Maskulistischer Artikel bei ZEIT ONLINE: Sexuelle Belästigung von Männern

Kurz nach dem ziemlich ärgerlichen doppelten Rundumschlag gegen „sexuelle Belästigung“ und „Sexismus“ gegen Frauen am Arbeitsplatz veröffentlichte ZON heute einen Artikel, der sich dem Thema sexuelle Belästigung von Männern widmet, und zwar ganz und gar ohne feministische Opferideologie:

Sie haben vom Klaps auf den Po erzählt und von Kolleginnen, die Bewerbungsfotos der Praktikanten herumreichten, um „den Hübschesten“ auszusuchen. Von schlüpfrigen E-Mails und anzüglichen Kommentaren im Büro. Ihren richtigen Namen wollen diese Männer nicht veröffentlicht sehen, weil sie es sich mit Kollegen und Vorgesetzten nicht verscherzen wollen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, aus dem sie anonym bleiben wollen: Wenn über sexuelle Belästigung berichtet wird, sind meist Männer die Täter. Männer, die zum Opfer wurden, haben Angst, nicht ernst genommen zu werden. Sie fürchten den Vorwurf, dass sie übertreiben, weil sie sich ja leicht hätten wehren können.

[…]

Sieben Prozent der Männer, das klingt nicht nach viel. Doch wenn die Männer nicht allgemein nach sexueller Belästigung gefragt wurden, sondern nach konkreten Vorfällen, antworteten deutlich mehr mit Ja. 19 Prozent der Männer (und 22 Prozent der Frauen) hatten sich unangemessene Fragen zum Privatleben oder Aussehen anhören müssen. Zwölf Prozent der männlichen Befragten berichteten, schon einmal unerwünscht berührt worden zu sein. Bei Frauen waren es 19 Prozent. Witze mit sexuellem Bezug oder zweideutige Kommentare hören Männer sogar häufiger als Frauen: 47 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent hatten das erlebt.

Der letzte Absatz ist bemerkenswert, weil hier strenggenommen nicht mehr über „sexuelle Belästigung“ geredet wird sondern über einzelne Vorfälle, die aus der Sicht der Autoren „sexuelle Belästigung“ darstellen, von den vermeintlichen „Opfern“ aber nicht als das erlebt oder bezeichnet werden. Was solche Vorfälle in einem Artikel über sexuelle Belästigung dann verloren haben, ist mir nicht ganz klar. Über die Köpfe dieser Männer (und Frauen) hinweg wird ihnen dann ein Opferstatus angedichtet und gleichzeitig anderen Männern signalisiert: Ihr dürft euch jetzt auch als Opfer inszenieren. Ein solcher Maskulismus droht die Falle der feministischen Prüderie zu tappen.

„Viele Männer, die sexuelle Belästigung erleben, wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen“, sagt Matthias Becker, der seit Mai 2016 Ansprechpartner für Männer der Stadt Nürnberg ist. Er ist das Pendant zu den Frauenbeauftragten – und damit deutschlandweit der Erste seiner Art. Mittlerweile rufen ihn nicht nur die Beschäftigten der Stadt Nürnberg an, für die seine Stelle vorgesehen war, sondern Männer aus allen Ecken der Republik. Sie melden sich, weil sie zu Hause geschlagen werden, weil ihnen der Chef die Elternzeit verwehren will – oder eben weil sie sexuelle Zudringlichkeiten im Job erfahren.

[…]

Menschen brauchen ein Arbeitsklima, in dem obszöne Witze, der Klaps auf den Hintern und zweideutige Sprüche nicht toleriert werden. Egal von welchem Geschlecht sie ausgehen – und ob sie Männer oder Frauen treffen.

Alles in Allem finde ich es sehr gut, dass die ZEIT sich nicht mehr davor scheut, sich dieses Themas anzunehmen. Das einseitige Gejammer über „Sexismus“ gegen Frauen und Märchenstunden über das Patriarchat der Tätermanner haben bei der ZEIT ab nun vielleicht ein Ende und weichen einer ausgeglichenen Haltung in der sowohl Männer als auch Frauen als Täter und Opfer behandelt werden können. Doch ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass das in Zukunft einfach nur bedeuten könnte, dass nun der gleiche prüde Affenzirkus mit Männern veranstaltet wird. In dem Sinne schließe ich mich den Kommentatoren „Landegaard“ und „MrWho“ an:

„Landegaard“ (#1.3):

Das habe ich auch schon erlebt, allerdings wundere ich mich, dass quasi die gleichen Vorgänge vor einiger Zeit offensichtlich von mir völlig falsch interpretiert wurden.

Weder habe ich mich hilflos gefühlt und auch keine Angst gehabt. Mir fehlte schon die „Erschütterung“, die man da heute wohl zu empfinden hat. Flirtversuche können unerwünscht sein und zeitgleich auch ungeschickt. Es ist mir aber immer gelungen, das ohne fremde Hilfe klar zu stellen, was mir unangenehm war und keine Wiederholung braucht. Ob mir also wer „glaubt“, spielte nie eine Rolle,

Hat sich die Form der Ansprache heute so sehr verändert oder der Umgang damit?

Diese Frage ist sehr berechtigt. Ich vermute, beides hat sich verändert. Die Leute (w/m) haben es verlernt, unverklemmt zu flirten und insbesondere Feministinnen können mit Annäherungsversuchen kaum noch umgehen. In Zukunft tun es manche Maskulisten ihnen vielleicht gleich.

Und „MrWho“ antwortet darauf (#1.8):

„Hat sich die Form der Ansprache heute so sehr verändert oder der Umgang damit?“

Es ist eine Zunahme der Prüderie zu beobachten. In Vergangenheit wurde über schlüpfrige Witze hinweggegangen, wäre das Voting der Kolleginnen zum hübschesten Azubi nicht als sexuelle Belästigung aufgefasst worden, hätte man ungeschickte Flirtversuche als ebensolche abgetan, solange es sonst keine Übergriffe gibt. Heutzutage gelten schon Worte und Blicke als übergriffig, beinahe wie in Saudi-Arabien. Da ist die strikte Verhüllung oder Geschlechtertrennung am Arbeitsplatz wohl die einzige Konsequenz, Diversity Management zum Trotz.

[…]

Heutzutage sind alle nur noch Opfer. Jetzt haben die Medien endlich auch den Mann als Opfer sexueller Belästigung der banalsten Form mit maximaler Empörungsblase entdeckt, da gibt es noch viel Potential zur Berichterstattung.

Diesen letzten Absatz sollte man sich hinter die Ohren schreiben. Allen Bedenken zum Trotz aber erstmal ein Dankeschön an die ZEIT.

 

Nachtrag:

Beim Stapelchipsblog gibt es eine interessante ausführlichere Analyse der Statistik, die dem ZEIT-Artikel zugrunde liegt. (eine Statistik der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2015; Download). Stapelchips:

Richtig ist, dass 17 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz „nach EIGENEM Begriffsverständnis“ schon einmal erlebt haben. Nimmt man aber die rechtliche Definition, haben Männer zu 56 % das schonmal erlebt und Frauen „nur“ zu 49 %. Das sind 7 Prozentpunkte Unterschied zum Nachteil von Männern. Tatsächlich erfahren Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz also mehr als Frauen.

Wobei Stapelchips selber anmerkt, dass es problematisch ist, was laut der Studie alles als „sexuelle Belästigung“ gilt; nämlich „zweideutige Kommentare“, „Witze mit sexuellem Bezug“ oder auch „Bemerkungen mit sexuellem Inhalt“, die zusammen mit Abstand den Löwenanteil an Formen „sexueller Belästigung“ ausmachen. Es wird bei diesen problematischen Kategorien noch nicht mal dargestellt, ob es sich um grenzüberschreitende Vorfälle handelt, sondern es wird aus mir völlig unverständlichen Gründen davon ausgegangen, dass es sich dabei grundsätzlich um Belästigung handelt. Das ist wohl auch der Grund, warum die Differenz zwischen Fällen von sex. Bel. nach rechtlicher Definition und sex. Bel. nach Definition der Probanden so riesengroß ist (bei Männern also 56 zu 7!). Aber wen interessiert schon, was die Leute denken und empfinden, wenn der Gesetzgeber doch viel besser weiß, wie oft wir sexuell belästigt werden. Lassen wir uns also doch gleich auch noch erklären, wie traumatisiert und schutzbedürftig wir sind, denn unser Nannystaat wartet schon darauf, uns mit neuen gesetzlichen Maßnahmen zu beglücken. In der Studie wird dementsprechend auch nicht gefragt, ob die Befragten meinen, dass der Staat handeln müsse, sondern gleich danach, wie und kommt Dank dieser manipulativen Fragestellung zu folgendem überraschenden Ergebnis:

Fast alle vorgeschlagenen [de facto gesetzlichen] Maßnahmen zur Bekämpfung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz werden von jeweils mehr als der Hälfte befürwortet.

Nur rund jede_r Siebte denkt, dass gar nichts unternommen werden müsse.

(Studie, S. 12)

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Zeit Online über geschlechtliche Diskriminierung im Beruf

Die Zeit interessiert sich dafür, welche Erfahrungen ihre Leser zu sexueller Diskriminierung am Arbeitsplatz gemacht haben und bietet an, Erfahrungsberichte zu veröffentlichen:

Wir wollen von ZEIT ONLINE Lesern wissen: Haben Sie schon einmal Diskriminierung am Arbeitsplatz oder bei der Bewerbung erfahren? Wurden Sie schon einmal aufgrund Ihres Geschlechts, Hautfarbe oder Äußeren benachteiligt – oder weil Sie zu einer bestimmten Gruppe gehören? Schicken Sie Ihre Geschichte an debatte-arbeit@zeit.de.

Vielleicht hat ja der eine oder andere Leser eine Story zu berichten, die die Zeit so nicht erwartet hätte. Eine über die Folgen von Frauenförderung bzw. Diversity-Management vielleicht? Oder darüber, dass er, wie James Damore, leider die falsche Meinung geäußert hat? Wer dergleichen mal erlebt hat, der sollte diese Einladung nutzen. Die Zeit ist zwar eher feministisch, aber ich denke, sie ist offen genug auch solche Beiträge zu veröffentlichen, die nicht der Opferfrauen-Doktrin entsprechen.

Dieses Angebot der ZEIT ist in einen Gastbeitrag einer jungen Frau eingebettet, die sich diskriminiert fühlt, weil Arbeitgeber sie in Bewerbungsgesprächen nach ihrer Familienplanung befragen. Ich kann nachvollziehen, dass Frauen diese persönliche Frage nervt, aber sie sollten verstehen, dass der Arbeitgeber nun mal davon ausgehen muss, dass eine junge Frau in absehbarer Zeit wegen ihrer Familie ausfallen wird und dies dementsprechend einplanen muss. Dass meistens nur Frauen diese Frage in Bewerbungsgesprächen gestellt wird, Männern aber nicht, liegt sicherlich ganz einfach an der gesellschaftlichen und biologischen Realität (Schwangerschaft, Stillzeit und engere Beziehung der Frau zum Kind). Diese Realität nehmen Unternehmer ganz nüchtern hin und handeln danach, ohne sich um die ideologischen Sprachregeln zu kümmern, auf die die Autorin des Zeit-Artikels beharrt.

Ferner wird in dem Artikel thematisiert, dass es dem Arbeitgeber eigentlich gar nicht erlaubt ist, den Bewerber nach Schwangerschaft und Familienplanung zu befragen. Das stimmt wohl. Der Arbeitgeber darf anscheinend sogar eine ganze Reihe an Fragen nicht stellen. Ich weiß nicht, auf welches Gesetz sich das stützt, aber ich halte das für verfehlt. Der Arbeitgeber sollte das Recht haben, zumindest Fragen zu Schwangerschaft und zur kommenden Familienplanung zu stellen, weil dies gerade bei jüngeren Frauen nun mal eine äußerst wichtige Frage ist. Die Folge dieses freien Wettbewerbes ohne Sprechverbote wäre natürlich politisch unkorrekt: Frauen würden es wegen ihrer natürlichen und kulturell bedingt weitaus engeren Bindung an die Kinder auf der Karriereleiter etwas schwieriger haben, als eh schon der Fall ist. Vielleicht – und diese Vorstellung ist gar schrecklich – würde sich dadurch sogar der unbereinigte Genderpaygap noch etwas erhöhen und anschließend der Antichrist zurückkehren! Kann alles passieren. Aber was sollte daran so schlimm sein? Und warum genau sollte das Gesetz daraus den Arbeitgebern einen Strick drehen?

BTW 2017: Kleinpartei „Freie Wähler“ teilweise für Männerrechte und gegen linke Bevormundung

Im maskulistischen und antifeministischen Lager sind die etablierten Parteien bekanntlich nicht so beliebt. Insbesondere Grüne, SPD und Linkspartei ignorieren die geschlechterpolitschen Anliegen von Männern konsequent und haben stattdessen durchweg feministische Schlagseite. Die Union ist auf dem Gebiet nur eine etwas konservativere SPD. Daher interessieren sich viele femikritische Liberale und Männerrechtler für FDP oder die AfD. Wer jedoch – wie ich – Vorbehalte gegen diese beiden Parteien hat, aber auf der anderen Seite auch nicht die Steigbügelhalter_innen des autoritären Feminismus wählen möchte, sollte sich mit Kleinparteien beschäftigen. Eine davon sind die liberal-konservativen „Freien Wähler“. Ich habe mir deren Programm (Grundsatzprogramm und Wahlprogramm) zur Gemüte geführt und nach geschlechterpolitsch relevanten Inhalten durchforstet.

Der erste Befund:

Es gibt in der Hinsicht nicht viel zu finden. Die Partei hat schlicht andere Themen, z.B. die Stärkung der Rechte von Kommunen (Regionalismus), EU-Reform (z.B.: keine Schuldenunion), Bekämpfung von Lobbyismus und Berufspolitik (Populismus), Umwelt/Klimaschutz (ökologisch), Einwanderungs- und Integrationspolitik (eher strikt und antiislamisch) und viele weitere Dinge. Familienpolitisch sind sie irgendwas zwischen konservativ und sozialdemokratisch- aber nicht sonderlich liberal, so wollen sie z.B. ein verpflichtendes Kindergartenjahr und alle KiTas kostenfrei machen. Aber zu explizit geschlechterpolitischen Themen gibt’s nicht viel zu lesen, obwohl solche Themen immer breiter und heftiger diskutiert werden.

Ist das nun gut oder schlecht, dass Geschlechterpolitik vernachlässigt wird? Nun ja, keine Geschlechterpolitik bedeutet erst mal auch: keine Frauenförderei, keine politische Verfolgung von Hex- äh … „Sexismus“ und kein Umbau des Landes in eine politisch-korrekte Irrenanstalt. Geschlechterpolitisch sind die FW einfach liberal und nicht für die Bevorzugung oder Benachteligung eines Geschlechtes. Und das finde ich schon mal super, denn kein starkes geschlechterpolitsches Profil zu haben ist in Deutschland 2017 emprisch betrachtet besser als eins zu haben; ähnlich wie es in der schlafwandelnden antisemitischen Gesellschaft vor dem Nationalsozialismus besser und sicherer war, wenn Parteien auf eine Positionierung zum Judentum einfach verzichteten bevor sie noch irgendwelches brandgefährliche Gequassel von sich geben.

Nur zwei Forderungen, die ich als feministsch bezeichnen würde, habe ich bei den FW dann doch gefunden (WP S. 8):

Ende der Diskriminierung bei der Mütterrente

Frauen haben ein besonders hohes Armutsrisiko im Alter. Grund hierfür ist vor allem eine von Kindererziehungszeiten oder der Pflege naher Angehöriger unterbrochene Erwerbstätigkeit. Arbeit für die Familie muss daher stärker als bisher in der Rentenberechnung berücksichtigt werden. Die Mehrkosten müssen durch Steuermittel und nicht durch erneute Belastung der Rentenkassen aufgebracht werden. […]

Der Gedanke ist nachvollziehbar, gut gemeint und harmlos. Dennoch seh ich das eher kritisch. Erstens, weil so getan wird, als wäre das nur ein Frauenproblem und Väter würden ihre Lohnarbeit durch ihre Vaterschaft grundsätzlich nicht einschränken. Zweitens bin ich generell gegen eine Mütterrente oder vergleichbares. Mutterschaft (oder Vaterschaft) darf nicht als Lohnarbeit behandelt, verrechtlicht oder verstaatlicht werden. Dass eine Partei, die sich selbst als liberal-konservativ betrachtet, das anders sieht, ist schade, denn Liberal-Konservatismus heißt für mich grundsätzlich die rechtliche Stärkung der Familienautonomie. Aber sei’s drum – das ist noch nicht dramatisch. Aber jetzt tut es leider gleich etwas weh:

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist nach wie vor eklatant hoch. Im europäischen Vergleich sind wir Schlusslicht und die Große Koalition hat hier zu wenig gemacht. Das neue Entgeltgleichheitsgesetz ist ein fauler Kompromiss, der für die meisten Frauen keine Verbesserung herbeiführen wird. Das wollen wir ändern.

– WP S. 32

 

Gott sei Dank, steht da nicht, wie die FW das ändern wollen, sonst hätte ich wahrscheinllich schon wieder Gehirnkrämpfe bekommen. Der Satz zeugt davon, dass sich die Partei mit dem Thema Gender-Pay-Gap kaum auseinandergesetzt hat. Sie haben einfach in der Zeitung irgendwas mit „21%“ (unbereinigter Gender-Pay-Gap) gelesen, sich über diese scheinbare Ungerechtigkeit verständlicherweise aufgeregt und fertig. Ich habe aber den Eindruck, dass diese Partei offen und liberal genug ist, ihre Position zu revidieren, sobald sie darüber aufgeklärt werden würde, dass sie ganz einfach unbewusst auf der Grundlage von alternativen Femi-Fakten argumentiert. Denn an anderen Stellen betont die Partei ihre Ablehung von linker Verbotspolitik, staatlicher Bevormundung und jeder Art von Extremismus.

Wir FREIEN WÄHLER wollen die mittelständisch geprägte Wirtschaft von staatlichen Bevormundungen und hohen Bürokratiekosten befreien.

oder

Auf rechtes, linkes und religiös motiviertes Handeln gegen unseren Staat müssen wir in gleicher Weise reagieren.

[…]

Wir halten es zudem für erforderlich, dass der Verfassungsschutz auch Radikalisierungen an der Grenze zwischen Rechts- und Linkspopulismus auf der einen Seite sowie Rechts- und Linksextremismus auf der anderen Seite im Blick hält.

-WP S.23

und besonders deutlich:

Die Familie ist die Keimzelle unserer Gesellschaft. Bereiche, die sie selbst regeln kann, darf der Staat nicht antasten. Dabei sind die Erziehung und Sorge für die heranwachsende Generation das natürliche Recht und die Pflicht der Eltern bzw. der Sorgeberechtigten. Der Staat soll sie bei der Kindererziehung unterstützen. Sie müssen im Rahmen der Gesetze frei über die Gestaltung ihres Familienlebens entscheiden können.

Das ist implizit – aber eindeutig genug – Feminismuskritik.

Der zweite Befund:

Spuren von Männerpolitik entdeckt!

Maskulisten müssen sich bei manchen Themen ja über jeden Cent freuen, der ihnen in den Hut geschnoddert wird. Und heute können sie sich freuen. Denn auf Seite 14 WP heißt es:

Opfer häuslicher Gewalt schützen

Wir wollen Bürger besser schützen, wenn sie Opfer von Gewalt geworden sind. Frauen mit Kindern müssen in dieser Situation häufig Schreckliches durchleben, weshalb wir eine verlässliche Finanzierung von Frauenhäusern sicherstellen wollen. Aber wir wollen uns auch dem wachsenden Anteil von Männern annehmen, die gleichfalls Opfer häuslicher Gewalt wurden.

Weitere männer-, väter oder jungenpolitische Forderungen habe ich nicht entdecken können.

Fazit:

Ginge es bei der BTW nur um Geschlechterfragen, könnte ich die FW problemlos wählen. Aber so einfach ist es nun mal leider nicht und in vielen anderen Punkten stimme ich mit den FW nicht überein. Allerdings kann man auch nicht erwarten, dass eine Partei auch nur zu 80% die eigene Linie fährt. Ich z.B. muss definitiv sowieso sehr schmerzliche Abstriche machen – völlig egal, wen ich wähle. Das sind für mich beinharte Gewissensentscheidungen, die ich noch nicht getroffen habe und da bin ich gewiss nicht der einzige. Welche Prinzipen wollen wir bei der diesjährigen Wahlsaison über Bord werfen? Unsere bürgerrechtlichen? Unsere wirtschaftspolitischen? Unsere umweltpolischen? Wer freut sich schon mit mir auf das schlechte Gewissen, das wir dann volle vier Jahre genießen dürfen?

Eines finde ich an den FW auf jeden Fall stark: Sie scheren sich nicht darum, links oder rechts zu sein. Sie können problemlos rechte wie linke Inhalte übernehmen und entwickeln eigenständige Ideen – sie pflegen also einen souveränen Diskurs und machen sich nicht, wie die störrischen Esel aus so vielen anderen Parteien, vom politischen Gegner abhängig, indem sie unbedingt anders sein wollen als er. Da die FW aber nicht explizit feminismuskritisch sind, können sie selten auch mal wie ein Frauenausschuss der SPD argumentieren. Trotzdem wirkt die Partei aber relativ scheuklappenlos, aufgeschlossen und nüchtern. Für Maskulismus und liberalen Antifeminismus sind die Freien Wähler daher zumindest offen. Daher würde ich jeden empfehlen, sich ein eigenes Bild zu machen. Die Partei nennt sich – in Bezug auf die AfD – selbst „die anständige Aternative“. keine schlechte Selbsteinschätzung. Für andere hingegen könnten die FW eine bessere FDP sein.

(Hinweis: Ich behandelte fast ausschließlich die programmatischen Dokumente der Partei und bewerte daher nicht die Partei insgesamt; also z.B. ihr Handeln oder ihr Personal, denn das würde den Rahmen sprengen. Die Aussagekraft eines Wahlprogramms über die Eignung der Partei zur Realpolitik ist grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen.)

Feminismuskritik heilt Tourette-Syndrom! – Der kuriose Wandel des Shlomo Finkelstein und die gruppenbildende „Anti-SJW-Identität“

Heute hab ich endlich das zwei-stündige Video „Ursachen der Flüchtlingskriminalität“ von den beiden Youtubern ‚Doktorant‘ und ‚Shlomo Finkelstein aka Die Vulgäre Analyse‘ zu Ende geschaut. (ist schon vom 21.07.) Zunächst eine gewisse Einführung in die Thematik und wer die beiden sind:

Doktorant ist das Pseudonym eines anonymen Biologen, der sich insbesondere dadurch hervorgetan hat, dass er mit Youtube-Videos Feminismus, Gendertheorie und Identitätspolitik aus (evolutions-)biologischer und politisch linksliberaler Sicht kritisiert. Er zeichnet sich dabei durch einen betont neutralen, wissenschaftlichen und sehr Statistik-lastigen Stil aus. Dabei schafft er es aber meistens, äußerst geistreich und anschaulich zu argumentieren. Er hält sich mit seinen Urteilen grundsätzlich zurück, wenn ihm die Faktenlage nicht klar ist. Seine Lieblingswörter sind „Daten“ und „anschauen“. Manche seiner Videos haben inhaltlich den Wert von wissenschaftlichen Arbeiten, wie sie im akademischen Bereich Standard sind (bzw. sein sollten). Zum Thema Flüchtlinge und Islam hatte sich Doktorant vor dem Video mit Finkelstein noch nicht geäußert.

Shlomo Finkelstein aka DVAist das Pseudonym eines anonymen Youtubers, dessen Markenzeichen ist, dass er vor allem Islam, Feminismus und „Gutmenschentum“ bzw. „Social Justice Warriors (SJWs)“ in maximal beleidigender Form in den Dreck zieht, Schweinespeck auf dem brennenden Koran grillt, Andersdenkende regelmäßig als wertlose Vollspastis ansieht und inhaltlich auf eher bescheidenem Niveau argumentiert. Dumm ist er nicht, auch kein klassischer Neurechter etc. doch das rhetorische Niedermachen des Andersdenkenden und -glaubenden steht bei ihm definitiv im Vordergrund. Er verkauft sich nicht durch Seriösität und Intellekt sondern; ähnlich wie z.B. Akif Pirinçci; durch exzessiv zur Schau getragene politische Unkorrektheit und massig Fäkalsprache. Wie Pirinçci kommt er mir als wütender gekränkter Narzisst daher. Finkelsteins Lieblingswörter sind „ich“ und „fick“. Seine Videos haben daher einen gewissen Unterhaltungswert (wenn man Tourette-Patienten und Mein Kampf lustig findet, wird man auch mit ihm seinen Spaß haben). Manchmal können sie auch zum kritischen Nachdenken anregen oder sind sehr origineller witziger Spott auf dümmliche Diversity-Ideologen. Doch abgesehen davon sind sie nach wissenschaftlichen Standards wertlos und nach journalistischen Standards meist hochgradig tendenziös. Sie sind oft der Prototyp von dem, was Heiko Maas als „Hatespeech“ verbieten möchte.

Beide Youtuber sind also sehr unterschiedlich. Das einzige, was sie verbindet ist ihre ablehnende Haltung zur Identitätspolitik der „SJW“-Bewegung und insbesondere zum zeitgenössischen Feminismus. Und genau dies hat sie nun zusammengebracht. Beide hatten ein beliebtes Opfer; nämlich den öffentlich-rechtlich finanzierten Youtube-Kanal „Jäger&Sammler“, bei dem auch die völlig verblödete aber um so mehr von sich selbst überzeugte Feministin Suzie Grime und der dusselig-nervige „Antirassismus“-Aktivist Tarik Tesfu zu Wort kommen, dessen Qualität vor allem darin besteht ein schwarzer schwuler Hipster zu sein. Des Weiteren gibt’s da noch Nemi el-Hassan, deren wichtigste Lebenswerke sind, dass sie ein Kopftuch trägt aber trotzdem emanzipiert ist und diskriminiert wird aber trotzdem hübsch lächeln kann und dann noch weitere Gestalten, die ich nicht kenne und wahrscheinlich auch nicht kennen muss. Das Programm soll politische Aufklärung für Jugendliche darstellen, ist aber meist nur oberflächliches Political Correctness und Diversity-Kasperletheater für die Kids. Dieses Youtube-Projekt hat nun – wie das nun mal so ist, wenn man die Leute GEZ-finanziert für dumm verkaufen will – ein großes Problem mit „Hatespeech“ (also anderen Meinungen) und ist daher auf die selbstgerechte Idee gekommen, den bösen Nazis, die sie immer in den sozialen Medien haten eine „Hass-Therapie“ anzubieten. Dafür boten die Neger&Gammler den drei Youtubern, die sie „für den meisten Hass verantwortlich machen“, ein Gespräch in Berlin an, um die Welt endlich ein Stück weit vom grausamen Joch des Meinungspluralismus zu „therapieren“. Diese fiesen Oberhater, die dafür eingeladen wurden, waren nun Doktorant, Shlomo Finkelstein und noch ein Dritter namens Dorian, der hier jetzt keine Rolle spielt.

Das Gespräch kam leider nicht zu Stande. Warum, ist jetzt nicht wichtig. Wichtig ist, dass durch die ganze Aktion der Jäger&Sammler zwei Charaktere zusammenkamen, die kaum zueinander passen und sich unter normalen Umständen wohl eher aus dem Weg gehen würden. Doch diese haben nun bereits drei Videos zusammen gemacht und eines davon ist das oben verlinkte „Ursachen der Flüchtlingskriminialität“. In dieser Youtube-Diskussion zwischen dem Doktorant und Finkelstein geht es um die Frage, ob die häufigen Sexualstraftaten von muslimischen Einwanderern in Deutschland direkt mit dem Islam zu tun haben. Finkelstein meint, „ja“, kann dies aber nicht ausreichend begründen und Doktorant meint „weiß nicht“, weil er keine ausreichende Begründung sieht. Das war’s eigentlich schon. Inhaltlich ist das Video daher nicht so super spannend, auch weil beide bei dem Thema auch nur Zeitungsleser sind. Doch sehenswert ist es aus einem anderen Grund: Weil dort ein kleines Wunder geschehen ist.

Shlomo Finkelstein wurde plötzlich von seinem aufgesetzten Tourette-Syndrom geheilt und konnte während des gesamten zwei-stündigen Videos ganz normal reden. Und das obwohl es in dem Dialog um sein absolutes Lieblingsthema geht; nämlich den kausalen Zusammenhang zwischen Islam und Widerwärtigkeit. Nur ganz selten musste er unbedingt mal „Fick“ sagen (was sollen sonst die Leute denken, schließlich hat er viele Fans zu verlieren) aber ansonsten argumentierte er ruhig und sachlich. Niemand wurde schwer beleidigt, sämtliche Koranexemplare in greifbarer Nähe wurden verschont. Er konnte sogar – aufpassen! – seine eigene islamfeindliche Position in Frage stellen und verschiedene Sichtweisen abwägen. Hammerhart! Und das, obwohl der Doktorant eine Sicht auf muslimische Flüchtlinge offenbarte, die Finkelstein höchstwahrscheinlich als „schwachsinnige naive SJW-Fotzen-Scheiße“ und „Leck-mich-am-Arsch-Islamfaschismus-Fick-Relativierung“ oder dergleichen gelten würde, wenn sie jemand aus dem linken politischen Lager geäußert hätte. Doch nun kann er auf einmal seine penetrant nervige ultra-arrogante „dass ich Recht hab ist absolut klar und wer das nicht einsehen will ist Abschaum“-Attitüde komplett ablegen. Wie kommt das? Spontaner Sinneswandel? Ist Finkelstein kurz vor dem Gespräch Gutmensch geworden? Macht er heimlich ’ne „Hasstherapie“ mit Nemi el-Hassan, die ihn solange anlächelt und ‚Islam ist Frieden‘ sagt, bis er hypnotisiert und zu Tränen gerührt in ihre Arme fällt?

Leider nein; es gibt andere Gründe. Er ist Narzisst. Und die etablierten linken Meinungsmacher, die ihn und seinesgleichen als boshafte Nazi-Ketzer ansehen und mit ihrer aufdringlichen Verlogenheit seinen Geschmack beleidigt haben, haben ihn schwer gekränkt. Und so geht’s vielen. Nur beherrschen sich die meisten halt trotzdem. Aber nicht Finkelstein. Er will Rache. Und die schweren Beleidigungen, mit denen er seine Videos ausschmückt, sind eben nicht einfach nur vulgär-polemische Überspitzung seiner Meinung, sondern sie erfüllen genau diese Funktion. Mit ihnen zahlt er es den politisch-korrekten SJW-Beknackten heim. Aber warum sollte er sich am harmlosen Doktorant rächen? Ich verwette meinen fucking islamophilen Arsch darauf, dass der Dok sogar dann ungefickt geblieben wäre, wenn er explizit gesagt hätte, dass er eine Mitschuld des Islams an der Flüchtlingskriminalität ausschließt. Denn seinen Bruder fickt man eben nicht.

Was lernen wir draus? Je nachdem mit welcher Seite Finkelstein gerade redet, passt er seine Rethorik, seinen Stil und sogar seine Meinung an. Denn nur so ist erklärbar, weshalb sich Finkelstein im Dialog mit Doktorant nicht kämpferisch geben musste. Schließlich musste er sich ja hier nicht mit den verfeindeten SJWs messen, sondern nur mit einem „Gleichgesinnten“ von der anscheinend „eigenen Seite“, der halt nur eine etwas andere Meinung vertritt.

Ferner wurde durch die Aktion „Hasstherapie“ der J&S eine problematische Gruppenidentität geschaffen, die es möglich machte, dass ein lösungsorientierter Wissenschaftler wie Doktorant mit einem islamfeindlichen Schwadroneur wie Finkelstein zusammen Videos zu macht. Beide gehörten nämlich in Folge der unnötigen und eben polarisierenden Auseinandersetzung mit den selbstgerechten Linken von J&S der „Anderen Seite“ an, nämlich dem Lager der „politisch-Unkorrekten“ – den „Anti-SJWs“. Beide saßen im selben Boot. Und als die Bootsfahrt eigentlich zu Ende war, sind sie einfach drin sitzen geblieben und noch mal rausgefahren. Die Tatsache also, dass Doktoant und Finkelstein u.a. die Feminismuskritik teilen und daher vermeintlich eine Gruppe bilden, hat letzteren von den nervösen vulgären Ausfällen seines vorlauten Mundwerks befreit.

Wieso ist mir dieser blöde Finkelstein so wichtig, dass ich so einen langen Artikel darüber schreibe? Weil ich glaube, dass Finkelsteins Lagerdenken ein anschauliches Beispiel für ein tiefliegendes Problem der Anti-SJW-Bewegung ist. Wie harmlos wäre Finkelstein, wenn er sich in all seinen Videos nicht dem entmenschlichten SJW-Zeitgeist gegenübersehen würde, sondern einfach nur gleichrangigen Mitbürgern, die halt eine andere Meinung haben als er? Was wäre, wenn er sich nicht dauernd im destruktiven Lagerdenken des Finkelstein vs. SJW-Modus befinden würde, sondern konsequent im konstruktiven Finkelstein vs. Doktorant-Modus? Es würde garantiert kein Koran gegrillt werden und keine Fotze müsste gefickt werden, weil sie die falsche Meinung vertritt.

Jeder, der das hier liest, fasse sich an bzw. in die eigene Nase und prüfe, wie groß der Finkelstein ist, der in ihm steckt. Denn dieser identitätspolitische Popel ist ein generelles Problem aller, die sich vom herrschenden politisch-korrekten linken Diskurs abgestoßen fühlen. Wie würden wohl unsere Meinungsäußerungen und Argumentationen aussehen, wenn wir uns nicht einem wahnsinnigen quasi-entmenschlichten übermächtigem Feind gegenübersehen würden (z.B. dem Staat, den Medien, dem linken Zeitgeist, Dem „System“ oder der „Islamisierung“), sondern ganz normalen Mitbürgern, die halt einfach eine andere Meinung haben? Man könnte einfach seine Ansichten austauschen, zu einer Lösung kommen oder am Ende einsehen, dass man eh keine Ahnung hat und fertig. Das ganze kann man natürlich leicht weiter spinnen: Pegida-Demonstranten müssten sich keine Volksverräter und Lügenpressen, die das deutsche Volk austauschen wollen, herbei phantasieren, dauerrasende Berserker wie Hadmut Danisch könnten mal ’ne Woche Urlaub nehmen und in sich gehen bevor sie heißlaufen wie ein MG im Grabenkrieg und WikiMANNia, bräuchte sich kein Frauenbild zusammenbasteln, das an nationalsozialistische Rassentheorien erinnert. Sie alle müssten es nur schaffen sich der Anti-System oder Anti-SJW-Identität zu verweigern. Dann würde es keinen Krieg der Vorwürfe, sondern einen Austausch der Ansichten geben. Selbiges gilt natürlich für die „andere Seite“.

 

„Rechtspopulismus hat eine weibliche Seele“ – über das Geschlecht von Politik und andere aktuelle Hirngespinste aus der ZEIT

Im 21. Jahrhundert ist es irgendwie Mode geworden, alles mögliche zu sexualisieren bzw. zu gendern. Sprich: geschlechtslosen Dingen ein Geschlecht anzudichten. In der Regel sah das im feministisch geprägten Diskurs so aus, dass coole, fortschrittliche Sachen „weiblich“ wurden und irgendwie blöde Sachen „männlich“. Gewalt ist männlich, die Zukunft ist weiblich, die Gesellschaft ist männlich, social skills sind weiblich. Eine Redakteurin der Zeit, Jana Hensel, ist auf diesen neumodischen Schnullifax reingefallen, hat ihn aber umgekehrt: Ihre steile These: „Der Rechtspopulismus“ ist weiblich.

Zunächst finde ich das bemerkenswert, weil dies eines der seltenen Beispiele aus der eher feministischen ZEIT ist, in denen Frauen negative Eigenschaften zugesprochen werden. Normalerweise ist es Usus, den „Rechtspopulismus“ als Bewegung abgehängter (oder privilegierter) Männer zu deuten, die gegen die „weibliche Zukunft“ ankämpfen. Die auffällige Häufigkeit von führenden medienwirksamen Frauen in der Neuen Rechten (bei gleichzeitig sehr geringem Frauenanteil in der Basis) wurde bisher kaum beachtet. Insofern ist Hensels Artikel schon mal tendenziell feminismuskritisch. Sie macht sogar klar, dass Frauen für Ausländerfeindlichkeit und radikale Ideologien ähnlich anfällig sind wie Männer. Außerdem thematisiert sie explizit, dass Politikerinnen menschenfeindliche Politik besser verkaufen können, weil ihnen durch ihr Geschlecht weniger Boshaftigkeit zugetraut wird, als Männern:

„Je gewaltloser [die Rechten] trotz ihrer aggressiven Politik erscheinen, desto erfolgreicher agieren sie. Frauen helfen ihnen dabei, denn es gehört nun einmal zu den ältesten Geschlechterklischees, dass Frauen gegenüber Gewalt abgeneigter sind als Männer.“

und weiter

„Der Rechtspopulismus brauchte dringend weibliche Protagonisten. Frauen konnten gerade im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise glaubhafter Ängste schüren als Männer.“

Alles sehr gute Punkte. Und schön, dass das in der ZEIT thematisiert wird, anstatt immer wieder die alte spießige Leier vom weiblichen Unschuldsengel abzuspielen.

Doch jetzt wird’s leider etwas krude. Hensel zitiert eine Studie der Psychologin Birgit Rommelspacher, die zu Frauen im Rechtsextremismus geforscht hat:

„Männer tun dies [gegen Ausländer sein] stärker über Gewalt und Konkurrenzverhalten – Frauen hingegen mehr über autoritäre Anpassungsforderungen“

Also sprich (wenn ich es richtig verstanden habe): fremdenfeindliche Männer wollen den Fremden als Person besiegen und fremdenfeindliche Frauen wollen seine Fremdheit, nicht aber die Person, besiegen. Leider wird diese interessante These nur so in den Raum gestellt ohne sie genauer zu erläutern oder auch nur ansatzweise zu belegen. Genau auf dieser äußerst dürftigen Grundlage baut nun aber die finale Aussage des Artikels auf:

„Der moderne Rechtspopulismus hat ein weibliches Gesicht und er hat auch eine weibliche Seele. Er ist ein Produkt des Feminismus, der Feminisierung unserer Gegenwart, ohne gleichzeitig feministisch zu sein.“

1. Frau Hensel erkläre mal bitte, was genau eine „Feminisierung der Gegenwart“ sein soll. Ich bin mir nicht sicher, ob es so was gibt. Vielmehr findet eine Genderung bzw. Sexualisierung von Politik statt, welche wiederum Produkt des unnötigen feministischen Geschlechterkriegs ist.

2. Der moderne „Rechtspopulismus“ hat vielleicht ein weibliches Gesicht, aber gleichzeitig auch genauso ein männliches. In erster Linie hat er aber ein geschlechtsloses Gesicht.

3. Mit „weiblicher Seele“ sind anscheinend diese Anpassungsforderungen („die Muslime sollen sich integrieren“) gemeint. Ich kann nicht erkennen, warum das grundsätzlich „weiblich“ sein soll. Konformität wurde schon immer mal mehr und mal weniger von Frauen und Männern gefordert. Wie genau die Studie von Rommelspacher aussieht würde mich da mal sehr interessieren.

Zwischendurch wird im Artikel übrigens ständig behauptet, die AfD wolle Frauen zurück in diese oder jene Rolle stecken. Belege für solche billigen Vorwürfe braucht es natürlich nicht. Davon und von anderen Schwächen des Artikels mal abgesehen – Hut ab für die kritische und unfeministische Betrachtung von Frauen in der Neuen Rechten.

Was gab es sonst so bei ZON zu lesen?

 

SEX-ALARM!! Tour de France ist sexistisch

Der feministische Kampf gegen die Frau als „Lustobjekt“ geht weiter. „Auch im Jahr 2017 sind Frauen bei der Tour de France noch immer nur schmückendes Beiwerk für heroenhafte Männer.“ Und das ist einem Christian Spiller von Zeit Online „peinlich“. Ich finde den Artikel besorgniserregend aber auch amüsant, weil hier ein unglaublich prüder Eiferer, im festen Glauben der Richtigkeit seiner Mission ganz unverblümt seinem Werk nachgeht. Man glaubt sich in Saudi Arabien. Inhaltlich lohnt der Artikel der tieferen Auseinandersetzung nicht, es ist die alte Leier: Frauen dürfen in Sportsendungen wie der Tour de France nicht mehr einfach nur schön aussehen (z.B. bei der Siegerehrung), sondern sollen entweder nicht dem etablierten Schönheitsideal entsprechen oder gefälligst den Mund aufmachen oder irgendwie aktiv sein. Aber einfach hübsch aussehen und nix sagen geht gar nicht! Denn dann sind sie ein schlechtes Vorbild. Dass sie dies jedoch sind, ist aber natürlich nicht ihre eigene Schuld, sondern die von irgendsonem Patriarchatsding. So lautet der Artikel inhaltlich zusammengefasst. Interessant am Artikel ist daher vielmehr, die explizit autoritär-prüde Rhetorik, die ich z.B. bei „Edition F“ oder „Pink Stinks“ – nicht aber unbedingt bei der ZEIT – erwartet hätte.

„Die Frau als Dekorationsobjekt neben keuchenden Männern, als Schmuckstück neben den Helden der Neuzeit. Menschen als Zierde wie ein Blumenstrauß oder eine Gürtelschnalle – das gibt es auch noch im Jahr 2017.“

Nein, Herr Spiller, nicht die Frau ist hier „Dekorationsobjekt“, sondern eine Frau. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Und dass Frauen auf körperlich starke und heldenhafte Männer stehen und dies dadurch zeigen, dass sie lächeln, schön für ihn aussehen und ihm Blumen und Küsschen schenken ist nichts verwerfliches. Und genau darum geht’s bei den Podiumsgirls. Sie zeigen uns, dass Männer, die sich außerordentlich anstrengen, nicht nur mit Geld belohnt werden, sondern auch mit der Gunst von Frauen. Und genauso ist es in der Welt auch (in der Regel). Und das empfinde ich als schön und als gerecht. Materialisten und feministisch-prüde Eiferer wie Spiller finden es „sexistisch“ oder „unmodern“.

„In der Formel 1 stehen die Grid Girls minimal bekleidet auf dem heißen Asphalt“

Au Backe, so viel nackte Haut auf einem Haufen; wenn das der Jesus wüsste! Müssen diese Weibsbilder auch immer so verdammt begehrenswert sein und das auch noch im Fernsehen zur Schau stellen?! Was sollen denn die Kinder denken!! Und die Männer erst – diese elenden Schweine glauben noch, dass es okay ist, schöne Frauen sexy zu finden, nur weil es ihnen im Fernsehen vorgelebt wird.

„Bevor nun wieder die Martensteins dieser Welt zu jammern beginnen, dass ihnen durchgegenderte, feminisierte Cis-Sitzpinkler den letzten Spaß im Leben rauben wollen, der für sie wohl darin besteht, deutlich jüngeren Frauen auf den Arsch zu schauen“

Nun Herr Spiller, was ist daran verwerflich, dass Männer sich gerne Pos von deutlich jüngeren Frauen anschauen? Was denn bloß? Genau: überhaupt nichts. Es sei denn natürlich, man verwechselt seine autoritäre Sex- und Männerfeindlichkeit mit Antisexismus. Vielleicht kann man daher einfach mal darüber nachdenken ob dieser Vorwurf der „Martensteins dieser Welt“ (also nicht-Feministen) ganz einfach gerechtfertigt ist.

„Poledance. Oder Lingerie-Football, in dem Frauen in Unterwäsche gegeneinander antreten. Sportarten also, die nur erfunden wurden, um Frauen in einem sexualisierten Kontext darzustellen.“

So was rückständiges aber auch. Frauen als sexy darstellen und dann auch noch nur in Unterwäsche. Widerwärtiges Drecks-Patriarchat!

„Der belgische Radprofi Jan Bakelants wurde vor dieser Tour de France von einer Zeitung gefragt, wie er drei Wochen ohne Sex auskomme. ‚Es gibt ja noch die Podiumsgirls‘, sagte er. Und dass er auf jeden Fall eine Packung Kondome mitnehmen werde, weil man ja nie wisse, wo die Podiumsgirls sich gerade herumtreiben.’“

Iiiih, oh mein Gott, sexuelle Abenteuer. Wie kann der nur glauben, dass er mit fremden Frauen Sex haben könnte? So ein Perversling! Ab in die Bibelschule mit dem und die 10 Gebote gepaukt, aber dalli!

„Die Zeiten ändern sich, ein wenig zumindest. Während der Olympischen Spiele in London 2012 wurden die Medaillen und Blumensträuße ausschließlich von Männern hereingebracht, ohne dass dabei das Abendland untergangen wäre. Die australische Radrundfahrt Tour Down Under schaffte die Dekofrauen unlängst ab. […weitere ähnliche Fälle…] Und vor ein paar Jahren wurden beim Formel-1-Rennen in Monaco einmal Grid Boys eingesetzt.“

Gott sei Dank müssen also die Christian Spillers dieser Welt, also die „durchgegenderten, feminisierten Cis-Sitzpinkler“, wie sie sich selbst betitelt haben möchten, bald keine heißen Mädels mehr bei Sportsendungen anschauen. Bald müssen sie sich nicht mehr für den 3-Meter-Turm und die zwei prall gefüllten Basketbälle in ihrer Hose während der Siegerehrungen schämen und dafür, dass sie diese armen Podiumsgirls mit ihren Blicken ausbeuten. Endlich müssen sie während der Werbepause nicht mehr schnell mal auf Klo gehen um dieses hochpeinliche Schandmal ihrer toxischen Männlichkeit in ein paar schnellen Handstreichen zu Fall zu bringen.

Diese Grid Boys sind dabei übrigens okay. Anscheinend sogar fortschrittlich. Wirklich ganz erstaunlich diese Logik.

Und sonst so?

 

Teresa Bücker (Edition F) in der ZEIT

Die Zeit übernimmt mal wieder einen Text von Edition F, dem radikalfeministischen Online-Schundmagazin für kapitalistische, männerfeindliche Karrierefrauen, die von sich selbst glauben, dass sie total sympathisch, feminin, cool und links sind. In dem Artikel von Edition F-Chefredakteurin Teresa Bücker geht es um die böse geschlechtliche Arbeitsteilung. Eine neue Studie hat mal wieder rausgefunden, dass Männer einfach so für das Wohl ihrer Familie arbeiten und Geld verdienen, während sie ihre Frauen die Drecksarbeit machen lassen (das mit diesen ekeligen Kinder-Dingern und so…). Ferner geht es um die Doppelbelastung von Müttern in höheren Positionen. Total fies findet Bücker, dass..

„46 Prozent der Vorgesetzten glauben, Mütter wollten im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder weniger gern beruflich vorankommen.“

Vielleicht liegt das ja daran, dass diese 46% der Vorgesetzten eine Erziehung genossen haben, und daher davon ausgehen, dass sich Mütter um ihre Kinder und nicht nur um die Karriere kümmern wollen. Um es noch mal zu betonen: es geht um „weniger gern beruflich voran kommen“ und nicht um gar nicht. Die Einschätzung dieser 46% Vorgesetzten findet Bücker jedenfalls „mütterdiskriminierend“. Von einer Mutter zu glauben, dass sie Mutter sein will, ist nämlich Unterdrückung. Bücker geht auf ihrem Profil bei Edition F übrigens damit hausieren, dass sie eine „good-enough-mom“ (gut-genug-Mutter) ist. Vor dem Hintergrung ihres Artikels kann ich mir in etwa vorstellen, was das heißt.

Zufälle gibt’s: Parlament beschließt NetzDG zeitgleich mit Homo-Ehe

Zu den Themen NetzDG („Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ -> Zensur von „Hatespeech“ und „Fake-News“ in sozialen Netzwerken durch die Hintertür) und Homo-Ehe ist eigentlich schon alles gesagt. Beide wurden heute im Bundestag beschlossen.

http://www.zeit.de/politik/2017-06/bundestag-stimmt-fuer-ehe-fuer-alle

http://www.zeit.de/digital/internet/2017-06/bundestag-verabschiedet-gesetz-gegen-hasskommentare-im-internet

Ist es ein Zufall, dass beide gleichzeitig beschlossen werden? Ich denke, dahinter steckt Taktik: Das NetzDG ist relativ unpopulär, selbst bei zensurwütigen Linken und Grünen stößt es auf Kritik. Juristisch ist es schwer umstritten. Wäre es einfach so beschlossen worden, hätte es wahrscheinlich eine noch größere kritische Debatte darum gegeben, die dann höchstwahrscheinlich auch zur Masse der Bevölkerung durchgedrungen wäre. So aber kann mithilfe der Homoehe ganz bequem Party-Stimmung verbreitet werden, weil die ersten schwulen und lesbischen Paare bald die Zivilehe eingehen können – bunte Bildchen in den Zeitungen von zwei schick angezogenen Männern, die sich küssen mit Schampus, Schnickschnack und Standesamt. Wow- die Welt wird sich verändern! Because it’s 2017! Meine Fresse, was sind wir fortschrittlich. Es wird jetzt von verschiedener Seite von einem großen Tag für die Demokratie und des Rechtsstaats o.ä. gesprochen. Angesichts dessen, dass ganz nebenbei ein übles Zensurgesetz verabschiedet wurde, ist dies blanker Hohn. Heute ist der düsterste Tag für die demokratischen Werte seit langem. Vielen Dank an all diejenigen, die in den letzten Jahren und Wochen die Homo-Ehe zur Gretchenfrage des 21. Jahrhunderts hochgejubelt haben. Jetzt haben wir den Salat! Das kommt davon, wenn man seine persönliche politische Identitätspflege über das Allgemeinwohl stellt. Ihr seid am Beschluss des NetzDG mitschuldig, ob ihr dafür seid oder nicht.

Schon wieder Homoehe: Die SPD kann’s auch nicht lassen

Ich hatte schon zwei Beiträge über die neuerliche kompromisslose Haltung der Grünen zum Thema Homoehe geschrieben. Die Grünen machen die Anerkennung der Homoehe zur Koalitionsbedingung.

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/06/21/homoehe-katrin-goering-eckardt-kanns-nicht-lassen/

und

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/06/17/noch-mehr-kurznachrichten/

Nun ist die SPD nachgezogen und macht dasselbe. Unter großem Jubel der Delegierten verkündet Kanzlerkandidat Martin Schulz, dass er keinen Koalitionsvertrag unterschreiben wird, der nicht die „Ehe für alle“ enthält.

http://www.zeit.de/video/2017-06/5482769608001/parteitag-spd-macht-ehe-fuer-alle-zur-Koalitionsbedingung

Das wird noch zu spannenden (bzw. unnötig nervigen) Verhandlungen mit der Union führen, die die Homoehe bisher noch ablehnt. Was ich an dieser Haltung von SPD und Grünen kritisiere, steht ausführlich in den beiden schon verfassten Artikeln und dazugehörigen Kommentaren und gilt nach wie vor. Der Kommentator ‚cero‘ hatte dazu den letzten Kommentar geschrieben,

Sorry, aber das ist doch albern. Es ist ein wichtiges Thema für eine große Anzahl an Menschen (ca 6% der Bevölkerung – https://daliaresearch.com/counting-the-lgbt-population-6-of-europeans-identify-as-lgbt/ ).
Zudem findet es eine breite Mehrheit innerhalb der Bevölkerung und der Parteien.

Was ist denn für dich ein „wichtiges“ Thema, dass es rechtfertigt eine Koalitionsbedingung zu werden?

 

auf den ich hier gleich antworte:

Nein ist es ist kein „wichtiges Thema“. Wie schon gesagt, die Homoehe verändert wenig. Sie ist vor allem eine Namensänderung. Also in erster Linie von symbolischem Wert.

6% sind eine große Anzahl an Menschen und natürlich müssen deren Interessen berücksichtigt werden, aber wie viele von denen wollen die „Ehe für alle“ überhaupt eingehen? Und selbst wenn sie sie eingehen: Wo ist jetzt die weltbewegende Veränderung für diese Bürger, die es rechtfertigt, von diesem Thema die Existenz der Regierung abhängig zu machen?

Dass die Homoehe eine breite Mehrheit in der Bevölkerung findet, mag sein. Das verändert aber nichts daran, dass die Homoehe eine Nebensächlichkeit ist (bzw sein sollte). In den Parteien gibt es dafür keine breite Mehrheit. Union und AfD sind dagegen. Beide zusammen könnten bis zu 50% (oder sogar mehr) kriegen.

Mit solchen Koalitionsbedingungen sollte man grundsätzlich vorsichtig umgehen. Nur wirklich richtungsweisende Entscheidungen sollten hier zum tragen kommen. Z.B. Energiewende, Umgang mit EU-Schuldern, Einwanderungspolitik, ausländische Spionage. Wenn es bei diesen Fragen zwischen den etablierten Parteien Konsens gibt, braucht man keine Koalitionsbedingungen. So kann man ganz entspannt zusammen fair, demokratisch und zielorientiert regieren. Aber nee… die sehr geehrten Wählerinnen und Wähler wollen ja belustigt werden. Mit Kampf und mit Ideologie. Mit Identität und mit Abgrenzung. Und dafür braucht es aufgeblasene Reizthemen.