Hör auf, Nebelbomben zu werfen, Journalist

Der Artikel, auf den ich mich beziehe, ist kaum lesenswert. Er trägt die Überschrift „Hört auf zu jammern, alte weiße Männer!“ und es wird erklärt, warum man sich nicht darüber echauffieren soll, wenn Männer ebenso betitelt werden.

Der Autor (Till Raether) stellt sich für jemanden, der im Magazin der Süddeutschen Zeitung einen Artikel veröffentlichen darf, erstaunlich dumm und „schwelgt“ in der Vergangenheit. Es referiert über Männer, die heute um die 50 sind und damals viele Vorteile genossen haben, weil es früher noch nicht so weit her war mit Gleichberechtigung & Co.

Letzteres ist richtig. Nur, was hat das mit der Gegenwart zu tun? Raether legitmiert quasi heutigen Unsinn mit dem Unsinn von damals. Völlig am Kern der der Sache vorbei.

Die Phrase „alte weiße Männer“ wird nämlich benutzt, um (unliebsame) Meinungen zu diskreditieren. Es handelt sich um ein personenbezogenes Totschlagargument. Damit wird stets der Versuch unternommen, andere Ansichten bequem zur Seite schieben, auf die man argumentativ nicht eingehen möchte oder kann. Stammen diese Ansichten doch angeblich von einem Personenkreis, dessen Weltbild antiquiert ist und auf das man in einer „jungen, bunten, weiblicheren Gesellschaft“ verzichten kann.

Komisch. Es galt mal die Auffassung, dass jede Stimme gleich viel wert sein soll. Insbesondere im Kreis unserer (ehemals) aufklärerischen Journalisten. Und Raether fällt es tatsächlich nicht auf, wo das Problem mit dieser Phrase liegt und wirft stattdessen eine solche Nebelbombe, die geeignet ist, um die niederen Absichten mit dieser Formulierung gar noch zu unterstützen?

Denn wieder soll es der „alte, weiße Mann“ sein, der doch bitteschön nicht jammern möge. Merke: Kritik aus diesem Kreis gibt es nicht, es ist ein unberechtigtes Jammern.

Besuchen Sie doch lieber noch einmal ein paar Vorlesungen in Demokratie, Herr Raether. Um diese wieder so zu verstehen, wie Sie sie in ihren früheren Zeiten (hoffentlich) verstanden haben. Zu Zeiten, als Sie sich als Student noch gegen etablierte Ansichten durchsetzen mussten. Heute gehören Sie zum Establishment mit imprägnierter Meinungs- und Deutungshoheit und müssen vielleicht noch lernen, Dinge von der anderen Seite zu sehen.

Oder direkter ausgedrückt an alle Phrasen-Verwender: Kommt gefälligst mit anderen Meinungen klar und versucht nicht, diese über hinterhältige „Argumente“ auszuhebeln.

 

 

 

 

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Wenn der böse Papa nicht an die Mutter zahlt: Staat hat höhere Ausgaben durch Unterhaltsvorschuss

Seit gestern gibt es viele Berichte zum Thema Unterhaltsvorschuss für Kinder in Presse und TV. Das sind die Zahlungen, die der Staat leistet, falls ein Elternteil keinen Unterhalt erbringt, obwohl er dazu verpflichtet wäre. Im Jahr 2017 wurde das entsprechende Gesetz geändert, so dass die staatlichen Leistungen nicht mehr auf Kinder bis zum Alter von 12 Jahren beschränkt sind und auch nicht mehr nur für maximal 72 Monate gezahlt wird. Nunmehr wird in der Regel bis zum 18. Lebensjahr und ohne zeitliche Begrenzung gezahlt.

Das führte zu deutlich mehr Anspruchsberechtigte (jetzt rd. 700 Tausend statt vorher rd. 400 Tausend Kinder) und zu jährlichen Ausgaben von 1,1 Mrd. Euro. „Wiedergeholt“ von den säumigen Elternteilen wurde durch den Staat dagegen nur ca. 18%.

Einige Presseberichte kommen natürlich nicht ohne moralischen Fingerzeig aus (arme alleinerziehende Mutter hier, böser nicht-zahlender Vater da).

Weiterführen möchte ich den Blogbeitrag jedoch mit einem Zitat aus der Berliner Morgenpost.

Der Unterhaltsvorschuss, den der Staat seit Kurzem häufiger zahlt, ist im übrigen in vielen Fällen nur dem Namen nach ein Vorschuss. Eigentlich will der Staat das Geld von den säumigen Elternteilen zurückholen. Das klappt aber nur schlecht: Von 1,1 Milliarden Euro, die 2017 ausgezahlt wurden, kamen nur 209 Millionen zurück. Warum so viele nicht zahlen, weiß niemand genau, sagt Berkhoff vom VAMV: „Haben die nicht das Geld, wollen die nicht, wenn ja, warum wollen die nicht?“ Man wisse es nicht, sagt sie – Studien zum Thema würden „dringend“ gebraucht.

Potzblitz. Da wird doch tatsächlich mal nach den Gründen gefragt, anstatt es bei einem „der hat zu zahlen und basta“ zu belassen.

Ja, es wäre in der Tat interessant, wenigstens die Gründe zu erfahren. Und für Genderstudien ist immer Geld da, warum also nicht auch mal für diesen, die Geschlechter betreffenden Bereich?

Meine Vermutung: Bestimmte Gründe will man offiziell gar nicht wissen, weil man sich nicht um die Beseitigung der Gründe kümmern will.

Es könnten ja auch so Antworten kommen wie: „Meine Ex verweigert mir den Umgang mit dem Kind, da sehe ich es nicht ein, sie auch noch zu unterstützen“ oder „Meine Ex hat einen neuen Partner, der sich als „sozialer“ Vater gebärdet, während ich nichts mehr vom Kind habe, warum wird er nicht herangezogen?“.

Auch das sind meines Erachtens Punkte, die in das Thema einfließen sollten, statt nur nach dem Verursacherprinzip auf den Erzeuger des Kindes zu zeigen.

Junge, weiße, ideologisierte Frauen

Unsere Gegenwart ist immer noch voll von Ideologien. Ich halte Ideologien für eine große Geißel unserer Zeit, gleich daneben stehen für mich Diplomatie und ihre kleine Schwester politische Korrektheit. Dabei bin ich sehr für Zukunftsvisionen, wenn man dabei Realitätssinn und Pragmatismus für das aktuell Machbare und das aktuelle Umfeld nicht aus den Augen verliert und dementsprechend handelt. Und ich bin für klare Worte, da gehe ich lieber das Risiko der verbalen Verletzbarkeit ein, als dass ewig um den Brei herumgeredet wird.

Ein entlarvendes Outing für ideologische Verblendung ist meines Erachtens ein Video der Spitzenkandidatin der Grünen für die bayrische Landtagswahl, Katharina Schulze. Natürlich kommen auch „alte, weiße Männer“ vor, die natürlich stets im Unrecht sind, gegenüber dem frischen Wirbelwind, den junges Grünzeug ins Haus bringt (uhhhh … habe ich da gerade etwa jemanden diskriminiert? Sorry.) Aber das ist eben nicht der einzige Punkt, weshalb ich die Sache für geeignet halte, um ihn bei Geschlechterallerlei zu thematisieren. Es ist eine Art ideologisches Gesamtpaket, in dem Feminismus nur ein Teilaspekt ist, der aber häufig aus derselben politischen Ecke kommt, wie die demagogische Grütze in dem Video.

Zunächst einmal: Mimik und Gestik von Katharina Schulze lassen eine Aufgeregtheit deutlich werden, für die Andere den diffamierenden Begriff „Wutbürger“ aufgedrückt bekämen, was nichts anderes zum Ausdruck bringen soll, als dass sich jemand zu sehr von seinen Emotionen leiten läßt und dabei nicht mehr rational denkt.

So bei den Anderen, nicht bei Katharina Schulze. Natürlich ist das keine Wut im oben genannten Sinne, sondern aufrechte Aufregung gegenüber falschem politischem Handeln. Das ist was gaaaaaanz anderes als das, was ein Wutbürger fabriziert. Das eine ist gerecht, das andere ist falsch. Sonst hätte sie sicherlich nicht dieses Video veröffentlicht. Da dürfen halt Augenrollen und sarkastische Zickigkeit gezeigt werden.

Es offenbart sich die Ideologie. Die tiefste Überzeugtheit, auf der richtigen Seite zu sein und der unbedingte Glaube an eine bessere Welt, die nur durch Protagonisten der eigenen Seite erreicht werden kann. Alle anderen müssen nur noch „bekehrt“ werden. So wollen Politiker ja auch immer gerne „Wutbürger“ abholen, sie „mit ihren Sorgen“ (wieder ein ein stiller Hinweis auf irrationale Gefühle) „nicht alleine lassen“. Was die „bessere Welt“ ist, das obliegt natürlich ebenfalls der Deutungshoheit der Ideologen. Ein geschlossenes System, in dem andere Ansichten und andere Vorstellungen darüber, in welche Zukunft ein bestimmtes Handeln mündet, verteufelt werden.

Dabei ist jedes Mittel recht, der Zweck heiligt bekanntlich alles. So scheut sich die Grüne auch nicht vor Demagogie zurück. Oder was sollte die verbale Verbindung zwischen ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer und den wie auch immer genannten Zentren an innerdeutschen Grenzen (von Schulze natürlich als „Lager“ tituliert)? Will sie etwa unterstellen, der CSU / Seehofer wäre es gleich, ob Leute ertrinken? Oder was sollte die bloße Behauptung, die „alten, weißen Männer hätten Angst vor Vielfalt“, die im Brustton einer Diagnose daherkommt? Und überhaupt: Warum ist gerade sie als ach-so-demokratische Grüne so diskriminierend unterwegs? Wieder ein Zeichen der Ideologie, die das rechtfertigt. Da darf man das, es richtet sich ja gegen die, die mit ihrer Meinung falsch liegen.

Ich habe auch keinen Bock mehr, Frau Schulze. Keinen Bock mehr auf ideologisch Verblendete, deren Phantasie nicht dafür ausreicht, zu erkennen, wohin ihre Politik führt. Nein, man erreicht die Wolkenkuckucksheim-Zukunftsvison nicht dadurch, dass man so handelt, als sei sie bereits da und alle würden sich an ihre gut gemeinten Regeln halten. Wenn Leute wie Sie so weitermachen, werden wir all das Gute verlieren, was bereits errungen wurde, insbesondere in der Frauenpolitik.

Und hängen Sie ihr „Frauenpower“-Blechschild wieder dorthin, wo es vor der Videoaufzeichnung hing. Sie sollten die Männer nicht vorschnell abschreiben. Weder Alte noch Junge. Ihre Beweihräucherung des eigenen Geschlechts entspringt auch nur ihrem ideologischen Denken. Wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit mehr Gleichheit?

PS: Einen sehr lesenswerten Artikel, der zur Thematik paßt, findet man übrigens hier.

 

Männerbilder

Am meisten habe ich mir gerade Gedanken über den Titel dieses Blogbeitrages gemacht. „Männerbilder“ scheint mir passend, weil es um die Ausprägungen von „Mann sein“ in unterschiedlichen Kulturkreisen geht. Der Titel klingt harmlos, aber es kommt gleich kein weichgespültes Blabla aus dem Elfenbeinturm. Ich möchte nämlich auf einen interessanten Artikel vom Portal „Achse des Guten“ hinweisen. Er stammt von Cora Stephan und heißt Generalverdacht rettet Menschenleben.

Es geht um Morde an jungen Mädchen von Asylanten und darum, wie in der Gesellschaft damit umgegangen bzw. nicht umgegangen wird (denn es bleiben Dinge ungesagt, und denen, die nicht schweigen, wird eben „rechtes Gedankengut“ unterstellt, was ebenso zu einer Nicht-Beschäftigung mit den Hintergrunden führt). Gerade deshalb verlinke ich hier den Artikel. Es wird nicht mehr geschwiegen. Punkt. Und es geht um Widersprüche zwischen der Beurteilung / dem Umgang mit dem Verhaltens von Männern aus unterschiedlichen Kulturkreisen.

Ein Auszug aus unverblümten Worten:

Die nicht so braven Mädchen finden die käsigen Jungs langweilig, die sie schon seit dem Kindergarten oder der Schule kennen. Da sind die fremden Männer weit attraktiver, die sich nicht nur im Aussehen so deutlich unterscheiden. Sie haben eine abenteuerliche Reise hinter sich, vulgo „Flucht“, sie geben sich stolz, sie haben „Ehre“, sie sind keine Weicheier wie so ein langweiliger Deutscher, kurz: sie sind attraktiv und versprechen Aufregung.

Und heißt es nicht in der Öffentlichkeit der Gutmeinenden, man müsse sich den Fremden gegenüber aufgeschlossen zeigen, sie willkommen heißen, sich ihnen vorurteilsfrei nähern? Man dürfe keine „diffuse Angst“ haben oder gar, genau, unter diesem bösen „Generalverdacht“ leiden? Wem glaubt ein junges Mädchen mehr, den Eltern oder dem, was sie im Fernsehen oder Radio hört?

Seit Monaten wird jungen Menschen das ganz normale Verhalten ausgeredet, nämlich gegenüber Fremden vorsichtig zu sein. Susanna tat nur, was die Gutmeinenden empfahlen. Die warnten nicht vor den jungen Männern aus Afrika oder dem Orient, sondern beschäftigten sich lieber mit Kampagnen aufrechter Feministinnen gegen die toxische Männlichkeit des weißen Mannes, der schon beim Flirt oder per Kompliment Gewalt ausübe. Wir lernen: Beim weißen Mann kommt es nicht so aufs Differenzieren an. Jörg Kachelmann durfte man bekanntlich monatelang vorverurteilen.

Die Kämpferinnen gegen den westlich geprägten (nicht nur) weißen Mann haben offenbar noch immer nicht gemerkt, dass sich ihr Generalverdacht an die falsche Adresse richtet und dass sie sich mit einer anderen weit toxischeren Männlichkeit gemein machen. Dass seit 2015 vermehrt Männer mit gänzlich anderen Verhaltensmustern als die, an die wir uns hier zulande gewöhnt haben, zu uns gestoßen sind, dass sie insbesondere ein anderes Verhältnis zu Frauen haben, das weit gefährlicher sein kann.

Kulturelle Differenzen machen das Leben nicht nur bunt und lustig und weltoffen und verschwinden im übrigen auch nicht mit dem Deutschkurs. Das Frauenbild, das Männer mitbringen, die aus paternalistisch und islamisch geprägten Kulturen kommen, ist das krasse Gegenteil dessen, was man in Deutschland hochhält. Nicht nur Frauen sollten das begreifen. Auch Männer.

Auch der gut erzogene neue deutsche Mann muss aufpassen. Er hat gelernt, lieber ein nettes Wort zu wenig als eins zu viel zu sagen. Er weiß jetzt, dass jede Jugendsünde noch nach Jahrzehnten den öffentlichen Schandpfahl und den Verlust von Ruf und Karriere nach sich ziehen kann, weshalb er schon heute kein Risiko mehr eingeht. Sollte ihm wider Erwarten doch noch eine Beziehung gelungen sein, sieht man ihn mit Beanie auf dem Kopf und Baby vorm Bauch traurigen Blicks durch die Fußgängerzone ziehen, wobei er auch das mit dem Baby ganz gewiss nicht richtig macht.

Und jetzt das. Nicht nur #Metoo-Aktivistinnen, die den weißen Mann generalverdächtigen, machen ihm das Leben schwer, auch andere Kerle haben ihm den Krieg erklärt. Die Attacken auf feiernde Frauen etwa am Silvesterabend 2015 in Köln hatten ja keineswegs nur oder vor allem die Frauen zum Ziel. Sie sollten den einheimischen Männern demonstrieren, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Töchter, Freundinnen, Schwestern, Frauen, Mütter zu beschützen, wenn anders sozialisierte Männer es auf Belästigung und Schlimmeres anlegen. Die Silvesternacht 2015 markiert die Krise des weißen deutschen Mannes, der hilflos zwischen den Fronten steht: hie wütende Aktivistinnen, die es darauf anlegen, ihn des Verbrechens gegen die Frau, wann und wie auch immer, zu überführen, dort die Konkurrenz durch übergriffige Machos, die ihm ebenfalls beweisen, dass alles brav Gelernte für die Katz ist.

Denn es gibt ja auch andere Frauen, jung und alt, die den Macho vorziehen, so einen jungen Orientalen, der viele schöne Worte um Stolz und Ehre macht und noch Liebesschwüre kennt wie „du bist mein Mond, mein Augenlicht, meine Nacht“. Erst, wenn sich die Annalenas und Hannahs von dem gefühlvollen Anbeter trennen wollen, merken sie, was unter den schönen Worten und dem Stolz und der Ehre verborgen liegt: Zorn. Gekränkter Stolz kann tödlich sein. Ein Messer findet sich schließlich an jeder Ecke.

 

Sind Männeranliegen links oder rechts?

Der Beitrag Warum Maskulinismus nicht rechts ist des Blogs uepsilonniks geht auf die übliche Diffamierung der Männerrechtsbewegung als „rechts“ und „nazi“ ein und begründet dann, warum Maskulismus eben nicht „rechts“ ist. Ich hatte unterhalb des Beitrags schon einen kurzen Kommentar abgegeben, möchte aber nochmals auf diese Thematik eingehen.

Ist die Männerbewegung also links oder rechts? Ich meine, sie ist weder links noch rechts, sondern gerecht. Denn darum geht es: Gerechtigkeit, unabhängig davon, unter welchem anderen Begriff diese auch daherkommt. Auch bei der Frauenbewegung ging es übrigens um eine gerechte (Gleich-)Behandlung und es ist bei ihrem Pendant eben nicht anders.

Weder die Bewertung einer Sache/Situation als ungerecht, noch das Verlangen, eine Ungerechtigkeit beseitigt wissen zu wollen, ist an eine politische Strömung gebunden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Menschen unterschiedlichster politischer Couleur für dieselbe Sache streiten. Man kann zwar einwerfen, dass dies dann aus unterschiedlichen Beweggründen geschen kann, dies sehe ich aber speziell bei der Männerbewegung nicht. Es geht konkret darum, dass auch Männern Gerechtigkeit widerfährt (insbesondere bei Familienrechtsfragen oder Benachteiligungen, die wiederum aus einer übertriebenen Frauenförderung wie z.B. Quoten resultieren).

Es sind die Gegner der Männerrechtsbewegung, die diesbezüglich gerne ein Bild von unzulässigen Beweggründen konstruieren, nämlich den Beweggründen des Machtanspruchs, der Vorreiterrolle und des Wiederherstellens alter Positionen.

Nur deshalb gelingt das Spiel mit den Diffamierungen als „rechts“ und „nazi“ vordergründig auch so gut. Was ist im übertragenen Sinne schon „älter“ als das Gedankengut der 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts? Es sind Assoziationen, mit denen die Gegener zu überzeugen versuchen: Wer was für die Männer tut, will frühere Zustände zurück. Wer frühere Zustände will, ist konservativ. Wer konservativ ist, ist rechts. Wer rechts ist, ist nazi.

Auf dieses Spiel sollten wir uns nicht einlassen und deshalb finde ich es unproduktiv, beweisen zu wollen, wie „links“ die Männerbewegung doch ist. Da folgt man nur dem Mainstream: links = progressiv und gut, rechts = stehengeblieben und falsch.

Denn das sind ebenfalls die falschen Argumente für die Männerbewegung. Die Männerbewegung muss sich nicht über die politische Zugehörigkeit rechtfertigen, sondern über den Nachweis, dass bestimmte Ungerechtigkeiten vorhanden sind und die Notwendigkeit, dass diese geändert gehören.

Das Ende einer Vaterschaft

Als ich heute nach Hause kam, lag der Brief vom Amtsgericht im Flur. Die Adoption ist nach mehreren Monaten durch, ich bin auf dem Papier kein Vater mehr. Trauer überkommt mich, auch wenn lediglich das offiziell wurde, was schon lange gegeben war.

Mein Sohn wird dieses Jahr 16. Es ist über 5 Jahre her, seitdem ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Und auch zu der Zeit waren es nur wenige Treffen im Jahr, an Samstag- oder Sonntagnachmittagen, für wenige Stunden und unter Begleitung der Mutter. Weil sie es so bestimmt hat. Wir, als Eltern, hatten uns schon lange nichts mehr zu sagen.

In einer angespannten Atmosphäre tigerten wir dann gemeinsam durch die Stadt, besuchten Museen oder Spielhäuser. Wozu der Junge halt Lust hatte. Keine Chance für Vater und Sohn, sich richtig auszutauschen, sich nahe zu sein.

Ich muß dazu sagen, dass ich ihn nie wirklich hatte. Mit der Kindsmutter war es immer eine Fernbeziehung über etliche 100 km. Diese Beziehung war schon am Ende, als das Kind kam. Die ersten gut 2 Jahre besuchte ich ihn noch regelmäßig. Im Haus der Großeltern, wo auch meine Ex noch wohnte. Dann wurde auch diese Konstruktion immer unmöglicher. Die große Entfernung und das wir Erwachsenen nichts mehr miteinander anfangen konnten, forderten Tribut. Aus früherer Liebe war Abneigung und Hass geworden. Ich ging und kam nicht wieder.

Nur wenige Monate später versuchte ich wieder Kontakt aufzubauen. Was sie dann nicht mehr wollte. Auch verständlich, im Nachhinein. Jahre später, kurz vor seiner Einschulung dann plötzlich eine Kontaktaufnahme von ihr. Ich war dann beim Einschulungstermin dabei und damit begannen dann die oben erwähnten Treffen.

Ich habe mir immer gewünscht, diese Treffen auf andere Beine zu stellen. Dass ich ihn hätte alleine sehen können. Aber da biß ich auf Granit.

Ich erinnere mich an zwei besondere Momente. Einmal standen wir zum Abschied vor dem Bahnhof. Mein Junge sprang bei der Umarmung an mir hoch, umklammerte mich mit den Beinen und ich hielt ihn fest. Ich sprach davon, dass ich ja bald wiederkommen würde. Er sagte: „Könnten wir nicht alle … “ und brach dann den Satz ab. Ist es nur meine Phantasie, dass ich glaube, dass der Satz ungefähr mit “ … zusammen sein“ enden sollte? Er es aber nicht aussprach, weil die Mutter daneben stand, die mich in ihrem Lebenskonzept nicht gebrauchen konnte? Jahre später sagte sie mir wortwörtlich „ich will ihn nicht mit dir teilen“.

Bei einem anderen, viel späteren Treffen musste meine Ex noch mal zur Wohnung zurück, da sie ihr Portemonnaie vergessen hatte. Wir hatten ein paar seltene Minuten, vielleicht 10, für uns. Auch da sprang er sofort wieder in meinen Arm und hangelte an mir herum. Was er in dieser Form nicht tat, wenn die Mutter dabei war. Ich glaube, dass er in einem Loyalitätskonflikt war.

Nein, ich hätte nicht zum Vollzeitvater getaugt, das weiß ich. Aber ich bin mir sicher, dass es was mit uns hätte werden können. So, wie es war, war es allerdings zum erneuten Scheitern verurteilt. Alles nur eine Frage der Zeit. Es sollte sich nichts entwickeln.

Zwischenzeitliche „Aussprachen“ zwischen der Ex und mir endeten im grummelnden Gewitter. Erste Andeutungen wurden geäußert, dass man es gerne hätte, wenn ich meinen Sohn zur Adoption freigeben würde, damit der jetzige Ehemann meiner Ex ihn annehmen könnte. 4 Jahre vergingen, ohne dass wieder was passierte. Im letzten Jahr kamen dann offizielle Dokumente vom Notar und Amtsgericht. Und ein Brief der Ex, mit der erneuten Bitte um Adoptionsfreigabe … nicht ohne Drohnung, mich finanziell auszunehmen, wenn es nicht dazu käme (ja, es gab Rückstände bezüglich des Unterhalts – weil ich es nicht einsah, zwei Gutverdiener zu alimentieren, gleichzeitig wurde es mir versagt, einen vernünftigen Umgang mit dem Sohn zu haben).

Ich habe es dann gemacht, weil ich letztlich am Status Quo nichts ändern konnte. Die Adoption hatte faktisch längst stattgefunden, auch ohne Brief und Siegel. Und ich habe zugestimmt, weil es letztlich nur Papiere sind. Mein Sohn wird immer mein Sohn bleiben, daran gibt es keinen Milimeter zu rütteln. Meine Ex versprach, einen Brief von mir an meinen Sohn auch auszuhändigen. Diesen habe ich dann geschrieben. Ich habe geschrieben, dass meine Tür jederzeit für ihn offen steht und dass ich mich sehr freuen würde, wenn er irgendwann bei mir klingelt.

Ich weiß, es ist nur eine Hoffnung. Aber die werde ich nicht aufgeben.

Mach es gut, mein Sohn, ich hoffe sehr, wir sehen uns. Ich liebe Dich und bin stolz auf Dich.

 

 

Der ESC, #metoo, die Verlogenheit

Netta, eine Sängerin aus Israel, hat den Eurovision Song Contest mit einem seltsamen Titel und einer schrägen Darbietung gewonnen. Zwei Ausschnitte aus dem Text ihres Songs „Toy“:

Wonder woman, don’t you ever forget
You’re divine and he’s about to regret

[…]

I’m not your toy
You stupid boy
I’ll take you down
I’ll make you watch me

Auf deutsch also ungefähr: „Wunderfrau, vergiß nicht, du bist göttlich und er wird’s bereuen. Ich bin nicht dein Spielzeug, du dummer Junge. Ich zieh dich runter. Ich werde dich dazu bringen, mich anzuschauen“.

Aus der Presse erfährt man dazu (in diesem Fall habe ich mir nach kurzem Googeln einen Beitrag der „Aargauer Zeitung“ herausgesucht):

Das von dem israelischen Komponisten Doron Medalie und dem Texter Stav Beger geschriebene überwiegend englischsprachige Gewinnerlied „Toy“ sei eine Antwort auf die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung in der Unterhaltungsbranche, so die Sängerin. Die Botschaft an junge Frauen: Nehmt Euch an, so wie Ihr seid und seid stolz auf Euch selbst. Ihr seid nicht das Spielzeug (toy) von Männern.

Mission accomplished – wie gewünscht verfehlte der am aktuellen Thema konstruierte Song nicht seine Wirkung und sowohl Fachjury als auch das sich die Finger wundwählende Publikum brachten das Lied auf die Nr. 1 der Auswertung.

So weit, so gut. Eben ein weiteres Element des Protestes gegen ungewollte Berührungen oder sexuellen Mißbrauch.

Aber so richtig schräg wird die Nummer, wenn man sich anschaut, mit wem sich die Israelin ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Krone lieferte. Nämlich mit der Sängerin Eleni Foureira, die für Zypern antrat und zwar in einem Outfit, für das die Bezeichnung „knapp“ untertrieben wäre (bitte selbst googeln oder sich das Video vom Auftritt ansehen). Beide Sängerinnen waren gegen Ende der Punktevergabe zeitgleich auf dem Bildschirm.

Schräg ist es deshalb, weil beim zypriotischen Auftritt die Masche „Sex sells“ angewandt wurde. Mit dem israelischen Beitrag beklagt man sich über Tatschereien und andere Belästigungen, mit dem Beitrag aus Zypern soll der Fisch über nackte Haut, enganliegende Kleidung und sexy Tanzbewegungen an den Haken.

Nun könnte bei diesem Zusammenhang eingeworfen werden, dass weder nackte Haut, knappe Kleidung noch aufreizende Bewegungen als Einladung zu irgendwelchen, von einer Frau unerwünschten Handlungen gesehen werden können.

Womit ich beim Punkt Verlogenheit angekommen wäre. Oder zumindest beim Punkt der naiven Dummstellerei.

So verständlich es auch ist, wenn sich Frauen, gegen unerwünschte Annährungen stellen, sollte nicht die Diskrepanz aus den Augen verloren werden, dass Frauen andererseits ihre Reize bewußt einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen.

Ob nun bezüglich des Gewinns des ESC, um in der Karriere voranzukommen (ja, auch so etwas soll es geben …) oder um sich den gewünschten Mann als Partner zu angeln. Seltsamerweise will gerade in letzterem Punkt niemandem auffallen, dass dem Mann dabei sprichwörtlich „der Kopf verdreht“ (= der Verstand überwunden) werden soll. In dem Fall ist es erwünscht. Wenn es unerwünscht ist, soll hingegen der Verstand die Reize überwinden.

Bevor möglicherweise der nächste Einwand kommt, dass mit dieser Argumentation die Gesamtheit der Männer unter dem Deckmantel einer „biologischen Konditionierung, der sich die Männer quasi nicht erwehren können“, in Schutz genommen werden soll: Nein, soll sie nicht. Männer sind keine triebgesteuerten Tiere.

Was ich mit diesem Blogbeitrag bezwecken will, ist die Bewußtmachung der durchaus unterschiedlichen Herangehensweisen individueller Frauen im Umgang mit den eigenen Reizen. Und „manchmal“ auch die Herangehensweise ein- und derselben Frau zu unterschiedlichen Zeitpunkten.