Fundstück: Ungarische Videos geben Frauen die Schuld an Vergewaltigungen

Es sind vier verstörende Videos, selbst wenn man ihren genauen Kontext nicht kennt und nicht alle Aussagen versteht. Weil ich in den deutschsprachigen Nachrichten und Blogs nichts dazu gefunden habe, braucht es etwas Anlauf, um alles zu erklären.

Kontext dieses Artikels

Ich habe ja bereits mehrfach über den Mythos Gender Pay Gap gebloggt. Das hält mich nicht davon ab, Fälle zu nennen, in denen diese allgemein falsche Behauptung („Frauen bekommen – unter exakt denselben Umständen – weniger Lohn als Männer“, evtl. ergänzt durch „das ist Absicht vom Patriarchat / den Männern“) tatsächlich einmal zutrifft, wie bei Birkenstock oder dem Politiker Janusz Korwin-Mikke. Das ist nicht nur redlich. Es ist wichtig, gegen den Automatismus anzukämpfen, solche Fakten, die nicht ins Weltbild passen, kleinzureden oder zu ignorieren. Gerade die empörenden Reaktionen auf die beiden Fälle passen wieder sehr gut in mein Weltbild, das dadurch insgesamt nicht ins Wanken gerät, sondern facettenreicher wird.

Exkurs: die Rape Culture

Neben der allgemeinen Verschwörungstheorie des Patriarchats („alle Männer haben sich gegen alle Frauen verbündet“) und der daraus abgeleiteten Notwendigkeit für einen „Geschlechterkrieg“ sowie dem erwähnten Gender Pay Gap ist einer der beliebtesten Mythen der einer „rape culture“. Die Idee einer „Vergewaltigungskultur“ klingt für mich absurd – wie können Vergewaltigungen mit Kultur verbunden werden?

Tatsächlich sind es bei näherem Hinsehen sogar drei verschiedene Theorien, die einzig gemeinsam haben, dass Frauen allgemein unterdrückt werden:

„Vergewaltigungen werden akzeptiert.“ Das werden die meisten Menschen im Großteil der Welt abstreiten. In der westlichen Hemisphäre wird dann der argumentative Hebel angesetzt, dass die Definition, was eine Vergewaltigung sei, zu eng angesetzt sei und dadurch Vergewaltigungen offiziell akzeptabel gemacht würden. Dagegen helfe nur eine „consent culture„. Diese schlägt in der Praxis aber ins Gegenteil um und zeichnet sich dadurch aus, dass praktisch kein Geschlechtsverkehr vom Verdacht der Vergewaltigung frei ist und es auch keine praktikable Möglichkeit des Zustimmung gibt, um diesen Universalverdacht zu vermeiden.

„Vergewaltigungen werden nicht strafrechtlich verfolgt.“ In diesem Szenario sind Vergewaltigungen zwar offiziell geächtet, jedoch werden die Täter geschützt. Die Vergewaltigungszahlen werden heruntergespielt. Hierbei wird vom einzig sichtbaren, aber falschen Ende her argumentiert, nämlich wie viele Verdächtigte tatsächlich verurteilt werden. Das sagt aber nichts über die Qualität von Polizei und Justiz aus (deren Statistiken zudem auch untereinander nicht miteinander vergleichbar sind). Das Außerkraftsetzen eines der wichtigsten rechtsstaatlichen Grundsätze, die Unschuldsvermutung, hat hierbei in radikalfeministischer Propaganda eine unheilige Tradition.

„Es wird eine Vergewaltigungsangst erzeugt, damit die Frauen nicht aufbegehren.“ Hier sind Vergewaltigungen ebenfalls ein Verbrechen, aber die Wahrscheinlichkeit, Opfer dieses Verbrechens zu werden, wird künstlich aufgebauscht. Mit diesem Szenario läßt sich leicht erklären, warum sich nicht mehr Frauen wehren – sie sind ja vor lauter Angst nicht dazu in der Lage. Durch die stets drohende Gefahr werden Frauen davon abgehalten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Für den Fall, dass jemand an die offiziell niedrigen Fallzahlen erinnert, gibt es die Ausweichmöglichkeit auf zahlreiche andere Handlungen, die zwar nicht vor dem Gesetz eine Vergewaltigung sind, aber eben Teil „dieser Kultur“. Durch den rhetorischen Kniff von „Mikroaggressionen“ kann alles zur Vergewaltigungskultur beitragen. Ein einzelner Regentropfen ist auch eine Mikroüberschwemmung.

Die drei Definitonen widersprechen sich untereinander. Das macht aber bei Verschwörungstheorien nichts aus.

Die gängigen Fragen, um dem entgegenzutreten: Wer würde von einer „rape culture“ profitieren? Hat die Mehrheit der Männer etwas davon? Ist der „Nutzen“, Verbrechen begehen zu können, allgemein höher als der Nutzen, dass man selbst und der eigene Bekanntenkreis voraussichtlich nicht Opfer eines Verbrechens werden? Ist der Nutzen, angstfrei leben zu können, nicht höher als der Nutzen, andere zu beherrschen? Einen Sinn hat das nur unter dem Gesichtspunkt, dass tatsächlich ein Geschlechterkrieg herrscht, also alle Männer gegen alle Frauen sind.

Eine allgemein falsche Theorie kann trotzdem unter sehr eingeschränkten Bedingungen zutreffen. Es gibt Fälle, in denen Vergewaltigungen verharmlost oder verdeckt werden: Sport, Gefängnisse und Militär. Diese Szenazien haben folgende Gemeinsamkeiten, die auf die menschliche Gesellschaft insgesamt nicht zutreffen:

  1. strenge Hierarchien und Befehlsstrukturen
  2. starke Betonung von Stärke und Härte mit dem Ziel, „Dinge auszuhalten“
  3. Unterdrückung von Empathie für Menschen außerhalb der eigenen Gruppe
  4. hohes Stressniveau, wenig Empathie = die Basis vieler Verbrechen

Allgemein gilt eine Vergewaltigung als eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt. Bereits die Anschuldigung ist so schwerwiegend, dass selbst im Falle einer Falschbeschuldigung, die später herauskommt, der angebliche Täter sozial vernichtet ist. Skrupellose Menschen benutzen dies, um sich unliebsame Personen vom Hals zu schaffen oder sich an ihnen zu rächen.

der Kern der Sache: die ungarischen Videos

Ich wollte schon darüber bloggen, seit ich sie Ende 2014 zum ersten Mal gesehen habe, aber es hat sich nie der rechte Anlass gefunden und sie benötigen (wie man hier sieht) aus meiner Sicht doch einiges an Vorgeplänkel.

Zunächst einmal die Videos selbst. Ich finde nur noch eines bei Youtube, erinnere mich aber daran, dass ich mindestens zwei damals bei einem Kanal namens „Police Hungary“ gefunden haben. Dass es der offizielle Kanal der ungarischen Polizei war, kann ich jetzt allerdings weder beweisen noch widerlegen, da die Videos unter den ursprünglichen URLs inzwischen privat sind.

Der lange Clip (bei einem anderen Konto):

Eine Quelle für alle drei kurzen Videos:
http://indavideo.hu/video/Selfie_Spot_1
http://indavideo.hu/video/Selfie_Spot_2
http://indavideo.hu/video/Selfie_Spot_3

Artikel dazu:

  1. The Guardian: Hungarian police accused of victim-blaming in safety video
  2. Tudod mit üzen neked a rendőrség, ha egy buli után megerőszakolnak? „Tehetsz róla“
  3. Itt vannak a rendőrség új, buliellenes spotjai

Dem Guardian traue ich generell nicht so einfach über den Weg, wenn es um solche Themen geht. Die dort geschilderten Informationen nehme ich daher nicht ohne weiteres für bare Münze (verweise aber gerne darauf – es soll sich jeder selbst eine Meinung bilden).

Nun werden die wenigsten Ungarisch verstehen. Der verwendete Slogan „Tehetsz róla, tehetsz ellene!“ bedeutet in etwa soviel wie „Deine Schuld, mach etwas dagegen!“. Bei dem Spruch alleine wird einem schon unwohl. Er klingt so, als würde hier den Opfern von Straftaten selbst die Schuld in die Schuhe geschoben. Doch schauen wir uns einmal die Spots genauer an:

Nr. 1 (0:54 Minuten):
Drei junge Frauen werfen sich in Schale und scheinen bereits vorzuglühen. Irritierend sind die Seifenblasen – stellen sich die Filmemacher so „die Jugend von heute“ vor? Oder soll das andeuten, dass sie doch „so jung“ und „beinahe noch Kinder“ sind?

Dann kommen Posen, in denen die drei flirtende Blicke und Gesten in die Kamera machen. Ich fühlte mich jedenfalls angesprochen, wenn mir so eine Dame in der realen Welt begegnen würde. Aber was hat das mit der beabsichtigten Botschaft zu tun?

Jetzt zeigt man erneut, wie die Freundinnen zu Hause Selfies machen und dann – schon sichtlich angetrunken – erst losgehen (bzw. -wanken). Eine dreht sich an der Tür noch ein letztes Mal um und sieht eine weitere Freundin mit zerrissenen Klamotten und verwischter Schminke.

Am Ende kommt noch eine kurze Ansprache, die mit dem erwähnten Slogan endet. Immerhin wird hier für Gehörlose noch Gebärdensprache verwendet. Dass es sich bei der Übersetzerin Fanni Weisz um eine „Aktivistin für Chancengleichheit“ handeln soll, irritiert mich erneut. Sie muss doch wissen, was sie da mitteilt.

Nr. 2 (0:46 Minuten):
Die drei Freundinnen kommen sichtlich angeheitert im Club an, bestellen aber direkt noch einmal sechs Kurze. Es werden aber drei Runden, wie man an den leeren Gläsern sieht. Dann schmeißt man sich ins Getümmel auf der Tanzfläche. Seltsam hierbei, dass erst jetzt die Jacken abgelegt werden – die gibt man doch normalerweise an der Garderobe ab. Ein wenig Disco-Gezappel, dann erscheint mitten unter den Feiernden wieder die vierte Freundin wie gehabt. Erneut eine Ansprache (mit Gebärdensprache) und der Slogan.

Nr. 3 (0:48 Minuten):
Weiter auf der Tanzfläche, es wird geflirtet, man zieht den Männern schon einmal das Hemd aus, küsst und begrabbelt sich gegenseitig. Am Tisch zeigen leere Flaschen und Gläser, dass man noch ordentlich nachgetankt hat.

Dann verlassen alle gleichzeitig den Laden, der allerdings von außen überhaupt nicht wie eine Disco aussieht. Einer der Typen fällt direkt auf den Boden. Normalerweise disqualifiziert ihn das als Partner für einen heißen Flirt bzw. eine Fortsetzung zu zweit. Nun bleibt eine der Frauen alleine zurück, was mir unverständlich bleibt, da es doch vorher auch drei Männer waren. Wieso gehen außerdem die Freundinnen zu zweit in eine Richtung, einer der Männer alleine und der andere in eine andere Richtung davon? Was ist denn aus dem Flirten geworden?

Und was ist das überhaupt für ein Laden, der keinen Türsteher hat? Die sind nach eigener Erfahrung auch in Ungarn üblich!

Jetzt sieht man einen Mann an einer Mauer stehen. Schon an der hochgezogenen Kapuze vom Pulli und der Zigarette erkennt man: Das muss ein Böser sein! Auch die zittrige Hand, der unruhige Fuß und die unheimliche Musik lassen keinen Zweifel zu. Er eilt fort.

Die alleingelassene Frau reißt die Augen Richtung Kamera auf. In der nächsten Einstellungen sieht man die vierte Freundin aus den ersten zwei Spots auf der Erde sitzen, offenbar vergewaltigt. Auch hier wie gehabt eine Ansprache (mit Gebärdensprache) und der Slogan.

Der lange Clip (3:41):
Das ist quasi die Langfassung mit einigen weiteren Szenen.

Die drei Freundinnen rennen zuerst noch mit Straßenklamotten in die Wohnung, dabei laut kichernd. Hier frage ich mich allen Ernstes, in welchem Jahrhundert die Filmemacher zuletzt eine junge Frau gesehen haben.

Dann wird Musik angemacht, der Alkohol ausgepackt und das Aufbrezeln beginnt (es folgt wie gehabt die Handlung von Clip 1). Die lasziven, einladenden Gesten Richtung Kamera haben hier noch weniger Sinn. Tests vor dem Spiegel, wie man wirkt, können es nicht sein – denn welche Frau übt schon „Flirten mit dönerähnlichem Gegenstand in der Hand“? In der Realität machen die Freundinnen danach ein Selfie.

Bevor der Teil von Clip 2 einsetzt, sieht man den Club etwas besser: Es sieht weniger nach einer professionellen Disco als nach einem Jugendheim oder einem privaten, wenn auch ziemlich großen Partykeller aus. Auch jetzt gibt es weitere Szenen: Die drei Freundinnen machen sich gleich unbeliebt, indem sie Leute von der Bar wegschubsen. Beim Saufen ernten sie einen abfälligen Blick einer Frau von der Seite. Bereits an der Theke checken sie die ersten Typen ab, die sind aber alle doof. Nun kommt der Inhalt von Clip 3, ebenfalls ergänzt. Am Tisch wird scheinbar sogar noch der Restalkohol vom Tisch abgewischt. Also wenn jemand allen Ernstes so breit ist, klappt auch mit dem anderen Geschlecht nichts mehr! Der entsetzte Blick der Frau ist deutlich länger. Wie es sich in einem professionellen Horrorfilm gehören würde, läuft sie nicht weg – schreit allerdings auch nicht, was einer Karriere als Horrorfilmnebendarstellerin deutliche Grenzen setzen würde. Das Vergewaltigungsopfer wird ebenfalls länger gezeigt.

Am Ende wird offenbar noch den Geldgebern gedankt, wobei es tatsächlich nach der ungarischen Polizei aussieht. Der Abspann des Films unterstreicht jedenfalls, dass dieser Film professionell produziert wurde und ernst gemeint ist.

Bewertung

Ich muss gestehen, dass ich diese Videos auch beim erneuten Betrachten nicht anders ertragen konnte, als sie launisch zu beschreiben und zu kommentieren. Es sind einfach so viele Klischees über junge Leute, insbesondere Frauen versammelt, dass es schon weh tut. Der Film könnte auch von Verfechtern der Prohibition stammen, da der starke Alkoholkonsum besonders negativ dargestellt wird.

Wie es zur Vergewaltigung kommt, ist völlig unrealistisch, da direkt vor einem Club üblicherweise Security steht. Außerdem ist der im Dunkeln lauernde Täter ja gerade nicht der Normalfall – hier wurde also besonders tief in die Klischeeschublade gegriffen. Realistischer – so traurig es auch ist – wäre gewesen, wenn einer der Flirtpartner mehr von der Dame gewollt hätte, als diese bereit gewesen wäre mitzumachen. Wie man jedoch – auch nach intensivem Feiern – Freunde direkt vor der Tür verlieren kann, bleibt mir völlig schleierhaft. Im Zweifelsfall ruft man ein Taxi, wenn jemand partout nicht mehr kann.

Das Erscheinen der vierten Freundin mit den Opfermalen, die quasi wie ein Geist die anderen warnen soll, während diese sich noch „sündhaft“ dem Alkohol und den Männern hingeben, erinnert mich eher an religiöse Fanatiker. Neben den realitätsfremden Szenen (Kichern, Seifenblasen, Jacke nicht sofort ausziehen usw.) könnte man als nordwesteuropäischer Zuschauer große Teile des Feierns als „normalen Partyspaß von jungen Erwachsenen“ einordnen, ohne dass einem irgendetwas besonders negativ auffällt. „Klar, ein wenig heftig, aber so muss ein Wochenende eben sein“ wäre auch eine Zusammenfassung der reinen Feierszenen, die ich mir vorstellen könnte.

Der Slogan, welcher Vergewaltigungsopfern die Schuld gibt an dem, was ihnen passiert ist, wird durch das Gezeigte unterstrichen. Die jungen Frauen werden als verantwortungslos dargestellt, wie sie sich kleiden und aufführen, das Verbrechen als „fast schon absehbar“. Hier wird suggeriert, wenn Frauen sich so anziehen würden, seien sie selbst Schuld, wenn ihnen etwas zustoße.

die Reaktionen

Eine solche Videoserie, von der Polizei produziert, halte ich in West- und Nordeuropa nicht für möglich. Selbst in Ungarn, wo es politisch so aussieht, dass man sich freuen muss, wenn die Rechtspopulisten gewinnen, weil dann nicht die Neonazipartei an die Macht kommt, ließen die Proteste nicht auf sich warten.

Berichterstattung bei 7/24 (hu): „A nőket hibáztatja a rendőrség az erőszak miatt“
(„Die Polizei gibt den Frauen die Schuld an (sexueller) Gewalt“)

Judit Wirth, Nők a Nőkért Együtt az Erőszak Ellen (in etwa: Verein „Frauen für Frauen, gemeinsam gegen Gewalt“): Die Videos zeichneten ein schlechtes Bild sowohl von Frauen als auch von Männern. Als ob sich Männer beim Anblick von Frauen nicht mehr beherrschen könnten.

Berichterstattung bei Euronews (hu) über den Slutwalk in Budapest
Slutwalk: „a szexuális erőszakról nem az áldozat tehet“
(„An sexueller Gewalt sind nicht die Opfer Schuld“)

Berichterstattung über die Demonstration bei der HVG (liberales Wochenblatt)
„Nem a rendőrségi videó a fő probléma“
(„Nicht die Polizei-Videos sind das Hauptproblem“)

Dennoch zeigt sich hier das Gefälle zwischen Nord/Süd und West/Ost in Europa. Ich hatte bereits über konservative Geschlechterverhältnisse in Süd- und Osteuropa geschrieben:

Gerade die Süd- und Osteuropäerinnen loben Nord- und Westeuropa dafür, insgesamt einen fortschrittlicheren Umgang mit Frauen zu haben.
(…)
Das bedeutet nicht, dass hier und jetzt alles perfekt wäre.
(…)
Die positiven Urteile etwa über Deutschland von Frauen aus Süd/Osteuropa passen aber überhaupt nicht ins Weltbild von Anne Wizorek.
(…)
Die Welt als „überall ist es gleich schrecklich“ oder „es ist so schlimm wie immer“ zu beschreiben, verdeckt den Blick auf die Unterschiede und das Erreichte. Vor allem ist es deswegen demotivierend, weil man offensichtlich durch eigenes Verhalten nichts erreichen kann.

Das entspricht auch hier meiner Deutung: Solche ungeheuerlichen Videos kann man nur in bestimmten Teilen Europas drehen, sie sorgen jedoch auch im jeweiligen Land für Proteste. Es würde die Gleichberechtigung in Europa zumindest voranbringen, die Unterscheide zwischen den verschiedenen Ländern aufzuzeigen und auf das bereits anderswo Erreichte zu verweisen (das einen ja noch lange nicht zufriedenstellen muss).

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Nach diesen schauerlichen Videos wenigstens ein wenig Reggae aus Ungarn…

Ladánybene 27: Emelj fel

Feminismus: von der Bewegung zum Apparat

Im folgenden recycle ich drei Forenkommentare, die ich zu dem von Bettina und Alexander Hammer verfassten Telepolis-Artikel Rolling-Stone-Journalistin wegen böswilliger Verleumdung verurteilt gepostet habe, zu einem kurzen Artikelchen (auf Blogs sollte ich nicht immer nur Fußlappen publizieren). Dies darum, weil sie aufgrund knapper Nachfragen des heise-Forenten FautduJour inhaltlich vertiefend aufeinanderfolgen und mir ermöglicht (bzw. mich dazu genötigt) haben, ein zentrales Argument ausnahmsweise einmal knapp zu fassen. 🙂

Ausgangspunkt war, dass Bettina und Alexander Hammer im Text des Artikels den Kommentar des für sein ideologisches Hardlinertum berüchtigten heise-Forenten demon driver ausschnittsweise zitiert hatten.

Weiterlesen „Feminismus: von der Bewegung zum Apparat“

Kurznachrichten vom 09.10.2016

1: Don Alphonso untersucht bei der FAZ die diesjährigen Zahlen der angezeigten Sexualstraftaten auf dem gerade beendeten Oktoberfest. Schon deshalb, weil Netzfeministinnen in ihrer #ausnahmslos-Kampagne das Oktoberfest immer wieder gerne als Beispiel dafür hernahmen, dass Sexismus und sexuelle Übergriffe auch unter Bio-Deutschen gang und gäbe seien.

Nun, tatsächlich hat sich die Zahl der Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr von 21 auf 31 erhöht, und das trotz niedrigerer Besucherzahlen. Aber:

Bei den festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um 2 deutsche Staatsangehörige und 16 ausländische Staatsbürger (darunter 6 Asylbewerber).

Einer der beiden deutschen mutmasslichen Täter ist dem Vernehmen nach ein männlicher Busfahrer, der sich an einem betrunkenen Mann oral verging. […]

Seriös muss man sagen: Es gab 2016 nach bisherigem Stand der Ermittlungen bei einem 17 Tage dauernden Fest mit 5,6 Millionen Besuchern 1 einzigen festgenommenen deutschen, heterosexuellen, mutmasslich weissen Sexualstraftäter. Die grosse Mehrheit der Ermittelten stammt nicht aus Deutschland. In der einzigen Nacht auf der Domplatte liegen bei einer vierstelligen Menschenmenge mit überwiegend Migrationshintergrund 430 Anzeigen wegen Sexualstraftaten vor. Man kann es nicht vergleichen.

So sieht sie aus, die deutsche „Rape Culture“.

2: Die taz befindet, mit der Aussage

Außerdem müssen wir deutlich machen, dass die neuen Freiheiten in der Lebensgestaltung ein Angebot und keine Vorgabe sind. (…) Es geht darum, dass jeder nach seiner Fasson leben kann und nicht darum, traditionelle Lebensformen abzuwerten oder die Individualisierung ins Extrem zu treiben. Auf Individualismus darf nicht zum Egoismus werden, sonst wird gesellschaftlicher Zusammenhalt unmöglich. So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen – und das ist auch gut so.

bediene sich

Winfried Kretschmann des klassischen Repertoires homophober Propaganda von rechts.

Die FAZ hält die Aussage immerhin nur für „gewagt“.

So ist das heutzutage: Wenn man darauf hinweist, dass Heterosexualität eben das normale Verhalten ist, ist das schon „homophob“, selbst wenn man Schwulen und Lesben gleiche Rechte zugestehen will.

3: Ebenfalls bei der taz:  Ein Bericht über die Kultur der Trigger Warnings, Safe Spaces und Microaggressions an amerikanischen Universitäten und wie diese Kultur langsam auch nach Deutschland kommt.

4: Eine eher amüsante Posse: Es gibt einen kleinen Wirbel um Umweltministerin Barbara Hendricks, die im Iran mit einem Mann verwechselt wurde. Die iranische Politikerin Massumeh Ebtekar hatte ihr bei einem Besuch in Deutschland die Hand gegeben. Fremden Männern die Hand zu geben ist in Iran für gläubige islamische Frauen, besonders für Spitzenpolitikerinnen, ein absolutes Tabu. Aufgrund von Videoaufnahmen war bei vielen Iranern der Eindruck entstanden, das sei so.

Wäre es eine Meldung wert gewesen, wenn Ebtekar tatsächlich auf einen Mann getroffen wäre? Während es hier im Westen regelmäßig für Aufregung sorgt, wenn sich ein muslimischer Politiker weigert, einer Politikerin die Hand zu geben, kräht im umgekehrten Fall kein Hahn danach. Auf den wirren Gedanken, dass man von Frauen dasselbe Verhalten verlangen könnte wie von Männern, kommen auch nur diese merkwürdigen Männerrechtler.

5: Wie die meisten wohl schon wissen, ist ein kompromittierendes, 11 Jahre altes Video von Donald Trump aufgetaucht, aufgrunddessen ihm Sexismus und sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Auf Alles Evolution wird darüber bereits diskutiert.

6: Ein Ausflug zur Kultur: Das wohl meistgespielte Stück in fränkischem Dialekt hat 40jährigen Geburtstag. Was das mit Männerrechten zu tun hat? Das sollte alleine aus dem Titel hervorgehen, der ist nämlich: „Schweig, Bub!

Es geht darin vordergründig um ein Familienfest, eine Konfirmationsfeier, die mehr und mehr aus den Fugen gerät. Eine gewisse Tragikomik entfaltet das Stück vor allem dadurch, dass es den erwachsenen Figuren um alles mögliche geht, nur nicht um den, um den es eigentlich gehen sollte, den Konfirmanden. Der wird nämlich nur zurückgewiesen und hat die Klappe zu halten. Insofern könnte man es auch als ein sozialkritisches Lehrstück über die Konditionierung von Jugendlichen betrachten.

Das Stück von Fitzgerald Kusz wurde inzwischen in 13 Dialekte übersetzt. Ich kann es nur wärmstens empfehlen, weil es sich eben nicht an die verlogenen Traditionen des klassischens Volkstheaters hält, sondern diese mit mehr Realismus durchbricht. Vom Stellenwert her in Franken dürfte man es inzwischen mit dem Analogon „Brandner Kaspar“ in Bayern vergleichen können.

Kurznachrichten vom 23.08.2016

1: Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten spricht Gina-Lisa Lohfink der Falschbeschuldigung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs für schuldig und bestätigt damit den Strafbefehl, der gegen Lohfink ergangen war und gegen den sie sich gewehrt hatte. Die Strafsumme wurde zwar von den ursprünglichen 24.000 Euro auf 20.000 Euro herabgesetzt, die Gerichts- und Anwaltskosten dürften die Ersparnis aber mehr als aufwiegen.

Der Rechtsanwalt Udo Vetter kommentiert auf seinem „lawblog“:

Peinlich ist das Urteil vor allem für jene, die den Fall Lohfink zum Gradmesser für angebliche Lücken im deutschen Sexualstrafrecht hochgejazzt haben. Die Mitglieder des Teams Gina-Lisa, allen voran die amtierende Familienministerin, haben sich vor den Karren einer mutmaßlichen (das Urteil ist nicht rechtskräftig) Lügnerin spannen lassen.

Ein Kommentator dort weist darauf hin, dass die Strafe für Lohfink aufgrund des vom Gericht niedriger angesetzten Tagessatzes de facto zwar verringert, de jure aber sogar erhöht wurde, nämlich von 60 auf 80 Tagessätze:

Sicher hilfreich wäre es auch, wenn die Presseberichte von Leuten gemacht würden, die das Geldstrafensystem verstehen und von der Unsitte herunterkämen, bei Geldstrafen nur die Gesamtstrafe anzugeben. Dann hätten sie darüber berichten können, dass das Gericht in der Sache das Strafmaß gegenüber dem Strafbefehl nicht reduziert, sondern in der Sache sogar erhöht hat (von 60 auf 80 Tagessätzen), und dass G.-L.s Strafe anscheinend (den Presseveröffentlichungen zufolge) immer noch niedriger ist als die Geldstrafe aus den Strafbefehlen für die Verbreitung des Videos (90 Tagessätze).

In einem Artikel auf LTO wird dies so erklärt, dass die Akzeptanz eines Strafbefehls ein strafmildendes Geständnis impliziert, was bei beim Einspruch dagegen aber natürlich wegfällt.

Auf Alles Evolution wird bereits über das Urteil diskutiert. Ich möchte einen Kommentar von Adrian hervorheben, der meint:

Selbstverständlich wird dieses Urteil nichts an der Gesamtsituation ändern. Feministen werden diesen Fall als weiteren Beweis der Rape Culture und des Patriarchats sehen. Solange Frauen nicht ungestraft jeden Mann der Vergewaltigung bezichtigen dürfen, und solange nicht jeder Mann auf Zuruf weggesperrt wird, kann es in ihren Augen keine Gerechtigkeit geben.

Und wie zum Beweis von Adrians These, hält die Mädchenmannschaft das Urteil selbstverständlich für einen Beweis der Existenz der „rape culture“.

Derweil offenbart sich das Rechtsverständnis von Feministen auf Twitter wie folgt:

teamginalisa

2: In den USA gab es einige drastische Verfahrensausgänge im Zusammenhang mit Lehrerinnen, die sexuelle Beziehungen mit ihren männlichen Schülern hatten. Ein Schüler bekommt jetzt sechs Millionen Dollar Entschädigung vom Schulbezirk, weil dieser von dem Missbrauch wusste, aber nichts dagegen unternommen hatte. Aufgeflogen war die Sache erst, als die Lehrerin von ihm ein Kind bekam. Wie man das von anderen Fällen aus den USA kennt, muss er wohl für das Kind trotz eines gesetzwidrigen Missbrauchs Unterhalt zahlen. Immerhin sollte das mit sechs Millionen machbar sein. Wenigstens hat der Schüler das geteilte Sorgerecht zugesprochen bekommen. Die Lehrerin kam nach einem halben Jahr Haft wieder auf Bewährung frei.

In einem anderen Fall wurde die Lehrerin dagegen zu ganzen 22 Jahren verurteilt. Warum auch immer, hat sich in Russland eine Bewegung für eine mildere Strafe gebildet, mit schon über 50.000 Unterschriften auf einer entsprechenden Online-Petition. In dem Artikel bei Spiegel-Online wird eine Feministin mit einem halbwegs vernünfigen Kommentar zitiert:

Die feministische Publizistin und Bloggerin Bella Rapoport kritisiert das Klischee vom „triebgesteuerten“ Mann. „Es ist gefährlich, anzunehmen, dass jeder Mann unter allen Umständen froh sein muss, mit einer schönen Frau zu schlafen“, sagt Rapoport. „Unterschiedliche Männer haben unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse und Wünsche. Wenn man so tut, als wollten sie alle dasselbe und müssten es unbedingt haben, werden Frauen am Ende zu Opfern.“

Gefährlich ist diese Sichtweise natürlich am Ende vor allem wiederum für die Frauen. Wie sollte es anders sein… Wenn der letzte Satz nicht wäre, hätte ich auch das „halbwegs“ streichen können.

3: Das Verwaltungsgericht in Osnabrück bestätigt die Entscheidung eines Abendgymnasiums, einer Muslima das Tragen des Nikabs im Unterricht zu verwehren. Die Schülerin hatte dagegen geklagt.

4: Schlechte Nachrichten für Genderisten. Ausgerechnet die sogenannte Gender-Medizin entdeckt immer mehr Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Ein paar Zitate:

Eine Erklärung hierfür lautet, dass die Konzentration der weiblichen Geschlechtshormone ständig ab- und zunimmt, bei männlichen jedoch beständig ist.

Stichwort: Launenhaftigkeit. Könnte damit erklärt sein.

Auch die unterschiedliche Reaktion des Immunsystems kann durch das Wirken der Sexualhormone erklärt werden: Östrogen kann beispielsweise die Zellen aktivieren, die bei der antiviralen Immunantwort mitwirken. Testosteron dahingegen nicht. Das Grippevirus Influenza wird beispielsweise nur von weiblichen Zellen bekämpft, wie die Forscher von der John Hopkins University in Baltimore entdeckt haben („American Journal of Physiology“). Laut dem Immunologen Marcus Altfeld aus dem Heinrich-Pette-Institut in Hamburg würden Frauen deshalb eine schnelle und starke Immunreaktion zeigen, um ihr ungeborenes oder bereits geborenes Kind zu schützen.

Stichwort: Männergrippe. Hat vielleicht doch einen realen Hintergrund. Mädels, Ihr könnt jetzt aufhören zu lästern. Wir Männer sind da einfach von der Natur benachteiligt.

5: Jan Fleischhauer sinniert in seiner Spiegel-Online Kolumne über Heterofeindlichkeit und den diskriminierten Mann. Auszug:

Das ist doch ein schlimmes Stereotyp, dass sich Männer jenseits der vierzig gehen lassen. Wenn man sagt, dass Schwarze ein Problem mit der ehelichen Treue haben oder Araber Frauen nicht für voll nehmen, rollen alle mit den Augen. Warum gilt das nicht auch bei Vorurteilen gegenüber Heterosexuellen? Niemand wird gerne auf ein Stereotyp reduziert, das sollte für alle die Regel sein.

Ich schreibe das, weil mir vergangene Woche aufgefallen ist, dass Heteros nicht einmal als diskriminierungswürdig gelten. Auf jede Gruppe muss Rücksicht genommen werden, nur auf ganz durchschnittliche Männer ab einem bestimmten Alter nicht. […]

„Wer männlich, weißhäutig, sichtbar biodeutsch, christlich oder säkular, nicht behindert und nicht schwul ist, weiß nicht, was es heißt, (…) diskriminiert zu werden“, hat die Journalistin Esther Schapira in den „Tagesthemen“ den Jahrestag kommentiert. Der Satz wurde sofort über Twitter und Facebook geteilt. Offenbar kommt es den Leuten, die so etwas richtig finden, gar nicht in den Sinn, dass es auch eine Form der Ausgrenzung darstellt, wenn eine bestimmte Gruppe von Menschen von vornherein nicht zu den Diskriminierten gezählt wird. […]

Wann hat es angefangen, dass es wichtig ist, diskriminiert zu sein? Früher ging es darum, dazuzugehören. Wer Teil einer Minderheit war, versuchte, so schnell wie möglich zur Mehrheitsgesellschaft aufzuschließen. Heute ist das Gegenteil der Fall: Statt darauf Wert zu legen, dass einen die anderen akzeptieren, ist man stolz darauf, wenn man sagen kann, dass man ausgegrenzt wird. Manche Leute sammeln Diskriminierungen wie andere Panini-Karten. Je mehr sie davon haben, umso besser fühlen sie sich. Man spricht dann von „Mehrfachdiskriminierung“.

Prädikat: Zur Gänze lesenswert.

Warum ich heute einmal „erzählmirnix für Arme“ mache

Mit ein wenig Übung bekommt man das sicher in ein paar Minuten in einem Zeichenprogramm hin, aber mir fiel kein passender Text für Rechtsi und Linksi ein. Stellt Euch also einfach als phantasiebegabte Menschen die üblichen roten Kreuze und grünen Haken über einem Bild vor, wie man es ansonsten von erzählmirnix kennt:

Wie man am besten mit Vergewaltigungsvorwürfen umgeht

falsch:

  • Polizei und Justiz einschalten
  • sich mit einem eigenen Urteil weitgehend bedeckt halten
  • andere Beteiligte als Menschen mit Eigeninteresse betrachten

richtig:

  • anonymen Beschuldigungen im Internet glauben
  • den Beschuldigten bereits vorsorglich zum sozialen Tod verurteilen
  • bekannte Beschuldiger mit Geld oder Posten (z.B. dem des Beschuldigten!) ausstatten

Als Inspiration dienten zwei Artikel in der Zeit über Jacob Appelbaum:

  1. Starke Zweifel an Vergewaltigungsvorwurf (kurz, leichter verdaulich)
  2. Was hat dieser Mann getan? (seltsamer Schreibstil, viele Details)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Auf die Geschichte bin ich erst aufmerksam geworden, als sie (nicht-öffentlich) als Aufhänger dafür verwendet wurde, der Grundsatz „unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist“ befördere „rape culture“.

Billy Joel: An Innocent Man

Das neue Sexualstrafrecht hat auch gute Seiten für Männer

Eigentlich war dieser Text als Kommentar unter diesem m.E. hervorragenden Artikel von RA Alexander Stevens gedacht. Aber da er immer länger wurde, habe ich mich entschlossen, ihn hier zu veröffentlichen:

Gesellschaftspolitisch wird sich das neue Strafrecht so auswirken, dass es genau die falschen trifft. Die Idioten, Machos, die sich für die Supermänner halten, sprich, die, die sich schon bisher eher wenig für den Willen der Frau interessiert haben, werden sich nicht abhalten lassen. Die netten Männer dagegen wird das noch mehr verunsichern, sie werden noch mehr darauf warten, bis die Frau endlich mit dem Zaunpfahl winkt. Und dann werden sich die Frauen noch mehr beschweren, dass sie immer nur an die Arschlöcher geraten, denn die sind die einzigen, von denen sie noch offensiv angebaggert werden.

Außerdem wird es wahrscheinlich eine deutliche Zunahme an Anzeigen geben. Weil Frauenberatungsstellen den Frauen jetzt mehr zuraten, das zu tun, weil es ja inzwischen leichter ist. Was für die Feministinnen dann wiederum der Beweis für ihre These der Rape Culture sein wird. Und der Ruf nach noch schärferen Regeln auf dem Fuße folgt, bis Sex endgültig wie Körperverletzung gehandhabt wird, sprich strafbar ohne vorherige schriftliche Zustimmung.

Die Frage ist allerdings, ob es bei dem Anstieg von Anzeigen auch zum Anstieg von Verurteilungen kommt. Schließlich gibt es in den meisten Fällen immer noch keine Zeugen und es steht Aussage gegen Aussage. Wenn die Richter kühlen Kopf bewahren, bedeutet das ein Stagnieren der Verurteilungen bzw. weiteres Sinken der Verurteilungsquote, was natürlich ein weiterer „Beweis“ für die „Rape Culture“ sein wird. Wenn die Richter mehr verurteilen, wird auch die Anzahl der Kollateralschäden steigen, sprich der Falschbeschuldigungen, die zu einer Verurteilung geführt haben. In beiden Fällen depremierende Aussichten. Vermutlich wird sogar beides passieren, ein Anstieg von Justizirrtümern und der weiter anschwellende Bockgesang in Sachen Rape Culture.

Ein besseres Konjunkturprogramm für das horizontale Gewerbe hätte man sich kaum einfallen lassen können. Da ist Mann wenigstens einigermaßen sicher, dass ihn die Frau hinterher nicht vor den Kadi zerrt.

Für die normalen Frauen wird es aber dünn. In ein, zwei Jahren werden wir dann von noch mehr Artikeln der Sorte „Wo sind die echten Männer geblieben? Die trauen sich ja gar nichts mehr!“ überschwemmt. Aber man kann ja mit den Freundinnen nach Italien fahren, wo es noch echte Papagallos gibt.

Ab jetzt ist Tacheles angesagt!

Tja Mädels, das habt ihr Euch selber eingebrockt. Spielchen mit Rumzieren und so tun, als sei man das anständige Mädel, ist nicht mehr. Jetzt könnt ihr Euch nicht mehr selbst belügen und so tun, als wärt Ihr ja nur verführt worden. Jetzt müsst Ihr selbst klar und deutlich sagen, was ihr wollt, und zwar von Euch aus. Damit ist dann zwar die Romantik hinüber, wenn man alles vorher verbal aushandeln muss, aber was solls, ihr wolltet es ja so.

Ach, und hat man eigentlich geklärt, wie lange ein Nein gilt, bis man es wieder versuchen darf? Eine Stunde? Für den Rest des Tages? Für den Rest des Lebens, bis die Frau von sich aus widerruft? Ich für meinen Teil würde beim ersten Nein sowieso die Finger von ihr lassen, selbst wenn ich vermute, es ist gespielt. Nur so ist man auf der sicheren Seite. Und dann konsequent warten, bis sie von sich aus kund tut, es jetzt doch zu wollen. Daran müssen sich Frauen erst noch gewöhnen, aber es bleibt Euch nichts anderes übrig, sonst wird bei dem netten Typen, den Ihr ja eigentlich wollt, eben nichts laufen, wenn Ihr ihn einmal abgewehrt habt. Von sich aus wird er es jedenfalls nicht mehr probieren.

Das heißt, vor allem eines wird eine Folge des Gesetzes sein, die Frauen gar nicht schmecken wird:  Ab jetzt sind klare Ansagen vonnöten! Männer werden von Frauen deutliche Willensbekundungen verlangen (müssen). Keine Zweideutigkeiten mehr, kein Durch-die-Blume-Gesäusel mehr, kein Lesen zwischen den Zeilen. Die weibliche Art der Kommunikation ist out, jetzt ist direkte männliche Kommunikation angesagt. Wenn sie zukünftig sagt: „Schahaatz, wir haben schon lange nicht mehr miteinander gekuschelt…“ wird er schon alleine aus rechtlichen Gründen fragen müssen: „Meinst Du jetzt Kuscheln oder Ficken?“

Kurznachrichten vom 02.03.2016

1: Im Belästigungsfall im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof hat die Polizei jetzt zurück gerudert. So dramatisch scheint die Situation doch nicht gewesen zu sein. Genderama berichtete bereits gestern. So wie es sich jetzt darstellt, war das nicht mehr als ein Anbaggerversuch, die umstehenden anderen Männer hätten nicht eingegriffen und seien allenfalls Schaulustige gewesen. Vielleicht sollten wir die Auswertung der Überwachungskameras abwarten, um das beurteilen zu können.

2: In der FAZ philosophiert man mal wieder unter dem Titel „Wo sind die echten Männer?“ über die Krise der Männlichkeit. Mit durchaus ein paar richtigen Gedanken.

Man kann aber auch noch einmal an jene Nacht in Köln denken, als, wie man in den Kommentaren lesen konnte, das deutsche Weichei mit einer „archaischen Männlichkeit“ konfrontiert war. Dass junge Männer, die sich zusammenrotten, um Frauen zu betatschen, zu begrapschen und sexuell zu belästigen, dafür bestraft werden müssen, wenn man sie identifiziert, ist ja eh klar. Darf man aber an diese Feststellung noch die Frage knüpfen, wie unglücklich, unbefriedigt und einsam jemand sein muss, dessen Silvesternacht auf solche geraubten und erzwungenen Berührungen hinausläuft? Wenn das die archaische Männlichkeit ist, dann möchte man doch ausdrücklich lieber das moderne Weichei sein.

3: Der Deutschlandfunk interviewt Miriam Tariba Richter, die 500. Frau, die über das Bund-Länder-Professorinnenprogramm an eine Professur gekommen ist. Dabei grübeln sie und ihr Interviewer Manfred Götzke darüber, warum trotz der Mehrzahl an weiblichen Abiturienten und der höheren Abschlussquote von Frauen an den Unis immer noch so wenige in den Führungsstellen ankommen. Tja, woran kann das nur liegen? Selbstverständlich an noch zu wenig Frauenförderung! Und dass es im akademischen Mittelbau fast nur noch befristete Stellen gibt, benachteiligt natürlich Frauen ganz besonders, weil

das ist natürlich sehr unattraktiv für Menschen, die auch eine gewisse Sicherheit brauchen, sei das jetzt eine standortgebundene Sicherheit oder auch eine finanzielle Sicherheit.

Was für Männer ja Ü-BER-HAUPT kein Problem ist, wie wir wissen.

4: Die Unkenrufe über Addyi, das „Viagra für Frauen„, scheinen sich ein halbes Jahr nach der Einführung zu bestätigen.

Aus der Einnahme der Pille resultierte durchschnittlich nur eine befriedigende sexuelle Erfahrung mehr innerhalb von zwei Monaten […] Als Nebenwirkung der „Pink Viagra“ genannten Pille verzeichneten sie einen deutlichen Anstieg von Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erschöpfung. […] Die Tablette muss täglich eingenommen werden. Alkohol sollte über die gesamte Einnahmedauer nicht konsumiert werden, weil die Nebenwirkungen dadurch noch verstärkt werden. […] Der Preis […] liegt je nach Krankenkasse zwischen 30 und 75 Dollar (26 bis 66 Euro) pro Monat.

Fazit: Teuer, mickrige Wirkung, heftige Nebenwirkungen. Klingt ziemlich nach ’nem Flop.

5: Reina Gattuso klärt uns über den „orgasm gap“ auf und Schuld ist wie immer: The Patriarchy! Diese bringt den Männern bei, beim Sex nur an den eigenen Spaß zu denken. Schlimm, schlimm, schlimm. Aus eigener Erfahrung weiß ich allerdings, dass das beileibe kein männliches Monopol ist.

You roll off of me, get up, take the condom off/pee/do whatever it is people with penises do in the bathroom immediately after they’ve come (world’s great, great mysteries), put your pants on, come back into bed, and fall asleep. Sex is now over. Sex is now over because you have decided it is over. You have decided sex is over because you are a man, and because this choreography that favors men with penises — man becomes erect, man penetrates woman, man ejaculates — is what we have been told sex is.

Das ist natürlich traurig, aber ist das nicht dieses „yes means yes“-Prinzip? Haben nicht Feministinnen gefordert, jegliche sexuelle Handlungen jederzeit einseitig abbrechen zu dürfen, wenn sie nicht mehr wollen? Wäre dieses Einfordern von weiteren sexuellen Zuwendungen nicht mindestens „Entitlement“, wenn nicht sogar „rape culture“?

Fundstück: Falscher Alarm bei „Fettlogik überwinden“

Ein eigentlich harmloser Text bei „Fettlogik überwinden“. Erzählmirnix erzählt:

Gestern war ich bei einer neuen Ärztin, da meine alte Hausärztin aufgehört hat. Irgendwann bei der Untersuchung meinte sie plötzlich ganz überrascht: “Sie haben viel abgenommen!!!” und offenbar war ich nicht enthusiastisch genug, denn sie begann mir einen kleinen Vortrag zu halten, dass ich doch mal stolz auf mich sein solle, und dass das doch ganz toll sei und überhaupt, das muss man ja erst mal schaffen, und warum ich mich nicht mehr freue.

Der blitzschnelle Gedanke, der mir sofort beim Lesen als Reaktion kam: Dann hättest Du die Ärztin wegen „Untersuchungs-Vergewaltigung“ belangen können, schließlich hast Du nicht enthusiastisch genug zugestimmt.

(Offensichtlich bin ich inzwischen schon so darauf konditioniert, dass ich „enthusiastisch“ automatisch in diesen Kontext einordne. Ich bin diesen Consent-Quark so leid…)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal natürlich die Ärzte, die über eine alternative Ernährungsweise singen („Ich werd niemals dick und rund, weil ich mich gut ernähr. Von jetzt an leb ich gesund.“):

Die Ärzte: Blumen (live)

Kurznachrichten vom 13.02.2016

1: Die „36 Fragen an Männer“ köcheln immer noch vor sich hin. Zunächst hat sich auch der „Sexismusbeauftragte“ nochmal an alle Fragen an einem Stück gemacht. Wolle Jacobs vom Pelzblog findet das Beantworten dieser Fragen völlig überflüssig, und teilt dabei gleich mal eine Runde aus gegen die „Gemäßigten“ in der Männerrechtsszene. Der emmanzer behielt eine Zwischenposition. Er hält das Beantworten auch für sinnlos, will aber die antwortenden Blogger nicht verurteilen. Alles Evolution stellt sich dem entgegen und veröffentlicht im Gegenzug noch einen Artikel mit 21 Fragen an Feministinnen im ähnlichen Stil wie das Video.

2: Bei der Zeit erschien ein m.E. abgrundtief dämlicher und ingnoranter, im Schülerzeitungsstil geschriebener und im selben Bewusstseinslevel erdachter Beitrag mit dem Titel „Deutschland braucht mehr Feministen!„. Der „Schwulemiker“ ist einer der ersten, der das auseinander nimmt. Ein bestechender Gedanke darin:

Nein, Köln war deshalb so schockierend, weil Frauen in Deutschland üblicherweise eben nicht befürchten müssen, von Männerhorden überrumpelt, sexuell erniedrigt und abgezogen zu werden. Köln war der Einbruch unbekannter kultureller Muster in ein Land, das für seine Friedfertigkeit und seinen Humanismus bekannt ist.

3: Eckhard Fuhr von der WELT schlägt mit seinem neuen Artikel „Hört auf zu jammern, deutsche Männer! Seid tapfer!“ noch einmal in die dieselbe Kerbe, in die er schon vor ein paar Tagen gehauen hat. Ihm sei…

der zeitgenössische Mann in einer ebenso großmäuligen wie weinerlichen Orientierungslosigkeit begegnet, dass ich mir wahrlich Sorgen mache um unser Land.

Weil der „postkonventionelle“ Mann sich weigert, sich für Frauen verprügeln zu lassen, nur um hinterher wieder als der brutale Schläger da zu stehen. Allerdings hat er auch einen lichten Gedanken in der Klageschrift:

Damit wären wir an dem Punkt, an dem meine Frage ansetzte, ob wir im Hochgefühl des Gendermainstreaming „männlich“ konnotierte Tugenden wie Verteidigungsbereitschaft oder körperliche Durchsetzungsfähigkeit nicht allzu forsch entwertet haben.

Entwertet ist vielleicht noch zu zahm ausgedrückt. Als „toxisch“ diffamiert, würde wohl eher passen. Seit Jahrzehnten werden wir als das brutale Geschlecht hingestellt, und jetzt sollen wir genau die, die uns das vorwerfen, mit genau den Mitteln, die sie als verachtenswert betrachten, verteidigen? Sonst geht’s Euch noch gut? Warum wundert sich überhaupt irgendwer, dass wir dazu keine Lust haben? Und dann stehen wir noch in Gefahr, als Dank dafür vom Staat verurteilt zu werden. (Quelle: Danisch)

Bevor ich irgendeinen Finger krumm mache, mich für eine fremde Frau zu prügeln (bei einer bekannten würde das von der Situation abhängen), sollten erstmal die Frauen, die von Männern noch beschützt werden möchten, ein ernstes Wörtchen mit ihren feministischen Schwestern reden.

4: Selin Gören, die 24-jährige Sprecherin der Linksjugend, wurde nachts von zwei bis drei Männern arabischer oder kurdischer Herkunft vergewaltigt. Erst zeigt sie die Männer an – und danach entschuldigt sie sich bei ihnen. Und zwar dafür,

dass die sexistischen und grenzüberschreitenden Handlungen die mir angetan wurden nur dazu beitragen, dass [sie] zunehmendem und immer aggresiverem Rassismus ausgesetzt [sind].

Oliver Flesch, Hadmut Danisch und kommentieren. Danisch meint ziemlich sarkastisch:

Ja, wenn die sich so darüber freut und das so gut findet – man sollte das auf arabisch und englisch übersetzen und aushängen. Macht weiter, die finden das OK. Parks gibt’s viele, Frauen gibt’s viele, das Wetter wird jetzt auch wieder wärmer…

Ich frage mich nur, warum die bei den Gerichten Vergewaltiger (und der Vergewaltigung Beschuldigte) zu Haftstrafen verurteilen, statt sich im Namen des Staates bei ihnen zu entschuldigen und zu bedanken.

Wie war das nochmal mit der „rape culture“? Der Gesellschaft, die angeblich Vergewaltigungen verharmlost und unterstützt? Bei der Linksjugend könnt Ihr die finden.

5: In der Marschordnung der politisch korrekten scheint inzwischen einiges in Unordnung zu geraten. Die Oberen scheinen ihre Fußtruppen nicht mehr so ganz unter Kontrolle zu haben: Die kommunalen Frauenbeauftragten Niedersachsens melden leise Zweifel an gegen den geplanten Staatsvertrag mit den muslimischen Verbänden. Demnach sollen für Muslime Gebetsmöglichkeiten an öffentlichen Schulen geschaffen werden.

Die Frauenbeauftragten zweifeln an, ob die Religion in der „neutralen“ Schule wirklich jene herausgehobene Stellung haben sollte, die ihr der Vertrag zumisst. Tödter: „Viele Musliminnen haben sich von der Religion emanzipiert.“

Interessant, dass die HAZ noch den ehrlicheren Begriff „Frauenbeauftragte“ statt „Gleichstellungsbeauftragte“ verwendet. Und merkwürdig, dass ich mich auch mal auf deren Seite sehe. Weil ich finde, dass Religion an der Schule nichts verloren hat.

 

Kurznachrichten vom 14.01.2016

1: Ein paar neue Links zum Thema Kölner Silvester und der Kampagne #ausnahmslos. Auch wenn Arne Hoffmann auf Genderama diese schon verlinkt hat, will ich trotzdem darauf hinweisen. Ganz besonders hervorragend ist der Beitrag von Thierry Chervel beim Perlentaucher, der die Kampagne #ausnahmslos gekonnt analysiert und auseinander nimmt.

Zwar konzedieren die Autorinnen (irgendeine von ihnen wird darauf beharrt haben), dass „soziokulturelle und weltanschauliche Ursachen von Gewalt“ benannt werden sollen – aber diese Formulierung steht wie eine Insel im Meer der Ablehnung genau dieser Forderung.

Der Rest des Textes will die Identität der Täter verunklaren, weil „sexualisierte Gewalt nicht ‚islamisiert‘ werden darf“ und weil „reißerische und stigmatisierende Deutungen“ zu unterbleiben haben. Man soll das Offensichtliche – es waren zumeist nordafrikanische oder arabische Männer, und sie haben sich in eine Weise zusammengerottet, wie man es hierzulande nicht einmal vom Oktoberfest kennt – nicht mehr benennen können.

asemann.de hat sich gleich mit zwei guten Beiträgen hintereinander damit beschäftigt. Bei der FAZ kommentiert Ursula Scheer:

Sie nimmt die massenweisen Attacken, die – so verstörend der Tatbestand ist, man kommt an ihm nicht vorbei – ganz überwiegend Migranten aus dem islamischen Kulturkreis auf Frauen verübt haben, zum Anlass, diskursiv quasi in Sekundenschnelle vom Konkreten auf das Allgemeine umzuschwenken: sexualisierte Gewalt in Deutschland insgesamt. Das aber ist argumentativ eine Fluchtbewegung weg von dem bisher nicht Dagewesenen auf vertrautes Terrain, wo eingeschliffene feministische Narrative entfaltet werden können. […]

„Emma“ lässt auch den Deutsch-Syrer Alexander Hawa zu Wort kommen, dessen Tochter von arabischen Männern überfallen wurde. In einem offenen Brief an Migranten beschreibt er in einfachen Worten die Grundlage des Zusammenlebens in Deutschland: Respekt, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit. Er formuliert Forderungen an Männer, die aus anderen Kulturkreisen ins Land kommen. Er geht damit viel offensiver vor als die Feministinnen von „#ausnahmslos“. Er ist kein Feminist. Er ist Demokrat. Das genügt.

2: Selbst von linker Seite (auf linksunten.indymedia.org) wird die Relativierung durch Verallgemeinerung von feministischer Seite mit zwei Artikeln kritisiert. Zitate:

„Die Empörung und Beschuldigung der betroffenen Frauen und ihr Anzeigeverhalten sind nur so groß, weil sie arabisch aussehende Menschen beschuldigen.“ Das finde ich schon schockierend unsolidarisch. Ich möchte gar nicht ausschließen, dass es im Einzelfall stimmt. Klar, es gibt Rassismus und das wirkt sich auch aufs Anzeigeverhalten aus. Trotzdem finde ich es sehr zynisch, einer Frau, die gerade sexuelle Gewalt erlebt hat, vorzuwerfen, dass es sie bei einem Deutschen nicht gestört hätte oder sie zumindest ihn nicht angezeigt hätte. Das hat mit Feminismus nichts zu tun.

Wenn also noch nicht einmal die Widersprüche in der eigenen Szene-Politik aufgelöst und auf den Grundkonflikt eingegangen werden kann, um hier eine sinnvolle Antwort zu finden, dann ist das Schweigen oder Verklären einer komplexeren Gemengelage wie zur Zeit in Köln durch die Linke kein Wunder.

Bei der Auseinandersetzung um die Geschehnisse in Köln konzentrieren sich die linken Debattenbeiträge demnach wenig überraschend auf die Relativierung der Dimension der Übergriffe, etwa mit dem Verweis auf das Oktoberfest. Das zweiwöchtige Oktoberfest mit zwanzig Anzeigen zu sexualisierter Gewalt bei 6 Millionen Teilnehmern ist nicht dieselbe Qualität, wie über 150 Anzeigen auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz in der Silvesternacht. Das gilt auch für die Dunkelziffern. Besonders erschreckend ist jedoch das weitestgehende Ausbleiben feministischer Forderungen, wie sie zu erwarten wären, wenn es sich bei der betreffenden Gruppe betrunkener, übergriffiger Männer um zweifelsfrei „Biodeutsche“ gehandelt hätte.

3: Henryk M. Broder vergreift sich etwas im Ton, als er zwei Autorinnen vom Tagesspiegel wünscht, „dass sie vom IS nach Rakka eingeladen werden, um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet.“ Allerdings kann ich die Wut verstehen, denn der von ihm kritisierte Artikel hat es durchaus in sich. Über die belästigten Frauen vom Domplatz:

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen.

Womöglich. Ja das ist so, möglich ist alles, z.B. auch, dass die beiden Autorinnen reif für die Klapse sind. Broder meint dazu:

Diese Sätze, geschrieben von zwei Frauen, waren das Ekelhafteste, Mieseste, Widerlichste, was über die große Sause in Köln geschrieben wurde. Eine angedeutete Täter-Opfer-Umkehr.

Ich kann ihm nur beipflichten. Das dürfte das erste Mal sein, dass den Opfern von Köln von anderen Frauen Rassismus vorgeworfen wurde.

Den Tätern werden dagegen jedwede mildernde Umstände zugebilligt, so dass man den Autorinnen fast Maskulismus vorwerfen könnte:

Die organisierten Trickdieb-Banden, die offenbar schon lange zum Kölner Hauptbahnhof gehören, bestehen wohl überwiegend aus Nordafrikanern, die schon länger in Deutschland sind – aber offenkundig nicht angekommen sind. Eine echte Perspektive sehen sie für sich nicht, sonst wären sie wohl nicht zu professionellen Dieben geworden. […] In Köln zu Silvester sei auf dem Dom-Vorplatz eine Art „Freistil-Situation“ entstanden, in der die Grenzen zwischen diesen verschiedenen Lebensstilen ausgetestet worden seien. Dort hatten sich diejenigen versammelt, die sich eine besser organisierte Party in einer Kneipe, einem Club nicht leisten konnten, also vor allem junge Männer mit wenig Geld, und die womöglich auch keine Freunde haben, die sie zu einer privaten Party hätten einladen können. „Die wussten nicht, wohin sie sonst hätten gehen können. Und Bahnhofsvorplätze sind seit jeher die Orte, an denen ,Fremde’ zusammenkommen.“ […] Hier sei eine größere Gruppe junger Männer „in ein Niemandsland“ abgedrängt worden. „Es fehlte die zivilgesellschaftliche Mischung, die diese Dynamik hätte verhindern können.“

Dass sie es doch mal wieder nur gut mit migrantischen Männern meinen und nicht mit einheimischen, zeigen sie recht deutlich. Sie faseln davon…

Dass sie die Urangst des älteren weißen Mannes – die nehmen uns unsere Frauen weg – auf der Domplatte in der Silvesternacht ausagiert haben, war die größtmögliche Provokation einer Gesellschaft, die sie nicht aufnehmen will. […] Aber der Verlauf der Nacht hat genau die Urängste vor potenten, jungen, fremden, „wilden“ Männern geweckt, die nun im Mittelpunkt der Diskussion stehen.

Wenn man als Mann sexuelle Übergriffe missbilligt, kann das ja nur daran liegen.

4: Und dann gibt es noch einen erfrischenden Artikel auf der Welt „Frauen dürfen keinen Millimeter Freiheit abgeben“ von Inga Griese. Sie schreibt:

Also: Ich sag jetzt mal was zum arabischen, orientalischen, maghrebinischen – oder wie auch immer das politisch korrekt formuliert sein soll – Frauenbild. Und ich sage es am besten gleich: Ich will das nicht mehr. Ich will es nicht in meinem Europa. Und ich will mich nicht dafür entschuldigen müssen, dass ich es nicht will.

Uiuiui, bin ich jetzt mutig. Soll ich jetzt nicht doch besser hinterherschieben, dass ich nichts gegen Flüchtlinge und nichts gegen den Islam im Allgemeinen habe? […]

Auch das will ich nicht. Es ist zu abgedroschen. Und so wenig zielführend, wie zum Beispiel der Versuch von Politikerinnen wie Hannelore Kraft und Renate Künast in der Sendung „Hart aber fair“, die Kölner Vorkommnisse direkt in der großen Watte „sexuelle Gewalt im Allgemeinen“ zu versenken. […]

Wir sollten besser ruhig und ehrlich über religiös begründete Frauenfeindlichkeit sprechen und ihr mit aller Vehemenz entgegentreten. Ein altes Thema. Jetzt ist die Zeit, es selbstbewusst anzugehen, nicht in Bierzelte oder zu den Brüderles abzuschweifen, sondern dranzubleiben. Bedrückend genug, dass mehr oder weniger selbst ernannte neue Feministinnen das nicht vermögen.

5: Zur Kür des Wortes „Gutmensch“ zum „Unwort des Jahres“, gibt es einige kritische Kommentare, z.B. von Hugo Müller-Vogg, auf Sciencefiles.org und Schindluder und die Stuttgarter Nachrichten.

6: Auf der trotzkistischen Seite „Klasse gegen Klasse“ findet sich unter dem Titel „Bin ich Sexist oder was?“ Ja, bist du. 10 Tipps für linke Männer. eine Anleitung zur Selbstumwandlung in einen feministisch angepassten Mann aka kastrierten Wicht. Der gerät auch unfreiwillig komisch:

Beim Kongress eines reformistischen Jugendverbandes gab es ein Frauentreffen: Hier konnten weibliche Mitglieder unter sich diskutieren. Eine tolle, feministische Sache! Was haben die Männer währenddessen gemacht? Saßen in der Kneipe und tranken Bier. Nicht so toll. […]

Während eines Frauentreffens können Männer unter sich über Sexismus reflektieren – solche Diskussionen sind oft ergiebiger, als man erwarten würde. Alternativ können sich Männer in der Zeit mit Reproduktionsarbeit beschäftigen.

Fragt sich nur, wie die Männer in der freien Zeit das mit der „Reproduktionsarbeit“ auslegen.

Wenn das alles nötig ist, um kein Sexist zu sein, was Genossin Tabea Winter da so schreibt, dann bleib ich lieber Sexist.