Fundstück: Ahoi Polloi über Medienblockade, political correctness und Ballerspiele

Es ist mal wieder soweit: Ahoi Polloi hat ein paar Knaller – darunter einen, über den ich schon länger berichten wolltte.

  1. Medienblockade
  2. political correctness
  3. Ballerspiele

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. über Beschimpfungen, Hate Speech und den postheroischen Mann
  2. über Nazis, freie Meinungsäußerung und immer wieder Nazis
  3. Ausreden, Fake News und Rassismus
  4. prägnante Wahlanalyse
  5. Donald Trump, Politik und Medien
  6. Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen
  7. Sexismus
  8. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  9. kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  10. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  11. das neue Sexualstrafrecht und die Unschuldsvermutung
  12. dreimal zu „hate speech“
  13. eine ganze Sammlung
  14. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Lied, das ganz schön daherplätschert, aber einen ernsten Inhalt hat…

Foster The People: Pump up Kicks

Warum ich die „Fake News“-Hysterie selbst für „Fake News“ halte

Also gut, „Fake News“ sollen es dann sein. Die Massenmedien haben sich auf ein neues Narrativ einigen können, mit dem der Widerspruch zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen erklärt werden kann:

Die richtige Sache war „auf offenem Felde ungeschlagen“, aber ausländische Mächte haben durch das massenhafte Verbreiten von Falschmeldungen (Fake News) im Internet die Wähler so beeinflusst, dass diese am Ende dem falschen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben.

Das ist ein tatsächlich recht rundgeschliffener Mainstreammythos. Die Erklärungen vorher waren letzten Endes schwer zu verteidigende Positionen. Deutungen aus einem geschlossenen Weltbild heraus wie etwa die im Sinne der Identitätspolitik waren nicht massenkompatibel genug. Ich hatte ja bereits der Dolchstoßlegende von den bösen weißen Frauen, die Donald Trump gewählt haben, keine Chance eingeräumt, weil sie als Erweiterung des Feindbildes weißer Mann nicht taugt.

Die jetzt getroffene Lösung hat viele Vorteile: Mit „russischen Hackern“ kann man irgendwelchen anonymen Kräften die Schuld in die Schuhe schieben, aber nebenbei noch andeuten, als gäbe es eine Verbindung zur russischen Regierung / Wladimir Putin. Und das ohne irgendwelche ordentlichen Quellen (wodurch sich das Narrativ natürlich selbst als Fake News entlarvt). Fake News sind noch besser als der Vorwurf der Wahlfälschung, welcher sowieso routinemäßig alle vier Jahre in den USA erhoben wird, zumal man diesen ja irgendwie beweisen müsste. Ferner läßt sich behaupten, Wahlbeeinflussung durch Fake News könne sich jederzeit wiederholen, „auch bei uns“, womit man die Brisanz für Europa hat und das Thema schön warmgehalten wird. Dass die Massenmedien mit diesem Narrativ subtile Fremdenfeindlichkeit schüren („die wollen uns was!“) und Angst verbreiten, während sie sonst Angst bei der Bevölkerung kritisiert – wen kümmert das schon?

Denn die Alternative wäre ja eine echte Wahlanalyse, wie sie etwa die Nachdenkseiten oder Cicero veröffentlicht haben und bei der dann unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht kommen: „Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren“ – für sie sind soziale Klassen kein Thema mehr.

Dieses Erkenntnis käme aber für weite Teile der Medien einem Schuldeingeständnis gleich, denn sie sind längst Teil der Elite, die eine funktionierende vierte Macht im Staate kritisieren und gegen die diese eine Gegenöffentlichtkeit aufbauen würde. Um sich nicht selbst in schlechtes Licht zu rücken, soll daher vermieden werden, die Bevölkerung ernst zu nehmen.

Der Vorstoß einiger Politiker, „Fake News“ zu einem neuen Straftatbestand zu machen, wurde entsprechend medial flankiert: Journalisten treten allen Ernstes für Zensur ein, nachdem ihnen die Deutungshoheit entglitten ist. Man beachte: Das war nicht irgendein Schreiberling für ein Käseblatt, sondern die WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich in den Tagesthemen!

Wie bei den Nachdenkseiten treffend kommentiert wurde:

Auf dem direkten Weg in die Postdemokratie. Was sind bitte „Gezielte Desinformation zur Destabilisierung eines Staates“? Das liegt immer auch im Auge des Betrachters. Aus Sicht der Eliten kann das jede Kritik an den herrschenden Verhältnissen sein.

Der ansonsten überstrapazierte Vergleich mit den Nazis trifft diesmal: Schon die Nazis gaben vor, „Fake News“ zu bekämpfen. Die Nachdenkseiten haben hierzu eine studentische Hausarbeit von Tobias Jaecker gefunden:

Um die Presse in den Griff zu bekommen, bedienten sich die Nationalsozialisten zunächst des Instruments der Notverordnungen, die der Reichspräsident erlassen konnte. Mit der „Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933 wurden Beschlagnahmung und Verbot von Druckschriften geregelt. Unter der Verantwortung von Reichsinnenminister Frick wurde ein umfangreicher Katalog von Verbotsgründen erarbeitet. Darunter fielen etwa die Verbreitung „unrichtiger Nachrichten“ und der Aufruf zum Streik.

Die Nazis im O-Ton (Quelle: Dokumentarchiv.de):

„Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933
„Periodische Druckschriften können verboten werden (…) wenn in ihnen offensichtlich unrichtige Nachrichten enthalten sind, deren Verbreitung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden. (…) Zuständig für das Verbot einer periodischen Druckschrift sind die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen.“

Es ist alles nicht neu: In den letzten Jahren haben wir eine ganze Reihe von Initiativen erlebt, um unter dem Deckmantel einer guten Sache Zensurinstrumente einzuführen. Zunächst waren es die Netzsperren gegen Kinderpornographie. Dann wollte die EU Antifeminismus verbieten. Vor den Vereinten Nationen durften sich Anita Sarkeesian und Zoë Quinn darüber ausheulen, was für schreckliche Sachen ihnen im Internet passieren würden: Es gäbe tatsächlich Leute, von denen sie kritisiert würden! Sie forderten Schutz – wobei der Vorwurf der „Nachstellung“ sich für sie nicht nur auf illegale Aktivitäten erstrecke, sondern auch so fürchterliche Beschimpfungen wie „Du bist eine Lügnerin“ oder „Du bist doof“. Das Wehklagen hatte woanders durchaus Erfolg: Google machte machte den Bock zum Gärtner.

Wie schnell solche Mechanismen, um Leute mit abweichender Meinung zum Schweigen zu bringen, entgleiten können, hätte man eigentlich aus der Geschichte lernen können. Nun hat Donald Trump noch einmal exemplarisch vorgeführt, was „die Geister, die sie riefen“ bedeutet.

Welch Ironie, dass ausgerechnet „Der Postillon“ besonders vielseitig über Fake News berichtet:

  1. Ratgeber: Alles, was Sie jetzt über Fake-News wissen müssen
  2. Bundeskanzler Hubert Dreher will Fake-News unter Strafe stellen
  3. Hat Fake-News verbreitet: Türkischer Journalist zu 5 Jahren Haft verurteilt
  4. Teenager (15) endlich fertig damit, unter jedes einzelne YouTube-Video „Fake!“ zu schreiben – der vielfach vergessene Ursprung der Fake-News-Vorwürfe

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Um „News“ wieder in einen positiven Zusammenhang zu bringen:

Huey Lewis & The News – Perfect World

Fundstück: Ahoi Polloi über Donald Trump, Politik und Medien

Seit zwei Tagen sammele ich Quellen für einen Artikel über die US-Wahlen. Zum Glück hat eine Kombination aus Zeitmangel, Perfektionismus und Müdigkeit bislang Schlimmeres verhindert! Stattdessen heute eine Sammlung von Ahoi Polloi (ist sowieso lustiger und mehr auf den Punkt gebracht), angefangen mit einem aktuellen Beitrag:

Brexit und Trump

ansonsten zu Donald Trump:

  1. Was passiert, wenn Trump gewinnt?
  2. Ist Trump zu weit gegangen?
  3. Trumpf im Wahlkampf
  4. Was bringt uns ein Präsident Trump?

ansonsten zu Politik und Medien:

  1. die Sorgen der Menschen ernst nehmen
  2. Horrorvorstellung und Realität
  3. Vertrauen in Politik und Medien wieder herstellen
  4. Brexit – das Ende
  5. Diskurs
  6. Selbstgespräch

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. über Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen
  2. Sexismus
  3. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  4. über kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  5. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  6. zum neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung
  7. dreimal zu „hate speech“
  8. eine ganze Sammlung
  9. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Jetzt ist auch noch Leonard Cohen gestorben… wie viele beliebte Musiker und Schauspieler kann es denn überhaupt noch erwischen in diesem Jahr?

Leonard Cohen: Hallelujah

Vom dummen, männlichen Wähler

Es folgt ein Gastartikel von Lion.

Nach Wahlen werden gerne Statistiken und Erkenntnisse der Wahlforscher veröffentlicht. Schon seit langen Jahren ist es üblich, danach zu schauen, in welchen Wahlkreisen die Parteien die meisten Stimmen einheimsten und welche Wählerwanderungen es zwischen den Parteien gab. Neuerdings wird jedoch auch größerer Wert darauf gelegt, die Wählerschaft anhand persönlicher/demographischer Kriterien zu zerlegen, nach der Fragestellung: „Wer wählt eigentlich Partei XYZ?“.

Vordergründig geht es dabei um das Informationsbedürfnis innerhalb der Gesellschaft, das damit befriedigt werden soll. Man sollte aber nicht vernachlässigen, wozu solche Veröffentlichungen außerdem genutzt werden können.

Neben einer rein quantitativen Wertung einer Wahl („Welche Partei erhielt wieviel Stimmen?“) wird durch die neue Betrachtungsweise unterschwellig eine qualitative Betrachtung ins Spiel gebracht – was dem Gleichheitsgrundsatz „eine Person – eine gleichwertige Stimme“ (egal, welches Geschlecht, welcher ethnischen Herkunft, welche Religionszugehörigkeit, welcher Intelligenzgrad, welcher Schulabschluss, welcher Beruf usw.) widerspricht. Statt es nach diesem demokratischen Grundsatz hinzunehmen, dass es jedem Wähler und jeder Wählerin selbst überlassen bleibt, die Entscheidung zur Stimmvergabe nach eigenem Gutdünken vorzunehmen, wird die Wählerschaft der gewollten Anonymität entrissen und anhand der Kriterien sortiert.

Dieses kann niemals wertfrei geschehen. Eine höhere Intelligenz/ein höherer Schulabschluss wird beispielsweise immer als „besser“ gesehen werden, als eine niedrigere Intelligenz oder ein geringerer Schulabschluss. „Jung“ gilt immer noch als erstrebenswerter als „alt“. Und (Leser von Blogs mit Geschlechter-Themen wissen es) „weiblich“ gilt gerne als moderner / zukunftsweisender / cleverer als „männlich“.

Überlegt man sich dann noch, dass auch Parteien (insbesondere durch die handelnden Personen der Medienbranche) ständig Wertungen erfahren, ist es nur ein kleiner Schritt zu positven/negativen Assoziationsketten und zu einer Sache, die ich „doppelte Diffamierung“ nenne. Gesetz den Fall, Partei XYZ hat in den Medien nicht gerade den besten Ruf, so schlägt man mit einer angeblich neutralen Formulierung wie „Die Partei XYZ wird vorwiegend von Männern, Arbeitslosen und weniger Gebildeten gewählt“ gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Assoziationskette XYZ-Wähler – Mann – arbeitslos – weniger gebildet diffamiert in zwei Richtungen: Gegen die Partei und gegen Angehörige der identifizierten Wählerschaft. Die unterschwelligen Aussagen sind: a) Die Partei XYZ bekommt nur Zustimmung von weniger erfolgreichen/beliebten Personen, also ist Partei XYZ auch zweifelhaft und b) Männer / Arbeitslose / weniger Gebildete wählen oft „die falsche Partei“, also kann man diese Personengruppen auch nicht für voll nehmen.

Im Sinne der Demokratie, aber auch im Sinne unterschiedlicher Personengruppen sollte man sich gegen dieses Gift der unterschwelligen Wertung verwehren. Es gilt: Eine Person – eine Stimme, egal, wie diese Person „beschaffen“ ist oder wie sie zum Entschluß gekommen ist, eine bestimmte Partei zu wählen. Weder die Wählenden noch ihre Stimme sind qualitativ zu gewichten. Wer es trotzdem tut, dem kann getrost unterstellt werden, damit eigene Ziele zu verfolgen, gerade dann, wenn es sich um Medien handelt, die sich ja ansonsten „Gleichheit in jeder Hinsicht“ auf die Fahnen geschrieben haben.

Es geht auch anders

Für die meisten hier ist es nichts neues, dass Männer in den Medien häufig in einem negativen Licht dargestellt werden. In der Werbung tritt dies oft besonders stark heraus. So ist zum Beispiel Nivea in der Vergangenheit schon öfter mit misandrischen Werbespots wie diesem aufgefallen:

Dafür hat Nivea auch wohlverdiente Kritik bekommen (man beachte etwa die aktuell 8 Daumen nach oben und 223 Daumen nach unten die für das Video auf YouTube vergeben wurden).

Dass es aber auch anders geht hat Nivea nun mit einem Werbespot zum Vatertag bewiesen:

Bei all der berechtigten Kritik muss man eben auch loben wenn ausnahmsweise ein Werbespot gemacht wird in dem Männer sehr positiv dargestellt werden. Angesichts der sehr positiven Reaktionen auf den Spot findet hier womöglich auch generell ein Umdenken statt. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass positive Botschaften sich besser verkaufen als Misandrie.