Hör auf, Nebelbomben zu werfen, Journalist

Der Artikel, auf den ich mich beziehe, ist kaum lesenswert. Er trägt die Überschrift „Hört auf zu jammern, alte weiße Männer!“ und es wird erklärt, warum man sich nicht darüber echauffieren soll, wenn Männer ebenso betitelt werden.

Der Autor (Till Raether) stellt sich für jemanden, der im Magazin der Süddeutschen Zeitung einen Artikel veröffentlichen darf, erstaunlich dumm und „schwelgt“ in der Vergangenheit. Es referiert über Männer, die heute um die 50 sind und damals viele Vorteile genossen haben, weil es früher noch nicht so weit her war mit Gleichberechtigung & Co.

Letzteres ist richtig. Nur, was hat das mit der Gegenwart zu tun? Raether legitmiert quasi heutigen Unsinn mit dem Unsinn von damals. Völlig am Kern der der Sache vorbei.

Die Phrase „alte weiße Männer“ wird nämlich benutzt, um (unliebsame) Meinungen zu diskreditieren. Es handelt sich um ein personenbezogenes Totschlagargument. Damit wird stets der Versuch unternommen, andere Ansichten bequem zur Seite schieben, auf die man argumentativ nicht eingehen möchte oder kann. Stammen diese Ansichten doch angeblich von einem Personenkreis, dessen Weltbild antiquiert ist und auf das man in einer „jungen, bunten, weiblicheren Gesellschaft“ verzichten kann.

Komisch. Es galt mal die Auffassung, dass jede Stimme gleich viel wert sein soll. Insbesondere im Kreis unserer (ehemals) aufklärerischen Journalisten. Und Raether fällt es tatsächlich nicht auf, wo das Problem mit dieser Phrase liegt und wirft stattdessen eine solche Nebelbombe, die geeignet ist, um die niederen Absichten mit dieser Formulierung gar noch zu unterstützen?

Denn wieder soll es der „alte, weiße Mann“ sein, der doch bitteschön nicht jammern möge. Merke: Kritik aus diesem Kreis gibt es nicht, es ist ein unberechtigtes Jammern.

Besuchen Sie doch lieber noch einmal ein paar Vorlesungen in Demokratie, Herr Raether. Um diese wieder so zu verstehen, wie Sie sie in ihren früheren Zeiten (hoffentlich) verstanden haben. Zu Zeiten, als Sie sich als Student noch gegen etablierte Ansichten durchsetzen mussten. Heute gehören Sie zum Establishment mit imprägnierter Meinungs- und Deutungshoheit und müssen vielleicht noch lernen, Dinge von der anderen Seite zu sehen.

Oder direkter ausgedrückt an alle Phrasen-Verwender: Kommt gefälligst mit anderen Meinungen klar und versucht nicht, diese über hinterhältige „Argumente“ auszuhebeln.

 

 

 

 

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Wenn der böse Papa nicht an die Mutter zahlt: Staat hat höhere Ausgaben durch Unterhaltsvorschuss

Seit gestern gibt es viele Berichte zum Thema Unterhaltsvorschuss für Kinder in Presse und TV. Das sind die Zahlungen, die der Staat leistet, falls ein Elternteil keinen Unterhalt erbringt, obwohl er dazu verpflichtet wäre. Im Jahr 2017 wurde das entsprechende Gesetz geändert, so dass die staatlichen Leistungen nicht mehr auf Kinder bis zum Alter von 12 Jahren beschränkt sind und auch nicht mehr nur für maximal 72 Monate gezahlt wird. Nunmehr wird in der Regel bis zum 18. Lebensjahr und ohne zeitliche Begrenzung gezahlt.

Das führte zu deutlich mehr Anspruchsberechtigte (jetzt rd. 700 Tausend statt vorher rd. 400 Tausend Kinder) und zu jährlichen Ausgaben von 1,1 Mrd. Euro. „Wiedergeholt“ von den säumigen Elternteilen wurde durch den Staat dagegen nur ca. 18%.

Einige Presseberichte kommen natürlich nicht ohne moralischen Fingerzeig aus (arme alleinerziehende Mutter hier, böser nicht-zahlender Vater da).

Weiterführen möchte ich den Blogbeitrag jedoch mit einem Zitat aus der Berliner Morgenpost.

Der Unterhaltsvorschuss, den der Staat seit Kurzem häufiger zahlt, ist im übrigen in vielen Fällen nur dem Namen nach ein Vorschuss. Eigentlich will der Staat das Geld von den säumigen Elternteilen zurückholen. Das klappt aber nur schlecht: Von 1,1 Milliarden Euro, die 2017 ausgezahlt wurden, kamen nur 209 Millionen zurück. Warum so viele nicht zahlen, weiß niemand genau, sagt Berkhoff vom VAMV: „Haben die nicht das Geld, wollen die nicht, wenn ja, warum wollen die nicht?“ Man wisse es nicht, sagt sie – Studien zum Thema würden „dringend“ gebraucht.

Potzblitz. Da wird doch tatsächlich mal nach den Gründen gefragt, anstatt es bei einem „der hat zu zahlen und basta“ zu belassen.

Ja, es wäre in der Tat interessant, wenigstens die Gründe zu erfahren. Und für Genderstudien ist immer Geld da, warum also nicht auch mal für diesen, die Geschlechter betreffenden Bereich?

Meine Vermutung: Bestimmte Gründe will man offiziell gar nicht wissen, weil man sich nicht um die Beseitigung der Gründe kümmern will.

Es könnten ja auch so Antworten kommen wie: „Meine Ex verweigert mir den Umgang mit dem Kind, da sehe ich es nicht ein, sie auch noch zu unterstützen“ oder „Meine Ex hat einen neuen Partner, der sich als „sozialer“ Vater gebärdet, während ich nichts mehr vom Kind habe, warum wird er nicht herangezogen?“.

Auch das sind meines Erachtens Punkte, die in das Thema einfließen sollten, statt nur nach dem Verursacherprinzip auf den Erzeuger des Kindes zu zeigen.

Junge, weiße, ideologisierte Frauen

Unsere Gegenwart ist immer noch voll von Ideologien. Ich halte Ideologien für eine große Geißel unserer Zeit, gleich daneben stehen für mich Diplomatie und ihre kleine Schwester politische Korrektheit. Dabei bin ich sehr für Zukunftsvisionen, wenn man dabei Realitätssinn und Pragmatismus für das aktuell Machbare und das aktuelle Umfeld nicht aus den Augen verliert und dementsprechend handelt. Und ich bin für klare Worte, da gehe ich lieber das Risiko der verbalen Verletzbarkeit ein, als dass ewig um den Brei herumgeredet wird.

Ein entlarvendes Outing für ideologische Verblendung ist meines Erachtens ein Video der Spitzenkandidatin der Grünen für die bayrische Landtagswahl, Katharina Schulze. Natürlich kommen auch „alte, weiße Männer“ vor, die natürlich stets im Unrecht sind, gegenüber dem frischen Wirbelwind, den junges Grünzeug ins Haus bringt (uhhhh … habe ich da gerade etwa jemanden diskriminiert? Sorry.) Aber das ist eben nicht der einzige Punkt, weshalb ich die Sache für geeignet halte, um ihn bei Geschlechterallerlei zu thematisieren. Es ist eine Art ideologisches Gesamtpaket, in dem Feminismus nur ein Teilaspekt ist, der aber häufig aus derselben politischen Ecke kommt, wie die demagogische Grütze in dem Video.

Zunächst einmal: Mimik und Gestik von Katharina Schulze lassen eine Aufgeregtheit deutlich werden, für die Andere den diffamierenden Begriff „Wutbürger“ aufgedrückt bekämen, was nichts anderes zum Ausdruck bringen soll, als dass sich jemand zu sehr von seinen Emotionen leiten läßt und dabei nicht mehr rational denkt.

So bei den Anderen, nicht bei Katharina Schulze. Natürlich ist das keine Wut im oben genannten Sinne, sondern aufrechte Aufregung gegenüber falschem politischem Handeln. Das ist was gaaaaaanz anderes als das, was ein Wutbürger fabriziert. Das eine ist gerecht, das andere ist falsch. Sonst hätte sie sicherlich nicht dieses Video veröffentlicht. Da dürfen halt Augenrollen und sarkastische Zickigkeit gezeigt werden.

Es offenbart sich die Ideologie. Die tiefste Überzeugtheit, auf der richtigen Seite zu sein und der unbedingte Glaube an eine bessere Welt, die nur durch Protagonisten der eigenen Seite erreicht werden kann. Alle anderen müssen nur noch „bekehrt“ werden. So wollen Politiker ja auch immer gerne „Wutbürger“ abholen, sie „mit ihren Sorgen“ (wieder ein ein stiller Hinweis auf irrationale Gefühle) „nicht alleine lassen“. Was die „bessere Welt“ ist, das obliegt natürlich ebenfalls der Deutungshoheit der Ideologen. Ein geschlossenes System, in dem andere Ansichten und andere Vorstellungen darüber, in welche Zukunft ein bestimmtes Handeln mündet, verteufelt werden.

Dabei ist jedes Mittel recht, der Zweck heiligt bekanntlich alles. So scheut sich die Grüne auch nicht vor Demagogie zurück. Oder was sollte die verbale Verbindung zwischen ertrinkenden Flüchtlingen im Mittelmeer und den wie auch immer genannten Zentren an innerdeutschen Grenzen (von Schulze natürlich als „Lager“ tituliert)? Will sie etwa unterstellen, der CSU / Seehofer wäre es gleich, ob Leute ertrinken? Oder was sollte die bloße Behauptung, die „alten, weißen Männer hätten Angst vor Vielfalt“, die im Brustton einer Diagnose daherkommt? Und überhaupt: Warum ist gerade sie als ach-so-demokratische Grüne so diskriminierend unterwegs? Wieder ein Zeichen der Ideologie, die das rechtfertigt. Da darf man das, es richtet sich ja gegen die, die mit ihrer Meinung falsch liegen.

Ich habe auch keinen Bock mehr, Frau Schulze. Keinen Bock mehr auf ideologisch Verblendete, deren Phantasie nicht dafür ausreicht, zu erkennen, wohin ihre Politik führt. Nein, man erreicht die Wolkenkuckucksheim-Zukunftsvison nicht dadurch, dass man so handelt, als sei sie bereits da und alle würden sich an ihre gut gemeinten Regeln halten. Wenn Leute wie Sie so weitermachen, werden wir all das Gute verlieren, was bereits errungen wurde, insbesondere in der Frauenpolitik.

Und hängen Sie ihr „Frauenpower“-Blechschild wieder dorthin, wo es vor der Videoaufzeichnung hing. Sie sollten die Männer nicht vorschnell abschreiben. Weder Alte noch Junge. Ihre Beweihräucherung des eigenen Geschlechts entspringt auch nur ihrem ideologischen Denken. Wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit mehr Gleichheit?

PS: Einen sehr lesenswerten Artikel, der zur Thematik paßt, findet man übrigens hier.

 

Männerbilder

Am meisten habe ich mir gerade Gedanken über den Titel dieses Blogbeitrages gemacht. „Männerbilder“ scheint mir passend, weil es um die Ausprägungen von „Mann sein“ in unterschiedlichen Kulturkreisen geht. Der Titel klingt harmlos, aber es kommt gleich kein weichgespültes Blabla aus dem Elfenbeinturm. Ich möchte nämlich auf einen interessanten Artikel vom Portal „Achse des Guten“ hinweisen. Er stammt von Cora Stephan und heißt Generalverdacht rettet Menschenleben.

Es geht um Morde an jungen Mädchen von Asylanten und darum, wie in der Gesellschaft damit umgegangen bzw. nicht umgegangen wird (denn es bleiben Dinge ungesagt, und denen, die nicht schweigen, wird eben „rechtes Gedankengut“ unterstellt, was ebenso zu einer Nicht-Beschäftigung mit den Hintergrunden führt). Gerade deshalb verlinke ich hier den Artikel. Es wird nicht mehr geschwiegen. Punkt. Und es geht um Widersprüche zwischen der Beurteilung / dem Umgang mit dem Verhaltens von Männern aus unterschiedlichen Kulturkreisen.

Ein Auszug aus unverblümten Worten:

Die nicht so braven Mädchen finden die käsigen Jungs langweilig, die sie schon seit dem Kindergarten oder der Schule kennen. Da sind die fremden Männer weit attraktiver, die sich nicht nur im Aussehen so deutlich unterscheiden. Sie haben eine abenteuerliche Reise hinter sich, vulgo „Flucht“, sie geben sich stolz, sie haben „Ehre“, sie sind keine Weicheier wie so ein langweiliger Deutscher, kurz: sie sind attraktiv und versprechen Aufregung.

Und heißt es nicht in der Öffentlichkeit der Gutmeinenden, man müsse sich den Fremden gegenüber aufgeschlossen zeigen, sie willkommen heißen, sich ihnen vorurteilsfrei nähern? Man dürfe keine „diffuse Angst“ haben oder gar, genau, unter diesem bösen „Generalverdacht“ leiden? Wem glaubt ein junges Mädchen mehr, den Eltern oder dem, was sie im Fernsehen oder Radio hört?

Seit Monaten wird jungen Menschen das ganz normale Verhalten ausgeredet, nämlich gegenüber Fremden vorsichtig zu sein. Susanna tat nur, was die Gutmeinenden empfahlen. Die warnten nicht vor den jungen Männern aus Afrika oder dem Orient, sondern beschäftigten sich lieber mit Kampagnen aufrechter Feministinnen gegen die toxische Männlichkeit des weißen Mannes, der schon beim Flirt oder per Kompliment Gewalt ausübe. Wir lernen: Beim weißen Mann kommt es nicht so aufs Differenzieren an. Jörg Kachelmann durfte man bekanntlich monatelang vorverurteilen.

Die Kämpferinnen gegen den westlich geprägten (nicht nur) weißen Mann haben offenbar noch immer nicht gemerkt, dass sich ihr Generalverdacht an die falsche Adresse richtet und dass sie sich mit einer anderen weit toxischeren Männlichkeit gemein machen. Dass seit 2015 vermehrt Männer mit gänzlich anderen Verhaltensmustern als die, an die wir uns hier zulande gewöhnt haben, zu uns gestoßen sind, dass sie insbesondere ein anderes Verhältnis zu Frauen haben, das weit gefährlicher sein kann.

Kulturelle Differenzen machen das Leben nicht nur bunt und lustig und weltoffen und verschwinden im übrigen auch nicht mit dem Deutschkurs. Das Frauenbild, das Männer mitbringen, die aus paternalistisch und islamisch geprägten Kulturen kommen, ist das krasse Gegenteil dessen, was man in Deutschland hochhält. Nicht nur Frauen sollten das begreifen. Auch Männer.

Auch der gut erzogene neue deutsche Mann muss aufpassen. Er hat gelernt, lieber ein nettes Wort zu wenig als eins zu viel zu sagen. Er weiß jetzt, dass jede Jugendsünde noch nach Jahrzehnten den öffentlichen Schandpfahl und den Verlust von Ruf und Karriere nach sich ziehen kann, weshalb er schon heute kein Risiko mehr eingeht. Sollte ihm wider Erwarten doch noch eine Beziehung gelungen sein, sieht man ihn mit Beanie auf dem Kopf und Baby vorm Bauch traurigen Blicks durch die Fußgängerzone ziehen, wobei er auch das mit dem Baby ganz gewiss nicht richtig macht.

Und jetzt das. Nicht nur #Metoo-Aktivistinnen, die den weißen Mann generalverdächtigen, machen ihm das Leben schwer, auch andere Kerle haben ihm den Krieg erklärt. Die Attacken auf feiernde Frauen etwa am Silvesterabend 2015 in Köln hatten ja keineswegs nur oder vor allem die Frauen zum Ziel. Sie sollten den einheimischen Männern demonstrieren, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Töchter, Freundinnen, Schwestern, Frauen, Mütter zu beschützen, wenn anders sozialisierte Männer es auf Belästigung und Schlimmeres anlegen. Die Silvesternacht 2015 markiert die Krise des weißen deutschen Mannes, der hilflos zwischen den Fronten steht: hie wütende Aktivistinnen, die es darauf anlegen, ihn des Verbrechens gegen die Frau, wann und wie auch immer, zu überführen, dort die Konkurrenz durch übergriffige Machos, die ihm ebenfalls beweisen, dass alles brav Gelernte für die Katz ist.

Denn es gibt ja auch andere Frauen, jung und alt, die den Macho vorziehen, so einen jungen Orientalen, der viele schöne Worte um Stolz und Ehre macht und noch Liebesschwüre kennt wie „du bist mein Mond, mein Augenlicht, meine Nacht“. Erst, wenn sich die Annalenas und Hannahs von dem gefühlvollen Anbeter trennen wollen, merken sie, was unter den schönen Worten und dem Stolz und der Ehre verborgen liegt: Zorn. Gekränkter Stolz kann tödlich sein. Ein Messer findet sich schließlich an jeder Ecke.

 

Warum Maskulismus und Feminismuskritik rechts sind

rechtsspongebob
Diese zwei Mitbürger in ihren Filterblasen sind nicht gerade für ihre Klugheit bekannt; aber eines wissen sie sicher: rechts = BÖÖÖSE!

Nach feministischer Lesart sind Maskulismus und Antifeminismus rechts. Ich meine, dass sie damit rechts.. äh recht und unrecht zugleich haben.

 

1. Wenn alle links sind ist niemand links – die Relativität des politischen Standpunktes

Viele Maskulisten und Feminismuskritiker z.B. Hoffmann, Schoppe und uepsilonniks wehren sich gegen diesen Vorwurf (dazu unten mehr) des „Rechts-sein“ und verstehen sich selbst als Linke und zwar eben weil sie Männerrechtler sind und nicht weil sie außerdem auch noch klassische linke Ansichten haben. Mein Vorredner lionosys dazu:

Auf dieses Spiel sollten wir uns nicht einlassen und deshalb finde ich es unproduktiv, beweisen zu wollen, wie „links“ die Männerbewegung doch ist. Da folgt man nur dem Mainstream: links = progressiv und gut, rechts = stehengeblieben und falsch.“

Ich sehe das genauso. Doch auch unabhängig davon könnte man sich als Männerrechtler ja einfach geschlechterpolitisch links einordnen, egal was die blöden Femis dazu sagen. Doch ich meine, dass das nicht so einfach ist, weil man nicht selber entscheiden kann, was links und was rechts ist, wie ich im folgendem ausführlich erklären werde.

 

Die Natur des Pluralismus

Doch was soll eingentlich diese Wissenschaft über rechts-links-Einordnungen? Viele lehnen heute diese Art der Einordnung generell ab, da sie sich nicht in politische Schubladen stecken lassen wollen; so auch lionosys:

Ist die Männerbewegung also links oder rechts? Ich meine, sie ist weder links noch rechts, sondern gerecht.“

Sowohl Rechte als auch Linke behaupten in aller Regel, dass sie sich für Gerechtigkeit einsetzen. Das Verständnis von Gerechtigkeit ist also unterschiedlich, einen Konsens darüber gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Warum? Eben weil es eine gesellschaftliche Spaltung in ein wie auch immer geartetes „links“ und ein wie auch immer geartetes „rechts“ über genau diese Frage, was Gerechtigkeit ist, gibt. Würden unter „Gerechtigkeit“ alle dasselbe verstehen, braucht es keine Demokratie und keinen Diskurs über links und rechts mehr. Das Rechts-links-Schema liegt in der Natur des Pluralismus.

 

Aber was heißt nun rechts und links?

Man stelle sich einen Raum vor, indem zwei Personen sitzen, die ein politisches Problem diskutieren. Der eine meint X und der andere Y. Der erste sitzt rechts im Raum und der zweite links. Dann ist Ansicht X rechts und Ansicht Y links. Das ist die Geburt des pluralistischen Parlamentarismus. Mehr bedeuteten rechts und links ursprünglich nicht. Man kann sich also nicht aktiv rechts oder links positionieren, sondern man hat eine Meinung und ist durch diese passiv im politischen Spektrum positioniert. Streng genommen kann auch nicht eine Person als Ganzes „rechts“ oder „links“ sein, sondern die rechte oder linke Positionierung ist von der konkreten Frage abhängig. Jemand der geschlechterpolitisch in diesem Sinne rechts steht kann einwanderungspolitisch links stehen etc. De facto ist es aber regelmäßig so, dass es rechte und linke Blöcke oder Lager mit relativ einheitlichen Standpunkten gibt; was sich in der Parteienbildung manifestiert.

Aufgrund dieser Verstetigung des Lagers und der Parteienbildung hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass „links“ und „rechts“ einen konkreten Inhalt(Essenz), also auch eine wie auch immer geartete essenzialistische Definition haben. So z.B. Wikipedia:

„Die […] Strömungen der politischen Linken eint dabei, dass sie von der Gleichheit der Menschen ausgehen.“

und

„[Die Rechte] geht von einer Verschiedenheit der Menschen aus“

Beides mag oft zutreffen, aber ich halte diese Definitionen für unbrauchbar, da „Gleichheit“ zu sehr Auslegungssache ist, wie man z.B. an der aktuellen Geschlechterdebatte gut beobachten kann. Dass die Linke sich nur all zu gerne in identitätspolitischen Unterscheidungen der Menschen übt, ist außerdem kein neuer Trend, sondern hat lange Tradition, wie im Geschichtsteil ausführlich erläutert wird. (siehe unten)

Ich halte es generell für aussichtslos, semantisch völlig unpolitischen Wörtern wie links ,rechts, Norden, Süden, hinten und vorne einen festen weltanschaulichen Inhalt anzudichten. Sie bezeichnen eben (theoretisch) nichts anderes als eine Relativität.

Gibt es nun einen linken Maskulismus oder Antifeminismus? Nein; denn dies folgt dem problematischen essentialistischem Verständnis von links und rechts. Progressive Maskulisten und liberale oder wertkonservative Antifeministen haben zwar unterschiedliche Ansichten, sind aber trotzdem alle rechts; ganz einfach deswegen, weil Feminismus links sitzt. Ist halt so. Na und? Ist auf der rechten Seite die Luft schlechter oder warum wollen alle links sitzen? Und was passiert, wenn alle links sitzen wollen, obwohl sie komplett konträren Lagern angehören? Dann ist die Bezeichnung „links“ nur noch ein hübsches (und teures) Label und „recht“ nur noch ein billiger Vorwurf und kein analytischer Begriff. Und das ist genau die Situation, die wir heute haben.

Sicherlich ist es so, dass die Maskulisten, die sich als links bezeichnen, ursprünglich aus dem linken Lager kommen und viele politische Positionen vertreten, die auch heute noch irgendwo links angesiedelt sind. Fakt ist aber trotzdem, dass der Feminismus (bisher noch) fest zum linken Lager gehört und zwischen den Femis und ihren Kritikern ein Graben geöffnet wurde der so breit ist, dass es unzulässig wäre, ihn zu ignorieren. Man kann nicht leugnen, dass man geschlechterpolitisch auf der anderen Seite steht.

Der Grundgedanke dieses Blogbeitrags ist also keineswegs zu erklären, was Männerrechtler und Antifemis eigentlich für fiese Nazitypen sind, sondern mein Anliegen ist es, die Kategorien „links“ und „rechts“ rein relativistisch, inhaltslos und damit politisch wertfrei zu betrachten.

 

2. Rechts und Links im frühen Parlamentarismus bis heute

Ein kleiner historischer Abriss der Geschichte des rechts-links-Schemas um den heutigen Diskurs über links und rechts zu verstehen und um zu sehen, wie wechselhaft „links“ und „rechts“ sind. Er spiegelt nicht immer den geschichts- und politikwissenschaftlichen Konsens wieder, sondern oft eher meine eigene Interpretation.

 

1789 – Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Da das Verständnis von „links“ und „rechts“ heute wesentlich mit dem politischen Spektrum des 20. Jahrhunderts verknüpft ist, geht man oft davon aus, dass „links“ generell was mit Sozialismus und „rechts“ generell mit z.B. Nationalismus zu tun hat. Tatsächlich stammt die rechts-links-Logik aber aus der Zeit der Französischen Revolution. Als Linke galten damals die Anhänger der Revolution, also Republikaner; einfach deswegen weil die links im Plenum der Nationalversammlung saßen, während die Monarchisten bzw. Loyalisten eben rechts saßen. Aus dieser Situation heraus bildeten sich die Bezeichnungen „rechts“ und „links“ als Überbegriffe für die zwei wichtigsten politischen Spektren der Zeit.

Dieses französische Schema wurde im deutschen Vormärz übernommen, also in der Zeit der ersten liberalen Bewegungen in Deutschland. Es gab zwar bis zur Revolution 1848 noch kein Parlament, in dem man „rechts“ oder „links“ hätte sitzen können; doch die politische Landschaft war mit Frankreich vergleichbar – mit einem wichtigen Unterschied: Die liberalen bzw. republikanischen Bewegungen in deutschen Ländern waren deckungsgleich mit der deutschen Nationalbewegung. Im Gegensatz zu Frankreich gab es noch keinen geeinten deutschen Nationalstaat sondern die sog. „Kleinstaaterei“; also eine Vielzahl souveräner deutscher Monarchien – die alle mehr oder weniger undemokratisch waren. Die deutschen Linken, die für Freiheit, Verfassung und Menschenrechte kämpften und die alte monarchische (bzw. restaurative) Ordnung abschütteln wollten, waren nun gleichzeitig auch die Vorkämpfer der deutschen Einheit; also Nationalisten. Das nationalistische Spektrum des frühen 19. JH. reichte von gemäßigten, liberalen bis hin zu Antisemiten und Franzosenhassern, die eine blutsreine germanische Nation fantasierten. Dazu der Historiker Werner Winkler:

„Der deutsche Nationalismus war von Anfang an belastet durch sein ambivalentes Verhältnis zum revolutionären Frankreich. So stand etwa Fichte im damaligen zeitgenössischen Diskurs zwar eher ‚links‘, er war eher ein Republikaner als ein Verteidiger der bestehenden Ordnung. Andererseits aber führte der Kampf gegen Napoleon dazu, dass Nationalisten wie Fichte, Arndt und Jahn Frankreich zur Bedrohung schlechthin, ja zum ‚Erbfeind‘ erklärten.“

[Winkler im Interview mit dem ZEIT-Geschichte 3/2010 S.25]

wartburgfest
Kleine Koran-Grillparty beim AfD-Ortsverein? Nicht ganz. Es handelt sich um das Wartburgfest 1817. Revolutionäre Studenten versammeln sich, halten demokratische und nationalistische Reden und verbrennen Bücher, die nicht politisch korrekt (zu konservativ oder zu jüdisch) sind – die erste linke bzw. linksradikale Großdemo der deutschen Geschichte. Sag mal, ist der zweite von rechts nicht Björn Höcke? Und da, der ganz linke – Mensch, ich werd verrückt, das ist doch Claudia Roth!

All dies war zusammen mit liberalen, republikanischen und demokratischen Ideen nicht nur irgendwie Teil der Linken, sondern das war die Linke an sich. Und zwar die erste politische Linke auf deutschem Boden. Einen deutschen rechten Nationalismus gab es im Vormärz noch nicht, denn die Rechten (also die konservativen Monarchisten) bekämpften die deutsche Einheit und den Gedanken der Volkssouveränität nach Kräften um die Herrschaft der Könige und Fürsten aufrecht zu erhalten. Als die Märzrevolution dann in die Paulskirchenversammlung – dem ersten deutschen Parlament – mündete; erfolgte die Sitzordnung und Bezeichnung der Lager nach dem Schema:

Rechts: Monarchisten/Konservative

Mitte: Konstitutionelle Monarchisten

Links: Republikanische Nationalisten

 

Zweite Hälfte des 19. JH – 1945

Doch warum ist Nationalismus dann heute rechts, wenn er ursprünglich links war?

Dazu wieder Winkler:

„Zu einer ausgeprägt rechten Ideologie ist der Nationalismus erst in den 1870er Jahren geworden, als die Abgrenzung vom internationalen Proletariat für das Bürgertum in den Vordergrund rückte“

[ebd.]

Spätestens als 1871 Bismarck (Im Spektrum von 1848 ein antiliberaler und antirepublikanischer Rechtsextremer) mit „Blut und Eisen“ einen autokratischen deutschen Nationalstaat unter Führung des preußischen Königs errichtete, änderte sich das rechts-links-Schema, denn die deutsche Einheit und Verfassung war nun Konsens; auch der Republikanismus der 48er war marginalisiert, da die gescheiterte Revolution von 1848 die freiheitlichen Ideen verblassen ließ. Das neue gesamtdeutsche Bürgertum war kaisertreu oder katholisch, aber nicht mehr liberaldemokratisch.

Das Rechts-links-Schema wurde nun durch die neu entstandene Arbeiterbewegung bestimmt. Nationalistische und loyalistische Adlige und Großbürger standen der internationalistischen Arbeiterbewegung gegenüber. D.h.: Die neue Rechte verteidigte die Einheit des Volkes und den preußischen Obrigkeitsstaat gegen den internationalen Klassenkampf der neuen Linken. Hinzu kam noch das katholische Zentrum und Reste der Nationalliberalen in der Mitte. Dieses Rechts-links-Schema blieb bis in die Weimarer Republik (1918-1933) erhalten.

In der Diktatur des Nationalsozialismus gab es kein rechts und links, weil es keinen Pluralismus gab; ähnlich ist es ab 1949 in Ostdeutschland. Hitler war also ab der Ausschaltung seiner Gegner nicht mehr „rechts“.

 

BRD bis 2010er

Nach 1945 waren Militarismus, Autoritarismus und radikaler Nationalismus nur noch randständig. Rechts saßen nun erstmals rein bürgerliche Konservative (also keine Adligen und Militärs mehr), die einen liberaldemokratischen Rechtsstaat schufen, die Wirtschaft wieder ankurbelten, Hand in Hand mit der SPD einen Sozialstaat und feste transatlantische und europäische Beziehungen aufbauten. Die Union sozialdemokratisierte sich teilweise, ging aber entschieden gegen den Kommunismus vor. Sich als „rechts“ zu bezeichnen war nun nicht mehr en Vogue. Rechts sind die überwundenen Nationalsozialisten, aber man selbst ist nur „mitte“, „konservativ“ oder „bürgerlich“, denn das klingt nach dem nationalsozialistischen Trauma verträglicher als „rechts“. Aufgrund dieser Diskursstrategie wird der Begriff „rechts“ tabuisiert.

Auf der anderen Seite formt sich in den 60er und 70er Jahren die Neue Linke: die APO (außerparlamentarische Opposition) und die Neuen Sozialen Bewegungen. Sie stehen für Sozialismus, Abrüstung und Antiimperialismus, konsequente Entnazifizierung, Ökologie, Abkehr von der Spießerkultur der 50er und eine neue Frauenrolle. Links-sein erfährt eine Aufwertung: es bedeutet nicht mehr nur grimmiger Parteisoldat oder bürgerlicher Sozi zu sein, sondern ist jetzt auch hip, intellektuell, liberal, menschlich, vielfältig und äußerst kreativ; auch wenn der politische Radikalismus bekanntlich nie komplett verdrängt wurde (siehe RAF und K-Gruppen). Ein starkes linkes Selbstbewusstsein entsteht, das im krassen Gegensatz zur Blassheit der konservativen Elite steht. Agenda und Werte der 68er gehen um die Jahrtausendwende in die deutsche Mehrheitsgesellschaft über.

1990 fällt durch den Zusammenbruch des Ostblocks der Kommunismus als Feind der Konservativen weg. Die soziale Marktwirtschaft wird Konsens und „Linkssein“ entkoppelt sich vom Sozialismus. Eine traditionelle Arbeiterklasse gibt es in der Dienstleistungsgesellschaft des späten 20. Jahrhunderts ohnehin nicht mehr. Die fortschreitende Europäisierung und Globalisierung machen den Nationalismus bedeutungslos. Dies alles führt dazu, dass es in den 2000ern kein klares rechts-links-Schema mehr gibt. Stattdessen breiten sich die Phänomene der Post-Politik („alternativlos“) und Politikverdrossenheit aus, deren Erklärung mir hier zu weit geht. Zusätzlich breiten sich von den Universitäten ausgehend der Feminismus der dritten Welle und Antirassismus aus, die die politische Linke erneuern. Weil die konservative „Mitte“ (die nicht ja immer noch nicht rechts sein möchte) dem nichts brauchbares entgegensetzt, gehen sie fließend in den den politischen Mainstream über.

Zum „Einheitsbrei“ der Mitte aus Union und SPD gibt es daher nur eine schwache Opposition von links. Die Linken sind selber in einer Identitätskrise, da sie nun zum einen selber in den Mainstream aufgegangen sind und zum anderen weil die Planwirtschaft moralisch bankrott ist. Die in den 60er Jahren geformte Linke droht unbrauchbar zu werden. Doch sie profiliert sich neu. Ab den 90er Jahren rückte das Problem der Ausländerfeindlichkeit und der Neonazi-Szene verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit; insbesondere in Ostdeutschland. Die Linke; fernab davon, für die Lage der jungen oft proletarischen Männer der rechtsextremen Szene Lösungen anzubieten, entdeckt den Neonazi als neuen Erzfeind und konzentriert wie nie zuvor auf den Antirassismus. Sie versucht ferner ihre linke Identität dadurch zu retten, dass sie sich im Feminismus und anderen Formen von political Correctness versteigt. Als sich in den 2010ern die Neue Rechte als EU- und einwanderungskritische Bewegung bildet, fürchtet die etablierte Linke um ihre Diskurshoheit und ruft zum Kreuzzug gegen rechts.

 

3. Der identitätspolitische Kampf „gegen rechts“ – Der undemokratische Kult um ein Tabuwort

gegenrechts
Omas, Rock und Heiko Maas (also alle relevanten Vertreter der Gesellschaft) sind gegen alles, was recht äh.. rechts ist – also auch gegen Männerrechte und Feminismuskritik.

„Gegen rechts“ – was soll das heißen? Wer oder was ist dieser „rechts“ was ist so schlimm an ihm und warum gibt es nicht auch Kampagnen „gegen links“ und „gegen mitte“ ? Natürlich kann man gerne gegen eine beliebige rechte Position sein, aber dann nenne man diese doch bitte beim Namen und erkläre warum man sie ablehnt; anstatt dass man einfach in einem Akt kollektiver Selbstvergewisserung klar stellt, dass man irgendwie gegen rechts ist. Dieses Bekenntnis ist keine Argumentation sondern reine identitäre Abgrenzung im Sinne eines Lagerdenkens. Die „gegen-rechts“-Kampagnen sind nur deshalb möglich, weil es aufgrund einer linken Diskurshoheit in dieser Gesellschaft möglich ist, mit einem komplett unspezifischen Schlagwort, das ultimativ alles bezeichnet, wogegen Linke sein könnten ein Feindbild beschwören kann; vor dem sich das ganze feige Bürgertum wie ein Kind fürchtet: Den Rechten schlechthin – den herrschsüchtigen, brutalen, autoritären General, Führer, Vater. Und alles, was nun rechts ist, d.h. alles was deutliche Kritik am herrschenden linken Diskurs übt, kann nun mit diesem Feindbild belegt werden. Die Rechten denken sich, dass es sie nicht betrifft, schließlich sind sie ja „liberal“ oder „mitte“ oder dergleichen aber doch um Gottes Willen nicht r.. r.. rechts. Sie leisten also aus Angst vor der Diffamierung keinen Widerspruch und lassen die Linken gewinnen.

ludendorff
Eine Gruppe Männerrechtler, wie sie sich Feministen vorstellen. Man erkennt sie leicht an dem Phallussymbol auf dem Kopf, den griesgrämigen Gesichtern und daran, dass sie grundsätzlich sehr schwarz-weiß abgebildet werden. So oder so ähnlich ist auch das Feindbild der „Rechten“, das viele Bürger haben, die zwar gegen den mitte-links-Mainstream sind, aber trotzdem um Gottes Willen nicht „rechts“ sein wollen.

So ist auch erklärbar, warum liberale, sozialdemokratische oder progressive Feminismuskritiker sich nicht als „rechts“ bezeichnen lassen wollen. Sie verstehen, dass Feministen sie mit dem Nazismus und AfD in Verbindung bringen wollen, was nichts anderes als eine bewusste Diffamierung ist. Gleichzeitig haben sie genauso wie die Linken ein Feindbild vom bösen Rechten im Kopf, das wesentlich durch die radikalen nationalistischen Kräfte aus der deutschen Geschichte bestimmt ist. Ich kann daher ihre Positionierung als „links“ gut verstehen doch besser wäre es wenn sie das alberne und seinem Wesen nach antipluralistische „anti-rechts“-Tabu brechen und sagen: „Natürlich stehe ich geschlechterpolitisch rechts. Wo sollte ich sonst stehen, wenn links und mitte Ignoranz, Autoritarismus und Prüderie herrschen?“

 

4. Versuch einer Prognose

Da, wie gezeigt wurde, das rechts-links-Schema großen Schwankungen unterliegt, ist nicht gesagt, dass Maskulismus/Antifeminismus für immer rechts bleiben müssen. Ich prognostiziere, dass die geschlechterpolitische Diskurshoheit des Feminismus in den kommenden Jahren zusammenbricht. In FDP, Union, SPD und AfD wird man sich verstärkt der Männerbewegung zuwenden. Das hat zwei Effekte: Erstens wird die Männerbewegung dadurch in verschiedenen Lagern (rechts, links und mitte) anschlussfähig und zweitens wird sie sich politisch ausdifferenzieren in die wertkonservativen, liberalen und sozialdemokratischen Strömungen; die dann rechts, mitte und links sitzen werden.

Der Feminismus hingegen könnte, wenn er nicht völlig bedeutungslos wird, auch bei den Rechtskonservativen eine neue Karriere machen. Wie z.B. Lukas Schoppe dargestellt hat, ist feministische Ideologie dort theoretisch sehr anschlussfähig. Die ganze neumodische Frauenschützerei entspringt meiner Meinung nach eh unbewusstem und stark pervertierten Patriarchalismus. Des Weiteren hat auch der rechte anti-islamische Feminismus gute Zukunftsaussichten. Die Geschichte ist noch nicht geschrieben, aber gegenwärtig muss man nun mal den rechten Platz einnehmen, auch wenn da Leute sitzen, die man nicht leiden kann. Aber sitzen auf der anderen bessere? Saßen da je bessere? Sofern ich mich rechts gesinne …äh.. recht entsinne, eher nicht.

Um noch ein bisschen rechts-links-Verwirrung zu stiften: Ein schöner linksradikaler Schlager aus weimarer Zeit. Den würden Linke heute nicht mehr in Mund nehmen, kommt „Nation“ drin vor.

Sind Männeranliegen links oder rechts?

Der Beitrag Warum Maskulinismus nicht rechts ist des Blogs uepsilonniks geht auf die übliche Diffamierung der Männerrechtsbewegung als „rechts“ und „nazi“ ein und begründet dann, warum Maskulismus eben nicht „rechts“ ist. Ich hatte unterhalb des Beitrags schon einen kurzen Kommentar abgegeben, möchte aber nochmals auf diese Thematik eingehen.

Ist die Männerbewegung also links oder rechts? Ich meine, sie ist weder links noch rechts, sondern gerecht. Denn darum geht es: Gerechtigkeit, unabhängig davon, unter welchem anderen Begriff diese auch daherkommt. Auch bei der Frauenbewegung ging es übrigens um eine gerechte (Gleich-)Behandlung und es ist bei ihrem Pendant eben nicht anders.

Weder die Bewertung einer Sache/Situation als ungerecht, noch das Verlangen, eine Ungerechtigkeit beseitigt wissen zu wollen, ist an eine politische Strömung gebunden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Menschen unterschiedlichster politischer Couleur für dieselbe Sache streiten. Man kann zwar einwerfen, dass dies dann aus unterschiedlichen Beweggründen geschen kann, dies sehe ich aber speziell bei der Männerbewegung nicht. Es geht konkret darum, dass auch Männern Gerechtigkeit widerfährt (insbesondere bei Familienrechtsfragen oder Benachteiligungen, die wiederum aus einer übertriebenen Frauenförderung wie z.B. Quoten resultieren).

Es sind die Gegner der Männerrechtsbewegung, die diesbezüglich gerne ein Bild von unzulässigen Beweggründen konstruieren, nämlich den Beweggründen des Machtanspruchs, der Vorreiterrolle und des Wiederherstellens alter Positionen.

Nur deshalb gelingt das Spiel mit den Diffamierungen als „rechts“ und „nazi“ vordergründig auch so gut. Was ist im übertragenen Sinne schon „älter“ als das Gedankengut der 30er und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts? Es sind Assoziationen, mit denen die Gegener zu überzeugen versuchen: Wer was für die Männer tut, will frühere Zustände zurück. Wer frühere Zustände will, ist konservativ. Wer konservativ ist, ist rechts. Wer rechts ist, ist nazi.

Auf dieses Spiel sollten wir uns nicht einlassen und deshalb finde ich es unproduktiv, beweisen zu wollen, wie „links“ die Männerbewegung doch ist. Da folgt man nur dem Mainstream: links = progressiv und gut, rechts = stehengeblieben und falsch.

Denn das sind ebenfalls die falschen Argumente für die Männerbewegung. Die Männerbewegung muss sich nicht über die politische Zugehörigkeit rechtfertigen, sondern über den Nachweis, dass bestimmte Ungerechtigkeiten vorhanden sind und die Notwendigkeit, dass diese geändert gehören.

Das Ende einer Vaterschaft

Als ich heute nach Hause kam, lag der Brief vom Amtsgericht im Flur. Die Adoption ist nach mehreren Monaten durch, ich bin auf dem Papier kein Vater mehr. Trauer überkommt mich, auch wenn lediglich das offiziell wurde, was schon lange gegeben war.

Mein Sohn wird dieses Jahr 16. Es ist über 5 Jahre her, seitdem ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Und auch zu der Zeit waren es nur wenige Treffen im Jahr, an Samstag- oder Sonntagnachmittagen, für wenige Stunden und unter Begleitung der Mutter. Weil sie es so bestimmt hat. Wir, als Eltern, hatten uns schon lange nichts mehr zu sagen.

In einer angespannten Atmosphäre tigerten wir dann gemeinsam durch die Stadt, besuchten Museen oder Spielhäuser. Wozu der Junge halt Lust hatte. Keine Chance für Vater und Sohn, sich richtig auszutauschen, sich nahe zu sein.

Ich muß dazu sagen, dass ich ihn nie wirklich hatte. Mit der Kindsmutter war es immer eine Fernbeziehung über etliche 100 km. Diese Beziehung war schon am Ende, als das Kind kam. Die ersten gut 2 Jahre besuchte ich ihn noch regelmäßig. Im Haus der Großeltern, wo auch meine Ex noch wohnte. Dann wurde auch diese Konstruktion immer unmöglicher. Die große Entfernung und das wir Erwachsenen nichts mehr miteinander anfangen konnten, forderten Tribut. Aus früherer Liebe war Abneigung und Hass geworden. Ich ging und kam nicht wieder.

Nur wenige Monate später versuchte ich wieder Kontakt aufzubauen. Was sie dann nicht mehr wollte. Auch verständlich, im Nachhinein. Jahre später, kurz vor seiner Einschulung dann plötzlich eine Kontaktaufnahme von ihr. Ich war dann beim Einschulungstermin dabei und damit begannen dann die oben erwähnten Treffen.

Ich habe mir immer gewünscht, diese Treffen auf andere Beine zu stellen. Dass ich ihn hätte alleine sehen können. Aber da biß ich auf Granit.

Ich erinnere mich an zwei besondere Momente. Einmal standen wir zum Abschied vor dem Bahnhof. Mein Junge sprang bei der Umarmung an mir hoch, umklammerte mich mit den Beinen und ich hielt ihn fest. Ich sprach davon, dass ich ja bald wiederkommen würde. Er sagte: „Könnten wir nicht alle … “ und brach dann den Satz ab. Ist es nur meine Phantasie, dass ich glaube, dass der Satz ungefähr mit “ … zusammen sein“ enden sollte? Er es aber nicht aussprach, weil die Mutter daneben stand, die mich in ihrem Lebenskonzept nicht gebrauchen konnte? Jahre später sagte sie mir wortwörtlich „ich will ihn nicht mit dir teilen“.

Bei einem anderen, viel späteren Treffen musste meine Ex noch mal zur Wohnung zurück, da sie ihr Portemonnaie vergessen hatte. Wir hatten ein paar seltene Minuten, vielleicht 10, für uns. Auch da sprang er sofort wieder in meinen Arm und hangelte an mir herum. Was er in dieser Form nicht tat, wenn die Mutter dabei war. Ich glaube, dass er in einem Loyalitätskonflikt war.

Nein, ich hätte nicht zum Vollzeitvater getaugt, das weiß ich. Aber ich bin mir sicher, dass es was mit uns hätte werden können. So, wie es war, war es allerdings zum erneuten Scheitern verurteilt. Alles nur eine Frage der Zeit. Es sollte sich nichts entwickeln.

Zwischenzeitliche „Aussprachen“ zwischen der Ex und mir endeten im grummelnden Gewitter. Erste Andeutungen wurden geäußert, dass man es gerne hätte, wenn ich meinen Sohn zur Adoption freigeben würde, damit der jetzige Ehemann meiner Ex ihn annehmen könnte. 4 Jahre vergingen, ohne dass wieder was passierte. Im letzten Jahr kamen dann offizielle Dokumente vom Notar und Amtsgericht. Und ein Brief der Ex, mit der erneuten Bitte um Adoptionsfreigabe … nicht ohne Drohnung, mich finanziell auszunehmen, wenn es nicht dazu käme (ja, es gab Rückstände bezüglich des Unterhalts – weil ich es nicht einsah, zwei Gutverdiener zu alimentieren, gleichzeitig wurde es mir versagt, einen vernünftigen Umgang mit dem Sohn zu haben).

Ich habe es dann gemacht, weil ich letztlich am Status Quo nichts ändern konnte. Die Adoption hatte faktisch längst stattgefunden, auch ohne Brief und Siegel. Und ich habe zugestimmt, weil es letztlich nur Papiere sind. Mein Sohn wird immer mein Sohn bleiben, daran gibt es keinen Milimeter zu rütteln. Meine Ex versprach, einen Brief von mir an meinen Sohn auch auszuhändigen. Diesen habe ich dann geschrieben. Ich habe geschrieben, dass meine Tür jederzeit für ihn offen steht und dass ich mich sehr freuen würde, wenn er irgendwann bei mir klingelt.

Ich weiß, es ist nur eine Hoffnung. Aber die werde ich nicht aufgeben.

Mach es gut, mein Sohn, ich hoffe sehr, wir sehen uns. Ich liebe Dich und bin stolz auf Dich.