Feminismuskritik heilt Tourette-Syndrom! – Der kuriose Wandel des Shlomo Finkelstein und die gruppenbildende „Anti-SJW-Identität“

Heute hab ich endlich das zwei-stündige Video „Ursachen der Flüchtlingskriminalität“ von den beiden Youtubern ‚Doktorant‘ und ‚Shlomo Finkelstein aka Die Vulgäre Analyse‘ zu Ende geschaut. (ist schon vom 21.07.) Zunächst eine gewisse Einführung in die Thematik und wer die beiden sind:

Doktorant ist das Pseudonym eines anonymen Biologen, der sich insbesondere dadurch hervorgetan hat, dass er mit Youtube-Videos Feminismus, Gendertheorie und Identitätspolitik aus (evolutions-)biologischer und politisch linksliberaler Sicht kritisiert. Er zeichnet sich dabei durch einen betont neutralen, wissenschaftlichen und sehr Statistik-lastigen Stil aus. Dabei schafft er es aber meistens, äußerst geistreich und anschaulich zu argumentieren. Er hält sich mit seinen Urteilen grundsätzlich zurück, wenn ihm die Faktenlage nicht klar ist. Seine Lieblingswörter sind „Daten“ und „anschauen“. Manche seiner Videos haben inhaltlich den Wert von wissenschaftlichen Arbeiten, wie sie im akademischen Bereich Standard sind (bzw. sein sollten). Zum Thema Flüchtlinge und Islam hatte sich Doktorant vor dem Video mit Finkelstein noch nicht geäußert.

Shlomo Finkelstein aka DVAist das Pseudonym eines anonymen Youtubers, dessen Markenzeichen ist, dass er vor allem Islam, Feminismus und „Gutmenschentum“ bzw. „Social Justice Warriors (SJWs)“ in maximal beleidigender Form in den Dreck zieht, Schweinespeck auf dem brennenden Koran grillt, Andersdenkende regelmäßig als wertlose Vollspastis ansieht und inhaltlich auf eher bescheidenem Niveau argumentiert. Dumm ist er nicht, auch kein klassischer Neurechter etc. doch das rhetorische Niedermachen des Andersdenkenden und -glaubenden steht bei ihm definitiv im Vordergrund. Er verkauft sich nicht durch Seriösität und Intellekt sondern; ähnlich wie z.B. Akif Pirinçci; durch exzessiv zur Schau getragene politische Unkorrektheit und massig Fäkalsprache. Wie Pirinçci kommt er mir als wütender gekränkter Narzisst daher. Finkelsteins Lieblingswörter sind „ich“ und „fick“. Seine Videos haben daher einen gewissen Unterhaltungswert (wenn man Tourette-Patienten und Mein Kampf lustig findet, wird man auch mit ihm seinen Spaß haben). Manchmal können sie auch zum kritischen Nachdenken anregen oder sind sehr origineller witziger Spott auf dümmliche Diversity-Ideologen. Doch abgesehen davon sind sie nach wissenschaftlichen Standards wertlos und nach journalistischen Standards meist hochgradig tendenziös. Sie sind oft der Prototyp von dem, was Heiko Maas als „Hatespeech“ verbieten möchte.

Beide Youtuber sind also sehr unterschiedlich. Das einzige, was sie verbindet ist ihre ablehnende Haltung zur Identitätspolitik der „SJW“-Bewegung und insbesondere zum zeitgenössischen Feminismus. Und genau dies hat sie nun zusammengebracht. Beide hatten ein beliebtes Opfer; nämlich den öffentlich-rechtlich finanzierten Youtube-Kanal „Jäger&Sammler“, bei dem auch die völlig verblödete aber um so mehr von sich selbst überzeugte Feministin Suzie Grime und der dusselig-nervige „Antirassismus“-Aktivist Tarik Tesfu zu Wort kommen, dessen Qualität vor allem darin besteht ein schwarzer schwuler Hipster zu sein. Des Weiteren gibt’s da noch Nemi el-Hassan, deren wichtigste Lebenswerke sind, dass sie ein Kopftuch trägt aber trotzdem emanzipiert ist und diskriminiert wird aber trotzdem hübsch lächeln kann und dann noch weitere Gestalten, die ich nicht kenne und wahrscheinlich auch nicht kennen muss. Das Programm soll politische Aufklärung für Jugendliche darstellen, ist aber meist nur oberflächliches Political Correctness und Diversity-Kasperletheater für die Kids. Dieses Youtube-Projekt hat nun – wie das nun mal so ist, wenn man die Leute GEZ-finanziert für dumm verkaufen will – ein großes Problem mit „Hatespeech“ (also anderen Meinungen) und ist daher auf die selbstgerechte Idee gekommen, den bösen Nazis, die sie immer in den sozialen Medien haten eine „Hass-Therapie“ anzubieten. Dafür boten die Neger&Gammler den drei Youtubern, die sie „für den meisten Hass verantwortlich machen“, ein Gespräch in Berlin an, um die Welt endlich ein Stück weit vom grausamen Joch des Meinungspluralismus zu „therapieren“. Diese fiesen Oberhater, die dafür eingeladen wurden, waren nun Doktorant, Shlomo Finkelstein und noch ein Dritter namens Dorian, der hier jetzt keine Rolle spielt.

Das Gespräch kam leider nicht zu Stande. Warum, ist jetzt nicht wichtig. Wichtig ist, dass durch die ganze Aktion der Jäger&Sammler zwei Charaktere zusammenkamen, die kaum zueinander passen und sich unter normalen Umständen wohl eher aus dem Weg gehen würden. Doch diese haben nun bereits drei Videos zusammen gemacht und eines davon ist das oben verlinkte „Ursachen der Flüchtlingskriminialität“. In dieser Youtube-Diskussion zwischen dem Doktorant und Finkelstein geht es um die Frage, ob die häufigen Sexualstraftaten von muslimischen Einwanderern in Deutschland direkt mit dem Islam zu tun haben. Finkelstein meint, „ja“, kann dies aber nicht ausreichend begründen und Doktorant meint „weiß nicht“, weil er keine ausreichende Begründung sieht. Das war’s eigentlich schon. Inhaltlich ist das Video daher nicht so super spannend, auch weil beide bei dem Thema auch nur Zeitungsleser sind. Doch sehenswert ist es aus einem anderen Grund: Weil dort ein kleines Wunder geschehen ist.

Shlomo Finkelstein wurde plötzlich von seinem aufgesetzten Tourette-Syndrom geheilt und konnte während des gesamten zwei-stündigen Videos ganz normal reden. Und das obwohl es in dem Dialog um sein absolutes Lieblingsthema geht; nämlich den kausalen Zusammenhang zwischen Islam und Widerwärtigkeit. Nur ganz selten musste er unbedingt mal „Fick“ sagen (was sollen sonst die Leute denken, schließlich hat er viele Fans zu verlieren) aber ansonsten argumentierte er ruhig und sachlich. Niemand wurde schwer beleidigt, sämtliche Koranexemplare in greifbarer Nähe wurden verschont. Er konnte sogar – aufpassen! – seine eigene islamfeindliche Position in Frage stellen und verschiedene Sichtweisen abwägen. Hammerhart! Und das, obwohl der Doktorant eine Sicht auf muslimische Flüchtlinge offenbarte, die Finkelstein höchstwahrscheinlich als „schwachsinnige naive SJW-Fotzen-Scheiße“ und „Leck-mich-am-Arsch-Islamfaschismus-Fick-Relativierung“ oder dergleichen gelten würde, wenn sie jemand aus dem linken politischen Lager geäußert hätte. Doch nun kann er auf einmal seine penetrant nervige ultra-arrogante „dass ich Recht hab ist absolut klar und wer das nicht einsehen will ist Abschaum“-Attitüde komplett ablegen. Wie kommt das? Spontaner Sinneswandel? Ist Finkelstein kurz vor dem Gespräch Gutmensch geworden? Macht er heimlich ’ne „Hasstherapie“ mit Nemi el-Hassan, die ihn solange anlächelt und ‚Islam ist Frieden‘ sagt, bis er hypnotisiert und zu Tränen gerührt in ihre Arme fällt?

Leider nein; es gibt andere Gründe. Er ist Narzisst. Und die etablierten linken Meinungsmacher, die ihn und seinesgleichen als boshafte Nazi-Ketzer ansehen und mit ihrer aufdringlichen Verlogenheit seinen Geschmack beleidigt haben, haben ihn schwer gekränkt. Und so geht’s vielen. Nur beherrschen sich die meisten halt trotzdem. Aber nicht Finkelstein. Er will Rache. Und die schweren Beleidigungen, mit denen er seine Videos ausschmückt, sind eben nicht einfach nur vulgär-polemische Überspitzung seiner Meinung, sondern sie erfüllen genau diese Funktion. Mit ihnen zahlt er es den politisch-korrekten SJW-Beknackten heim. Aber warum sollte er sich am harmlosen Doktorant rächen? Ich verwette meinen fucking islamophilen Arsch darauf, dass der Dok sogar dann ungefickt geblieben wäre, wenn er explizit gesagt hätte, dass er eine Mitschuld des Islams an der Flüchtlingskriminalität ausschließt. Denn seinen Bruder fickt man eben nicht.

Was lernen wir draus? Je nachdem mit welcher Seite Finkelstein gerade redet, passt er seine Rethorik, seinen Stil und sogar seine Meinung an. Denn nur so ist erklärbar, weshalb sich Finkelstein im Dialog mit Doktorant nicht kämpferisch geben musste. Schließlich musste er sich ja hier nicht mit den verfeindeten SJWs messen, sondern nur mit einem „Gleichgesinnten“ von der anscheinend „eigenen Seite“, der halt nur eine etwas andere Meinung vertritt.

Ferner wurde durch die Aktion „Hasstherapie“ der J&S eine problematische Gruppenidentität geschaffen, die es möglich machte, dass ein lösungsorientierter Wissenschaftler wie Doktorant mit einem islamfeindlichen Schwadroneur wie Finkelstein zusammen Videos zu macht. Beide gehörten nämlich in Folge der unnötigen und eben polarisierenden Auseinandersetzung mit den selbstgerechten Linken von J&S der „Anderen Seite“ an, nämlich dem Lager der „politisch-Unkorrekten“ – den „Anti-SJWs“. Beide saßen im selben Boot. Und als die Bootsfahrt eigentlich zu Ende war, sind sie einfach drin sitzen geblieben und noch mal rausgefahren. Die Tatsache also, dass Doktoant und Finkelstein u.a. die Feminismuskritik teilen und daher vermeintlich eine Gruppe bilden, hat letzteren von den nervösen vulgären Ausfällen seines vorlauten Mundwerks befreit.

Wieso ist mir dieser blöde Finkelstein so wichtig, dass ich so einen langen Artikel darüber schreibe? Weil ich glaube, dass Finkelsteins Lagerdenken ein anschauliches Beispiel für ein tiefliegendes Problem der Anti-SJW-Bewegung ist. Wie harmlos wäre Finkelstein, wenn er sich in all seinen Videos nicht dem entmenschlichten SJW-Zeitgeist gegenübersehen würde, sondern einfach nur gleichrangigen Mitbürgern, die halt eine andere Meinung haben als er? Was wäre, wenn er sich nicht dauernd im destruktiven Lagerdenken des Finkelstein vs. SJW-Modus befinden würde, sondern konsequent im konstruktiven Finkelstein vs. Doktorant-Modus? Es würde garantiert kein Koran gegrillt werden und keine Fotze müsste gefickt werden, weil sie die falsche Meinung vertritt.

Jeder, der das hier liest, fasse sich an bzw. in die eigene Nase und prüfe, wie groß der Finkelstein ist, der in ihm steckt. Denn dieser identitätspolitische Popel ist ein generelles Problem aller, die sich vom herrschenden politisch-korrekten linken Diskurs abgestoßen fühlen. Wie würden wohl unsere Meinungsäußerungen und Argumentationen aussehen, wenn wir uns nicht einem wahnsinnigen quasi-entmenschlichten übermächtigem Feind gegenübersehen würden (z.B. dem Staat, den Medien, dem linken Zeitgeist, Dem „System“ oder der „Islamisierung“), sondern ganz normalen Mitbürgern, die halt einfach eine andere Meinung haben? Man könnte einfach seine Ansichten austauschen, zu einer Lösung kommen oder am Ende einsehen, dass man eh keine Ahnung hat und fertig. Das ganze kann man natürlich leicht weiter spinnen: Pegida-Demonstranten müssten sich keine Volksverräter und Lügenpressen, die das deutsche Volk austauschen wollen, herbei phantasieren, dauerrasende Berserker wie Hadmut Danisch könnten mal ’ne Woche Urlaub nehmen und in sich gehen bevor sie heißlaufen wie ein MG im Grabenkrieg und WikiMANNia, bräuchte sich kein Frauenbild zusammenbasteln, das an nationalsozialistische Rassentheorien erinnert. Sie alle müssten es nur schaffen sich der Anti-System oder Anti-SJW-Identität zu verweigern. Dann würde es keinen Krieg der Vorwürfe, sondern einen Austausch der Ansichten geben. Selbiges gilt natürlich für die „andere Seite“.

 

„Rechtspopulismus hat eine weibliche Seele“ – über das Geschlecht von Politik und andere aktuelle Hirngespinste aus der ZEIT

Im 21. Jahrhundert ist es irgendwie Mode geworden, alles mögliche zu sexualisieren bzw. zu gendern. Sprich: geschlechtslosen Dingen ein Geschlecht anzudichten. In der Regel sah das im feministisch geprägten Diskurs so aus, dass coole, fortschrittliche Sachen „weiblich“ wurden und irgendwie blöde Sachen „männlich“. Gewalt ist männlich, die Zukunft ist weiblich, die Gesellschaft ist männlich, social skills sind weiblich. Eine Redakteurin der Zeit, Jana Hensel, ist auf diesen neumodischen Schnullifax reingefallen, hat ihn aber umgekehrt: Ihre steile These: „Der Rechtspopulismus“ ist weiblich.

Zunächst finde ich das bemerkenswert, weil dies eines der seltenen Beispiele aus der eher feministischen ZEIT ist, in denen Frauen negative Eigenschaften zugesprochen werden. Normalerweise ist es Usus, den „Rechtspopulismus“ als Bewegung abgehängter (oder privilegierter) Männer zu deuten, die gegen die „weibliche Zukunft“ ankämpfen. Die auffällige Häufigkeit von führenden medienwirksamen Frauen in der Neuen Rechten (bei gleichzeitig sehr geringem Frauenanteil in der Basis) wurde bisher kaum beachtet. Insofern ist Hensels Artikel schon mal tendenziell feminismuskritisch. Sie macht sogar klar, dass Frauen für Ausländerfeindlichkeit und radikale Ideologien ähnlich anfällig sind wie Männer. Außerdem thematisiert sie explizit, dass Politikerinnen menschenfeindliche Politik besser verkaufen können, weil ihnen durch ihr Geschlecht weniger Boshaftigkeit zugetraut wird, als Männern:

„Je gewaltloser [die Rechten] trotz ihrer aggressiven Politik erscheinen, desto erfolgreicher agieren sie. Frauen helfen ihnen dabei, denn es gehört nun einmal zu den ältesten Geschlechterklischees, dass Frauen gegenüber Gewalt abgeneigter sind als Männer.“

und weiter

„Der Rechtspopulismus brauchte dringend weibliche Protagonisten. Frauen konnten gerade im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise glaubhafter Ängste schüren als Männer.“

Alles sehr gute Punkte. Und schön, dass das in der ZEIT thematisiert wird, anstatt immer wieder die alte spießige Leier vom weiblichen Unschuldsengel abzuspielen.

Doch jetzt wird’s leider etwas krude. Hensel zitiert eine Studie der Psychologin Birgit Rommelspacher, die zu Frauen im Rechtsextremismus geforscht hat:

„Männer tun dies [gegen Ausländer sein] stärker über Gewalt und Konkurrenzverhalten – Frauen hingegen mehr über autoritäre Anpassungsforderungen“

Also sprich (wenn ich es richtig verstanden habe): fremdenfeindliche Männer wollen den Fremden als Person besiegen und fremdenfeindliche Frauen wollen seine Fremdheit, nicht aber die Person, besiegen. Leider wird diese interessante These nur so in den Raum gestellt ohne sie genauer zu erläutern oder auch nur ansatzweise zu belegen. Genau auf dieser äußerst dürftigen Grundlage baut nun aber die finale Aussage des Artikels auf:

„Der moderne Rechtspopulismus hat ein weibliches Gesicht und er hat auch eine weibliche Seele. Er ist ein Produkt des Feminismus, der Feminisierung unserer Gegenwart, ohne gleichzeitig feministisch zu sein.“

1. Frau Hensel erkläre mal bitte, was genau eine „Feminisierung der Gegenwart“ sein soll. Ich bin mir nicht sicher, ob es so was gibt. Vielmehr findet eine Genderung bzw. Sexualisierung von Politik statt, welche wiederum Produkt des unnötigen feministischen Geschlechterkriegs ist.

2. Der moderne „Rechtspopulismus“ hat vielleicht ein weibliches Gesicht, aber gleichzeitig auch genauso ein männliches. In erster Linie hat er aber ein geschlechtsloses Gesicht.

3. Mit „weiblicher Seele“ sind anscheinend diese Anpassungsforderungen („die Muslime sollen sich integrieren“) gemeint. Ich kann nicht erkennen, warum das grundsätzlich „weiblich“ sein soll. Konformität wurde schon immer mal mehr und mal weniger von Frauen und Männern gefordert. Wie genau die Studie von Rommelspacher aussieht würde mich da mal sehr interessieren.

Zwischendurch wird im Artikel übrigens ständig behauptet, die AfD wolle Frauen zurück in diese oder jene Rolle stecken. Belege für solche billigen Vorwürfe braucht es natürlich nicht. Davon und von anderen Schwächen des Artikels mal abgesehen – Hut ab für die kritische und unfeministische Betrachtung von Frauen in der Neuen Rechten.

Was gab es sonst so bei ZON zu lesen?

 

SEX-ALARM!! Tour de France ist sexistisch

Der feministische Kampf gegen die Frau als „Lustobjekt“ geht weiter. „Auch im Jahr 2017 sind Frauen bei der Tour de France noch immer nur schmückendes Beiwerk für heroenhafte Männer.“ Und das ist einem Christian Spiller von Zeit Online „peinlich“. Ich finde den Artikel besorgniserregend aber auch amüsant, weil hier ein unglaublich prüder Eiferer, im festen Glauben der Richtigkeit seiner Mission ganz unverblümt seinem Werk nachgeht. Man glaubt sich in Saudi Arabien. Inhaltlich lohnt der Artikel der tieferen Auseinandersetzung nicht, es ist die alte Leier: Frauen dürfen in Sportsendungen wie der Tour de France nicht mehr einfach nur schön aussehen (z.B. bei der Siegerehrung), sondern sollen entweder nicht dem etablierten Schönheitsideal entsprechen oder gefälligst den Mund aufmachen oder irgendwie aktiv sein. Aber einfach hübsch aussehen und nix sagen geht gar nicht! Denn dann sind sie ein schlechtes Vorbild. Dass sie dies jedoch sind, ist aber natürlich nicht ihre eigene Schuld, sondern die von irgendsonem Patriarchatsding. So lautet der Artikel inhaltlich zusammengefasst. Interessant am Artikel ist daher vielmehr, die explizit autoritär-prüde Rhetorik, die ich z.B. bei „Edition F“ oder „Pink Stinks“ – nicht aber unbedingt bei der ZEIT – erwartet hätte.

„Die Frau als Dekorationsobjekt neben keuchenden Männern, als Schmuckstück neben den Helden der Neuzeit. Menschen als Zierde wie ein Blumenstrauß oder eine Gürtelschnalle – das gibt es auch noch im Jahr 2017.“

Nein, Herr Spiller, nicht die Frau ist hier „Dekorationsobjekt“, sondern eine Frau. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Und dass Frauen auf körperlich starke und heldenhafte Männer stehen und dies dadurch zeigen, dass sie lächeln, schön für ihn aussehen und ihm Blumen und Küsschen schenken ist nichts verwerfliches. Und genau darum geht’s bei den Podiumsgirls. Sie zeigen uns, dass Männer, die sich außerordentlich anstrengen, nicht nur mit Geld belohnt werden, sondern auch mit der Gunst von Frauen. Und genauso ist es in der Welt auch (in der Regel). Und das empfinde ich als schön und als gerecht. Materialisten und feministisch-prüde Eiferer wie Spiller finden es „sexistisch“ oder „unmodern“.

„In der Formel 1 stehen die Grid Girls minimal bekleidet auf dem heißen Asphalt“

Au Backe, so viel nackte Haut auf einem Haufen; wenn das der Jesus wüsste! Müssen diese Weibsbilder auch immer so verdammt begehrenswert sein und das auch noch im Fernsehen zur Schau stellen?! Was sollen denn die Kinder denken!! Und die Männer erst – diese elenden Schweine glauben noch, dass es okay ist, schöne Frauen sexy zu finden, nur weil es ihnen im Fernsehen vorgelebt wird.

„Bevor nun wieder die Martensteins dieser Welt zu jammern beginnen, dass ihnen durchgegenderte, feminisierte Cis-Sitzpinkler den letzten Spaß im Leben rauben wollen, der für sie wohl darin besteht, deutlich jüngeren Frauen auf den Arsch zu schauen“

Nun Herr Spiller, was ist daran verwerflich, dass Männer sich gerne Pos von deutlich jüngeren Frauen anschauen? Was denn bloß? Genau: überhaupt nichts. Es sei denn natürlich, man verwechselt seine autoritäre Sex- und Männerfeindlichkeit mit Antisexismus. Vielleicht kann man daher einfach mal darüber nachdenken ob dieser Vorwurf der „Martensteins dieser Welt“ (also nicht-Feministen) ganz einfach gerechtfertigt ist.

„Poledance. Oder Lingerie-Football, in dem Frauen in Unterwäsche gegeneinander antreten. Sportarten also, die nur erfunden wurden, um Frauen in einem sexualisierten Kontext darzustellen.“

So was rückständiges aber auch. Frauen als sexy darstellen und dann auch noch nur in Unterwäsche. Widerwärtiges Drecks-Patriarchat!

„Der belgische Radprofi Jan Bakelants wurde vor dieser Tour de France von einer Zeitung gefragt, wie er drei Wochen ohne Sex auskomme. ‚Es gibt ja noch die Podiumsgirls‘, sagte er. Und dass er auf jeden Fall eine Packung Kondome mitnehmen werde, weil man ja nie wisse, wo die Podiumsgirls sich gerade herumtreiben.’“

Iiiih, oh mein Gott, sexuelle Abenteuer. Wie kann der nur glauben, dass er mit fremden Frauen Sex haben könnte? So ein Perversling! Ab in die Bibelschule mit dem und die 10 Gebote gepaukt, aber dalli!

„Die Zeiten ändern sich, ein wenig zumindest. Während der Olympischen Spiele in London 2012 wurden die Medaillen und Blumensträuße ausschließlich von Männern hereingebracht, ohne dass dabei das Abendland untergangen wäre. Die australische Radrundfahrt Tour Down Under schaffte die Dekofrauen unlängst ab. […weitere ähnliche Fälle…] Und vor ein paar Jahren wurden beim Formel-1-Rennen in Monaco einmal Grid Boys eingesetzt.“

Gott sei Dank müssen also die Christian Spillers dieser Welt, also die „durchgegenderten, feminisierten Cis-Sitzpinkler“, wie sie sich selbst betitelt haben möchten, bald keine heißen Mädels mehr bei Sportsendungen anschauen. Bald müssen sie sich nicht mehr für den 3-Meter-Turm und die zwei prall gefüllten Basketbälle in ihrer Hose während der Siegerehrungen schämen und dafür, dass sie diese armen Podiumsgirls mit ihren Blicken ausbeuten. Endlich müssen sie während der Werbepause nicht mehr schnell mal auf Klo gehen um dieses hochpeinliche Schandmal ihrer toxischen Männlichkeit in ein paar schnellen Handstreichen zu Fall zu bringen.

Diese Grid Boys sind dabei übrigens okay. Anscheinend sogar fortschrittlich. Wirklich ganz erstaunlich diese Logik.

Und sonst so?

 

Teresa Bücker (Edition F) in der ZEIT

Die Zeit übernimmt mal wieder einen Text von Edition F, dem radikalfeministischen Online-Schundmagazin für kapitalistische, männerfeindliche Karrierefrauen, die von sich selbst glauben, dass sie total sympathisch, feminin, cool und links sind. In dem Artikel von Edition F-Chefredakteurin Teresa Bücker geht es um die böse geschlechtliche Arbeitsteilung. Eine neue Studie hat mal wieder rausgefunden, dass Männer einfach so für das Wohl ihrer Familie arbeiten und Geld verdienen, während sie ihre Frauen die Drecksarbeit machen lassen (das mit diesen ekeligen Kinder-Dingern und so…). Ferner geht es um die Doppelbelastung von Müttern in höheren Positionen. Total fies findet Bücker, dass..

„46 Prozent der Vorgesetzten glauben, Mütter wollten im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder weniger gern beruflich vorankommen.“

Vielleicht liegt das ja daran, dass diese 46% der Vorgesetzten eine Erziehung genossen haben, und daher davon ausgehen, dass sich Mütter um ihre Kinder und nicht nur um die Karriere kümmern wollen. Um es noch mal zu betonen: es geht um „weniger gern beruflich voran kommen“ und nicht um gar nicht. Die Einschätzung dieser 46% Vorgesetzten findet Bücker jedenfalls „mütterdiskriminierend“. Von einer Mutter zu glauben, dass sie Mutter sein will, ist nämlich Unterdrückung. Bücker geht auf ihrem Profil bei Edition F übrigens damit hausieren, dass sie eine „good-enough-mom“ (gut-genug-Mutter) ist. Vor dem Hintergrung ihres Artikels kann ich mir in etwa vorstellen, was das heißt.

Zufälle gibt’s: Parlament beschließt NetzDG zeitgleich mit Homo-Ehe

Zu den Themen NetzDG („Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ -> Zensur von „Hatespeech“ und „Fake-News“ in sozialen Netzwerken durch die Hintertür) und Homo-Ehe ist eigentlich schon alles gesagt. Beide wurden heute im Bundestag beschlossen.

http://www.zeit.de/politik/2017-06/bundestag-stimmt-fuer-ehe-fuer-alle

http://www.zeit.de/digital/internet/2017-06/bundestag-verabschiedet-gesetz-gegen-hasskommentare-im-internet

Ist es ein Zufall, dass beide gleichzeitig beschlossen werden? Ich denke, dahinter steckt Taktik: Das NetzDG ist relativ unpopulär, selbst bei zensurwütigen Linken und Grünen stößt es auf Kritik. Juristisch ist es schwer umstritten. Wäre es einfach so beschlossen worden, hätte es wahrscheinlich eine noch größere kritische Debatte darum gegeben, die dann höchstwahrscheinlich auch zur Masse der Bevölkerung durchgedrungen wäre. So aber kann mithilfe der Homoehe ganz bequem Party-Stimmung verbreitet werden, weil die ersten schwulen und lesbischen Paare bald die Zivilehe eingehen können – bunte Bildchen in den Zeitungen von zwei schick angezogenen Männern, die sich küssen mit Schampus, Schnickschnack und Standesamt. Wow- die Welt wird sich verändern! Because it’s 2017! Meine Fresse, was sind wir fortschrittlich. Es wird jetzt von verschiedener Seite von einem großen Tag für die Demokratie und des Rechtsstaats o.ä. gesprochen. Angesichts dessen, dass ganz nebenbei ein übles Zensurgesetz verabschiedet wurde, ist dies blanker Hohn. Heute ist der düsterste Tag für die demokratischen Werte seit langem. Vielen Dank an all diejenigen, die in den letzten Jahren und Wochen die Homo-Ehe zur Gretchenfrage des 21. Jahrhunderts hochgejubelt haben. Jetzt haben wir den Salat! Das kommt davon, wenn man seine persönliche politische Identitätspflege über das Allgemeinwohl stellt. Ihr seid am Beschluss des NetzDG mitschuldig, ob ihr dafür seid oder nicht.

Ehe für alle: In den Ar** gef***t

Jonas hat es erst gestern behandelt, aber gerade überstürzt es sich. Nachdem die FPD eine entsprechende Ansage gemacht hat, Frau Merkel Kompromissbereitschaft angedeutet hat, war jetzt die SPD die schnellste. Erinnert mich an den Streber aus der ersten Bank, der immer „hier“ gerufen hat, wenn sein nerviges Fingerschnippsen bei der Lehrerin nicht gefruchtet hat. Die sogenannte Ehe für alle kommt wahrscheinlich noch diese Woche. Ach was sage ich, in einer Stunde ist die beschlossen. Wurde ja auch dringend Zeit.

Auch wenn natürlich die Ehe zu dritt, die Ehe mit Kindern oder Staubsaugern gar nicht gemeint ist. Auch Singles werden jetzt nicht zur Heirat gezwungen, aber Ehe für alle klingt so viel schöner als Homo-Ehe. Was das richtige Wort wäre und ich den Verwendern des Begriffs Ehe für alle erstmal Homophobie unterstelle.

Letztens wurde die Rehabilitation für Schwule beschlossen. Nur ein paar Jahrzehnte zu spät. Und die Entschädigung für die Opfer ist so mickrig, daß es eigentlich eine zusätzliche Beleidigung, einen nachträglichen Tritt in den Hintern der Opfer darstellt. Pfui! Wenn ich angesichts dieses beschämenden Ereignisses daran denke, wie schnell es auf einmal mit der Homoehe geht, so werde ich mächtig sauer.

Was ich selbst von der Homoehe halte? Alles prima. Eine gute Entscheidung. Mit einem klitzekleinen Aber. Denn wenn ich dafür kämpfe, daß auch (Trennungs-)Väter wichtig für ihre Kinder sind, so kann ich mich nicht der Einsicht verschließen, dass in Fällen der Adoption auch darauf geachtet werden sollte, daß Vater und Mutter wichtig für Kinder sind. Natürlich geht es auch ohne. Auch mit nur einem Elternteil (oder hier: einem Geschlecht) können Kinder glücklich heranwachsen und tun dies in aller Regel auch. Trotzdem, besser ist es meistens mit beiden. Diesen Aspekt hätte ich gerne irgendwie auch berücksichtigt gesehen. Nicht als sine qua non, aber eben auch berücksichtigt. Nachdenken über das Kindeswohl fällt jedoch aus, wenn es um die neue, bessere, gute Gesellschaft geht, die der Feminismus formen will.

Und mal ehrlich. Was ändert sich? Verkürzt gesagt, wird die Homoehe dazu führen, daß Lesben den Erzeuger aus dem Stammbuch tilgen können. Naja, jedenfalls den bessergestellten und den wirklich alleinstehenden Müttern. Der Rest kann sich nicht leisten auf den Unterhalt zu verzichten. Denn Mutter werden ist für Lesben kein Problem und wird auch regelmäßig praktiziert. Auch ohne Homoehe.

Und Schwule? Nun ja, in ganz besonderen Ausnahmefällen kann ich mir vorstellen, daß einer Adoption stattgegeben wird. In Fällen, aus denen Frauenzeitschriften tragische Geschichten auf Seite 23 machen. Aber sonst? Glaubt doch keiner.

Zusammengefaßt: Die Homoehe sorgt dafür, daß Stiefmütter zu Müttern werden können. Sonst ändert sich wenig. Dass Ehe, Familie und Kinder irgendwie zusammengehören ist in der ganzen Diskussion total egal gewesen. Dass wir ein Familiensplitting (für alle Familien!) benötigen, wäre mal ein wichtiges Thema gewesen. Die Rehabilitation für Schwule war ein Schlag ins Gesicht für alle Schwulen und deren Angehörigen. Und wenn ich mir die Berliner Hipsterschwulen jetzt so vorstelle, wie die die Homoehe feiern, so kann ich nur daran denken, wie sehr die Politik Schwule mal wieder in den Arsch gefickt hat. Gratulation, Ihr habt Euch wie ein Bär am Nasenring durch die Manege ziehen lassen.

Trotz allem: Liebe Lesben, liebe Schwule. Vom ganzen Herzen wünsche ich allen alles Gute, die jetzt heiraten wollen. Viel Erfolg, viel Liebe und macht es besser als die Heten. 🙂

Schon wieder Homoehe: Die SPD kann’s auch nicht lassen

Ich hatte schon zwei Beiträge über die neuerliche kompromisslose Haltung der Grünen zum Thema Homoehe geschrieben. Die Grünen machen die Anerkennung der Homoehe zur Koalitionsbedingung.

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/06/21/homoehe-katrin-goering-eckardt-kanns-nicht-lassen/

und

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/06/17/noch-mehr-kurznachrichten/

Nun ist die SPD nachgezogen und macht dasselbe. Unter großem Jubel der Delegierten verkündet Kanzlerkandidat Martin Schulz, dass er keinen Koalitionsvertrag unterschreiben wird, der nicht die „Ehe für alle“ enthält.

http://www.zeit.de/video/2017-06/5482769608001/parteitag-spd-macht-ehe-fuer-alle-zur-Koalitionsbedingung

Das wird noch zu spannenden (bzw. unnötig nervigen) Verhandlungen mit der Union führen, die die Homoehe bisher noch ablehnt. Was ich an dieser Haltung von SPD und Grünen kritisiere, steht ausführlich in den beiden schon verfassten Artikeln und dazugehörigen Kommentaren und gilt nach wie vor. Der Kommentator ‚cero‘ hatte dazu den letzten Kommentar geschrieben,

Sorry, aber das ist doch albern. Es ist ein wichtiges Thema für eine große Anzahl an Menschen (ca 6% der Bevölkerung – https://daliaresearch.com/counting-the-lgbt-population-6-of-europeans-identify-as-lgbt/ ).
Zudem findet es eine breite Mehrheit innerhalb der Bevölkerung und der Parteien.

Was ist denn für dich ein „wichtiges“ Thema, dass es rechtfertigt eine Koalitionsbedingung zu werden?

 

auf den ich hier gleich antworte:

Nein ist es ist kein „wichtiges Thema“. Wie schon gesagt, die Homoehe verändert wenig. Sie ist vor allem eine Namensänderung. Also in erster Linie von symbolischem Wert.

6% sind eine große Anzahl an Menschen und natürlich müssen deren Interessen berücksichtigt werden, aber wie viele von denen wollen die „Ehe für alle“ überhaupt eingehen? Und selbst wenn sie sie eingehen: Wo ist jetzt die weltbewegende Veränderung für diese Bürger, die es rechtfertigt, von diesem Thema die Existenz der Regierung abhängig zu machen?

Dass die Homoehe eine breite Mehrheit in der Bevölkerung findet, mag sein. Das verändert aber nichts daran, dass die Homoehe eine Nebensächlichkeit ist (bzw sein sollte). In den Parteien gibt es dafür keine breite Mehrheit. Union und AfD sind dagegen. Beide zusammen könnten bis zu 50% (oder sogar mehr) kriegen.

Mit solchen Koalitionsbedingungen sollte man grundsätzlich vorsichtig umgehen. Nur wirklich richtungsweisende Entscheidungen sollten hier zum tragen kommen. Z.B. Energiewende, Umgang mit EU-Schuldern, Einwanderungspolitik, ausländische Spionage. Wenn es bei diesen Fragen zwischen den etablierten Parteien Konsens gibt, braucht man keine Koalitionsbedingungen. So kann man ganz entspannt zusammen fair, demokratisch und zielorientiert regieren. Aber nee… die sehr geehrten Wählerinnen und Wähler wollen ja belustigt werden. Mit Kampf und mit Ideologie. Mit Identität und mit Abgrenzung. Und dafür braucht es aufgeblasene Reizthemen.

 

Homoehe: Katrin Göring-Eckardt kann’s nicht lassen

Die Grünen knüpfen mögliche Rgierungsbeteiligungen nach der BT-Wahl 2017 an die Bedingung der Anerkennung der Homoehe, was ich vor kurzem schon hier thematisiert habe. Zuvor bezeichnete die grüne Kanzlerkandidatin Göring-Eckardt Kritiker der Homoehe per se als Arschlöcher. Dass die Grünen und andere Parteien die „Ehe für alle“ fordern, ist nichts neues. Dass sie aber eine zukünftige Regierung von dieser Nebensächichkeit abhängig machen wollen ist – naja – streitbar. Jetzt legt KGE noch mal nach und versucht, genau das in einem Gastbeitrag in der Zeit zu verteidigen. Wie viele stichhaltige Argumente für diese schwerwiegende Entscheidung werden jetzt wohl kommen? Wer hätte es gedacht; genau null:

„Argument“ Nr. 1 ist….. (Trommelwirbel): „Because it’s 2017

Yeah, 2017! Cool! Mit demselben Argument hätte Hitler den Überfall auf Polen legitimieren können. „Bikos itz neunzehnhundeRRtneununddRReißig!!!“

„Argument“ Nr. 2: „es gibt keinen Grund, warum die Liebe der einen nicht genau so viel zählt wie die Liebe der anderen.“

Nein, Frau Eckardt. Thema verfehlt. Es geht hier nicht um Liebe, sondern um Eherecht.  Und selbst wenn: Das rechtfertigt nicht, die Homoehe zur Bedingung für eine Koalition zu machen.

„Argumente“ 3-5:

„Weil das so überfällig ist“ – siehe Hitler

„weil es so einfach ist“ – dachte Hitler auch

„Argument“ 6: „und weil die große Koalition diese Änderung in den vergangenen vier Jahren sage und schreibe 30 Mal vertagt hat“ – Ja. Und warum wurde das immer wieder vertagt? So weit ich das beurteilen kann deswegen, weil das Parlament dem Thema verständlicherweise eine geringere Priorität gibt und daher andere Gesetzvorhaben Vorrang haben. Insofern kann auch das keine Rechtfertigung sein.

„Argument“ 7 ist der Klassiker: „Wie wichtig die Ehe für alle auch in diesem Wahlkampf ist, zeigt schon das aktuelle Urteil des Verfassungsgerichts, was einen Antrag auf Bundestagsabstimmung über die Ehe für Schwule und Lesben abgelehnt hat.“

Bei diesem verlinkten Urteil handelt es sich übrigens um dasselbe Thema wie bei Nr. 6.  KGEs Argument ist das typische „wenn andere dagegen sind, zeigt das nur die Relevanz und Richtigkeit der eigenen Sache und dass wir jetzt um so vehementer darum streiten müssen!“ (Nur mit dem Unterschied, dass das BVG nicht dagegen ist, sondern einfach nur festgestellt hat, dass der BT solche Entscheidungen vertagen kann.) Egal wie man zur Homoehe steht, man muss seine Position argumentativ verteidigen. Aber das was KGE hier abliefert ist keine Argumentation. Sowas ist einfach nur peinlicher identitätspolitischer Kindergarten. Und noch mal zur Erinnerung: Sie ist Kanzlerkandidatin und Fraktionsvorsitzende.

Noch mehr Kurznachrichten

In Ergänzung zu Aranxos heutigen Kurznachrichten

  1. Anne Wizorek zieht in der ZEIT über Kohl und seine Familie her

Die Femi-Bloggerin und Aktivistin Anne Wizorek (#aufschrei) mault in einem Helmut-Kohl-Gedenkbeitrag bei ZOn über den „Patriarchen“ Kohl und seine arme unterdrückte Ehefrau. Wizorek:

Mittlerweile verbinde ich den Namen Helmut Kohl auch mit dem veralteten Geschlechterbild eines Patriarchen, der nur für die Arbeit lebt, und dessen Frau alles Familiäre mit einem Lächeln auffängt – während sie hinter verschlossener Tür darunter leidet.

Als Beleg für Kohls „veraltetes Geschlechterbild“, unter dem seine Frau angeblich zu leiden gehabt hätte, führt sie an, dass sie mal eine Satiresendung gesehen hatte, in der Kohl Kreuzworträtsel löst (ich hab’s auch nicht verstanden). Mehr Begründung für diese Respektlosigkeit Kohl und seiner Frau gegenüber gibt’s von Wizorek nicht.

Kleines Bonbon dabei: ZOn kontrolliert alle Kommentare zu ebendiesem Artikel besonders streng mit der Begründung:

Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden.

Ah ja, aber feministische Pietätlosigkeit ist natürlich kein Ding, denn sowas ist ja fortschrittlich.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-06/erinnerungen-helmut-kohl-ddr-wiedervereinigung/komplettansicht#kondolenzbuch-kommentare-info-1-tab

Die Politisierung von Kohls Familie hat übrigens Tradition. Wikipedia listet einige Beispiele für Schmutzkampagnen und Sippenhaft gegen Hannelore Kohl auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hannelore_Kohl#Ehe_mit_Helmut_Kohl

 

2. Grüne werden Koalition 2017 von Homo-Ehe abhängig machen

Eine Nebensächlichkeit spaltet die Menschheit: Das Thema Homoehe ist für manche Leute so wahnsinnig wichtig, dass die Grünen angekündigt haben, nach der kommenden BT-Wahl mit keiner Partei zu koalieren, die die Homoehe nicht akzepiert. Das betrifft insbesondere die CDU, die gegen die „Ehe für alle“ ist.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-06/buendnis-90-gruenen-bundestagswahl-ehe-fuer-alle-wahlprogramm

Man mag für die Öffnung der Ehe sein, ich persönlich habe damit auch kein Problem, aber die Regierungsfähigkeit des Landes von so einem Pipifax abhängig zu machen ist nicht nur affig, sondern kann auch unangenehm werden. Man stelle sich mal vor, alle Parteien würden sich so verhalten. Könnte es dann zu Koalitionen kommen?

Oder ist die Homoehe gar kein Pipifax sondern wirklich eine der wichtigsten politischen Fragen der Gegenwart? Jein. Nüchtern betrachtet ist die Frage relativ unwichtig, denn die bestehende „eingetragene Lebenspartnerschaft“ hat einen ähnlichen Status wie die Ehe und die Aufwertung zur echten Ehe verändert nicht so viel. Allerdings ist die Homoehe für die neue queer-feministische Linke eines der wichtigsten Identitätsmerkmale. Wer sie verweigert, der muss zur falschen Seite gehören und ist unwählbar – so denken einige Grün-Wähler anscheinend. Da nun aber die Grünen nicht mehr die einzige Partei sind, die sich für die Homoehe einsetzen, müssen sie noch einen nachsetzen um sich besonders entschlossen und queer und fortschrittlich zu geben. Die Entscheidung der Grünen (bei der Volker Beck treibende Kraft war) ist daher vor allem Symbolpolitik für Watte-gepackte queer-vernarrte Politikverweigerer.

 

3. Lesbische Grüße an die EU?

Ein ganz ähnliches Thema wie grad eben: Serbien hat einen neuen Premier: weiblich, lesbisch, irgendwie liberal und proeuropäisch und unsere Leitmedien sind begeistert. Sie ist zwar leider nicht auch noch schwarz und behindert aber immerhin: Ana Brnabić – eine Lesbe als Regierungschefin des orthodoxen Serbien! Das ist in der Tat etwas verwunderlich, da die serbisch-orthodoxe Kirche sich gegen Brnabić ausgesprochen hat, aber trotzdem ist mir etwas aufgestoßen, wie ihre Sexualität bei z.B. SpOn und ZOn in den Vordergrund gezerrt wird. Doch ein Grund mehr, um den Vorgang kritisch zu betrachten. Spiegel schreibt den vielsagenden Satz:

[…] schließlich steckt hinter Brnabics Nominierung  als Regierungschefin [durch Präsident Vucic, nicht durch das serbische Volk] auch das Signal an die Europäische Union, dass Serbien einen pro-westlichen, pro-europäischen Weg verfolgt – und keinen eher pro-russischen […]

Das bezog sich darauf, dass Brnabić wirtschaftsliberal und proeuropäisch ist, doch der Schluss liegt nahe, dass dasselbe Prizip auch für die Frage nach der Sexualität gilt. Serbien unter Präsident Vucic möchte der EU beitreten. Brnabic ist dem Präsidenten anscheinend sehr hörig und politisch sehr unerfahren – sprich: die perfekte Marionette, was auch bei SpOn und ZOn angesprochen wird. Dass sie durch ihre Sexualität bei der Diversity-begeisterten europäischen Öffentlichkeit gut ankommt, war möglicherweise ein von Präsident Vucic einkalkulierter Schachzug: „Schaut mal wie modern wir sind! Scheißt doch drauf, dass wir hier ein Demokratiedefizit und eine schwache Wirtschaft haben – wir haben eine Lesbe! Das habt noch nicht mal ihr.“ Mag sein, dass es nur ein Zufall ist, dass die Dame lesbisch ist. Ich halte es aber für gut möglich, dass hier die Sexualität politisch instrumentalisiert wurde.

 

4. Maas steht zu Netz-DG, stellt aber Änderungen in Aussicht

Kleines Update bei der ZEIT zum geplanten Meinungsmanagement unseres „Justiz“-Ministers. Wer es nicht kennt: Heiko Maas (SPD) will soziale Netzwerke (FB, Twitter, Youtube..) dazu verpflichten, „Hatespeech“ und „Fakenews“, die von Nutzern gepostet werden, sofort zu löschen. Und zwar ohne Gericht, Staatsanwalt und diesem ganzen anderen neumodischen Rechtsstaatsgedöns. Wenn die Seitenbetreiber nicht spuren, können sie satte Strafen zahlen. Welche Aussagen strafwürdig sind und welche nicht, dürfen sie dabei selbst entscheiden. Autoritäre Feministen und sonstige Sprachpolizisten jubeln und liberale Bürgerrechtler sind entsetzt, denn die Folge könnten historische Eingriffe in die freie Debattenkultur im Netz sein, da die Sozialen Netzwerke vorsichtshalber lieber 10 000 Kommentare zu viel als 10 zu wenig löschen werden. Zum Update und zur neuen Rechtfertigung von Maas habe ich allerdings nicht mehr zu zu sagen, als schon bei der ZEIT geschrieben wurde:

http://www.zeit.de/digital/internet/2017-06/hasskommentare-netzwerkdurchsetzungsgesetz-netzdg-aenderungen/komplettansicht

Ein interessantes aber schon älteres Interview zu dem Thema mit Renate Künast (Grüne) gibt’s hier. Dort sieht man, wie Leute die eine solche Form der Zensur durch die Hintertür wollen, denken. Künast geht Maas Vorhaben nämlich noch nicht weit genug, da es „nur“ strafbare Inhalte unter Strafe stellen will aber legale „Hatespeech“ einfach so unangetastet bleiben soll. Im Ernst.

 

5. Weitere interessante Kurznachrichten bei Genderama. Denn, heute ist der 17. Juni, der Kurznachrichtentag! der Tag an dem sich mutige DDR-Bürger mit Kurznachrichten gegen sowjetische Panzer gestellt haben, die ihnen Stalins Gendermainstreaming aufzwingen wollten 😉

In Gedenken der Helden des 17. Juni 1953. Menschen wie euch braucht die Welt!