Die Problematiken des Sexismus auf den Punkt gebracht

Als Erstes habe ich die Augen verdreht, als ich den Titel „Der verunsicherte Mann“ von Tomasz Kurianowicz bei ZEIT-ONLINE las, dachte ich doch, es handle sich um den x-ten Aufguß einer (sexistischen!) Beschreibung der gesamten Männerschaft unserer Gesellschaft, angesichts von weiblichen Errungenschaften, mit denen „Mann nun überhaupt nicht klar kommt“ (angeblich).

Tatsächlich meint der Autor sich höchstselbst und man kann wirklich herauslesen, wie vorsichtig er sich auf einem Minenfeld bewegt. Minen sind bekanntlich versteckt, man weiß nie, welche Stelle sich als vermint offenbart. Aber ich finde, er hat es ganz gut gemeistert, kann man doch so manche Textstelle als Disclaimer verstehen, Motto: „Ja, ich weiß, ich als Mann sollte die Klappe halten, aber wenn ich mal anmerken dürfte …“.

Aber Sticheleien beiseite: Thomasz Kurianowicz hat es auch insofern gut gemacht, indem er wichtige Punkte herausgearbeitet hat. Punkte, die ich hier aber anders beantworten möchte, als er es tut.

Die Frage, die ich mir schon seit Längerem stelle, ist folgende: Kann ich als Mann nachvollziehen, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie sexistisch diskriminiert wird? Kann ich jene Kränkung und Angst nachempfinden, wenn sich ein großer, starker Mann einer schwächeren Frau gewaltvoll nähert? Kann ich die verbale Verletzung einer Frau empathisch nachvollziehen?

Auch hier richtet der Autor die Fragen auf den ersten Blick an sich selbst. Da er sich die Fragen aber unter dem Aspekt des Mann-seins stellt, gelten sie unterschwellig für alle Männer: Können Männer es nachvollziehen / nachfühlen / nachempfinden?

Nun, das hängt vom Wesen des einzelnen Mannes ab. Empathiefähigkeit ist eine individuelle Sache, auch bei Frauen, wenn diese auch in ihrer Gesamtheit als empathischer beschrieben werden. Für meinen Teil möchte ich ausdrücken, dass ich es nachvollziehen kann, wenn Sprüche, Gesten oder gar körperliche Annäherungen als (sehr) unangenehm empfunden werden. Auch Männer sind nicht frei von Erfahrungen in Form der Verletzung von persönlichen Grenzen, ob verbal oder tätlich.

Wo fängt Sexismus an und wo hört er auf? Wann ist er justiziabel und wann eine Respektlosigkeit? Wann ist er ein unglückliches Kompliment und wann eine verbale Attacke?

Diese Fragen finde ich teilweise unglücklich formuliert. Die Frage ist nicht, wo Sexismus aufhört (meines Erachtens fängt dort, wo etwas aufhört, das Nächstschlimmere an) und auch nicht, ob Sexismus justiziabel oder nur ein unglückliches Kompliment ist (beide Punkte unterstellen, dass Sexismus bereits gegeben ist). Nein, die in dieser Diskussion wichtige Frage wurde am Anfang des obigen Zitats gestellt: Ab wann ist irgendetwas Sexismus?

Für die gröberen Formen (antatschen, bewußte verbale Herabwürdigungen usw.) braucht man sich mit einer Beurteilung nicht lange aufhalten. Für alle anderen Dinge hängt es meines Erachtens sehr vom Kontext ab – und davon wie die Empfängeren / der Empfänger es auffaßt. Es geht nicht nur um die Empathiefähgikeit von Dritten, die eine Handlung oder eine Situation nachvollziehen, sondern darum, wie es die Betroffenen selbst sehen (können). Ansonsten landen wir sehr schnell bei einem „eigentlich geht und darf gar nichts“ oder bei einem Katalog von „no-go’s“, über dessen Inhalt dann die nächsten Jahre gestritten wird.

Abends ging ich auf Facebook und las den #MeToo-Bericht einer Bekannten aus Berlin. Ihr Eintrag schockierte mich zutiefst. Sie beschrieb, wie sie kürzlich auf einem Zahnarztstuhl unsittlich berührt wurde: Während einer Zahnbehandlung presste der behandelnde Arzt seinen Schritt gegen ihren Oberarm, so dass sie seinen Penis spürte. Der Arzt nutzte seine Machtposition und ihre Hilflosigkeit aus.

Natürlich ist das nicht ok.

Es folgte ein Telefonat mit der erwähnten Bekannten:

Wir einigten uns schnell, dass ihre Zahnarzterfahrung eine üble Form von sexueller Belästigung war.

Eben. Zwar mögen Übergänge fließend sein, aber hier ist die Sachlage eindeutig. Was hat das also in dem Artikel über Sexismus zu suchen?

Sie [die Bekannte von Tomasz Kurianowicz] machte mir klar, dass ich als Mann immer über eine Selbstsicherheit, über ein Identitätsprivileg verfügen würde, das ich niemals zu reflektieren und abzulegen imstande wäre. Sie sagte, dass die Idee, einen Text über Sexismus aus männlicher Perspektive zu schreiben, schon Teil des Problems sei. Meine Bekannte wurde noch konkreter, noch deutlicher. Sie sagte mir: „Du, Tomasz, bist selbst Teil des Problems.“

Wieder einmal wirft ein Geschlecht dem anderen Geschlecht Sexismus vor und wird dabei selbst sexistisch: Nur weil er ein Mann ist, ist er Problembestandteil.

Und das zwischen (guten?) Bekannten, wobei der männliche Part nicht den Eindruck macht, er wäre zu wenig selbstreflektiert bezüglich seiner männlichen Ausprägungen, wenn man seinen Artikel liest …

Doch jetzt zum wichtigsten Teil (Kleinbuchstaben als Aufzählung von mir eingefügt):

Wenn das Argument meiner Bekannten zuträfe, dann wäre jede weitere Diskussion über Sexismus zwischen Mann und Frau sinnlos. Dann müsste ich mich auf ewig wegducken (a) und hätte nur einen einzigen argumentativen Ausweg – die Gewalttätigkeit meines Geschlechts für immer zu akzeptieren. Besonders nachdenklich stimmte mich ein beeindruckender Essay der Tagesspiegel-Kollegin Anna Sauerbrey: Darin äußert sie die These, dass immer ein Rest Fremdheit zwischen Männern und Frauen bestehen werde – „jene Fremdheit zwischen Verstehen und Empfinden“.

[…]

Ist es denn wirklich unmöglich, sich eine Welt zu imaginieren, in der die Menschen nicht nach ihrem Geschlecht, sondern nach ihrem Wesen wahrgenommen werden? (b) Wollen wir dieses Ideal wirklich aufgeben, so unrealistisch es sein mag? (c) Ich denke, das wäre falsch. Die Fähigkeit zur Empathie erscheint mir unabdingbar auf dem Weg der Annäherung an dieses Ideal – die Empathie für das Fremde, für das andere Geschlecht. Die Annahme von einer unüberbrückbaren Geschlechterdifferenz würde den emanzipatorischen Anspruch des Feminismus ad absurdum führen und unterstellen, dass Männer eine Urschuld in sich tragen, die sie weder ablegen noch überwinden können. (d) Dass Männer hineingeboren sind in Unterdrückungspraktiken, die sie nicht abschütteln, sondern bestenfalls reduzieren können. Ist nicht das wiederum diskriminierend allen Männern gegenüber? (e)

Im Schnelldurchlauf:

a) Nein, kein Wegducken notwendig. Es ist nur dann notwendig, wenn man sich als wandelnden Fehler sieht.

b) Warum eine Welt imaginieren, in denen Menschen nach dem Wesen wahrgenommen werden? Das Geschlecht einer Person wird immer zeitgleich mit der Person wahrgenommen. Es ist Teil des Wesens. Und dass Frauen nicht mehr als Frauen wahrgenommen werden wollen, wäre mir völlig neu.

c) Bei unrealistischen Idealen sollte man sich fragen, ob nicht eine Ideologie dahintersteckt. Und Ideologien sollte man IMMER aufgeben.

d) Nennen Sie es nicht „Urschuld“ …

e) Nein, es ist nicht diskriminierend, wenn man das Nachfolgende akzeptiert.

Ich denke, es gäbe etwas, dass uns alle weiterbringen könnte: Die ideologiefreie Akzeptanz der menschlichen Natur, so wie sie ist. Ohne folgenden Vorwurf, man würde dadurch versuchen, sich auf biologischer Ebene aus der Affäre zu ziehen. Und ohne die Unehrlichkeit, nicht zuzugeben, dass diese biologische Natur auf der anderen Seite auch gewollt und willkommen ist.

So absolut verständlich es für mich ist, dass es Aussagen oder Annäherungen gibt, die Frauen als unangenehm empfinden, so klar ist es für mich, dass wir nicht aus unserer Haut heraus können.

Männer folgen zum einen einem ewigen Wettbewerbsgedanken und jeder Wettbewerb hat mit Dominanzstreben zu tun. Nach jedem sportlichen Kräftemessen steht die Siegerperson mindestens einen Kopf höher auf dem Podest als alle Übrigen – übrigens auch Frauen. Dominanz zu zeigen liegt in der Natur des Mannes.

Männer sind die sexuelleren Wesen. Man kann es einem zivilisierten Mann abtrainieren, sich zu sexistischen Impulsen hinreißen zu lassen, aber auch in seinem Kopf (und nicht nur in den Köpfen von Macho-Männern) spielt es sich trotzdem ab. In Sekundenbruchteilen. Nein, das soll keine Entschuldigung für irgendetwas sein, es ist eine bloße Feststellung.

Und so zu tun, als seien diese Dinge stets unwillkommen, ist scheinheilig. Dominanz und Führungsqualitäten (beispielsweise des Ehepartners) wird von Frauen gern gesehen, wenn es dem eigenen Status, eigenen Vorteilen oder dem eigenen Schutz dient. Und ein zweideutiger Spruch oder gar eine Tätschlei im passenden Kontext vom passenden Mann wird sicherlich nicht als Sexismus deklariert werden.

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Sexistische Werbung gegen Männer

Sexismus in der Werbung wird eher als „gegen die Frauen gehend“ vermutet. Mit dieser neuen Artikelreihe soll in erster Linie gezeigt werden, wie oft sich Werbe-Sexismus gegen Männer richtet. Geht es beispielsweise darum, ein Produkt oder eine Dienstleistung als besonderes clever darzustellen, ist es oft die schlaue Frau, die dieses clevere Produkt entdeckt hat und verwendet. Der Mann ist oft der zurückgebliebene Depp, der es noch nicht bemerkt hat. Oder Frauen werden als leistungsfähiger usw. dargestellt. Unmittelbarer Sexismus, bei dem man nicht mal um die Ecke denken muss, um ihn zu erkennen.

Hier die ersten zwei Beispiele. Ein Snack für den Toaster, bei dem der unbedarfte Mann mal eben durch das Dach des Hauses katapultiert wird und hart im Garten aufschlägt (er berappelt sich wieder). Die Frau hat das Produkt natürlich gekauft und weiß Bescheid.

Eigentlich sogar doppelt sexistisch, da die Frau – dem alten Rollenklischee entsprechend – in der Küche steht und für das Essen zuständig ist. Wie wäre es anderherum: Mann bereitet das Essen zu und Frau geht durch die Decke und schlägt auf? Brutaler Gedanke, oder? Wieso gilt nicht dasselbe für einen Mann?

Ein großes Möbelhaus aus Schweden weiß wohl, dass Mann immer für einen Lacher gut ist, geht es um seine Potenzprobleme. Immerhin ein Leiden, dass den betroffenen Männern (und den Partnerinnen) wirklich arge Probleme bereitet. Für die Werbung ist eine in die Jahre gekommene Frau, die lapidar und tabubrechend über die Altersleiden des Gatten berichtet, immer noch gut genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und nein, die anschließende Selbstironie wegen der nicht mehr straffen Haut ist nicht dasselbe Kaliber.

Dies soll übrigens kein „Gejammer“ sein. Es soll nur darauf hinweisen, was Männer schulterzuckend hinnehmen, während es auf weiblicher Seite gleich einen Aufschrei gibt, wenn angeblich oder wirklich verunglimpft in der Werbung.

Fällt auch Dir ein Werbespot ein, der in diesem Sinne sexistisch ist? Gerne auch die, bei denen Frauen schlecht wegkommen. Schreibe an: lionosys [at] quantentunnel.de

UPDATE 04.10.2017

Mich erreichte eine E-Mail, die mich auf die folgende Werbung hinwies (genauer: das Logobild): Facebookpräsenz alternative Energie. Natürlich ist dort die moderne, saubere Umweltenergie weiblich, die alte, gefährliche Atomenergie männlich.

 

 

 

 

 

Denn sie wissen Bescheid: Journalisten

Sebastian Eder (FAZ) heult mit den Mainstream-Wölfen gegen Arne Hoffmann und die Männerbewegung

Man kann Arne nur für seine Gelassenheit bewundern, mit einem sehr ins Persönliche abdriftenden Verriss auch noch sachlich umzugehen, als beträfe es nicht ihn selbst (siehe seine Kommentierung in Genderama). Mich betrifft der FAZ-Artikel nicht, aber mein erster Reflex war, dem Journalisten Sebastian Eder ins Gesicht zu kotzen und zwar im Strahl. Es ist erneut dieser widerwärtige, selbstgerechte, selbstgefällige, ignorante Stil, den unsere Berufsschreiberlinge an den Tag legen, der mich auf die Palme bringt.

Selbstverständlich wissen sie Bescheid, was gut und was falsch ist. Da gibt es kein vertun. Hat man ihnen doch lang und breit in Schule und Studium eingetrichtert. Aufrichtiges Interesse an anderen Meinungen, welches man ja eigentlich bei Journalisten erwarten sollte? Meistens Fehlanzeige, wenn es dem eigenen Weltbild entgegenläuft. Gleichzeitig wird anderen stets Intoleranz und eine verquerte Weltsicht unterstellt.

Es sei Ihnen versichert, Herr Eder, wir sind alle in den 80ern und 90ern groß geworden und haben alle dasselbe Schul- und Gesellschaftssystem genießen dürfen mit den darin vorherrschenden Ansichten. Wir kennen die Mantras. Der Unterschied ist: Einige haben begonnen zu zweifeln. Wie erfrischend wäre es für den Blätterwald, wenn Journalisten öfter mal zweifeln würden. Stattdessen wird – wie im oben verlinkten Artikel – süffisant draufgehauen. Der Lacher und das überzeugte Kopfnicken der ach-so-tollen Mehrheit gewiß. Wie billig man doch voran kommt, wenn man in einem sich selbst bestätigenden System lebt, nicht wahr?

Aber Herr Eder kann NOCH billiger:

Es wäre insgesamt recht einfach, sich über Arne Hoffmann lustig zu machen.

Warten Sie, Herr Eder, ich bemühe mich, vielleicht habe ich im hintersten Winkel meines Magens noch ein paar Kubikzentimenter für Sie übrig. Oder anders ausgedrückt: was heißt hier „es wäre recht einfach“? Ihr ganzer Artikel lebt davon, dass Sie es sich einfach machen, Arne Hoffmann zu diffamieren. Egal, ob es um sein Aussehen, seinen Kleidungsstil, seinen Kontakt zu Frauen, seinen Lebensstil, seine Bücher oder sonstwas geht. Um seine Anliegen geht es Ihnen nicht. Denn die sind ja „falsch“. Das war Ihnen schon klar, als sie per Telefon oder E-Mail einen Interview-Termin mit ihm vereinbarten. Und weil das alles „falsch“ ist, darf auch verdreht und übertrieben werden, Stichwort: „Was sind das für Männer, die das Gefühl haben unterdrückt zu werden?“.

Wenn Sie Schneid besäßen, dann würden Sie Genderama für ein paar Wochen mitlesen und anschließend Ihr vorgefasstes Urteil öffentlich revidieren. Denn es geht dort nicht darum, eine irgendwie geartete Form von „Männerunterdrückung“ darzustellen, sondern um die Aufdeckung von Ungerechtigkeiten, wie diese von Männern hingenommen werden müssen. Und, um mit einer falschen Logik aufzuräumen, die Aufdeckung von Ungerechtigkeiten auf der einen Seite (Männern) bedeutet nicht, die Ungerechtigkeiten auf der anderen Seite (Frauen) zu negieren. Allerdings bedeutet dies eine Relativierung. Und damit werden Sie und auch die Frauen zunehmend leben müssen. Denn gottlob gibt es auch eine 5. Gewalt: Die (privaten) Stimmen im Internet. Und die werden nicht mehr schweigen, egal, wieviel Dreck auf sie ausgekübelt wird.

zum selben Thema:

  1. Lucas Schoppe: Die Gewalt der vierten Gewalt – Ein Fallbeispiel
  2. Frankfurter Allgemeine fährt Attacke auf Genderama – News vom 29. August 2017
  3. Genderama: Reaktionen auf Sebastian Eders Hit Piece in der Frankfurter Allgemeinen
  4. Fietes 2 Groschen: Wir müssen mal über Arne reden, Sebastian – und über Dich
  5. Uepsilonniks: Wenn Argumente fehlen: Antimaskulistischer Dreck von Eder & Co.
  6. Scheidende Geister: Arne Hoffmann als Bedrohung unserer Gesellschaft
  7. Lucas Schoppe: Gibt es eine journalistische Verantwortung? Eine Frage an die FAZ

Wenn Frauen herrschen würden …

… wäre natürlich alles besser. Sind eigentlich gerade (mal wieder) Frauen-Selbstbeweihräucherungswochen? Oder ist es Zufall, dass am Mittwoch von der „Tagesschau“ die Politik der Bundesministerinnen Nahles / Schwesig in höchsten Tönen gelobt wird und am Donnerstag fährt das „ZEIT Magazin“ die nächste Breitseite auf mit dem Titel „Frauenrepublik Deutschland“?

In Harmlosigkeit verpackt fängt es an: „Wir wollen ja nur (Gedanken-)spielen!“ könnten die Einleitungszeilen zusammengefasst werden. Für den Leser, der es aber nicht gleich kapiert, in welche Richtung die Reise aus Suggestivfragen und unterschwelligen Botschaften geht, gibt es auch einen Link zu einem deutlicheren Beitrag. Dort dasselbe Prinzip: Erstmal auf harmlos machen („Kinder überlegen sich auch manchmal, wie es wäre, wenn sie das sagen hätten“), aber zwischendurch rutscht es frau dann doch heraus: „Männer waren lange genug an der Macht, und was ist? Kriege, Klimaerwärmung, Raubtierkapitalismus. Jetzt sollen die sich mal unterwerfen!“

Aber der Reihe nach, zurück zum ersten Artikel und einer Auswahl dort vorgebrachten Thesen.

Das Auto

Zitat: „Gäbe es für einen Moment nur Autos, die von Frauen angemeldet haben, sähe es in einem Parkhaus so aus […] klein und wendig“. Aha. Botschaft erkannt: Frauen sind bescheiden, brauchen kein Prestige und fahren umweltbewußt. Doch womit fahren Frauen, wenn der Familienausflug oder der Urlaub innerhalb des eigenen Landes ansteht? Pfercht sich die Familie mit Mann und Kindern, Hund und dem neusten Trend-Kinderwagen in die von ihr als Zweitwagen angemeldete Knutschkugel? Oder ist es dann doch die von Papa angemeldete Limousine / Familienkutsche? Die Antworten sind hoffentlich klar (Botschaft angekommen?).

[Das Beiwerk mit den von Frauen favorisierten Fußballmanschaften, Filmen, der Musik, der Ernährung usw. spare ich mir mal]

Die Politik

Zu erwähnen,  dass „von den Parteien die AfD ohne männliche Stimmen die größten Verluste beklagen würde“ ist natürlich von immenser Wichtigkeit für so gut wie jeden Journalisten. Denn wie jedes Kind weiß, das folgsam die Leitmedien konsumiert, gibt es gute und schlechte politische Ansichten. Daran gibt es keinen Zweifel. Und jeder, der die falsche politischen Ansichten hegt, ist ein irrationaler Wutbürger / Protestwähler / Angsthaber, der nur mal von jemandem mit den richtigen poltischen Ansichten ein paar Erläuterungen bräuchte, damit er wieder sauber tickt. In irgendeiner grauen Vorzeit galt mal, dass jede Stimme gleichwertig ist. Aber heutzutage werden eben Meinungen zu Bauchgefühlen degradiert und unterschwellige Korrelationen konstruiert: welcher Wähler ein „Dummbatz“ ist, weil er falsch wählt und welche Partei ein No-go ist, weil sie nur von „Dummbatzen“ gewählt wird. Lang lebe die an sich gerissene Deutungshoheit. Entschuldigung, liebe Journalisten, ich weiß ja, Sie wollen nur ganz neutral analysieren, wer wen wählt. Reine Neugier, kein Kalkül. Aber ich schweife vom Thema ab … Botschaft des Obigen ist natürlich: Frauen wählen besser und moderner!

Arbeitszeitmodelle

„Frauen wünschen sich im Durchschnitt eine Arbeitszeit von 28 Wochenstunden, derzeit arbeiten sie im Schnitt 30. Jede vierte Frau würde gern mehr arbeiten, als sie es derzeit tut, vor allem Frauen in unfreiwilliger Teilzeitarbeit. Männer hingegen möchten im Durchschnitt 35 Stunden pro Woche arbeiten, verbringen derzeit aber 43 Stunden mit dem Job.“ – Uiuiui … dünnes Eis, ganz dünnes Eis. Wie vertragen sich denn diese Umfrage-Wahrheiten mit den Thesen, dass zu wenig Frauen in Führungspositionen sind, weil die bösen Männer das mit ihren Seilschaften verhindern? Oder schafft man es neuerdings, als Teilzeitarbeitende eine Führungsposition zu bekleiden? Immerhin wollen dann ja wohl 3 von 4 Frauen lieber weniger als mehr Zeit bei der Arbeit verbringen. Und überlegen Sie doch noch mal, liebe Autoren und Autorinnen, wie das in Zusammenhang mit dem unbereinigten Gender-Pay-Gap steht, mit dem Sie so gerne in fetten Schlagzeilen hausieren gehen.

Übrigens: Ihre Kollegin in dem anderen Artikel schrieb: „Denn Frauen verbringen heute anderthalbmal so viel Zeit damit wie Männer, sich um Kinder, ältere und hilfsbedürftige Menschen zu kümmern. Jeden Tag kümmert sich jede Frau um eine Stunde und 27 Minuten mehr, als es ein Mann tut.“ Oh ja, großes Kunststück, wenn man nur 28-30 Stunden arbeitet (ich hoffe mal nicht, dass in diese Berechnung des „mehr Kümmerns“ die Arbeitszeiten als Erzieherin, Krankenschwester usw. eingeflossen sind …).

Und sonst so …

Übrigens ist es zwar richtig, das Männer mehr Verbrechen begehen, aber die Logik:

„Mehr als die Hälfte der Kindstötungen und der „Verletzungen der Fürsorgepflicht“ werden von Frauen verübt. Wer sich mehr um die Kinder kümmert, schadet ihnen offensichtlich auch häufiger. “

werte ich mal als Versuch einer Relativierung. Geht ja gar nicht anders … wer mehr mit Kindern zu tun hat, kommt halt auch häufiger in die Versuchung, sie umzubringen bzw. anderweitig zu schaden?!

Und so läuft es immer in solchen Texten: Sich offen oder unterschwellig als das bessere Geschlecht darstellen, Andeutungen machen, ein paar nebensächliche Mätzchen augenzwinkernd zugeben, allzu Negatives relativieren.

Abschließend:

„Wir haben mal kurz so getan, als spielten Männer mal keine Rolle. Sie müssten sich nicht in Luft auflösen, aber mal die Luft anhalten, nichts sagen, nichts machen, nichts entscheiden. Was wäre dann los in der Frauenrepublik Deutschland? Man könnte sich darauf verlassen, dass der Kompetenzverlust dabei überschaubar bliebe. Um Müllabfuhr und Warenlieferungen müsste man sich keine Gedanken machen.“

Nein, frau müsste sich um viele Dinge keine Gedanken machen, denn sie wären ja bereits vorhanden. Ein kurzer Urlaub aller Männer macht da nichts.

Aber haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, was wäre, wenn die Frauen schon seit langer Zeit ohne Männer hätten auskommen müssen?

Viel Spaß in der Steinzeithöhle. Denn eins ist doch wohl gewiß: Schon Frau Feuerstein hat argwöhnisch geguckt, als sich ihr Gatte mit so einer Spinnerei wie dem sogenannten „Rad“ im Hobbykeller beschäftigt hat. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit den weiblichen Ausnahmetalenten wie Marie Curie, Lise Meitner usw.

Es sind Männer, die die Welt vorangebracht haben, da beißt die Maus keinen Faden ab, auch wenn von Männern gleichzeitig Unheil ausgeht. Das ist die Kehrseite der Medaille. Die Antriebsfeder des dem Manne innewohnenden Wettbewerbsgedankens, der zu all dem führte, was um uns herum ist, führt auch zu Gewalt, Krieg, Verbrechen. Nein, das ist nicht gutzuheißen, aber auch nicht zu instrumentalisieren für ein beknacktes „wir können eh alles besser“.

Die von den Artikeln aufgeworfene Frage, was denn wohl wäre, würden ausschließlich Frauen das Ruder für eine Zeit übernehmen, wird in den Artikeln so beantwortet, als würde da ein kurzfristiger Betrachtungshorizont ausreichend sein. Und die unlogische Antwort lautet: Es wäre alles beim Alten und gleichzeitig besser. Eine Friede-Freude-Eierkuchenwelt, ökologisch, friedlich und fürsorglicher. Unreflektierter Balsam für die „stets geschundene weibliche Seele“, würdig einer 0815-Frauenzeitschrift, aber nicht einer Institution wie der „ZEIT“. Es ist immer aufs Neue verwunderlich, was für ein Käse da durchgelassen wird. Aber wahrscheinlich gilt da auch: „Wenn ich das nicht schreiben darf, werde ich unterdrückt, böser Chefredakteur“.