Kurznachrichten vom 23.01.2018

1: Der Regisseur Dieter Wedel ist aufgrund der #metoo-Vorwürfe als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten. Laut Bild ist er sogar mit einer Herz-Attacke ins Krankenhaus eingeliefert worden. Allerdings findet sich diese Information nirgendwo sonst.

Zuvor hat er auf der Website der Festspiele eine Erklärung veröffentlich, die es in sich hat.

Ich höre von Menschen, denen fünfstellige Beträge für Aussagen gegen mich angeboten wurden. Sie haben den Eindruck, dass mit enormem Aufwand Recherchen durchgeführt werden, deren Ergebnis aber von vornherein feststeht, denn als sie sich positiv über mich geäußert haben, wurden sie nicht zitiert. Andere vermeintliche Zeuginnen haben in den letzten Tagen versucht, mich zu erpressen. Wenn ich ihnen nicht eine noch höhere Summe anböte als Verlage oder Zeitungen, von denen sie angesprochen wurden, würden sie mich sofort – unabhängig vom Wahrheitsgehalt – belasten.

Wieder andere berichten mir, wie ihnen von den recherchierenden Journalisten Sätze in den Mund gelegt wurden, die sie so nicht erklärt und gemeint haben.

Wenn das stimmt, dann ist das der moralische Bankrott für #metoo. Wenn man die Kampagne nicht schon vorher schon für moralisch äußert fragwürdig hielt, natürlich. Weiter gehts mit:

In diesem Klima der Vorverurteilung, der sogenannten „Verdachtsberichterstattung“, die auf keine erwiesenen Fakten gestützt sein muss, kann ich den Kampf um meine Reputation nicht gewinnen – weder mit juristischen Mitteln noch mit medialen Stellungnahmen. Es gibt belastende Hinweise, die die Glaubwürdigkeit vermeintlicher Zeugen erschüttern. Es haben sich bei mir und meinem Anwalt Menschen gemeldet, die dafür einstehen wollen, um dem Gemisch aus Gerüchten, Unterstellungen, Vermutungen und Anschuldigungen Substanzielles entgegenzusetzen. Doch was bringt es am Ende? Außer vielleicht der Erkenntnis, dass inzwischen auch nach Eintritt der Verjährung allein schon der Verdacht genügt, um jedermann zu jedem beliebigen Zeitpunkt an den medialen Pranger zu stellen.

Dummerweise outet sich Wedel schon vorher als Maskulist, und zwar mit dem Satz:

Ich verabscheue jede Form von Gewalt, gegen Frauen ebenso wie gegen Männer.

Dieter, so geht das nicht! Weißt Du denn nicht, dass der Satz heißen muss: „Ich verabscheue jede Form von Gewalt gegen Frauen. Punkt.“? Weißt Du denn nicht, dass Gewalt gegen Frauen das schlimmste und verabscheuungswürdigste ist, was es auf dieser Welt gibt? Und Gewalt gegen Männer, naja, irgendwie egal? So wirst Du ganz sicher nicht bei Feministinnen punkten, wenn Du einfach Dinge miteinander vergleichst, die niemals miteinander verglichen werden dürfen!

2: Beim letzten Mal habe ich ja ganz vergessen, die ziemlich schräge Nachricht zu bringen, dass L’Oreal jetzt mit einem Hijab-Girl wirbt – für Shampoo! Macht Sinn. Vielleicht wirbt ja Fielmann demnächst mit nem Typen mit aufgesetztem Motorradhelm. Gibts eigentlich noch die blaue Ersatzflüssigkeit bei Damenbinden, ich schaue schon lange nicht mehr Werbung.

Nun gibt es aber eine neue Entwicklung, denn irgendwer hat ausgegraben, dass sich just dieses Model, Amena Khan, vor knapp vier Jahren auf Twitter sehr israelfeindlich bzw. m.E. auch antisemitisch geäußert hat (Absprechen des Existenzrechtes Israels sollte m.E. reichen für die Bezeichnung Antisemitismus)

loreal_tussi

Aufgrunddessen rudert sie jetzt zurück und sülzt was von „diversity“, „harmony“ und „inclusivity“. Klingt für mich nach dem üblichen Kübra-Geblubber. Ob das jetzt Taqiyya ist, dürft Ihr selbst entscheiden.

3: Die FH Potsdam will die aktuellen Trends nicht verschlafen und bietet ein „Social Justice und Diversity Training“ an, als Fortbildung für schlappe 2.240 €. Für uns hier besonders interessant:

Modul 7: Gender / Queer (Sexismus/ Heterosexismus)
Wie werden aus Kindern Mädchen und Jungen? Wie werden aus Mädchen Frauen und aus Jungen Männer und gibt es nur zwei Geschlechter?

Also, für die erste Frage hätte ich da so nen Hint, aber ich fürchte, das meinen die anders. (via Fefe)

4: Laut einer Studie sei das Stresslevel der US-amerikanischen Bevölkerung seit dem Amtsantritt von Donald Trump so hoch wie noch nie. Und natürlich soll Trump selbst daran Schuld sein, zumindest legt das der ZEIT-Redakteur nahe.

Nun ja, wenn die Demokraten in den USA mit ihrer Schneeflöckchenkultur aus dem Hyperventilieren und dem Dauer-Getriggert-Sein über ihre Wahlniederlage gar nicht mehr herauskommen und dem Land ständig einreden wollen, wenn Trump noch zwei Wochen im Amt wäre, käme der Weltuntergang aber wirklich, wirklich ganz, ganz sicher, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn der Stresslevel bei diesen Leutchen ziemlich hoch ist. Sie reden sich den Quatsch ja selber ein. Ich kann da nur raten, mal runter zu kommen und sich ein wenig in Frustrationstoleranz zu üben. Das scheint den regressiven Linken völlig abzugehen.

Fundstück: Sinkende Einkommen bei Männern führen zu weniger, bei Frauen zu mehr Ehen

Das Blog „MGTOW Deutsch“ erwähnt gleich zweimal einen Artikel von Florian Rötzer bei Heise namens „Sinkende Einkommensunterschiede setzen Männer unter Druck„. Was in diesem Artikel steht, fügt sich wie ein Puzzleteil in die im Blog schon besprochene Studie „Trade Liberalization and Mortality: Evidence from U.S. Counties“ von Justin R. Pierce und Peter K. Schott (Entwurf vom Dezember 2015 als PDF).

Am Anfang wird zwar das Feindbild weißer Mann bemüht und verschwiegen, wie viele Frauen für Donald Trump gestimmt haben, aber immerhin werden auch tatsächliche wirtschaftliche Sorgen als Hintergrund erwähnt. Bereits bekannt ist: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt die Suizidrate bei Männern in Osteuropa und – schon oben im Rahmen der Studie von Pierce und Scott erwähnt – in den USA.

Basis für den Heise-Artikel ist eine neue Studie von David Autor, Gordon Hanson und David Dorn namens „When Work Disappears: Manufacturing Decline and the Falling Marriage-Market Value of Men“ (PDF).

Für die „Schicht der Männer ohne Hochschulabschluss zu tun hat, die in der verarbeitenden Industrie tätig sind, um ihre Jobs fürchten oder diese bereits verloren haben“ ergibt sich folgendes traurige Bild:

Weil ihre Karriere- und Einkommensaussichten sinken oder wegbrechen, sinkt auch ihre Attraktivität auf dem Heiratsmarkt und damit wohl auch bei der Partnerwahl. Das macht wütend und verzweifelt.

Und bei diesen Männern hört es nicht auf:

Allerdings sind die Ergebnisse wohl über diese Schicht hinaus gültig. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der jungen Menschen, die verheiratet sind, stark zurückgegangen. Zwischen 1979 und 2008 fiel der Anteil der Frauen im Alter von 25-39 Jahren, die verheiratet sind, bei den Hochschulabgängerinnen um 10 Prozent und um 20 Prozent bei denjenigen, die einen Highschool-Abschluss oder weniger haben. Parallel dazu steigt die Zahl der der Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten, so hat sich in etwa derselben Zeit die Zahl der Kinder von unverheirateten Müttern fast verdoppelt.

Hier sieht man, wie Probleme miteinander verbunden sind. Der sehr deutlich betitelte Artikel „How Not to Be Poor“ listet als einen Tipp gegen Armut „keine außerehelichen Kinder haben“ auf und zeigt in einer Grafik, dass Armut in der Gruppe der Alleinerziehenden mit Abstand am häufigsten vorkommt.

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde in den USA deutlich, dass mehr Männer als Frauen von deren Folgen betroffen waren und dass die Gehälter der Männer stärker darunter leiden.

Hier stellt sich dann spätestens der AH-Effekt ein („Das habe ich doch schon bei Arne Hoffmann gelesen…“), gefolgt vom „PfelM-Reflex“ („Ich gucke mal nach, was in dem Buch Plädoyer für eine linke Männerpolitik darüber steht…“). Und siehe da, es findet sich selbst bei schneller Suche folgendes:

Kapitel „Der Mann als ökonomischer Verlierer“, S. 144, 146, bezogen auf Deutschland. Für das Phänomen, dass Männer stärker von der Wirtschaftskrise betroffen sind, habe ich irgendwo den Terminus „hecession“ aufgeschnappt.

Bei Wirtschaftskrisen oder bei steigenden Importen aus dem Ausland sollen sich die Mechanismen auf dem Heiratsmarkt besonders nachhaltig auf dem unteren Ende der Einkommensschichten auswirken. Die Zahl der Männer, die arbeitslos sind oder weniger verdienen, auch weniger als die Frauen, steigt, während ihre Attraktivität für die Frauen sinkt. Dazu kann ein Anstieg im Drogen- und Alkoholkonsum, der Kriminalität und auch der Mortalität kommen.

Die Autoren gehen in der Studie vor allem den Auswirkungen einer erhöhten Einführung von chinesischen Waren auf dem US-Arbeitsmarkt nach.

Genau wie die oben erwähnte Studie von Pierce und Schott, nur dass hier noch der Heiratsmarkt dazukommt.

Steigt jedoch die Arbeitslosenquote bei den jungen Frauen mit geringer Qualifizierung relativ an, erhöht sich Heiratsbereitschaft.

Nichts Neues: Frauen haben im Notfall die Möglichkeit, in eine Partnerschaft „zu fliehen“ und aus dem Arbeitsmarkt auszusteigen. (Ja, nicht jede und unter allen Umständen, aber tendenziell.)

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler würde ein „Schock“ von einem Punkt Anstieg chinesischer Importe auf hauptsächlich männliche Beschäftigung zwischen 1990 und 2007 den Anteil der 18-25-jährigen Frauen, die keine Heirat eingehen, um 3,9 Prozentpunkte ansteigen lassen, während ein solcher „Schock“ auf überwiegend weibliche Beschäftigung den Anteil der jungen Frauen, die niemals verheiratet waren, um 3,1 Prozentpunkte senkt.

Mit anderen Worten: Sich alleine auf die Frauen und ihre Unabhängigkeit zu konzentrieren wäre das falscheste, was man machen könnte! Geht es nämlich den Männern schlecht, gibt es mehr Armut für alle, auch bei den Kindern. Wie Lucas Schoppe gerne ausführt: Die meisten Menschen haben überhaupt kein Interesse an einen Geschlechterkrieg, weil sie viel zu sehr auf Kooperation angewiesen und daher an ihr interessiert sind. Es kann daher auch nicht sinnvoll sein, Interessen von Männern und Frauen in Konkurrenz zueinander zu sehen, ohne den Gesamtzusammenhang zu betrachten. Hier würde sich tatsächlich ergeben: Im Zweifelsfall auf den Mann achten – eine sehr unangenehme, unkorrekte Botschaft.

Sollten die Analysen für die „Handelsschocks“ auf den Arbeits- und Heiratsmärkten für die Regionen, in denen das verarbeitende Gewerbe wegbricht, das Mitte des 20. Jahrhunderts den Wohlstand breiter Schichten garantiert hat, aber seit Jahrzehnten schrumpft, zutreffen, dann dürfte auch die kommende Automatisierungswelle ähnliche Folgen haben. Dann wären aber nicht nur die Arbeitsplätze von Arbeitern betroffen, sondern auch die von Höherqualifizierten und Akademikern, was nach der Studie den Heirats- und Partnermarkt noch maßgeblicher beeinflusst.

Und da können wir direkt den nächsten Bekannten erwähnen: Schließlich hat der Stadtmensch als Dauerthema, dass aufgrund der zunehmenden Automatisierung immer mehr Stellen wegfallen – und dass die Politik keinerlei Lösungsansätze anbietet, geschweige denn das Problem erst einmal anspricht, falls sie es überhaupt erkannt hat. Stattdessen werden wir mit irgendwelche sinnlosen Symbolkampagnen und -gesetzen beschäftigt.
So lassen sich in einem großen Bogen eine Palette von Themen miteinander verknüpfen: Wirtschaftslage, Gesundheit von Männern, Heiratsmarkt, Geschlechterunterschiede, Armut in der Gesellschaft.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Schien mir ganz angemessen für den heutigen Tag…

Jan Garbarek and The Hilliard Ensemble: Parce Mihi Domine

#heisegate : Trump is evil, Apple ist Weltfrieden

Wir zitieren mal die Überschrift:

Transgender-Schüler: Apple wirft Trump-Regierung Diskriminierung vor

Der neue US-Präsident will Transgender-Schülern nicht mehr erlauben, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechende Toilette zu verwenden. Der iPhone-Hersteller sprach sich in einem Statement deutlich dagegen aus.

Dann klein irgendwo im Text:

Unter der bisherigen Regelung drohte Schulen, die Transgender-Schülern nicht die freie Wahl der jeweiligen Toilette erlaubten, ein Entzug staatlicher Zuschüsse. Präsident Trump hatte stets argumentiert, öffentliche Schulen und Staaten sollten selbst darüber entscheiden dürfen, wie sie das Thema regeln.

Huch! Trump ist doch nicht Hitler? Jedenfalls nicht so ganz? Jedenfalls wenn man sich überlegt, wie die guten Feministinnen von der Störenfriedas keine Schwänze auf den Frauenklo wollen weil sie bedrohlich und sowieso fies und eklig sind? http://diestoerenfriedas.de/die-sache-mit-den-safe-spaces-warum-ich-keine-schwaenze-auf-frauentoiletten-haben-will/

Die hilfreichen Nerds aus dem Heiseforum kommen zur Hilfe: Nutzer wwwfang

https://www.heise.de/forum/Mac-i/News-Kommentare/Transgender-Schueler-Apple-wirft-Trump-Regierung-Diskriminierung-vor/Zum-Verstaendnis-Wie-die-Vereinigten-Staaten-organisiert-sind/posting-29994363/show/

Zum Verständnis: Wie die Vereinigten Staaten organisiert sind

Dass der Artikel Trumps Entscheidung falsch darstellt, wurde hier ja schon mehrfach eingebracht. Er verbietet nichts, er will auch nichts „nicht mehr erlauben“, er hat eine föderale Zuschussregelung entsorgt und damit die Angelegenheit auf die Ebene der Bundesstaaten verlagert. Nicht mehr, nicht weniger.

Das kann man, wenn man denn unbedingt will, als Versuch ansehen, erzkonservativen Kräften irgendwo im Bible Belt in die Hände zu spielen und damit durch die Hintertür etwas zu verbieten. Andersrum kann man aber natürlich genauso sagen, Trump ermöglicht es den Kaliforniern, ihre eigene freizügige Entscheidung zu treffen, ohne dabei auf die ganz besonders christlichen Christen achten zu müssen.

Was in dieser Hinsicht im Artikel steht, ist nur eines: Bockmist. Wer auch immer das geschrieben hat, sollte das korrigieren und sich entschuldigen.

Aber zum Thema:
Tatsächlich folgt die Entscheidung einem ganz simplen Grundprinzip, auf dem die Vereinigten Staaten aufbauen: Die Bundesstaaten halten sich aus internationalen Dingen raus, das ist Sache der Bundesregierung, und die Bundesregierung hält sich aus Dingen raus, die lokal geregelt werden können, das ist Sache der Bundesstaaten und Gemeinden.
Nicht umsonst war auch die jetzt von Trump abgeschaffte die Obama-Regelung keine Vorschrift, sondern ganz banal ein Entzug von Bundeszuschüssen (die meines Wissens nach zudem noch nicht einmal in Kraft war, eben weil die Zuständigkeit der Bundesregierung angezweifelt wurde).

Wer es nicht weiss, wie strikt diese Trennung der Zuständigkeiten läuft, kann sich als Beispiel die Polizei ansehen: Weder der Präsident, noch der Gouverneur haben das Recht einem örtlichen Polizeibeamten irgendetwas zu sagen, denn die Polizei ist Sache der Gemeinden (bzw. Städte).

Das hat also alles nichts mit Verbieten oder Erlauben zu tun, das ist eine Frage der Staatsorganisation.

Der einzige Streitpunkt wäre hier, inwieweit die Kloklage Teile der US-Verfassung berührt, die sich gegen Unterdrückung wenden. Zur Erinnerung: Es gab in einigen Staaten noch bis in die 60er nach Rassen getrennte Klos. Auch das wurde erst durch die Bundesregierung unterbunden.

Danke, wwfang. Warum bekommt das Heise nicht hin?

Fundstück: Feministische Regierung beugt sich Kleiderordnung im Iran

Da war ja neulich etwas los in den sozialen Medien! Ein Foto machte die Runde, auf dem Donald Trump nur mit anderen Männern zu sehen war. Angeblich entschieden „ausschließlich Männer darüber, was Frauen mit ihrem Körper machen dürften“. Klartext: Der US-Präsident strich Organisationen die Unterstützung, wenn diese Abtreibungen durchführten oder nur darüber informierten. Dass immer 42% aller weiblichen Wähler, die ihre Stimme abgegeben haben, für ihn gestimmt haben, dass Frauen kritischer gegenüber Abtreibungen sind als Männer – was machen sollte Fakten schon aus, wenn es um das Narrativ des Geschlechterkrieges geht. (Wenn es darum geht, dass ein Geschlecht willkürlich über das körperliche Wohlergehen des anderen verfügen kann: Dürften dann Frauen nicht über Krieg und Frieden entscheiden, zumal die überwiegende Mehrheit der Soldaten männlich ist?)

Die schiefen Vergleiche ließen nicht lange auf sich warten („Frauen beschließen, dass Männer nicht mehr masturbieren dürfen“), die schwedische Regierung zog jedoch alle Register, posierte ähnlich wie Trump und seine Untergebenen und gab bekannt, feministisch zu sein. Und jetzt kommt’s: Was machten Mitglieder derselben Regierung, die vorher noch lauthals den Einsatz für Gleichberechtigung verkündet hatte, als sie in den Iran reisten? Genau, sich den dortigen Kleidervorschriften fügen!
Anspruch und Wirklichkeit klaffen gerade bei der Begegnung von Außenpolitik und Beharren auf Menschenrechten immer auseinander. Da sind Frauen eben nicht anders als Männer und errichten keineswegs „die menschliche Gesellschaft„.

Aber die Schere im Kopf, zu Hause ordentlich Gratismut zu haben und sich dann, wenn mal Gelegenheit wäre, Haltung zu zeigen, so unterzuordnen, ist schon beachtlich. Leider ist das mit den schlimmsten Vorurteilen über Feministinnen vereinbar: Dass diese nämlich nur unter Menschen aus liberal-westlicher Sozialisation stark sind, gegenüber prämodernen Gruppen jedoch einknicken. Die schwedische Regierung hat echter Gleichberechtigung hier einen Bärendienst erwiesen.

Doch es geht erfreulicherweise auch ganz anders: Via Alex in einem Kommentar bei Alles Evolution wurde ich auf Nazi Paikidze (schöner Scherz über den eigenen Namen!) aufmerksam gemacht, die „die Schachweltmeisterschaft im Iran wegen Kopftuchzwang boykottiert hat.“ Und da ist sie nicht die einzige! Respekt vor diesen jungen Damen, die persönliche Nachteile dafür in Kauf nehmen, Einschränkungen individueller Rechte nicht hinzunehmen.

Zur Tradition, im Umgang mit autoritären Staaten gerne mal etwas nachsichtig zu sein, was Menschenrechte angeht, finde ich folgende beiden Artikel aus dem vergangenen Jahr sehr treffend:
Saudi-Arabien-Besuch: Außenminister Steinmeier wohnt landestypischer Enthauptung bei
Respekt vor westlichen Gepflogenheiten: Iran begrüßte Steinmeier mit Porno-Werbung und nackten Brüsten

Aktualisierung: Alles Evolution zum selben Thema

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Das war kein Meisterstück, Schweden…

Uschi Ischmeier: Jenseits von Schweden

Fundstücke: Warum gegen „den Feind“ eben nicht alles erlaubt ist

Straftaten wie Falschbeschuldigungen gegen AfD-Politiker oder sogar körperliche Gewalt wie gegen Richard Spencer: Es ist besorgniserregend, was inzwischen gegenüber einem weltanschaulichen Gegner als legitim vertreten wird, wenn dieser nur als schrecklich gilt. Glücklicherwiese stehen dem aber auch einige Stimmen der Vernunft gegenüber, von denen ich einige hier zitieren möchte:

Auf Alles Evolution tat sich Dirk M. Jürgens (DMJ) ganz groß mit zwei Kommentaren hervor:

Die ganze Nummer hat mir auch ordentlich Magengrimmen gemacht.
Man verstehe mich nicht falsch: Ich habe keinen Hauch Mitgefühl mit Nazis, wenn sie auf’s Maul kriegen, denn das verdienen sie in der Tat. – Aber ich halte viel vom Prinzip, Gewalt nur im äußersten Notfall anzuwenden. Doch in dieser Angelegenheit haben erschreckend viele Leute (persönliche Bekannte ebenso wie anerkannte Journalisten), die noch zu Bush-Zeiten komplett mit mir einer Meinung waren, dass wir Terror nicht mit Terror beantworten dürfen, nicht einmal VERSTANDEN, was für ein Problem ich damit habe.

Mir wurden Spencer-Zitate und Geschichten vom Widerstand im 3. Reich um die Ohren gehauen, argumentiert, dass die Triebbefriedigung ein vollkommen okayes Motiv für Gewalt sei und immer wieder gesagt „Aber der will doch viel Schlimmeres“. Dass wir besser sein sollten als unsere Gegner, nicht nur im Recht sein, sondern auch moralischer sein sollten, als sie, war alles schlagartig vergessen.
Dass wir damit Gewalt von ihnen gegen uns ebenso legitimieren – keine Rede von. Dass die Sache praktsich nur ein PR-Gewinn für den, mir vorher vollkommen unbekannten Spencer war – wollte keiner hören.
Stattdessen überboten sie sich, den maskierten, nach der Attacke fliehenden Schläger zum Superhelden zu erklären.

Die sollen sich noch mal beschweren, dass Diskurs und Umgang miteinander so verroht seien…

Im zweiten Kommentar zitiert er einen Popehat-Artikel. Ich zitiere etwas andere Teile des tatsächlich sehr lesenswerten Beitrags:

We have social and legal norms, including „don’t punch people because their speech is evil, and don’t punish them legally.“ Applying those norms is not a judgment that the speech in question is valuable, or decent, or morally acceptable. We apply the norms out of a recognition of human frailty — because the humanity that will be deciding whom to punch and whom to prosecute is the same humanity that produced the Nazis in the first place, and has a well-established record of making really terrible decisions.

Und als zweites die sehr gute Einsicht, dass „Nazis schlagen ist ok“ untrennbar mit der Ansicht „wer hier Nazi ist, bestimme ich“ verbunden ist:

In embracing a norm that sucker-punching Nazis is acceptable, remember that you live in a nation of imbeciles that loves calling people Nazis. Also bear in mind that certain aspects of our culture — modern academic culture, for instance — encourages people to think that you’re a Nazi if you eat veal or disagree with them about the minimum wage.

Via Fefe fand ich ein Video von Jonathan Pie über dieselbe Frage:

Protest Pie.

Wichtigste Aussage (sinngemäß, ab 2:55): Meinungen von Leuten durch Gewalt zum Verstummen zu bringen ist nicht Faschismus bekämpfen, es ist Faschismus.

Christian Schmidt gibt einige wichtige Punkte zu bedenken:

Weicht man das Gewaltmonopol des Staates auf, indem man zulässt, dass Leute, die der herrschenden Meinung oder auch nur einigen Leuten nicht gefallen, dann ebnet man Willkür und Lynchjustiz Tür und Tor. Man opfert damit etwas, was eine der wesentlichen Fundamente unser Gesellschaft ausmacht und es führt zu einem Abgrenzungsproblem, welches kaum zu lösen ist: Es legitimiert nämlich, dass die andere Seite wiederum anführt, dass zB die andere Seite von ihrer Seite ausnahmslos für falsch gehalten wird und deswegen ebenfalls Gewalt angewendet wird. Eine Gesellschaft, die den politischen Diskurs zugunsten von Gewalt aufgibt, die bahnt aus meiner Sicht einem Unrechtsstaat den Weg.

Genau so ist es. Es wäre ein zivilisatorischer Dammbruch.

Weitaus schlimmer ist aber, dass radikale Linke dazu neigen, den Kreis derer die „unwertes Gedankengut“ haben, und damit „Nazis“ sind inflationär zu gebrauchen und es auf jede unliebsame Meinung auszuweiten. Damit entwerten sie nicht nur den Begriff, sondern erlauben es sich, schlicht gegen jede unliebsame Meinung Gewalt anzuwenden.

Eben das. Natürlich läuft es darauf hinaus, jede unliebsame Meinung zu verbieten, denn wo wollte jemand bei so einer ungebremsten Gewaltbereitschaft noch ernsthaft eine Abwägung treffen und eine Grenze ziehen?

Ich finde es auch faszinierend, dass diese radikalen gar nicht merken, wie schnell sich solche Praktiken auch gegen sie richten könnten. Gerade dann, wenn sie meinen, dass Trump ein Faschist ist, sollten sie die Meinungsfreiheit hoch halten.

Schon geschehen! Donald Trump hat den Spieß längst umgedreht.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Was waren das noch für Zeiten, als „Spencer“ und „Prügeleien“ für harmloses Filmvergnügen standen?

Oliver Onions: Fantasy

Fundstück: Every Second Counts

Ich habe über viele Videos der Marke „America First, [other country name] Second“ schmunzeln können. Außerhalb der Sammlung auf everysecondcounts.eu gibt es noch Regionen oder Fantasie-Welten.

Eines finde ich allerdings beachtlich: Wie ein weiteres Mal das Prinzip „Wenn es die richtigen Leute trifft, ist es ok!“ praktiziert wird.

Da sollen Gesetze her gegen Fake News, weil diese so schrecklich und gefährlich sind – aber gegen Donald Trump sind sie natürlich in Ordnung. Auch die angebliche Verbindung zum KKK wird wiederverwertet, dabei war das eine Behauptung, die noch aus dem Wahlkampf stammt, aber bei näherer Betrachtung überhaupt keinen Sinn ergibt. Illegal mitgeschnittene Aussagen, die ebenfalls aus Wahlkampfkalkül endlos wiederholt wurden, sind inzwischen zitierfähiges Allgemeingut.

Während die Videos tatsächlich interessante Fakten über viele Länder beinhalten, so enthalten viele auch den Klassiker, bei Männern Anspielungen auf die Größe gewisser Körperteile zu haben (bei Frauen wird eher „die ist hässlich“ verwendet, was genauso einfallslos ist). Auf dem moralisch hohen Ross kann man, wenn man solche Videos vorbehaltlos billigt, also nicht sitzen. Das muss man ja auch nicht; es ist vielmehr viel gewonnen, sich vor Augen zu halten, wie einfach gegen die „richtigen“ Leute Dinge gebilligt werden, welche angeblich „grundsätzlich“ nicht in Ordnung sein sollen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich kriege das Lied nicht mehr aus dem Kopf…

Pink: Dear Mr President (live)

Fundstück: Wladimir Putin kommentiert souverän Fake News

Weil die US-Präsidentschaftswahlen nicht wie von politischem Establishment und Massenmedien erwünscht ausgingen, musste eine Verschwörungstheorie her: Die braven Wähler wären durch Fake News manipuliert worden, um am Ende Donald Trump zu wählen. Und wer war der Bösewicht dahinter? Natürlich, die Russen! Sie haben nicht nur die Wahlen gehackt. Weil Donald Trump sich mit Wladimir Putin verstehen soll, „drohe“ Verständigung zwischen den USA und Russland. Viel bekloppter geht’s nicht.

Und was ist die beste Reaktion darauf? Genau, selbst Fake News gegen Donald Trump in die Welt setzen! Er soll sich angeblich in Moskau mit Prostituierten vergnügt haben. In diesem Zusammenhang hatte Fefe mal wieder ein bemerkenswertes Fundstück. Laut dem äußerte sich der russische Präsident sinngemäß so:

Donald Trump sei ein erwachsener Mann, habe seit Jahren mit Schönheitswettbewerben zu tun und einige der schönsten Frauen der Welt getroffen. Er, Wladimir Putin, halte es für schwer zu glauben, dass Donald Trump daher in ein Hotel eilen müsste, um einige leichte Mädchen zu treffen – obwohl die russischen ohne jeden Zweifel die besten der Welt seien.

Was habe ich gelacht! So reagiert man auf solche Vorwürfe: Nicht ernst nehmen, mit vernünftigen Einwänden die Gerüchte schon auf einfachster Ebene völlig unglaubwürdig erscheinen lassen und danach noch einen entspannten Spruch raushauen, mit dem man zeigt, dass man sich auf so billige Weise schon gar nicht aus der Reserve locken läßt. Da müsst Ihr schon mit etwas Besserem kommen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hier ein Lied mit Bezug auf Wladimir Putin und erlogenen Geschichten.

Funny van Dannen: Wladimir Putins Cousine

Warum ich die „Fake News“-Hysterie selbst für „Fake News“ halte

Also gut, „Fake News“ sollen es dann sein. Die Massenmedien haben sich auf ein neues Narrativ einigen können, mit dem der Widerspruch zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen erklärt werden kann:

Die richtige Sache war „auf offenem Felde ungeschlagen“, aber ausländische Mächte haben durch das massenhafte Verbreiten von Falschmeldungen (Fake News) im Internet die Wähler so beeinflusst, dass diese am Ende dem falschen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben.

Das ist ein tatsächlich recht rundgeschliffener Mainstreammythos. Die Erklärungen vorher waren letzten Endes schwer zu verteidigende Positionen. Deutungen aus einem geschlossenen Weltbild heraus wie etwa die im Sinne der Identitätspolitik waren nicht massenkompatibel genug. Ich hatte ja bereits der Dolchstoßlegende von den bösen weißen Frauen, die Donald Trump gewählt haben, keine Chance eingeräumt, weil sie als Erweiterung des Feindbildes weißer Mann nicht taugt.

Die jetzt getroffene Lösung hat viele Vorteile: Mit „russischen Hackern“ kann man irgendwelchen anonymen Kräften die Schuld in die Schuhe schieben, aber nebenbei noch andeuten, als gäbe es eine Verbindung zur russischen Regierung / Wladimir Putin. Und das ohne irgendwelche ordentlichen Quellen (wodurch sich das Narrativ natürlich selbst als Fake News entlarvt). Fake News sind noch besser als der Vorwurf der Wahlfälschung, welcher sowieso routinemäßig alle vier Jahre in den USA erhoben wird, zumal man diesen ja irgendwie beweisen müsste. Ferner läßt sich behaupten, Wahlbeeinflussung durch Fake News könne sich jederzeit wiederholen, „auch bei uns“, womit man die Brisanz für Europa hat und das Thema schön warmgehalten wird. Dass die Massenmedien mit diesem Narrativ subtile Fremdenfeindlichkeit schüren („die wollen uns was!“) und Angst verbreiten, während sie sonst Angst bei der Bevölkerung kritisiert – wen kümmert das schon?

Denn die Alternative wäre ja eine echte Wahlanalyse, wie sie etwa die Nachdenkseiten oder Cicero veröffentlicht haben und bei der dann unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht kommen: „Junge Linke haben Bezug zur Unterschicht verloren“ – für sie sind soziale Klassen kein Thema mehr.

Dieses Erkenntnis käme aber für weite Teile der Medien einem Schuldeingeständnis gleich, denn sie sind längst Teil der Elite, die eine funktionierende vierte Macht im Staate kritisieren und gegen die diese eine Gegenöffentlichtkeit aufbauen würde. Um sich nicht selbst in schlechtes Licht zu rücken, soll daher vermieden werden, die Bevölkerung ernst zu nehmen.

Der Vorstoß einiger Politiker, „Fake News“ zu einem neuen Straftatbestand zu machen, wurde entsprechend medial flankiert: Journalisten treten allen Ernstes für Zensur ein, nachdem ihnen die Deutungshoheit entglitten ist. Man beachte: Das war nicht irgendein Schreiberling für ein Käseblatt, sondern die WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich in den Tagesthemen!

Wie bei den Nachdenkseiten treffend kommentiert wurde:

Auf dem direkten Weg in die Postdemokratie. Was sind bitte „Gezielte Desinformation zur Destabilisierung eines Staates“? Das liegt immer auch im Auge des Betrachters. Aus Sicht der Eliten kann das jede Kritik an den herrschenden Verhältnissen sein.

Der ansonsten überstrapazierte Vergleich mit den Nazis trifft diesmal: Schon die Nazis gaben vor, „Fake News“ zu bekämpfen. Die Nachdenkseiten haben hierzu eine studentische Hausarbeit von Tobias Jaecker gefunden:

Um die Presse in den Griff zu bekommen, bedienten sich die Nationalsozialisten zunächst des Instruments der Notverordnungen, die der Reichspräsident erlassen konnte. Mit der „Verordnung zum Schutze des deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933 wurden Beschlagnahmung und Verbot von Druckschriften geregelt. Unter der Verantwortung von Reichsinnenminister Frick wurde ein umfangreicher Katalog von Verbotsgründen erarbeitet. Darunter fielen etwa die Verbreitung „unrichtiger Nachrichten“ und der Aufruf zum Streik.

Die Nazis im O-Ton (Quelle: Dokumentarchiv.de):

„Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933
„Periodische Druckschriften können verboten werden (…) wenn in ihnen offensichtlich unrichtige Nachrichten enthalten sind, deren Verbreitung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden. (…) Zuständig für das Verbot einer periodischen Druckschrift sind die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen.“

Es ist alles nicht neu: In den letzten Jahren haben wir eine ganze Reihe von Initiativen erlebt, um unter dem Deckmantel einer guten Sache Zensurinstrumente einzuführen. Zunächst waren es die Netzsperren gegen Kinderpornographie. Dann wollte die EU Antifeminismus verbieten. Vor den Vereinten Nationen durften sich Anita Sarkeesian und Zoë Quinn darüber ausheulen, was für schreckliche Sachen ihnen im Internet passieren würden: Es gäbe tatsächlich Leute, von denen sie kritisiert würden! Sie forderten Schutz – wobei der Vorwurf der „Nachstellung“ sich für sie nicht nur auf illegale Aktivitäten erstrecke, sondern auch so fürchterliche Beschimpfungen wie „Du bist eine Lügnerin“ oder „Du bist doof“. Das Wehklagen hatte woanders durchaus Erfolg: Google machte machte den Bock zum Gärtner.

Wie schnell solche Mechanismen, um Leute mit abweichender Meinung zum Schweigen zu bringen, entgleiten können, hätte man eigentlich aus der Geschichte lernen können. Nun hat Donald Trump noch einmal exemplarisch vorgeführt, was „die Geister, die sie riefen“ bedeutet.

Welch Ironie, dass ausgerechnet „Der Postillon“ besonders vielseitig über Fake News berichtet:

  1. Ratgeber: Alles, was Sie jetzt über Fake-News wissen müssen
  2. Bundeskanzler Hubert Dreher will Fake-News unter Strafe stellen
  3. Hat Fake-News verbreitet: Türkischer Journalist zu 5 Jahren Haft verurteilt
  4. Teenager (15) endlich fertig damit, unter jedes einzelne YouTube-Video „Fake!“ zu schreiben – der vielfach vergessene Ursprung der Fake-News-Vorwürfe

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Um „News“ wieder in einen positiven Zusammenhang zu bringen:

Huey Lewis & The News – Perfect World

Warum mir Frieden wichtiger ist als das Geschlecht von Politikern

Auf die US-Präsidentschaftswahl folgte eine Menge Panik in den Massenmedien, die ansonsten gerne berichten, das Volk habe zuviel Angst. Von einer Blödheit sondergleichen war jedoch die geäußerte Befürchtung, Donald Trump könne sich gut mit Wladimir Putin verstehen. Der Weltuntergang droht für einige Journalisten allen Ernstes wie folgt: Die USA könnten sich mit Russland verständigen!

Ja, habt Ihr denn gar nichts aus der Geschichte gelernt? Dass sich in den USA und der Sowjetunion immer wieder kluge Menschen gefunden haben, die zu Verständigung und Gesprächen bereit waren, dass am Ende sogar der Kalte Krieg auf friedliche Weise beendet werden konnte, das ist eine der größten zivilisatorischen Leistungen des 20. Jahrhunderts.

Und dass sich so etwas in ähnlicher Form wiederholen könnte, das soll heute eine unserer größten Ängste sein? Wo lebt Ihr denn, Leute?

Es ist kaum zu fassen: Verständigungswille ist böse!

Das fügt sich natürlich nahtlos ein in die andere große geschichtsvergessene Propagandashow, die uns die Massenmedien seit einigen Jahren präsentieren, nämlich Angst schüren vor Russland. „Der böse Russe“ ist dabei eine Uraltklamotte, die bereits in den 1980er Jahren völlig aus der Zeit gefallen wirkte.

Was ist nur aus dem großen Gedanken vom Frieden geworden? Stattdessen beteiligt sich Deutschland wieder an Angriffskriegen:

„Das Ziel ist der Krieg gegen den Terror“ – Chronologie eines deutschen Kriegseintritts

Dabei sind die Folgen klar, wenn man einmal hinguckt und nachfragt: So berichtet der Deutschlandfunk (gefunden via Nachdenkseiten) folgende Zahlen für deutsche Soldaten, die „wegen einsatzbedingter psychiatrischer Störungen in ärztlicher Behandlung“ in den letzten Jahren in Behandlung waren:

2015: 694
2014: 645
2013: 1085

Wer es wirklich wissen will, der kann es auch in Erfahrung bringen! Da die Bundeswehr nach wie vor zum überwiegenden Teil aus Männern besteht, brauchen wir uns keine Illusionen darüber zu machen, wie hier die Verteilung der Geschlechter ausfällt. Es ist ein weiterer Grund dafür, warum psychische Probleme ein wichtiges Männerthema sind.

In einem Punkt kann man also froh sein, dass Hillary Clinton, die ja bekanntlich ganz spezielle Vorstellungen davon hatte, wer die Hauptopfer des Krieges seien, die Wahl verloren hat: Sie hatte deutlich martialischere Töne anklingen lassen und offenbar keine Probleme damit, eine auf Interventionen (sprich: Angriffskriege) ausgerichtete Politik fortzusetzen, inklusive einer stärkeren Verpflichtung der anderen NATO-Mitgliedsstaaten (sprich: auch deutsche Soldaten in den Krieg).

Allerdings wäre es intellektuell zu kurz gesprungen, eine kriegstreiberische Politik bei Frauen in entscheidenden Ämtern deshalb besonders anzukreiden, weil es sich beim überwiegenden Großteil der Soldaten um Männer handelt. Auch ein männlicher Bundeskanzler, US-Präsident oder Verteidigungsminister werden ja nicht in Verlegenheit kommen, mit der Waffe jemals selbst ins Gefecht zu ziehen!

Viel wichtiger als das Geschlecht der Amtsinhaber scheint folgende Maßnahme: Diejenigen, die über Krieg und Frieden entscheiden, sollen regelmäßig auf Beerdigungen von Soldaten gehen und verkrüppelte Veteranen besuchen. Wer kein völliger Psychopath ist, überlegt sich den nächsten Einsatz dann vielleicht etwas länger. Fefe zitiert diesbezüglich die New York Times: Der US-Verteidungsminister ertrug es nicht mehr, Beerdigungen und Veteranen zu besuchen und trat laut eigenen Angaben deshalb zurück. Drohnenkönig Barack Obama wird inzwischen vorgeworfen (!), Truppen nicht mehr so gerne im Ausland einzusetzen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wer es nicht erkannt hat: In dem oben erwähnten Video wird Musik aus dem ersten „Star Trek“-Film verwendet. Das klingonische Thema wurde noch einige Male für die Klingonen eingesetzt. Ehrlich gesagt ist das der beste Platz für Krieg – die Fiktion!

Jerry Goldsmith: Klingon Battle

Linke Identitätspolitik: soziale Klassen und Verteilungsgerechtigkeit kein Thema mehr für die liberalen Linken?!

Die Schweizerische Wochenzeitung (WoZ)  interviewt in ihrer neusten Ausgabe Silja Häusermann (Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Zürich) im Zusammenhang von Abstiegsängsten sogenannter Modernisierungsverlierer. Dabei wird deutlich, dass bei der liberalen Linke Identitätspolitik Vorrang vor allem anderen hat.

Wer ist eigentlich die Elite, gegen den sich der Rechtspopulismus wendet?

Silja Häusermann fragt sich im Interview, wen denn die Rechtspopulisten eigentlich mit der Elite meinen. Der erst kürzlich verstorbenen Soziologe Hans-Jürgen Krysmanski unterscheidet ja folgende Eliten:

−      Geldelite
−      Finanzelite
−      Politische Elite und
−      Funktions- & Wissenselite.

Silja Häusermann würde als Professorin an einer Universität zur Funktions- & Wissenselite gehören. Nach dem Soziologen Pierre Bourdieu würde sie zu den „Herrschenden in beherrschter Stellung“ gehören. Herrschende deshalb, weil bei Bourdieu das kulturelle Kapital, von dem Frau Häusermann eine ganze Menge besitzt, auch ein Faktor für die Bestimmung einer sozialen Klasse ist. In beherrschter Stellung ist sie deshalb, weil bei Bourdieu das ökonomische Kapital quasi das alles dominierende Kapital ist.

Die SVP-WählerInnen oder die RechtspopulistInnen haben somit eine große Auswahl von Eliten zur Verfügung, die sie nicht so gut mögen; Frau Häusermann könnte ev. auch darunter fallen.

Nicht die Armen und die Prekarisierten wählen die Rechtspopulisten, sondern der untere Mittelstand

Silja Häusermann ist der Auffassung, dass nicht die Armen und die Prekarisierten die Rechtspopulisten wählen, sondern der untere Mittelstand. Wenn wir die Wahl 2015 in der Schweiz anschaue, dann hat

die Einkommensklasse von

– Fr. 0-4000 zu 32% die Rechtspopulisten gewählt; bei der SP sind es nur 22%.
– Fr. 4001-6000 zu 36% die Rechtspopulisten gewählt; bei der SP sind es nur 17%.

Die Aussage von Silja Häusermann dürfte somit falsch sein: Gerade die Armen und Prekarisierten sowie der untere Mittelstand haben überdurchschnittlich die SVP bzw. die Rechtspopulisten gewählt.

Noch krasser sieht es beim kulturellen Kapital aus:

Personen ohne Berufsausbildung haben zu

33% die Rechtspopulisten gewählt, aber nur 14% die SP.

Das heißt, diejenigen Populationen, die am wenigsten ökonomisches und kulturelles Kapital besitzen, wählen eindeutig am häufigsten und zwar überdurchschnittlich häufig die Rechtspopulisten! Die Rechtspopulisten ziehen also nicht nur überdurchschnittlich Leute an, die an einer relativen bzw. subjektiven Deprivation leiden, wie uns dies Silja Häusermann offenbar weismachen möchte, sondern bei denen auch tatsächlich eine objektive Deprivation vorhanden ist.

Hilft vermehrte Sozialpolitik gegen Rechtspopulismus?

Silja Häusermann ist außerdem der Auffassung, dass ein bisschen mehr Geld vom Sozialamt der Rechtspopulismus durch eine linke Partei nicht aufgehalten werden kann.

Es ist sicherlich richtig, dass mit ein wenig mehr Geld vom Sozialamt der Rechtspopulismus nicht aufgehalten werden kann. Die Ursache des Problems des Rechtspopulismus ist m.E. jedoch auch nicht einfach nur ein ökonomisches, das dann in ein kulturelles bzw. identitäres Problem transformiert wird, wie Silja Häusermann behauptet, sondern hat mindestens drei Ursachen:

  1. ökonomisch: Verteilungskrise
  2. kulturell: Identitäts- und Sinnkrise
  3. politisch: Repräsentationskrise und fehlende politische Partizipation

(vgl. Decker, Franz 2006, S. 22)

Und das Problem dieser „Modernisierungsverlierer“ ist somit auch nicht einfach und in erster Linie ein Identitäres, wie dies Silja Häusermann behauptet, sondern durch ökonomische, kulturelle und politische Krisen verursachte objektive und subjektive Deprivation, die durch den Rechtspopulismus mit identitätspolitischen Angeboten (Abgrenzung und Ausgrenzung von anderen Menschen sowie Nationalismus etc.) „bewirtschaftet“ wird.

Da die Problematik mehrdimensional ist, reicht ein starker Sozialstaat in der Regel nicht aus. Es braucht dementsprechend Maßnahmen, die u.a. die politische, die kulturelle und die ökonomische Krise und die daraus resultierenden Deprivationen in den Fokus rückt.

Die Wählerschaft der Linken hat sich in den letzten Jahrzehnten komplett verändert.

Die folgende Aussage von Silja Häusermann finde ich dann schon sehr bemerkenswert:

„Anfang der achtziger Jahre gehörten in Europa zwei Drittel der linken Wähler zur Arbeiterschaft, ein Drittel war Mittelklasse. Heute ist es umgekehrt. Aber nur dank der kulturellen Öffnung konnte die Linke überhaupt ihren Wähleranteil halten, auch in der Schweiz. Die Wählerschaft hat sich komplett verändert. Aber das ist keine schlechte Nachricht.“

Ich habe gedacht, bei den Linken geht es neben der Bekämpfung von Sexismus und Rassismus etc. auch um Einkommens- und Vermögensverteilung, politische Partizipation, Bildungsmobilität, Klassenmobilität, Lebenserwartung, Krankheit, Gesundheit, Armut etc.?!

Silja Häusermann sagt weiter:

„Ich kenne keine Evidenz dafür, dass sie diese Wähler mit sozialpolitischen Themen zurückgewinnen könnte. Das hat nirgendwo funktioniert.“

Was ist denn eigentlich mit Syriza oder mit Podemos? In Deutschland dürfte die AfD um einiges stärker sein, wenn es DIE LINKE nicht geben würde. Warum gibt es eigentlich in Portugal, Spanien oder Irland keinen Rechtspopulismus mit nennenswertem Erfolg? Aber wie bereits weiter oben gesagt, sozialpolitische Maßnahmen alleine dürften vielfach nicht ausreichen.

Das Problem des Rechtspopulismus ist kein ökonomisches, sondern ein kulturelles bzw. Identitäres

Silja Häusermann sagt weiter:

„Sie muss weiter für einen starken Sozialstaat einstehen. Aber sie muss sich darüber im Klaren sein, dass sie damit keine Stimmen zurückholt. Das gibt keinen Wählerzuwachs. Denn das Problem ist: Die Ablehnung der rechtsnationalen Wähler richtet sich nicht in erster Linie gegen das ökonomische Kapital, sondern gegen den kulturellen Wandel. Die Linke müsste also ihre universalistische Politik ablegen. Und was will sie dann anbieten? National gefärbten Klassenkampf?“

Nun, ein starker Sozialstaat reicht alleine vielleicht nicht aus, aber wenn noch zusätzliche Elemente dazu kommen würden, dann könnte man vermutlich dem Rechtspopulismus schon vermehrt das Wasser abgraben. Z.B. vermehrte Bildungsmobilität, Klassenmobilität, Wirtschaftsdemokratie, eine Verminderung der habituellen Entfremdung zwischen Sozialdemokratie, Bildungselite, Wissenselite und den „kleinen Leuten“ und nicht eine andauernde Delegitimierung von Sorgen, Emotionen und Wahrnehmungen dieser Menschen (da könnte ich der Silja Häusermann das Buch von Pierre Bourdieu „Die Feinen Unterschiede“ empfehlen, in dem es gerade um Distinktionsstrategien unterschiedlicher sozialer Klassen geht). Also z.B. eine Politik der Anerkennung nach Axel Honneth für diese „kleinen Leute“. Und wenn man die „kleinen Leute“ nicht mehr in den Blick bekommt, dann ist dies sicherlich keine universalistische Politik mehr, sondern eine reine partikulare Identitätspolitik, die eben partikularistisch vorgeht und den Universalismus abgelegt hat.

Ich verweise mal auf einen Vortrag von Eric Hobsbawm  (Identitätspolitik und die Linke):

Will die Linke wieder zurück zum Nationalstaat?

Silja Häusermann sagt weiter:

„Ja, fürchterlich. In gewissen Ländern in Europa könnte das eine linke Minderheitsposition werden. Bloss: Das ist sicher keine taugliche Politik für eine Sozialdemokratie. Wenn sie beginnt, ihre kulturelle Basis infrage zu stellen, die Stellung der Frau, die internationale Solidarität, die Rechte von Migranten, dann verliert sie jene Wähler, die sie in den letzten dreissig Jahren gewinnen konnte und die heute die Mehrheit ihrer Basis ausmachen: die kosmopolitische, urbane und gebildete Mittelschicht. Menschen, die in den wachsenden Branchen arbeiten.“

Weshalb fragt Silja Häusermann nicht danach, weshalb es einen Brexit gab, und weshalb gewisse Linke ihr Heil wieder in der Nation suchen?

Ich verweise diesbezüglich mal auf Heiner Flassbeck und auf Mario Candeias:

Heiner Flassbeck

Mario Candeias

Verkürzt würde dies heißen: Wenn die Sozialdemokratie weiterhin eine autoritäre Austeritätspolitik fährt und Deutschland weiterhin Lohndumping im eigenen Land betreibt und die eigene Arbeitslosigkeit exportiert, was in einer Währungsunion nicht gut gehen kann, dann werden ev. noch ganz andere Leute an die Macht kommen als Trump et al.

Die kosmopolitische, urbane und gebildete Mittelschicht könnte eben gerade mitverantwortlich sein für einen autoritären Neoliberalismus, der dann ev. zu Nationalismus und antidemokratischem Autoritarismus führt.

Haben wir einen neuen Kulturkampf: Linke Liberale und rechte Nationalisten?

Silja Häusermann sagt weiter:

„Ja, weil es sowohl den heutigen linken Wählern wie auch den ehemaligen Anhängern, die heute rechtsnational wählen, primär um identitäre, um kulturelle Fragen geht. Egal was die Linke macht, sie verliert am einen oder anderen Ende. Es findet ein neuer Kulturkampf statt.“

Das ist richtig: der heutigen Linke geht es primär einmal um Identitätspolitik und kulturelle Fragen und primär nicht mehr um soziale Gerechtigkeit bzw. Verteilungsfragen etc. Ich zitiere Wolfgang Merkel in diesem Zusammenhang:

„Die junge, intellektuelle Linke hat den Bezug zu der Unterklasse im eigenen Land fast gänzlich verloren. Da gibt es vonseiten der Gebildeten weder eine Sensibilität noch eine Aufmerksamkeit und schon gar keine Verbindungen mehr. Die Linke hat sich eben kosmopolitisiert und, wie gesagt, ihren politischen Schwerpunkt auf eine kulturelle Ebene verlagert, und eben auf dieser Ebene unterscheiden sich die Milieus der hoch und weniger Gebildeten deutlich voneinander. Dieser Verlust der Kommunikation zwischen den Klassen, wenn ich diesen Begriff einmal verwenden darf, ist massiv und ein Problem für die soziale Gerechtigkeit.“

Ist linke Identitätspolitik universalistisch oder doch eine neue Klassengesellschaft?

Silja Häusermann sagt weiter:

„Ja, nur dass sich heute nicht mehr Reformierte und Katholische gegenüberstehen wie im 19. Jahrhundert, sondern Linksliberale und Rechtsnationale. Wenn Sie die Reaktionen auf Trump verfolgen: Die grosse Besorgnis ist die um eine liberale Gesellschaftsordnung und um Minderheitenrechte, also um universalistische Rechte.“

Wenn man die soziale Verteilungsfrage und viele andere Fragen, die eben nicht primär Identitätspolitik oder kulturelle Fragen sind, aus den Augen verloren hat, wie kann man dann behaupten, dass man quasi universalistisch denkt?

Silja Häusermann sagt weiter:

„Vieles, was wir heute als selbstverständlich erachten, sind erkämpfte Erfolge einer kulturell liberalen Identitätspolitik. Die gute Nachricht für die Linke ist: Sie kann Einfluss nehmen mit den Stimmen, die sie in den letzten Jahrzehnten dazugewonnen hat. Aber es gibt einen Backlash. Es mag unbefriedigend sein, aber die Diagnose bleibt: Die Linke steckt in einem Dilemma.“

Es würde sich dann mal die Frage stellen, ob die erkämpften Erfolge rein auf eine kulturell liberale Identitätspolitik zurückzuführen sind?  Hier wird m.E. u.a. die ökonomische Dimension vollständig außen vor gelassen, die gerade für die Gleichstellung der Geschlechter auch ziemlich wesentlich war. Nur fragt sich eben, ob eine linke Identitätspolitik wirklich universalistisch ist und nicht eben nur partikularistisch, wenn die Gesellschaft wieder vermehrt zu einer Klassengesellschaft wird. Dazu abschliessend Wolfgang Merkel:

„Im Schatten der wachsenden kulturellen Sensibilität der Linken ist also eine neue Klassengesellschaft entstanden. Und diese Klassengesellschaft ist bislang zumindest nicht Thema des jungen intellektuellen Diskurses.“