CDU-Parteivorsitz für Geschlechterkampf instrumentalisiert

Es ist kurz nach 11 Uhr am 07.12.2018, als ich beginne, diesen Text zu schreiben. Der Bundesparteitag der CDU mit der mit Spannung erwarteten Wahl zum Parteivorsitz hat begonnen.

Gestern eine der letzten Talkshows zum Thema, Maybritt Illner im ZDF. Zu sehen hier: Youtube-Video. Mit dabei: Schriftstellerin Jana Hensel. Sie hat an diesem Abend eine Mission: Es sollte eine Frau sein, die den Parteivorsitz übernimmt. Natürlich verpackt sie diese Forderung geschickt.

Sie spricht beispielsweise ab Minute 21:28. Ich zitiere aus diesem längeren Redebeitrag:

[…] Ich hab das Gefühl gehabt, die CDU hat eigentlich nur einen Markenkern in den letzten Wochen gehabt, nämlich … das ist der konservative Markenkern. Die CDU hat viel mehr Wähler an die Grünen verloren seit der Bundestagswahl als ans rechte Lager, und trotzdem habe ich das Gefühl, man richtet sich ausschließlich an diese rechte Mitte, was immer das sein soll, ich weiß es nicht genau. Volkspartei zu sein bedeutet doch eben nicht, alte Zeiten zu beschwören, sondern bedeutet doch, Angebote an viele Gruppen der Gesellschaft zu machen … ich hab das von keinem einzigen der Kandiaten gehört … man muß sich an die Frauen wenden, man muß sich an die Migranten wenden, man muß sich auch an die Ostdeutschen wenden. Ich bin so viel unterwegs im Land, wissen sie [an die anderen Gesprächsteilnehmer gerichtet], wie wichtig Angela Merkel für die Frauen in diesem Land gewesen ist? Welche hohe emotionale Bindung viele Frauen an sie haben? Und ich hab das Gefühl von den Regionalkonferenzen geht das Signal aus „es darf bloß nicht passieren, dass eine Frau eine Frau beerbt“.

Aha, also hat auch Annegret Kram-Karrenbauer wohl im Wesentlichen die konservative Karte gezogen, um für sich auf den Regionalkonferenzen zu punkten („habe das von keinem Kandidaten gehört“). So stellt es jedenfalls Jana Hensel dar. Trotzdem verweist sie auf die Wichtigkeit des Geschlechts für die weibliche Wählerschaft, und dass man sich daher um diese Gesellschaftsgruppe kümmern muß. Und zwar in Form einer weiteren weiblichen CDU-Vorsitzenden und nicht wegen der politischen Inhalte, die jemand vertritt. Motto: Frauen halten sowieso zusammen. Eigentlich ein Armutszeugnis, was Hensel da den wählenden Frauen ausstellt, handeln sie doch aus einem schwesterlichen Gefühl und kümmern sich nicht darum, welche politischen Überzeugungen ein Kandidat / eine Kandidatin hat. Leider wird die Wahlentscheidung -insbesondere bei Frauen- wohl aus dem Bauch heraus und nach Sympathie getroffen und orientiert sich nicht an den Zielen, die ein Kandidat / eine Kandiatin vorgibt zu haben. Ich danke für die Bestätigung durch Frau Hensel. Im Übrigen: Kümmern sich männliche Politiker etwa nicht um weibliche Belange? Wer Wahlen gewinnen will, muß das doch tun. Mehr als andersherum, denn männliche Probleme stehen meist nicht auf der Agenda, wie wir alle wissen.

Ihre Mission verliert Frau Hensel nicht aus dem Blick, den zurechtgelegten Satz, den sie unbedingt unters Volk (und an die Deligierten des Parteitages) bringen will, wiederholt sie ab Minute 47:58.

[…] Als Signal an die Gesellschaft … einfach zu sagen „es darf im Prinzip nicht passieren, dass eine Frau einer Frau nachfolgt“, zumal dann …

Sie wird dabei unterbrochen vom CDU-Mann Franz-Josef Jung, leider kann ich nicht genau verstehen, was er sagt, er richtet sich aber gegen diese Inszenierung, es dürfe auf Angela Merkel keine weitere Frau folgen, und verweist darauf, dass -sollte die Phrase stimmen- AKK nicht die Chance hätte, die sie hat (bezogen auf die Wahl zum Bundesvorsitz).

Hensel erwidert darauf mit einem “ … dass sie das abstreiten müssen, ist doch klar“.

Merke: Wenn man für unbewiesene Aussagen kritisiert wird, nicht von der Marschrichtung ablenken lassen und den Kritiker bezichtigen, genau die unbewiesene Agenda zu verfolgen. Kritik ist der Beweis für die Richtigkeit der eigenen Aussage.

Es ist jetzt 12.15 Uhr, der Parteitag läuft noch. Man darf gespannt sein, wer den Parteivorsitz übernimmt. Und falls es nicht AKK wird, was von feministischer Seite aufgefahren wird an Gründen, woran das lag.

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#Barley : Frauenquote mit der Brechstange

[Vorsicht: Glosse!]

Wer aufmerksam die Nachrichten verfolgt, hat es schon mitbekommen: Justizministerin (und frühere Richterin) Katharina Barley (SPD) regt eine Änderung des Wahlrechts an, damit mehr Frauen in den Bundestag kommen.

Treffend kommentiert wird dies aus Kreisen der FDP:

Als „doppelt irritierend“ bezeichnete der erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, den Vorstoß. „Denn auch noble Ziele darf man nicht mit verfassungswidrigen Vorschlägen verfolgen. Das gilt erst recht für eine Bundesjustizministerin.“

Quelle: tagesschau.de

Man fragt sich, warum gerade jemand, der vom Fach ist, mit solchen Vorschlägen kommt. Ob nun verfassungswidrig oder nicht, sei mal dahingestellt (darüber können wahrscheinlich auch Experten vorzüglich streiten), jedoch ist es in der Tat befremdlich, wenn mit Hilfe einer Wahlrechtsänderung Personen in den Bundestag gehievt werden sollen, die es ohne die Änderung nicht schaffen würden. Eigentlich ist unser Wahlsystem doch demokratisch und gerecht genug, sollte man meinen.

Im Übrigen schlage ich im Rahmen einer potentiellen Wahlrechtsänderung vor, dass parteilose Einzelkandidaten ebenfalls bessere Möglichkeiten erhielten, ins Parlament einzuziehen, anstatt dass es faktisch nur über Parteien funktioniert. Denn schaut man in den Bundestag, wird man wohl kaum Leute ohne Parteibuch finden. Dabei ist die weit überwiegende Mehrheit der Wähler keiner Partei zugehörig und ist entsprechend schlecht im Bundestag repräsentiert. Na, Frau Barley, wie wär’s? Das wäre doch auch mal ein richtiges SPD-Thema nach altem Schlag: mehr Macht dem einfachen Volke.

Für mehr Frauen im Bundestag dann noch der gut gemeinte Rat, Frauen mit vorgehaltener Waffe zur Kandidatur zu zwingen und mit Gefängis im Falle des Scheiterns zu drohen. So motiviert dürfte sich der weibliche Anteil bestimmt steigern lassen.

Aber berechtigten Sarkasmus beiseite. Der eigentlicher Grund für diesen Vorschlag dürfte die Europawahl im Mai 2019 sein, für die Frau Barley antreten „darf“ (in einem TV-Interview nach der Nominierung Barleys als Spitzenkandidaten klangen ihre Ausführungen auf die Frage, warum sie denn den kurz zuvor erlangten Ministerposten jetzt für eine EU-Kandidatur aufgibt, recht unergiebig …).  Motto: „Wird eh nicht praktisch umgesetzt, klingt aber gut in Frauenohren und jede Wählerstimme zählt“ (insbesondere für eine 15%-Minus-X-Partei).

Viel Glück für die Europawahl, Frau Barley, vermutlich ist es noch nicht für alle SPD-Ministerkollegen in trockenen Tüchern, wo sie nach dem Auseinanderbrechen der „großen“ Koalition unterkommen.

Junge, weiße, ideologisierte Frauen

Unsere Gegenwart ist immer noch voll von Ideologien. Ich halte Ideologien für eine große Geißel unserer Zeit, gleich daneben stehen für mich Diplomatie und ihre kleine Schwester politische Korrektheit. Dabei bin ich sehr für Zukunftsvisionen, wenn man dabei Realitätssinn und Pragmatismus für das aktuell Machbare und das aktuelle Umfeld nicht aus den Augen verliert und dementsprechend handelt. Und ich bin für klare Worte, da gehe ich lieber das Risiko der verbalen Verletzbarkeit ein, als dass ewig um den Brei herumgeredet wird.

Ein entlarvendes Outing für ideologische Verblendung ist meines Erachtens ein Video der Spitzenkandidatin der Grünen für die bayrische Landtagswahl, Katharina Schulze. Natürlich kommen auch „alte, weiße Männer“ vor, die natürlich stets im Unrecht sind, gegenüber dem frischen Wirbelwind, den junges Grünzeug ins Haus bringt (uhhhh … habe ich da gerade etwa jemanden diskriminiert? Sorry.) Aber das ist eben nicht der einzige Punkt, weshalb ich die Sache für geeignet halte, um ihn bei Geschlechterallerlei zu thematisieren. Es ist eine Art ideologisches Gesamtpaket, in dem Feminismus nur ein Teilaspekt ist, der aber häufig aus derselben politischen Ecke kommt, wie die demagogische Grütze in dem Video.

Zunächst einmal: Mimik und Gestik von Katharina Schulze lassen eine Aufgeregtheit deutlich werden, für die Andere den diffamierenden Begriff „Wutbürger“ aufgedrückt bekämen, was nichts anderes zum Ausdruck bringen soll, als dass sich jemand zu sehr von seinen Emotionen leiten läßt und dabei nicht mehr rational denkt.

So bei den Anderen, nicht bei Katharina Schulze. Natürlich ist das keine Wut im oben genannten Sinne, sondern aufrechte Aufregung gegenüber falschem politischem Handeln. Das ist was gaaaaaanz anderes als das, was ein Wutbürger fabriziert. Das eine ist gerecht, das andere ist falsch. Sonst hätte sie sicherlich nicht dieses Video veröffentlicht. Da dürfen halt Augenrollen und sarkastische Zickigkeit gezeigt werden.

Es offenbart sich die Ideologie. Die tiefste Überzeugtheit, auf der richtigen Seite zu sein und der unbedingte Glaube an eine bessere Welt, die nur durch Protagonisten der eigenen Seite erreicht werden kann. Alle anderen müssen nur noch „bekehrt“ werden. So wollen Politiker ja auch immer gerne „Wutbürger“ abholen, sie „mit ihren Sorgen“ (wieder ein ein stiller Hinweis auf irrationale Gefühle) „nicht alleine lassen“. Was die „bessere Welt“ ist, das obliegt natürlich ebenfalls der Deutungshoheit der Ideologen. Ein geschlossenes System, in dem andere Ansichten und andere Vorstellungen darüber, in welche Zukunft ein bestimmtes Handeln mündet, verteufelt werden.

Dabei ist jedes Mittel recht, der Zweck heiligt bekanntlich alles. So scheut sich die Grüne auch nicht vor Demagogie zurück. Oder was sollte die verbale Verbindung zwischen ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer und den wie auch immer genannten Zentren an innerdeutschen Grenzen (von Schulze natürlich als „Lager“ tituliert)? Will sie etwa unterstellen, der CSU / Seehofer wäre es gleich, ob Leute ertrinken? Oder was sollte die bloße Behauptung, die „alten, weißen Männer hätten Angst vor Vielfalt“, die im Brustton einer Diagnose daherkommt? Und überhaupt: Warum ist gerade sie als ach-so-demokratische Grüne so diskriminierend unterwegs? Wieder ein Zeichen der Ideologie, die das rechtfertigt. Da darf man das, es richtet sich ja gegen die, die mit ihrer Meinung falsch liegen.

Ich habe auch keinen Bock mehr, Frau Schulze. Keinen Bock mehr auf ideologisch Verblendete, deren Phantasie nicht dafür ausreicht, zu erkennen, wohin ihre Politik führt. Nein, man erreicht die Wolkenkuckucksheim-Zukunftsvison nicht dadurch, dass man so handelt, als sei sie bereits da und alle würden sich an ihre gut gemeinten Regeln halten. Wenn Leute wie Sie so weitermachen, werden wir all das Gute verlieren, was bereits errungen wurde, insbesondere in der Frauenpolitik.

Und hängen Sie ihr „Frauenpower“-Blechschild wieder dorthin, wo es vor der Videoaufzeichnung hing. Sie sollten die Männer nicht vorschnell abschreiben. Weder Alte noch Junge. Ihre Beweihräucherung des eigenen Geschlechts entspringt auch nur ihrem ideologischen Denken. Wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit mehr Gleichheit?

PS: Einen sehr lesenswerten Artikel, der zur Thematik paßt, findet man übrigens hier.

 

Laurie Penny, Stoßarbeiterin der feministischen Bewußtseinsindustrie

Nachdem ich zuletzt einen Aufsatz von Rebecca Solnit aus den »Blättern für deutsche und internationale Politik« (»die größte politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum«) kritisiert hatte, hatte crumar mich darauf hingewiesen, dass dieselbe, hust!, Fachzeitschrift auch einen Artikel von Laurie Penny publiziert hat. Der Artikel heißt »Feminismus: Die Befreiung der Männer« und beruht auf dem Kapitel »Verlorene Jungs« in Pennys Buch »Unsagbare Dinge«. Spoiler vorneweg: der Aufsatz ist so unterirdisch wie befürchtet. Warum also, so kann man fragen, noch einmal der Aufwand einer ausführlichen Auseinandersetzung? Mein Hauptgrund lautet: Eigenbedarf. Ich rücke in meiner Kritik den Begriff des Patriarchats ins Zentrum, und da muss ich natürlich auch ein Relevanzargument liefern. Und! Überraschung!(Nicht) Der Begriff spielt im Aufsatz eine tragende Rolle. Ich bin zwar der Meinung, dass sich die um diesen Begriff herum entstandenen ideologischen Denkfiguren auch ohne den Begriff selbst nachweisen lassen, aber kann mir Steilvorlagen von reichweitenstarken Autorinnen wie Solnit und Penny kaum entgehen lassen – hier bekomme ich das Relevanzargument sozusagen vom befrackten Domestiken auf dem Silbertablett serviert, mit Schleifchen dran und Zucker obendrauf. Nur das persönliche Grußkärtchen fehlt, dafür muss ich leider erst berühmt werden. In der Summe werde ich der verehrten Leserschaft daher im Folgenden nichts wirklich neues erzählen. Interessant könnte allerdings sein, wie Pennys Text funktioniert und auf welche Weise sie ihre Botschaft ins Ziel zu bringen versucht. Außerdem ist dies meine erste Auseinandersetzung mit Laurie. Zu ihr wurde also möglicherweise bereits alles Nötige gesagt – nur eben noch nicht von mir! 🙂

Weiterlesen „Laurie Penny, Stoßarbeiterin der feministischen Bewußtseinsindustrie“

Wenn Frauen herrschen würden …

… wäre natürlich alles besser. Sind eigentlich gerade (mal wieder) Frauen-Selbstbeweihräucherungswochen? Oder ist es Zufall, dass am Mittwoch von der „Tagesschau“ die Politik der Bundesministerinnen Nahles / Schwesig in höchsten Tönen gelobt wird und am Donnerstag fährt das „ZEIT Magazin“ die nächste Breitseite auf mit dem Titel „Frauenrepublik Deutschland“?

In Harmlosigkeit verpackt fängt es an: „Wir wollen ja nur (Gedanken-)spielen!“ könnten die Einleitungszeilen zusammengefasst werden. Für den Leser, der es aber nicht gleich kapiert, in welche Richtung die Reise aus Suggestivfragen und unterschwelligen Botschaften geht, gibt es auch einen Link zu einem deutlicheren Beitrag. Dort dasselbe Prinzip: Erstmal auf harmlos machen („Kinder überlegen sich auch manchmal, wie es wäre, wenn sie das sagen hätten“), aber zwischendurch rutscht es frau dann doch heraus: „Männer waren lange genug an der Macht, und was ist? Kriege, Klimaerwärmung, Raubtierkapitalismus. Jetzt sollen die sich mal unterwerfen!“

Aber der Reihe nach, zurück zum ersten Artikel und einer Auswahl dort vorgebrachten Thesen.

Das Auto

Zitat: „Gäbe es für einen Moment nur Autos, die von Frauen angemeldet haben, sähe es in einem Parkhaus so aus […] klein und wendig“. Aha. Botschaft erkannt: Frauen sind bescheiden, brauchen kein Prestige und fahren umweltbewußt. Doch womit fahren Frauen, wenn der Familienausflug oder der Urlaub innerhalb des eigenen Landes ansteht? Pfercht sich die Familie mit Mann und Kindern, Hund und dem neusten Trend-Kinderwagen in die von ihr als Zweitwagen angemeldete Knutschkugel? Oder ist es dann doch die von Papa angemeldete Limousine / Familienkutsche? Die Antworten sind hoffentlich klar (Botschaft angekommen?).

[Das Beiwerk mit den von Frauen favorisierten Fußballmanschaften, Filmen, der Musik, der Ernährung usw. spare ich mir mal]

Die Politik

Zu erwähnen,  dass „von den Parteien die AfD ohne männliche Stimmen die größten Verluste beklagen würde“ ist natürlich von immenser Wichtigkeit für so gut wie jeden Journalisten. Denn wie jedes Kind weiß, das folgsam die Leitmedien konsumiert, gibt es gute und schlechte politische Ansichten. Daran gibt es keinen Zweifel. Und jeder, der die falsche politischen Ansichten hegt, ist ein irrationaler Wutbürger / Protestwähler / Angsthaber, der nur mal von jemandem mit den richtigen poltischen Ansichten ein paar Erläuterungen bräuchte, damit er wieder sauber tickt. In irgendeiner grauen Vorzeit galt mal, dass jede Stimme gleichwertig ist. Aber heutzutage werden eben Meinungen zu Bauchgefühlen degradiert und unterschwellige Korrelationen konstruiert: welcher Wähler ein „Dummbatz“ ist, weil er falsch wählt und welche Partei ein No-go ist, weil sie nur von „Dummbatzen“ gewählt wird. Lang lebe die an sich gerissene Deutungshoheit. Entschuldigung, liebe Journalisten, ich weiß ja, Sie wollen nur ganz neutral analysieren, wer wen wählt. Reine Neugier, kein Kalkül. Aber ich schweife vom Thema ab … Botschaft des Obigen ist natürlich: Frauen wählen besser und moderner!

Arbeitszeitmodelle

„Frauen wünschen sich im Durchschnitt eine Arbeitszeit von 28 Wochenstunden, derzeit arbeiten sie im Schnitt 30. Jede vierte Frau würde gern mehr arbeiten, als sie es derzeit tut, vor allem Frauen in unfreiwilliger Teilzeitarbeit. Männer hingegen möchten im Durchschnitt 35 Stunden pro Woche arbeiten, verbringen derzeit aber 43 Stunden mit dem Job.“ – Uiuiui … dünnes Eis, ganz dünnes Eis. Wie vertragen sich denn diese Umfrage-Wahrheiten mit den Thesen, dass zu wenig Frauen in Führungspositionen sind, weil die bösen Männer das mit ihren Seilschaften verhindern? Oder schafft man es neuerdings, als Teilzeitarbeitende eine Führungsposition zu bekleiden? Immerhin wollen dann ja wohl 3 von 4 Frauen lieber weniger als mehr Zeit bei der Arbeit verbringen. Und überlegen Sie doch noch mal, liebe Autoren und Autorinnen, wie das in Zusammenhang mit dem unbereinigten Gender-Pay-Gap steht, mit dem Sie so gerne in fetten Schlagzeilen hausieren gehen.

Übrigens: Ihre Kollegin in dem anderen Artikel schrieb: „Denn Frauen verbringen heute anderthalbmal so viel Zeit damit wie Männer, sich um Kinder, ältere und hilfsbedürftige Menschen zu kümmern. Jeden Tag kümmert sich jede Frau um eine Stunde und 27 Minuten mehr, als es ein Mann tut.“ Oh ja, großes Kunststück, wenn man nur 28-30 Stunden arbeitet (ich hoffe mal nicht, dass in diese Berechnung des „mehr Kümmerns“ die Arbeitszeiten als Erzieherin, Krankenschwester usw. eingeflossen sind …).

Und sonst so …

Übrigens ist es zwar richtig, das Männer mehr Verbrechen begehen, aber die Logik:

„Mehr als die Hälfte der Kindstötungen und der „Verletzungen der Fürsorgepflicht“ werden von Frauen verübt. Wer sich mehr um die Kinder kümmert, schadet ihnen offensichtlich auch häufiger. “

werte ich mal als Versuch einer Relativierung. Geht ja gar nicht anders … wer mehr mit Kindern zu tun hat, kommt halt auch häufiger in die Versuchung, sie umzubringen bzw. anderweitig zu schaden?!

Und so läuft es immer in solchen Texten: Sich offen oder unterschwellig als das bessere Geschlecht darstellen, Andeutungen machen, ein paar nebensächliche Mätzchen augenzwinkernd zugeben, allzu Negatives relativieren.

Abschließend:

„Wir haben mal kurz so getan, als spielten Männer mal keine Rolle. Sie müssten sich nicht in Luft auflösen, aber mal die Luft anhalten, nichts sagen, nichts machen, nichts entscheiden. Was wäre dann los in der Frauenrepublik Deutschland? Man könnte sich darauf verlassen, dass der Kompetenzverlust dabei überschaubar bliebe. Um Müllabfuhr und Warenlieferungen müsste man sich keine Gedanken machen.“

Nein, frau müsste sich um viele Dinge keine Gedanken machen, denn sie wären ja bereits vorhanden. Ein kurzer Urlaub aller Männer macht da nichts.

Aber haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, was wäre, wenn die Frauen schon seit langer Zeit ohne Männer hätten auskommen müssen?

Viel Spaß in der Steinzeithöhle. Denn eins ist doch wohl gewiß: Schon Frau Feuerstein hat argwöhnisch geguckt, als sich ihr Gatte mit so einer Spinnerei wie dem sogenannten „Rad“ im Hobbykeller beschäftigt hat. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit den weiblichen Ausnahmetalenten wie Marie Curie, Lise Meitner usw.

Es sind Männer, die die Welt vorangebracht haben, da beißt die Maus keinen Faden ab, auch wenn von Männern gleichzeitig Unheil ausgeht. Das ist die Kehrseite der Medaille. Die Antriebsfeder des dem Manne innewohnenden Wettbewerbsgedankens, der zu all dem führte, was um uns herum ist, führt auch zu Gewalt, Krieg, Verbrechen. Nein, das ist nicht gutzuheißen, aber auch nicht zu instrumentalisieren für ein beknacktes „wir können eh alles besser“.

Die von den Artikeln aufgeworfene Frage, was denn wohl wäre, würden ausschließlich Frauen das Ruder für eine Zeit übernehmen, wird in den Artikeln so beantwortet, als würde da ein kurzfristiger Betrachtungshorizont ausreichend sein. Und die unlogische Antwort lautet: Es wäre alles beim Alten und gleichzeitig besser. Eine Friede-Freude-Eierkuchenwelt, ökologisch, friedlich und fürsorglicher. Unreflektierter Balsam für die „stets geschundene weibliche Seele“, würdig einer 0815-Frauenzeitschrift, aber nicht einer Institution wie der „ZEIT“. Es ist immer aufs Neue verwunderlich, was für ein Käse da durchgelassen wird. Aber wahrscheinlich gilt da auch: „Wenn ich das nicht schreiben darf, werde ich unterdrückt, böser Chefredakteur“.