Fundstücke: Frauen als Heldinnen in Filmen

Erinnert sich noch jemand an die36 Fragen an Männer“?

Im Blog „Apokolokynthose“ hat der Autor seinerzeit nicht nur ebenfalls in drei Teilen geantwortet, sondern die als Frage getarnte Unterstellung, Männer würden keine Filme mit weiblichen Heldinnen mögen, als Initialzündung dafür genommen, eine ganze Reihe von Filmen zu nennen, die eine weibliche Hauptfigur / Heldin haben. Es sind sogar echte Klassiker des modernen Kinos dabei – soviel zu dem Mythos, „starke Frauen“ hätte es früher nie gegeben und man hätte die paar modernen Erzählungen mühevoll dem Patriarchat abringen müssen.

Frauenfilme:

  1. Terminator
  2. Alien
  3. Resident Evil
  4. Hunger Games
  5. Sucker Punch
  6. Silent Hill
  7. Silent Hill 2

P.S.: Und damit haben wir es tatsächlich geschafft, den gesamten August über jeden Tag einen Artikel zu bringen! Ich hoffe, das gibt Motivation für den September.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Gibt doch viel schöner Sachen mit „36“ im Titel als Fragen…

Rhythms del mundo featuring 2raumwohnung: 36grad

Fundstück: Das Gesetz der großen Zahlen

Statistik wird leider immer wieder falsch verstanden – oder sogar absichtlich falsch gedeutet. Um anderen letzteres schwer zu machen, bringe ich heute ein Statistik-Fundstück.

Das „Gesetz der großen Zahlen“ lautet:

Das Gesetz der großen Zahlen besagt, dass sich die relative Häufigkeit eines Zufallsergebnisses immer weiter an die theoretische Wahrscheinlichkeit für dieses Ergebnis annähert, je häufiger das Zufallsexperiment durchgeführt wird.

Erläutert wird so etwas gerne mit einem einfachen Zufallsexperiment, etwa einem Münzwurf. Bei einer perfekt ausbalancierten Münze wäre die Wahrscheinlichkeit für jede Seite 50%. Die zitierte Mathepedia liefert ein Zahlenbeispiel. Das Interessante hierbei ist: Der absolute Abstand wächst, der relative schrumpft!

Absolute Zahlen können also ungleich sein – und trotzdem stimmt das große Ganze. Angenommen, in einer Welt ohne Diskriminierung gäbe es gleich viele Männer und Frauen, die sich auf Stellen bewerben; sie seien ansonsten auch gleich gut qualifiziert etc. Ich zähle nun, wie viele Frauen unter den Neueinstellungen waren. (Es muss schon eine große Menge an Neueinstellungen insgesamt sein, damit das Gesetz der großen Zahlen wirkt.) Mit einer wachsenden Anzahl von Fällen kann die Differenz zwischen der absoluten Anzahl an Männern und Frauen immer weiter wachsen – und dennoch bewegt sich der Frauenanteil auf 50% zu. Es gibt also selbst in diesem Szenario keinerlei Grund, früher erfolgte Mehreinstellungen von Männern bewusst „auszugleichen“. Der Frauenanteil bewegt sich schon automatisch auf die 50%-Marke zu.

Häufiger wird jedoch in die falsche Richtung gedacht und fälschlicherweise von den großen auf die kleinen Zahlen geschlossen. Dabei muss sich die Grundgesamtheit ja gerade nicht in jeder kleineren Zahl wiederfinden:

Der Spielerfehlschluss: Der Zufall hat kein Gedächtnis:

Der Spielerfehlschluss ist ein Ergebnis des „Gesetz der kleinen Zahlen“ – dem intuitiven Irrglauben, dass kleine Stichproben repräsentativ für das große Ganze sind. Der Fehler liegt letztlich in einer vorschnellen Verallgemeinerung begründet, also dem gleichen Mechanismus, der auch das Bilden von Vorurteilen begünstigt.

Drei typische Irrtümer bestehen darin,
a) hinter jeder kleinen „lokalen“ Ungleichheit ein Zeichen einer großen Verschwörung / Diskriminierung zu sehen
b) zu unterschätzen, wie groß eine Stichprobe sein muss, damit sie repräsentativ ist
c) von 50% auszugehen, wenn die Voraussetzungen gar nicht wie in obigem Beispiel mit einer ausgewogenen Anzahl Bewerbern, die auch noch alle gleichwertig sind, gegeben sind

Insbesondere politische Bewegungen, die jedes Alltagserlebnis in einen großen Zusammenhang einbetten, sind anfällig für solche Fehler. Die Mathematik selbst gibt das jedoch gar nicht her.

bisherige Beiträge über Statistik:

  1. Narrative und Statistik
  2. Lügen mit Statistik
  3. Studie falsch ausgewertet
  4. Frauen in DAX-Vorständen
  5. Die bedingte Wahrscheinlichkeit
  6. Mythos: jede dritte Frau in der EU von Gewalt betroffen
  7. Mythos Gender Pay Gap

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Zahlen lügen nicht“ – das weiß auch diese Indieband.

The Mynabirds: Numbers Don’t Lie

Fundstück: Spaß mit Männerhass – Folge 2

Diesmal geht es um einen Leserbrief bei Genderama, bei dem verschiedene Überschriften und Einleitungen von Artikeln zitiert werden, die bei der „Zeit“ erschienen sind. Interessant ist hierbei, dass laut dem Leser alle gleichzeitig auf der Startseite der „Zeit“ zu sehen waren. Es handelt sich also um eine Momentaufnahme, nicht um eine Sammlung über längere Zeit. Ich habe nur die Quellen ergänzt:

Die Welt wird weiblicher – Sicherheit, Fleiß, Gefühle zeigen und Idealismus. Die Werte von Jugendlichen werden weiblicher. Das ist gar nicht so langweilig, sondern ganz schön emanzipiert.

(Quelle)

Weibliches Formen – Warum sind die bekanntesten Designer der Welt allesamt Männer? Daran, dass es zu wenig talentierte Frauen gibt, kann es nicht liegen. Zeit, dass sich daran etwas ändert.

(Quelle)

‚Jungs kommen in meinen Bildern nicht vor‘ – Sie ist erst 22 und schon eine feministische Ikone: Petra Collins fotografiert eine neue junge Weiblichkeit, inklusive Pickeln, Glitzernagellack und manchmal auch Blut.

(Hier wurde bei der Quelle der Titel geändert! Das Original ist jedoch noch in den Metadaten und die ursprüngliche Beschreibung findet man im Index der Ausgabe.)

Ohne Männer und andere Kompromisse – Vier Frauen aus drei Generationen erfinden für sich den Familienurlaub neu. Gemeinsam erobern sie vom Rheinland aus die Welt. Allen voran: die 87-jährige Oma Hilde

(Quelle)

Wie der Leser selbst bereits feststellt:

So banal jeder einzelne dieser Artikel für sich genommen auch ist – in ihrer puren Fülle veranschaulichen sie das Bild doch ziemlich gut. (…) Wie soll ein Junge oder junger Mann denn bei dieser Dauerbeschallung ein positives männliches Selbstbild entwickeln, wenn ihm ständig eingetrichtert wird, dass er a) überflüssig, b) eine Last oder c) gar eine Gefahr für die Gesellschaft sei (…)?

Es gehört keine große Mühe dazu, die unten erwähnten Spielregeln dahingehend zu ergänzen, „Frau“ oder „weiblich“ durch den jeweiligen Gegensatz zu ersetzen, mit dem „Mann“ oder „männlich“ ersetzt wird. Dann bekommt man plötzlich folgende Texte angeboten:

Die Welt wird arischer – Sicherheit, Fleiß, Gefühle zeigen und Idealismus. Die Werte von Jugendlichen werden arischer. Das ist gar nicht so langweilig, sondern ganz schön emanzipiert.

Arisches Formen – Warum sind die bekanntesten Designer der Welt allesamt Juden? Daran, dass es zu wenig talentierte Arier gibt, kann es nicht liegen. Zeit, dass sich daran etwas ändert.

‚Schwarze kommen in meinen Bildern nicht vor‘ – Sie ist erst 22 und schon eine weiße Ikone: Petra Collins fotografiert eine neue junge Weißheit, inklusive Pickeln, Glitzernagellack und manchmal auch Blut.

Ohne Ausländer und andere Kompromisse – Vier Deutsche aus drei Generationen erfinden für sich den Familienurlaub neu. Gemeinsam erobern sie vom Rheinland aus die Welt. Allen voran: die 87-jährige Oma Hilde

Beispiel 1 könnte von einem begeisterten Anhänger der NS-Rassenlehre stammen. Beispiel 2 wird noch stärker, wenn man „Formen“ / „Designer“ durch „Buchhalten“ / „Bankiers“. Dann ist man bei der klassischen Verschwörungstheorie angelangt und die Folgeformulierungen („daran kann es nicht liegen“, „etwas muss sich ändern“) wirken umso schauerlicher. Beispiel 3 ist das vielleicht schwächste. Das liegt daran, dass der Text völlig fremd wirkt. Allein schon das Zuschaustellen einer spezifisch empfundenen „weißen“ Identität dürfte Zweifel an der geistigen Gesundheit erzeugen. Beispiel 4 ist natürlich etwas unfair, denn „die Welt erobern“ war ursprünglich nicht wortwörtlich gemeint und da besagte Oma Hilde alt genug ist, um den 2. Weltkrieg noch bewusst miterlebt zu haben, wirkt es jetzt so, als habe sie nichts daraus gelernt.

Zur Erinnerung: die Spielregeln

Nur ein kleiner Test:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Fundstücke mit Quellangabe einfach in die Kommentare schreiben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es diesmal um die Medien ging, ein Lied von einer Band, die die Nachrichten im Namen trägt…

Huey Lewis and the News: Jacob’s Ladder

Der Weg des Jack Donovan. Teil 2: »The Way of Men«

(Teil 1: »Androphilia«)

In »The Way of Men« unternimmt Donovan den Versuch, nachzuliefern, was er seit Erscheinen von Androphilia als Desiderat wahrgenommen hatte: eine positive Definition dessen, was er unter »Männlichkeit« versteht. »Positiv« nicht nur im Sinne einer Wertung (die lag schon in Androphilia vor), sondern im Sinne einer detailliert begründeten Definitionssetzung. Dazu bestimmt er einen elementaren Situationstyp, auf den »Männlichkeit« anthropologisch zugeschnitten ist, und entfaltet sodann eine Beschreibung von Merkmalen, die Männer zur Bewältigung von Situationen dieses Typs entwickelt haben. Dazu erinnert er daran, dass die ursprüngliche Lebensform des Homo Sapiens darin bestand, sich in kleinen, relativ isolierten Sippenverbänden und mit nur temporären Lagerplätzen in Abhängigkeit von Witterung und Nahrungsangebot über die Erde zu bewegen. Eine elementare Situation des Mannes bestand also darin, auf dem Marsch und beim Lagern einen Sicherheitsbereich der Gruppe gegen die Umwelt abzustecken sowie diesen zu überwachen und bei Bedarf zu verteidigen.

Weiterlesen „Der Weg des Jack Donovan. Teil 2: »The Way of Men«“

Fundstück: Spaß mit Männerhass – Folge 1

Fangen wir die neue Serie an mit einem kleinen Fundstück ganz in der Tradition der „Ausländerschritte“ aus der taz. Aufgegabelt hat es Christian Schmidt auf Alles Evolution:

Ich wurde zum Glück noch nie belästigt auf der Straße. Aber mulmig ist mir trotzdem, wenn ich Männern alleine begegne.

(Quelle: Kopfpampe auf Twitter)

Christian greift es ganz locker auf:

Die klassische Gegenprobe:

„Ich wurde zum Glück noch nie belästigt auf der Straße. Aber mulmig ist mir trotzdem, wenn ich Ausländern alleine begegne.“

Die meisten wären sich einig, dass es Rassismus wäre.

Und genau so sollte man es mit solchen Beispielen machen!

Zur Erinnerung: die Spielregeln

Nur ein kleiner Test:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Fundstücke mit Quellangabe einfach in die Kommentare schreiben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem passenden Lied zum heißen Sommer.

Bananarama: Cruel Summer

Kurznachrichten vom 26.08.2016

1: Weiteres zum Fall Gina-Lisa Lohfink, nachdem ich heute Nacht bereits eine Replik zu Anne Wizoreks neuestem Elaborat gebloggt habe:

In der neuen Kolumne von Don Alphonso beschäftigt sich dieser ebenfalls mit Gina-Lisa Lohfink und Anne Wizorek, sowie den Verbindungen zum Familienministerium, das die sogenannte NGO „No Hate Speech DE“ mit 170.000 Euro finanziert, in dessen nationalem Komitee nach Eigenauskunft auch Wizorek zugange ist. NGO sollte man in dem Fall eher mit „near governmental organization“ übersetzen.

Einen merkwürdig verschwurbelten Beitrag, der nie wirklich zum Punkt kommt, liefert Gesine Palmer in der Welt. Auch sie versucht zu suggerieren, dass das Urteil gegen Lohfink nur aufgrund ihres Vorlebens und ihrer daraus angeblich folgenden Vorverurteilung zustande kam. Am Schluss kommt dann doch noch einmal etwas konkretes:

Darum benennen Alice Schwarzer und Lohfinks Anwalt die eigentliche Lektion dieses Urteils ganz eindeutig richtig: Es ist eine Warnung an Frauen, sich bei Sexualdelikten lieber nicht an die Gerichte zu wenden.

Leider knapp daneben. Es ist eine Warnung an Frauen, sich lieber nicht an die Gerichte zu wenden, wenn das Sexualdelikt von ihnen frei erfunden ist. Und das ist auch gut so!

So merkwürdig es klingt, aber dieses Urteil trägt möglichweise mehr zu einer Erhöhung der Verurteilungsquote bei, als es von der jüngsten Gesetzesverschärfung erhofft wurde. Es könnte sein, dass die bisher nur um die 10 Prozent tatsächlich verurteilten Fälle, also die Fälle mit echter Substanz, weiter genauso angezeigt und verurteilt werden, die faulen Eier an Falschverdächtigungen, die sich unter den restlichen 90 Prozent der Anzeigen verbergen, dagegen deutlich abnehmen, weil sie eben nicht mehr angezeigt werden.

2: Eine Frau ruft den Polizeinotruf, weil ihr Freund höchst verwerfliches getan hat. Er hat – horribile dictu – die Socken im Bett angelassen.

3: Die Website von Leslie Jones wurde gehackt. Die Hacker haben Nacktfotos von ihr und weitere persönliche Details dort preisgegeben. Jones ist eine der vier Darstellerinnen in dem neuen Ghostbusters-Film und diejenige, die dafür gesogt hat, dass der feminismuskritische Breitbart-Kolumnist Milo Yiannopoulos lebenslang von Twitter gesperrt wurde.

4: Noch eine erogene Zone der Frau wurde gefunden, um die man sich als Mann demnächst unbedingt kümmern muss: Die Zervix vulgo der Gebärmutterhals. Das nennt man jetzt „körperorientierter Feminismus“.

ZEITmagazin ONLINE: Welche Rolle spielt eigentlich der Partner bei dem Programm?

Bryant: Wenn eine Frau die Verantwortung für ihre eigene Lust übernimmt, muss ein Partner nicht mehr raten, was er tun soll, sondern kann sich völlig entspannen. Männer können ihren Penis aber auch für das De-Armouring nutzen, so wie die Frau es vorher mit dem Dildo oder dem Finger getan hat.

Was das jetzt wieder ist, müsst ihr selbst nachlesen.

5: Und schon wieder kann ich Euch meinen Lieblingscomic vorsetzen. Jesus and Mo bringen die in vielen Ländern geführte Debatte um das Burkaverbot auf den Punkt:

Antworten, die Anne Wizorek nicht findet

Die allseits bekannte und beliebte Feministin Anne Wizorek hat auf Broadly einen Kommentar zum Prozessausgang beim Falschbeschuldigungsverfahren gegen Gina-Lisa Lohfink verfasst. Im wesentlichen beharkt sie natürlich auch das feministische Hauptnarrativ, Lohfink sei nur aufgrund ihres Vorlebens als unglaubwürdig gebrandmarkt worden. Dabei stellt sie einige Fragen, die ihrer Ansicht nach noch offen wären. Meiner Ansicht nach sind diese längst geklärt, deswegen kann ich ihr hier auch antworten:

Warum ist es nicht relevant, dass einer der Männer in der Vergangenheit durch ähnliche Taten aufgefallen sein soll?

Wenn man zwei Absätze vorher postuliert, dass die Vergangenheit der Angeklagten Lohfink nicht relevant sein sollte, ist das eine äußerst merkwürdige Frage. Aber was bei Frauen auf gar keinen Fall sein darf, nämlich das Herumrühren im Vorleben, denn das ist ja „slut-shaming“, das geht bei Männern natürlich problemlos.

Warum wollte die Staatsanwältin diese Zeuginnen (heutige Ex-Freundinnen) erst nicht mal zu Wort kommen lassen?

Weil das, wie gesagt, nicht relevant ist. Es ging in der Verhandlung nicht darum, ob die beiden Männer Vergewaltiger sind, das wurde bereits geklärt. Es ging darum, ob Lohfink nachzuweisen ist, dass sie die Männer falschbeschuldigt hat. In dem Zusammenhang ist das Vorleben der beiden völlig uninteressant.

Warum wird insgesamt drei Frauen schlicht nicht geglaubt?

Es geht nicht darum, ob den Zeuginnen geglaubt wird oder nicht. Wenn deren mögliche Aussage irrelevant ist, ist auch die Frage nach deren Glaubwürdigkeit irrelevant. Was Lohfink selbst angeht: Weil die Fakten dagegen sprechen. Die Ungereimtheiten, die Wizorek in dem Fall beklagt, hat vor allem die Angeklagte selbst verursacht.

Wieso muss Lohfink stolze 20.000 Euro zahlen, während das unerlaubte Verbreiten des Videomaterials mit lediglich 1.350 Euro veranschlagt wurde und wie wird diese Unverhältnismäßigkeit von Strafbeträgen gerechtfertigt?

Weil sie einen ganz anderen Tagessatz zu bezahlen hat, weil sie eben deutlich mehr verdient als Pardis F., den sie durch ihre Anschuldigung arbeitslos gemacht hat. 80 Tagessätze á 250 Euro ergibt nunmal mehr als 90 Tagessätze á 15 Euro. Insofern hat der Angeklagte Pardis F. de jure sogar eine höhere Strafe hinnehmen müssen. Aber wenn man halt keine Ahnung von Strafrecht hat, vergleicht man eben nur die Endsummen. Oder man hat Ahnung, schiebt sie aber beiseite, weil sie der beabsichtigten Polemik im Weg steht.

Wieso wurde bislang nur einer der Männer für die unerlaubte Verbreitung des Videos belangt?

Weil der andere bisher ohne festen Wohnsitz war und deswegen der Strafbefehl nicht zugestellt werden konnte. Dies soll aber jetzt nachgeholt werden. Sebastian C. will sich aber im Gegensatz zu Pardis F. gegen den Strafbefehl wehren. Wenn man die Sache ein wenig verfolgt hat, hätte man das längst mitkriegen können, weil das in quasi jedem zweiten Artikel zum Fall stand.

Warum wurde nur der Einfluss durch K.O.-Tropfen in Betracht gezogen, wenn unterschiedliche Date-Rape-Substanzen auch zu unterschiedlichen Symptomen führen?

Es könnte vielleicht daran liegen, dass Lohfink exakt das behauptet hat, nämlich unter dem Einfluss von KO-Tropfen gewesen, vollkommen weggetreten und zunächst erinnerungslos gewesen zu sein. Warum sollte man etwas untersuchen, was sie den Männern gar nicht vorgeworfen hat?

Weshalb ist nicht bereits als problematisch thematisiert worden, dass hier jemand sehr offensichtlich stark betrunken war und trotzdem in eine sexuelle Situation gebracht wurde?

Wie die meisten meiner Antworten: Es ist nicht relevant, denn bei uns darf man zum Glück noch immer auch in betrunkenem Zustand seine Zustimmung zu Sex geben.

Wieso wird das Motiv, Lohfink wollte einfach nur mal wieder in die Medien, nicht hinterfragt, wenn sie noch nicht mal wollte, dass das Video der vermeintlichen Tatnacht verbreitet wird—etwas, dem immerhin schon durchs Gericht stattgegeben wurde?

Ach Anne, Logik ist nicht so Deine Stärke, oder? Dass man nicht will, mit einem negativen Image (als „Schlampe“ in einem halbseidenen Porno-Dreh) in die Öffentlichkeit zu kommen, schließt natürlich vollkommen mit aus, dass man mit einem positiven Image in die Öffentlichkeit will, z.B. Mitleid erheischendes Opfer einer Vergewaltigung, und wenn das halt nicht klappt, dann eben immer noch als Opfer der Justiz. Gut, dass sie das wirklich mit Absicht inszeniert hat, glaube ich jetzt auch nicht unbedingt. Aber unplausibel ist es deswegen noch lange nicht.

[Der Richterin] Fazit lautete daher: Gina-Lisa Lohfink habe lediglich PR in eigener Sache betreiben wollen. Aber was für eine PR soll das bitte sein?

Wie gesagt, als armes Opfer hat man derzeit extrem viel Anspruch auf Mitleid und Empathie, um den ausgelutschen Begriff mal zu verwenden. Darum kämpft Ihr doch unermüdlich. Auch wenn man es anfangs vielleicht nicht darauf abgesehen hat, warum sollte man es denn verpassen, wenn man sich unter die Reihen der Opfer mischen kann, wenn sich die Gelegenheit bietet, und es einem eine Menge Leute anbieten?

Wie grotesk ist es außerdem, dass nun gerade Medienmenschen Gina-Lisa Lohfink auch noch einen daraus Vorwurf machen, weil diese mit Medien geredet hat?

Grotesk ist an der Sache nur, dass Lohfink sich zwar mit allen Medien offenherzig über ihren Fall und dessen angebliche Geschehnisse austauscht, aber ausgerechnet im Gerichtssaal, da wo es darauf an käme, sich extrem zugeknöpft gibt. Nur das werfen ihr Medienvertreter vor. Wer sonst bitte sollte das tun, wenn nicht Journalisten?

Weiter wird behauptet, die Debatte wäre durchaus richtig, nur der Fall von Gina-Lisa Lohfink als Aufhänger nicht. Dabei wollen diejenigen, die solche Thesen aufstellen, die Debatte rund um Sexismus und sexualisierte Gewalt sonst oft gar nicht erst führen. Geschweige denn, dass sie diejenigen wären, die unermüdlich sexualisierte Gewalt als gesellschaftliches Problem auf die Agenda setzten.

Nun, doch, wir wollen diese Debatte durchaus führen. Allerdings nicht nach den Regeln, wie sie uns Feministinnen vorschreiben wollen, also unter Ausblendung von männlichen Opfern und weiblichen Täterinnen, mit von Vorurteilen behafteten Studien, die noch dazu grotesk missinterpretiert werden, mit aus der Luft gegriffenen Dunkelziffern und mit Denkverboten. Wenn man der Ansicht ist, dass die sogenannte Debatte eh schon mit extremer Hysterie und Alarmismus geführt wird, und dass es nötig ist, diese abzukühlen, dann kann es schon mal so aussehen, als ob man sie nicht führen wollte. Das stimmt nicht, wir wollen sie nur anders führen. Sachlicher.

Der Rest von Wizoreks Traktat ist, nun ja, allenfalls querlesenswert.

Fazit:

  1. Wizorek hat anscheinend keine Ahnung von Strafrecht
  2. Mit Logik hat sie es auch nicht so
  3. Sie tut so, als ob die Frage, ob da eine Vergewaltigung stattgefunden habe, weiter offen sei
  4. Mit dem Gedanken, dass es tatsächlich eine Falschbeschuldigung gegeben haben könnte und ob diese nun strafwürdig ist, will sie sich erst gar nicht befassen

 

Fundstück: Spaß mit Männerhass – die neue Serie!

Es ist eine etwas abwegige Art von Humor, aber in den letzten Monaten habe ich immer wieder herzhaft darüber lachen müssen. Ein kleiner Test fördert das mannigfaltige Potential zur Provokation zutage, welches in Alltagstexten verborgen steckt:

Was kommt dabei heraus, wenn ich in einem Text „Männer“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ ersetze?

Schon der ursprüngliche Ideengeber – ein Kommentar unter einem taz-Artikel (Stichwort „Ausländerschritte“) – hatte es in sich. Ab heute möchte ich immer wieder solche Fundstücke veröffentlichen und lade natürlich herzlich dazu ein, in den Kommentaren weitere zu veröffentlichen!

Denn eines ist klar: Würde man das, was zum Teil als veröffentlichte Meinung über Männer gesagt und geschrieben wird, auf erwähnte drei Gruppen ummünzen, kämen dabei offen fremdenfeindliche, rassistische oder antisemitische Aussagen heraus. Die Vorstellung, dass eine als seriös geltende Zeitung oder eine sich progressiv wähnende Gruppe wie selbstverständlich solche Ungeheuerlichkeiten von sich gibt, entlockt mir stets aufs Neue ein Lachen aus Fassungslosigkeit. “Was, das sagen die über Ausländer / Schwarze / Juden?“

Humor ist natürlich auch eine Art Bewältigungsstrategie. Doch möchte ich einen Augenblick ernst werden. Sicher kann man als einigermaßen gefestigter Erwachsener da drüberstehen. Für einen Jungen oder jungen Mann wird es so jedoch schwieriger, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Es war meiner Erinnerung nach Lucas Schoppe, der sehr treffend feststellte: Man möchte nicht, dass der eigene Sohn in einer Gesellschaft aufwächst, in der er jeden Tag die These präsentiert bekommt, er sei „dumm“ oder „böse“, also irgendwie minderwertig.

Lucas Schoppe formulierte übrigens selbst vor einigen Moanten einen Text auf ähnliche Weise um, lieferte also die 0. Folge, mit dem Ergebnis: Wie über Männer gesprochen wird, ist oft genug Volksverhetzung.

Das schöne an diesem Test ist, dass er ebenfalls geeignet ist, um Sexismus gegen Frauen aufzudecken. Es geht ja gerade, wie gerks alias Gerhard Kasper vor wenigen Tagen noch treffend feststellte, nicht um Männerrechte, sondern um Menschenrechte. Und die sollen, wie ich finde, doch bitte für aller gleichermaßen gelten und nicht als in Konkurrenz stehend zwischen verschiedenen Gruppen dargestellt werden.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hier ein Beispiel, wie man es (zumindest dem Titel nach) richtig machen kann: Gegen einen Ausländer, Schwarzen oder Juden nach Mitternacht ist ja nichts einzuwenden.

Abba: Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)

Kurznachrichten vom 24.08.2016

1: Der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink beherrscht noch die Meinungsseiten im Bereich Geschlechterpolitik. Folgende neue Kommentare kann ich empfehlen:

Wer sich lieber ärgern will, darf sich die folgenden zu Gemüte führen:

Stokowski bastelt im wesentlichen noch mal am Strohmann, Lohfink werde ja nur deswegen nicht geglaubt, weil sie so gut in das Bild der „Schlampe“ passe. Offensichtlich scheint sich diese Figur ja immer mehr als das Hauptnarrativ von feministischen Kommentatorinnen festzusetzen. Dass man diesen Vorwurf aber allenfalls an Teile der Gesellschaft richten kann, aber nicht an das Gericht, das Lohfink verurteilte, wird mit einer gewissen Nonchalance übergangen bzw. ist diese Verwischung sogar beabsichtigt.

Derweil schießt Nowak den Vogel ab und schafft es, Stokowski im Absurditätsfaktor noch weit zu übertreffen, was man schon als reife Leistung ansehen muss. Alleine nach Überschrift und Unterüberschrift kann man sich schon denken, dass da nur noch Nonsens kommt:

Das Urteil im Fall Lohfink ist ein Rollback für die Rechte der Frauen

Es spricht einer Frau das Recht ab, selber zu definieren, wann ein Sexualakt eine Vergewaltigung ist

Ich mag das gar nicht weiter kommentieren. Wer einen guten Magen hat oder Wert darauf legt, sein bereits verzehrtes Frühstück nochmal zu sehen, mag sich dieses Sammelsurium von Verdrehungen und feministischen Plattheiten antun.

2: In der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln gab ein Imam Sex-Tipps wie diese:

„Eine Frau darf niemals nein sagen – unter keinen Umständen! Nicht einmal, wenn sie ihre Tage hat.“ Es gebe auch dann nichts, das einen Ehemann davon abhalten dürfe, „den Körper seiner Ehefrau zum Vergnügen zu benutzen“. Lediglich zwei Einschränkungen nennt der Imam mit dem extralangen Bart: „Er muss nur ihre Vagina und ihren Anus vermeiden.“ Der Rest des Körpers sei aber zur Benutzung erlaubt.

Kritische Anmerkungen dazu gab es bisher von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und dem Jugendstadtrat von Berlin-Neukölln, Falko Liecke (ebenfalls CDU). Von Feministinnen, speziell der #ausnahmslos-Fraktion war noch keine Stellungnahme zu verhören.

3: Ich bleib gleich beim Islam. Steven Crowder nimmt gleich zwei auf die Schippe, nämlich die beiden im Titel seines Videos „Painting Muhammad with Bob Ross“. Viel Spaß!

Kurznachrichten vom 23.08.2016

1: Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten spricht Gina-Lisa Lohfink der Falschbeschuldigung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs für schuldig und bestätigt damit den Strafbefehl, der gegen Lohfink ergangen war und gegen den sie sich gewehrt hatte. Die Strafsumme wurde zwar von den ursprünglichen 24.000 Euro auf 20.000 Euro herabgesetzt, die Gerichts- und Anwaltskosten dürften die Ersparnis aber mehr als aufwiegen.

Der Rechtsanwalt Udo Vetter kommentiert auf seinem „lawblog“:

Peinlich ist das Urteil vor allem für jene, die den Fall Lohfink zum Gradmesser für angebliche Lücken im deutschen Sexualstrafrecht hochgejazzt haben. Die Mitglieder des Teams Gina-Lisa, allen voran die amtierende Familienministerin, haben sich vor den Karren einer mutmaßlichen (das Urteil ist nicht rechtskräftig) Lügnerin spannen lassen.

Ein Kommentator dort weist darauf hin, dass die Strafe für Lohfink aufgrund des vom Gericht niedriger angesetzten Tagessatzes de facto zwar verringert, de jure aber sogar erhöht wurde, nämlich von 60 auf 80 Tagessätze:

Sicher hilfreich wäre es auch, wenn die Presseberichte von Leuten gemacht würden, die das Geldstrafensystem verstehen und von der Unsitte herunterkämen, bei Geldstrafen nur die Gesamtstrafe anzugeben. Dann hätten sie darüber berichten können, dass das Gericht in der Sache das Strafmaß gegenüber dem Strafbefehl nicht reduziert, sondern in der Sache sogar erhöht hat (von 60 auf 80 Tagessätzen), und dass G.-L.s Strafe anscheinend (den Presseveröffentlichungen zufolge) immer noch niedriger ist als die Geldstrafe aus den Strafbefehlen für die Verbreitung des Videos (90 Tagessätze).

In einem Artikel auf LTO wird dies so erklärt, dass die Akzeptanz eines Strafbefehls ein strafmildendes Geständnis impliziert, was bei beim Einspruch dagegen aber natürlich wegfällt.

Auf Alles Evolution wird bereits über das Urteil diskutiert. Ich möchte einen Kommentar von Adrian hervorheben, der meint:

Selbstverständlich wird dieses Urteil nichts an der Gesamtsituation ändern. Feministen werden diesen Fall als weiteren Beweis der Rape Culture und des Patriarchats sehen. Solange Frauen nicht ungestraft jeden Mann der Vergewaltigung bezichtigen dürfen, und solange nicht jeder Mann auf Zuruf weggesperrt wird, kann es in ihren Augen keine Gerechtigkeit geben.

Und wie zum Beweis von Adrians These, hält die Mädchenmannschaft das Urteil selbstverständlich für einen Beweis der Existenz der „rape culture“.

Derweil offenbart sich das Rechtsverständnis von Feministen auf Twitter wie folgt:

teamginalisa

2: In den USA gab es einige drastische Verfahrensausgänge im Zusammenhang mit Lehrerinnen, die sexuelle Beziehungen mit ihren männlichen Schülern hatten. Ein Schüler bekommt jetzt sechs Millionen Dollar Entschädigung vom Schulbezirk, weil dieser von dem Missbrauch wusste, aber nichts dagegen unternommen hatte. Aufgeflogen war die Sache erst, als die Lehrerin von ihm ein Kind bekam. Wie man das von anderen Fällen aus den USA kennt, muss er wohl für das Kind trotz eines gesetzwidrigen Missbrauchs Unterhalt zahlen. Immerhin sollte das mit sechs Millionen machbar sein. Wenigstens hat der Schüler das geteilte Sorgerecht zugesprochen bekommen. Die Lehrerin kam nach einem halben Jahr Haft wieder auf Bewährung frei.

In einem anderen Fall wurde die Lehrerin dagegen zu ganzen 22 Jahren verurteilt. Warum auch immer, hat sich in Russland eine Bewegung für eine mildere Strafe gebildet, mit schon über 50.000 Unterschriften auf einer entsprechenden Online-Petition. In dem Artikel bei Spiegel-Online wird eine Feministin mit einem halbwegs vernünfigen Kommentar zitiert:

Die feministische Publizistin und Bloggerin Bella Rapoport kritisiert das Klischee vom „triebgesteuerten“ Mann. „Es ist gefährlich, anzunehmen, dass jeder Mann unter allen Umständen froh sein muss, mit einer schönen Frau zu schlafen“, sagt Rapoport. „Unterschiedliche Männer haben unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse und Wünsche. Wenn man so tut, als wollten sie alle dasselbe und müssten es unbedingt haben, werden Frauen am Ende zu Opfern.“

Gefährlich ist diese Sichtweise natürlich am Ende vor allem wiederum für die Frauen. Wie sollte es anders sein… Wenn der letzte Satz nicht wäre, hätte ich auch das „halbwegs“ streichen können.

3: Das Verwaltungsgericht in Osnabrück bestätigt die Entscheidung eines Abendgymnasiums, einer Muslima das Tragen des Nikabs im Unterricht zu verwehren. Die Schülerin hatte dagegen geklagt.

4: Schlechte Nachrichten für Genderisten. Ausgerechnet die sogenannte Gender-Medizin entdeckt immer mehr Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Ein paar Zitate:

Eine Erklärung hierfür lautet, dass die Konzentration der weiblichen Geschlechtshormone ständig ab- und zunimmt, bei männlichen jedoch beständig ist.

Stichwort: Launenhaftigkeit. Könnte damit erklärt sein.

Auch die unterschiedliche Reaktion des Immunsystems kann durch das Wirken der Sexualhormone erklärt werden: Östrogen kann beispielsweise die Zellen aktivieren, die bei der antiviralen Immunantwort mitwirken. Testosteron dahingegen nicht. Das Grippevirus Influenza wird beispielsweise nur von weiblichen Zellen bekämpft, wie die Forscher von der John Hopkins University in Baltimore entdeckt haben („American Journal of Physiology“). Laut dem Immunologen Marcus Altfeld aus dem Heinrich-Pette-Institut in Hamburg würden Frauen deshalb eine schnelle und starke Immunreaktion zeigen, um ihr ungeborenes oder bereits geborenes Kind zu schützen.

Stichwort: Männergrippe. Hat vielleicht doch einen realen Hintergrund. Mädels, Ihr könnt jetzt aufhören zu lästern. Wir Männer sind da einfach von der Natur benachteiligt.

5: Jan Fleischhauer sinniert in seiner Spiegel-Online Kolumne über Heterofeindlichkeit und den diskriminierten Mann. Auszug:

Das ist doch ein schlimmes Stereotyp, dass sich Männer jenseits der vierzig gehen lassen. Wenn man sagt, dass Schwarze ein Problem mit der ehelichen Treue haben oder Araber Frauen nicht für voll nehmen, rollen alle mit den Augen. Warum gilt das nicht auch bei Vorurteilen gegenüber Heterosexuellen? Niemand wird gerne auf ein Stereotyp reduziert, das sollte für alle die Regel sein.

Ich schreibe das, weil mir vergangene Woche aufgefallen ist, dass Heteros nicht einmal als diskriminierungswürdig gelten. Auf jede Gruppe muss Rücksicht genommen werden, nur auf ganz durchschnittliche Männer ab einem bestimmten Alter nicht. […]

„Wer männlich, weißhäutig, sichtbar biodeutsch, christlich oder säkular, nicht behindert und nicht schwul ist, weiß nicht, was es heißt, (…) diskriminiert zu werden“, hat die Journalistin Esther Schapira in den „Tagesthemen“ den Jahrestag kommentiert. Der Satz wurde sofort über Twitter und Facebook geteilt. Offenbar kommt es den Leuten, die so etwas richtig finden, gar nicht in den Sinn, dass es auch eine Form der Ausgrenzung darstellt, wenn eine bestimmte Gruppe von Menschen von vornherein nicht zu den Diskriminierten gezählt wird. […]

Wann hat es angefangen, dass es wichtig ist, diskriminiert zu sein? Früher ging es darum, dazuzugehören. Wer Teil einer Minderheit war, versuchte, so schnell wie möglich zur Mehrheitsgesellschaft aufzuschließen. Heute ist das Gegenteil der Fall: Statt darauf Wert zu legen, dass einen die anderen akzeptieren, ist man stolz darauf, wenn man sagen kann, dass man ausgegrenzt wird. Manche Leute sammeln Diskriminierungen wie andere Panini-Karten. Je mehr sie davon haben, umso besser fühlen sie sich. Man spricht dann von „Mehrfachdiskriminierung“.

Prädikat: Zur Gänze lesenswert.