Kritische Nachbetrachtung zum Deutschen Genderkongress 2019

Am vergangenen langen Wochenende war ich in Begleitung in Nürnberg und habe dort am Samstag den Deutschen Genderkongress besucht. Ich habe nicht nur Lob auszusprechen, sondern auch erhebliche Kritik – aber beginnen wir mit dem Positiven.

(Editiert: Flugblatt der Gegendemo hinzugefügt)

Ich fand die Vorträge ganz überwiegend gut. Die Referenten konnten ihre Inhalte gut vermitteln. Die Veranstalter hatten sich kurzfristig entschieden, auf das beim Kongress von 2017 verwendete Workshopformat zu verzichten, da die Gäste sich hier zwischen den unterschiedlichen Themen entscheiden mussten. Die Konsequenz, dass der Tag dadurch aus einer dichten und intensiven Folge von Vorträgen bestand und umständehalber nicht jeder Referent in der Lage war, seinen Vortrag zu komprimieren, habe ich dabei gern in Kauf genommen. Allerdings scheint es nicht allen Referenten kommuniziert worden zu sein, denn als Gunnar Kunz am späten Nachmittag ein zweites Mal ans Rednerpult trat, stellte er klar, dass er eigentlich mit dem Workshop-Format gerechnet hatte und nun aus einer frontalen Redner-Zuhörer-Situation das beste zu machen versuche. Mir scheint freilich ein praktischer Grund am wahrscheinlichsten: in den Räumlichkeiten von »Bratwurst Röslein« am Nürnberger Rathausplatz wäre eine Aufteilung in unterschiedliche Arbeitsgruppen schlicht nicht möglich gewesen.

Als erster Referent des Tages stellte Gunnar Kunz sein Projekt eines »Schwarzbuch Feminismus« vor, einer umfangreichen chronologischen Quellensammlung zum Feminismus, an dem er seit vier Jahren arbeitet und die nach Möglichkeit im März 2020 erscheinen soll. Bruno Köhler von MANNdat gab einen beeindruckenden Überblick über den Umfang des aktuellen politischen Gender-Budgeting. Johannes Meiners stellte Frauen- und Männer-Emanzipation in einen historischen Zusammenhang. Einen analytisch scharfen und konzisen Beitrag zu den reproduktiven Rechten des Mannes lieferte Elmar Diederichs, und einen evolutionspsychologisch fundierten Vortrag über geschlechtstypisches Lernverhalten steuerte Markus Meier bei. Der im Pressebericht nicht erwähnte Thomas Fügner philosophierte über männliche Identität, wobei dieser Vortrag mir persönlich ein wenig zu sehr auf esoterisch anmutende Begriffe zurückgriff. Aus der und zur Praxis des Umgangs mit häuslicher Gewalt referierte Alexander Brosien. Emotional aufwühlend war der mit zahlreichen Fotos unterfütterte Bericht eines »entsorgten Vaters«, Faisal Ahmadiar, über seine halbjährige Mahnwache vor dem Berliner Kanzleramt, die leider nicht zum Erfolg, dafür je länger je mehr zu allerhand Schikanen führte.

Nahezu allen Vorträgen habe ich mit Gewinn zugehört, und zusätzlich hatte ich mich auf Arne Hoffmann und Bernhard Lassahn gefreut, die ebenfalls mit einem Workshop bzw. Vortrag angekündigt waren. Leider waren beide nicht zugegen, und hier beginnen nun die ärgerlichen Aspekte der Veranstaltung. Die Veranstalter haben das Programm leider so kurzfristig angepasst, dass ich die Änderung gar nicht mehr mitbekommen habe – sodass ich mich bis in den Nachmittag hinein gefragt habe, wo Arne eigentlich bleibt, oder ob ich nur zu doof bin, ihn wiederzuerkennen. Bernhard Lassahn wiederum ist immer noch im Programm aufgeführt, obwohl er ebenfalls nicht da war. Da ich geringfügig verspätet am Veranstaltungsort eintraf, weiß ich nicht, ob die Abwesenden von der Orga entschuldigt worden sind. Inzwischen hat Arne Hoffmann mir per Mail mitgeteilt, dass er von den Veranstaltern auf die Rednerliste gesetzt wurde, obwohl er ihnen bereits »deutlich vorher« seine Absage kommuniziert hatte. Wie das bei Lassahn lief, weiß ich nicht. Damit waren die beiden zentralen Projektionsfiguren für den Hass und die Ablehnung der draußen demonstrierenden Gegner der Veranstaltung gar nicht vor Ort.

Das ist leider noch nicht das Ärgerlichste an der Sache. Denn bei der anschließend veröffentlichten Pressemitteilung zum Kongress komme ich nicht umhin, mich zu fragen, was die Verfasser eigentlich geraucht haben.

Beginnen wir mit den Kleinigkeiten: Die im Text fehlende Unterscheidung zwischen Namen und Web-Adressen wirkt schludrig: »Anschließend erläuterte der Buchautor Gunnar Kunz vom Alternativlosaquarium den http://www.Genderempathygap.de.« und »Dr. Elmar Diederichs von JungsUndMaedchen.wordpress.com«.

Sodann weiß ich nicht, auf welche Weise die Veranstalter dreihundert Anwesende gezählt haben wollen. Nach mehreren der Vorträge gab es Abstimmungen zum Meinungsbild, die sich insgesamt auf 40 bis höchstens 50 Stimmen summierten – meinem Eindruck nach (ich habe nicht gezählt) können es nicht mehr als deutlich unter hundert Anwesende gewesen sein. Mehr hätten in den Raum auch nicht hineingepasst, dazu gleich noch mehr.

Des weiteren ist die Darstellung der Gegendemonstration in meinen Augen maßlos überdramatisiert. Es gab keine »Linien der Polizei«, sondern zwei Kontrollpunkte mit jeweils zwei Polizeibeamten und einen weiteren vor dem Seiteneingang, die eine direkte Störung der Veranstaltung wie beim letzten Mal effektiv verhindert haben. Ob es tatsächlich zu einem physischem Gerangel mit der Polizei kam, kann ich nicht sagen, da ich die Außenszene nur während einer Unterhaltung im Außenbereich, etwa 15 Minuten lang, beobachtet habe. Meiner Begleitung wurde von einem Teilnehmer berichtet, dass er angerempelt wurde, als er die Gegendemonstration filmen wollte, während ich selbst beobachten konnte, dass eine Demonstrantin keine Hemmungen hatte, unsere kleine Schwatzgruppe mit dem Handy zu fotografieren. Ausgerechnet in diesem Zeitabschnitt konnte ich aber live mithören, wie die Demonstranten ihren Protest mit der Anwesenheit von Arne Hoffmann und Bernhard Lassahn auf dem Kongress begründeten – zwei »Anwesende«, die tatsächlich abwesend, aber wie oben erwähnt bis kurz vor dem 2. November noch angekündigt waren (Hoffmann) oder überhaupt nicht aus dem Programm entfernt wurden (Lassahn).

Eine reißerische Formulierung wie »In ihren ausgezehrten, leeren Gesichtern konnte man ablesen, was monatelange Gehirnwäsche aus ihnen gemacht hat« bewegt sich in meinen Augen auf demselben primitiven Propaganda-Niveau, wie es den Demonstranten vorgeworfen wird.

Und nun komme ich zu dem Punkt, der all dem die Krone aufsetzt: alle auf der Seite der Pressemitteilung eingebetteten Fotos suggerieren, dass die Veranstaltung in der Meistersingerhalle stattgefunden hat und deutlich mehr Besucher hatte, als tatsächlich da waren. Aus einigen der Fotos geht zwar hervor, dass sie zu einem historischen Rückblick gehören, aber abgesehen davon, dass sie meines Erachtens auf eine eigene Seite »Rückblick« gehört hätten, wird nicht kenntlich gemacht, wo der Rückblick auf frühere Jahre in das aktuelle Jahr übergeht. Allenfalls das eine Foto der Projektionsleinwand mit dem Schattenwurf eines Smartphones könnte aktuell sein – dann wohl, weil man ihm nicht ansieht, dass die Leinwand statt in der Meistersingerhalle im »Bratwurst Röslein« stand. (Nichts übrigens gegen die Location als solche – einen Familienbetrieb mit rustikaler Küche ziehe ich einem messetypischen Catering-Service allemal vor, und hätte ich nicht noch ein üppiges Hotelfrühstück im Bauch gehabt, dann hätte ich mich liebend gern wie Kasperl und Seppel an Bratwurst mit Sauerkraut sattgegessen.)

Wäre die Veranstaltung als szene-internes Networking- und Strategietreffen konzipiert gewesen, hätte ich sie angesichts der qualitativ anspruchsvollen Vorträge klar als Erfolg bewertet. Aber der Anspruch des Kongresses war ganz offensichtlich ein anderer. Mit anderen Worten – und hier greife ich jetzt bewusst selbst in die Kiste der Polemik – die Pressemitteilung macht unkenntlich, dass die Veranstaltung von einem messehallefüllenden, gut besuchten Kongress zu einem Hinterzimmertreffen in einer Würstl-Wirtschaft zusammengeschrumpft ist! Das ist nicht nur das Gegenteil von (selbst)kritischer Nachlese, das hat einen Geschmack von Vertuschung! Dazu passt auch, dass per Überschrift und Überdramatisierung das Hauptaugenmerk auf die Gegendemonstration gerichtet wird.

Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Veranstalter auf diese Weise – so hat es wenigstens den Anschein – der berechtigten und in meinen Augen auch gar nicht ehrenrührigen Frage aus dem Weg gehen wollen, ob sich das Format des Gender-Kongresses als Versuch, die Männerrechtsszene und den gesellschaftlichen Mainstream zusammenzuführen, nicht womöglich erschöpft hat – aus welchen noch ausfindig zu machenden Gründen auch immer!

Zu meiner Motivation, feministische Ideologie zu kritisieren, gehört die Überzeugung, dass vom Feminismus zu lernen bedeutet, zu lernen, sich täglich in die Tasche zu lügen und wie in einer totalitären Kultur eine unaufrichtige und von Verleugnung geprägte Einstellung zur gesellschaftlichen Wirklichkeit einzuüben. Darum ist es für mich unerträglich, wenn mir jetzt von männerrechtlicher Seite dasselbe zugemutet wird.

Edit: ich dokumentiere nachstehend das Flugblatt der Gegendemonstranten:

FlugblattGK_Vorder

FlugblattGK_Rueck

 

14 Kommentare zu „Kritische Nachbetrachtung zum Deutschen Genderkongress 2019“

  1. Ergänzung: Meines Wissens nach waren auf der Anwesendheitsliste 82 Leute angestrichen – ich hatte die Liste in der Hand. Sie waren da über den Tag verteilt, nicht alle waren die ganze Zeit da.

  2. Für mich als Teilnehmer, der ebenso wie Dr Diederichs gering Einblick in die Orga hatte, sind Kritikpunkte, die aufgrund Unkenntnis entstehen, nicht nachvollziehbar und dadurch unfair dem Veranstalter gegenüber. Die Meistersingerhalle war trotz hoher Kosten, die die Zuwendungen der Teilnehmer nicht im Ansatz gedeckt hätten, gebucht. Jedoch wurde die Reservierung (vermutlich der gesellschaftspolitischen Ausrichtung der Chefin geschuldet), gecancelt. Bereits zu den beiden Kongressen zuvor schlug dem Interesse an gerechtem und fairen Austausch ein massiver Hass und intrigenhaftes Verhalten bis in höchste örtliche politische Ebenen hinein. Daher wurde er dieses mal nicht extern beworben, sondern nur in den Interessensvervänden. Fehlende Vortragende wurden krankheitsbedingt entschuldigt.
    Die Gegendemo begann gegen 12 Uhr. Gegen 13 Uhr war die Lokation von Polizei umstellt, zwei Gruppen `a 6 Einsatzkräften riegelten den Weg zwischen Bratwurst Röslein und Hauptmarkt ab. Das haben die Teilnehmer ebensowenig mitbekommen wie die Tatsache, dass der Wirt herbeieilte und sich aufgrund der Nazivorwürfe seitens der Demonstranten sowie in Angesicht des Polizeiaufgebotes überlegte, die Veranstaltung zubeenden, was die weit angereisten Teilnehmer sicher nicht gut gefunden hätten. Mich beeindruckt, dass der Veranstalter mit viel persönlichem Engagement trotz des massiven, ungerechtfertigten, feministischen Widerstandes und der hohen Kosten bereits zum dritten mal solch erfolgreiche Veranstaltung mit hochqualifizierten Vortragenden und Teilnehmern durchgeführt hat. Euch allen gebührt mein Dank, um in der Gerechtigkeit voranzukommen

      1. Das weiß ich nicht, weil ich nicht den ganzen Platz im Blick hatte. Mehrere Dutzend werden es schon gewesen sein, meine Begleitung meint, so um die dreißig.

  3. Was immer auch hinter dieser äußerst ( zunächst ) undurchsichtigen Entwicklung steckt, es ist erschreckend und erinnert mich ein wenig an die Vorgänge um die Versenkung der Piratenpartei. Mit dem m.E. erheblichen Unterschied, daß seinerzeit mit etwas Mühe auch von „außen“ relativ gut auszumachen war, wer da wie auf welcher Seite mitgemischt hat.

    Ich hoffe, ich komme später noch dazu etwas näher zu erläutern, warum ich – Schreck hin oder her – schon etwas länger solche oder ähnliche Merkwürdigkeiten für möglich gehalten – vielleicht sogar ein wenig befürchtet habe.
    ( Leider handicapt mich meine Gesundheitssituation z.Zt. , siehe mein Blog ).

    Und bin sehr gespannt, was in nächster Zeit an Darstellungen ( mit Glück auch ein paar möglichst trocken-analytischen ) dazu kommt. Und was sich, nach entsprechenden Verwirrungen und „Umgruppierungen“, daran anschließt.

    Nach den sich in letzter Zeit häufenden Positivmeldungen aus jungen- u. männerengagierten Kreisen sind diese nebulösen Ereignisse und Statements dazu allerdings ein derber Dämpfer, der den vorsichtigen Optmismus der sich – durchaus auch bei mir altem Zweifler – langsam breitmachte, erstmal recht heftig relativiert.

    Fiete’s Jargon: Irgendwas scheint da mächtig zu stinken, wir brauchen dringend und viel mehr ( möglichst ungefilterte! ) Infos! ( Mit möglichst nicht allzuviel Verschwörungsgedöns … aber … )
    Wahrlich, interessante Zeiten ….

    1. Danke für die Zusatzinformation. Interessant, wie hier mit Lügen hantiert wird und mit der „Kontaktschuld“= guilt by association. Zum Thema Lügen passt, dass die Recherche bei Google Maps ergibt, dass es die Bozener Straße 5 nicht gibt – es gibt nur die ungeraden Hausnummern 1-3, und 7 ff.

      1. @KlausT:

        Für mich ist am interessantesten – und das betrifft die ganze intersektionale und feministische Szene, Universitäten inbegriffen, dass der eigene Standpunkt wie ein Glaubensbekenntnis konstruiert ist. Mal ein bißchen Textanalyse:

        »Für die Männerrechtsbewegten sind diese Tatsachen aber nicht auf eine patriarchale Zweigeschlechtlichkeit zurückzuführen, die Frauen nicht als Subjekte anerkennen mag und ihnen daher eine gesellschaftlich passive Rolle zuweist, während von Männern erwartet wird, „Versorger“ und „Beschützer“ zu sein und dabei nur keine Schwäche zu zeigen. Vielmehr wittern sie hinter all den Zurichtungen, denen Männer ohne Frage ausgesetzt sind, eine Art feministische Verschwörung gegen den Mann. (…) Letztendlich steckt hinter all den noblen Bekenntnissen zur „Chancengleichheit“ der Geschlechter aber nur eins: eine durch und durch antiemanzipatorische und frauenfeindliche Veranstaltung, die von allen, denen tatsächlich etwas am Ende patriarchaler Zumutungen liegt, also solche erkannt und aufs Schärfste kritisiert werden muss.«

        Zusätzlich wird dem Gegner noch eine »herbeifantasierte« »wahnhafte Weltsicht« unterstellt.

        Der Text enthält immerhin das Zugeständnis, dass Männer tatsächlich »Zurichtungen ausgesetzt« sind. Unter normalen Umständen könnte man nun hergehen und über die Ursachen dieser »Zurichtungen« diskutieren. Genau das aber, mit dem politischen Gegner zum Thema zu reden, wollten die Gegendemonstranten unbedingt vermeiden. Sie gehen von einer Prämisse aus, die sie nicht diskursiv zur Disposition stellen: sie sehen sich selbst als die Gruppe derjenigen, »denen tatsächlich etwas am Ende patriarchaler Zumutungen liegt«, womit sie auf die These, dass »patriarchaler Zumutungen« die Ursache der genannten »Zurichtungen« sind, bereits unverrückbar festgelegt sind.

        Der entscheidende Punkt ist folgender: Das erste Zitat beanstandet eine aus Sicht der Gegendemonstranten falsche Sichtweise der »Männerrechtsbewegten«, denn sie sehen die Ursachen nicht da, wo sie aus der in Anspruch genommenen feministischen Perspektive liegen sollen: in einer »patriarchalen Zweigeschlechtlichkeit«. Wie aber nun umgehen mit dieser Diskrepanz der Sichtweisen? Die Faustregel ist einfach: alles, was ich ergebnisoffen debattiere, ist argumentativ kritisierbares, im Prinzip fallibles Wissen. Alles, was ich von einer solchen Debatte ausnehme, ist Glaubenswahrheit.

        Die These von der »patriarchalen Zweigeschlechtlichkeit« ist somit Glaubenswahrheit, denn wer sie nicht teilt, mit dem wird nicht geredet, sondern gegen den demonstriert man. Das heißt: wer diese Glaubenswahrheit nicht teilt, wird nicht als Kritiker eines falliblen Wissens behandelt, sondern als Ketzer, der vom Glauben abfällt. Dass »patriarchale Zweigeschlechtlichkeit« die Ursache geschlechterbezogener Ungleichheiten sei, steht für Feministinnen ebenso fest wie für Christen seit dem Konzil von Chalcedon feststeht, dass die göttliche und die menschliche Natur in Christus »unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und unzerteilt« erkennbar sei. Es muss nicht mehr begründet werden, it is known, Khaleesi!

        Das historisch Tragische und politisch Gefährliche an dieser ideologischen Schließung besteht dann darin, dass es keinen logischen Ausweg aus der Erfahrung des Scheiterns mehr gibt: Scheitern an den utopischen Ansprüchen auf Veränderung der Gesellschaft, Scheitern an der Erwartung einer wachsenden Akzeptanz der eigenen Position. Der einzige Ausweg, der dann noch bleibt, besteht in der Selektion der negativen Weltanschauungselemente (Hans Mommsen): in den sich steigernden Rufen nach Zensur, Verboten, Überwachung und der zunehmenden Enttabuisierung von Gewalt (#8), all das legitimiert mit einer sich parallel radikalisierenden Dämonisierung des politischen Gegners.

        Wenn das Herz der Menschen verstockt ist und das Evangelium nicht hören will, dann muß der Teufel umso härter bekämpft werden – das Modell einer kumulativen Radikalisierung. Die wird nicht zu einem Völkermord führen wie in dem im verlinkten Dokument beschriebenen Prozess, aber das muss sie auch nicht: es genügt, wenn sie eine neue Form von Totalitarismus hervorbringt, mit der wir nicht rechnen, weil wir sie uns in der Vorausschau nicht vorstellen können – sagen wir, die Paradoxie einer feministisch-kapitalistischen DDR 2.0 – bei der wir uns aber im Rückblick entsetzt fragen werden, wie sie denn bloß entstehen konnte.

        Mindestens aber führt eine solche ideologische Schließung zu gesellschaftlicher Spaltung: wenn die Positionen des Gegners nicht mehr als diskutabel, sondern als unmöglich gelten, tritt (buchstäblich und unmittelbar) ein Exkommunikationseffekt in Kraft, der dann sehr schnell auf Gegenseitigkeit beruhen kann.

      1. Ist ja ne echte Fleißarbeit! Da braucht man ein Weilchen, wenn man das fachgerecht filetieren will. Was mir gleich zu Anfang aufgefallen ist: sie bezieht sich auf eine Statistik, wonach in 97 Prozent der Scheidungsfälle das Sorgerecht bei beiden Eltern bleibt. Tja, bloß was nützt das, wenn es trotzdem bedeutet, das Kind bloß jedes zweites Wochenende zu sehen, oder wenn der Vater keine Chance hat, sich gegen Umgangsvereitelung zur Wehr zu setzen? Der erste Umgang von Eve mit Statistik in dem Blogpost ist also prompt eine Unaufrichtigkeit. Ich habe den ganz starken Verdacht, dass sie sich in dem Artikel noch öfter in die Tasche lügt.

      2. Ich habe dort mal folgenden Kommentar zum Thema Sorgerecht gepostet:

        »Tja, bloß was nützt das, wenn es trotzdem bedeutet, das Kind bloß jedes zweites Wochenende sehen zu dürfen, oder wenn der Vater keine Chance hat, sich gegen Umgangsvereitelung zur Wehr zu setzen? Gleich der erste Umgang mit Statistik im Blogpost beruht also schon auf einer Unaufrichtigkeit – bzw. auf der Weigerung, weiter als von der Wand bis zur Tapete zu denken. Bin mal gespannt, welche Halbwahrheiten und Manipulationen ich noch entdecke.«

        Mal schauen, ob sie’s freischaltet! 🙂

  4. Tja, schade, ich wäre gerne dabei gewesen – aber die Einladung per Mail kam so kurzfristig (ein paar Tage vorher), sodass kaum noch eine Möglichkeit zur Planung bestand. Einige von euch hätte ich wirklich seht gerne persönlich kennengelernt und finde die verpasste Chance schade.

    Tja, aus der Ferne meckern ist immer einfach, das weiß ich. Dennoch denke ich, dass Männer eigentlich besser darin sein können etwas zu organisieren. Oder ist der Gender-Kongress schon soweit wie BER?

    Wie auch immer: Danke für diesen Bericht, djadmoros und klasse (inkl. Dank an Elmar), dass das Thema Zwangsvaterschaft (vermutlich) nochmals auf Tapet kam.

    Ich möchte an dieser Stelle und trotz aller Kritik auch den Organisatoren danken; sowas ist eine Mammut-Aufgabe, die ich selbst noch aus Zeiten der Aktion „4oo“ von Agens kenne.

    Eigentlich wünsche ich mir eine Lawine, leider schneit es aber nur etwas. Ist wohl so

    1. @Emannzer:

      Ich habe großen Respekt vor der Arbeit des Orga-Teams als solcher, ich habe selbst schon größere Veranstaltungen mitorganisiert, und ich beneide die Orga auch nicht um die Widrigkeiten, mit denen sie sich auseinandersetzen mussten. Und rein inhaltlich hatte ich nur wenig auszusetzen.

      Der entscheidende Punkt ist in meinen Augen, dass die Teilnehmerzahl vergleichsweise gering war, wohl nicht zuletzt, weil die Orga in einem kleineren Verteilerkreis geworben hat. Das ist angesichts des ideologischen Sperrfeuers, das die Veranstaltung auf sich gezogen hat, auch gar keine Schande! Ich plädiere für das Format eines szeneinternen Vernetzungstreffens.

      Auslöser für meinen Post war die Presseerklärung: falls das ein Versuch in Satire gewesen sein sollte (wie ein Leserbrief an Arne in Erwägung gezogen hat), dann ist das mächtig nach hinten losgegangen. In einem Zeitalter, in dem schon der real existierende Feminismus nicht mehr von Satire unterscheidbar ist, kann so etwas nicht funktionieren.

      An einer Veranstaltung im nächsten oder übernächsten Jahr, die sich erneut als Mainstream-Kongress aufspreizt, werde ich nicht teilnehmen. Bei einem nüchtern angesetzten Vernetzungstreffen stehen die Chancen ungleich höher.

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