Kurznachrichten vom 20.01.2017

1: Woody Allen ist offensichtlich als das nächste Opfer von #metoo auserkoren. Es geht um die alten Vorwürfe seiner Adoptivtochter Dylan von anno 1992, er habe sie als Kind missbraucht, die Allen aber stets zurückgewiesen hat. Es gab damals auch eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft, die damit endete, dass keine Klage erhoben wurde. Es gibt also überhaupt nichts neues, aber hey, wir haben da gerade so eine super Kampagne, warum nicht auch mal wieder olle Kamellen wiederkäuen?

Einen besonderen Kotau vor den #metoo-Furien hat jetzt ausgerechnet Colin Firth hingelegt. Der Schauspieler verkündete über den britischen Guardian, nie wieder mit Allen zusammenarbeiten zu wollen. Merkwürdigerweise hatte er vor vier Jahren, als er mit Allen den Film „Magic in the Moonlight“ drehte, anscheinend noch keine Bedenken, obwohl da die Vorwürfe allesamt schon über 20 Jahre auf dem Tisch lagen. Möglicherweise hat er aber auch nichts davon gewusst, weil sie zwischenzeitlich vermutlich zurecht der Vergessenheit anheim gefallen waren. Dennoch hätte ihm klar sein müssen, dass die Vorwürfe alt, längst verhandelt und nicht mehr abschließend zu klären sind, außer einer der Kontrahenten gäbe zu, bisher gelogen zu haben.

Vielleicht liegt es an seinen Rollen, dass ich Colin Firth bisher als einen integeren Menschen angesehen habe, aber dieses Bild hat jetzt traurigerweise große Risse bekommen. Wir leben leider wieder einmal in einer Zeit, in der es wohlanständig ist, sich Lynchmobs anzuschließen, und verwerflich, Skepsis walten zu lassen.

2: Nochmal #metoo: Am Mittwoch lief bei NDR info in der Sendung Redezeit eine Diskussion mit dem Thema „Nicht mein Feminismus – Läuft die #metoo-Debatte aus dem Ruder“, mit Dr. Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“, Stefanie Lohaus Geschäftsführende Redakteurin bei „Missy Magazine“ und Benjamin Maack, Autor und Spiegel-Online-Redakteur. Insbesondere Svenja Flaßpöhler, auf die Arne bei Genderama erst vor ein paar Tagen hingewiesen hat, ist durch moderate, vernünftige Positionen aufgefallen. Hörenswert.

3: Jasper von Altenbockum von der FAZ musste sich böse Kritik anhören für seinen Satz „Der einzige Mann in der SPD-Führung scheint Andrea Nahles zu sein“. Darauf antwortet er in einem weiteren Beitrag und weist darauf hin, dass diejenigen, die sich hier über angebliche Gender-Stereotype echauffieren, im Gegenzug ebenfalls gerne mit Gender-Stereotypen hantieren:

Sie schreiben, es sei ein „genderspottender“ Satz. Alles andere als „genderspottende“ Autoren versuchen uns immer wieder zu erklären, dass Frauen einen anderen Politikstil pflegen als Männer (nicht auf Konfrontation aus, ohne Statusgehabe, vermittelnd, an der Sache orientiert, etc.). Ein etwas skurriles Beispiel dafür war die Äußerung von Susanne Gaschke nach ihrem Rücktritt als Kieler Oberbürgermeisterin, sie sei Opfer einer „testosterongesteuerten“ politischen Unkultur. Will sagen: Männer sind Machtmenschen, wollen sich unbedingt durchsetzen, sind auf Stärke, Status und Dominanz fixiert, etc. […]

Das war übertrieben, lag aber auf derselben Linie. Wenn es aber so ist, dass es zwischen Männern und Frauen durchaus Unterschiede gibt im politischen Habitus, muss man sich dann nicht auch fragen, wann dieser jeweilige Habitus in bestimmten Situationen erfolgversprechend ist, wann nicht?

4: Alexa, die Werbewanze von Amazon, ist jetzt eine Feministin. Man sollte sich auch die Kommentare unter dem ZEIT-Artikel durchlesen. Es gibt tatsächlich Menschen, die glauben allen Ernstes, man könne eine Maschine mit einem Mikrophon, die mit dem Internet verbunden ist, sexuell belästigen, ja sogar vergewaltigen. Ich hätte da nur so eine Frage an diese Feministinnen: Habt ihr denn auch brav immer Euren Dildo nach Consent befragt, bevor Ihr ihn benutzt habt? BENUTZT!!!! Spricht da nicht alleine schon eine Missachtung aus diesem Wort?

Advertisements

Kurznachrichten vom 15.01.2017

1: Aktuell brodelt immer noch #metoo und die Gegenrede der 100 französischen Frauen, angeführt von der Diva Catherine Deneuve. Diese hat sich jetzt teilweise bei Opfern sexueller Gewalt dafür entschuldigt, ihr mitunterzeichneter Aufruf sei evtl. missverständlich gewesen sein. Tatsächlich sieht sie aber keinen Grund, inhaltlich etwas davon zurückzunehmen.

In dem offenen Brief von über hundert Frauen werde sexuelle Belästigung in keinster Weise gerechtfertigt, ansonsten hätte sie ihn nicht unterschrieben, erklärte die Schauspielerin. Den Vorwurf, keine Feministin zu sein, wies sie zurück.

In einem Interview mit der FAZ verteidigt Mitautorin Catherine Millet den Aufruf. Zwei Ausschnitte:

Gut, dann sprechen wir doch von den Nuancen. Am Anfang Ihres Textes schreiben Sie: „Die Vergewaltigung ist ein Verbrechen, aber eine plumpe Anmache ist kein Delikt.“ Sind Sie wirklich der Ansicht, man mache da keinen Unterschied?

Ehrlich gesagt, ja. Vor ein paar Tagen hörte ich im Radio eine Feministin, die gegen unseren Text argumentierte. Und sie erklärte genau das: Man dürfe nicht mehr unterscheiden, man müsse einen Mann, der einem irgendwie lästig wird, sofort anzeigen. Ich finde das verrückt. Es gibt doch wohl sehr viele sehr unterschiedliche Formen des Lästig-Seins. Manche davon sind schlimm, viele sind es nicht. Die zu unterscheiden, die graduellen Nuancen nicht einfach zu verwischen, das scheint mir essentiell.

Glauben Sie nicht, dass das jede Frau anders empfindet?

Natürlich, aber gerade deshalb sollte man es doch jeder Frau überlassen, das für sich selbst zu entscheiden, selbst zu wissen, wo ihre Grenze liegt. Gerade deshalb, gerade weil jede Frau das anders empfindet, bin ich dagegen, dass man uns eine Moral von außen auferlegt.

Sie sprechen auch von Puritanismus.

Ja, für mich huldigt ein Großteil dieser Feministinnen einer puritanischen Utopie, in der die Komplexität der Sexualität vollkommen glattgebügelt wird. Um eine sexuelle oder sogar nur eine romantische Beziehung mit einem anderen einzugehen, muss einer offensiv sein, sonst passiert nichts. Da kann es schon mal sein, dass man sich ungeschickt oder plump verhält. Ist das so entsetzlich? […]

Sie sind also nicht gegen die #MeToo-Bewegung oder den #balancetonporc-Aufruf („Prangere dein Schwein an“), sondern gegen das, was Sie als Ausschweifungen der Bewegung bezeichnen?

Na ja, sagen wir es so: Ich bin persönlich dagegen, dass man so ernste Angelegenheiten wie eine Vergewaltigung auf dem Marktplatz von heute, also im Netz verhandelt. Dass man Männer in den sozialen Netzwerken eines solchen Deliktes beschuldigt, sie öffentlich denunziert, bevor man sich an die Justiz gewandt hat – für mich ist das der Wilde Westen. Wir leben in zivilisierten Gesellschaften, wir haben Gesetze, die dazu da sind, uns zu schützen, stattdessen wählt man die öffentliche Anklagebank und rechnet vor den Augen aller mit diesem oder jenem ab. Außerdem habe ich wirklich ein Problem mit diesem Begriff.

Dem des Schweines?

Ja. Die meisten werden es vergessen haben, aber unter den Nazis waren die „Schweine“ die Juden. Zur „Denunziation“ der „Schweine“ aufzurufen scheint mir also, von allem anderen mal abgesehen, zutiefst schockierend. Zumal mir diese Generalisierung nicht gefällt. Dass alle Männer jetzt plötzlich Tiere sind. Was soll denn das? Natürlich gibt es Männer, die zu weit gehen, aber das ist ja nicht die Regel.

2: Harald Martenstein vergleicht im Tagesspiegel die öffentlichen Rezeptionen zweier aktueller Dauerthemen, nämlich die #metoo-Kampagne auf der einen Seite und die Gewaltdelikte muslimischer Migranten auf der anderen Seite.

In der „Me too“-Debatte ist zu Recht von den kulturellen Faktoren die Rede, die Missbrauch begünstigen: Chefetagen voller Männer, Kumpanei, machtlose, verängstigte Frauen. Bei der Gewalt von muslimischen Migranten ist dagegen jeder Fall ein Einzelfall. Die Taten haben höchstens am Rande mit Prägungen zu tun. Und die Statistik ist sowieso rassistisch. […] In der „Me too“-Debatte ist kaum eine Emotion groß genug, Wut ist Trumpf. In der anderen Debatte wird relativiert, dass sich die Balken biegen. Die einen Opfer sind traumatisiert, die anderen Opfer sind nicht selten tot.

3: Kommen wir zum zweiten großen Aufregerthema der Woche, der Liebesgeschichte zwischen Malvina und Diaa, die im November vom Kinderkanal ausgestrahlt wurde, aber nach dem Mord an der 15-jährigen Mia in Kandel erst richtig von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde und so in die Kritik kam. Die FAZ bietet eine gute, auch leicht kritische Zusammenfassung der Debatte.

Am Samstag kam beim Hessischen Rundfunk (HR) eine Wiederholung der Sendung mit anschließender Diskussionsrunde, die aber m.E. eine Farce war, denn man hatte einen Kritiker der Sendung gegen vier Verteidiger antreten lassen, und dieser Kritiker war auch noch von der AfD, so dass das Setting klar war: Nur die Bösen können etwas gegen eine Liebesbeziehung zwischen einer deutschen 16jährigen und einem syrischen Flüchtling haben, dessen Alter nach wie vor ungeklärt ist, aber mit derzeit 20 angegeben ist*. Wenn man also ein kleines Problem darin sieht, dass er bei ihr keine kurzen Röcke akzeptiert, keine männlichen Freunde, die sie auch noch umarmen möchte, wenn er ihr das Kopftuch andient, gegen dass sie sich noch sträubt, aber wenigstens verzichtet sie ihm zuliebe schon auf Schweinefleisch, also wenn man darin evtl. ein Problem sehen könnte, dann kann man ja nur einer dieser ewiggestrigen Rassisten sein.

Die neuesten interessanten Details sind noch nicht im FAZ-Artikel enthalten, nämlich dass Diaa auf seinem Facebook-Profil die Seite des Islamisten-Predigers Pierre Vogel geliked hat, und dafür die fadenscheinige Begründung gibt, er habe an einem Gewinnspiel teilnehmen wollen, aber die Seite nicht inhaltlich erfasst und stehe nicht dazu. Bei dem „Gewinnspiel“ ging es um eine Reise nach Mekka. Und als nächstes taucht noch ein Foto von ihm auf, wo er auf einer Kanone posiert und das auf arabisch kommentiert, dass er Deutschland islamisieren wolle.

* Diaa, der auch noch Mohamed heißt, welcher Name davon der erste ist, blieb bisher unklar, sieht m.E. mindestens aus wie 25, wenn nicht 30, hat einen veritablen Vollbart, in  dem auf manchen Fotos schon ein paar graue Härchen zu sehen sind. Auf seinem Facebook-Profil gibt es 5 Jahre alte Bilder, auf denen er auch schon sehr erwachsen aussieht. Und zudem gibt der HR an, in seinem Pass stünde als Geburtsdatum 1998. Gleichzeitig hat man verkündet, dass er vor kurzem 20 geworden sei. Kann es evtl. sein, dass Mohamed Diaa zufällig am 1. Januar geboren ist, wie zufällig viele andere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge? Wer traut sich, dagegen zu wetten?

Und wie immer in letzter Zeit, hat man zu dem Fall von Feministinnen noch keinen Ton gehört. Wenn das kein syrischer Flüchtling, sondern ein deutscher Mann wäre, er wäre längst als sexistischer Möchtegern-Pascha gebrandmarkt worden.

4: Die Richard Dawkins Foundation hat einen Beitrag von Jeffrey Tayler bei Quilette übersetzt, in dem er die Femen-Aktivistin Inna Schewtschenko porträtiert und interviewt, die sich gegen den Kulturrelativismus und den Verrat der regressiven Linken an ihren ehemaligen Idealen sowie deren Anbiederung an den (politischen) Islam ausspricht.

Der Verrat vieler sogenannter Liberaler, wenn es um das Verhältnis von Islam zu Terrorismus und Frauenrechten geht, hat sie tief getroffen. „So viele auf der Linken – im Englischen heißen sie regressive Linke, aber hier nennen wir sie Islamogauchisten – haben den Manipulationen der Islamisten nachgegeben. Für diese Linke wurde Kommunitarismus – ethnische Identitätspolitik, die eine direkte Verneinung des französischen Ideals der Gleichheit darstellt – eine neue Religion.“ Sie atmet tief ein. „Wenn so viele Menschen, die eigentlich auf deiner Seite stehen sollten, auf die Manipulationen deines Gegners reinfallen, dann fühlst du nur noch Verzweiflung. Es gibt dieses Argument laut dem Kritik am Islam rassistisch ist. Das ist Gift für die öffentliche Debatte. Ich habe kein Problem damit islamphob genannt zu werden. Ich bin tatsächlich sogar religions-phob. Es ist kein Verbrechen, Angst vor Religion zu haben. Als Frau Angst vor Religion zu haben, ist normal.“ […]

Sie hegt großen Zorn gegen diejenigen Liberalen, die darauf bestehen, den Islam nicht zu kritisieren, weil dies in ihren Augen Trump oder Marine Le Pen dabei hilft, ihr Narrativ über Muslime zu verfestigen. Solche „Liberalen“ sagt sie, schlagen ernsthaft vor, „Frauenrechte, Sicherheit, das Wohlergehen kleiner Mädchen, das fundamentale Recht auf Meinungsfreiheit, ja sogar das Recht auf unseren eigenen Lebensstil und die Art wie wir uns kleiden, laut auf der Straße zu lachen, all das aufzugeben, aus Angst nicht mit den Meinungen der Rechtsextremen in Verbindung gebracht zu werden! Für mich ist das keine Lösung, sondern Feigheit und sehr gefährlich. So sind Fremdenfeinde die einzig verbleibenden Islamkritiker, die die Bühne für sich allein haben. Aber dies ist kein Thema für die Rechtsextremen. Es ist ein Thema für die gesamte Gesellschaft. Wenn ich höre, wie Liberale derart sprechen, begreife ich, dass sie und die Islamisten dasselbe wollen: Die Unterdrückung progressiver Stimmen. Wenn man diese Stimmen zum Schweigen bringt, wird man ein Verbündeter des Islamismus.“ […]

Donald Trumps Wahl zum Präsidenten ist „ein perfektes Beispiel, für das Versagen der Demokraten, das Problem beim Namen zu nennen.“ Trump hat mit der Angst der Amerikaner vor der terroristischen Bedrohung gespielt, so dass sie für den einzigen Kandidaten stimmten, der willens war, das Problem anzusprechen.“ Trump, so sagt sie, ist ein „Clown, die Parodie eines Politikers, eines Menschen, ein Cartoon der genauso auch von Charlie Hebdo erdacht sein könnte. Und er gewann, weil die Demokraten es nicht fertigbrachten, ehrlich über den Islam zu reden.“

Zur Gänze lesenswert.

5: Ein Bäcker in den USA muss einem lesbischen Pärchen 135.000 US-Dollar Schmerzensgeld bezahlen, weil er sich aus religiösen Gründen geweigert hat, dem Paar die Hochzeitstorte zu backen. Das Paar fühlte sich „mentally raped“.

In the lawsuit, the two women claimed to have been mentally raped and said that they have suffered 88 symptoms of emotional distress as a result of Sweet Cakes By Melissa refusing to sell them a wedding cake.

6: Zum Abschluss ein Filmtipp: Gestern Abend lief auf der ARD die Dokufiction „Härte“, die wahre Geschichte des ehemaligen Karate-Meisters und Zuhälters Andreas Marquart, verfilmt von Rosa von Praunheim. Marquardt wurde jahrelang von seiner Mutter sexuell missbraucht und geriet unter anderem dadurch auf die schiefe Bahn. Ein wirklich aufrüttelnder, authentischer Film, der unter die Haut geht. Unbedingt ansehen. Trailer gibts schon mal hier:

Kurznachrichten vom 02.12.2017

Arne hat Recht, die Nachrichtenlage ist gerade ziemlich mau. Aber zwei Nachrichten sollten Euch nicht vorenthalten werden.

1: Die AfD hält an diesem Wochenende in Hannover ihren Bundesparteitag ab. Dabei steht auch ein Antrag zum Verbot der männlichen Beschneidung auf dem Programm, und Spiegel Online entblödet sich nicht, das wie folgt zu beschreiben:

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg fordert unter dem Titel „Diskriminierung des männlichen Kindes stoppen“ ein Beschneidungsverbot – was gegen muslimische und jüdische Kinder zielt.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht die Beschneidung verletzt fundamentale Rechte von muslimischen und jüdischen Kindern, nein, deren Verbot würde das tun.

Bei N-TV wird das nicht ganz so krass dargestellt, aber immerhin so:

Und der Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg will mit einem Antrag die „Diskriminierung des männlichen Kindes stoppen“ und fordert ein Beschneidungsverbot, was eine direkte Konfrontation gegen Muslime und Juden darstellt.

Nein, nein, es kann natürlich nicht sein, dass sich der Gottseibeiuns für Menschenrechte einsetzt. Die benutzen arme kleine Jungs ja nur, um ihre Islamophobie und ihren Antisemitismus auszuleben. Wisst Ihr was? Es ist mir sowas von scheißegal, warum sie das tun. Hauptsache, es geht in dieser Sache voran. Traurig ist nur, dass bisher alleine ausgerechnet die AfD sich dafür einsetzt. Die anderen Parteien haben sich damit ja bisher nicht mit Ruhm bekleckert, wo sie doch sonst so gerne die Menschenrechte aufs Schild heben. (Um fair zu sein: Ausgenommen die LINKE, die bei dem epochalen Beschluss des Bundestages am 12.12.2012 zur expliziten Erlaubnis der männlichen Beschneidung mehrheitlich dagegen gestimmt hat.)

2: Lauren Southern ist auf eine feministische Demo gegangen und hat den protestierenden Feministinnen eine einfache Frage gestellt. Die Antworten sind bezeichnend:

 

Kurznachrichten vom 20.11.2017

1: Die Süddeutsche Zeitung berichtet darüber, dass man an Schwedens Universitäten eine Frauenquote für alles einzuführt, was in Seminaren gelesen wird – nicht nur Sekundär-, sondern auch Primärliteratur, und welche aberwitzigen Folgen das hat. Der Beitrag von Thomas Steinfeld ist für die SZ ungewohnt kritisch, was Berichte über die absurden Auswüchse von Political Correctness angeht.

Politisch brisant ist das Versprechen der „Normkritik“ aus mehreren Gründen. Zum ersten verwechselt es das aus den Idealen der Demokratie hervorgehende Prinzip der „Gleichberechtigung“ mit dem Prinzip der „Gleichstellung“. Dabei handelt es sich aber nicht um dieselbe Sache. Denn während die „Gleichberechtigung“ auf die Voraussetzungen zielt, unter denen ein Mann, eine Frau oder wer auch immer sich in die Wechselfälle des gesellschaftlichen Lebens begibt, verlangt das Prinzip „Gleichstellung“, die Dinge umgekehrt, also vom Resultat her, zu betrachten.

„Gleichgestellt“ kann eine Gesellschaft erst dann sein, wenn jede ihrer Fraktionen im gesellschaftlichen Leben angemessen repräsentiert ist, weshalb das Prinzip „Gleichstellung“ dem Prinzip „Gleichberechtigung“ zumindest latent widerspricht: Wenn die Ergebnisse aller Anstrengungen immer die gleichen sein sollen, wird man auf unterschiedliche Voraussetzungen Rücksicht zu nehmen haben. Dann muss man Menschen absichtlich ungleich behandeln, um am Ende Gleichheit erzeugen zu können – irgendwann vielleicht. Weil solche Ungleichbehandlungen aber durchgesetzt werden müssen, immer und überall, setzt das Prinzip der „Gleichstellung“ eine permanente Kontrolle aller gesellschaftlichen Aktivitäten voraus. „Gleichstellung“ ist deswegen ohne einen autoritären Staat nicht zu haben.

In der Tat ist das ungewöhnlich deutlich für die Verhätnisse der SZ, insbesondere der letzte Satz, den auch Fefe in einem süffisanten Kommentar herausstellt.

2: Ein Oberster Richter aus dem Bundesstaat Ohio, Bill O’Neill, der auch für den Senatsposten in Ohio kandidiert, prahlte mit seinem Sexleben, um klarzustellen, dass für ein politisches Amt absolute moralische Reinheit nicht vonnöten sei. Natürlich gab es einen entsprechenden Shitstorm und O’Neill musste teilweise zurückrudern.

3: Ein AfD-Abgeordneter fragt im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern die SPD-Frau Nadine Julitz eine ganz einfache Frage, nämlich wieviele Geschlechter es ihrer Ansicht nach gebe. Was die Befragte ganz gehörig ins Stottern bringt.

4: Nur der Vollständigkeit halber: Das Urteil gegen Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung ist nun endgültig rechtskräftig.

5: Und nun zum Boulevard und zur toxischen Weiblichkeit: Eine Frau beauftragt einen Auftragskiller für ihnen Mann und wird dabei ertappt.

Kurznachrichten vom 07.11.2017

1: Peter Pilz hat Vorwürfe der sexuellen Belästigung am Hals. Pilz ist der ehemalige österreichische Grüne, der von den Grünen aus der Partei gemobbt wurde, eine eigene Liste gründete und mit ihr auf Anhieb bei der Nationalratswahl ins österreichische Parlament einzog, während die Grünen an der 4-Prozent-Hürde scheiterten, indem sie mehr als 2/3 ihrer Wählerstimmen verloren haben.

Pilz will wegen der Vorwürfe sein Mandat im Parlament (möglicherweise nur vorläufig) nicht antreten. Die Vorwürfe kommen von einer ehemaligen Assistentin, die sich aus seiner in einer Pressekonferenz dargelegten Sicht offensichtlich eine schnellere Karriere in seinem Umfeld erwartet hat.

Anfang Dezember meldet sich die Assistentin von Pilz krank. Eine Woche später passt ihn am Ausgang des Weißen Salons im Grünen Klub [die Grünen-Chefin] Eva Glawischnig ab. […] Glawischnig konfrontiert ihn mit der Beschwerde wegen sexueller Belästigung. Pilz fragt nach, will die konkreten Vorwürfe erfahren, aber das wird ihm verweigert.

Was dann folgt, ist für die Grünen fast ein absurdes Vorgehen. Die grüne Parteichefin will ein Urteil ohne Öffentlichkeit, schildert Pilz in seinem Tagebuch. Es soll vermieden werden, dass sich die Assistentin an die Gleichbehandlungsstelle wendet.

Der Vorschlag von der Parteispitze lautet so: Die Grünen wollen mehrere Juristen bestellen. Diese sollen die Vorwürfe von der Betroffenen prüfen, mit Pilz und der Assistentin Gespräche führen und dann ein Urteil fällen. „Das hätte ich akzeptieren sollen“, so Pilz. Also quasi eine Art Schiedsgericht. Etwas, was gerade die Grünen bei TTIP vehement bekämpfen. […]

Alle Vorwürfe kennt er bis heute nicht. „Zuerst meinte Glawischnig, es seien nur verbale Vorwürfe. Dann kamen plötzlich Berührungen dazu. Und aus zehn wurden vierzig.“ Geklärt wurde die Causa nie, weil die Betroffene jedes Verfahren ablehnte.

Für mich ist die Sache oberfaul. Erst Vorwürfe erheben, dann aber weder genau sagen, was eigentlich passiert sein soll, noch sich einem vernünftigen Verfahren zur Klärung stellen, das ist nur allzu verdächtig. Entweder ist das eine Racheaktion, um sich für die subjektiv mangelnde Unterstützung bei der Karriere zu rächen, oder ein Vorwand, den die Grünen benutzen, um Pilz aus welchen Gründen auch immer loszuwerden.

In einem anderen Artikel vom Standard (schon vom Samstag) wird gemutmaßt, dass diese Geschichte überhaupt erst der Anlass gewesen sei für die schlechte Behandlung von Pilz bei den Grünen und damit sein Entschluss, eine eigene Liste zu gründen.

2: In Pfaffenhofen hat ein Mann eine Sachbearbeiterin des Jugendamtes als Geisel genommen, weil seine Tochter gegen seinen Willen in eine Pflegefamilie überstellt wurde. Den Eltern wurde offensichtlich das Sorgerecht aberkannt.

Update: Ich wollte ja eigentlich (Frau Schwarzer zu Ehren) schreiben: „Einer hat es getan. Jetzt könnte es jeder tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für entsorgte Väter kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden.“ Aber nein – <auf-die-finger-klopf-aua> – wir wollen hier ja ein seriöser Blog sein.

3: In der Schweiz wird jetzt ebenfalls eine 30%-Frauenquote in den Führungsetagen von Unternehmen eingeführt.

4: Ebenfalls in der Schweiz gibts laut watson.ch Ärger wegen Werbespots der Uhren-Firma Breitling, die „Experten“ als sexistisch ansehen. Die einzige Expertin, die der Artikel allerdings auffährt, ist Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich. Ansonsten strotzt der Artikel wieder mal nur so vor den üblichen Buzzwords „stereotype Rollenbilder“, „Geschlechterklischees“, der „männliche heteronormative Blick“, usw.

Ihr könnt es Euch ja selbst anschauen. Beim ersten Spot könnte ich es ja noch halbwegs verstehen.

Aber beim zweiten wirklich nicht mehr.

5: Auch wenn Genderama schon berichtet hat: Wer Michelle Obama für eine tolle zukünftige US-Präsidentin hält, der sollte sich anhören, was sie über Jungs zu sagen hat. Die werden nämlich ihrer Ansicht nach gehätschelt und besser behandelt als Mädchen, so dass sie zu einer Anspruchshaltung erzogen werden. Wie sich das verträgt mit der fast flächendeckend schlechteren Schulbildung der Jungs in der westlichen Welt, seitdem die Erziehung auch an den Schulen weitgehend in weiblicher Hand ist, bleibt ihr Geheimnis.

Or are we protecting our men too much so that they feel a little entitled and a little, you know, self-righteous sometimes?

Oh ja, wir beschützen Männer viel zu sehr. Deswegen müssen ja auch vorwiegend Frauen den Arsch hinhalten bei der Polizei und der Feuerwehr. Und in den Krieg ziehen müssen sie ja auch noch, wenns mal wieder soweit ist. Was haben wir Männer doch für ein tolles Leben auf Kosten der Frauen.

Kurznachrichten vom 03.11.2017

1: Die Saarbrücker Zeitung berichtet über zwei Männer aus unterschiedlichen Herkünften, die unter ihrer Beschneidung leiden und diese deshalb bei ihren Söhnen unterlassen, aber sich auch darüberhinaus für ein Verbot von Jungenbeschneidung  beim Verein Mogis einsetzen.

2: Die Mädchenmannschaft feierte ihr 10jähriges Jubiläum. Anlässlich dessen hat Magda Albrecht einen persönlichen Rückblick geschrieben.

Was hat das Schreiben, Shitstormen und Diskutieren eigentlich gebracht? In letzter Zeit bin ich oftmals zynisch und denke: Alles schon gesagt, analysiert, kritisiert. Und trotzdem verändert sich die – pardon – Gesamtscheiße nicht wirklich. Oder besser gesagt: zu langsam. Gesellschaftliche Veränderung kann mit Breitbandgeschwindigkeit nicht mithalten. […]

Ich war sehr stark vom bildungsbürgerlichen Glauben motiviert, dass Diskussion und die „richtigen“ Argumente schon ausreichen, um Menschen von der Wichtigkeit feministischer Perspektiven zu überzeugen.

Also, ich vermute, bei einigen Autoren und Lesern dieses Blogs hier wird das auch nichts mehr. Selbst von etwas überzeugt sein, reicht eben nicht, um andere zu überzeugen, und vielleicht hat man auch einfach nicht die richtigen Argumente.

3: Mit diesen oder zumindest ähnlichen Argumenten haben Studenten der Gender Studies in Bochum das Plakat der Fachschaft Chemie für deren Party als sexistisch inkriminiert. Darauf trinken Frauen aus Reagenzgläsern, die eindeutig als Phallussymbole identifiziert wurden.

1-1-Plakat-juma

Danisch hat’s gefunden, hier gibt’s den Anreißer und auch der volle Artikel ist lesenswert. Anlässlich dieses Vorfalls wurde ein Arbeitskreis der FachschaftsvertreterInnenkonferenz (FSVK) gegründet, der sich der Erarbeitung von möglichen Leitlinien für die Werbung an der Ruhr-Uni Bochum (RUB) widmet.

Der Arbeitskreis traf sich das erste Mal im August und wurde vor allem von VertreterInnen des FSR Chemie und Biochemie sowie des FSR Gender Studies besucht. Der Fokus der Gruppendiskussion lag bei mehreren Treffen auf besagtem Plakat mit den Reagenzgläsern, das von KritikerInnen als pornographische Cumshot-Anspielung interpretiert worden war, während die ChemikerInnen von dieser geschilderten, von ihnen unbeabsichtigten Assoziation überrascht waren. Sie hätten dieses Element des Plakatdesigns lediglich wegen dem bei der Party praktizierten Alkoholtrinken aus Reagenzgläsern gewählt sowie im Zuge ihres Gesamtkonzepts des optischen Anspielens an chemische Gefahrensymbole. […]

Doch auch nach der Klärung der Missverständnisse ging die Diskussion zum Plakat weiter, vor allem wegen der Frauensilhouette an sich, welche Jan Nastke vom FSR Gender Studies als charakteristische Darstellung einer Stripperin analysierte – und dementsprechend als für eine Party unpassendes Suggerieren sexueller weiblicher Verfügbarkeit.

Wisst Ihr, was sich mir da für ein Eindruck aufdrängt? Die blühendsten sexuellen Phantasien scheinen hier offensichtlich die Leutchen aus den Gender Studies zu haben, während die Chemiker eher arglos waren. Sagt mal, wie sieht so ein Studium in Gender eigentlich aus? Gucken die Pornos in den Seminaren und zur Exkursion geht’s dann in Table-Dance-Bars oder gleich ins Bordell? Ich meine, woher haben die dieses Fachwissen? Warum werben die damit nicht offensiver? Das würde doch sicher noch mehr Interesse für diesen Studiengang wecken, vor allem endlich auch mal bei Männern!

Irgendwie erinnert mich das an einen alten Witz: Die Polizei wird zu einer alten Dame gerufen. Sie sagt zum Polizisten: „Herr Wachtmeister, kommen sie schnell! Drüben im Haus gegenüber treiben zwei in aller Öffentlichkeit Unzucht!“ Der Polizist lässt sich zum Fenster führen, schaut hinaus und meint: „Hmm, ich sehe aber gar nichts.“ Meint die alte Dame: „Ja, sie müssen schon auf den Stuhl steigen und durchs Oberlicht sehen!“

Die Gender Studies-Leutchen, die sind wie diese Omi.

4: Achtung, harter Umschwung: Eine Frau will ihren Ehemann vergiften, vergiftet dabei aber versehentlich 27 Menschen, 17 davon tödlich. Klingt nach diesem Satz nach klassischer toxischer Weiblichkeit, aber so einfach ist es nicht. Die Frau wurde nämlich erst wenige Wochen vorher zwangsverheiratet und hatte bereits einen Geliebten, was ihre Eltern aber nicht interessiert hat. Das ist eine ganz bittere, traurige Geschichte und ich tue mir schwer, mir ein Urteil zu erlauben. Vielleicht hat sie wenigstens etwas Gutes und sie hilft mit, andere von Zwangsheiraten abzuschrecken. Aber viel Hoffnung habe ich nicht.

5: Die nächste Geschichte ist auch traurig, aber gleichzeitig so absurd, dass man sie Buzzfeed-mäßig ankündigen kann: Eine Frau treibt ihr Kind ab – und den Grund dafür werdet ihr kaum glauben!

Update: Das ist Satire, der ich wohl aufgesessen bin, wie unten in den Kommentaren berichtigt wird. Heutzutage passieren so viele bescheuerte Dinge, dass ich das für plausibel gehalten habe.

6: Und nochmal wird es ganz übel. Ein ägyptischer Anwalt sagt in einer TV-Diskussion,

dass es eine „nationale Pflicht“ sei, Frauen zu vergewaltigen, die zerrissene Jeans tragen. Er verteidigte seine Aussage damit, dass Frauen mit solch freizügiger Kleidung Männer buchstäblich dazu einladen würden, sie zu belästigen.

Die Aussage des Anwalts sorgte in Ägypten für einen Aufschrei.

Hierzulande natürlich nicht. Ich habe von unseren Feministinnen noch keinen Ton zu der Angelegenheit gehört, dabei ist die Geschichte auch schon ein paar Tage alt. Kein Wunder, das ist ja auch lange nicht so schlimm, als wenn ein weißer Mann ein Kompliment macht.

Kurznachrichten vom 31.10.2017

1: Eine neue Wendung in der aktuellen Weinstein-Sexismus-Debatte: Es gibt jetzt ein erstes männliches Opfer in der Hollywood-Filmindustrie, den Schauspieler Anthony Rapp. Und der Beschuldigte ist niemand geringeres als Kevin Spacey, einer der bekanntesten Schauspieler Hollywoods (American Beauty, Sieben, L.A. Confidential, Die üblichen Verdächtigen). Spacey hat sich daraufhin umgehend als schwul geoutet. Er ist derzeit vor allem als Hauptdarsteller der Serie „House of Cards“ bekannt, die nach der sechsten Staffel jetzt eingestellt werden soll. Ob die Belästigungsvorwürfe Grund dafür sind, ist unklar, es sieht aber danach aus.

2: Thomas Gesterkamp betreibt mal wieder Männerrechtler-Bashing bei der taz. Linke Männerrechtler gibt es seiner Ansicht nach nicht, das ist alles nur Mimikri und Kreidefressen.

Die Namen der Zusammenschlüsse sollen harmlos klingen, am besten progressiv und aufklärerisch. Doch in Wirklichkeit handelt es sich um Frauenhasser und Anti-Gender-Aktivisten.

Frauenhasser ist man für Leute wie Gesterkamp, wenn man Frauen nicht gleich jeden Wunsch den Augen ablesen und erfüllen will. Oder ihnen sogar Selbstverantwortung zutraut. Oder für gleiche Beteiligung bzw. Bezahlung auch gleiche Leistung verlangt. Wie schrecklich!

Ich habe unter dem Artikel der taz einen Kommentar geschrieben, aber da ich bezweifle, dass er veröffentlicht wird, kann ich ihn ja schon mal hier veröffentlichen:

Das klingt nach einer ausgewachsenen Verschwörungstheorie, die Gesterkamp hier ausbreitet.

Wie das mit dem „keine Bühne bieten“ für unliebsame Meinungen in der Praxis aussieht, und dessen Erfolg, konnte man gerade wunderbar auf der Frankfurter Buchmesse beobachten.

Langfristig wird es keine Geschlechterpolitik mehr geben, bei der nur die Interessen der Frauen zählen, und Alibi-Vereine von feministischen Gnaden wie das Bundesforum Männer, die zwar mit üppigem Etat ausgestattet sind, aber wichtige Interessen von Männern lieber nicht ansprechen (Es nicht zu tun, dafür wurden sie ja auch gegründet), am Rande Fähnchen winken dürfen.

Gesterkamp fürchtet um die feministische Hegemonie in der Geschlechterdebatte, und das zurecht. Aber lasst es Euch nochmal ins Stammbuch schreiben: Wenn Linke noch länger meinen, sie könnten Interessen von Männern ignorieren, werden diese Männer eben rechts wählen. Ihr habt den Schuss anscheinend immer noch nicht gehört. Die Parteien, die Feminismus fest im Programm haben (SPD, Grüne, Linke), wurden mit zusammen unter 40% eben krachend abgewählt.

Das liegt vor allem daran, dass das linke Lager sein wichtigstes Ideal, den Universalismus verraten hat. Man kümmert sich nicht mehr um alle, sondern nur noch um Minderheiten, denen Sonderprivilegien eingeräumt werden. Anrecht auf Mitleid und Hilfe haben nur noch diese, wer nicht zu den anerkannten Opfergruppen gehört, leider nicht. Das, mit Verlaub, ist das Gegenteil von links und „progressiv“.

Da bin ich doch froh, dass es da noch ein paar Männerrechtler gibt, die die Ehre der Linken unter den Männern zu retten versuchen.

3: Harald Martenstein kommentiert das Bestreben des Asta der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, der ein Gedicht Eugen Gomringers von der Fassade entfernen lassen will, weil es angeblich Frauen herabsetze.

4: Einen ausgewogenen Kommentar zum Kopftuchstreit von Hamed Abdel-Samad kann man beim hpd lesen.

5: In der Schweiz suchen die Kernzellen des althergebrachten Patriarchats, das Handwerkergewerbe, händeringend nach jungen Frauen, die die Vorherrschaft der Männer endlich brechen wollen – nur leider zieren die sich und bleiben lieber bei den üblichen Berufswünschen.

Es gibt zwar offene Stellen, die Berufe interessieren die Jungen [schweizerisch: junge Menschen, d.A.] aber nicht. Statt etwa als Gipserin zu arbeiten, warten viele Schulabgänger lieber im Zwischenjahr auf ihre Traumstelle, etwa als medizinische Praxisassistentin.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund will ihnen nun einen Job in den beliebten Berufen verschaffen, indem er eine Aufstockung der Lehrstellen «vor allem für mehrheitlich weiblich geprägte Berufsfelder wie Gesundheit und Soziales» fordert, wo die Betriebe heute zu wenig Lehrstellen anbieten würden.

Was natürlich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Arbeit in diesem Sektor weiter für die Arbeitnehmer verschlechtert. Hinterher beschwert man sich dann wieder über schlechte Bezahlung. Währenddessen tun die Verantwortlichen doch wirklich alles, um das Handwerk für Frauen schmackhaft zu machen:

Um den Beruf für junge Frauen attraktiver zu gestalten, wurde bei der Lehre als Fleischfachfrau die Fachrichtung «Feinkost und Veredelung» geschaffen. Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen ist nicht Teil der Ausbildung, dafür etwa die kreative Herstellung von kalten Platten. «Diese Arbeiten entsprechen Frauen eher», sagt Bildungsleiter Philipp Sax.

Na wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht. Wobei: Ist das nicht sexistisch, Frauen die Lust am Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen abzusprechen? Frau Stokowski, übernehmen Sie!

6: Und nun ein paar ältere Links, die sich bei mir angesammelt haben, die aber, soweit ich das überblicke, bisher weder von Arne auf Genderama noch sonstwo in der Blogosphäre erwähnt wurden.

Passend zur letzten Nachricht: Im Juli starb mit nur vierzig Jahren eines der größten Genies unserer Tage, die Mathematikerin Maryam Mirzakhani. Bezeichnenderweise gab es auf feministischen Seiten dazu nur Schweigen im Walde. Die Gelegenheit, eine Heldin aus dem MINT-Bereich zu würdigen, ließ man einfach verstreichen. Ich vermute, deshalb, weil Feministinnen sich zwar immer lauthals beschweren über die geringen Frauenquoten in dem Bereich, sich selbst aber auch nicht wirklich dafür interessieren.

7: Passend zur aktuellen Moralpanik mit allerlei gouvernantenhaften Versuchen zur Setzung von neuen Verhaltensregeln für Männer, aber schon vom August: Katja Lewina erklärt bei jetzt.de: „Warum Feministen die besseren Liebhaber sind“ Die Kommentatoren darunter stoßen ihr entsprechend Bescheid.

8: Meredith Haaf fragte im Rahmen der Kopftuchdebatte bei der SZ: „Wie islamfeindlich ist der Feminismus?“ und zeichnet da wieder einmal die Konfliktlinien zwischen zweiter und dritter Welle, oder auch der Schwarzer-Emma-Fraktion und der eher intersektionalen Fraktion nach. Haaf ordnet sich der dritten Welle zu. Die Konfliktlinien sind vor allem drei Themengebiete. Die Emma-Fraktion ist gegen Islam, gegen Porno und gegen Prostitution, die dritte Welle ist jeweils dafür. Als rechtspopulistisches, patriarchales Arschloch (wie man heute wirkliche Linksliberale halt so nennt) bin ich natürlich beim Islam auf Seiten der Emmas, bei den beiden anderen auf Seiten der dritten Welle.

Selbstverständlich spricht Haaf sich gegen ein Kopftuchverbot aus, allerdings m.E. aus den falschen Gründen. Sie kritisiert z.B. die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes, weil diese ein Kopftuchverbot für Minderjährige forderte, mit den Worten:

Soll der westliche Säkularismus in all seiner bleichen Glorie als Leitideal wirklich an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft – Kindern – exerziert werden?

Ja, ich frag mich ja auch, ob man durch Altersgrenzen bei Porno- und Horrorfilmen, beim Führen von Fahrzeugen, beim Schusswaffengebrauch, beim Konsum von Alkohol und Tabak nicht auch bleiche Leitideale an den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft exerziert. Und wieso sollte man die Freiheit von Kindern beschränken, sich mit fünf Jahren völlig frei für eine Beschneidung zu entscheiden, mit der Aussicht, der Mittelpunkt einer großen Feier zu sein und viele Geschenke zu bekommen? Warum sollte man achtjährige Mädchen davon abhalten, den 40-jährigen Mann ihrer Träume zu heiraten? Also was sollte denn dagegen sprechen, dass Kinder schon von kleinauf lernen, dass sie mit einem Kopftuch zu den ehrbaren Frauen gehören, während diejenigen, die es nicht tun, Schlampen sind? Und die Jungs lernen das gleich mit? Ich komm einfach nicht drauf.

9: Ab und zu ist man auch positiv von Plattformen überrascht, die man eigentlich für ziemlichen Schrott hält. Vice.com (ja, genau die) brachte einen Beitrag, der sich kritisch mit der allgemein üblichen Berichterstattung auseinandersetzt, wenn männliche Minderjährige von erwachsenen Frauen „verführt werden“. Chapeau!

10: Zum Abschluss würde ich Euch gerne noch eine Reportage von Birgit Schrowange vorstellen, die schon länger im Netz kursiert. Es geht dabei um neue Wohnprojekte für Flüchtlinge in Ludwigshafen, für das einheimische sozial Schwache aus ihren Wohnungen geworfen wurden, in denen sie zum Teil schon Jahrzehnte gewohnt haben. Es ist quasi ein Lehrstück dafür, wie man mit falschen kommunalen Entscheidungen die AfD stark macht.

Aber darum geht es mir eigentlich gar nicht, sondern um eine kleine Sequenz, bei der es darum geht, wer von den nun Heimatlosen den rar gewordenen Sozialwohnungsraum bekommen sollte. Zieht Euch das mal ab Minute 14:27 rein und achtet auf das, was Birgit Schrowange dem Flüchtlingshelfer Hans-Werner antwortet:

Um Schrowange im Wortlaut zu zitieren:

Jetzt sind mal die anderen dran, meint Hans-Werner. Ich denke, dass zumindest alle Frauen und Kinder hier unterkommen sollten.

Genau, während die Männer ruhig mal unter Brücken schlafen können.

Und das sagt sie mit einer Selbstverständlichkeit ohne jeden Selbstzweifel, wie sie typisch ist, weil so etwas gar nicht mehr wahrgenommen wird. Frauen und Kinder haben selbstverständlich mehr Anrecht darauf als Männer, dass ihnen geholfen wird. So ist das eben in einem frauenunterdrückenden Patriarchat.

%d Bloggern gefällt das: