängen gibt es große Unterschiede innerhalb des Fachs: In der Wirtschaftsmathematik ist der Männeranteil höher als in der Mathematik. Der hohe Frauenanteil unter den Mathematikstudierenden lässt sich auch dadurch erklären, dass die Studienanfängerinnen, die Mathematik auf Lehramt studieren, mitgezählt werden. Und das Lehramt ist bei Frauen sehr beliebt.

Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst manipuliert hast. Aber Danke für den Hinweis mit den „vielen“ Mathe-Studentinnen. Wir Maskulinisten werden das an passender Stelle verwenden, wenn mal wieder ein Ideologe meint, dass die Anzahl der weiblichen Mathe-Stundenten „gestiegen“ ist.

Warum ist Parität, also eine Gleichheit zwischen den Geschlechtern, überhaupt wichtig? Bildungssoziologe Lörz erklärt dies in seiner Einführungsvorlesung zu Bildungssoziologie so: Es gibt drei Ebenen, auf denen Gleichheit wichtig ist: Individuum, Wirtschaft und Gesellschaft. Wenn Geschlecht, Herkunft oder Migration bei der Studienfachwahl eine Rolle spielen, dann kann das Individuum seine Möglichkeiten nicht voll ausschöpfen. Denn Talente sind unabhängig von diesen Merkmalen verteilt.

Wieso kann das Individuum seine Möglichkeiten nicht ausschöpfen? Eine Behauptung wird zum Fakt gemacht. Es herrscht bereits freie Studienwahl, unabhängig vom Geschlecht. Das sieht man doch auch, WEIL es auch Frauen in klassischen Männerfächern gibt. Nur halt nicht so viele (interessenbedingt). Aber jetzt würde man mir sicher vorwerfen, mit „einfachen Antworten“ zu kommen, wäre dies eine Diskussion. „Einfache Antwort“ ist ebenfalls negativ konnotiert, dabei sind einfache, klare Antworten und Lösungen meist die Besten.

Es geht also um Gerechtigkeit. Außerdem entgehen der Wirtschaft eine Reihe Potenziale, denn sie ist darauf angewiesen, dass die Besten die Jobs bekommen.

Die Besten müssen sich beweisen und zusehen, dass sie auch in entsprechende Positionen kommen. Egal, ob Mann oder Frau. Wobei sich feministische Menschen darauf berufen, systemisch benachteiligt zu sein (Stichwort „Männerseilschaften“). Auf wen beruft sich aber der Mann, der abends nach Hause kommt und zu seiner Frau (am Herd, versteht sich, Kind auf dem Arm) sagen muß: „Schatz, leider hat der Müller den Posten bekommen und nicht ich“?

Übrigens gibt es weniger Bemühungen, Männer in sogenannte Frauenfächer zu bringen als umgekehrt. „Es gibt natürlich immer das Thema, dass zum Beispiel mehr Männer im Grundschullehramt benötigt werden“, sagt Hachmeister. Dazu gebe es auch einige Initiativen, „aber die sind viel weniger prominent“.

Ist bekannt … so etwas ist nicht neu …

Selbst in Fächern, in denen der Frauenanteil sehr hoch ist, nimmt er innerhalb akademischer Laufbahnen wieder ab. Zum Beispiel beobachtet der Bildungssoziologe Lörz, dass Frauen, die im Studium ein Kind bekommen, eher abbrechen als junge Väter. „Wir sehen auch beim Promotionsübergang und beim Eintritt in die Professur Geschlechterunterschiede“, sagt Lörz. Wenn Frauen in der Schulzeit noch einen Vorsprung haben, hält er nicht auf Weg nach oben.

Also weiter oben wurde noch gesagt, dass Frauen sich für praktische Anwendungen nahe am Menschen interessieren. Mit einer Proffessur entfernt man sich selbst aber von der Praxis, auch wenn man Studenten und ihre Projekte praktisch betreut. Es wird theoretischer, verkopfter. Und dass Frauen ihre akademische Laufbahn unterbrechen gilt nicht nur für die Studienzeit. In der medizininschen Versorgung wird es zu einem Problem, dass weniger Männer Medizin studieren, weil umgekehrt Ärztinnen familienbedingt aufhören oder auf Teilzeit gehen. Aber das fällt dann wiederum unter persönliche Verwirklichung, die es natürlich nicht einzuschränken gilt (Gott bewahre!). Trotzdem es immer mehr Kinderkrippen etc. gibt.

Neben dem Geschlecht sind weitere Kategorien entscheidend, wenn es um die Studienwahl geht. „Soziale Herkunft ist ein Riesenthema“, sagt Lörz. Herkunft bestimmt, ob Abiturienten und Abiturientinnen überhaupt ein Studium beginnen und für was sie sich entscheiden. Zum Beispiel entschieden sich viel mehr Akademikerkinder für Fächer wie Jura und Medizin. „Dahinter verbirgt sich ein klassischer Berufsvererbungseffekt. Die Berufe der Eltern haben eine gewisse Vorbildfunktion.“ Was soziale Herkunft anbelangt, habe sich in den letzten Jahrzehnten deutlich weniger getan als bei Geschlechterunterschieden, sagt Lörz.

Ja, und da sollte viel mehr gemacht werden (für Frauen und Männer), anstatt nur Frauen zu pampern, die aus „gutem Elternhaus“ stammen. DORT geht Potenzial verloren und nicht durch „böse“ Geschlechterunterschiede, um deren Aufhebung man sich krampfhaft bemüht. Sage ich, als Arbeiterkind, das studiert hat.

 

Toxic Journalism: Männerhass gegen Formel 1

Jan Freitag, Redakteur der bei Zeit Online, fordert wütend ein Verbot des Autorennens Formel 1. Sein Hauptargument: Zu viel Testosteron. Das zweite Argument: Klimawandel.

Wenn die Formel 1 Sonntag Halt am Hockenheimring macht, wiederholt sich ein reaktionärer, sexistischer, klimafeindlicher Kampf debilster Art. Abschaffen, bitte. Sofort.

Stellen wir uns also mal vor, Gladiatoren und Guillotinieren oder auch nur das dummdreiste Showcatchen steroidgestählter Muskelprotze wären auch hierzulande Publikumsmagneten: würde die Tagesschau davon berichten? Also nicht im Tonfall intellektueller Empörung, sondern als allgemein anerkannte, nüchtern distanzierte, kritiklos verlesene Nachricht? Wohl kaum! Oder doch? Womöglich schon. Denn das Äquivalent zum testosterongesättigten Amüsement meist männlicher Massen wird auch am Sonntag gegen 20.13 Uhr die wichtigste deutsche Informationssendung bestücken. Kurz nach der Weltpolitik, aber vorm Wetter kommt nämlich die Formel 1.

Die Formel 1 stammt ja aus einer Ära, als Männer nur dann Männer waren, wenn sie ihre Lieben zwar mitunter vermöbeln, aber auch behüten, umsorgen, ernähren.

Was vor allem Männern Spaß macht, kann ja gar nichts Gutes sein und darf nicht einfach so in Ruhe gelassen werden. Das Interesse für Formel 1 wird sogar auf wundersame Weise mit dem Interesse an öffentlichen Hinrichtungen verglichen, denn schließlich ist alles, was mit Potenz und Kraft zu tun hat, so böse und zerstörerisch wie blutrünstige Gewalt. Über zwei Seiten lässt Jan Freitag seinem gequälten Selbstbild freien Lauf und wettert ohne jede erkennbare Ironie aber mit umso gierigerer Lust gegen Penisse, Männer und Testosteron. Aber keine Sorge, das ist alles für einen guten Zweck. Es gilt nämlich den Klimawandel schnell noch aufzuhalten, und da darf dann ruhig ein bisschen auf die Kacke gehauen werden. Außerdem dient es – und hier gibt es einen großen unsichtbaren Zusammenhang – dem Kampf gegen „Sexismus“. Denn irgendwie leiden durch die Formel 1 nämlich nicht nur die CO2-Werte, sondern auch die armen, reinen, unschuldigen Frauen. Frauen und Klima hängen nämlich direkt kausal zusammen. Je heißer das Klima, desto heißer die Frauen. Nein, Moment..

Wenn die Jugend der Welt nämlich jeden Freitag für die Zukunft demonstriert, wenn Frauen aller Herren Länder gegen die Allmacht eben jener aufbegehren, wenn die Vernunftbegabten weltweit auf Tempo, Wachstum, Überfluss verzichten – dann wirkt ein intelligenzverachtender, ressourcenverschleudernder, zutiefst sexistischer Machismo à la F1 so fortschrittlich wie Donald Trumps Tweets oder die Stadion-Henker seiner arabischen Kumpels.

Männlichkeit ist in Freitags Weltbild untrennbar verbunden mit Frauenverachtung, Schweinerei, Rücksichtlosigkeit. Einer wie Freitag kann nicht anders. Er findet die Vorstellung eines hypermaskulinen barbarischen Frauenschänders einfach zu geil, kann sie nicht für sich behalten und muss sie jetzt unbedingt in einem Artikel in einer der größten deutschen Zeitungen allen präsentieren…

… um das grüne Gewinsel vom Klimawandel in einem teerschwarzen Cocktail aus Testosteron, Benzin und Bier zu ersaufen.

Völlig ungeniert betreiben Bildungsbürger, die sich selbst wahrscheinlich als „liberal“ und „humanistisch“ beschreiben würden, mit purer Verachtung von Männlichkeit billiges Clickbait.

Geistig schlichte Mannsbilder wie jene, die geliehene Boliden ungeachtet roter Ampeln und Tempolimits durch belebte Innenstädte jagen, sind ja nichts anderes als Sebastian Vettels in arm, der geliehene Boliden ungeachtet von Erderwärmung und Plastikmeeren über Parcours hetzt

Da es aber gegen Klimaerwärmung und „Seximus“ geht, sieht die geistige Vorbereitung der Diktatur schon ganz anders aus.

#JeKiffeMonDecollete : Frauen auf Twitter zeigen der Welt ihren Ausschnitt – wegen „Sexismus“

Der Sommer ist da, die Badestrände füllen sich. Sittliche Bedenken haben Hitzefrei und die bürgerlichen Damen holen ihre Hotpants und bauchfreien Spaghetti-Tops heraus. Denn schließlich ist es etwas völlig normales und überhaupt nichts irgendwie anstößiges, halbnackt in der Uni, im Büro oder in der Schule zu erscheinen. Bekanntermaßen kleiden sich Frauen nämlich nur deswegen freizügig, weil ihnen doch sonst so heiß wäre und weil es ihnen halt irgendwie selbst so gefällt. Maximal tun sie es noch aus Gruppenzwang heraus. Keineswegs aber wollen Frauen dadurch ihre sexuellen Reize und ihre Verfügbarkeit öffentlich zur Schau stellen und Männer herausfordern. Das muss allen klar sein! Aber gewisse Männerschweine verstehen das natürlich mal wieder alles völlig falsch. Und nun haben im Nachbarland Frankreich diese Agenten des Patriarchats gnadenlos zugeschlagen. Eine neue „Sexismus“-Sau wird durch Twitter und die Medien gejagt. Die „Berliner Zeitung“ berichtet:

Den Startschuss gab die Nutzerin „célineb“: Sie veröffentlichte auf Twitter ein Foto ihres Ausschnitts mit dem Text „Nach Angaben eines Typen, dem ich gerade begegnet bin, ist das hier das ‚Dekolleté einer dreckigen Hure’“

[…]

Kurz danach rief die Kolumnistin des französischen Radiosenders RMC, Zohra Bitan, alle Frauen dazu auf, „wegen der Hitzewelle und im Widerstand gegen die Kleiderpolizei“ Dekolleté-Fotos von sich zu posten. Dazu veröffentlichte die 55-Jährige ein Foto mit den Schlagworten „Liberté, Egalité, Décolleté“ (Freiheit, Gleichheit, Dekolleté).

Hier der Tweet mit dem es den Anfang nahm:

So nahm der große Busenspaß seinen Lauf. Unter #JeKiffeMonDecollete („ich liebe meinen Ausschnitt“) posten seit einigen Tagen tausende Französinnen Bilder ihres Dekolletés. Aus irgendeinem Tweet, über irgendeine mutmaßliche Beleidigung, die sich irgendwo in dem Millionenland abgespielt haben soll, lanciert eine eifrige Medienmacherin einen Hashtag gegen eine angebliche „Kleiderpolizei“. Zohra Bitan ist kurz darauf auch im französischen Fernsehen. Die FAZ redet ihr das Wort und gibt Auskunft darüber, wie ernst die Lage auf Europas Straßen ist:

Trägt eine Frau einen kurzen Rock oder ein knappes Top auf der Straße, kommen Reaktionen oft automatisch: Von Beschimpfungen über Maßregelungen bis hin zu unangemessenen Anmachsprüchen – viele Frauen erleben all das.

Ich bin kein Franzose, bin mir aber relativ sicher, dass es eine solche Kleiderpolizei nicht gibt und solche Beleidigungen Ausnahmen darstellen. Aus Deutschland kenne ich dergleichen jedenfalls nicht. Anders könnte dies sein, wenn leicht bekleidete Frauen in muslimisch geprägten Vierteln unterwegs sind, doch darum geht es bei dem Hashtag natürlich nicht.

Oder müssen sich Frauen in der westlichen Gesellschaft tatsächlich regelmäßig anhören, sie seien zu leicht bekleidet? Ich lasse mich gern davon überzeugen, wenn jemand dergleichen berichten kann. Denn in der Tat denke ich, dass dies durchaus nicht verkehrt wäre.

Doch meiner Meinung nach existieren die „Kleiderpolizei“ und die „Beschimpfungen und Maßregelungen“ vor allem in dem Köpfen dieser Frauen bzw. Journalisten. Es handelt sich um eine psychische Projektion. Die moderne Frau bzw. der moderne Mann hat Gewissenbisse dafür, dass die Frau ihre Reize tagtäglich mehr oder weniger schamlos zur Schau stellt. Sie entlasten ihr Gewissen dadurch, dass sie ihre eigenen unbewussten Sittlichkeitsbedenken auf die „Sexisten“ projizieren und verdammen. Nachdem man dann erfolgreich die lästigen Schuldgefühle kollektiv auf die Schweinemänner abgeladen hat, kann man gleich viel befreiter, und obendrein mit einem prima politisch-korrekten und progressiven Vorwand der weiblichen Eitelkeit frönen und leckere Busenbildchen von sich hochladen.

Zur Aufklärung muss an dieser Stelle etwas Anschauungsmaterial gezeigt werden. Ich bitte die Leser zu beachten, dass das Bildmaterial NICHT zur erotischen Unterhaltung gedacht ist, sondern ausschließlich politischen und emanzipatorischen Zwecken dient. Die Frauen, die das gepostet haben, möchten darauf aufmerksam machen, dass sie „sexualisiert werden“ (FAZ) und täglich Diskriminierung erfahren und meinen es sehr ernst:

Und falls sich jetzt jemand beschwert, dass ich mir ja jetzt nur besonders hübsche Beispiele herausgepickt habe, sag ich nur folgendes:

Erstens: Das machen die ganzen Zeitungen, die (wohlwollend) über die Aktion berichten, genauso bei ihren Titelbildern. Denn Sexismus lässt sich am leichtesten dadurch bekämpfen, dass aus Sex Kapital geschagen wird. Das wissen wir seit #Metoo.

Zweitens: So etwas wie Unterschiede in der Schönheit gibt es ja schon mal gar nicht. Das ist ein patriarchales Konstrukt, ok?! Jedes Dekolleté ist gleich schön. Alles andere ist nämlich Diskriminierung.

(In eigener Sache: Geschlechterallerlei könnte neue Autoren vertragen. Wer Lust hat zu Geschlechterthemen zu bloggen, kann an christianallesevo (at) gmail Punkt com mailen. Jede politische Ausrichtung wird toleriert.)

Rettet eure Söhne, Die „Zwangsehen“ greifen an!

'Destroy_this_mad_brute'_WWI_propaganda_poster_(US_version)
Amerikanisches Propagandaplakat aus dem Ersten Weltkrieg

Arne Hoffmann (Genderama) berichtete gestern darüber, dass laut einer UNICEF-Studie weltweit „über 100 Millionen Jungen zwangsverheiratet“ werden. Arne Hoffmann ging es wahrscheinlich in erster Linie darum, darauf hinzuweisen, dass im medialen Diskurs endlich mal erwähnt wird, dass nicht nur Mädchen zwangsverheiratet werden und dieses Anliegen teile ich auch. Die Meldung ist aber nichts desto Trotz falsch. Die UNICEF-Studie ist unnötige Skandalisierung und der verlinkte WELT-Bericht darüber macht es noch schlimmer. Auch wenn dieser Alarmismus hier ausnahmsweise auch mal Jungen „zu Gute“ kommen soll und nicht, wie sonst immer, nur Mädchen, sollte man das nicht unter den Tisch fallen lassen.

Kurz zusammengefasst liegen zwei wesentliche Fehler vor:

  1. Die WELT gibt die Pressemitteilung von UNICEF-Studie falsch wieder, wenn sie von 115 Millionen männlichen „zwangsverheirateten“ spricht, UNICEF jedoch nur von 115 Millionen Bräutigamen, die als „Kinder“ verheiratet wurden. Das ist durchaus ein Unterschied.
  2. Die Definition von „Kinderehen“, die UNICEF verwendet, ist haarsträubend falsch, weil UNICEF offensichtlich alle Ehen, die unter 18 Jahren geschlossen wurden als „Kinderehen“ abqualifiziert.

Die Folge ist ein doppelt falscher Artikel der WELT, dem gemäß alle Ehen unter 18 automatisch „Zwangsehen“ seien, wovon dann 115 Millionen Jungen betroffen seien (und ca. sechs Mal so viele Mädchen). Das ist eine schwere Beleidigung von Millionen legitim geschlossener Ehen weltweit. Arne Hoffmann hat diese reißerischen Fake News leider unkritisch übernommen, was hoffentlich nur eine Unachtsamkeit war. Ich habe Arne einen längeren Leserbrief dazu geschrieben, doch er hat ihn leider nicht veröffentlicht, vielleicht weil er zu lang ist, vielleicht aber auch weil er zu kontrovers ist. Daher schreibe ich hier meine Kritik hier nochmal als Blogartikel:

In der Pressemitteilung von Unicef, in der die Studie vorgestellt wird (die Studie selbst habe ich nicht gelesen, weil sie nicht online ist) heißt es folgendermaßen:

“ KINDEREHEN: 115 MILLIONEN KINDER-BRÄUTIGAME

[…] Danach wurden schätzungsweise 115 Millionen Jungen weltweit vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, jeder fünfte von ihnen (23 Millionen) war bei seiner Hochzeit noch nicht einmal 15 Jahre alt.“

Sprich: Unicef definiert allen Ernstes sämtliche Eheschließungen unter 18 Jahren als „Kinderehe“. 17-Jährige sind aber keine Kinder, weder in Afrika noch in Indien, noch in Westeuropa. Selbst in Deutschland und anderen westlichen Ländern ist die Eheschließung unter 18 Jahren u.U. erlaubt und warum zum Teufel auch nicht?? [Anmerk.: Seit 2017 ist das veraltet. Danke an ‚krams‘ für den Hinweis] Eine Ehe von 16 oder 17-Jährigen pauschal als „Kinderehe“ zu bezeichnen, ist völlig vermessen.
Ganz ähnlich verhält es sich – und hier mag ich eine sehr unorthodoxe Meinung haben – auch mit unter 15-Jährigen. Im Westen werden 14-Jährige in gewisser Weise noch als Kinder angesehen und eine Eheschließung mit 14 ist hierzulande aus guten Gründen völlig unüblich. Das liegt aber meines Erachtens an der unterschiedlichen Erziehung und an der Kultur und keineswegs daran, dass 14-Jährige grundsätzlich unfähig wären, verantwortungsbewusst zu handeln. In Deutschland beginnt die Strafmündigkeit, wie auch die Sexualmündigkeit, mit 14 Jahren! Das deutsche Recht traut also diesen „Kindern“ (nach Unicef-Definition) eine gewisse Selbstverantwortung und Reife zu und das ist auch richtig so. Nichts anderes tun arabische, lateinamerikanische, afrikanische oder asiatische Eltern, die für ihre „minderjährigen“ Söhne und Töchter Ehen arrangieren. Man kann sich nun natürlich über den Sinn und Unsinn arrangierter Ehen streiten, doch darum ging es in der Studie nicht und arrangierte Ehen werden übrigens auch genauso zwischen „Volljährigen“ geschlossen.

Ich würde davon abraten, 14-Jährige oder gar 17-Jährige pauschal für zu jung zum Heiraten zu erklären, während auf der anderen Seite durch die magische Zahl 18 auf wundersame Weise alles in Ordnung ist. Woanders können junge Menschen wesentlich frühreifer sein, während andererseits selbst so mancher 20-Jährige noch zu verantwortungslos zum Heiraten ist. Zahlen sind Schall und Rauch. Abgesehen davon ist es in Gesellschaften, in denen früh geheiratet wird üblich, dass Verwandte die jungen Eheleute unterstützen. Sie sind noch nicht komplett selbstverantwortlich für die eigene Familie. Eine solche familiäre Unterstützung ist jedoch in unserer Kultur generell weniger üblich, was unter anderem ein Grund dafür ist, dass hier spät geheiratet wird.

Das kann man gerne anders sehen als ich, aber man sollte sich schon damit abfinden können, dass außerhalb des Westens 14-Jährige oder gar 17-Jährige nicht pauschal als „Kinder“ abgestempelt werden, so wie es das „Kinderhilfswerk“ UNICEF von oben herab aus dem New-Yorker Elfenbeinturm tut, um seine Zielgruppe zu erhöhen und skandalträchtigere Zahlen verbreiten zu können, mit denen gutmeinenden Bürgern der Ablassgroschen effizienter aus der Tasche gequengelt werden kann.

Den Moralfuror, die Vorverurteilung und diesen unterschwelligen kolonialistischen Umerziehungswahn, den UNICEF hier offenbart, finde ich schon schlimm genug, doch die WELT schafft es in dem bei Genderama verlinkten WELT-Artikel, sogar noch einen oben drauf zu setzen:

„Nicht nur Mädchen, auch Jungen werden oft gegen ihren Willen früh in Ehen gezwungen: Laut einer Schätzung des Kinderhilfswerks wurden weltweit über 100 Millionen Jungen verheiratet, obwohl sie zum Teil noch nicht einmal 15 Jahre alt waren“

Die Pressemitteilung von UNICEF spricht gar nicht davon, dass irgendjemand in die Ehe gezwungen wird. Doch schon im ersten Satz schafft es der WELT-Redakteur, die vermeintlichen „Kinderehen“ auch noch mit „Zwangsehen“ gleichzusetzen. Ergo: Alle Menschen der Welt, die unter 18 Jahren geheiratet haben, wurden gemäß der WELT zwangsverheiratet. Die WELT macht sich offenbar keine Gedanken darüber, dass Eheschließung von Kindern, Eheschließung von Jugendlichen/jungen Erwachsenen, arrangierte Ehen und Zwangsehen unterschiedliche Dinge sind. Alles, was nicht ins Bild der einzig wahren westlich-modernen Norm passt wird einfach mal als „Zwangsehe“ abqualifiziert.

Die UNICEF-Studie, bzw. deren Pressemitteilung und den WELT-Artikel darüber, sehe ich als das Werk von prüden, heuchlerischen Fanatikern und Helikoptereltern, die durch Uncle Sams Sexualhölle gegangen sind und nun auf dem Kreuzzug gegen „Kinderehen“ und Patriarchat sind. Dies muss nun vor folgendem Hintergrund betrachtet werden: Die modernen westlichen Ehe- und Familienstrukturen sind so desolat und dysfunktional wie vielleicht noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Der widerwärtige Geschlechterkampf unserer Zeit ist eine Folge davon. Aber Hauptsache, wir verurteilen erstmal die blöden Neger dafür, dass die das nicht so machen, wie wir uns das vorstellen. Dieser überhebliche Universalismus hat jetzt schon ein paar hundert Jahre im Westen Tradition.

Ich stehe dem Engagement für Kinderrechte grundsätzlich eher skeptisch gegenüber und bezweifele deren Nutzen für Kinder und Gesellschaft. Aber ich verstehe, dass man das anders sieht. Doch ist es zu viel verlangt, das Thema mit ein bisschen Augenmaß und ohne anbiedernde übertriebene Skandalisierung anzugehen?