Homoehe: Katrin Göring-Eckardt kann’s nicht lassen

Die Grünen knüpfen mögliche Rgierungsbeteiligungen nach der BT-Wahl 2017 an die Bedingung der Anerkennung der Homoehe, was ich vor kurzem schon hier thematisiert habe. Zuvor bezeichnete die grüne Kanzlerkandidatin Göring-Eckardt Kritiker der Homoehe per se als Arschlöcher. Dass die Grünen und andere Parteien die „Ehe für alle“ fordern, ist nichts neues. Dass sie aber eine zukünftige Regierung von dieser Nebensächichkeit abhängig machen wollen ist – naja – streitbar. Jetzt legt KGE noch mal nach und versucht, genau das in einem Gastbeitrag in der Zeit zu verteidigen. Wie viele stichhaltige Argumente für diese schwerwiegende Entscheidung werden jetzt wohl kommen? Wer hätte es gedacht; genau null:

„Argument“ Nr. 1 ist….. (Trommelwirbel): „Because it’s 2017

Yeah, 2017! Cool! Mit demselben Argument hätte Hitler den Überfall auf Polen legitimieren können. „Bikos itz neunzehnhundeRRtneununddRReißig!!!“

„Argument“ Nr. 2: „es gibt keinen Grund, warum die Liebe der einen nicht genau so viel zählt wie die Liebe der anderen.“

Nein, Frau Eckardt. Thema verfehlt. Es geht hier nicht um Liebe, sondern um Eherecht.  Und selbst wenn: Das rechtfertigt nicht, die Homoehe zur Bedingung für eine Koalition zu machen.

„Argumente“ 3-5:

„Weil das so überfällig ist“ – siehe Hitler

„weil es so einfach ist“ – dachte Hitler auch

„Argument“ 6: „und weil die große Koalition diese Änderung in den vergangenen vier Jahren sage und schreibe 30 Mal vertagt hat“ – Ja. Und warum wurde das immer wieder vertagt? So weit ich das beurteilen kann deswegen, weil das Parlament dem Thema verständlicherweise eine geringere Priorität gibt und daher andere Gesetzvorhaben Vorrang haben. Insofern kann auch das keine Rechtfertigung sein.

„Argument“ 7 ist der Klassiker: „Wie wichtig die Ehe für alle auch in diesem Wahlkampf ist, zeigt schon das aktuelle Urteil des Verfassungsgerichts, was einen Antrag auf Bundestagsabstimmung über die Ehe für Schwule und Lesben abgelehnt hat.“

Bei diesem verlinkten Urteil handelt es sich übrigens um dasselbe Thema wie bei Nr. 6.  KGEs Argument ist das typische „wenn andere dagegen sind, zeigt das nur die Relevanz und Richtigkeit der eigenen Sache und dass wir jetzt um so vehementer darum streiten müssen!“ (Nur mit dem Unterschied, dass das BVG nicht dagegen ist, sondern einfach nur festgestellt hat, dass der BT solche Entscheidungen vertagen kann.) Egal wie man zur Homoehe steht, man muss seine Position argumentativ verteidigen. Aber das was KGE hier abliefert ist keine Argumentation. Sowas ist einfach nur peinlicher identitätspolitischer Kindergarten. Und noch mal zur Erinnerung: Sie ist Kanzlerkandidatin und Fraktionsvorsitzende.

Noch mehr Kurznachrichten

In Ergänzung zu Aranxos heutigen Kurznachrichten

  1. Anne Wizorek zieht in der ZEIT über Kohl und seine Familie her

Die Femi-Bloggerin und Aktivistin Anne Wizorek (#aufschrei) mault in einem Helmut-Kohl-Gedenkbeitrag bei ZOn über den „Patriarchen“ Kohl und seine arme unterdrückte Ehefrau. Wizorek:

Mittlerweile verbinde ich den Namen Helmut Kohl auch mit dem veralteten Geschlechterbild eines Patriarchen, der nur für die Arbeit lebt, und dessen Frau alles Familiäre mit einem Lächeln auffängt – während sie hinter verschlossener Tür darunter leidet.

Als Beleg für Kohls „veraltetes Geschlechterbild“, unter dem seine Frau angeblich zu leiden gehabt hätte, führt sie an, dass sie mal eine Satiresendung gesehen hatte, in der Kohl Kreuzworträtsel löst (ich hab’s auch nicht verstanden). Mehr Begründung für diese Respektlosigkeit Kohl und seiner Frau gegenüber gibt’s von Wizorek nicht.

Kleines Bonbon dabei: ZOn kontrolliert alle Kommentare zu ebendiesem Artikel besonders streng mit der Begründung:

Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden.

Ah ja, aber feministische Pietätlosigkeit ist natürlich kein Ding, denn sowas ist ja fortschrittlich.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-06/erinnerungen-helmut-kohl-ddr-wiedervereinigung/komplettansicht#kondolenzbuch-kommentare-info-1-tab

Die Politisierung von Kohls Familie hat übrigens Tradition. Wikipedia listet einige Beispiele für Schmutzkampagnen und Sippenhaft gegen Hannelore Kohl auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hannelore_Kohl#Ehe_mit_Helmut_Kohl

 

2. Grüne werden Koalition 2017 von Homo-Ehe abhängig machen

Eine Nebensächlichkeit spaltet die Menschheit: Das Thema Homoehe ist für manche Leute so wahnsinnig wichtig, dass die Grünen angekündigt haben, nach der kommenden BT-Wahl mit keiner Partei zu koalieren, die die Homoehe nicht akzepiert. Das betrifft insbesondere die CDU, die gegen die „Ehe für alle“ ist.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-06/buendnis-90-gruenen-bundestagswahl-ehe-fuer-alle-wahlprogramm

Man mag für die Öffnung der Ehe sein, ich persönlich habe damit auch kein Problem, aber die Regierungsfähigkeit des Landes von so einem Pipifax abhängig zu machen ist nicht nur affig, sondern kann auch unangenehm werden. Man stelle sich mal vor, alle Parteien würden sich so verhalten. Könnte es dann zu Koalitionen kommen?

Oder ist die Homoehe gar kein Pipifax sondern wirklich eine der wichtigsten politischen Fragen der Gegenwart? Jein. Nüchtern betrachtet ist die Frage relativ unwichtig, denn die bestehende „eingetragene Lebenspartnerschaft“ hat einen ähnlichen Status wie die Ehe und die Aufwertung zur echten Ehe verändert nicht so viel. Allerdings ist die Homoehe für die neue queer-feministische Linke eines der wichtigsten Identitätsmerkmale. Wer sie verweigert, der muss zur falschen Seite gehören und ist unwählbar – so denken einige Grün-Wähler anscheinend. Da nun aber die Grünen nicht mehr die einzige Partei sind, die sich für die Homoehe einsetzen, müssen sie noch einen nachsetzen um sich besonders entschlossen und queer und fortschrittlich zu geben. Die Entscheidung der Grünen (bei der Volker Beck treibende Kraft war) ist daher vor allem Symbolpolitik für Watte-gepackte queer-vernarrte Politikverweigerer.

 

3. Lesbische Grüße an die EU?

Ein ganz ähnliches Thema wie grad eben: Serbien hat einen neuen Premier: weiblich, lesbisch, irgendwie liberal und proeuropäisch und unsere Leitmedien sind begeistert. Sie ist zwar leider nicht auch noch schwarz und behindert aber immerhin: Ana Brnabić – eine Lesbe als Regierungschefin des orthodoxen Serbien! Das ist in der Tat etwas verwunderlich, da die serbisch-orthodoxe Kirche sich gegen Brnabić ausgesprochen hat, aber trotzdem ist mir etwas aufgestoßen, wie ihre Sexualität bei z.B. SpOn und ZOn in den Vordergrund gezerrt wird. Doch ein Grund mehr, um den Vorgang kritisch zu betrachten. Spiegel schreibt den vielsagenden Satz:

[…] schließlich steckt hinter Brnabics Nominierung  als Regierungschefin [durch Präsident Vucic, nicht durch das serbische Volk] auch das Signal an die Europäische Union, dass Serbien einen pro-westlichen, pro-europäischen Weg verfolgt – und keinen eher pro-russischen […]

Das bezog sich darauf, dass Brnabić wirtschaftsliberal und proeuropäisch ist, doch der Schluss liegt nahe, dass dasselbe Prizip auch für die Frage nach der Sexualität gilt. Serbien unter Präsident Vucic möchte der EU beitreten. Brnabic ist dem Präsidenten anscheinend sehr hörig und politisch sehr unerfahren – sprich: die perfekte Marionette, was auch bei SpOn und ZOn angesprochen wird. Dass sie durch ihre Sexualität bei der Diversity-begeisterten europäischen Öffentlichkeit gut ankommt, war möglicherweise ein von Präsident Vucic einkalkulierter Schachzug: „Schaut mal wie modern wir sind! Scheißt doch drauf, dass wir hier ein Demokratiedefizit und eine schwache Wirtschaft haben – wir haben eine Lesbe! Das habt noch nicht mal ihr.“ Mag sein, dass es nur ein Zufall ist, dass die Dame lesbisch ist. Ich halte es aber für gut möglich, dass hier die Sexualität politisch instrumentalisiert wurde.

 

4. Maas steht zu Netz-DG, stellt aber Änderungen in Aussicht

Kleines Update bei der ZEIT zum geplanten Meinungsmanagement unseres „Justiz“-Ministers. Wer es nicht kennt: Heiko Maas (SPD) will soziale Netzwerke (FB, Twitter, Youtube..) dazu verpflichten, „Hatespeech“ und „Fakenews“, die von Nutzern gepostet werden, sofort zu löschen. Und zwar ohne Gericht, Staatsanwalt und diesem ganzen anderen neumodischen Rechtsstaatsgedöns. Wenn die Seitenbetreiber nicht spuren, können sie satte Strafen zahlen. Welche Aussagen strafwürdig sind und welche nicht, dürfen sie dabei selbst entscheiden. Autoritäre Feministen und sonstige Sprachpolizisten jubeln und liberale Bürgerrechtler sind entsetzt, denn die Folge könnten historische Eingriffe in die freie Debattenkultur im Netz sein, da die Sozialen Netzwerke vorsichtshalber lieber 10 000 Kommentare zu viel als 10 zu wenig löschen werden. Zum Update und zur neuen Rechtfertigung von Maas habe ich allerdings nicht mehr zu zu sagen, als schon bei der ZEIT geschrieben wurde:

http://www.zeit.de/digital/internet/2017-06/hasskommentare-netzwerkdurchsetzungsgesetz-netzdg-aenderungen/komplettansicht

Ein interessantes aber schon älteres Interview zu dem Thema mit Renate Künast (Grüne) gibt’s hier. Dort sieht man, wie Leute die eine solche Form der Zensur durch die Hintertür wollen, denken. Künast geht Maas Vorhaben nämlich noch nicht weit genug, da es „nur“ strafbare Inhalte unter Strafe stellen will aber legale „Hatespeech“ einfach so unangetastet bleiben soll. Im Ernst.

 

5. Weitere interessante Kurznachrichten bei Genderama. Denn, heute ist der 17. Juni, der Kurznachrichtentag! der Tag an dem sich mutige DDR-Bürger mit Kurznachrichten gegen sowjetische Panzer gestellt haben, die ihnen Stalins Gendermainstreaming aufzwingen wollten 😉

In Gedenken der Helden des 17. Juni 1953. Menschen wie euch braucht die Welt!

Meinungsmanipulaton a la ZAPP

Dieser Artikel ist (fast) Off Topic, aber da wir uns hier ja auch oft genug mit Meinungsmanipulation herumärgern müssen, passt es eben doch so am Rande. Mir ist da nämlich so ein hübsches Stück aufgefallen.

Wer das politische Tagesgeschehen einigermaßen verfolgt, hat sicherlich die Aufregung um die von Arte und WDR zurückgehaltene und nicht gezeigte Dokumentation über Antisemitismus „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ mitbekommen. „ZAPP – Das Medienmagazin“ vom NDR berichtet über das Geschehen, regt sich aber weniger über den Inhalt auf als darüber, dass BILD den Film für einen Tag auf seiner Website trotzdem gezeigt hat, obwohl BILD keine Rechte daran hatte. Frech, findet das Redakteurin Anja Reschke.

Und da auch Frau Reschke die Doku anscheinend nicht gefällt und man als ZAPP-Redaktion wohl den befreundeten öffentlich-rechtlichen Sendern Schützenhilfe geben will, muss man der offiziellen Begründung für das Zurückhalten, die Dokumentation sei „unausgewogen“, ein wenig nachhelfen. Die Schwierigkeit liegt darin, einen Film über Antisemitismus zu diskreditieren, ohne sich selbst des Vorwurfs des Antisemitismus bzw. dessen Verharmlosung auszusetzen. Da muss man schon sehr subtil vorgehen. Aber hey, man ist ja schließlich ein Fernsehsender, hat das entsprechende Filmmaterial und was liegt da näher, als dieses einfach passend zu schneiden?

Am Anfang des Ausschnittes von ZAPP wird die Rede von Mahmud Abbas vor dem Europäischen Parlament gezeigt und der Vergleich, den der Film mit dem Nazi Julius Streicher zieht. So wie ZAPP das geschnitten hat, sieht es für den Zapp-Zuschauer natürlich so aus, als wäre dieser Vergleich völlig überzogen und damit die Doku polemisch und einseitig. Was hat Abbas auch schon großartig schlimmes gesagt in dem Ausschnitt? Dem Off-Kommentar des Dokumentarfilms „Bitte hören sie genau zu!“ ergänzt der ZAPP-Redakteur noch mit „den drastischen Vergleichen“, um den Zuschauer mit der Nase auf den angeblich überzogenen Vergleich mit Streicher zu stoßen.

Aber das, was dazwischen weggeschnitten wurde, ist das eigentlich brisante. Abbas hat nämlich die alte Geschichte von den brunnenvergiftenden Juden wieder aufgewärmt, und das vor dem EU-Parlament. Martin Schulz und viele andere haben am Ende der Rede Abbas applaudiert, Schulz hat die Rede auch noch „inspirierend“ genannt. Natürlich schneidet man das raus, denn damit wird der Vergleich mit der Nazizeit auf einmal viel plausibler. Aber das sind halt so die kleinen dreckigen Tricks, mit denen man was ins schlechte Licht stellen kann und immer noch so tun, als hätte man offen berichtet.

Selbstverständlich gibt es auch die Doku längst im Netz, so z.B. hier. Prädikat: Extrem sehenswert. Mindestens ein Upload auf Youtube wurde allerdings schon wieder blockiert.

Keine Angst, die beiden Szenen sind jeweils ganz am Anfang der Filme. Und falls auch diese Version aus Youtube wieder verschwinden sollte, ich habe längst eine mp4-Kopie auf der Platte.

Manspreading-Alarm in Madrid

Wie im guten alten 16. Jahrhundert erreicht uns das Gold aus Amerika über Spanien. Der spanische Verkehrskonzern EMT untersagt „Manspreading“ (also breitbeiniges Sitzen von Männern in der Öffentlichkeit) und schließt sich damit dem neusten feministischen Moraltrend aus der Neuen Welt an. Nachdem spanische femi-Aktivisten(die nach manchen Quellen ‚Mujeres en Lucha‘ und nach manchen Quellen ‚Microrrelatos Feministas‚ heißen) über eine Online-Pedition Stimmung gegen das patriarchale Ritual des „Manspreading“ gemacht haben, ist der Stadt-eigene (nicht private!) Verkehrsbetrieb EMT am 7. Juni darauf eingegangen und schmückt von nun an die Busse der spanischen Hauptstadt mit Warnschildern, die ein Männchen dabei zeigen wie es breitbeinig sitzt (während daneben frei ist) und zeigt durch ein Kreuz an, dass das Männchen sich falsch verhält. Gemütlich machen verboten, besonders für Männer? Na gut; darunter steht „Respektier den Platz der anderen“. Man kann das Schild also auch einfach nur so interpretieren, dass es EMT darum geht, grundsätzlich das -in der Tat störende- Verhalten zu unterbinden, dass sich Fahrgäste (egal ob männlich oder weiblich oder Apache-Helikopter) zu sehr ausbreiten (egal ob durch breitbeiniges Sitzen der Herren oder Handtasche abstellen bei den Damen oder Rotorblätter umherwirbeln bei den Apache-Helikoptern) und anderen Fahrgästen damit den Platz wegnehmen. Doch diese Interpretation wäre leider nur die halbe Wahrheit. Denn EMT und die Madrider Stadtverwaltung möchten dies explizit als Kampf gegen „Manspreading“ und als „Gleichstellung“ verstanden wissen. „Die EMT hat die Initiative in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbehörde der Stadt Madrid ins Leben gerufen.“, schreibt die WELT, welche die Maßnahme übrigens angemessen findet (war’n die nicht irgendwie konservativ oder so?) und der amtliche Twitterkanal der Stadt stellt dies unter #manspreading.

Was ist so schlimm daran? Fahrgäste offiziell aufzufordern, anderen genug Platz zu lassen, ist in Ordnung. Aber das Fehlverhalten zu gendern, wie es beim Kampf gegen „Manspreading“ passiert, ist ungerecht. Erstens wird mit zweierlei Maß gemessen, da vergleichbares Verhalten bei Frauen ja ok zu sein scheint und zweitens bekämpft die Aktion nicht direkt das Wegnehmen von Platz sondern eine bestimmte Sitzhaltung an sich, gerade weil sie bevorzugt von Männern eingenommen wird und als „Dominanzgebaren“ oder dergleichen Unsinn interpretiert wird, egal ob damit tatsächlich jemanden der Platz weggenommen wird oder nicht. Und das nenne ich staatliche Schikane von Männern. Oder im Jargon der Maskulisten: sexistische Diskriminierung.

Bei Ze.tt (gehört zu ZEIT-Online) kommentiert übrigens der unvergleichlich stupide Till Eckert, der uns schon mit seinem Jahrhundertwerk  „Wie Männer den Feminismus unterstützen können“ viele tragikomische Minuten beschert hat.

Wer spanisch kann, sollte sich auch auf jeden Fall mal die offizielle Website der Madrider Stadtverwaltung zu Gemüte führen:

https://diario.madrid.es/

Feminismus und Kampf gegen „Macho-Gewalt“ scheinen dort für die linke Stadtregierung (Podemos und PSOE unter Bürgermeisterin Manuela Carmena) explizit Staatsraison zu sein. Aber mein Spanisch reicht nicht aus um da tiefer einzudringen.

 

Rastavati und die alltägliche Verneinung von männlichen Leistungen, Bedürfnissen und fehlender Empathie mit dem falschen Geschlecht

Christian hat gerade wieder einen interessanten Artikel aus SpOn gefischt. Dort wischt eine Autorin mal eben mit Ansage alle Statistiken und Zahlen zum Thema Jungenbenachteiligung in der Schule vom Tisch und ersetzt sie durch ihre eigene anekdotische Betrachtung ihrer eigenen Töchter, die dann natürlich viel größere Probleme haben. Die Kommentatoren rücken ruckzuck die Sache ins rechte Licht, aber es wundert mich immer wieder, wieviele einseitige Artikel in unseren „Qualitätsmedien“ problemlos veröffentlicht werden können.

Während ich nun über einen anderen Artikel in SpOn schreibe, haben die Kommentatoren auf SpOn ausnahmsweise anscheinend versagt. Und doch ist der Artikel mal wieder ein Paradebeispiel wie sehr Männer- und hier Väterfeindliche Betrachtungen problemlos abgesondert werden können. 1964 bringt eine weiße Deutsche nach einem One Night Stand mit einem Schwarzen eine Tochter zur Welt. Erst 2012 findet diese mit Hilfe ihrer eigenen Tochter ihren Vater. Ein schöner Artikel über ein spätes Kennenlernen, gespickt mit Anekdoten und natürlich einigen rassistischen Erfahrungen. Die Männerfeindlichkeit erschließt sich mit aller Geballtheit wenn man sich den Artikel mal genauer anschaut. Was ich hiermit tun möchte. Triggerwarnung: Es wird traurig. Spuren von Wut könnten beim Leser hinterlassen werden. Lest ihn Euch am besten erstmal selbst durch.

Helga ist seit einem ONS mit einem Schwarzen alleinerziehende Mutter in den 60ern. Sie weiß vom Vater nicht mal den Namen, er nichts von seinem Glück.

Mit ihrem Temperament eckte Juttas Mutter Helga Nielsen damals überall an, auch bei der Witwe, in deren Villa sie zur Untermiete wohnte. Um nicht samt Tochter auf der Straße zu landen, beschloss die 21-Jährige, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken.

Was beschließt Helga? Eine Ausbildung, eine eigene Wohnung, einen Beruf? Den unfreiwilligen Vater zu informieren, daß er die Chance bekommt seine Tochter kennenzulernen oder wenigstens seiner Verantwortung (sprich: monatliche Unterhaltszahlung) nachzugehen?

Ein Ehemann musste her. Für eine Alleinerziehende mit dunkelhäutigem Kind keine leichte Aufgabe. Doch sie wurde fündig: Hans, weißblondes gescheiteltes Haar, türmte als Inhaber von Lebensmittel Lüdemann jeden Morgen akkurat seine Südfrüchte zu Pyramiden auf.

Noch jemand, der die tapfere Alleinerziehende ob ihrer schweren Aufgabe bedauert? Ihren pragmatischen Ansatz und ihre geschickte Lösung bewundert? Sicherlich nicht die Vielzahl von Alleinerziehenden, die einen schweren aber eigenverantwortlichen Weg gefunden haben, sich ihren eigenen Lebensentscheidungen zu stellen.

Mit Jutta zog Helga Nielsen in seine Wohnung und wurde, was sie niemals sein wollte: eine Hausfrau. Abends sahen sie gemeinsam die „ZDF Hitparade“, spazierten am Wochenende in Sonntagskleidern durchs Städtchen.

Die arme, vom Patriarchat unterdrückte Frau. Hitparade! Welch perversen Gelüste ihres Mannes sie doch befriedigen mußte. Und das alles für das bisschen Vollversorgung. Prostitution scheint nicht nur im Gegensatz hierzu ein ehrenwertes Geschäft zu sein. Mit handfesten Vorteilen für beide Vertragspartner. Und keine Prostituierte ist gezwungen, sich die Hitparade anzuschauen. Sie hätte sogar sorgen- und kondomfrei Party feiern und rumvögeln können! Man bemerke, von solch lapidaren Dingen wie Liebe ist bisher und auch im folgenden keine Rede. Man kann jedoch aus der Geschichte schließen, dass sie zumindest beim Stiefvater groß war. Neben den typisch toxischen männlichen Eigenschaften wie Verantwortungsübernahme und Opferbereitschaft.

Selbstverständlich sei sie die Mutter, versicherte Helga Nielsen der Tochter, gestand aber auch, wer ihr leiblicher Vater sei: ein Mann aus „Tschömeika“, der „Oin“ heiße und begnadeter Saxofonspieler sei. Sie habe ihn nur einmal in einer Bar mit seiner Rock’n’Roll-Band spielen hören und sei dann noch mit ihm um die Häuser gezogen. Mehr wisse sie auch nicht. Nicht mal seinen Nachnamen.

..und ignoriert das Recht ihres Kindes auf Identität und Wissen um ihren Vater und ihre Abstammung konsequent. Und natürlich die Rechte des leiblichen Vaters. Was kümmert mich mein Fick von vor 10 Jahren?

Der hasste nichts mehr, als von irgendwelchen Leuten auf die Hautfarbe seiner Tochter angesprochen zu werden. Dann brummte er nur, seine Frau habe in der Schwangerschaft eben „zu viel Lakritz gegessen“.
Es waren die frühen Siebzigerjahre. Was „sich gehörte“ und was nicht, war streng geregelt. Ledige Frauen waren „sitzen geblieben“, Verheiratete hatten ihre Männer zu bewirten, Väter stellten die Regeln auf und Kinder keine Fragen.

Er hasste es. Er war wahrscheinlich froh, wenn er auf der Straße auf Bekannte traf, die wußten, daß seine Frau ihm keine Hörner aufgesetzt hat. Aber dieser Aspekt der Siebziger fällt natürlich unter den Tisch. Verheiratete hatten ihre Männer zu bewirten. Insbesondere dann, wenn der Mann das Geld ranschafft wäre das das mindeste. Hätte Helga gleichberechtigt zum Familieneinkommen beigetragen, wäre das im Artikel erwähnt. Goldenes Patriarchat, in der die Väter die Regeln aufstellen. Dumm nur, daß schon in den Siebzigern, im Himmelreich des Patriarchats diese Regeln doch eher den Frauen zugute kommen.

Zu dieser Zeit verdrängten neuartige Supermärkte die kleinen Lebensmittelgeschäfte. Auch der Stiefvater musste seinen Laden schließen und wurde Vertreter für Nylonstrumpfhosen. Seinen Frust ertränkte er im Alkohol und brüllte zu Hause immer öfter herum.

Man bemerkt, weiterhin keine Rede von der Berufstätigkeit des Opfers der Mutter. Seinen für Qualitätsmedienjournalistinnen anscheinend nicht nachvollziehbaren Frust verarbeitete er nicht indem er Frau und Stieftochter sitzen läßt und sich in Indien ein bequemes Leben macht. Indem er einfach nur für sich selbst sorgt. Nein, er macht weiter trotz Frust und wird alkoholkrank.

Mit der Pubertät wuchs die Sehnsucht nach ihrem leiblichen Vater. Gern stellte Jutta ihn sich auf der fernen Karibikinsel vor, pfeifend in einer Hängematte zwischen Palmen – und hoffentlich kein dauerbekiffter Rastafari. Ein paar Mal noch fragte sie ihre Mutter, aber die blockte ab. Irgendwann hörte Jutta auf zu fragen, auch weil sie Angst hatte, ihren zunehmend cholerischen Stiefvater zu kränken.

Ein weiterhin völlig verantwortungslose Haltung auf Seiten der Mutter, die natürlich nicht kritisch hinterfragt wird. Die Erwähnung des im Text ansonsten sehr farblos bleibenden Stiefvaters beschränkt sich auf negative Eigenschaften. Aber was soll er auch sagen? Immerhin war er nicht dabei als sie gezeugt wurde.

Zum Abschied machte ihr der Stiefvater eine kuriose Offenbarung. Er gestand, auch wenn das womöglich etwas hart für sie sei: „Ich bin nicht dein richtiger Vater!“

Der saufende Choleriker, der Hitparadenperverse Stiefvater hat all die Jahre zu seiner Tochter gestanden. So sehr, daß er es fast selbst geglaubt hatte. so sehr, daß er sich anscheinend nie als etwas anderes als ihr richtiger Vater gefühlt hat und ihr nun etwas beichten muß.

Mit bald 50 Jahren dachte sie nur noch selten an ihren Vater: so aussichtslos, ihn jemals zu finden. Ihre Kinder jedoch interessierten sich brennend für den unbekannten Opa, begeisterten sich für Rastafari-Kultur und Reggae, spielten Saxofon oder flochten sich die Haare zu Rastazöpfen.

Ob sie noch an ihren Stiefvater dachte? Ob sich die Kinder auch für ihren echten, ihren Stiefopa interessierten? Wir werden es nicht erfahren, denn dieser Teil der Geschichte um arme Mütter und diskriminierte Farbige ist für die Autorin komplett irrelevant. Schade.

Jutta Weber aber beschlich das gute Gefühl: Ihre Eltern hatten in jener Nacht im Jahr 1963 letztlich alles richtig gemacht.

Nun ja. Sie haben es miteinander getrieben. Ob der leibliche Vater gerne die Chance gehabt hätte, etwas richtig zu machen? Wieviel die Mutter in der Folgezeit richtig gemacht hat?

Es hätte eine schöne Geschichte werden können. Ein Kennenlernen zwischen Vater und Tochter nach 50 Jahren. Eine schwierige Kindheit als Farbige in den spießigen Siebzigern. Aber auch eine romantische Liebe zwischen Mutter und Stiefvater, trotz vielleicht ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, trotz widriger Umstände, unfreundlichen Zeitgenossen und wirtschaftlichen und gesundheitlichen Problemen. Liebe die auch zwischen der Tochter und ihrem sozialen Vater gedeihen kann. Eine klassische Ende-Gut-alles-gut-Geschichte wie aus einem Frauenroman.

oder wie es ein Kommentator im SpOn-Forum formuliert:

6. Viel zu wenig
wird auf die überragende und selbstlose Lebensleistung des deutschen Stiefvaters eingegangen, der sich der endlosen Lebensaufgabe ein fremdes Kind aufzuziehen in typisch männlicher Selbstaufgabe hingegeben hat. Und das obwohl sie offensichtlich nicht seines sein konnte. Das ist das eigentlich rührende an der Geschichte. Viel zu wenig auf den kaltherzigen Egoismus und die Dummheit der Mutter. Wieso werden solche Geschichten immer so falsch erzählt?

Mutterschutz und Vaterschutz

Passend zum Muttertag hat die Zeit den neuaufgelegten Mutterschutz gefeiert. Genau genommen ist es mehr ein Schritt hin zur besseren ökonomischen Verwertbarkeit von Schwangeren und Müttern, aber ansonsten scheint das Patriarchat seit Jahrzehnten gute Arbeit bei der Unterdrückung, äh, beim Schutz von Frauen gemacht zu haben. Feminismus ist halt nicht der Kampf für die Freiheit der Frau, jedenfalls nicht wenn die gewünschte Freiheit vom gewünschten Rollenverständnis abweicht.

Daher sei am heutigen Tag nochmal daran erinnert, daß zu einem Kind Mutter und Vater gehören. Und dass Väter weiterhin bei allem rund um Mutterschutz exakt gar keine Rechte haben. Dabei wäre es doch so einfach. Ein Verbot für den Arbeitgeber, dem Vater um dem errechneten Geburtszeitraum längere und weit entfernte Dienstreisen anzuordnen. Ein, zwei Tage Sonderurlaub.

Danke für nichts, Frau Schweswig!

feministische Empathie, fehlende Qualitätskontrolle und das Tabu der Kuckuckskinder

Täglich kommen in unseren sogenannten Qualitätsmedien irgendwelche Artikel, die jetzt nicht so ganz falsch sind, aber ideologisch so verzerrt, daß sie eine komplett falsche Sicht transportieren. Feministinnen quaken irgendeinen Unsinn heraus und Qualitätskontrolle ist bei unseren Qualitätsmedien ein Fremdwort. Mal wieder ein Beispiel aus der feministischen Rubrik „10nach8“ (und welche Rubrik ist es nicht?) aus der ZEIT. Mich wundert, dass es überhaupt noch Leserkommentare gibt, das muss denen doch peinlich sein.

Aber der Reihe nach. ZEIT-Autorin Miriam Stein schreibt über Unfruchtbarkeit bei Männern. Tatsächlich schafft sie es, aus einem genuinem Männerproblem erstmal ein Frauenproblem zu machen, indem sie mit dem Leid der Frauen anfängt. Völlig falsch und haltlos postuliert sie die männliche Zeugungsunfähigkeit als Tabu. Erst aus dieser Perspektive heraus schafft sie es, sowas wie Empathie auch für Männer zu entwickeln. Weil „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Dabei bemerkt sie gar nicht, wie nah sie einem tatsächlichen Tabu ist. Dem der Kuckuckskinder. Ein Tabu, das rechtlich zementiert ein massives Problem für Kinder und Väter ist. Muss man Feministin sein, um solch ein Machwerk abzuliefern, oder reicht Doofheit aus?

So wie man früher den Playboy gelesen hat, weil der so tolle Reportagen abdruckte, kann man heute die Zeit eigentlich nur wegen der Leserkommentare lesen. Und daher muss ich mich mit dem Dünnpfiff gar nicht weiter befassen, sondern zitiere einfach die erstbesten Kommentare.

Jose16 #1
Ich hatte immer angenommen die Fruchtbarkeit de Mannes würde als erstes getestet, weil es so einfach geht.

Bizimle #1.1
Kenne ich auch nicht anders. Der Artikel scheint mir nicht zeitgemäss zu sein.

Antwort auf #1 von Jose16

Exakt so ist es auch.

Es ist selbstverständlich auch kein „Tabu“ Thema, sondern vielleicht ein bißchen anrüchig für manche Leute, wie alles was mit Fortpflanzung zu tun hat.

Jeder der in Biologie mal eine Mittelstufe durchlaufen hat weiß dass Unfruchtbarkeit genauso am Mann hängen kann. Das sind trotz aller Untergangsgesänge immer noch mehr als 90% der Leute.

leser500 #11
Der Artikel scheint mir keinen Bezug zur Realität zu haben, Spermauntersuchungen sind der erste Schritt beim Urologen.

Ich vermisse auch die Erwähnung der unschätzbaren Vorteile der Selektion. Das Leben in seiner heutigen Form existiert, weil sich manche Individuen fortpflanzen, und andere eben nicht.

Der kleine Dicke von nebenan #12
Anfürsich ein guter Artikel. Aber eine Bitte hätte ich doch: die Sucht danach, sich als Tabubrecher zu gerieren, ist schon etwas nervig. Dauernd lese ich in der Zeit Sätze wie „XY ist ein Tabu. Das muss sich ändern.“

Liebe Zeit, sind Eure Inhalte so uninteressant, dass ihr sie auf diese Weise aufhübschen müsst?

SprintGT #15
Was soll der Unsinn???
Die gute Dame hat also einen Roman gelesen und meint, dass die Wirklichkeit natürlich genau so aussehen muss.
Das tut sie aber nicht. Wenn Paare keine Kinder bekommen können wird immer auch die Spermienqualität untersucht. Aber hier wird erstmal belegfrei behauptet „Männliche Unfruchtbarkeit bleibt ein Tabuthema“. Warum eigentlich? Weil nicht jeder Mann das Ergebnis einer Spermazählung auf Facebook postet?
Ich kenne mehrere Paare, die gar nicht oder nur mit medizinischer Hilfe Kinder bekommen haben und die sind das Problem ausnahmslos gemeinsam angegangen, was ja wohl auch der einzige richtige Ansatz ist. Ich kenne sogar Männer, die so offen damit umgehen, dass sogar in der Umkleidekabine nach dem Fussballtraining über Spermaqualität diskutiert wurde. Ernsthaft und ohne Herrenwitze, aber das kann sich die Autorin bestimmt nicht vorstellen.
Sie hat ja eine eigene Realität. Hauptsache, mal wieder die Männer als dumme, rücksichtslose Realitätsverweigerer darstellen.

Uups, und hier war der Zensor pinkeln. Es ist ihnen doch peinlich.

Karin Rüttgers #17
Mein Kommentar hier wurde gelöscht.

Das verstehe ich nicht.

Denn ich habe darin lediglich zum Ausdruck gebracht, dass ich den Beitrag in dieser Kolumne angesichts des formulierten Themas erneut als recht anekdotisch und wenig faktenbasiert empfinde und dass ich dies als nicht förderlich für die „weibliche Stimme“ – um deren Stärkung es ja in dieser Kolumne gehen soll – erachte.

Auch der Beitrag, auf den ich geantwortet habe, las ich in dieser Diktion.

Das ist doch freie Meinungsäußerung – oder?

Warum so empfindlich?