Meinungsmanipulaton a la ZAPP

Dieser Artikel ist (fast) Off Topic, aber da wir uns hier ja auch oft genug mit Meinungsmanipulation herumärgern müssen, passt es eben doch so am Rande. Mir ist da nämlich so ein hübsches Stück aufgefallen.

Wer das politische Tagesgeschehen einigermaßen verfolgt, hat sicherlich die Aufregung um die von Arte und WDR zurückgehaltene und nicht gezeigte Dokumentation über Antisemitismus „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ mitbekommen. „ZAPP – Das Medienmagazin“ vom NDR berichtet über das Geschehen, regt sich aber weniger über den Inhalt auf als darüber, dass BILD den Film für einen Tag auf seiner Website trotzdem gezeigt hat, obwohl BILD keine Rechte daran hatte. Frech, findet das Redakteurin Anja Reschke.

Und da auch Frau Reschke die Doku anscheinend nicht gefällt und man als ZAPP-Redaktion wohl den befreundeten öffentlich-rechtlichen Sendern Schützenhilfe geben will, muss man der offiziellen Begründung für das Zurückhalten, die Dokumentation sei „unausgewogen“, ein wenig nachhelfen. Die Schwierigkeit liegt darin, einen Film über Antisemitismus zu diskreditieren, ohne sich selbst des Vorwurfs des Antisemitismus bzw. dessen Verharmlosung auszusetzen. Da muss man schon sehr subtil vorgehen. Aber hey, man ist ja schließlich ein Fernsehsender, hat das entsprechende Filmmaterial und was liegt da näher, als dieses einfach passend zu schneiden?

Am Anfang des Ausschnittes von ZAPP wird die Rede von Mahmud Abbas vor dem Europäischen Parlament gezeigt und der Vergleich, den der Film mit dem Nazi Julius Streicher zieht. So wie ZAPP das geschnitten hat, sieht es für den Zapp-Zuschauer natürlich so aus, als wäre dieser Vergleich völlig überzogen und damit die Doku polemisch und einseitig. Was hat Abbas auch schon großartig schlimmes gesagt in dem Ausschnitt? Dem Off-Kommentar des Dokumentarfilms „Bitte hören sie genau zu!“ ergänzt der ZAPP-Redakteur noch mit „den drastischen Vergleichen“, um den Zuschauer mit der Nase auf den angeblich überzogenen Vergleich mit Streicher zu stoßen.

Aber das, was dazwischen weggeschnitten wurde, ist das eigentlich brisante. Abbas hat nämlich die alte Geschichte von den brunnenvergiftenden Juden wieder aufgewärmt, und das vor dem EU-Parlament. Martin Schulz und viele andere haben am Ende der Rede Abbas applaudiert, Schulz hat die Rede auch noch „inspirierend“ genannt. Natürlich schneidet man das raus, denn damit wird der Vergleich mit der Nazizeit auf einmal viel plausibler. Aber das sind halt so die kleinen dreckigen Tricks, mit denen man was ins schlechte Licht stellen kann und immer noch so tun, als hätte man offen berichtet.

Selbstverständlich gibt es auch die Doku längst im Netz, so z.B. hier. Prädikat: Extrem sehenswert. Mindestens ein Upload auf Youtube wurde allerdings schon wieder blockiert.

Keine Angst, die beiden Szenen sind jeweils ganz am Anfang der Filme. Und falls auch diese Version aus Youtube wieder verschwinden sollte, ich habe längst eine mp4-Kopie auf der Platte.

Fundstück: Bianco-Werbung mit Frauengewalt und Männerhass

Gerade gesehen: Eine Schuhfima macht Werbung mit Frauengewalt und Männerhass, und zwar so, dass ich nicht wüsste, das schon einmal in dieser Unverfrorenheit gesehen zu haben. Mal stelle sich das nur mal andersrum vor. Und dann auch noch mit dem Slogan:

Equal pay is not enough! We need more!

It’s more expensive to be a woman than to be a man. Equal pay is not enough! #WomenNeedMore

Schöner kann man weibliche Anspruchshaltung wohl kaum ausdrücken.

„Netzfrauen“ machen Stimmung gegen „The Red Pill“

Die Deutschland-Premiere der Dokumentation „The Red Pill“ von Filmemacherin Cassie Jaye kriegt auch langsam Gegenwind. Die „Netzfrauen“ veröffentlichten heute ein von jeglicher Realität unbelecktes Pamphlet auf ihrer Website mit dem absurden Titel

Frauenfeindlicher Film „The Red Pill“ in Australien verboten nun in Berlin! Frauenhasser auf dem Vormarsch – weltweiter Protest!

Der meiste Teil des ellenlangen Artikels hat mit dem Film überhaupt nichts zu tun, es geht nur darum Empörung und Emotionalität anzustacheln. Es geht erst einmal los mit einer Erinnerung an den Pick-Up Artist Julien Blanc. Hat zwar nichts mit dem Film zu tun, aber egal, der Frame muss erst einmal hergestellt werden. Dann werden über zwei lange Absätze neueste Gewalttaten an Frauen in aller Welt ausgebreitet. Hat zwar auch nichts mit dem Film zu tun, aber egal, das packen wir mal rein, um die Dramatik zu erhöhen.

Im fünften Absatz beschäftigt man sich endlich mit dem Film, wie folgt:

Während immer mehr Frauen gegen Gewalt auf die Straße gehen, macht genau eine Frau das Gegenteil,  die Filmemacherin Cassie Jaye versucht die Männerrechtsbewegung zu verstehen und drehte dazu eine Dokumentation die schon jetzt für heftigen Protest sorgt. Zuerst bekam sie kein Geld für die Produktion zusammen, dass war auch gut so, dann fanden sich doch fleißige Geldgeber, Sie dürfen raten, aus welcher Szene?  Und jetzt haben schon Länder, da wo damals schon Julien Blanc ausgewiesen wurden, diesen Film verweigert. Allen voran Australien. Hier wollte ein Kino diesen Beitrag zeigen, doch durch heftigen Protest hat das Kino bekannt gegeben, darauf zu verzichten.

Heftiger Protest? Das war eine popelige Online-Petition mit exakt 2.367 Unterschriften, während die Gegenpetition derzeit bereits 8411 Unterschriften hat. Das Kino hatte wohl Angst vor Randale und hat deswegen die Zusage zurück genommen. Dass Australien als Land den Film verboten hätte, davon kann überhaupt nicht die Rede sein.

Dann gehts wieder zwei Absätze über Julien Blanc, und auch Bill Cosby muss erwähnt werden. Endlich nähert man sich ein bisschen dem Film, aber auch nur dem Titel, denn daraus wird messerscharf geschlossen, dass der Film eine enge Verbindung mit dem Reddit-Forum „The Red Pill“ haben muss. Die Schandtaten und schlimmen Äußerungen auf diesem Forum werden dann auch noch einmal absätzeweise breit getreten. Diejenigen, die dort posten, sind für die Netzfrauen

Typen, die offenbar glauben, bisher nicht den ihnen in dieser Welt zustehenden Anteil Frauen und Sex bekommen zu haben. Die keinem weiblichen Wesen über den Weg trauen, und Vergewaltigungsopfer zu Lügnerinnen erklären

Schließlich gipfelt das in der absurden Frage:

Wollen Sie es einfach so hinnehmen, dass eine Anleitung zur Gewalt an Frauen ins Kino kommt?

Erstaunlich an der Sache ist ja, dass die Netzfrauen den Trailer offensichtlich gesehen haben, schließlich verlinken sie ihn sogar. Wie man daraus allen Ernstes irgendeine „Anleitung zur Gewalt an Frauen“ herauslesen will, ist mir schleierhaft.

Dann gleiten sie endgültig ins Reich der Phantasie ab:

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich von Männern eine Antifeministische Bewegungen gegründet,  ihre Ideologien und Organisationen bildeten sich in Europa und den USA  als Reaktion auf Emanzipationsforderungen .Sie formieren sich vor allem in Bewegungen, die gegen etwa das Frauenwahlrecht oder das Frauenstudium kämpften und die traditionelle Rolle des weiblichen Geschlechts festschreiben wollten.

Fazit: Frauen sind ein Produkt, die der Männerwelt zu Füßen liegen müssen. Oder wie auch schon der Pickup-Künstler Julien Blanc beschreibt: „Männer nehmt sie euch, ich sage euch wie es geht.“

„Bitte in keinem Fall diesen Film in einem Kino zulassen, wo man Menschen lehrt, wie sie Frauen körperlich und emotional verletzen können. Bitte kämpfen sie mit den Frauen auf der ganzen Welt, die fordern, keinen misogynen Hass zu fördern!“  So der Aufruf aus Australien, worüber auch The Guardien Ende Okotober berichtete. [Rechtschreibfehler sind original]

Kaum hat man diesen Nonsens verzapft, setzt man noch einen drauf:

Die selbsternannte Feministin Jaye behauptet, dass alles nur Lügen seien, was man über den Film berichtet und dass es Feministinnen sind, die sich gegen diesen Film wehren. Schaut man sich die Bewegung der „Roten Pillen“ an, dann braucht man keine Feministin zu sein, um sich dagegen aufzulehnen .

„Die selbsternannte Feministin“. Dass ich diese Wortkombination noch erleben darf…

Zum Abschluss bringen sie es fertig, den ersten von mir zitierten Absatz noch einmal fast identisch zu wiederholen, und mit dem Satz zu schließen:

Auch in Deutschland muss dieser Film verboten werden.

Damit sich auch keiner Illusionen über totalitäre Anwandlungen von Feministinnen machen muss…

Fazit: Man fragt sich ja schon, in welcher Parallelwelt man leben muss, um ein solches Traktat auszudünsten. Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass der Film irgendetwas mit der Pickup-Szene zu tun hat, und mit dem Reddit-Forum verbindet ihn auch kaum mehr als der Name. Aber diese Verbindungen werden von den Netzfrauen ohne jeglichen realen Grund herbei phantasiert, um aus dem Film eine „Anleitung zur Gewalt an Frauen“ zu machen. Dass der Trailer das nicht im entferntesten hergibt, interessiert nicht. Wenn man ein Beispiel für das postfaktische Zeitalter braucht, hier haben wir ein wunderbares solches. Anschuldigungen ohne jeglichen Realitätsbezug zu erheben ist eben die übliche Masche, die Feministinnen verwenden, um männerrechtliche Anliegen in den Schmutz zu ziehen, um sich mit diesen erst gar nicht real beschäftigen zu müssen.

Im Text der Netzfrauen sind noch mehr Facepalm- und Kopf-zu-Tisch-Momente versteckt, aber ich kann ja nicht alles zitieren. Viel Vergnügen!

Und bevor wer nochmal den Trailer suchen muss (es gibt auch deutsche Untertitel):

Wie Simone Schmollack „Genderbashing“ basht

Simone Schmollack versucht heute in der taz Kritik an Gender-Mainstreaming und Gender Studies wieder einmal in die rechte Ecke zu stellen. Dabei behauptet sie unter dem Titel „Die Stunde der Phobiker“:

Kritik an der Genderforschung ist unter Konservativen in Mode. Sie wird auch benutzt, um Errungenschaften der Moderne in Frage zu stellen. […]

Seit der Rechtspopulismus zum Mainstream avanciert ist, ist Gender-Bashing groß in Mode. GleichstellungsphobikerInnen fühlen sich im Aufwind: Jetzt wird mal so richtig aufgeräumt mit dem ganzen Genderquatsch. Beatrix von Storch zum Beispiel. Die Vizechefin der AfD lässt nahezu keine Gelegenheit aus, gegen Gender-Mainstreaming zu Felde zu ziehen. Das sei eine „politische Geschlechtsumwandlung“, ziele auf die „Dekonstruktion der Geschlechter“ und diskriminiere Jungs und Männer. […]

Alles, was auch nur den Anstrich von „Gender“ hat, wird abgelehnt und verächtlich gemacht, den universitären Gender-Studies wird der wissenschaftliche Charakter abgesprochen und ideologische Voreingenommenheit unterstellt: Das Forschungsfeld sei überflüssige Frauenförderung, weil Frauen längst gleichgestellt seien.

Man muss schon taub und blind sein, um zu leugnen, dass Frauen vielfach schlechter bezahlt werden als Männer und vielfach eine miserable Rente kriegen. Dass es weniger Chefinnen als Chefs gibt, dass Teilzeitjobs vorrangig von Frauen ausgefüllt werden. Dass alltäglicher Sexismus insbesondere Frauen trifft. Macht nichts – die Gender-KritikerInnen fordern trotzdem, dass jetzt endlich mal die Männer in den politischen und wissenschaftlichen Fokus gehörten. […]

Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs. Familienförderung konzentriert sich seit Jahren gleichermaßen auf Frauen und Männer. Stichworte dafür sind: Vätermonate und Teilzeit auch für Chefs. Debatten kreisen um unterschiedliche männliche Lebensentwürfe jenseits traditioneller Heldenrollen. Das ignorieren Gender-KritikerInnen allerdings nicht nur, es ist ihnen vielmehr ein Dorn im Auge. Sie wollen vielmehr zurück zu einem konservativen Familienbegriff, der den Geschlechtern klare Rollen zuweist: Frau an den Herd, Mann raus in die Welt.

Nicht zufällig kommen viele Gender-KritikerInnen aus einem christlich-fundamentalen Lager, das Familie als die „Keimzelle“ der Gesellschaft als Gemeinschaft aus Vater, Mutter, Kind(ern) sieht. Homosexualität, Eingetragene Partnerschaft und Adoptionsrecht für Homosexuelle werden ebenso abgelehnt wie Abtreibung und Sexualerziehung in der Schule. […]

Und in jüngster Zeit veröffentlichen konservative Medien Texte, die ausführlich Gewalt gegen Männer thematisieren. Ja, es gibt Frauen, die ihre Partner schlagen. Und ja, es gibt Männer, die sich nicht wehren können. Das ist ein Problem. Das löst man aber nicht, indem man Gewalt gegen Gewalt aufrechnet und Männer zu Opfern macht. Man löst es auch nicht, indem man all die Gewalt dem Gender-Mainstreaming zuschreibt.

Das Problem löst man, in dem man Gender-Forscherinnen in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt.

Das einzig positive im Artikel ist der Satz:

In der FAZ ist ein Text über die erstarkende Männerrechtsbewegung überschrieben mit „Das vernachlässigte Geschlecht“.

Aber holla: Das ist doch mal eine gute Nachricht, wenn selbst Simone Schmollack konstatieren muss, dass unsere Bewegung am Erstarken ist!

Ich habe dazu einen längeren Kommentar geschrieben, der noch nicht freigeschaltet ist, aber vorsorglich werde diesen auch gleich hier veröffentlichen:

Der übliche Artikel nach dem Motto: Männer, haltet einfach die Schnauze und überlasst die Geschlechterpolitik weiter nur den Frauen, speziell natürlich den Feministinnen!

Auch ansonsten dient der Artikel mehr der Vernebelung als der Aufklärung. Bei Gender-Mainstreaming geht es mitnichten nur um ein wenig Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit, sondern um die Desavouierung von männlichem Verhalten als solches. Nicht umsonst geistern da Konzepte von „Toxic Masculinity“ und „Rape Culture“ umher, und die Existenz eines Patriarchats wird nicht hinterfragt, sondern schicht vorausgesetzt.

Grundlage der Gender Studies ist das Dogma des weißen Blattes, die Behauptung, jegliches unterschiedliches Verhalten zwischen Männern und Frauen sei durch Erziehung und Sozialisation erlernt und gesellschaftlich konstruiert, während der mögliche Einfluss von Genen und Hormonen auf das Verhalten komplett geleugnet wird. Diese Annahme ist absolut konstitutiv für den Genderfeminismus, denn andernfalls müsste man zugeben, dass Männer eben nicht so einfach umzuerziehen sind, so dass sie frauenkompatibler werden, was ja letzten Endes das Ziel, zumindest eines der Ziele von Gender-Mainstreaming und Gender Studies ist. Allerdings verweigern sich die Gender Studies seit Jahren beharrlich einer neutralen Evaluation. Kein Wunder, denn dann müsste der nackte Kaiser ja seine Kleider vorzeigen.

Und natürlich müssen Kritiker wieder ins rechte Lager gesteckt werden. Nur: Der derzeit wichtigste Kritiker, Prof. Ulrich Kutschera, ist Atheist und im Beirat der säkularen Giordano-Bruno-Stiftung, also so ziemlich das genaue Gegenteil von klerikal-konservativ.

Auch andere Männerverbände ordnen sich ganz sicher nicht rechts ein, aber die Autorin muss natürlich das Menetekel Polen an die Wand malen, das ganz sicher kommen würde, wenn man tatsächlich mal Männer zu Wort kommen ließe in der Geschlechterpolitik.

Im Gegenteil, bis auf ganz wenige krude Gestalten ganz rechts hat heute kein Mann mehr etwas gegen Gleichberechtigung und flexible Rollenmodelle. Wenn sie denn flexibel bleiben und nicht das alte bisher vorherrschende Modell durch einen neuen Zwang ersetzt wird. Nur, da sollten auch die Frauen mal ihrer Privilegien bewusst werden. Wenn diese im Arbeitsleben noch teilweise bei den Männern liegen, liegen sie im Privaten, im Bereich von Familie und Kindern eindeutig auf Seiten der Frauen. Männer haben nicht dasselbe Reproduktionsrecht, Männer dürfen immer noch nicht wissen, ob die Kinder wirklich ihre eigenen sind. 90% aller Kinder werden nach der Scheidung der Frau zugesprochen, und wenn Mann Pech hat und Frau es will, sieht er sie nie wieder, muss aber trotzdem weiter Unterhalt für sie zahlen. Es geht nicht nur um ein wenig Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie die Autorin suggeriert. Es geht ganz massiv um Rechte, die Männern von Frauen vorenthalten werden.

Es soll also wieder das Eintreten für Männerrechte als „rechts“ diffamiert werden. Aber wenn sich das linke Lager nach Jahrzehnten des einseitigen Blicks auf die Bedürfnisse von Frauen nicht langsam auch mal wieder denen der Männer zuwendet, werden diese vermehrt rechts wählen. Und das will ich nicht!

Nachtrag

Noch ein Nachtrag zum meinem Kommentar: Die Autorin stellt es so dar, als ob der Vorwurf von Beatrix von Storch, bei Gender werde „Dekonstruktion der Geschlechter“ betrieben, absurd sei. Und ich dachte immer, genau das sei ein wesentlicher Inhalt von Gender Studies. Was sagen denn die Genderforscherinnen dazu?

Außerdem: Wenn die Autorin behauptet „Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs.“, dann vergisst sie zu erwähnen, das diese Projekte auf Männerseite so gut wie immer ehrenamtlich von quasi Hobbyisten auf die Beine gestellt werden, während die entsprechenden Projekte auf Frauenseite sich üppiger staatlicher Alimentierung erfreuen dürfen.

Update von 21:00 Uhr:

Nachdem von meinem dreiteiligen Kommentar nur der dritte Teil („Nachtrag“) akzeptiert wurde, und dies auch schon zehn Stunden her ist, gehe ich davon aus, dass die ersten beiden Teile nicht mehr freigeschaltet werden.

Antworten, die Anne Wizorek nicht findet

Die allseits bekannte und beliebte Feministin Anne Wizorek hat auf Broadly einen Kommentar zum Prozessausgang beim Falschbeschuldigungsverfahren gegen Gina-Lisa Lohfink verfasst. Im wesentlichen beharkt sie natürlich auch das feministische Hauptnarrativ, Lohfink sei nur aufgrund ihres Vorlebens als unglaubwürdig gebrandmarkt worden. Dabei stellt sie einige Fragen, die ihrer Ansicht nach noch offen wären. Meiner Ansicht nach sind diese längst geklärt, deswegen kann ich ihr hier auch antworten:

Warum ist es nicht relevant, dass einer der Männer in der Vergangenheit durch ähnliche Taten aufgefallen sein soll?

Wenn man zwei Absätze vorher postuliert, dass die Vergangenheit der Angeklagten Lohfink nicht relevant sein sollte, ist das eine äußerst merkwürdige Frage. Aber was bei Frauen auf gar keinen Fall sein darf, nämlich das Herumrühren im Vorleben, denn das ist ja „slut-shaming“, das geht bei Männern natürlich problemlos.

Warum wollte die Staatsanwältin diese Zeuginnen (heutige Ex-Freundinnen) erst nicht mal zu Wort kommen lassen?

Weil das, wie gesagt, nicht relevant ist. Es ging in der Verhandlung nicht darum, ob die beiden Männer Vergewaltiger sind, das wurde bereits geklärt. Es ging darum, ob Lohfink nachzuweisen ist, dass sie die Männer falschbeschuldigt hat. In dem Zusammenhang ist das Vorleben der beiden völlig uninteressant.

Warum wird insgesamt drei Frauen schlicht nicht geglaubt?

Es geht nicht darum, ob den Zeuginnen geglaubt wird oder nicht. Wenn deren mögliche Aussage irrelevant ist, ist auch die Frage nach deren Glaubwürdigkeit irrelevant. Was Lohfink selbst angeht: Weil die Fakten dagegen sprechen. Die Ungereimtheiten, die Wizorek in dem Fall beklagt, hat vor allem die Angeklagte selbst verursacht.

Wieso muss Lohfink stolze 20.000 Euro zahlen, während das unerlaubte Verbreiten des Videomaterials mit lediglich 1.350 Euro veranschlagt wurde und wie wird diese Unverhältnismäßigkeit von Strafbeträgen gerechtfertigt?

Weil sie einen ganz anderen Tagessatz zu bezahlen hat, weil sie eben deutlich mehr verdient als Pardis F., den sie durch ihre Anschuldigung arbeitslos gemacht hat. 80 Tagessätze á 250 Euro ergibt nunmal mehr als 90 Tagessätze á 15 Euro. Insofern hat der Angeklagte Pardis F. de jure sogar eine höhere Strafe hinnehmen müssen. Aber wenn man halt keine Ahnung von Strafrecht hat, vergleicht man eben nur die Endsummen. Oder man hat Ahnung, schiebt sie aber beiseite, weil sie der beabsichtigten Polemik im Weg steht.

Wieso wurde bislang nur einer der Männer für die unerlaubte Verbreitung des Videos belangt?

Weil der andere bisher ohne festen Wohnsitz war und deswegen der Strafbefehl nicht zugestellt werden konnte. Dies soll aber jetzt nachgeholt werden. Sebastian C. will sich aber im Gegensatz zu Pardis F. gegen den Strafbefehl wehren. Wenn man die Sache ein wenig verfolgt hat, hätte man das längst mitkriegen können, weil das in quasi jedem zweiten Artikel zum Fall stand.

Warum wurde nur der Einfluss durch K.O.-Tropfen in Betracht gezogen, wenn unterschiedliche Date-Rape-Substanzen auch zu unterschiedlichen Symptomen führen?

Es könnte vielleicht daran liegen, dass Lohfink exakt das behauptet hat, nämlich unter dem Einfluss von KO-Tropfen gewesen, vollkommen weggetreten und zunächst erinnerungslos gewesen zu sein. Warum sollte man etwas untersuchen, was sie den Männern gar nicht vorgeworfen hat?

Weshalb ist nicht bereits als problematisch thematisiert worden, dass hier jemand sehr offensichtlich stark betrunken war und trotzdem in eine sexuelle Situation gebracht wurde?

Wie die meisten meiner Antworten: Es ist nicht relevant, denn bei uns darf man zum Glück noch immer auch in betrunkenem Zustand seine Zustimmung zu Sex geben.

Wieso wird das Motiv, Lohfink wollte einfach nur mal wieder in die Medien, nicht hinterfragt, wenn sie noch nicht mal wollte, dass das Video der vermeintlichen Tatnacht verbreitet wird—etwas, dem immerhin schon durchs Gericht stattgegeben wurde?

Ach Anne, Logik ist nicht so Deine Stärke, oder? Dass man nicht will, mit einem negativen Image (als „Schlampe“ in einem halbseidenen Porno-Dreh) in die Öffentlichkeit zu kommen, schließt natürlich vollkommen mit aus, dass man mit einem positiven Image in die Öffentlichkeit will, z.B. Mitleid erheischendes Opfer einer Vergewaltigung, und wenn das halt nicht klappt, dann eben immer noch als Opfer der Justiz. Gut, dass sie das wirklich mit Absicht inszeniert hat, glaube ich jetzt auch nicht unbedingt. Aber unplausibel ist es deswegen noch lange nicht.

[Der Richterin] Fazit lautete daher: Gina-Lisa Lohfink habe lediglich PR in eigener Sache betreiben wollen. Aber was für eine PR soll das bitte sein?

Wie gesagt, als armes Opfer hat man derzeit extrem viel Anspruch auf Mitleid und Empathie, um den ausgelutschen Begriff mal zu verwenden. Darum kämpft Ihr doch unermüdlich. Auch wenn man es anfangs vielleicht nicht darauf abgesehen hat, warum sollte man es denn verpassen, wenn man sich unter die Reihen der Opfer mischen kann, wenn sich die Gelegenheit bietet, und es einem eine Menge Leute anbieten?

Wie grotesk ist es außerdem, dass nun gerade Medienmenschen Gina-Lisa Lohfink auch noch einen daraus Vorwurf machen, weil diese mit Medien geredet hat?

Grotesk ist an der Sache nur, dass Lohfink sich zwar mit allen Medien offenherzig über ihren Fall und dessen angebliche Geschehnisse austauscht, aber ausgerechnet im Gerichtssaal, da wo es darauf an käme, sich extrem zugeknöpft gibt. Nur das werfen ihr Medienvertreter vor. Wer sonst bitte sollte das tun, wenn nicht Journalisten?

Weiter wird behauptet, die Debatte wäre durchaus richtig, nur der Fall von Gina-Lisa Lohfink als Aufhänger nicht. Dabei wollen diejenigen, die solche Thesen aufstellen, die Debatte rund um Sexismus und sexualisierte Gewalt sonst oft gar nicht erst führen. Geschweige denn, dass sie diejenigen wären, die unermüdlich sexualisierte Gewalt als gesellschaftliches Problem auf die Agenda setzten.

Nun, doch, wir wollen diese Debatte durchaus führen. Allerdings nicht nach den Regeln, wie sie uns Feministinnen vorschreiben wollen, also unter Ausblendung von männlichen Opfern und weiblichen Täterinnen, mit von Vorurteilen behafteten Studien, die noch dazu grotesk missinterpretiert werden, mit aus der Luft gegriffenen Dunkelziffern und mit Denkverboten. Wenn man der Ansicht ist, dass die sogenannte Debatte eh schon mit extremer Hysterie und Alarmismus geführt wird, und dass es nötig ist, diese abzukühlen, dann kann es schon mal so aussehen, als ob man sie nicht führen wollte. Das stimmt nicht, wir wollen sie nur anders führen. Sachlicher.

Der Rest von Wizoreks Traktat ist, nun ja, allenfalls querlesenswert.

Fazit:

  1. Wizorek hat anscheinend keine Ahnung von Strafrecht
  2. Mit Logik hat sie es auch nicht so
  3. Sie tut so, als ob die Frage, ob da eine Vergewaltigung stattgefunden habe, weiter offen sei
  4. Mit dem Gedanken, dass es tatsächlich eine Falschbeschuldigung gegeben haben könnte und ob diese nun strafwürdig ist, will sie sich erst gar nicht befassen

 

Das neue Sexualstrafrecht hat auch gute Seiten für Männer

Eigentlich war dieser Text als Kommentar unter diesem m.E. hervorragenden Artikel von RA Alexander Stevens gedacht. Aber da er immer länger wurde, habe ich mich entschlossen, ihn hier zu veröffentlichen:

Gesellschaftspolitisch wird sich das neue Strafrecht so auswirken, dass es genau die falschen trifft. Die Idioten, Machos, die sich für die Supermänner halten, sprich, die, die sich schon bisher eher wenig für den Willen der Frau interessiert haben, werden sich nicht abhalten lassen. Die netten Männer dagegen wird das noch mehr verunsichern, sie werden noch mehr darauf warten, bis die Frau endlich mit dem Zaunpfahl winkt. Und dann werden sich die Frauen noch mehr beschweren, dass sie immer nur an die Arschlöcher geraten, denn die sind die einzigen, von denen sie noch offensiv angebaggert werden.

Außerdem wird es wahrscheinlich eine deutliche Zunahme an Anzeigen geben. Weil Frauenberatungsstellen den Frauen jetzt mehr zuraten, das zu tun, weil es ja inzwischen leichter ist. Was für die Feministinnen dann wiederum der Beweis für ihre These der Rape Culture sein wird. Und der Ruf nach noch schärferen Regeln auf dem Fuße folgt, bis Sex endgültig wie Körperverletzung gehandhabt wird, sprich strafbar ohne vorherige schriftliche Zustimmung.

Die Frage ist allerdings, ob es bei dem Anstieg von Anzeigen auch zum Anstieg von Verurteilungen kommt. Schließlich gibt es in den meisten Fällen immer noch keine Zeugen und es steht Aussage gegen Aussage. Wenn die Richter kühlen Kopf bewahren, bedeutet das ein Stagnieren der Verurteilungen bzw. weiteres Sinken der Verurteilungsquote, was natürlich ein weiterer „Beweis“ für die „Rape Culture“ sein wird. Wenn die Richter mehr verurteilen, wird auch die Anzahl der Kollateralschäden steigen, sprich der Falschbeschuldigungen, die zu einer Verurteilung geführt haben. In beiden Fällen depremierende Aussichten. Vermutlich wird sogar beides passieren, ein Anstieg von Justizirrtümern und der weiter anschwellende Bockgesang in Sachen Rape Culture.

Ein besseres Konjunkturprogramm für das horizontale Gewerbe hätte man sich kaum einfallen lassen können. Da ist Mann wenigstens einigermaßen sicher, dass ihn die Frau hinterher nicht vor den Kadi zerrt.

Für die normalen Frauen wird es aber dünn. In ein, zwei Jahren werden wir dann von noch mehr Artikeln der Sorte „Wo sind die echten Männer geblieben? Die trauen sich ja gar nichts mehr!“ überschwemmt. Aber man kann ja mit den Freundinnen nach Italien fahren, wo es noch echte Papagallos gibt.

Ab jetzt ist Tacheles angesagt!

Tja Mädels, das habt ihr Euch selber eingebrockt. Spielchen mit Rumzieren und so tun, als sei man das anständige Mädel, ist nicht mehr. Jetzt könnt ihr Euch nicht mehr selbst belügen und so tun, als wärt Ihr ja nur verführt worden. Jetzt müsst Ihr selbst klar und deutlich sagen, was ihr wollt, und zwar von Euch aus. Damit ist dann zwar die Romantik hinüber, wenn man alles vorher verbal aushandeln muss, aber was solls, ihr wolltet es ja so.

Ach, und hat man eigentlich geklärt, wie lange ein Nein gilt, bis man es wieder versuchen darf? Eine Stunde? Für den Rest des Tages? Für den Rest des Lebens, bis die Frau von sich aus widerruft? Ich für meinen Teil würde beim ersten Nein sowieso die Finger von ihr lassen, selbst wenn ich vermute, es ist gespielt. Nur so ist man auf der sicheren Seite. Und dann konsequent warten, bis sie von sich aus kund tut, es jetzt doch zu wollen. Daran müssen sich Frauen erst noch gewöhnen, aber es bleibt Euch nichts anderes übrig, sonst wird bei dem netten Typen, den Ihr ja eigentlich wollt, eben nichts laufen, wenn Ihr ihn einmal abgewehrt habt. Von sich aus wird er es jedenfalls nicht mehr probieren.

Das heißt, vor allem eines wird eine Folge des Gesetzes sein, die Frauen gar nicht schmecken wird:  Ab jetzt sind klare Ansagen vonnöten! Männer werden von Frauen deutliche Willensbekundungen verlangen (müssen). Keine Zweideutigkeiten mehr, kein Durch-die-Blume-Gesäusel mehr, kein Lesen zwischen den Zeilen. Die weibliche Art der Kommunikation ist out, jetzt ist direkte männliche Kommunikation angesagt. Wenn sie zukünftig sagt: „Schahaatz, wir haben schon lange nicht mehr miteinander gekuschelt…“ wird er schon alleine aus rechtlichen Gründen fragen müssen: „Meinst Du jetzt Kuscheln oder Ficken?“