Das ganze Patriarchat in fünf Minuten

Ich nehme hier Bezug auf einen Kommentar von Findelfuchs, der sich auf Roy Baumeister bezieht:

»Baumeister sagt, dass weder Männer noch Frauen in Kulturen unterdrückt werden, sondern Kulturen sozusagen sowohl Frauen als auch Männer unterdrücken, jedoch auf unterschiedliche (und deshalb effiziente) Weise: Durch die evolutionären Grundlagen (Frauen als Flaschenhals der Reproduktion) ist es für Kulturen nützlich für alle gefährlichen, schweren oder mit der Gefahr des Scheiterns verbundene Aufgaben Männern zu übertragen, weil sie in Bezug auf die Reproduktion ersetzbar sind und sie stärker motivierbar sein werden, wenn ihre Funktionalität an den Erwerb von Status und Ressourcen gekoppelt wird, da ihnen dies das finden einer Partnerin und die Reproduktion ermöglicht. Frauen sind dagegen nicht ersetzbar und müssen geschützt werden und sind weniger stark für diese Aufgaben zu motivieren, da sie auch Sex bekommen und sich Reproduzieren können, ohne einem Mann Beschützer- und Versorgerqualitäten signalisieren zu müssen.

Es sind also die Effizienzbedingungen für das Überleben von Kulturen die Frauen Zuhause einsperren und Männer auf dem Schlachtfeld verbluten lassen«
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Feministische Theoriewoche: Soziale Konstruktion der Geschlechter

Ich nehme in dem folgenden Blogpost eine Anregung von Christian auf, der die KW 17 zu einer »feministischen Theoriewoche« machen möchte, indem ich das von ihm für den 20. April vorgesehene Thema »Soziale Konstruktion der Geschlechter« aufgreife. Meiner Meinung eignet sich für dieses Thema die Diskussion von drei theoretischen Ausrichtungen, die miteinander in Zusammenhang stehen: die klassische Rollentheorie, die poststrukturalistische Theorie von Judith Butler und psychoanalytisch ausgerichtete Theorien. Ich möchte diese drei Ansätze in unterschiedlicher Ausführlichkeit unter einer bestimmten Leitfrage erörtern, nämlich, auf welche Weise in ihnen Geschlecht als »soziale Konstruktion« verstanden wird und jeweils das Verhältnis zur naturwissenschaftlichen Biologie beschaffen ist.

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Von Luise F. Pusch den Umgang mit Shitstorms lernen

Luise F. Pusch ist die Frau, die es für eine gute Idee hielt, als unmittelbare Reaktion auf den Absturz der Germanwings Maschiene, bei dem 149 Personen starben, auf ihrem Blog und in der EMMA eine „Frauenquote fürs Cockpit“ zu fordern. Weil sich nämlich Frauen weniger oft umbringen würden als Männer, und das daher sicherer sei mit der ganzen Fliegerei. Völlig überraschend wurde Frau Pusch daraufhin von einem heftigen Shitstorm heimgesucht. In einem aktuellen Beitrag zeigt sie nun anschaulich, wie frau mit solcher Kritik am Besten umgeht:

1. Greifen Sie sich aus der ganzen Kritik die sie erhalten, die Aggressivste heraus und erzeugen somit den Eindruck, ihre Kritiker seien allesamt nur mordlüsternde gemeingefährliche Psychopathen.

2. Stellen sie klar, dass sie zwar in allen Medien heftig kritisiert wurden, aber „privat“ ja ganz viel Unterstützung bekommen haben. Das kann natürlich keiner nachprüfen und erzeugt den Eindruck, dass die mediale Darstellung nicht die wahre Volksmeinung widerspiegelt.

3. Wenn nichts mehr hilft, behaupten Sie einfach noch, der Shitstorm sei auch gar nicht an Sie persönlich gerichtet, sondern es ginge nur darum (wie immer) „die Frauen“ fertig zu machen. Denken Sie an die alte Formel, ein Shitstorm der von Frauen ausgeht (#aufschrei) ist ein Beleg für Unterdrückung der Frauen, ein Shitstorm der sich gegen eine Frau richtet aber auch.
4. Als Knaller am Ende: Tun sie erst so, als würden sie die Kritik vielleicht doch ein klein wenig ernst nehmen und verkehren sie das dann gleich wieder ins Gegenteil:

Der Shitstorm ist für mich vor allem ein Anlass, über ihn nachzudenken. In der nächsten Woche widme ich mich der Frage, welche Opfer in der Berichterstattung spezifiziert werden dürfen und welche nicht. Wir wurden fortlaufend über die Anzahl der deutschen Opfer informiert. Aber mein Interesse an der Anzahl der weiblichen Opfer unter den “16 Schülern” aus Haltern empfanden viele als unerträglich. Warum?

Genau Frau Pusch. Anlass des Shitstorms war natürlich nicht Ihr geschmackloser Versuch das Thema Frauenquote auf Kosten von Katastrophennopfern zu profilieren – oh nein, es lag natürlich nur daran, dass sie es mutig gewagt hatten speziell nach „weiblichen Opfern“ des Absturzew zu fragen. Ein Tabu im aktuell herrschenden Patriarchat, wo Medien ansonsten ja nie speziell von weiblichen Opfern berichten….

Warum ich mehr über den Vorfall zwischen dem Inder und der Professorin wissen möchte

Es ist etwa einen Monat her, da machte eine Meldung die Runde: Deutsche Professorin lehnt Student ab: Keine Inder – das sind Vergewaltiger! (so etwa Genderama). Kurz zusammengefasst: Ein indischer Student bat laut seiner Darstellung um einen Praktikumsplatz in Deutschland; die Professorin lehnte das angeblich ab, weil Indien ein Vergewaltigungsproblem habe.

Die angeblichen E-Mails bzw. Ausschnitte aus ihnen wurden veröffentlicht. Ursprünglich wurde kein Name genannt; dies änderte sich jedoch mit den Aktualisierungen (Name und Foto der Professorin). Da bei der ursprünglichen Quelle auf quora.com bereits vorher der volle Name des Instituts zu lesen war, wäre es kein großer Aufwand gewesen, ihre Identität herauszufinden. Insofern ist der Hinweis, die Privatsphäre zu achten, indem man nicht ihre E-Mailadresse und Telefonnummer veröffentlicht, entsprechend witzlos – die kann man in weniger als einer Minute Recherche über Google bzw. den Internetauftritt der Uni in Erfahrung bringen.

Die Stellungnahme zu den Anschuldigungen war nicht geeignet, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Meine Zusammenfassung: „Natürlich bin ich nicht fremdenfeindlich; die erwähnten Aussagen sind zwar gefallen, wurden aber aus dem Zusammenhang gerissen zitiert.“

Und genau hier hörte die allgemeine Berichterstattung auf. Das Interesse erlosch. Warum eigentlich?

Was schien passiert zu sein?

„Je besser eine Meldung über einen angeblichen Vorfall in mein Weltbild passt, umso stärker sollte ich sie hinterfragen.“ – so oder ähnlich hatte ich es in letzter Zeit mehrmals gelesen (und leider vergessen, mir den genauen Wortlaut sowie die Quelle zu notieren). Es wäre ja in der Tat zu schön gewesen gewesen, um wahr zu sein: Professorin argumentiert mit „Rape Culture“ und erzielt dadurch im Endeffekt Fremdenfeindlichkeit. Da man mit Hinweisen auf Männerfeindlichkeit und -diskriminierung keinen Blumentopf gewinnt, mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit jedoch viel Aufmerksamkeit erreichen kann, ist das ein Weg, um gegen Radikalfeminismus vorzugehen.

Radikalfeminismus, das ist etwa eine Argumentation im Stil von „Indien bekommt das Problem der Vergewaltigungen nicht in den Griff, könnte es aber, wenn die Bevölkerung bzw. deren männlicher Teil es wollte, so dass es dann effektiv keine Vergewaltigungen mehr gäbe.“ Es scheitert also nur am fehlenden kollektiven Willen und nicht an der Unmöglichkeit, individuelles Fehlverhalten eines jeden einzelnen stets verhindern zu können. Nur wer letzteres ausblendet, kann auf die Idee kommen, dass ein Mann Verantwortung für die Taten sämtlicher anderer Männer übernehmen kann.

Ganz nebenbei sind wieder einmal nur Frauen die Opfer und Männer die Täter. Deswegen werden auch nur männliche Studenten abgestraft und nicht etwa alle. So schimmert es durch aus der Darstellung auf Quora.

Eine bessere Bestätigung meiner Meinung hätte ich kaum bekommen können. Dazu ist die radikalfeministische Professorin auch noch für die Allgemeinheit als „böse, weil ausländerfeindlich“ zu erkennen.

Doch halt, so einfach darf man es sich nicht machen. Sozusagen als meine Reaktion auf Cord Schnibbens Aufruf möchte ich anhand dieses Falls zeigen, was ich (mindestens) im professionellen Journalismus heute vermisse.

Dabei stehen mir weder die Zeit noch die Ausrüstung noch die Kontakte eines hauptberuflichen Journalisten zur Verfügung. Aber das, was ich als gewöhnlicher Feld-, Wald- und Wiesenblogger mit meinem gesunden Menschenverstand an Analyse schaffe, ist die Mindestmarke, die jeder Journalist erreichen muss. Alles darunter ist nicht zahlenswert, denn das kann ich mir selbst besorgen.

Zweifel ist angebracht

Es reicht zur Beurteilung des Sachverhaltes nicht aus, die Wissenslücken mit dem zu füllen, was ich gerne glauben würde. Daher möchte ich zunächst unter Berufung auf drei Einsichten ein gesundes Maß an Zweifel wecken:

Die naheliegendste Erklärung ist nicht immer richtig. Ockhams Rasiermesser hilft hier nicht weiter (und verspricht das auch nicht).

Bei der Diskussion des Prinzips „cui bono?“ (Wem nützt es?) hat Christian von Alles Evolution bereits vor voreiligen Kausalitätsschlüssen gewarnt. Ich möchte das erweitern: Nur weil etwas einleuchtend erscheint, muss es noch lange nicht so sein.

Beurteilt nach den harten Maßstäben an die Glaubwürdigkeit einer Geschichte, gilt erstaunlicherweise oft: Realität ist unrealistisch.

Was spricht gegen die Geschichte, wie sie uns serviert wurde?

Ich möchte also einmal alles in die Waagschale werfen, das zur Verteidigung der Professorin dienen kann. Für die einfachsten Sachen braucht man nicht lange:

  1. Irgendwo im Internet sind Bilder aufgetaucht, die die Vorwürfe angeblich belegen sollen. Das ist eine unzuverlässige Quelle, wie’s nur eben geht! Wer würde so etwas akzeptieren, wenn es um Vorwürfe gegen einen Menschen geht, der einem lieb und teuer ist? Oder wenn die Geschichte benutzt wird, um etwas „zu belegen“, an das man gerade nicht glaubt?
  2. Die Huffington Post behandelt das Thema. Gut, in diesem Fall die indische Ausgabe, aber ehrlich: Das ist doch sonst eine als „feministisch“ verschriene Zeitung, der man gerade nicht glaubt und bei der man annimmt, dass sie es mit der Wahrheit nicht zu genau nimmt. Wieso soll sie plötzlich als seriös gelten und ein Zeichen sein, dass an der Geschichte etwas dran ist?
  3. Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate – wer kennt das nicht? Damit kann man Leuten das Wort im Mund umdrehen. Es wurde eben nicht die gesamte Korrespondenz veröffentlicht, sondern nur der Teil, der schlimm wirkt.
  4. Vorwürfe, die im Internet erhoben werden gegen eine klar identifizierbare Person, jedoch ohne gute Belege (solche Bilder sind keine, die kann man selbst machen!) – dafür gibt es eine ganz andere Erklärung: Die Vorwürfe sind nicht wahr, sondern sollen den beschuldigten Menschen verleumden. Das wäre ja nun wirklich nichts Neues. Die einfachste Spielart wäre: Enttäuschte, die ihre Ablehnung nicht akzeptieren wollen.

Nach dieser ersten einfachen Runde bleibt bereits sehr wenig übrig, das man übernehmen kann. Stattdessen wäre es jetzt angebracht, mit der richtigen Recherche anzufangen.

Ansatzpunkte zur Metakritik

Doch wirft die Sache auch sehr unangenehme Fragen auf, die zur Selbstkritik einladen können. In der beschriebenen Geschichte stecken einige Annahmen, die es selbst zu hinterfragen gilt.

Wer hat denn das Bild von der indischen Rape Culture gezeichnet? Waren das nicht die deutschen Massenmedien vorher? Die Idee, dass ein schlimmer Kriminalfall punktgenau das Wesen der indischen Gesellschaft präsentiert, sie konnte sich nicht zuletzt auch deswegen gut verbreiten, weil sie seinerzeit den Berichterstattenden gut in den Kram passte. Anständig war das aber nicht.

Es gab eine ganze Reihe spannender Meldungen in den letzten Jahren aus Indien, die leider nur auf Englisch berichtet wurden. Wie tief muss das Niveau deutschsprachiger Medien gesunken sein, wenn ich gegenteilige Informationen zum groß gezeichneten Bild
am besten aus einem privat betriebenen Blog bekomme, das dabei im wesentlichen entsprechende Artikel zitiert und einige wenige Sätze übersetzt?

  1. Wussten Sie’s schon? Indien hat eine der niedrigsten Vergewaltigungsraten der Welt
  2. Vergewaltigung in Indien dient dazu, Männer zu dämonisieren
  3. Neues Gesetz führt zu rapidem Anstieg von Falschbeschuldigungen bei sexueller Gewalt
  4. Gruppenvergewaltigung vorgetäuscht, um 700.000 Rupien abzuzocken
  5. Frauen missbrauchen Gesetz gegen Vergewaltigung, um Männer zur Heirat zu zwingen
  6. Vier Frauen vergewaltigen Schulkameradin mehrere Tage lang
  7. Angeklagter soll vergewaltigt worden sein
  8. Indische Regierung genehmigt erste Universität nur für Frauen

Und wer es gerne ein wenig härter möchte: Es noch einige Meldungen, die in eine ganze andere Richtung deuten:

  1. Nur Männer können wegen Vergewaltigung verhaftet werden
  2. Falschbeschuldigter bringt sich um
  3. Mob hackt mutmaßlichem Vergewaltiger auf offener Straße Penis ab
  4. Der Vergewaltigung Beschuldigter aus Knast verschleppt und zu Tode geprügelt

Und das war nur das Ergebnis einer schnellen Suche via Google bei Genderama. Ein echter Journalist hätte sich Mühe gegeben und noch mehr gefunden.

Tatsächlich scheint es für männliche Vergewaltigungsopfer bei weiblichen Tätern schwer zu sein, Anerkennung als Opfer zu finden, so etwa der Fall eines 16-jährigen. Die entsprechende Gesetzgebung wurde absichtlich nicht geschlechtsneutral formuliert, wie zuletzt vor einer Woche noch zu lesen war.

Natürlich müssen auch all diese Artikel genauso hinterfragt werden! Was mich nur skeptisch stimmt: Warum bekomme ich diese offensichtlich existierende Meinungsvielfalt nicht auf Deutsch angeboten?

Als Reaktion auf das bedenkliche Hollaback-Video gab es eine indische Version. Hier geht eine Frau völlig unbehelligt durch Mumbai, wobei sogar, besser als im Original, die Viertel genannt werden, in denen sie sich bewegt.

10 hours of walking in mumbai as a woman

Auch das wäre mal ein interessantes Thema: Einige Inder haben offenbar keine Lust, dass ihr Land als „Hort der Vergewaltiger“ dargestellt wird, und möchten zeigen, dass Frauen ordentlich behandelt werden.

Als zweiter Punkt sei genannt: Die Reaktion der Professorin ist, wie schon erwähnt, alles andere als zufriedenstellend. Allem Anschein nach sind es zumindest einige Professoren nicht gewohnt, dass ihre Arbeit kritisch hinterfragt wird und sie sich für ihr Tun rechtfertigen müssen. In einer offenen Welt, in der sich die Leute besser informieren können, über eigene Fehler zu sprechen und souverän zu kommunizieren, das muss jeder erlernen und es kann schmerzvoll sein, das zu merken. Quizfrage: Von welchem anderen Berufsstand hört man in letzter Zeit vermehrt, dass er keine Kritik erträgt, sondern es als ererbtes Recht betrachtet, dass das eigene Wort aufgrund der Position mehr gilt als das der Kritiker? Es wäre eine schmerzhafte Erkenntnis, in den Fehlern der anderen auch die eigenen zu sehen…

Und drittens sei gefragt: Wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass Anschuldigungen auf so dünner Indizienlage die Basis für Artikel hergeben? Wann haben wir uns daran gewöhnt, dass unsere Zeitungen auf so eine schwammige Geschichte anspringen? Wieso gab es keine Empörung über die schlechte Berichterstattung? Warum hat niemand mehr nachgehakt?

Was gegen die Professorin spricht

Ein Reporter, der an der Geschichte drangeblieben wäre, anstatt sie nur kurz für ein paar billige Schocks zu verwenden, hätte noch eine Menge Fragen stellen können. Als Basis hätte in diesem Fall die genannte offizielle Erklärung der Universität dienen können, auf die man sich auf jeden Fall stützen kann. Bei der jetzigen Informationslage ist eine Menge offen und man ist immer versucht, die Lücken mit eigenen Vermutungen zu füllen. Gerade daraus kann man jedoch etwas machen!

Laut der Pressemitteilung sind die Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und die zitierten Passagen zusammengestückelt worden. Es wird also gleichzeitig nicht dementiert, dass die Professorin überhaupt geschrieben habe, Indien habe grundsätzlich ein Vergewaltigungsproblem und die indische Gesellschaft bekomme dies seit vielen Jahren nicht in den Griff. Der in der Quelle angeblich zitierte Gegensatz „weibliche deutsche Professoren“ / „männliche indische Studenten“ mit der Konsequenz „lassen nicht mehr zum Praktikum zu“ / „sind nicht mehr willkommen“ wird verneint; es wird aber nicht behauptet, diese Formulierungen seien nicht Teile der ursprünglichen E-Mails gewesen.

Bezeichnend sind weitere angebliche Details: Dass die Ablehnung allein mit den weiblichen Studenten begründet wird, so als ob die Sache ok wäre, wenn es nur männliche Studenten am Institut gäbe bzw. diese es nicht stören würde. Dass nur weibliche Professoren anscheinend dagegen handeln, dass nur männliche Inder von dem Boykott betroffen sind, obwohl doch vorher behauptet wird, Vergewaltigungen zeigten die Einstellung der gesamten Gesellschaft gegenüber Frauen. Hier zeigt sich mit etwas Nachdenken ein schauerliches Weltbild gegenüber Männern, Indien und dem Verhältnis der Geschlechter und wenn diese Formulierungen so nicht gefallen sind, dann wäre jeder gut beraten, ausdrücklich zu verneinen, sie jemals verwendet zu haben. Nur geschieht das nicht. Wenn es kein Dementi gibt im Rahmen der Presseerklärung, kann ich davon ausgehen, dass die Professorin irgendwann tatsächlich solche Sachen geschrieben hat.

Die erste Frage lautet also: In welchem Zusammenhang haben denn diese Sätze einen Sinn? Was ist der Kontext, dessen sie beraubt wurden, in dem sie nicht fremdenfeindlich sind und die abstruse Theorie der Rape Culture inklusive Kampf Männer gegen Frauen wiedergeben?

Nun gilt es zu berücksichtigen, dass sich die Professorin aufgrund der Art und Weise, wie die Teile der E-Mails sowie ihre Identität an die Öffentlichkeit gekommen, zurecht überrumpelt fühlen kann. Denn die ersten Artikel hatten ja bereits ein Urteil gefällt. Wer bleibt da ruhig? Gut möglich, dass jemand geraten hat, scheinbar auf Nummer sicher zu gehen und nicht auf die Details einzugehen, auch wenn ich es wie oben begründet für falsch halte.

Wie ich ebenfalls erwähnte, muss die Professorin kein Meister in Kommunikation sein. Formulierungen im Sinne von „Ich habe nichts gegen Ausländer. Selbst einige meiner Mitarbeiter sind Ausländer.“ haben sich ins Gedächtnis einprägt für die Situation, dass sich jemand verteidigt, nachdem er zurecht für ausländerfeindliche Äußerungen gerügt wurde. Vielleicht war ihr auch nicht bewusst, dass es ohne ein explizites Dementi der angeblichen Details so aussieht, als habe sie sie doch getätigt.

Was wäre die Alternative gewesen? Den gesamten erwähnten E-Mail-Wechsel freigeben, am besten nach Rückfrage an den Studenten. Wenn dieser plötzlich nicht zustimmen würde, könnte man das als Indiz werten, dass er tatsächlich verzerrend zitiert und kein Interesse an der Aufklärung bzw. öffentlichen Diskussion des Falles hat, womit sich auch die Frage stellt, warum er überhaupt erst mit Teilen davon an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Als schaler Beigeschmack würde mindestens bleiben, dass man aufgrund anonymer Beschuldigungen gezwungen werden kann, seine E-Mails zu veröffentlichen. Das ist sicherlich keine schöne Stunde für den Datenschutz.

Ich kann nur vermuten, dass es der Professorin unangenehm wäre, wenn andere die vollstände Korrespondenz lesen würden. Zum einen, weil ich davon ausgehe, dass die Aussagen in keinem Kontext vollkommen harmlos sind. Gut möglich, dass sie mit Bitten um Praktikumsplätze überschüttet wird (so geht es Leuten oft, die Bewerbungen bearbeiten müssen) und dann irgendwann nicht mehr die Ruhe hat, bei jeder nervigen Rückfrage vollkommen sachlich zu bleiben – insbesondere etwa, wenn die Studenten ihrerseits pampig werden oder mit Unterstellungen um die Ecke kommen.

Zum anderen, weil sich, egal wie man es dreht und wendet, direkt die Anschlussfragen ergeben: Ist es in Ordnung, wenn eine Professorin im Rahmen ihres Berufs auf diese Weise kommuniziert? Müsste sie nicht souverän über manchen Dingen stehen? Warum hat sie sich überhaupt in diese Diskussion verwickeln lassen, anstatt etwa einfach nicht mehr zu antworten, zumal wenn sie höchstwahrscheinlich wenig Zeit hat?

Ein unverschämter Student und eine Professorin, die sich Frechheit nicht bieten lassen will und dabei selbst ausfallend wird – das wäre etwa eine einleuchtende Erklärung (wie oben erwähnt, heißt das nicht, dass sie richtig sein muss), die jenseits des Schwarzweißschemas ist, mit dem heutzutage gerne operiert wird. Leider habe ich nirgendwo gelesen, dass jemand diese Vorlage aufgegriffen hätte, um erst zu recherchieren und dann eine differenziertere Geschichte zu erzählen. Das wäre etwas, das ich mal wieder gerne lesen würde.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal natürlich indische Musik – vom Soundtrack des Films „Bend it like Beckham“:

B21: Darshan

Fundstück: Die Diabolo-Methode

Gefunden via Der Postillon:

Was soll ich sagen? Ich habe herzlich gelacht. Eine schöne Parodie von mindestens einem Pickup-Coach auf Youtube (Beispiel).

P.S.: Gerade erst festgestellt: Ein Video von Richard LaRuina wird sogar als „ähnliche Videos“ angezeigt bei der Parodie! 😀

Das Ende der jüdischen Vorherrschaft

Ich habe einen Text übersetzt, den ich hier zur Diskussion stellen möchte. Er heißt:

Das Ende der jüdischen Vorherrschaft

Arier sind nicht gleichartig wie Juden. Sie sind ihnen überlegen in vielfacher Hinsicht, und zwar in den meisten Belangen, die für die Zukunft eine Rolle spielen. Das ist nicht nur eine Frage von Kultur und Erziehung. Es ist eine Frage von Erbanlagen, Hormonen, Nervenbahnen. Es liegt nicht hauptächlich daran, wie die Erfahrungen Arier formen, sondern ist in spezifischen Unterschieden des Körpers und des Gehirns begründet.

Sind diese Unterschiede für alles verantwortlich, worin sich Arier und Juden unterscheiden? Nein. Sind alle Juden auf ihre Art gleich, und alle Arier auf eine andere? Ebenfalls nein.
Aber keine dieser Betrachtungen kann ernsthaft mein Argument widerlegen oder die Schlüsselfolgerungen abwenden: Der arische Mensch ist überlegen in den meisten Belangen, die in der heutigen Zeit eine Rolle spielen.

Und nein, das meine ich nicht in dieser schmeichelnden Weise, in der die Juden das selbe in der Vergangenheit selbst gesagt haben – dass die Arier erhabene, empfindsame und geistreiche Kreaturen seien. Ich meine gerade das Gegenteil davon. Ich meine, dass Arier in fundamentaler Weise gleichermaßen pragmatisch wie fürsorgend sind, ebenso kooperativ wie konkurrenzfähig, fähig dazu, ihr eigenes Ego zurückzustellen, geschickt in der Führung von Menschen, ohne diese in die Defensive zu treiben. Sie sind Baumeister, nicht Zerstörer. Darüber hinaus glaube ich, dass Arier die Geschäfte einer komplexen Welt tragen können in einer konzentrierteren, effizienteren, durchdachteren und konstruktiveren Weise als die Juden, da die Arier nicht beständig von ihren Impulsen und Stimmungen abgelenkt werden, die , oftmals indirekt, zu Gier und Gewalt führen. Arier sind beidem gegenüber zurückhaltender. Und wenn sie in Kriege hineingezogen werden, so sind es Kriege aus Notwendigkeit, nicht aus freier Wahl, begründet in rationalen Entscheidungen, nicht aufgrund des Zusammenpralls von Egoismen, die unkontrolliert zusammenprallen.

Dies sind keine neuen Ideen.

[.. ] Es folgt ein Abschnitt, der sich unmöglich auf einen anderen Rassismus wie den Antisemitismus übertragen lässt, weil er sich auf konkrete historische Begebenheiten und historische Zitate bezieht. Doch am Ende des Absatzes findet sich noch etwas, das dennoch wie maßgeschneidert passt: […]

Sie sagte außerdem: “ Wenn die höchsten Ämter und Talente der Menschen bei den Banken gekauft und verkauft werden, dann ist es keine Frage wer uns beherrschen wird. Verkümmert ein Volk nicht, wenn Hirne kaum soviel zählen wie eine Suppe, und Clowns die Gesetze machen.?” Beinahe 150 Jahre später werden die höchsten Ämter immer noch von den Banken gekauft und verkauft, und Clowns machen unsere Gesetze. Doch zumindest letzteres, so scheint es, hört nun bald auf.

Man beachte also: Welches wesentlichesArgument für die gleichen Anrechte der Arier ist “stärker als alle anderen”?  “Die Unterschiede zwischen Ariern und Juden”. […] Nach eineinhalb Jahrhunderten der Forschung ist das Argument der Verschiedenheit stärker als je zuvor, begründet in der Evolutionslehre, der Hirnforschung, Kinderpsychologie und Anthropologie. Und es lässt sich einen Schritt weiter führen.

Zusätzlich zur Arischen Überlegenheit im Urteilsvermögen, ihrer Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Anstand, dem Umgang in Arbeit und Spiel mit anderen, der vergleichsweise geringeren Freiheit von ablenkenden sexuellen Impulsen, geringerem Grad von Vorurteilen, Bigotterie und Gewaltneigung, finden sich in unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation auch folgende Tatsachen: Arier leben länger, haben geringere Sterblichkeitsraten in allen Altersgruppen, sind widerstandsfähiger gegenüber den meisten Krankheiten, und haben ein geringeres Risiko zu Hirnstörungen, die zu störendem und zerstörerischem Verhalten führen.
Und, natürlich, sorgen sie für den Erhalt unserer Gesellschaft, etwas, zu dem Juden nur einen marginalen Beitrag leisten – und auf das man in Zukunft auch würde verzichten können.

Das ist zwar nicht etwas, das ich empfehlen möchte; Ich sage lediglich, dass es denkbar wäre, während der umgekehrte Fall wohl eher unmöglich wäre, da die Juden die Arische Gesellschaft zu ihrem Überleben braucht. Als Jude würde ich meinesgleichen um mich scharen und dafür sorgen, dass sie nützlich bleiben. Ich bin überzeugt, dass die meisten Arier durchaus nicht alle Juden loswerden möchten. Doch eine beträchtliche Zahl von Ariern, ja von Juden selbst, möchten eine Welt, in der die Chancen, die Verantwortlichkeiten und der Lohn dafür gerechter verteilt würde zwischen Ariern und Juden. Dies ist nicht so, weil sie so ähnlich wären – obwohl sie dies in vieler Hinsicht sind – sondern weil sie verschieden sind.
[…]

Bis hier her bin ich nun mit meiner Übersetzung.

Übersetzt ist der Text in zweierlei Weise:
Zum einen von einer anderen Sprache ins deutsche.
Zum anderen von einem Rassismus in den uns deutschen besonders vertrauten Antisemitismus.
Ich wähle diese zweifache Übersetzung, weil ich finde, dass es egal sein sollte, über wen in solcher Weise geredet wird:
Denn es sollte keiner Gruppe in einer Gesellschaft möglich sein, ungestraft so über eine andere Gruppe zu reden oder zu schreiben.
Es erschreckt mich jedoch zutiefst, dass genau dies in einer westlichen Gesellschaft möglich zu sein scheint, ohne dass sich eine Gesellschaft darüber aufregt oder auch nur wundert.

Leser dieses Blogs können sich natürlich denken, dass der ursprüngliche Text um Männer und Frauen ging – Frauen als die überlegenen Arier, Männer aus dem „Patriarchat“ als die jüdische Weltherrschaft.
Der originale Text findet sich hier.

Es folgen mehrere weitere Abschnitte, die ich eher schwierig zu übersetzen finde, da sie zunehmend mit biologischen Unterschieden von Mann und Frau argumentieren, insbesondere der Gebärfähigkeit.
Doch es folgt eine weitere Menge an Statements, die sich nahtlos an das vorhandene einreihen.
In der so übersetzten Fassung dürfte er für viele Menschen nur schwer zu ertragen sein – und das ganz zurecht.

Der Originaltext und die Übersetzung zeigen sehr gut, wie mit dem Gedanken der moralischen Überlegenheit gegenüber einer als übermächtig fantasierten Klasse gespielt wird, um jedwede Maßnahme zu deren Unterwerfung, Entrechtung und gar Beseitigung zu rechtfertigen. Begleitet wird das ganze von dieser unerträglichen Selbstbeweihräucherung („Überlegenheit im Urteilsvermögen, ihrer Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit, Anstand, dem Umgang in Arbeit und Spiel mit anderen, der vergleichsweise geringeren Freiheit von ablenkenden sexuellen Impulsen, geringerem Grad von Vorurteilen, Bigotterie und Gewaltneigung“) Es fehlt in der Liste nur noch, dass sie auch noch Bescheidenheit für sich reklamiert.

Zu den Highlights des Textes, die sich übersetzen lassen, zählt insbesondere noch:

Jüdisch zu sein als Syndrom zu bezeichnen ist keine willkürliche Beurteilung. Es basiert auf der Evolutionstheorie, der physiologie,Enwicklung, und der Anfälligkeit für Krankheiten.

Es gab eben eine Zeit, in der man solches Zeug unhinterfragt über Juden sagen durfte. Eine Zeit, in der man dies auch geglaubt hatte, weil es überall vorgesetzt und widergekäut wurde.

Für mich gehört zum erschreckendsten an solchen Texten, dass sich niemand der führenden Personen aus dem Feminismus entschieden davon distanziert oder sie zurückweist, sondern an vielen (und immer mehr) Stellen offen mit solchem Gedankengut gespielt wird.