Rebecca Solnit und zweierlei Schweigen im »Patriarchat«

Ich werde ja sofort hellhörig, wenn in öffentlichen Debatten (oder, wie man im Internetzeitalter wohl ergänzen muss, in öffentlichen Debatten von hinreichender geistiger Schöpfungshöhe) tatsächlich explizit die Vokabel vom »Patriarchat« verwendet wird. Jetzt ist sie mir in einer Zeitschrift begegnet, die ich abonniert habe, nämlich in den »Blättern für deutsche und internationale Politik«, die als »politische Fachzeitschrift« gilt und dem eigenen Anspruch nach »die größte politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum« ist, und zu deren Herausgeberkreis unter anderem linksliberale Akademiker wie Micha Brumlik, Dan Diner, Claus Leggewie und Jürgen Habermas gehören. In der aktuellen Ausgabe 1’18 findet sich ein Artikel von Rebecca Solnit mit dem Titel »Die Geschichte des Schweigens oder: Wie das Patriarchat uns mundtot macht« (online nur hinter Paywall), der ausweislich Fußnote auf ihrem jüngst erschienenen Buch »Die Mutter aller Fragen« beruht. Da nun die Frage danach, ob und inwieweit es so etwas wie ein »Patriarchat« überhaupt gibt und gegeben hat und ob es zudem sinnvoll ist, die moderne Gesellschaft als »Patriarchat« zu bezeichnen, für mich »die Mutter aller Fragen« darstellt, habe ich mich entschlossen, meiner Lektüre des Artikels einen Blogpost folgen zu lassen.

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Kurznachrichten vom 02.12.2017

Arne hat Recht, die Nachrichtenlage ist gerade ziemlich mau. Aber zwei Nachrichten sollten Euch nicht vorenthalten werden.

1: Die AfD hält an diesem Wochenende in Hannover ihren Bundesparteitag ab. Dabei steht auch ein Antrag zum Verbot der männlichen Beschneidung auf dem Programm, und Spiegel Online entblödet sich nicht, das wie folgt zu beschreiben:

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg fordert unter dem Titel „Diskriminierung des männlichen Kindes stoppen“ ein Beschneidungsverbot – was gegen muslimische und jüdische Kinder zielt.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht die Beschneidung verletzt fundamentale Rechte von muslimischen und jüdischen Kindern, nein, deren Verbot würde das tun.

Bei N-TV wird das nicht ganz so krass dargestellt, aber immerhin so:

Und der Bundestagsabgeordnete Detlev Spangenberg will mit einem Antrag die „Diskriminierung des männlichen Kindes stoppen“ und fordert ein Beschneidungsverbot, was eine direkte Konfrontation gegen Muslime und Juden darstellt.

Nein, nein, es kann natürlich nicht sein, dass sich der Gottseibeiuns für Menschenrechte einsetzt. Die benutzen arme kleine Jungs ja nur, um ihre Islamophobie und ihren Antisemitismus auszuleben. Wisst Ihr was? Es ist mir sowas von scheißegal, warum sie das tun. Hauptsache, es geht in dieser Sache voran. Traurig ist nur, dass bisher alleine ausgerechnet die AfD sich dafür einsetzt. Die anderen Parteien haben sich damit ja bisher nicht mit Ruhm bekleckert, wo sie doch sonst so gerne die Menschenrechte aufs Schild heben. (Um fair zu sein: Ausgenommen die LINKE, die bei dem epochalen Beschluss des Bundestages am 12.12.2012 zur expliziten Erlaubnis der männlichen Beschneidung mehrheitlich dagegen gestimmt hat.)

2: Lauren Southern ist auf eine feministische Demo gegangen und hat den protestierenden Feministinnen eine einfache Frage gestellt. Die Antworten sind bezeichnend: