Fundstück: Die Debatte mit Argumenten gewinnen

Fefe mal wieder: Haut doch glatt am Wochenende zwei Überlegungen zur Debatte raus, die richtig schön nachdenklich sind.

Ich finde das ja furchtbar, wenn wir den Krieg der Ideen gegen die Rechten nicht mit Ideen gewinnen können, sondern indem wir ihnen den Mund verbieten. Lange wird das nicht mehr dauern, fürchte ich, bis die genug Mehrheit hinter sich haben, dass wir die Minderheit sind, und dann werdet ihr euch noch alle umdrehen, wenn euch die Werbeeinnahmen wegbrechen.

Richtig, es droht ein „die Geister, die sie riefen…„. Wie ich schon schrieb:

Genau das passiert, wenn man irgendwelche schwammigen Begriffe ins Feld führt, um andere Leute, deren Meinungen einem nicht passen, zum Verstummen zu bringen: Dieselben Regelungen werden dann irgendwann vom ideologischen Gegner gegen einen selbst angewandt.

Die erste von Fefe verlinkte Meldung über Fake News stellte sich inzwischen übrigens selbst als Fake News heraus. Also damit konnte ja niemand rechnen!

Fefe im zweiten Beitrag zum Prinzip, dass gegen „den Feind“ eben nicht alles erlaubt ist:

Ideen bekämpft man mit besseren Ideen. Nicht mit Angriffen auf Personen.

Spielt ihr auch Schach, indem ihr den gegenüber auf dem Parkplatz verprügelt?

Ich würde gerne inhaltlich gewinnen, nicht weil meine Seite die besseren Bullys hat.

Amen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es ums Prügeln geht… „Buddy haut den Lukas“ ist zwar sicher nicht der beste Film von Bud Spencer, aber ich fand diese Szene immer cool, in der er sich mit früheren Gegnern zusammentut, als die Not es erfordert.

Guido & Maurizio de Angelis: All For One

Warum ich den Brüdern Braun applaudiere

Gestern hatte ich über eine persönliche Erfahrung mit unsichtbaren Männern gebloggt. Von diesen unsichtbaren Menschen gibt es aber noch viel mehr. Sie sind von der Politik ausgeblendet und von den Massenmedien schlicht vergessen worden. Im gesellschaftlichen Diskurs kommen sie nicht vor. Gehör finden einige von ihnen dann wieder, wenn sie bereits sind, auch radikale Konsequenzen daraus zu ziehen.

In dieses Bild fügt sich ein Fundstück, über das ich – mal wieder – via Fefe gestolpert bin. Dass ich nochmal im ehemaligen Nachrichtenmagazin echte Nachrichten lesen würde, hätte ich nicht erwartet! Immerhin muss ich anerkennend zugeben, dass Spiegel Online hier ausnahmsweise aus der üblichen Berichterstattung ausschert.

Was war geschehen? Das Miniatur-Wunderland in Hamburg hatte im Januar all diejenigen Leute gratis hereingelassen, die sich den Eintritt nicht leisten konnten. Entgegen den Unkenrufen, dann würden sich viele Leute auch einfach so das Geld sparen, kamen genausoviele zahlende Besucher wie im Vorjahr. (Korrekt mitgedacht: Gemäß dem Fall, dass die Besucherzahlen ansonsten steigen, hätten natürlich dennoch einige das Angebot ausgenutzt. Aber ich möchte nicht knauserig sein und erwähne das nur, damit kein Statistik-Fehler in den Kommentaren aufgeführt wird.)

Und – wer hätte das gedacht? – natürlich waren unter den 18.000 Profitierenden auch Flüchtlinge. Den Leuten mal etwas anderes zu zeigen als ihren Alltag, das war ja ein Anspruch von Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik. Deswegen begrüße ich solche Angebote, egal wen sie treffen. Sie bieten immer die Chance, einen Menschen zu erbauen und zu erhellen, und diese Chance sollten so viele wie möglich haben.

Anlass für die Berichterstattung – hier wird es dann wieder ganz gewöhnlich – war ein Brief an die Betreiber, die Brüder Gerrit und Frederik Braun, in dem sich jemand darüber echauffierte, dass auch Flüchtlinge gekommen waren. Weitere Stichworte: Merkel, Wirtschaftsflüchtlinge, Bomben.

Die Brüder haben in mehrfacher Hinsicht sehr souverän reagiert: Da der Brief nicht anonym war, haben sie tatsächlich den Absender angerufen. Im Artikel laden sie ihn ausdrücklich ein, ins Miniatur-Wunderland zu kommen und mit ihnen zu reden. Einen schauerlichen Brief mit einer besonnenen Einladung zu kontern – Hut ab!

Sie haben eben nicht den Namen des Absenders bekannt gegeben und ihn damit sozial geächtet, oder gar „von der Debatte ausgeschlossen“. Gut möglich, dass jemand, der so einen wütenden Brief schreibt, mit solchen Maßnahmen nicht mehr erreichbar ist. Aber gleichzeitig lesen eben viele andere, irgendwie frustrierte, aber noch unentschlossene Menschen solche Artikel. Für die kann das ein Signal sein: „Die Brüder Braun halten sich nicht nur für gute Menschen; sie wollen auch keinen Graben aufmachen zu denen, die sie nicht für gut halten, sondern lieber mit diesen Leuten reden.“

Die rührselige Geschichte hat aber noch ein ganz trauriges Element:

Frederik Braun: (…) Wir verzeichnen Pro-Kopf-Umsätze. Das heißt, wir wissen, wie viel jeder Kunde im Durchschnitt im Bistro ausgegeben und Merchandising gekauft hat. Und rechnet man diese 18.000 raus…,

Gerrit Braun: …kommt man auf ein ganz trauriges Ergebnis.

Frederik Braun: Es ist nämlich die gleiche Zahl wie sonst. Was heißt, obwohl diese 18.000 Menschen keinen Eintritt zahlen mussten, hatten die meisten nicht mal das Geld, ihren Kindern eine Cola zu kaufen.

Frederik Braun: [W]ir haben Märchen da unten erlebt. Weinende Kinder, weinende Eltern. Ein Sohn hatte sich zu Weihnachten als einziges gewünscht, ins Miniatur-Wunderland zu gehen – und die Eltern konnten es sich nicht leisten, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Und jetzt standen sie da und beide Eltern haben geheult. Mir stiegen auch die Tränen in die Augen. Für solche Momente hätten wir eigentlich bezahlen müssen.

Am gesellschaftlichen Leben mangels Geld nicht teilnehmen zu können: So sieht Armut in Deutschland aus. Mit solchen Aktionen und der entsprechenden Berichterstattung macht man sie sichtbar. In einem „Deutschland geht es gut“-Weltbild kommen sie nicht mehr vor, weil sie ihm widersprechen.

Ein hässlicher Zweifel, der seit Tagen an mir nagt: Ob dieser Artikel auch erschienen wäre ohne den feindseligen Brief gegen Flüchtlinge? Das und die starke emotionale Reaktion darauf waren schließlich der Aufhänger. Die Erwähnung der allgemeinen Armut wurde sozusagen Huckepack in den Artikel getragen.

Flüchtlinge gegen arme Deutsche auszuspielen, egal in welche Richtung, hieße allerdings, eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) durch eine andere zu ersetzen. Dabei verhält es sich in Wirklichkeit so, dass wer eine GMF ok findet, auch eher einer anderen zustimmt. Es hat also keinen Sinn, da irgendwelche Prioritäten zu verhalten: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist immer abzulehnen!

Die Brüder Braun haben auch in dieser Hinsicht richtig reagiert: Sie haben nicht unterschieden zwischen „wichtig“ und „weniger wichtig“, „bringt Aufmerksamkeit“ und „bringt keine“. Sie haben das getan, was eigentlich Aufgabe von Politik und Medien wäre: Den Armen Aufmerksamkeit gegeben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zwei Brüder, die eine positive Nachricht verbreiten… da fällt mir als erstes auch ein Lied mit „Brothers“ im Titel ein.

Coldplay: Brothers and Sisters

Warum mir der Mann mit dem Metal-T-Shirt nicht aus dem Kopf geht

Die Begegnung ist schon eine Weile her. Ich erinnere mich aber immer wieder daran:

Ich bin im europäischen Ausland unterwegs. Es ist Wochenende, ich stehe am Rande einer Fußgängerzone, in der sich jede Menge Läden zum Einkaufen befinden. Die Geschäfte machen langsam zu, es wird bald dunkel, die Leute eilen mit Tüten und Taschen nach Hause. Es ist ein richtiger Strom an Menschen raus aus der Innenstadt.

Eine Gruppe Männer in orange hat jedoch die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Sie sind gekommen, um die Spuren des Konsums zu beseitigen. Ihre Arbeit hier beginnt gerade erst.

Während die Einkäufer und Spaziergänger miteinander reden, gehen sie an den Saubermachern vorbei, ohne sie weiter zu beachten – so als ob diese gar nicht existieren würden. Ich bin zutiefst erstaunt, als ich bemerke: Diese Männer sind unsichtbar!

Keiner grüßt sie, niemand schwatzt mit ihnen – so als ob sie zu einer Schicht der Unberührbaren gehören würde. Es scheint kein „reiche Einheimische, arme Ausländer“-Gegensatz zu sein, denn die Männer von der Straßenreinigung sehen nicht anders als die anderen aus.

Da fällt mir an dem, der mir am nächsten arbeitet, etwas auf: Seine orangefarbene Jacke ist auf, darunter trägt er ein Metal-T-Shirt. Na, das ist doch sympathisch, denke ich mir und lächele. Dann schaue ich genauer hin und erkenne sogar Band und Album wieder: „Valley of the Damned“, das Debüt von DragonForce.

Ich bin hin und weg und weise meine Begleitung auf das T-Shirt hin. Das bekommt auch der Mann mit, den ich daraufhin freundlich anspreche. Tolles T-Shirt, guter Musikgeschmack, auf die Band bin ich Ende 2000 gestoßen, als sie noch DragonHeart hieß und ihr erstes Demo-Album draußen hatte. Ein kurzer Plausch von 2-3 Minuten, dann wünsche ich ihm noch einen schönen Tag und gehe weiter.

Was ich bis heute nicht vergessen habe: Wie erfreut der Mann über die Aufmerksamkeit schien; dass er mit jemandem reden und den Arbeitsalltag vergessen konnte, dass ihm jemand etwas Nettes gesagt hat.

Es wird viel über unsichtbare Männer geschrieben. Ich habe an dem Tag tatsächlich einen getroffen. Und nach dieser Begegnung habe ich mir oft überlegt: Wie viele Unsichtbare es wohl noch gibt, an denen ich nach wie vor so einfach vorbeigehe?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die heute Liederauswahl liegt auf der Hand…

DragonForce: Valley of the Damned

Nostalgie-Fundstück: Abenteuer eines Junggesellen von Wilhelm Busch

In den letzten Tagen habe ich mir noch einmal den ersten Teil der Knopp-Trilogie von Wilhelm Busch zu Gemüte geführt. Sie ist zum Beispiel komplett im Projekt Gutenberg nachzulesen. Bei Youtube findet man verschiedene gesprochene Fassungen.

Der erste Teil heißt „Abenteuer eines Junggesellen“. Der Protagonist Tobias Knopp, ein Privatier ( = das bedeutete früher „braucht nicht arbeiten“, nicht wie heute „elegante Umschreibung für pleite“) ist wie schon im Titel erwähnt Junggeselle, wird um den Bauch rum deutlich breiter, auf dem Kopf allerdings ist mit Haaren nicht mehr viel los. Er wird des ruhigen Lebens zu Hause überdrüssig und bekommt auch ein wenig Torschlusspanik („Wer wird um mich weinen, wenn ich alleine sterbe?“). Also besucht er sowohl alte Freunde und Bekannte.

Die Klischeecharaktere, auf die er dabei trifft, sind erstaunlich zeitlos geblieben:
– Die ehemalige vergebens Angebetete, die inzwischen nicht mehr ganz so frisch ist und mit ihrem Hund zusammen lebt (die „crazy cat lady“ des 19. Jahrhunderts)
– Der Mann mit der untreuen Ehefrau
– Der Mann, der gegenüber seiner Ehefrau untreu ist
– Der Vater, der seinen Sohn zu lasch erzieht
– Der Vater, der seinen Sohn zu streng erzieht
– Der ehemaligs feierfreudige Kumpan, der inzwischen völlig unter der Fuchtel seiner frommen Frau steht
– Der Mann, dem die Kinder auf der Nase herumtanzen
– Der Mann, der die Ehe als Hölle empfindet und den Tod seiner Frau sogar feiert
– Der Vater mit heiratsfähiger Tochter, bei der sich der Protagonist durch Ungeschick um die mögliche Chance bringt
– Der Eremit, der angeblich den großen Durchblick hat und alles Weltliche verachtet, aber eine unerreichbare Frau verehrt und ansonsten ordentlich dem Alkohol zuspricht

Es gibt, wie erwähnt, noch zwei weitere Teile, bei deren Titel man schon weiß, wie der erste Teile am Ende ausgeht. Dennoch lesenswert! Wilhelm Busch ist übrigens Zeit seines Lebens Junggeselle geblieben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hat rein thematisch nichts mit Busch zu tun, ich spreche den Bandnamen nur so aus…

Bush: Swallowed

OECD: Trotz Fortschritte Hausfrauen immer noch nicht ausgerottet, Schwesig sieht Handlungsbedarf

Man sollte es kaum glauben, aber auch in Deutschland des Jahres 2017 gibt es noch ca. 30% Frauen, die während ihrer Mutterschaft (mit Kind zwischen 0-14 Jahren) keiner regulären Lohnarbeit nachgehen, sondern reine Hausfrau werden. Weitere 40% gehen für das Wohl ihrer Familie in Teilzeit. Das hat eine die OECD-Studie herausgefunden, die die familiäre Arbeitsteilung untersucht. Die feministischen Streber aus Skandinavien stehen natürlich mal wieder besser da – na gut – das sind ja auch rassereinere Germanen als wir. Doch schwer zu ertragen für jede anständige Deutsche mit Kaiser-Wilhelm-Damenbart: Das Land der Dichter und Dichterinnen und Denker und Denkerinnen steht beim OECD-Ländervergleich noch rückständiger da als so Länder wie (einmal Nase rümpfen bitte) Italien und Irland, Polen und Portugal. Deutschland ist bei der Arbeitstätigkeit von Müttern nämlich nur knapp über dem OECD-Durchschnitt und beim durchschnittlichen Beitrag von Frauen zum Einkommen eines Haushaltes stehen wir sogar nur im unteren Drittel der OECD-Länder. Peinlich! Fast noch islamische Verhältnisse hier! Gemäß SPIEGEL und ZEIT lobt die Studie zwar unser Land für die Fortschritte, die wir schon gemacht haben. Aber was wäre so ein Fortschrittlichkeits-Lob ohne ein „Aber-es-bleibt-noch-viel-zu-tun“?

hausfrau
Rückständig, patriarchal unterdrückt, wirtschaftsschädlich: So ist die Hausfrau von der es, laut OECD, in Deutschland immer noch einige tausend Individuen geben soll. Ihre Rassenmerkmale, nach denen Ausschau zu halten ist: Schürze, Kinder an der Seite, Haushaltsgeräte oder Lebensmittel in der Hand. Wie auf dem Schaubild gut zu erkennen, neigt die Hausfrau dazu, ihr schändliches Verhalten gezielt ihren Töchtern vorzuleben, um sich so zu reproduzieren. Das zu erkennende Lächeln wird ihr vom Patriarchat aufgezwungen. Es darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Wesen totunglücklich sind, weil es ihnen verwehrt wird, zum BIP beizutragen.

Denn zufrieden sind die Autoren der OECD-Studie natürlich noch lange nicht, weil es immer noch Reste der klassischen Rollenverteilung gibt und Frauen und Männer privat und wirtschaftlich noch nicht gleichgestellt sind und mahnt daher weitere Schritte zur Abschaffung der Hausfrau an. Karrierefrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) fühlt sich davon sofort angesprochen. Auf so einen Wink mit dem Zaunpfahl hat sie nur gewartet. Laut Spiegel (der oben verlinkte Spiegelartikel ist bemerkenswert, weil er einen für den Spiegel ungewohnten autoritär-feministischen Unterton pflegt) möchte sie jetzt mehr Väter zur Inanspruchnahme der Elternzeit motivieren und zudem „weitere Förderinstrumente“ entwickeln. Spiegel: „Sie will es künftig Eltern kleiner Kinder ermöglichen, dass beide zwischen 28 und 36 Stunden arbeiten können“ und eine solche vorbildliche national-kapitalistische Arbeitsethik, die den Kindern bestimmt supergut tun wird, mit 300€ Steuergeld prämieren. Die Familie ohne geschlechtliche Arbeitsteilung ist Staatsraison, ob das nun den Lebensweisen und Vorstellungen der Mehrheitsbevölkerung entspricht oder nicht, ist egal. Die Regierung befindet sich schließlich im Kulturkampf und im internationalen Wettbewerb ums dickste BIP und das progressivste Image.

Frau Schwesig, führen Sie Ihre Familie, wie Sie es für richtig halten. Wenn Sie solche Angst vor der Tradition haben, dann sperren Sie sich, Ihren Ehemann und Ihre Kinder meinetwegen in ein Umerziehungslager in dem Geschlechterrollen abtrainiert werden. Aber lassen Sie bitte die Mütter, Väter und insbesondere die Hausfrauen dieses Landes in Ruhe und lernen Sie endlich, deren Leistung für die Gesellschaft anzuerkennen, anstatt ihnen zu erzählen wie rückständig, unterdrückt und verzichtbar sie sind. Wenn Sie das nicht schaffen, haben Sie im Familienministerium nichts verloren.

Autor: Jonas

Fundstück: Frauen in der Musikindustrie

Dummerjan schrieb bei Alles Evolution zwei interessante Kommentare, die ich hier (mit leicht korrigierter Rechtschreibung und Zeichensetzung) vollständig wiedergeben möchte:

Da ich ja am Bodensatz (wie so oft) der Musikindustrie unterwegs bin, dort wo die Anfänger, Wannabes, Loser und so weiter daheim sind, glaube ich hier mal aus dem Nähkästchen plaudern zu können.

Absolut zentrale Beobachtung: Junge hübsche Frau mit ausgeprägten Brüsten so um die 20, die am Klavier oder an der Gitarre etwas dahinhaucht, bekommt immer Bonusbeifall. Egal, wie scheiße sie ist.

Zweite zentrale Beobachtung: Wenn Frau im Schlabberlook und ohne Alarmmakeup daherkommt, ist Vorsicht geboten. Die sind meistens ziemlich gut. Egal, wie scheiße sie aussehen.

Zusammenfassung: Es gibt immer einen Tussenbonus. Der hängt sehr am Alter und der äußeren Erscheinung der Person. Hilft aber nicht weiter als bis zum dritten Lied.

Hier eine Liste der 15 erfolgreichsten YOutube Stars:
http://mashable.com/2011/01/23/found-fame-youtube/#1NKuybDz3Oq4

Aufgabe:
1. Wieviele Frauen (Mädchen), wieviele Männer (Jungs)?
2. Wieviele sind heute noch im Geschäft?

Errinert Euch, meine These war:
1. Frauen haben einen Startvorteil in der Industrie.
2. Der Startvorteil verpufft sehr schnell.

Einige Bestandteile kann man relativ leicht nachvollziehen: Natürlich haben es attraktive Menschen leichter und natürlich wirkt das Aussehen bei Frauen stärker. Der Rest ist eine weitere Überlegung wert.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hier ein Beispiel für eine Sängerin, die ich tatsächlich nicht besonders gutaussehend finde, die aber eine so gute Nummer abliefert, dass sie zum Teil gar nicht verstanden wird.

Giulia Becker: Verdammte Schei*e

Fundstück: Fehler der Polizei als Test für das eigene Handeln

Gestern hatte ich bereits einige typische Wahrnehmungsfehler erwähnt, die auch mir immer wieder passiert: Geschriebene Texte wirken unfreundlicher als sie gemeint sind und ich stelle mir die Autoren auch entsprechend in Rage vor. Dazu kommt das „Tunnellesen“ – ich blende unpassende Fakten aus und nehme vor allem die wahr, die meine bisherige Ansicht sowohl von der Sache als auch der Person stützen.

Das hat mich auf die Idee gebracht, noch ein Fundstück herauszusuchen, das mir immer wieder ein Aha-Erlebnis beschert. In Alternativlos, Folge 6 machten Fefe und Frank Rieger eine „Sondersendung zu den Themen Polizei (Einsätze, Taktik, Ausrüstung, wie man sich geschickt verhält) und Netzneutralität.“

Sie kommen unter anderem zu sprechen auf die Polizeidienstvorschrift, genauer die PDV 100, welche geheim ist. Zwischen 43:27-50:03 geht es um die Fragen: Warum eskalieren Einsätze von Seiten der Polizei unabsichtlich? Was sind die gängigen Fehler, die Koordinatoren eines Polizeigroßeinsatzes machen? Die Antworten sind den Kommentaren zur PDV, also dem Lehrmaterial, zu entnehmen. Und diese sind für die Öffentlichkeit erhältlich.

Die für mich augenöffnende Aussage, an die ich mich noch Jahre später erinnern konnte: Einer der häufigsten Irrtümer besteht darin, dem Gegner koordiniertes Handeln zu unterstellen.

Es gibt direkt darauf noch zwei weitere Erkenntnisse. Fehler Nummer zwei: Unklare Lage, die Zahl der gewaltbereiten Gegner wird durch die Meldekette immer größer. Problem Nr. 3: die Kultur in den geschlossenen, kasernierten Hundertschaften – die halten zusammen und bilden verschworene Gruppe mit Korpsgeist.

Ich gehe die drei Punkte im umgekehrer Reihenfolge durch. Der letztgenannte läßt sich ja recht einfach auf Blogblasen und sonstige Gemeinschaften übertragen. Je mehr Abgrenzung und je weniger Kontakt mit dem Rest der Welt, desto eher kann die Stimmung in Richtung „wie sind rein und gut, die anderen sind falsch und böse“ kippen. Das ist dann natürlich nicht förderlich, um Fehler und Vergehen von Leuten aus den eigenen Reihen mit der angemessenen Härte zu veurteilen und umgekehrt anzuerkennen, wenn jemand von den „Gegnern“ etwas richtig gemacht hat, etwa durch einen sinnvollen Vorschlag.

Der mittlere Punkt wird natürlich dadurch verstärkt: Wenn die Leute kaum noch eine gemeinsame Bezugsbasis etwa in Form von Nachrichten haben, wird es entsprechend schwer, selbst unter verständigen Menschen überhaupt noch eine Schnittmenge der Realität zu finden. Wenn dann ein Gerücht über eine Gruppe von skrupellosen Gegnern aufkommt, die sich sammelt, und es als besonders verwerflich gilt, eine Gefahr kleingeredet zu haben, gibt jeder das Gefühl wie eine Nachricht weiter und verstärkt es dadurch. So kann praktisch aus dem Nichts eine Atmosphäre der unmittelbaren Bedrohung aufkommen. So als ob die Orks vor Minas Tirith stehen.

Aber die größte Erleuchtung ist und bleibt, zu erkennen, dass man irrtümlicherweise annimmt, dass die Gegnern in der Debatte alle miteinander verbündet sind. Kein Wunder, wenn man sonst zu Verschwörungstheorien neigt, man scheint es ja von allen möglichen Seiten zu bekommen. Dabei lassen sich mit ein wenig Willen sehr leicht Gruppen unterscheiden, die zwar einen großen, allgemeinen ideologischen Gegner haben, sich selbst in ihrer Weltanschauung jedoch auch alles andere als grün sind.

Vor einem Monat etwa war der Konflikt Radikalfeministinnen gegen intersektionale Feministinnen recht deutlich zu erkennen. Ich begrüße es, dass ich diese Unterscheidung feministischer Gruppen in Hinblick auf ihr unterschiedliches Weltbild immer häufiger lese – es scheint sich langsam eingeübt zu haben.

Der größte Gewinn für einen selbst besteht dann darin, dass man recht gut vorhersehen kann, wie die jeweiligen Gruppen auf aktuelle Ereignisse reagieren. Es ist keineswegs zufällig oder wechselhaft; die Reaktionen sind immer so, dass die Deutung und Wertung mit dem eigenen Wertesystem zusammenpasst. Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird die scheinbar wirre Welt ein Stück erklärbarer, ohne dass man eine Verschwörung finsterer Mächte dafür braucht, so dass die Erklärung keine Angst macht. Es ist im Gegenteil befreiend, etwas zu verstehen.

Oder man nehme umgekehrt einige Gruppen, die zwar als Mainstream-Feindbild taugen, sich aber untereinander keineswegs wohlgesonnen sein müssen: PUA und MGTOW grenzen sich gerne voneinander ab. Und kein entsorgter Vater oder Maskulist muss automatisch mit einer der beiden etwas zu tun haben. Ich halte es außerdem für eine Internet-Großstadtlegende, dass sich so häufig wie berichtet Leute „gezielt in Foren verabreden“, um dann massenhaft unter Artikeln negativ zu kommentieren o.ä. – es gibt nur eine viel besser Erzählung her, dass es so passiert sei, weil man als Vertreter der Meinung des ursprünglichen Artikels die starke Ablehnung als „verabredet, also aufgebauscht“ abtun kann. Dass bei entsprechender Reichweite tatsächlich viele Leute von Video A oder Twitterkonto B zu Artikel C finden – geschenkt.

Dass sich nicht alle Gegner in einer Auseinandersetzung gegen einen verschworen haben und man sich selbst um einige wichtige Erkenntnisse bringt, wenn man das annimmt, das war die Lehre, die ich aus dem Podcast gezogen habe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Da es eingangs um die Polizei ging…

The Police: Bring On The Night

Warum ich die persönliche Perspektive wichtig finde

Mein Artikel „Warum sich für mich tatsächlich etwas geändert hat„, in dem ich sehr grob mein geistiges Aufwachen beschrieben habe, hat – für mich völlig überraschend – eine positive Beurteilung von Onyx bekommen. Sie wirft dabei einen ganz interessanten Aspekt in den Raum:

Ich finde es ganz wichtig, sich hier mal vor Augen zu führen, dass Debatten nicht zielführend sind, die sich nur darauf beschränken, die jeweils andere Position pauschal als „Feindlichkeit“ abzutun, sondern zu erkennen, dass die Intentionen mitunter gar nicht so verschieden sind, wenn man sie aus einer persönlichen Perspektive betrachtet.

Und es bringt genauso wenig, jetzt zu sagen. „Ja du erzählst zwar aus deiner Postion heraus das gleiche wie ich, aber ich hab halt Recht und du nicht“. Das wäre hochgradig anmaßend und tatsächlich ein Zeichen für Feindlichkeit.

Man kann nicht einfach die persönliche Erfahrung anderer als falsch bezeichnen, nur weil sie mit der eigenen nicht übereinstimmt. Denn genau das führt nicht zu Lösungen und Erfolgen, die ja so sehr herbeigesehnt werden, sondern zu Feindseligkeit, Unverständnis und Hass.

Darauf können wir uns einigen.

Ich weiß gar nicht, ob ich das jemals ausdrücklich irgendwo geschrieben habe: Meine Artikel haben deswegen fast immer ein „Warum ich…“ im Titel, gerade weil sie eine persönliche Sicht auf die Dinge abbilden. Ob das andere auch so sehen, ob davon etwas allgemein gilt – das kann ich nicht entscheiden und will es mir auch gar nicht erst anmaßen.

Nur dass ich diese meine Sicht schreiben kann, das ist mir sehr wertvoll. Denn es war einer der wichtigsten Gedanken hinter dem Bloggen, gerade nicht in den „Kampf um die Deutungshoheit“ zu ziehen, der sich sowieso meistens nicht gewinnen läßt und oft nur verbrannte Erde zurückläßt. Der erste Schritt aus so einer vertrackten Situation, so meine Einschätzung, kann ja tatsächlich darin bestehen, wenn jeder erst einmal seine Sicht schildert – auf die Dinge, auf die Welt, was auch immer.

Das wird nicht dazu führen, dass sich plötzlich alle liebhaben. Im Gegenteil, die inhaltlichen und weltanschaulichen Unterschiede verschwinden ja nicht, sie werden umso deutlicher. Dazu kommt, dass geschriebene Texte immer einen Grad unfreundlicher wirken als sie gemeint sind. Ich stelle mir beim Lesen dann auch noch den Tonfall vor, in dem ich erwarte, dass sie geschrieben wurden (meist kein sehr angenehmer). Außerdem neige zumindest ich zum „Tunnellesen“ – ich blende unpassende Fakten aus und nehme vor allem die wahr, die meine bisherige Ansicht sowohl von der Sache als auch der Person stützen.

Das fällt mir noch am ehesten auf, wenn ich mich über einen Artikel ärgere, mir aber noch ein paar Tage gebe, bis der Zorn verraucht ist, bevor ich losblogge. Beim erneuten Lesen der Quelle bin ich dann deutlich ruhiger, ich weiß ja schon, was ich für Aufreger zu erwarten habe, und stelle dann fest: Lohnt sich gar nicht, der Ärger. Sicher, ist überhaupt nicht meine Meinung, und ich halte das im Großen und Ganzen für falsch, aber es ist auch nicht die eine ganz fürchterliche Formulierung drin, die sich für ein Zitat eignen und den Grund für meine Ablehnung auf den Punkt bringen würde. Es ist eher „naja, 10% der Leute / Situationen / Beispiele aus dem Weltbild kenne ich auch in meinem, das sind bei mir die Extremfälle. Will ich nicht leugnen.“, und mir fällt dann nichts Sinnvolles mehr ein, was ich darüber hinaus noch schreiben könnte.

Konstruktiv verschiedener Meinung zu sein, ist eine Kunst für sich. Bei dieser Gelegenheit ein Dankeschön an errollbundelfeuerstein, die eine ganze Weile immer wieder in den Kommentaren Gegenpositionen zu meinen Artikeln geschrieben hat und zwar auf solche Weise, dass ich tatsächlich darüber nachdenken musste. Ich habe es so in Erinnerung, dass die Kommentare geradezu die Artikel erst komplettierten. Meine Hochachtung!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Schmucksteine und Drachen… da fiel mir dieser Liedertitel ein.

Rhapsody: Emerald Sword

Fundstück: MTV und der „typische“ Mann

Noch ein Video, auf das ich durch Zufall gestoßen bin:

‚American Male‘ Short Film | Look Different | MTV

Für diejenigen, die das Genuschel nicht gut verstehen, gibt es Untertitel. Die wesentlichen Botschaften, die man aus dem Film mitnehmen kann:

– Probleme von Männern sind irgendwelche Normen, die man einfach ablegen kann und die nie auf Anforderungen an das wahre Leben beruhen
– Männer sind nie einfach nur Opfer, sondern immer auch Täter, also maximal Opfer und Täter zugleich
– „typische Männer“ sind ziemlich primitiv und abstoßend

Ganz im Sinne der Serie „Spaß mit Männerhass„: Wie sähe ein solcher Film wohl aus, wenn MTV Verallgemeinerungen und Klischees gegen Ausländer, Schwarze oder Juden zelebrieren und als fortschrittlich darstellen wollte? Ich muss es mir nur einen Moment ansatzweise vorstellen, bevor ich innerlich zusammenzucke. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) ist eben nie schön.

Was nicht gezeigt wird: Der Protagonist könnte jederzeit gehen, es zwingt ihn niemand, bei dieser Clique mitzumachen (auch wenn das Verbindungen wohl anders sehen werden); er hat sich für dieses Leben entschieden; wie stark er auf der Party mitmacht, ist jederzeit durch ihn selbst steuerbar. Diese scheinbare Alternativlosigkeit spiegelt das Klagen von den eigentlich hochprivilegierten Frauen wider, wie schwer sie es doch hätten, trotz brotlosem Studium (falls überhaupt abgeschlossen) vom Staat finanziert über die Runden zu kommen, während ihnen die männlichen MINT-Absolventen in der freien Wirtschaft die Karrierestellen wegnehmen, indem sie heimtückisch Überstunden kloppen, Reisezeiten in Kauf nehmen und gefährliche und dreckige Jobs machen.

Tatsächlich gehört der „arme Kerl“, der da so in den gesellschaftlichen Rollen gefangen ist, zu den privilegiertesten Leuten überhaupt: beliebt und erfolgreich unter den Seinen und ständig von extrem attraktiven Frauen umgeben. Ok, letzteres ist ihm eigentlich egal, weil er heimlich homosexuell ist, und die Befürchtung, deswegen von der Umgebung nicht akzeptiert zu werden, ist dann auch tatsächlich etwas, was wirklich einmal ein Problem genannt werden kann. Doch lebt dieser Mann gleichzeitig in der westlichen Hemisphäre, und welche bessere, real existierende Welt gibt es für Homosexuelle? Und wie viele Männer leben in der dargestellten Welt der US-Studentenverbindungen (fraternities)? Das trifft doch selbst unter den amerikanischen Studenten nur auf eine Minderheit zu. Also, wenn dieser Mann ausbrechen wollte, gäbe es Möglichkeiten. Vielleicht wäre dieser eine knackige Typ dann nicht mehr da (obwohl man sich angesichts der Blicke nicht sicher sein kann), aber mit so einem muskulösen Körper sollten Partner zuhauf zu bekommen sein.

Überhaupt, dieser Körperkult in dem Film: Lauter durchtrainierte Männer und gutaussehende Frauen, da wird richtig schön auf die Klischeetube gedrückt. Und das, wo doch eigentlich „alle sind gleich schön“ zum üblichen Wertekanon gehört… aber nein, es ergibt ja einen Sinn: Die Verbindung, wo alle traditionellen Schönheitsidealen entsprechen, das ist die Hölle, in der die Leute eigentlich tief im Innern unglücklich sind.

Das Video zeigt den Hass auf die fraternities, die aus mehreren Gründen besonders gut zum Feindbild taugen: exklusive Runde; überwiegend weiß/männlich/heterosexuell; der Ruf ausufernder Partys, bei denen man es mit den Regeln nicht so genau nimmt (Gegenteil von „safe space“, hier muss man tatsächlich auf sich selbst aufpassen!); Frauen, die sich anscheinend sehr ranschmeißen müssen, um dabei sein zu dürfen, und dabei entsprechend schlank, aufgebrezelt und knapp bekleidet sind. Die Verbindungen sind aber auch Netzwerk- und Karriereschmiede – und damit ein seltenes Beispiel für ein real existierendes Bündnis, um unter sich zu bleiben.

Es wird nicht als Alternative zum Leben im absoluten Klischee dargestellt, wie man stattdessen mit gesellschaftlichen Regeln spielen kann, einige einhält, einige bewusst bricht (und die entsprechenden Nachteile gerne in Kauf nimmt); wie man es sich bei einem hohen Status leisten kann, bestimmte „uncoole“ Dinge zu machen, also nach den Behauptungen aus dem Film ein Hemd mit einer „falschen“ Farbe anzuziehen, das „falsche“ Essen zu mögen, etwas für Kunst übrig zu haben. Es fehlt auch das Element, dass sich Männer unter Freunden auch gerne mit solchen Sachen aufziehen, dass solche Frotzeleien für viele dazugehören; nach dem Motto „seht her, wir können uns auch leichte Beleidungen an den Kopf werden, das zeigt unsere Nähe“.

Und wenn es diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Schnitt gibt: Was ist daran so schlimm? Niemand schwimmt ständig gegen den Strom. Warum darf man also nicht konform sein und Unterschiedlichkeit von Mann und Frau einfach mal akzeptieren? Die Alternative zur totalen Anpassung ist doch nicht die totale Rebellion, sondern das selbstbestimmte Leben (das dann tatsächlich für viele Unterschiede im Schnitt sorgen kann).

Zu dem „zuviel lesen ist doof“ sei auf Lucas Schoppe verwiesen, der die Realität unter Jungen ganz anders darstellt. Dass Frauen außerhalb von Teenagerkomödien aus den 1980ern auch nicht auf totale Bücherwürmer stehen, sondern eher auf Sportler, scheint auch noch nicht angekommen zu sein.

Und „Musik machen“ sei typisch weiblich? Wieso wird dann beklagt, dass es Frauen in der Musikbranche so schwer hätten? Und wo kommen all die männlichen Metalbands her?

Einen Moment der Wahrheit hat der Film allerdings durch zwei Szenen: Am Anfang übt der Protagonist alleine das an sich völlig schwachsinnige Kunststück, Pingpongbälle in Trinkbecher zu werfen. Angetrunken und von einer lärmenden Meute umgeben inmitten der Party zahlt sich das Training jedoch aus, er schafft es locker und ist der Held.

Das ist in Kurzform der Grund, warum es mehr Männer ganz nach oben schaffen: Man sieht sie eben erst dann, wenn sie erfolgreich sind, und nicht in den endlosen einsamen Stunden vorher, wenn sie das Risiko auf sich nehmen, ihre Zeit mit etwas absolut Sinnlosem zu verplempern.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Eine Band in der „falschen Farbe“ rosa singt gerne übers Feiern…

J.B.O.: Ein Fest

Fundstück: Gleichmaß dokumentiert Gleichgültigkeit

Gleichmaß e.V. läßt nicht locker: Als Reaktion auf die fehlende öffentliche Unterstützung für die Gewaltschutzwohnung in Gera hatte laut Verein die dafür Verantwortliche, Katrin Christ-Eisenwinder (Die Linke), in der Thüringer Landeszeitung behauptet,

es sei „zu keiner Zeit“ der Fall gewesen, dass man unserer Initiative eine Förderung in Aussicht gestellt habe sowie, unser Verein habe nie einen „konkreten und prüffähigen Finanzierungsantrag“ gestellt.

Das klingt nach formalen Ausflüchten. So als ob man bei Menschen in konkreter Notlage abwarten müsste, dass andere alles bis ins kleinste Detail geplant korrekt einreichen. Es gibt in Thüringen jedoch keine existierende oder geplante Alternative zu der privat finanzierten Gewaltschutzwohnung. Insofern war das Angebot von Gleichmaß sowieso das beste von allen – weil das einzige.

Wie bitte? Woher sollten die Politiker auch wissen, dass es von Gewalt betroffene Männer gibt? Das ist die noch häufigere Ausrede: „Wir haben ja nichts gewusst!“ Ein billiger Trick: Das müsse man erst untersuchen, man habe keine Zahlen… aber wenn andere seit Jahren Zahlen sammeln, hält man sich die Ohren zu.

Entsprechend reagiert Gleichmaß e.V. und stellt die Situation ganz anders dar: Man habe alle politisch relevanten Entscheidungsträger rechtzeitig informiert.

So oft werden die Blogartikel von Gleichmaß nicht kommentiert. Diesmal schrieb jedoch Horst Schmeil:

Es ist offensichtlich, dass die derzeitigen Parteien, die in Regierungsämtern sind, kein Interesse an einer Gleichberechtigung von Männern und Frauen haben. Es ist mir unverständlich, dass Nachweise von Gruppen gefordert werden zu Zahlen, die längst von den jeweiligen politisch und verwaltungsmäßig verantwortlichen Stellen bekannt sind, wobeil diese Stellen ständig mit Zahlen von betroffenen weiblichen „0pfern“ Politik machen und dazu noch ungeprüfte „Dunkelziffern“ als real bezeichnen. Wenn allein die Wegweisungen durch die Polizei als Grundlage benutzt werden, Frauenförderung zu betreiben, gehören ebenso viele Männer in den Schutzkreis der staatlichen Ordnung. Anders ausgedrückt: Für jede Frau, die Schutz durch eine Wegweisung erhält, hat ein Platz in einem Schutzhaus für Männer vorhanden zu sein. Diese Zahlen der Wegweisung liegen vor.

Hier kann man nahtlos mit dem von Leszek vertretenen Konzept des integralen Antisexismus anschließen:

eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, die versucht die Probleme aller Geschlechter (Frauen, Männer, Intersexuelle, Trans-Personen) in wissenschaftlicher, theoretischer und politischer Hinsicht zu berücksichtigen

Genau das wäre der eigentliche Maßstab, an dem Politiker gemessen werden müssen, die für Gleichberechtigung einzutreten behaupten.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Thüringen ist eines von den schwierigen Bundesländern“… leider!

Rainald Grebe: Thüringen