Müssen die Polen #LGBT akzeptieren? (Teil II)

LGBTberlin
LGBT-Demonstranten: Gleichwertige Lebensentwürfe, die Minderheitenstatus beanspruchen können, wie ethnische oder religiöse Minderheiten? Bildquelle.

Teil I des Artikels hier. Im ersten Teil ging es vor allem um die Kritik des Umgangs mit den Polen und mit abweichlerischen Konservativen im Allgemeinen. Nun soll es um die Bewertung des Phänomens „LGBT“ an sich gehen und einige Schlussbetrachtungen angestellt werden.

 

1. Sind „LGBT“ Menschen oder Ideologien?

Polnische Konservative sprechen immer wieder von „LGBT-Ideologie“ oder auch von „homosexueller Ideologie“ oder „Genderideologie“. Sind dies nur Floskeln, die den Hass gegen sexuelle Abweichler beschönigen sollen, oder steckt mehr dahinter? Präsident Duda erregte Aufmerksamkeit und Empörung, als er öffentlich erklärte:

Sie versuchen euch zu überzeugen, dass [die LGBT] Menschen sind. Aber das ist einfach Ideologie.

(Zitiert nach queer.de)

Dieser Satz wird auf der Gegenseite so verstanden, dass Duda Homosexuellen etc. ihre Menschenwürde abspricht. Anscheinend bezweckt Duda mit dieser unangenehmen Formulierung auch, ein bisschen in politischer Tiefsee zu fischen, doch sich mit dieser Erklärung zu begnügen, wird der Sache nicht gerecht. Wichtiger ist, dass Duda und co. zum Ausdruck bringen wollen, dass sie irgendetwas an der LGBT-Bewegung oder auch an Homo- und Transsexualität an sich „ideologisch“ finden. Was genau Duda meint und ob der gute Mann überhaupt irgendetwas Konkretes im Sinn hat oder nur schwammig daher redet, bleibt im Dunklen – berechtigt ist dieser Punkt aber trotzdem:

LGBT“ (oder LSBTTQI*, LGBTQIA+ o.ä.) steht nicht nur als neutrale Sammelbezeichnung für sogenannte „sexuelle Minderheiten“, sondern dieser Begriff trägt selbst schon politisches Gedankengut in sich. Der Gedanke, dass man alle möglichen Menschen, deren Liebesleben bzw. deren Sexualität von der Mehrheit abweichen, als diskriminierte aber eigentlich irgendwie „gleiche“ Minderheiten, deklariert, ist keineswegs eine natürliche Selbstverständlichkeit. Die LGBT-Bewegung will ihrer Klientel im Prinzip einen ähnlichen Status geben, wie ethnischen und religiösen Minderheiten. Menschen mit eigentümlichen erotischen Neigungen und fragwürdigem Selbstbild („im falschen Körper geboren“) werden als lustige, bunte Sex-Nationen mit eigenen Identitäten, Fahnen und Brauchtümern liebevoll kreiert, bzw. – um einen berüchtigten Soziologenbegriff zu verwenden – konstruiert. Und das ist der springende Punkt: LGBTXYÖ<? sind kulturelle, politische und auch psychische Identitätskonstrukte – und keine Naturphänomene. Ebenfalls konstruiert, um nicht zu sagen, glatt bei den Haaren herbei gezogen, ist die fröhliche Stammeskonföderation unter der Regenbogenfahne mit der hässlichen langen Abkürzung. Lesben haben mit „Transsexuellen“ eigentlich wenig zu tun, sondern im Gegenteil sind ein paar Teilstämme des Volks von Lesbos sogar mit den Transsilvaniern seit Jahrzehnten auf Kriegsfuß. Wie dem auch sei; Duda benutzt Begriffe wie „Identität“ und „Konstrukt“ nicht (allein schon wegen der linken und soziologischen Konnotation), sondern bedient sich stattdessen des etwas sperrigen, aber massentauglichen Begriffs der Ideologie. Doch ganz falsch liegt er auch damit nicht, denn wie es Identitätskonstruktionen (wie z.B. die modernen Nationen) so an sich haben, sind sie eben das Fuhrwerk politischer Ideologie.

Um zu erklären, was man als Unterschied zwischen „LGBT“ und „LGBT-Ideologie“ auffassen kann, sei zuerst daran erinnert, dass die LGBT-Bewegung in weiten Teilen von der hochgradig strittigen Gendertheorie ausgeht, in der Männlichkeit und Weiblichkeit einseitig als soziale Konstrukte aufgefasst werden, die mehr oder weniger überwunden gehören. Dass eine solche politische Agenda die Gesetzgebung und die schulische Erziehung beeinflusst, steht selbst im Westen in der Kritik.

Des Weiteren möchte ich noch einmal den m.M.n. sehr treffenden Vergleich mit der Drogenproblematik anführen (Siehe Teil I). Man stelle sich vor, Drogen wären heute legal. Dies wäre eine freiheitliche GG-konforme Gesetzgebung. Doch nun stelle man sich vor, ca. zehn Jahre nach der hypothetischen Legalisierung würde die politische Bewegung, die diese Legalisierung erstritten hat, dazu übergehen, Kindern in Schulen beizubringen, dass Kiffen und Koksen etwas ganz „normales“ und gleichberechtigter Teil der gesunden Ernährung sei und Leute, die das kritisieren, nur bösartige „Nationalisten und Populisten“ seien. Ferner stelle man sich vor, es würde mit missionarischem Eifer in Leitmedien gefordert werden, dass die Unterrepräsentation von LSD-Trippern in Parlamenten und DAX-Vorständen endlich angegangen werden müsse. Und wie kann es eigentlich sein, dass auch im Jahre 2040 immer noch Menschen krumm angeschaut werden, wenn sie in der Straßenbahn ihr ehrlich verdientes Crystal durchziehen?! Solche Attitüden und politischen Wichtigtuereien könnte man dann als „Drogen-Ideologie“ bezeichnen. Wer nun Verständnis dafür aufbringen kann, dass sich gegen diese „Drogen-Ideologie“ ein breiter gesellschaftlicher Widerstand, insbesondere von Eltern, bilden würde, der kann nun vielleicht auch besser nachvollziehen, was polnische Konservative antreibt, die sich gegen „LGBT-Ideologie“ stark machen – unabhängig davon, wie man persönlich zu Rauschmitteln oder zu „LGBT“ steht. Denjenigen Lesern mit besonders ausgeprägter Menschenkenntnis wird es außerdem wohl einleuchten, dass sich die Wut mancher dieser Eltern nicht nur gegen „Drogen-Ideologie“ wenden würde, sondern sehr bald auch gegen den vermeintlichen Verursacher des Problems, nämlich die Drogen, selbst.

 

2. Acht zusammenfassende Thesen

  1. Die Idee der Gleichstellung von „LGBT“ und überhaupt die heutige Konzeption, Definition und Identitätskonstruktion dieser „sexuellen Minderheiten“ ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern Ergebnis eines westeuropäischen bzw. amerikanischen Sonderweges, der im 19. Jahrhundert beginnt. Jahrtausendelang war diese Idee überall in der Welt unbekannt und ihre Zukunft ist auch in Westeuropa ungewiss.
  2. Diesen westeuropäischen Sonderweg den Osteuropäern (oder anderen Völkern) aufzudrängen, ist eine unnötige Einmischung, die den Zusammenhalt der EU gefährdet.
  3. Der polnischen Anti-LGBT-Bewegung geht es nicht oder nicht wesentlich darum, die Menschenrechte Homosexueller zu bekämpfen, sondern es geht um die Aufrechterhaltung einer bestimmten öffentlichen Sittlichkeit und um den Schutz von öffentlichen Institutionen vor ideologischer Vereinnahmung von links.
  4. Es ist Heuchelei, anderen Ländern Toleranz und Freiheit zu predigen, wenn man selbst im eigenen Land illiberale Sittenpolitik betreibt und dabei in Grundrechte eingreift.
  5. Deutschland, als das Land, das seit dem Nationalsozialismus und bis vor wenigen Jahrzehnten noch Homosexuelle in teils heftigster Weise verfolgt hat, hat auf internationaler Bühne zum Thema „LGBT“ besonders still zu sein.
  6. Etwaige echte Menschenrechtsverletzungen sollten weiterhin in der EU sanktioniert werden. Auch die Situation von Homosexuellen in Osteuropa sollte hierbei im Blick behalten werden. Die individuellen sexuellen Neigungen und Familienvorstellungen vollumfänglich ausleben zu können, gilt jedoch nicht als Menschenrecht.
  7. Was jedoch als Menschenrecht gilt, ist die Meinungsfreiheit und Gewissensfreiheit. Und ein beträchtlicher Teil der Menschheit (z.B. viele Katholiken) ist der Ansicht, dass der „Homosexualität“ und ähnlichen Phänomenen etwas zwielichtiges, wenn nicht gar etwas bösartiges anhaftet.
  8. Die EU wird in nicht unbedeutendem Maße auch durch die gemeinsame christliche Prägung der Mitgliedsländer zusammengehalten. Wenn die katholische Kirche, als mit Abstand größte christliche Kirche bzw. Konfession in der EU, Vorbehalte gegen Homosexualität und „LGBT“ hat, gebietet es die politische Vernunft den EU-Politikern, dies stärker zu respektieren.

 

3. Rat zur Skepsis

Die westlichen Gesellschaften haben ihren speziellen Weg der Gleichstellung von LGBT gefunden, doch es würde mich nicht wundern, wenn sich schon in absehbarer Zukunft heraus stellt, dass die Gleichstellung „aller Geschlechter“ und sexuellen Orientierungen ein Fehler war. Es wäre ganz sicher nicht das erste Mal in der Geschichte, dass sich die Europäer eine Idee in den Kopf setzen, die sie für die letzte Wahrheit halten, die in der ganzen Welt verbreitet werden muss und in deren Namen Andersdenkende zu Idioten und Menschenfeinden erklärt werden. Schon so manche Generation blickte verständnislos und entsetzt auf die Wertvorstellungen und politischen Überzeugungen ihrer Eltern und Großeltern.

Auf die Schwulenverfolgung trifft genau das zu. Läppische 26 Jahre nach der endgültigen Aufhebung der Kriminalisierung von Schwulen in der BRD, ist heute kaum noch verständlich, warum trotz Grundgesetz und allgemeiner Freizügigkeit gleichgeschlechtliche Beziehungen polizeilich verfolgt und hart bestraft wurden. Das gleiche Schicksal wird in ein paar Jahrzehnten die pauschale und systematische Kriminalisierung von „Drogen“ ereilen, die erst ein halbes Jahrhundert alt ist. Moderne politische Ideologie hat wie jede Modeerscheinung oft eine überraschend kurze Halbwertszeit und je begeisterter, moralisierender und hysterischer sie daherkommt, je mehr Reinheit und Weltfrieden sie verspricht, desto mehr Vorsicht und Zweifel müssen ihr entgegen gebracht werden. Es lohnt sich definitiv nicht, unsere Nachbarländer mit unseren halbgaren und t.w. abstrusen Ideen von Freiheit zwangsbeglücken zu wollen, wenn sich diese Ideen noch nicht einmal bei uns selbst nachhaltig bewährt haben.

 

4. Vertiefung: Thomas Bauers Theorie der „Ambiguität der Lust“

Einige Grundgedanken dieses Artikels stammen „Die Kultur der Ambiguität – Eine andere Geschichte des Islams“ (2011) vom Münsteraner Arabistikprofessor Thomas Bauer, dessen Lektüre ich an dieser Stelle wärmstens empfehle. Bauer entwirrt im Kapitel „Die Ambiguität der Lust“ den westlichen Umgang mit „Homosexualität“ und den darum entstanden ideologischen Konflikt zwischen Orient und Okzident, der im 19. Jahrhundert beginnt und sich bis heute hinzieht. Die Lektüre ist nicht ganz leicht und ich hoffe ich kann in den Bildunterschriften einige Dinge erläutern. Kurz gesagt: Bauer konstatiert, dass das westliche Bemühen um Schwulenrechte im Nahen Osten eher die gegenteilige Auswirkung hat. Dies halte ich für übertragbar auf den Konflikt zwischen konservativen Polen und der EU:

BauerKA0
S. 274 – Bauer geht davon aus, dass der Begriff der „Sexualität“ eine Entwicklung der westlichen Sexualmedizin des 19. Jahrunderts ist und diese Vorstellung außerhalb Europas nicht auf Anhieb verstanden wurde. Unter „Ambiguität (d.h. Mehrdeutigkeit) der Lust“ versteht er, dass Lust und Sex sich in einem schwer definierbaren Rahmen bewegen und eine „sexuelle Identität“ im heutigen Sinne nicht selbsverständlich ist. Die Ambiguität der Lust nimmt Bauer als unvermeidbar an. Doch hätte es insbes. in der jüngeren europäischen Geschichte den immer radikleren Versuch gegeben, Erotik zu „disambiguieren“, also eindeutige Normen zu schaffen, um Mehrdeutigkeit zu verhindern. Diese eindeutigen, also ambiguitätsfreien Normen wären z.B. die modernen sexuellen Identitäten, also „Heterosexuelle“ auf der einen Seite und „LGBT“ auf der anderen.
BauerKA1
S. 309 – Die angesprochene „Hetero-Homo-Binärität“, also die Überzeugung, dass es „Homosexuelle“ und „Heterosexuelle“ gibt, war im Nahen Osten in vorkolonialer Zeit unbekannt. Erst als diese Konzepte rezipiert wurden, kam im Orient das Phänomen der Homophobie als Reaktion auf.
BauerKA2
S. 310 – Dies ist m.E. übertragbar auf Polen. Durch den moralischen Druck, den die EU oder westeuropäische Regierungen ausüben, ist die polnische Bevölkerung ständig dazu gedrängt, sich in der „Homo-Hetero-Binärität“  festzulegen und sich dementsprechend vom jeweils anderen abzugrenzen. So ist auch erklärbar, dass konservative Polen die „Homosexualität“ oder „LGBT-Ideologie“  als  „unpolnischen“ Export aus dem Westen ansehen – weil sie dies gewissermaßen sind.

(Ich hoffe, ich verstoße nicht gegen das Urheberrecht des Insel Verlags. Im Falle der Beanstandung bitte Mail an nabikhidr93[at]gmail.com. Die Textauszüge sollen nur im Sinne von themenbezogenen Zitaten verstanden werden.)

Müssen die Polen #LGBT akzeptieren? (Teil I)

Klar müssen sie, was für eine Frage! Für so manchen Europäer, handelt sich um ein hochernstes und brisantes Thema, mutiert doch die Haltung zum Thema der „LGBT-Rechte“ immer mehr zur Gretchenfrage der Moderne. Die Political Correctness blüht. Wer sich für „LGBT“ ausspricht, ist moralisch auf einer Art „sicheren Seite“.  Wer jedoch Zweifel hat, ob die fröhliche Gemeinschaft der „LGBTTIQA*“ wirklich für normale, harmlose und gleichwertige Lebensentwürfe steht, wie es Medien und Regierung darstellen oder ob sich da nicht vielleicht doch die eine oder andere psychische Störung drunter gemogelt hat, wie es bis vor Kurzem noch Lehrmeinung der WHO wardem gnade der non-binary Gott! Der kann dann noch so ökologisch, sozial, digital und global unterwegs sein, an seiner Gesinnung muss trotzdem etwas ganz Grundsätzliches faul sein. Laut und eifrig, selbstsicher und missionarisch tritt die queerpolitische Avantgarde in Westeuropa auf und die Konservativen wirken zögerlich und blass und beugen sich dem linken Diskurs von „Gender“, „LGBT-Rechten“ und „Homophobie“. Linke Politiker machten die Existenz der deutschen Regierung davon abhängig, ob zwei Männer eine „Ehe“ eingehen dürfen oder „nur“ eine „Lebenspartnerschaft“ und konnten mit diesem moralischen Druck die CDU dazu bringen, ihr konservatives Profil weiter zu verwässern und die Homoehe zuzulassen.

Nicht ganz so im östlichen Europa. Hier führen das große Wort andere Moralprediger, nämlich echte. In dem katholisch geprägten Mitgliedsland Polen bekennen sich seit 2019 viele Gemeinden zu ihrer katholisch-konservativen Gesinnung und erklärten sich zu „LGBT-Ideologie-freien Zonen“. Michael Roth (SPD), Staatsminister für EU-Angelegenheiten im Außenministerium, also einer der höchsten deutschen Vertreter für EU-Politik, findet das „schlicht inakzeptabel“. Er verlangt, dass EU-Länder „LGBT“ (bzw. „LGBT-Ideologie“) akzeptieren und den westlichen Weg der Gleichstellung mitgehen. Hinsichtlich der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands kündigt der SPD-Politiker an:

„Wir werden uns entschieden für Gleichberechtigung und Gleichstellung, insbesondere von LGBTI, einsetzen.“

Die FAZ schreibt:

In Teilen Europas drohe bei der Gleichstellung sexueller Minderheiten ein „Rückschritt“, der „von Nationalisten und Populisten befeuert“ werde, warnte der Staatsminister. Als Ratspräsident trage Deutschland nun „ganz besondere Verantwortung für unser Europa: Hier ist kein Platz für Homophobie, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus.“

Diesen, durch „Nationalisten und Populisten“ befeuerten, „Rückschritt“ in der „Gleichstellung von LGBTI“ stellte Roth ferner in den Zusammenhang mit „Kampagnen, die traditionelle Familien- und Rollenbilder propagieren.“ Für Staatsminister Roth scheint also das Eintreten für die traditionelle Familienordnung einen Bezug zu haben zu Antisemitismus und anderen Unanständigkeiten aus der „Hassecke“. Er lässt sich nicht dazu herab, sich die Frage zu stellen, ob diese „Nationalisten und Populisten“, bei denen er anscheinend auch die katholische Kirche einordnet, vielleicht auch berechtigte Anliegen haben. Machen wir also einmal kurz den Job, den eigentlich der Herr Staatsekretär machen müsste und schauen wir uns einmal an, worum es der polnischen Anti-LGBT-Bewegung überhaupt geht.

1. Der Widerstand gegen „neobolschewistische“ Lehrpläne

Es handelt sich um ein bekanntes Problem. Wikipedia klärt auf:

Im Februar 2019 unterzeichnete Warschaus liberaler Bürgermeister Rafał Trzaskowski eine Erklärung zur Unterstützung der LGBTQ-Rechte und kündigte seine Absicht an, die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation zu befolgen und LGBT-Themen in die Sexualerziehungslehrpläne der Warschauer Schulen zu integrieren. PiS-Politiker lehnen das Sexualerziehungsprogramm mit der Begründung ab, es würde Kinder sexualisieren. Der Parteivorsitzende der PiS Jarosław Kaczyński reagierte auf die Erklärung und nannte die Rechte der LGBT „einen Import“, der Polen bedrohe.

Es geht also in erster Linie um die schwierige Frage der staatlichen Sexualerziehung von Kindern. Konservative Polen wollen nicht, dass ihren Kindern beigebracht wird, dass Homo- und Transsexualität etc. „normal“ und „gleich“ seien, weil sie diese moderne Idee ablehnen. Eine vergleichbare Bewegung gab es auch in Deutschland schon mit dem Widerstand gegen den Baden-Württembergischen Bildungsplan 2015, wo sich rechtskonservative Aktivisten und Eltern gegen „Umerziehung“, „Frühsexualisierung“ und eine „Ideologie des Regenbogens“ wandten. Im katholischen Polen ist dieser Widerstand aber so breit, dass sich ganze Gemeinden gegen diese neuartige Sexualerziehung stellen, die sie als „ideologisch“ wahrnehmen. Queer.de (ein LGBT-Nachrichtenportal) berichtet zwar tendenziös, aber doch recht informativ über die Entwicklung in Polen und lässt den rechten Staatspräsident Andrzej Duda ausführlich zu Wort kommen:

„Die Generation meiner Eltern kämpfte vierzig Jahre lang darum, die kommunistische Ideologie aus den Schulen zu verbannen, damit sie den Kindern nicht aufgezwungen werden konnte, dass sie nicht einer Gehirnwäsche unterzogen und indoktriniert werden konnten“

Und weiter:

So hatte auch Duda erst in dieser Woche eine „Familien-Charta“ vorgestellt, in der er sich unter anderem verpflichtet, die Ehe als „Verbindung aus Mann und Frau“ zu „schützen“ und keine Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare zuzulassen. Auch verspricht er einen „Schutz von Kindern vor LGBT-Ideologie“ und ein „Verbot der Propagierung von LGBT-Ideologie in öffentlichen Institutionen“

Ich kann Duda und andere polnische Rechtskonservative nur eingeschränkt einschätzen, weil ich wenig von polnischer Politik verstehe. Ich meine aus diesen Worten aber durchaus berechtigte Sorgen zu erkennen und weniger blinde Hetze. Gefahren für Bürgerrechte oder gar Menschenrechte kann ich aus der Kampagne noch nicht zwingend erkennen. Auf der anderen Seite gibt es Berichte über häufige tätige Angriffe auf Schwule und Lesben in Polen, doch für diese müssen die politischen Kampagnen nicht verantwortlich gemacht werden. Duda und co. sprechen außerdem nicht ganz zu Unrecht von „neokommunstischer Indoktrinierung“, wenn man bedenkt, wie dreist in Westeuropa mittlerweile Kritiker der Genderideologie oder der LGBT-Bewegung als Menschenhasser und Gedankenverbrecher gebrandmarkt werden. Aktuell läuft in Deutschland z.B. das Gerichtsverfahren gegen den LGBT-kritischen Biologen Ulrich Kutschera. Für seine ausführlich begründeten Aussagen, die Homosexualität mit Pädophilie in Zusammenhang bringen, wird er der Volksverhetzung beschuldigt. Man muss seine Ansichten nicht teilen, doch dass man für dieses Interview einen Prozess an den Hals bekommt, sagt viel über die autoritäre Neigung zu Indoktrination und Umerziehung im LGBT-Lager. Haben die polnischen Rechtskonservativen also vielleicht gute Gründe, sich und ihren Kindern diese postkommunistischen sexualpolitischen Trends vom Leib halten zu wollen?

LGBTkeineAlt
LGBT-Aktivisten gegen die AfD: Wenn die sexuelle und die politische Identität dasselbe sind, wird politische Kritik logischerweise als seelische Kränkung wahrgenommen. Alternative Sichtweisen können dann nicht mehr akzeptiert werden. Bildquelle.

 

Tonangebende politische Kräfte in der EU haben für die Aktion jedenfalls kein Verständnis. Das EU-Parlament verurteilt die Zonen mit großer Mehrheit. Viele westliche Städte revidieren ihre Partnerschaft mit polnischen Gemeinden, die sich gegen „LGBT-Ideologie“ aussprechen. Auch polnische Gerichtsurteile gibt es schon, die die Zonen für nichtig erklären. Es wurden damit Präzedenzfälle für andere Gemeinden geschaffen, doch entschieden ist die Sache damit noch nicht, weil andere Gerichte anders urteilen können und die Urteile auch angefochten werden können.

2. Eine westliche Absage an Diplomatie, Freiheit und Selbstreflektion

Wer ist es, der da die Polen belehren will und wie steht es um seine Redlichkeit? Es war die Bundesrepublik Deutschland, die von ihrer Gründung an bis in die 90er, Nazigesetzgebung übernahm und so homosexuelle Beziehungen ohne stichhaltige verfassungsrechtliche Grundlage pauschal verbot und t.w. exzessiv polizeilich verfolgte. Das Grundrecht auf Privatsphäre wurde außer Kraft gesetzt und Ermittler schnüffelten im Liebesleben harmloser Bürger. Tausenden „Homosexuellen“ (insbesondere Männern) zerstörte der westdeutsche Staat sinnlos Ehre, Freiheit und Leben. Politiker, Juristen und Beamte beteiligten sich ungeniert in preußisch-nazistischem Gehorsam an diesem staatlichen Jahrhundertverbrechen.

Doch kaum entkriminalisiert und entpathologisiert (und mittlerweile auch rehabilitiert), werden die „LGBT“ dank ihrem Märtyrerstatus in den westlichen Industriestaaten schon zu Ikonen der Moderne verklärt. Ethische oder psychologische Vorbehalte gegen den Kult werden zunehmend als „Phobie“ abgetan und damit wiederum selber pathologisiert und mit Hilfe lächerlicher Neologismen sogar t.w. kriminalisiert (siehe „Hatespeech“ und „Misgendering“) – ein beeindruckender Sinneswandel, der skeptisch machen sollte. Hinzu kommt eine in den letzten Jahren intensivierte Jagd auf „Sexismus“, Unterschiede zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit werden tabuisiert, die Rechte von Männern werden missachtet und die Ehe mit traditioneller Rollenverteilung wird durch Regierung und Medien laufend diskreditiert. Kurz: Ganz Deutschland wurde längst zu einer Art „Mann-Frau-Ideologiefreien Zone“ erklärt und doch warten wir vergeblich auf die polnischen, mexikanischen oder sudanesischen Spitzenpolitiker, die in missionarischem Eifer heran gehinkt kommen, um uns dafür diplomatische Rügen zu erteilen oder sich auch nur öffentlich über unsere peinlichen Moralverkrampfungen lustig zu machen. Solche Anmaßungen kommen nicht-westlichen Völkern nämlich nur selten in den Sinn, vor allem nicht, wenn sie ökonomisch und politisch unterlegen oder peripher sind.

Ganz ähnlich, und m.M.n. sehr gut vergleichbar mit der historischen Schwulenverfolgung in westlichen Staaten, ist die im Laufe des 20. Jahrhunderts begonnene und bis heute munter betriebene Jagd auf „Drogen“ und ihre Nutzer. Auch sie ist kaum mehr als ängstliche Moralpolitik mit erlogener verfassungsrechtlicher Grundlage, sinnloser Pathologisierung, massiver Missachtung der Privatsphäre, widerwärtigster Doppelmoral und furchtbaren Folgen für Millionen von Bürgern, die dem westlich-puritanischen Regime von nannyhaften Besserwichsern, sadistischen Beamten und neurotischen Nüchternheitsfreaks in die Klauen geraten. Ich werde auf diesen Vergleich im zweiten Teil des Artikel noch einmal eingehen, ich möchte auch keineswegs vom Thema ablenken, sondern komme damit zur Ausgangsfrage zurück: Wer ist es, der die Polen hier verurteilen will? Haben die kleinen Taliban, die bei uns Kiffer ins Gefängnis werfen, Ekelbildchen auf Zigarettenschachteln kleben und „sexistische Werbung“ verbieten, ein Recht, sich darüber zu beschweren, dass die Taliban im Nachbarland „LGBT-Rechte“ einschränken, Frauen zum Kopftuch verpflichten oder Minarette verbieten?

3. Muss es innerhalb der EU einheitliche Vorstellungen von Sexualmoral geben?

Genau dieser Westen, der bei sich zu Hause eine puritanische Sittenwächterei betreibt und Moralpaniken anheizt, das selbst der Ayatollah noch was lernen könnte, wedelt nun mit erhobenem Zeigefinger gegen polnische Eltern, die nicht möchten, dass ihre Kinder im Sinne der Moralvorstellungen erzogen werden, die in einem „linksliberalen“ westlichen Establishment gerade in Mode sind. Und wohlgemerkt geht es den Polen gar nicht einmal darum, gewisse sexuelle Handlungen zu verbieten oder den Bürgern irgendwie in das Schlafzimmer zu regieren, sondern es geht darum, eine Art öffentliche Moral aufrecht zu erhalten, staatliche Institutionen (wie z.B. die Schule) vor ideologischer Vereinnahmung durch linke Genderideologen zu schützen und die Erziehung zu Sittlichkeit und Sexualmoral nicht dem Staat zu überlassen, sondern den Eltern und der Kirche. Die Besorgnis über gewaltsame Angriffe auf Außenseiter ist das Eine. Doch wer polnischen Eltern das Recht abspenstig machen möchte, ihre Kinder selbstbestmmt zu erziehen und wer darauf besteht, dass die staatliche Pflichtschule das letzte Wort in der Sexualerziehung hat, der steht selber in der politischen Tradition, deren Bekämpfung er vorgibt. Mit Freiheitlichkeit hat eine solche Gesinnung nichts zu tun und undiplomatisch ist es, anderen Ländern die eigenen Moralvorstellungen aufzudrängen.

Erst Recht verbietet sich eine solche Besserwisserei, wenn man sich damit gegen die ethischen Leitlinien der katholischen Kirche stellt. Es mag vielen protestantischen oder areligiösen Deutschen nicht bewusst sein, aber der katholischen Kirche gehören 45% der Bevölkerung der EU an. Hinzu kommen noch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften, die kritisch gegenüber „LGBT“ sind, z.B. die orthodoxen Kirchen in Bulgarien, Griechenland und Rumänien. Natürlich muss man die Wertvorstellungen der Kirche nicht teilen und auch ich tue dies nicht und ich gehöre übrigens nicht zu den Verfechtern einer „christlichen Leitkultur“, doch es sei darauf hingewiesen, dass diese zahlreichen wertkonservativen EU-Bürger sich ihre Mitgliedschaft auch anders überlegen könnten, wenn sie aus Brüssel oder Berlin für ihre traditionalistischen Wertvorstellungen ausgeschimpft und diszipliniert werden, wie es z.B. die deutsche Regierung nun beabsichtigt. Putin, Jinping und Trump warten schon begierig auf den Zerfall der EU zwischen christlich-konservativen Souveränisten im Osten und den „liberalen“, regulierungsfreudigen Unionisten im Westen.

Ausgerechnet Heiko Maas, normalerweise unser pseudotoleranter Moralprediger vom Dienst, macht es in diesem Fall besser und hält sich mit Tadel gegen die Polen zurück. Queer.de berichtet:

Er wolle nicht belehrend wirken, meinte der SPD-Politiker bei einem gemeinsamen Auftritt mit seinem polnischen Amtskollegen Jacek Czaputowicz vor der Presse. Auch Deutschland habe im Minderheitenschutz noch Nachholbedarf, so der Minister, der auf Diskriminierung und Rassismus verwies.

Nah dran, Herr Maas. Weiter so! Doch noch besser wäre es, festzustellen, dass EU-Mitgliedsstaaten einfach ihre eigene Sitten- und Sexualpolitik betreiben können, solange es nicht zu systematischen Grundrechtsverletzungen kommt, wie es sie z.B. in der BRD in den 50er und 60ern gab.

Bevor der zweite Teil des Artikels in Kürze kommt, ein bisschen Unterhaltung im Cafe Korten:

Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz über Feminismus, Mutter- und Vaterrolle

Ich bin auf ein älteres Gespräch des YT-Formates „NuoViso Talk“ mit dem Psychologen, Neurologen und Buchautor Hans-Joachim Maaz über den „Neuen Feminismus“ gestoßen. Es bestätigt, was ich schon in einer sehr mühsamen Diskussion mit mehreren Väterrechtlern, in der ich das Wechselmodell kritisiert habe, dargelegt habe: Die stabile Bindung des Kleinkindes zur (leiblichen) Mutter ist fundamental und Mutter- und Vaterrolle sind verschieden. In anderen Videos (man findet viel von Maaz auf YT) geht er allerdings auch darauf ein, dass Mütter regelmäßig zerstörerisch auf das Kind wirken (er redet sogar von „Muttervergiftung“), nämlich dann, wenn die Mutter das Kind nicht so akzeptiert wie es ist. Genau diese bedingungslose Akzeptanz ist nach Maaz (und mir) aber eben die spezifische Mutterrolle in Abgrenzung zur Vaterrolle, bei der es eher darum geht das Kind aus der mütterlich-behütenden Komfortzone zu lösen. Ansonsten redet Maaz noch über Entgleisungen der Genderideologie, Männerfeindlichkeit etc. Doch seht selbst:

Maaz kann als jahrzehntelanger Chefarzt der Psychotherapeutischen und Psychosomatischen Klinik im Evangelischen Diakoniewerk Halle als renommierter Psychologe gelten. Er kennt keine PC, sondern kritisiert sie und redet regelmäßig über die Gefahr der gesellschaftlichen Spaltung durch die Ausgrenzung von Andersdenkenden in der westlichen Welt. Er kennt keine Berührungsängste mit „bösen“ Medien und Akteuren (Russia Today, KenFM, AfD), tritt aber auch in den „guten“ Medien als Studiogast auf. Ich habe bisher nur ein paar Videos gesehen, doch bisher macht er auf mich einen ehrlichen, kompetenten und tiefblickenden Eindruck. So fordert er z.B. dazu auf, sich selbst zu reflektieren, anstatt seine eigenen Schwächen auf andere zu projizieren, wie er es im medialen und politischen Diskurs, z.B. beim „Kampf gegen Rechts“ beobachtet und kritisiert den Anpassungsdruck der zur psycho-pathologischen Selbstentfremdung führt („normopathische“ Gesellschaft).

Rettet eure Söhne, Die „Zwangsehen“ greifen an!

'Destroy_this_mad_brute'_WWI_propaganda_poster_(US_version)
Amerikanisches Propagandaplakat aus dem Ersten Weltkrieg

Arne Hoffmann (Genderama) berichtete gestern darüber, dass laut einer UNICEF-Studie weltweit „über 100 Millionen Jungen zwangsverheiratet“ werden. Arne Hoffmann ging es wahrscheinlich in erster Linie darum, darauf hinzuweisen, dass im medialen Diskurs endlich mal erwähnt wird, dass nicht nur Mädchen zwangsverheiratet werden und dieses Anliegen teile ich auch. Die Meldung ist aber nichts desto Trotz falsch. Die UNICEF-Studie ist unnötige Skandalisierung und der verlinkte WELT-Bericht darüber macht es noch schlimmer. Auch wenn dieser Alarmismus hier ausnahmsweise auch mal Jungen „zu Gute“ kommen soll und nicht, wie sonst immer, nur Mädchen, sollte man das nicht unter den Tisch fallen lassen.

Kurz zusammengefasst liegen zwei wesentliche Fehler vor:

  1. Die WELT gibt die Pressemitteilung von UNICEF-Studie falsch wieder, wenn sie von 115 Millionen männlichen „zwangsverheirateten“ spricht, UNICEF jedoch nur von 115 Millionen Bräutigamen, die als „Kinder“ verheiratet wurden. Das ist durchaus ein Unterschied.
  2. Die Definition von „Kinderehen“, die UNICEF verwendet, ist haarsträubend falsch, weil UNICEF offensichtlich alle Ehen, die unter 18 Jahren geschlossen wurden als „Kinderehen“ abqualifiziert.

Die Folge ist ein doppelt falscher Artikel der WELT, dem gemäß alle Ehen unter 18 automatisch „Zwangsehen“ seien, wovon dann 115 Millionen Jungen betroffen seien (und ca. sechs Mal so viele Mädchen). Das ist eine schwere Beleidigung von Millionen legitim geschlossener Ehen weltweit. Arne Hoffmann hat diese reißerischen Fake News leider unkritisch übernommen, was hoffentlich nur eine Unachtsamkeit war. Ich habe Arne einen längeren Leserbrief dazu geschrieben, doch er hat ihn leider nicht veröffentlicht, vielleicht weil er zu lang ist, vielleicht aber auch weil er zu kontrovers ist. Daher schreibe ich hier meine Kritik hier nochmal als Blogartikel:

In der Pressemitteilung von Unicef, in der die Studie vorgestellt wird (die Studie selbst habe ich nicht gelesen, weil sie nicht online ist) heißt es folgendermaßen:

“ KINDEREHEN: 115 MILLIONEN KINDER-BRÄUTIGAME

[…] Danach wurden schätzungsweise 115 Millionen Jungen weltweit vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, jeder fünfte von ihnen (23 Millionen) war bei seiner Hochzeit noch nicht einmal 15 Jahre alt.“

Sprich: Unicef definiert allen Ernstes sämtliche Eheschließungen unter 18 Jahren als „Kinderehe“. 17-Jährige sind aber keine Kinder, weder in Afrika noch in Indien, noch in Westeuropa. Selbst in Deutschland und anderen westlichen Ländern ist die Eheschließung unter 18 Jahren u.U. erlaubt und warum zum Teufel auch nicht?? [Anmerk.: Seit 2017 ist das veraltet. Danke an ‚krams‘ für den Hinweis] Eine Ehe von 16 oder 17-Jährigen pauschal als „Kinderehe“ zu bezeichnen, ist völlig vermessen.
Ganz ähnlich verhält es sich – und hier mag ich eine sehr unorthodoxe Meinung haben – auch mit unter 15-Jährigen. Im Westen werden 14-Jährige in gewisser Weise noch als Kinder angesehen und eine Eheschließung mit 14 ist hierzulande aus guten Gründen völlig unüblich. Das liegt aber meines Erachtens an der unterschiedlichen Erziehung und an der Kultur und keineswegs daran, dass 14-Jährige grundsätzlich unfähig wären, verantwortungsbewusst zu handeln. In Deutschland beginnt die Strafmündigkeit, wie auch die Sexualmündigkeit, mit 14 Jahren! Das deutsche Recht traut also diesen „Kindern“ (nach Unicef-Definition) eine gewisse Selbstverantwortung und Reife zu und das ist auch richtig so. Nichts anderes tun arabische, lateinamerikanische, afrikanische oder asiatische Eltern, die für ihre „minderjährigen“ Söhne und Töchter Ehen arrangieren. Man kann sich nun natürlich über den Sinn und Unsinn arrangierter Ehen streiten, doch darum ging es in der Studie nicht und arrangierte Ehen werden übrigens auch genauso zwischen „Volljährigen“ geschlossen.

Ich würde davon abraten, 14-Jährige oder gar 17-Jährige pauschal für zu jung zum Heiraten zu erklären, während auf der anderen Seite durch die magische Zahl 18 auf wundersame Weise alles in Ordnung ist. Woanders können junge Menschen wesentlich frühreifer sein, während andererseits selbst so mancher 20-Jährige noch zu verantwortungslos zum Heiraten ist. Zahlen sind Schall und Rauch. Abgesehen davon ist es in Gesellschaften, in denen früh geheiratet wird üblich, dass Verwandte die jungen Eheleute unterstützen. Sie sind noch nicht komplett selbstverantwortlich für die eigene Familie. Eine solche familiäre Unterstützung ist jedoch in unserer Kultur generell weniger üblich, was unter anderem ein Grund dafür ist, dass hier spät geheiratet wird.

Das kann man gerne anders sehen als ich, aber man sollte sich schon damit abfinden können, dass außerhalb des Westens 14-Jährige oder gar 17-Jährige nicht pauschal als „Kinder“ abgestempelt werden, so wie es das „Kinderhilfswerk“ UNICEF von oben herab aus dem New-Yorker Elfenbeinturm tut, um seine Zielgruppe zu erhöhen und skandalträchtigere Zahlen verbreiten zu können, mit denen gutmeinenden Bürgern der Ablassgroschen effizienter aus der Tasche gequengelt werden kann.

Den Moralfuror, die Vorverurteilung und diesen unterschwelligen kolonialistischen Umerziehungswahn, den UNICEF hier offenbart, finde ich schon schlimm genug, doch die WELT schafft es in dem bei Genderama verlinkten WELT-Artikel, sogar noch einen oben drauf zu setzen:

„Nicht nur Mädchen, auch Jungen werden oft gegen ihren Willen früh in Ehen gezwungen: Laut einer Schätzung des Kinderhilfswerks wurden weltweit über 100 Millionen Jungen verheiratet, obwohl sie zum Teil noch nicht einmal 15 Jahre alt waren“

Die Pressemitteilung von UNICEF spricht gar nicht davon, dass irgendjemand in die Ehe gezwungen wird. Doch schon im ersten Satz schafft es der WELT-Redakteur, die vermeintlichen „Kinderehen“ auch noch mit „Zwangsehen“ gleichzusetzen. Ergo: Alle Menschen der Welt, die unter 18 Jahren geheiratet haben, wurden gemäß der WELT zwangsverheiratet. Die WELT macht sich offenbar keine Gedanken darüber, dass Eheschließung von Kindern, Eheschließung von Jugendlichen/jungen Erwachsenen, arrangierte Ehen und Zwangsehen unterschiedliche Dinge sind. Alles, was nicht ins Bild der einzig wahren westlich-modernen Norm passt wird einfach mal als „Zwangsehe“ abqualifiziert.

Die UNICEF-Studie, bzw. deren Pressemitteilung und den WELT-Artikel darüber, sehe ich als das Werk von prüden, heuchlerischen Fanatikern und Helikoptereltern, die durch Uncle Sams Sexualhölle gegangen sind und nun auf dem Kreuzzug gegen „Kinderehen“ und Patriarchat sind. Dies muss nun vor folgendem Hintergrund betrachtet werden: Die modernen westlichen Ehe- und Familienstrukturen sind so desolat und dysfunktional wie vielleicht noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Der widerwärtige Geschlechterkampf unserer Zeit ist eine Folge davon. Aber Hauptsache, wir verurteilen erstmal die blöden Neger dafür, dass die das nicht so machen, wie wir uns das vorstellen. Dieser überhebliche Universalismus hat jetzt schon ein paar hundert Jahre im Westen Tradition.

Ich stehe dem Engagement für Kinderrechte grundsätzlich eher skeptisch gegenüber und bezweifele deren Nutzen für Kinder und Gesellschaft. Aber ich verstehe, dass man das anders sieht. Doch ist es zu viel verlangt, das Thema mit ein bisschen Augenmaß und ohne anbiedernde übertriebene Skandalisierung anzugehen?

Erfahrungsbericht: Eine unerwartete Begegnung bei der Frauentagsdemo

Zurzeit wohne ich im schönen Halle an der Saale, eine Stadt die übrigens viel besser ist als ihr Ruf. Eine der schönen Seiten: Wenn man durch den eher überschaubaren Stadtkern spaziert trifft man immer wieder zufällig Bekannte. So auch gestern Abend, als ich zum Marktplatz gegangen bin um mir die feministische Demo anlässlich des sog. „Frauentages“ aus der Nähe anzusehen. Die Menschenansammlung ist erstaunlich groß. Halle ist eine Universitätsstadt, die meisten Demonstranten sind linke bis linksradikale Studenten.

Wie ich ein Stück am Rand der Menschenansammlung entlanglaufe komme ich an einen Obdachlosen vorbei. Teilnahmslos starrt er auf das bunte, laute Treiben direkt vor ihm, wo privilegierte wohlhabende Akademikerinnen über Lautsprecher vom „Patriarchat“ und ihren Luxusproblemen schwadronieren. Ich überlege schon, mich demonstrativ neben den armen Kerl zu setzen, aber ich lasse es bleiben.

Ich sehe mir die Demonstranten an. Ca. 30 – 40% Männer. Darunter entdecke ich auch zwei Studenten, die ich noch aus der Zeit kenne, als ich noch Kontakte zu Linken hatte. Sie gehören der Antideutschen pro-israelischen Linken an, die aus irgendwelchen Gründen in Halle besonders stark ist. Auch eine große Israel-Fahne sehe ich. Die Linken nutzen halt jeden Vorwand, um ihre Agenda ins Zentrum zu rücken, egal, ob es pro-israelische oder anti-israelische sind. Im späteren Verlauf der Demo werde ich auch eine Rednerin hören, die u.a. gegen das Kopftuch anredet (Ja, das gibt es in Teilen der Linken noch).

Ich gehe ein Stück weiter. Dann erblicke ich am Rand der Menschenmenge bekannte Gesichter, die ich auf einer Frauentagsdemo nun so gar nicht erwartet hätte: Syrische Flüchtlinge. Über Studium, Arbeit und Freundschaften kenne ich viele Syrer persönlich und verstehe mich mit ihnen sehr gut. Nun stehen dort am Rand der Menschenmenge fünf syrische Männer, drei davon Bekannte von mir. Ich gehe auf die Gruppe zu, begrüße sie und stelle mich dazu. Nach ein bisschen Smalltalk folgt das folgende Gespräch, das ich hier sinngemäß, auf das wesentliche vereinfacht und in korrektem Deutsch, wiedergebe. Die Namen und unerhebliche Details sind abgeändert, doch inhaltlich hat das Gespräch tatsächlich so stattgefunden:

Ich: Was macht ihr hier?

Mahmud: (kann am besten Deutsch und dominiert daher das Gespräch): Wir sind hier jede Woche in der Nähe für einen Sprachkurs. Die Lehrerin meinte, um wirklich gut Deutsch zu lernen, lernt man am besten eine deutsche Frau kennen.

Khaled: Sie meinte, eine gute Gelegenheit dafür ist die Demo zum Frauentag. Deswegen sind wir hergekommen. Und wir dachten schon, das ist wieder eine ausländerfeindliche Demo.

Ich: (lache) Nein, das ist diesmal keine ausländerfeindliche Demo.

Mahmud: Ist das von irgendeiner Partei? Ich habe so eine Fahne gesehen.

Ich: Ja, die linken Parteien, SPD, Linke und Grüne sind hier bestimmt dabei. Die Linken sind in Deutschland feministische Parteien und das hier ist eine feministische Demo.

Mahmud: DAS SIND FEMINISTEN !?

Ich: Ja, was hattest du denn gedacht? Du solltest dir hier lieber keine Freundin suchen, da wirst du keine Freude mit haben.

Mahmud: Na, dann weg hier! (Er wendet sich schon zum gehen)

Usama: Was ist los?

Mahmud: (erklärt ihm auf Arabisch kurz die Lage, dann schaut er auf die Demo). Ja, du hast recht. Auf dem Plakat da hinten steht ‚feminism‘.

Mahmud: Wofür demonstrieren sie? Haben Frauen hier nicht gleiche Rechte wie Männer?

Ich: Ja, die Feministen reden von „gleichen Rechten“, aber sie wollen in Wahrheit Sonderrechte.

Khaled/Mahmud: Ja richtig, Sonderrechte.

[Anmerkung: Das Frauen bei uns mehr Rechte haben, scheint bei den Syrern weit verbreitetes Wissen zu sein. Hin und wieder haben syrische Freunde solche Bemerkungen gemacht. Dazu eine kleine Anekdote: Ich helfe einem syrischen Freund öfters beim Papierkram. Mir ist aufgefallen, dass der Schriftverkehr (Miete, Sozialhilfe etc..) immer über den Namen seiner Ehefrau geht, die sich aber ganz gewiss nicht um solche Sachen kümmert und kaum Deutsch kann. Ich habe ihn gefragt, warum er das so macht. Er wollte erst nicht mit der Sprache rausrücken, also hakte ich nach. Dann erklärte er, er habe gehört, dass Frauen in Deutschland bevorzugt werden, also hat er sich gedacht, dass er Vorteile bekommt (Anträge schneller bearbeitet werden etc..), wenn er unter dem Namen seiner Frau auftritt. Er sagte das ohne Vorwurf oder Hohn; es ist halt einfach so; andere Länder andere Sitten. Ich lache und sage, dass er damit vielleicht sogar richtig liegt. Dann fälscht er in aller Seelenruhe die Unterschrift seiner Frau, die währenddessen in der Küche nebenan das Essen zubereitet.]

Weiter im Text:

Ich: Gerade eben spricht die Rednerin über das Abtreibungsrecht, weißt du was Abtreibung ist?

Mahmud: Ja. Aber warum interessiert die das? Das sind doch Lesben, oder? Die werden doch gar nicht schwanger.

Ich: Nicht alle Feministinnen sind Lesben.

Mahmud: Ach so. Und ist Abtreibung erlaubt in Deutschland?

Ich: Nicht so richtig, aber Frauen können es problemlos machen. Es ist nur an Bedingungen geknüpft.

Mahmud: Ja, es gibt eine Frist von vier Monaten oder so. [er ist gut über das Thema informiert, weil er in einem Krankenhaus arbeitet.]

Abdullah: Bei uns dürfen die Frauen das nicht.

Mahmud: Aber ich finde es gut, dass es erlaubt ist. Der Staat sollte sich da nicht einmischen.

[Man könnte meinen, dass das für Muslime eine ungewöhnliche Meinung ist. Tatsächlich aber haben sehr viele Syrer eine politische Haltung, die man in unseren Begriffen als klassisch liberal bezeichnen kann. Sich in fremde Familienangelegenheiten (den „Harem“) einzumischen, ist in der konservativen arabischen Gesellschaft generell ein Tabu (also eben „haram“) – das gilt insbesondere für die Familienangelegenheiten fremder Konfessionen und traditionellerweise hat sich auch der islamische Staat an diese Sitte zu halten. Ein staatliches Familienrecht gibt es in diesem Sinne im Orient herkömmlicherweise nicht.]

Ich: Ja das schon, nur wollen manche Feministen z.B. das Abtreibungsrecht bis zum 9. Monat.

Mahmud: Aber das ist doch ein Mensch dann!

[Zwei der Syrer haben es auf einmal sehr eilig, ob das was mit dem Thema zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Sie verabschieden sich und rennen schnell zur Straßenbahn, die gerade ankommt. Dass sie um ca. 18:30 noch schnell irgendwo hin müssen bezweifle ich. Dass Araber ohne Not rennen, ist eher ungewöhnlich.]

Mahmud: Ich habe gehört, dass Frauen in Deutschland weniger Geld für die gleiche Arbeit bekommen. Wenn das stimmt, ist das wirklich ungerecht. [Anmerkung: Die Deutschbücher, mit denen die Flüchtlinge lernen, enthalten manchmal feministische Propaganda als Übungstexte.]

Ich: Für die gleiche Arbeit, verdienen sie gleich. Für unterschiedliche Arbeit verdienen sie unterschiedlich.

Mahmud: Aber mir wurde gesagt, für die gleiche Arbeit verdienen sie weniger.

Ich: Das ist eine Lüge der Feministen.

Mahmud: Ach so.

Khaled: Ich denke, die Mitarbeiter im Jobcenter verdienen alle gleich.

Ich: Die werden nach gesetzlichem Tarif bezahlt, da gibt es keine Unterschiede.

Khaled: Nur bei privaten Firmen gibt es unterschiedlichen Lohn.

Ich: Genau. Der Lohn wird individuell ausgehandelt.

Mahmud: Aber der Chef sagt nicht z.B., ‚du bekommst weniger Lohn, weil du eine Frau bist‘.

Ich: Nein, ich glaube nicht, dass es so etwas gibt. Aber Frauen arbeiten weniger, Männer machen mehr Überstunden und so, daher verdienen sie mehr.

Mahmud: Ja natürlich, wenn ich Chef wäre, würde ich auch lieber Männer einstellen, weil sie mehr arbeiten. Eigentlich ist es mit egal, aber die Frauen kümmern sich mehr um die Kinder.

Ich: Soweit ich weiß, verdienen Frauen manchmal sogar mehr für die gleiche Arbeit. Manchmal müssen Unternehmen oder Ämter eine Quote erfüllen. Sie sollen so und so viele Frauen einstellen, aber es gibt zu wenige Frauen und deshalb müssen sie den Frauen mehr Gehalt zahlen, glaube ich.

Khaled: (aufgeregt) Ja, tatsächlich, ich habe davon gehört!

Mahmud (Auf die Demo im Hintergrund zeigend, die mittlerweile den Marktplatz verlässt und in die Leipziger Straße abzieht): Wir müssen hier eigentlich stehen und für unsere Rechte kämpfen. Die Frauen nehmen uns die Arbeitsplätze weg (lacht).

Ich: … Naja, jedenfalls bin ich hierher gekommen, um mir diese Demo anzuschauen. Ich bin gegen die Feministen. Ich finde diese Leute gefährlich.

Mahmud: Gefährlich? Warum?

Ich: Z.B. wollen sie die Demokratie einschränken. Sie fordern ein Gesetz, dass weniger Männer zur Bundestagswahl kandidieren, verstehst du?

Mahmud: Ja, natürlich.

[Wir wechseln das Thema und sprechen über ein paar leichtere Dinge. Mahmud, Khaled und der dritte Verbliebene, der zu dem Thema nichts gesagt hat, weil er sprachlich nicht folgen konnte, wollen nach Hause. Die Demo ist abgezogen. Wir verabschieden uns. Ich mache mich auf den Weg, um sie weiter zu verfolgen, erlebe dabei aber nichts interessantes mehr.]

Dass eine Frauenquote für das Parlament (Paritätsgesetz) eine Einschränkung der Demokratie darstellt, schien den beiden Syrern unmittelbar einzuleuchten, ohne dass ich es irgendwie erklären musste. Zwei ca. 30-jährige Ausländer ohne juristische Ausbildung, die das GG noch nie von innen gesehen haben und aus einem Land ohne freie Wahlen kommen, in dem jegliche Regierungskritik seit Jahrzehnten mit Folterknast, Polizeiwillkür und (Massen-)Mord verfolgt wird, verstehen die Grundprinzipien der liberalen Demokratie und der allgemeinen Handlungsfreiheit offenbar besser als unsere Justizministerin Barley und große Teile von Parteispitzen, Parlament und linker Presse. Und warum? Nicht etwa weil die beiden klüger oder gebildeter wären, sondern einzig und allein, weil sie ehrlicher sind und ihnen aufgrund ihres kulturellen Hintergrundes, die alberne, verklemmte Scheu davor, den Feminismus zu kritisieren und Frauen – wenn notwendig – Grenzen aufzuzeigen, komplett fremd ist. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon vorher mit Syrern gemacht. Ein so unbekümmertes Gespräch wäre mit Deutschen außerhalb der feminismuskritischen Blase so gut wie unmöglich. Vielen Dank an dieser Stelle an die wackeren Demonstranten, die dieses Gespräch überhaupt erst möglich gemacht haben. As-Salamu alaykum wa Rahmat Allah!

Vermischtes: „Unteilbar“-Demo, Frauenvolksbegehren, Gender-Pay-Gap, Blödsinn, Abtreibung

1. Großdemo „Unteilbar“ in Berlin

In Berlin haben eine viertel Million Menschen für… also bzw. gegen.. also… – ja was eigentlich genau? – demonstriert. Natürlich geht es vielen Demonstranten einfach darum, gegen die Fremdenfeindlichkeit zu protestieren, die in den letzten Jahren durch AfD und Pegida wieder in der Öffentlichkeit angekommen ist. Das ist ein aufrechtes legitimes Ziel, doch das gemäßigte Fußvolk steht in Berlin neben linken Aktivisten und Ideologen, die politische liberale, humanistische Werte für sich vereinnahmen, denen sie heute keineswegs mehr gerecht werden können. Die Mainstreammedien unterstützen die Linken dabei, indem sie deren politisches Vokabular unkritisch übernehmen. Ein paar Beispiele aus diversen FAZ und ZEIT-Artikeln, die erklären, wofür die Demo angeblich steht:

für die Offene Gesellschaft

Der linke politisch korrekte „Antirassismus“ ist heute gegen die Offene Gesellschaft – ein wichtiger liberaler Begriff, der vom Philosophen Karl Popper geprägt wurde und heute offensichtlich nicht mehr verstanden wird.

gegen Hass

  1. Hass kann auch berechtigt sein, weshalb es unsinnig ist, ganz allgemein „gegen Hass“ oder „für Liebe“ zu demonstrieren. Das ist inhaltsleerer Kindergarten.
  2. Die heutige Linke ist alles, nur nicht frei von Hass.

gegen die Spaltung der Gesellschaft und gegen Rassismus

Wer die Welt in die bösen „Rassisten“ und die guten „Antirassisten“ einteilt und der anderen politischen Seite nur mit Ignoranz und Vorverurteilung begegnet und wer darüber hinaus z.B. Weiße gegen „People of Colour“ (oder Frauen gegen Männer) ausspielt, der ist es, der die Gesellschaft spaltet.

für bunt statt braun

  1. Ihr seid nicht „bunt“, ihr seid rot. Meinungspluralismus (bunt) ist etwas wofür die heutige Linke so gar nicht steht – schon gar nicht in der Flüchtlingsfrage.
  2. Eure Gegner sind längst nicht alle Nazis (braun). Das ist wieder die alte Vorverurteilung. Wann versteht die Neue Linke endlich, dass sie ihre Gegner nicht einfach mit den Braunhemden der SA gleichsetzen kann!

gegen rechts

Das alte Feindbild, das der Tabuisierung aller Meinungen, die gegen links sind, dienen soll – sich also grundsätzlich auch gegen Feminismuskritiker richtet. Hierzu ein Auszug aus einem vorangegangenen Artikel von mir:

Der identitätspolitische Kampf „gegen rechts“ – Der undemokratische Kult um ein Tabuwort

Natürlich kann man gerne gegen eine beliebige rechte Position sein, aber dann nenne man diese doch bitte beim Namen und erkläre warum man sie ablehnt; anstatt dass man einfach in einem Akt kollektiver Selbstvergewisserung klar stellt, dass man irgendwie gegen rechts ist. Dieses Bekenntnis ist keine Argumentation sondern reine identitäre Abgrenzung im Sinne eines Lagerdenkens.

 

Das Problem ist nun – ich möchte es nochmal wiederholen – nicht, dass sich Bürger gegen Islamhass und Fremdenfeindlichkeit einsetzen, sondern das Problem ist, dass sie sich dabei von linker Ideologie vereinnahmen lassen und sich mit Politikern und Aktivisten gemein machen, deren Verhältnis zur freiheitlichen Demokratie höchst zweifelhaft ist. Damit machen sie ihren Protest unglaubwürdig und tragen zur Abschottung der Lager bei. Und das zweite Problem ist, dass die unkritische Berichterstattung dies unterstützt. Für die Geschlechterfrage ist dies von Belang, weil die Front gegen rechts selbstverständlich auch gegen Feminismuskritiker instrumentalisiert werden wird, auch wenn dies von den meisten Teilnehmern solcher Demos nicht intendiert sein dürfte.

 

2. „Frauenvolksbegehren“ in Österreich

Die FAZ interviewt Lena Jäger, Projektleiterin des „Frauenvolksbegehrens“ in Österreich. Diese glänzt in ihren Antworten mit Widersprüchen und unsinnigen Erklärungen, die äußerst bescheidene Kenntnisse von Politik, Gesellschaft und dem eigenen Tun offenbaren. Wer sich den Quark durchlesen möchte, kann das hier tun. Viel wichtiger ist jedoch, in die Forderungen des Volksbegehrens einzusteigen, die in dem Interview viel zu kurz kommen. Der Forderungskatalog ist lang; ich versuche es mal runterzubrechen:

  • 50%-Zwangsquoten für die gesamte Gesellschaft, einschließlich des politischen Betriebs (Einschränkung der Demokratie)
  • umfassende Zensur- und Umerziehungsmaßnahmen (Werbung, Bildungseinrichtungen) gegen alles was nicht genderkorrekt ist
  • staatliche Förderung feministischer Medienberichterstattung (institutionalisierte politische Beeinflussung der Medien)
  • „Volle Lohntranzparenz“ und tiefe Eingriffe in marktwirtschaftliche Lohnentwicklung
  • Verpflichtung von privaten Unternehmen zu Gleichstellungsmaßnahmen
  • 30h-Woche für alle (damit soll die geschlechtliche Aufgabenverteilung irgendwie abgeschafft werden)
  • mehr Unterhaltskram für Alleinerziehende (davon hab ich Gott sei Dank keine Ahnung)
  • Rechtsanspruch auf kostenlose öffentliche Vollzeit-Kinderbetreuung bis 14 Jahre (!)
  • komplett steuerfinanzierte Verhütungsmittel und Abtreibungen (in allen Krankenanstalten)
  • mehr Frauenhäuser
  • geschlechtergetrennte Unterbringung von Flüchtlingen (auch Ehepartner scheinen mitgemeint zu sein)

 

Knapp eine halbe Million Österreicher hat sich für diesen antidemokratischen und freiheitsfeindlichen, prüden und männerverachtenden Scheiß begeistern können und hat das Volksbegehren unterschrieben. Viele haben wahrscheinlich nur „Frauen“ gelesen und ihren Stempel drunter gesetzt.

 

3. Pay Gap in MINT-Branche

Die FAZ berichtet über den GPG in MINT-Berufen fast ohne femi-Moralisierung. Die gemessenen Werte sind relativ hoch. Die Überschrift „Was Frauen verdienen und Männer bekommen“ ist wohl als Unterstellung zu verstehen, dass Männer das bekommen würden, was eigentlich Frauen erarbeitet haben. Weiter heißt es dann im Artikel, Frauen verdienten „zu wenig“. Diese Wertung, die eine Ungerechtigkeit suggeriert, ist eigentlich hinfällig, wo am Ende des Artikels doch zugegeben wird, dass

allerdings der unbereinigte Wert wenig aus[sage], da die Analysten unterschiedliche Stellenprofile miteinander verglichen. Um eine exakte Aussage bezüglich der Entgeltlücke treffen zu können, müsse der Wert nach vielen Parametern bereinigt werden. In ihrer Auswertung seien lediglich der Beruf, die Personalverantwortung sowie das Studienfach berücksichtigt worden.

 

4. ZEIT: Frauenbewegung von Problemen entfremdet, zerstritten und unverständlich – aber trotzdem voll wichtig

Bei Zeit Online gibt es die feministische Rubrik „10 nach 8“, deren Artikel auf der Blödsinn-Skala von 1 bis 10 meistens im Mittelfeld liegen. So auch der neue „10 nach 8“-Artikel von Caroline Rosales, die sich als „ganz gewöhnliche Frau“ vorstellt. Wie das ganz gewöhnliche Frauen so machen, besucht sie feministische Lesezirkel und versucht, sich so weit wie möglich feministisch korrekt zu verhalten. Doch die intellektuellen Diskurse sind ihr zu hoch und die unterschiedlichen Ansichten darüber, wie sich die moderne Frau zu verhalten hat, setzen ihr zu. Anscheinend schafft sie es nicht, nach ihren eigenen Überzeugungen zu denken und zu handeln und macht sich lieber von anderen abhängig. Folgerichtig beklagt sie daher die akademische Abgehobenheit und die Grabenkämpfe innerhalb der Bewegung. Nun versucht sie aber diese Meinungsverschiedenheiten und ihren theoretischen Unterbau zu ignorieren und Einigkeit zu beschwören, damit den „ganz gewöhnlichen Frauen“ endlich geholfen werden kann. Was diese vereinten feministischen Kräfte inhaltlich leisten sollen, weiß die Autorin aber auch nicht so genau. Das einzige handfeste, was ihr hier einfällt ist die Abschaffung von §219a (Verbot der Werbung für Abtreibung). Ansonsten noch irgendwas gegen „Mutterbild“ und Kleinfamilie und dann soll noch irgendeine neue Partei gegründet werden. Na, da werden sich die gewöhnlichen Frauen aber freuen. ;D

In Wirklichkeit geht es mal wieder nur um das gar furchtbarste Übel für die Sache der Frau: Dass die bösen Rechten in der Frauenfrage mitreden und den Feminismus kapern. Also heißt es mal wieder: gegen rechts – egal warum.

Denn während wir Frauen uns selbst kannibalisieren, haben ausgerechnet populistische rechte Parteien das Thema Feminismus für sich entdeckt. Die AfD in Deutschland, der Rassemblement National (RN) in Frankreich, die Trumps (insbesondere Ivanka) schmücken sich mit dem Wort, instrumentalisieren es […]

Merkt die Autorin nicht, dass sie damit die beklagten Grabenkämpfe einfach nur nach rechts verlagert und geht es ihr wirklich nur um die Belange der „ganz gewöhnlichen Frauen“ oder doch nicht vielmehr um die eigene linke Diskurshoheit, von der andere Frauen überhaupt nichts haben?

 

5. ZEIT: Abtreibungsfrage

Feministen tun zur Zeit so, als würden die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden, weil es in Deutschland ein Werbeverbot für Abtreibung gibt. Die Zeit berichtet jedoch ausgewogen und unaufgeregt (Daumen hoch!).

§219a hat den Zweck zu verhindern, dass Abtreibung als etwas normales unbedenkliches gehandhabt wird. Man muss nicht so weit gehen, Abtreibung als „Mord“ zu bezeichnen, aber es handelt sich nun mal um etwas, was in diese Richtung geht, unter Umständen eine Straftat darstellt und daher nicht öffentlich normalisiert werden sollte. Daher finde ich den Gedanken von §219a grundsätzlich richtig. Ein Verbot, über Schwangerschaftsabbruch nur zu informieren, halte ich jedoch für falsch. Hier gibt es auch verfassungsrechtliche Bedenken. Die ZEIT berichtet von einem problematischen Gerichtsurteil diesbezüglich. Ein zweiter Artikel zu dem Thema lässt die AfD-Politikerin Beatrix von Storch zu Wort kommen, die §219a verteidigt:

„Was rechtswidrig ist, darf nicht beworben werden“, sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Abtreibung ist kein Menschenrecht.“ Sie wünsche sich stattdessen eine „Willkommenskultur für Kinder“.

 

Frauenministerium sponsert linke Propaganda gegen Gleichstellungskritiker

Wie Genderama heute früh berichtete, hat die PC-linke Amadeu-Antonio-Stiftung zusammen mit der BAG („Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen“) und dem Frauenministerium eine 50-seitige Broschüre herausgegeben, in der Kritik an Gleichstellungspolitik mit Antifeminismus und Rechtspopulismus und ähnlichem Teufelszeug gleichgesetzt und insbesondere als verfassungsfeindlich und antidemokratisch dargestellt wird. Auf der von Genderama verlinkten Seite ist diese Broschüre nicht hochgeladen, ich habe sie jedoch auf der Seite der BAG gefunden. Die Broschüre hat es vorallem auf die AfD abgesehen, die grundsätzlich von oben herab als politischer Außenseiter behandelt wird, deren geschlechter- und familienpolitischen Positionen nicht verhandelbar sind, da sie „antifeministisch“ wären. Die politische Gesinnung reicht den staatlich geförderten linken Autoren als Grund für politische Ausgrenzung vollkommen aus. Der Gedanke, die AfD als gleichberechtigten Teilhaber des politischen Diskurses zu behandeln, ist den Autoren fremd. Die Männerechtsszene wird kaum namentlich erwähnt, man muss aber fest davon ausgehen, dass sie bei dem Gerede über Antifeministen und Gleichstellungsgegner mitgemeint ist. In der Literaturliste finden sich reihenweise Schriften von Andreas Kemper, Böllstiftung und Rosa-Luxemburg-Stiftung, also von Ideologen, die männerrechtliche Anliegen für Naziideologie halten. Wenn die Regierung solche parteiische Agitation von links finanziell fördert, strebt sie an, Gleichstellungskritiker mundtot zu machen und verstößt sie daher indirekt gegen GG Art.3 (3), der festlegt, dass staatliche Behörden die Pflicht zur politischen Neutralität haben:

Niemand darf wegen seine[r] […] politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

– GG Art.3(3)

Wo wir gerade beim GG sind. Ein altbekannter feministischer Propagandatrick der Broschüre ist die gezielte Verdrehung von GG Art. 3:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes […] benachteiligt oder bevorzugt werden. […]

– GG Art.3

Aus dieser Gleichberechtigung zu der der Staat verpflichtet ist, wird in der feministischen Broschüre konsequent eine Verpflichtung zur sozialen Gleichstellung und dementsprechend Frauenförderungspolitik gedreht, die aber eben diesem Grundgesetzartikel (Verbot der rechtlichen Bevorzugung/Benachteiligung) glatt widerspricht. Man darf nicht annehmen, dass den feministischen Autoren oder dem unterstützendem Ministerium dieser Grundwiderspruch unbekannt wäre oder sie das Grundgesetz einfach anders interpretieren – das wäre naiv. Im Gegenteil: diese politischen Agitatoren sind sich über die Bedeutung des Art.3 GG sehr wohl bewusst und daher versuchen sie gezielt, den Begriff der Gleichberechtigung zu verwässern und durch Gleichstellung zu ersetzen. Gleichstellungsgegner und Bürger, die von natürlichen geschlechtlichen Unterschieden bzw. Geschlechterrollen ausgehen, sollen durch diese Diskursstrategie aus dem „demokratischen Spektrum“ heraus gedrängt werden. Ein paar Beispiele für diese gezielte Verwässerungsstrategie aus der Broschüre:

Aus einem Interview mit einer Politologin, mit deren Positionen sich die Broschüre gemein macht:

Ich bin auch immer noch so optimistisch zu sagen, in diesen Angriffen gegen Gleichstellung und Gender liegt auch eine Chance: […] Auch gibt es eine hohe Akzeptanz dafür, dass der Staat die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern fördert – so steht es ja in unserer Verfassung […].

(S. 24/25)

Und weiter:

Hier werden zwei Dinge miteinander vermischt: der Verfassungsauftrag des Staates zur Durchsetzung der Gleichberechtigung und eine politische Strategie – dem Gender Mainstreaming – zu eben diesem Zweck. Der Staat hat laut Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes für tatsächliche Gleichstellung zu sorgen.

(S.25)

Aus einer Handlungsempfehlung, wie mit der feminismuskritischen AfD umzugehen ist:

Und die AfD muss umgekehrt gefragt werden, ob sie die Rechtstaatlichkeit respektiert, denn auch im Grundgesetz steht, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind. Und um diese Gleichstellung zu erreichen, sind Gleichstellungsstellen und noch mehr nötig.

(S.36)

Ansonsten kommt der Begriff „Gleichberechtigung“ in der 50-Seiten Broschüre übrigens kaum vor. Er wird fast nur im direktem Zusammenhang mit Art.3 GG erwähnt um dann im nächsten Satz gleich wieder von „Gleichstellung“ abgelöst zu werden, der scheinbar dasselbe bedeuten soll. „Gleichstellung“ wird ansonsten mantraartig und inflationär verwendet. Die Absicht der gezielten Verzerrung und Manipulation des Konzepts der Gleichberechtigung, auf dem unser freiheitlicher Rechtsstaat aufgebaut ist, ist klar erkennbar.

Zynischerweise wird dann ausgerechnet denen, die solch ein korruptes verlogenes Schindluder mit dem Grundgesetz kritisieren, vorgeworfen antidemokratisch zu sein – mit freundlicher Unterstützung der Regierung und des Steuerzahlers.

Giffey: Familienpolitik aus der Mottenkiste

Bundesfamilienministerin Giffey (SPD) wärmt den Vorschlag auf, Unterhaltssäumigen mittels Führerscheinentzug zur Zahlung zu bewegen.

Zunächst einmal: Was für eine Abstrusität. In Deutschland gibt es in der Justiz zwei Ansätze zur Bestrafung bzw. Beugung: Geldstrafen und Freiheitsentzug. Die Wegnahme des Führerscheins kommt nur bei Delikten im Strassenverkehr zum Einsatz und soll denjenigen die Fahrerlaubnis nehmen, die sich nicht angemessen verhalten haben bzw. ein Sicherheitsrisiko darstellen. Das ist kausal, das macht Sinn. Betrunken Auto gefahren? Lappen weg.

Was für Formen der phantasievollen Gängelung kann man für die Zunkunft erwarten? Die Sperrung des Netflix-Zugangs? Zigaretten-Verbot? Man darf nicht mehr grillen? Der Vorschlag von Giffey ist absurd und aktionistisch-hilflos, auch unabhängig vom zutreffenden Gegenargument, dass viele Bürger auf den Führerschein angewiesen sind, um ihrer Erwerbsquelle nachkommen zu können.

Und warum soll so etwas gerade bei Unterhaltssäumigen Premiere feiern? Es gibt doch viele andere Delikte, bei denen man das schon hätte machen können? Nun, es handelt sich weit überwiegend um Männer, die zu Unterhaltszahlungen verpflichtet wurden. Mit denen kann man es ja machen. DAS ist der Grund. Für weibliche Vergehen (um beim Thema zu bleiben: Kindesentzug!) käme man nie auf solche hirnverbrannten Ideen, es wäre nicht populär, treusorgenden Müttern so etwas anzutun.

Und es soll anprangernd wirken, öffentliche Sichtbarkeit entfalten. „Herr Schulze kommt nicht  mehr mit dem Auto zur Arbeit? Hm, seltsam … war da nicht auch was mit seinen Kindern nach der Scheidung? Oder hat er zu tief ins Glas geschaut und war unter Alkoholeinfluss am Steuer?“.

Wenn Verpflichtete ihren Zahlungen nicht nachkommen, sollte man zunächst nach ihren Beweggründen schauen. Warum zahlen sie nicht? Was liegt da in der ganzen familiären Situation im Argen? Aber das würde miteinbeziehen, auch auf das Verhalten der Mütter einzugehen, dieses zu bewerten und gar zu ahnden. Aber es ist bekannt, das solche Dinge meist nur auf Papier verewigt sind und seltens zu tatsächlichen Konsequenzen führen. Vom Wechselmodell, dass die Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind auf gerechtere Beine stellen würde, will man da gar nicht anfangen zu reden. Angesichts des vorliegenden Vorhabens mutet dieses wie eine Utopie an.

Der jetzt angestrebte Versuch der Gängelung von Männern ist eine späte Geburt einer hoffentlich vergehenden Epoche. Eine Haudrauf-Methode, weil es ja immer schon so war, dass der Trennungsvater zu zahlen und sich ansonsten nicht zu melden hat. Eine Epoche, als „Patchwork-Familie“ und „soziale Väter“ noch Fremdwörter waren. Eine Epoche in der die Ansprüche und Gefühle der Männer nicht interessierten. Aber darum kümmert sich Giffey nicht, es bleibt beim „Frauen zuerst“.

Warum nur lassen sich Männer diesen Anachronismus gefallen, der sich allein schon durch solche perfiden Vorschläge äußert? Warum gibt es keine Demonstrationen in Berlin um zu zeigen, was man von dieser einseitigen „Familienpolitik“ hält?

Das Patriarchat schlägt zurück! – Antwort auf Djadmoros

Antwort auf diesen Blogpost von djad über die Problematik des Patriarchatsbegriffes

Patrimonal und Patriarchal

Diesen Übergang von der patriarchalen Gesellschaft der Jungsteinzeit zur patrimonalen Gesellschaft der Antike (bis Moderne) ist verständlich; doch schließt das eine das andere nicht aus. Der Kern der patrimonalen Gesellschaft ist nicht das Patriarchat (dt. ‚Väterherrschaft‘), wohl aber ein Patriarchalismus (dt: ‚Väterherrschaftlichkeit‘). Ersteres ist im weiteren Sinne eine konkrete Hausgemeinschaft und zweiteres eine allgemeine Struktur. Sie verhalten sich zueinander wie Königreich und Monarchie oder Monarchismus. D.h.: die Gesellschaft besteht immer noch aus patriarchalen Familien und der Herrscher (König etc.) ist ebenfalls ein Patriarch seines eigenen Hauses, nur dass sein Haus eine übergeordnete Stellung in der Gesellschaft einnimmt, er außerdem die Funktion eines Patrimons einnimmt und die Macht der anderen Hausherren damit beschnitten ist. Die Gesellschaft als Ganzes hat dementsprechend also immer noch den Patriarchalismus als Charaktermerkmal mit der jungsteinzeitlichen Gesellschaft gemein. (siehe Grafik unten)

Das, bei diesen [patriarchalen] Typen, völlige Fehlen eines rein persönlichen
(›patrimonialen‹) Verwaltungsstabs des Herren ist dafür bestimmend. Der Herr ist daher von dem Gehorchenwollen der Genossen noch weitgehend abhängig, da er keinen ›Stab‹ hat. Die Genossen sind daher noch ›Genossen‹, und noch nicht: ›Untertanen‹.« (Weber 2014, S. 165)

Dass Weber hier allerdings zu meinen scheint, dass die patrimonale Herrschaft automatisch die patriarchale beendet, erschließt sich mir nicht. Ich meine, dass die patrimonale Herrschaft nur eine Erweiterung darstellt. Hierfür ein kleiner Ausflug ins Altgriechische: monia (von Patrimon, Hegemon) heißt ‚Oberherrschaft‘ und arche (Patriarch) heißt ‚Herrschaft‘. Oberherrschaft ist eine Form der Herrschaft, dementsprechend ist ein Patrimon eine Form des Patriarchen.

(Danke an meinen „Pleitegriechen“ 😉 )

 

Patriarchalismus und Gesellschaft

»patriarchal« können Gemeinschaften erst in dem Moment werden, in dem sie eine explizite Ordnung für die Familienverhältnisse einer Gesellschaft festlegen müssen, weil aufgrund von Sesshaftigkeit und Bevölkerungszunahme ein genereller Ordnungsbedarf für das Zusammenleben entstanden ist, also seit der neolithischen
Revolution.

Soweit richtig.

Aber diese Gesellschaften haben zugleich einen Ordnungsbedarf, der über die Ordnung von Geschlechterbeziehungen hinausgeht und aus diesen nicht abgeleitet werden kann.

Diese weitergehende Ordnung wurde vielleicht nicht direkt aus der Geschlechterordnung abgeleitet, aber eben aus der Familienordnung. Stellen wir uns eine Stammesgesellschaft vor, die in Clans gegliedert ist und nun einen gemeinsamen Rat abhält: legitime Vertreter eines Clans sind hier nicht die Mütter und nicht die Knechte oder Haussklaven, sondern die Hausherren (und vielleicht die Söhne).
Was, wenn nun doch die Mutter zum Rat kommt und zwar nicht weil ihr Mann gerade Schnupfen hat, sondern weil sie eben „die Hosen an hat“? Nach deiner Theorie müssten nun die anderen Männer sagen: „Alles in Ordnung, kann uns ja egal sein, schließlich wird unsere gemeinsame Ordnung ja nicht aus der Geschlechterbeziehung abgeleitet. Also setz dich, nimm dir’n Keks.“
Und nach meiner Theorie sagen sie: „Nein, geehrte Frau, das geht nicht, nach den Regeln unseres Stammesrates beraten sich hier nur die Clanführer, also die Herren der führenden Häuser“.
Sprich: Es gibt hier eine über die Familie hinausgehende gesellschaftliche Ordnung, die regelt, wer rechtmäßiger Erbe, Vertreter, Vormund etc. ist und damit im direkten Zusammenhang stehend gibt es allgemeine Ehe- und Verhaltensregeln. Und da nun all diese gesellschaftlichen Regeln (typischerweise) patriarchal – im Sinne: durch den Patriarchalismus der Familien bestimmt – sind, ist diese Gesellschaft dementsprechend patriarchal. Wie sollte man diesen eben beschriebenen gesellschaftlichen Charakterzug sonst bezeichnen?

Du sagtest schon auf den sinngemäß gleichen Gedanken:

Nein. Dann ist dies nur eine Gesellschaft mit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung

Nicht ganz. Es ist keine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, sondern eine geschlechtsspezifische Aufgabenverteilung. Und die Herrschaft (gr. arche) ist eben die Aufgabe des Herren, also des Hausvaters (gr. pater) und die Arbeit in der Hauswirtschaft(!) ist vor allem Aufgabe der Hausangestellten (inklusive Frauen). Und eben eine solche oder ähnliche Aufgabenverteilung heißt ja Patriarchalismus im soziologischen Sinne, nicht mehr und nicht weniger.
Das heißt nun nicht, dass die Hausangestellten keine Macht haben. Macht und Herrschaft sind zu trennen, aber das gehört nicht hierher.
Das ist das antike griechische Modell, das mir bekannt ist. Soweit ich weiß, lässt es sich auf andere vormoderne Gesellschaften/Familienordnungen übertragen. Natürlich mit gewissen Einschränkungen, wie z.B. bei der Grundherrschaft mit den Leibeigenen, die ihre eigenen Hausherren und gleichzeitig Angestellte des (patriarchalen/patrimonalen) Grundherren sind. Außerdem gibt es die Einschränkung, dass die patriarchale Ordnung im christlichen Europa schrittweise zerfällt, bzw. was mir besonders wichtig ist: dass sich in der Neuzeit auf den Staat überträgt (z.B. absolutistischer Staat, in dem alle männlichen Untertanen, als ‚Hausangestellte‘ des Königs zu betrachten sind). Siehe das Modell unten, das skizziert, wie die Gesellschaft ihren patriarchalen Charakter zugunsten anderer Ordnungsmuster verliert, die Menschen also mehr und mehr zu Untertanen oder Bürgern des Staates werden und keine hauseigene Herrschaft mehr ausüben (können) und das gesellschaftliche Privileg, ein Hausherr zu sein an Bedeutung verliert.

patriarchalismus
Ein mögliches Modell über den schrittweisen Rückgang des Patriarchalismus in der europäischen Zivilisation. Die Kurve hat natürlich einen relativ willkürlichen Verlauf. Als wichtigsten Wendepunkt würde ich die Industrialisierung sehen, da sich hier die hauseigene Wirtschaft zugunsten von Kaptialgesellschaften auflöst und die Proletarisierung einsetzt.

Es ist sicher verfehlt, auch bei unserer Gesellschaft noch von einer „patriarchalen“ zu reden (ich würde dies seit spätestens 1918 nicht mehr tun), denn dieses Merkmal ist heute zu schwach. Doch auch wenn die patriarchale Ordnung heute nicht mehr in gesetzlicher Form vorzufinden ist, meine ich, dass sie (wenn man ein Mikroskop nimmt) noch in Europa anzutreffen ist und zwar nicht nur z.B. bei kleinen patriarchal geführten türkischen Familienbetrieben, sondern auch in Traditionen wie der Weitergabe des männlichen Stammnamens (gibt’s das in Deutschland noch?), in diversen Subkulturen oder den Resten der geschlechtlichen bürgerlichen Rollenverteilung; wobei mir unklar ist, inwiefern diese noch durch Erziehung beeinflusst ist oder nur biologisch bedingt ist (durch die naturhaft engere Bindung der Frau an die Kinder und den naturhaft größeren Drang des Mannes „nach draußen“ und den Trieb, Frauen zu protegieren). Letztendlich geht sowieso beides, Natur und Kultur, ineinander über.

Im Nationalsozialismus ist – wie auch im radikalen Islamismus – der Rückgriff auf die Tradition ein ideologisches Feigenblatt, unter dem sich der Übergang zu modernen Sozialformen versteckt. Mit patriarchaler Herrschaft hat das jenseits des Vokabulars nichts mehr zu tun, es geht um das Finden von Legitimationsgründen für die totalitäre Herrschaft über eine moderne, industrielle Massengesellschaft

Ja das stimmt, deswegen meinte ich ja auch, dass der Führerstaat und der Nationalismus der „traditionellen Vorstellung eines Staates als Haushalt, der einen männlichen Hausvater hat“ folgt, bzw. davon beseelt ist; aber nicht, dass er es selbst ist. Die traditionelle patriarchale Familie hat für die moderne Autokratie eine Vorbildfunktion. Das kann man als propagandistisches „Feigenblatt“ bezeichnen, muss man aber nicht. Deswegen erwähnte ich in diesem Zusammenhang auch die Kirche. Denn sie ist nach einem ähnlichen Muster strukturiert. Das heißt, das Patriarchat der Familie wird hier wie dort auf eine pseudo-familiäre Ordnung projiziert und nimmt im Falle des modernen Nationalstaats sogar manchmal seine Struktur an. (z.B. das moderne Patriarchat der nordkoreanischen Staatsführung)

Und Thing und Vorstandssitzung in demselben Satz zu nennen, halte ich für unzulässig, gerade weil es den historischen, institutionellen Entwicklungs-unterschied zwischen Thing und Vorstand plattmacht. Thing und Vorstandssitzung finden nicht in demselben Typ von Gesellschaft statt, und sie über die Charakterisierung als Männergremium gleichzusetzen, ist exakt der feministische Taschenspielertrick, der keine anderen Kriterien als dieses gelten lassen will.

Da sowohl die germanische Stammesgesellschaft (Thing) als auch die Industriegesellschaft vor der „Emanzipation“ (Vorstandssitzung) das gemeinsame Merkmal patriarchaler Ordnung hatten; wenn auch mal mehr und mal weniger stark ausgeprägt, ist dieser Vergleich zulässig. Natürlich hat ein modernes kapitalistisches Unternehmen nur noch ansatzweise Ähnlichkeit mit einer traditionellen Hausgemeinschaft; aber es ist eben historisch genau daraus entstanden. Und es wäre naiv, anzunehmen, dass die patriarchale Aufgabenverteilung (siehe oben) nichts mit der heutigen Geschlechterrollenverteilung zu tun hat. Das verleitet Feministen dazu, Vorstandssitzungen als „Männerrunden“ abzukanzeln und über strukturelle Frauendiskriminierung zu sinnieren, weil es eben der herkömmlichen patriarchalen Wirtschaftsordnung ähnlich ist.

Die Entstehung der modernen Gesellschaft ist natürlich ein Prozess, in dem sich die Überreste des Ancien Régimes schrittweise und nicht ohne Rückschläge und restaurative Phasen auflösen. Aber nach der Französischen Revolution sind das nur noch zum Untergang verurteilte, ephemere Oberflächenstrukturen.

Dafür waren aber diese „ephemeren Oberflächenstrukturen“ nach 1789 aber noch erstaunliche ca. 150 Jahre haltbar. Und das in einer sich rasant verändernden Gesellschaft. Abgesehen davon ging es ja hier auch um die Zeit weit vor 1789. Außerdem siehe oben (Projektion des Patriarchats auf den modernen Staat). Abgesehen davon glaube ich nicht, dass der Patriarchalismus zum Untergang verurteilt ist.

Die Formulierung von der »dementsprechenden Prägung der Gesellschaft« ist genau die perspektivische Verzerrung, die uns der feministische Patriarchatsbegriff eingehandelt hat und die ich kritisiere. Dieses »gemeinsame Charaktermerkmal« ist eine optische Täuschung, weil es die gesamte sonstige historische Entwicklung, die sich währenddessen vollzieht, aus dem Blickfeld rückt.

Man vergleicht einfach nur unterschiedliche Gesellschaften und gibt ihnen ein gemeinsames Merkmal. Stell dir vor, A behauptet: „Krieg hat es immer und in unterschiedlichsten Gesellschaften gegeben und jede Gesellschaft war davon geprägt“ und B antwortet: „Das ist eine Verzerrung, die uns der Pazifismus (oder Militarismus) eingebrockt hat und durch die historische Entwicklungen aus dem Blickfeld geraten.“
Nichts soll hier aus dem Blickfeld geraten. Natürlich hat patriarchale Herrschaft ganz unterschiedliche Formen. Aber der Kern bleibt eben.

 

Patriarchat und Unterdrückung der Frau durch den Mann in der feministischen Ideologie

Damit befinde ich mich im direkten Gegensatz zu den feministischen Theorien, die an dieser Stelle die neuen Herrschaftsformen aus ihrem »Sündenfallmodell« der Männlichkeit hervorgehen lassen.

Ich auch. Aber ich meine, dass es eine Theorie vom Sündenfall und die beschriebene Psychologisierung des bösen Mannes eigentlich nicht braucht und die feministische Ideologie auch locker ohne auskommt (abgesehen davon würde ich einer Psychologisierung, die auf die Herrschaftlichkeit, der eigentlichen Bedeutung von „Herrlichkeit“, der männlichen Natur abzielt, nicht im Wege stehen). Die, wie ich aber meine, weiter verbreitete feministische Sicht ist diese, dass „das Patriarchat“ (was auch immer es gerade ist) halt irgendwann mal entstanden ist (warum, ist egal), nun noch resteweise besteht und „abgeschafft“ werden muss. Sündenfall und Psychologisierung ist nicht der zentrale feministische Denkfehler, sondern nur eine zweifelhafte historische Herleitung des realen Patriarchalismus. Der zentrale Denkfehler ist für mich stattdessen der feministische Begriff, wie du es schon sagst:

In der […] feministischen Perspektive repräsentiert der Mann das Gesamtsystem.

Und genau das wird dann als „Patriarchat“ bezeichnet und „patriarchal“ bezeichnet dann nur männlich geprägte Strukturen oder was Feministen dafür halten.

Der Begriff schränkt den Blickwinkel monoman auf die Wahrnehmung von »Frauenunterdrückung« ein und verstellt zudem den Blick auf die Zivilisationsgeschichte als einer Sukzession von mal mehr, mal weniger konstruktiven und erfolgreichen Lösungsversuchen für das im Neolithikum entstandene soziale Komplexitätsproblem, die am Ende unter anderem auch die Voraussetzungen für die Frauenemanzipationsbewegung selbst hervorbringen.

Und da eben „der Mann“, (vor allem der ganz besonders gefährliche „weiße heterosexuelle“), immernoch wesentliche ökonomische und politische Schlüsselpositionen der Gesellschaft mehrheitlich besetzt, obwohl Regierung und Medien „Geschlechtergleichheit“ ausrufen, muss er aus feministischer Perspektive immer noch als „Stellvertreter der gesellschaftlichen Verhältnisse“ herhalten.

Wenn ich nun vom Patriarchat oder Patriarchalismus rede, rede ich nicht von einem Patriarchat als Gesamtsystem (im Sinne: „Unsere Gesellschaft ist ein Patriarchat“) und auch nicht von einer Geschlechterordnung, die zwischen dem Mann und der Frau an sich besteht, sondern von einem Merkmal der traditionellen Familienordnung, das sich mal mehr und mal weniger auf die gesamte Gesellschaft auswirkt.
Ich rede ferner nicht allgemein von Frauenunterdrückung, sondern von einem familiären oder pseudofamiliären (Kirche, Staat, Unternehmen) Herrschaftsverhältnis oder in sehr abgeschwächter Form von einer Rollenverteilung. Über die Legitimität oder moralische Bewertung einer patriarchalen Ordnung mache ich übrigens gar keine Aussage.

 

Liebe und Gleichrangigkeit

Solche Konstellationen unter Randbedingungen, die »eigentlich« ein
Inbegriff »patriarchaler Verhältnisse« sind, wären prinzipiell undenkbar, wenn die
Kommunikationsbeziehungen intimer Vertrautheit zwischen den Geschlechtern nicht grundsätzlich auf Gleichrangigkeit ausgelegt wären. […] ‚Immer haben die Geschlechter sich verbunden, immer hat es Liebe zwischen Mann und Frau gegeben‘.

Ich weiß leider nicht, was du damit zum Ausdruck bringen willst. Seit wann sind intime Verhältnisse zwischen den Geschlechtern grundsätzlich auf Gleichrangigkeit ausgelegt? Sind Liebesbeziehungen nicht regelmäßig durch Hierarchie geprägt?
Meinst du, dass, wenn es eine intime Beziehung zwischen Mann und Frau gibt, auch automatisch eine Gleichrangigkeit hergestellt wird und es eine patriarchale Hierarchie in der Familie daher eigentlich nicht geben kann?
Vielleicht ist Rang hier der falsche Begriff und du meinst eher Wert. Wert legt aber nicht notwendigerweise den Rang fest. Und Liebe kennt nur subjektiven Wert aber keinen objektiven.

Reformbedürftig: Die Situation mit Kindern im Fall einer Trennung

Die Frage, die zu Beginn dieses Artikels gestellt wird, ist ungewöhnlich, weil die Antwort darauf gefühlt als Selbstverständlichkeit gilt. Daher wird sie gar nicht erst gestellt. Es mag Menschen geben, die diese Frage sogar unmoralisch finden, weil sie wie nach einer „Daseinsberechtigung“ klingt. Man kann auch über die Formulierung an sich streiten. Aber genug der Vorwarnung, die Frage lautet:

Warum schafft man sich Kinder an?

Die Antworten darauf mögen individuell verschieden sein, aber man liegt sicher nicht falsch, wenn man diese zusammenfasst unter: „Um sich an ihnen zu erfreuen“. Natürlich (schon wieder ein Disclaimer) ist bekannt, dass Kinder nicht nur Freude bereiten, sondern auch Mühe machen und die Eltern dafür verschiedene Einschränkungen in Kauf nehmen. Aber: Die Freude überstrahlt aber alle Mühe, sonst würde man das mit den Kindern lassen.

So lange die beiden Elternteile glücklich zusammenleben und an einem Strang ziehen, ist alles in bester Ordnung. Im Normalfall besprechen sich die Eltern untereinander, legen fest, wie die Kinder aufwachsen sollen und es gibt keine Einschränkungen hinsichtlich des Umgangs. Man gönnt sich die Kinder gegenseitig. Auch im finanziellen Bereich liegt die Entscheidung bei den Eltern. So können Wohlhabende beispielsweise die Entscheidung treffen, dass ihre Kinder doch eher bescheiden aufwachsen sollen, um damit einen erzieherischen Effekt bezüglich der Wertschätzung materieller Dinge zu erzielen. Oder umgekehrt: ein Paar mit geringerem Einkommen beschließt, ihren Kindern so viel wie möglich zukommen zu lassen und selbst stark zurückzustecken. Die Eltern sind da sehr frei, in jeglicher Hinsicht über die Kinder zu entscheiden.

Und dann kommt die Trennung und alles wird anders. Wenn es schlecht läuft – was nicht selten ist, weil sich die Ex-Partner nicht mehr grün sind -, dann kommt eine Menge Fremdbestimmtheit ins Spiel. Zumindest für ein Elternteil, meist den Mann.

Der Umgang wird stark eingeschränkt auf ein Wochenende alle zwei Wochen, vielleicht erschwert oder ganz vereitelt. Man wird wahrscheinlich zur Zahlung von Unterhalt verdonnert, dessen Höhe sich am Einkommen orientiert (vorbei die Zeiten, als man da ganz frei war und kein Hahn danach gekräht hat, was man den Kindern angedeihen ließ). Diesen Betrag „darf“ man an die Ex-Partnerin zahlen, auch wenn man deren Verhalten überhaupt nicht mehr schätzen kann. Da Geld ein homogenes Gut ist, weiß man nicht, wofür es tatsächlich ausgeben wird. Stellt in Frage ob es tatsächlich „so viel“ sein muß, gilt das als unmoralisch, und man selbst als jemand, der den eigenen Kindern nichts gönnt. Umgekehrt gilt es nicht als unmoralisch, möglichst viel zu fordern, egal, was aus dem Unterhaltsverpflichteten wird.

Und wenn es dann noch dicker kommt, dann lacht sich die Ex-Partnerin einen neuen Partner an und der hat künftig mehr von den Kindern, als der biologische Vater. Mit dem Unterhalt subventioniert man eine neue Familie.

Normalität nicht nur unter deutschen Dächern, mit dem Euphemismus „Patchworkfamilie“ benannt. Schaut man selbst in die Kontaktanzeigen der Onlineportale kommt einem als Mann ab und zu der Satz „Bitte ohne Altlasten“ unter die Brille (während männliche Inserenten auf Frauensuche auch mal ein „gerne auch mit Kind“ vom Stapel lassen). Vielleicht ist man auch gar nicht mehr in der Lage, selbst eine neue Familie zu finanzieren.

Bewertet man die Situation unter den Gesichtspunkten der Ausgangsfrage bleibt festzustellen: Die Freude an den Kindern wird drastisch eingeschränkt, dafür das Gefühl im Bauch, zusätzlich der Gelackmeierte zu sein durch Unterhalt und den fremden Mann, der „die Kinder hat“, ohne dafür wirklich aufkommen zu müssen.

Bevor jetzt Klagen im Kommentarbereich kommen, wie man dazu kommt, Kinder in eine Art „Kosten-Nutzen-Schema“ zu pressen: Es sind nicht die Kinder, mit denen das gemacht wird. Es ist die Situation. Und es ist nicht das gezahlte Geld, dass einen Indikator für die Liebe eines Vaters darstellt. Dieser Artikel beschreibt Emotionen. Enttäuschte Hoffnungen. Zugefügte psychische Schmerzen. Ärger und Wut. Vom Staat ungebremste Unfairness zwischen Partnern, die sich gegenseitig mal viel bedeutet haben, wovon kein Funke mehr zu erkennen ist.

Und auch diese Gefühle und Ansichten haben ihre Berechtigung. Schlaumeiereien, wie man etwas zu sehen, „richtig“ zu interpretieren hätte, helfen da nicht weiter.

Es geht nicht fair in den Dingen nach einer Trennung. Und auch, wenn es ein abgedroschener Hinweis ist: Würde das Frauen wiederfahren, was Männern (Vätern) wiederfährt, wäre es längst geändert.

Es bleibt die Hoffnung auf das Wechselmodell und dass staatliche/öffentliche Stellen ihre einseitige Unterstützung mehr und mehr verlassen (und das dies nicht nur auf dem Papier passiert).

 

[ Werbung: Gesellschaftsallerlei – Ein neuer Blog für gesellschaftliche, politische und Medien-Themen ]