16 Dinge, die in jeder Sexismus-Debatte immer wieder gleich verlogen sind

1. Disclaimer

Jeder Mann, der sich zur Debatte äußern will, hat erst einmal den Bückling zu machen und zu beteuern, dass er sexuelle Belästigung selbstverständlich in jedweder Form verabscheut, und Vergewaltigung ja sowieso. Meine Güte. JA. WAS. DENN. SONST?! Glaubt irgendwer, irgendein ernstzunehmender Mensch würde das heute nicht? Nur, es wird ihm nichts nützen, denn jede Stimme, die sich nicht vorbehaltlos in den digitalen Lynchmob einreiht, wird sowieso der „Relativierung“ geziehen werden.

2. „Sexismus“

Ohne diese Totschlagvokabel geht es natürlich nicht. Früher war Sexismus mal, wenn sich Männer per se Frauen gegenüber überlegen gefühlt haben, weil sie eben Männer sind. Oder umgekehrt Frauen sich Männern gegenüber überlegen gefühlt haben. Heute ist Sexismus jedes Verhalten von Männern, das irgendeiner Frau nicht gefällt. Ganz egal, ob er sich überlegen fühlt oder nicht. Und Frauen können laut Definition von Radikalfeministinnen gar nicht mehr sexistisch sein, egal wie widerwärtig sie sich Männern gegenüber benehmen.

Vor ein paar Jahren hat man noch für Vorkommnisse, die allenfalls unter schlechtes Benehmen fallen, die Variante „Alltags-Sexismus“ benutzt. Bis Feministinnen offenbar gemerkt haben, dass das Wort eine Kennzeichnung dafür ist, dass es eben doch nicht so wirklich richtiger Sexismus ist. Was dem Vorhaben der Skandalisierung von Nichtigkeiten entgegenstand. Also ist der „Alltag“ ist jetzt auch weitestgehend weggefallen.

Das Ergebnis haben wir jetzt: Der Begriff Sexismus ist so verwässert und ins Unendliche gedehnt worden, dass er schlicht unbrauchbar geworden ist, und nicht nur Männer inzwischen gähnend und achselzuckend abwinken, wenn sie ihn hören.

3. Debatte? Welche Debatte?

Im Grunde ist die Bezeichnung dieses Vorgangs als „Debatte“ schon ein Euphemismus. Um etwas ernsthaft als Debatte bezeichnen zu können, müsste es zwei gleichberechtigte Parteien geben, die ihre Standpunkte fair austauschen dürfen. Davon sind wir weit entfernt.

Wir haben auf der einen Seite Frauen, die sich aufs hohe moralische Ross des Opfertums setzen, die fordern, ihnen müsse bedingungslos geglaubt werden, und jeder, der ihre Anschuldigungen für nicht ganz so schlimm betrachtet oder sogar bezweifelt, ist ein Sexist, dem nur an der Perpetuierung des Patriarchats gelegen sein kann.

Auf der anderen Seite haben wir Männer, die pflichtschuldigst das Büßerhemd anzuziehen haben, alleine schon aus Kollektivschuldgründen, und zu beteuern, wie schrecklich sie das alles finden. Diejenigen Männer, die sich diesem Ritual verweigern, werden zu den öffentlichen Diskussionen gar nicht erst eingeladen und sind auf Anwältinnen wie Birgit Kelle oder gar Verona Pooth angewiesen.

Debatte ist was anderes.

4. „Endlich trauen sich Frauen“

Endlich, endlich trauen sich Frauen einmal, über ihre schlimmen Erlebnisse zu sprechen. Endlich das erste Mal – seit der letzten Kampagne vor zwei Jahren, und der vor vier Jahren, der vor sechs, der vor acht usw. Ich kann mich eigentlich an keine längere Periode in meinem Leben erinnern, in der es nicht ständige feministische Kampagnen gab, in der der Mann als das Übel der Welt schlechthin gebrandmarkt wurde. Das geht seit mindestens den 70er Jahren so zu, quasi permanent. Also lasst das mit dem „Endlich-trauen-sich-Frauen“-Quatsch doch bitte mal!

Also dann, bis zum nächsten „Schweigen brechen“ in zwei Jahren…

5. Frauen = Opfer, Männer = Täter. Basta.

Wenn die Sache mal so richtig schön am Rollen ist, will man sich von Quertreibern nicht das mit groben Strichen gemalte Bild versauen lassen. Wenn da also ein paar Männer zaghaft den Finger heben und darauf hinweisen wollen, dass es da durchaus nicht wenige Männer gebe, die ähnliches erlebt haben und daher die Rollenverteilung nicht ganz so eindeutig sei, wird das schnell als „Whataboutism“ nieder gemacht. Jetzt seien endlich mal die Frauen dran, ihr Wort zu erheben, – also endlich mal seit der letzten Kampagne vor zwei Jahren etc., wir hatten das oben schon. Kann es sein, dass mit dieser Einseitigkeit nicht nur Männer als Opfer unsichtbar gemacht werden sollen, sondern vor allem Frauen als Täterinnen?

6. Das omnipräsente „Tabu-Thema“

Es wirkt wie der Hohn, dass uns die neueste Kampagne wieder einmal als „Tabu-Bruch“ serviert wird, obwohl seit Jahrzehnten das Thema permanent in der Öffentlichkeit präsent ist und breit debattiert wird. Ohne Unterlass wird seit den 70ern eine „Keine Gewalt gegen Frauen“-Kampagne nach der anderen durchs Dorf gejagt, quasi andauernd wird darüber getratscht, und Ihr wollt uns immer noch erzählen, das sei ein Tabu-Thema? Wenn es wirklich ein Tabu-Thema gibt, über das bisher allenfalls ein paar Experten und dann noch so ein paar merkwürdige Männerrechtler reden, dann die Gewalt von Frauen, begangen an Männern.

7. Unschuldsvermutung? In die Tonne damit!

Wie sich das so in einer anständigen Moralpanik, die sich zu lynchjustizartiger Hysterie steigert, gehört: Es wird nicht lange gefackelt. Schuldig aufgrund Anklage ist das Motto der Stunde. Erst wird geschossen und hinterher nichtmal mehr gefragt. Wer was konkret gemacht hat, ob es überhaupt strafwürdig nach dem Gesetz ist, wenn ja, ob es verjährt ist, ob der Delinquent es zugibt oder sich gegen Anschuldigungen wehrt, es ist alles egal. Frau fand vor dreißig Jahren mal was unangenehm? Das muss doch reichen, um einen Mann mindestens beruflich zu ruinieren.

8. Definitionsmacht

Immer wieder sind so Sätze zu lesen wie etwa dieser: „Einzig und alleine die Frau kann selbst entscheiden, was sie als Belästigung empfindet, das darf ihr niemand absprechen und das muss respektiert werden.“ Ja und? Meinetwegen! Nur: Das bedeutet noch lange nicht, dass das irgendwer anders auch so sehen müsste, weder der direkte Gegenpart, noch das geneigte übrige Publikum. Man kann und sollte sich auch aus Höflichkeit danach richten und sich entsprechend verhalten, aber man ist nicht gezwungen, die Sichtweise der Anklägerin zu übernehmen. Und schon gar nicht ein Gericht, denn das braucht zweierlei Dinge, um Recht sprechen zu können, erstens einen klaren Straftatsbestand, d.h. eine Definition dessen, was strafrechtlich relevant ist, und zweitens klare Beweise. Da ist, mit Verlaub, das Empfinden einer Person reichlich dürftig. Wenn die sogenannte Definitionsmacht zur Grundlage von irgendwas gemacht werden soll, dann ist es allenfalls die Grundlage von Willkür.

9. Alles in einen Topf werfen, Teil I

Wie immer in solchen Debatten wird keinerlei Unterschied gemacht zwischen Straftaten, Dinge, die zwar straffrei sind, aber der Anstand verbietet, und eher lässlichen Sünden wie Blicken, nicht ganz jugendfreien Sprüchen oder missglückten Annäherungsversuchen. Alles wird unter dem beliebten Oberbegriff „Übergriff“ zusammengefasst. Ein Begriff, der für die Intentionen der Interessierten wie gemacht ist. Wenn es ihn nicht gäbe, man müsste ihn erfinden, suggeriert er doch automatisch schlimmeres, auch wenn in der konkreten Situation gar niemand zugegriffen hat. Da werden auch zu lange Blicke oder ein schlüpfriges Wort unter „Übergriff“ subsumiert, natürlich mit der Absicht, auch kleinste Vergehen zu skandalisieren.

All das geschieht, um die Grenzen sowohl zwischen Strafbarkeit und Unanständigkeit wie auch zwischen Unanständigkeit und Kavaliersdelikten, die vielleicht für die ein oder andere unangenehm sein mögen, aber im normalen Leben zu tolerieren sind, zum einen verschwimmen zu lassen und zum anderen in Richtung autoritärer Rigidität zu verschieben.

Man hätte in einer rationalen Debatte natürlich darüber diskutieren können, welche konkreten Verhaltensweisen in welche der drei Kategorien gehören sollten. Aber das passiert nicht, weil das auch gar nicht beabsichtigt ist. Beabsichtigt ist, dass es eben keine klaren Kriterien gibt, sondern alleine das Gefühl der Frau entscheiden soll, also letztendlich Männer unter die Willkür und damit Macht von Frauen gestellt werden. (Siehe: Definitionsmacht)

10. Alles in einen Topf werfen, Teil II

Wo man schon mal dabei ist, kann man ja auch alle anderen feministischen Dauerbrenner und auch den ein oder anderen Ladenhüter aufs Tapet bringen. Da soll auf einmal inkommodes, unziemliches oder auch strafbares, aber individuelles (Fehl-)Verhalten von Männern etwas mit Gehaltseinstufungen (Gender Pay Gap) oder mit Geschlechterquoten in Vorständen und Parlamenten zu tun haben. Das gipfelt dann in so Behauptungen, dass der „Sexismus“ aufgrund unterschiedlicher „Machtstrukturen“ bestehe, und nur damit bekämpft werden könne, dass Frauen zu gleichen Teilen an der Macht beteiligt wären. Als ob, wenn nur in den Vorständen der Firmen 50% Frauen sitzen würden, Männer aufhören würden zu versuchen, sich Frauen anzunähern, oftmals mit untauglichen Mittel und damit scheiternd. Wers glaubt, wird selig.

11. Machtstrukturen

Nur die ominösen Machtstrukturen, die immer angeführt, aber nie näher erläutert werden, sind daran Schuld, dass sich Männer daneben benehmen. Denn sexuelle Belästigungen haben natürlich nichts mit Sex zu tun, weswegen sie ja auch so heißen. Männer sind in überlegenen Machtpositionen, die sie über diese „Übergriffe“ an Frauen ausnutzen wollen. Der sprichwörtliche Bauarbeiter, der der Zeit-Online-Journaktivistin nachpfeift, ist ihr gegenüber selbstverständlich privilegiert und in einer Machtposition. Und man sieht ja auch, wie der machtvolle FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle die kleine Journalistin Laura Himmelreich regelrecht fertig gemacht hat, so dass sie sich ins Privatleben zurückziehen musste, während er Chefredakteur eines, naja, mehr oder weniger angesehenen Online-Dienstes geworden ist und weiterhin durch die Talkshows der Republik tingelt. Oder hab ich da jetzt was durcheinander gebracht?

Mal im Ernst: Wenn man sich anschaut, wie im Moment die Karrieren und Lebensläufe von Männern alleine aufgrund Anschuldigungen vom Kaliber „Hat mir mal ans Knie gefasst“ (Michael Fallon) oder „Hat nen Witz über Frauen erzählt“ (Tim Hunt) reihenweise kaputt gehen, wie kann man da im Ernst noch die Mär vom machtlosen scheuen Rehlein erzählen, ohne die eigene kognitive Dissonanz massiv verdrängen zu müssen?

12. Moderne Frauen, zurückgebliebene Männer

Immer wieder wird uns der Gegensatz zwischen den ach so modernen Frauen, die die Zeichen der Zeit erkannt hätten, und den Neandertalern von Männern, die immer noch in ihrem altertümlichen Patriarchatsgehabe verharren, vorgehalten.

Das ist ist eine Chimäre. Denn was soll an einer immer rigider werdenden Sexualmoral eigentlich modern sein? Für mich sieht das eher sehr deutlich nach einer gezielten Rückabwicklung der sexuellen Revolution aus, die im Zuge der 68er die Geschlechterverhältnisse befreite. Mich erinnert das immer mehr an meine Kindheit in einer bayerischen Kleinstadt in den 70ern, als noch katholische Nonnen mitbestimmten, was als Moral zu gelten hat. Dieser Mief zieht jetzt wieder ein, nur unter anderem Namen. Wenn die Zeiten schwierig sind, ist das immer Wasser auf die Mühlen der Reaktion. Ja, genau, Reaktion! Das, was Ihr da macht, hat nichts mit Fortschritt zu tun.

13. „Nicht jeder Mann ist…“

Danke für Eure geheuchelte Nachsichtigkeit, mit der Ihr uns doch tatsächlich zugestehen wollt, dass es auch ein paar wenige nette und anständige Männer gibt. Das sind wohl dann die, die sich als Feministen deklarieren? In Wirklichkeit wollt Ihr nur implizieren, dass die meisten Arschlöcher sind. Obwohl Ihr genau wisst, dass es eigentlich „So gut wie kaum ein Mann ist…“ heißen müsste. Aber auf ein paar schwarzen Schafen kann man ja auch keine Moralpanik aufbauen, um in deren Fahrwasser weitere Frauenbevorzugungsmaßnahmen zu fordern.

14. „Kommt in allen Gesellschaftsschichten vor“

Auch gerne in der Variante „Ist nichts neues, hat es schon immer gegeben.“ Diese Floskel stimmt zwar, ist aber ein Verschleierungsversuch, um nicht darüber reden zu müssen, dass sog. Übergriffe in bestimmten Gesellschaftsschichten signifikant häufiger und signifikant brutaler vorkommen als in anderen. Speziell natürlich, wenn es um den Elefanten geht, den keiner sehen will, nämlich der, der am Kölner Silvester besonders ausgiebig im Porzellanladen getanzt hat. Sehen will man nur weiße Männer, die ja an allem Schuld sind, auch wenn sie im Schnitt zivilisierter sind. Ich kann mich jedenfalls an keinen weißen Mann erinnern, der seine Frau an einem Seil hinter seinem Auto hergezogen hat.

15. Aufforderung zu Buße und Einkehr

Sorry, meine Damen, aber das kommt bei mir nicht an. Ich lehne es ab, mir irgendeine patriarchale Erbsünde andichten zu lassen. Ich bin für die Dinge verantwortlich, die ich verbockt habe, und in dieser Hinsicht habe ich mir nichts vorzuwerfen und insofern ein reines Gewissen. Wenn sich eine Frau von mir unziemlich behandelt gefühlt haben sollte, möge sie es mir bitte zeitnah mitteilen, damit ich mich auch entsprechend entschuldigen kann – sofern ich es für entschuldigungsbedürftig ansehe. Wenn allerdings jemand noch 20 Jahre später damit ankommt: Nein, tut mir leid, schon längst verjährt, interessiert mich nicht mehr. Buch es ab unter Lebenserfahrung!

16. Aufforderung zu Sozialkontrolle und Eingreifen

Für andere Männer und deren Verhalten bin ich nicht zuständig, außer in einem akuten Fall benötigt eine Frau tatsächlich meine Hilfe. Aber auch dann würde ich nur einschreiten, wenn es gewalttätig wird oder die Frau mir eindeutige Zeichen zusendet, die als Hilferuf zu identifizieren sind. Alles andere wäre nämlich sexistisch, denn mir steht es nicht zu, starken Frauen paternalistisch die ihnen durchaus mögliche Selbstverteidigung abzunehmen oder selbst besser zu wissen, wann sich eine Frau gefälligst belästigt zu fühlen hat.

Ach, und nur so ne Frage: Was würdet Ihr Frauen davon halten, wenn Männer Euch dazu aufrufen würden, über andere Frauen zu wachen und einzuschreiten, wenn diese sich nicht genug männerkompatibel benehmen? Was? Davon haltet Ihr gar nichts? Dachte ich mir.

 

 

 

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Kurznachrichten vom 07.07.2017

Die letzten zwei Tage waren wieder sehr ergiebig, da ich aber gestern nicht mehr zum Schreiben gekommen bin, wirds heute wieder mehr.

1: In Schweden gab es auf dem größten Popkonzert des Landes in Bråvalla nun im zweiten Jahr in Folge mehrere Vergewaltigungen (4) und sexuelle Belästigungen (23). Das geplante Festival im nächsten Jahr wurde daraufhin schon jetzt abgesagt. Stattdessen plant die schwedische Komikerin und Radiomoderatorin Emma Knyckare jetzt als Reaktion ein Event nur für Frauen. Sie will dieses männerlose Festival so lange fortführen, »bis Männer gelernt haben, sich zu benehmen«.

Etliche Zeitungen berichten, allerdings lohnt sich der Vergleich kaum, denn anscheinend haben fast alle dieselbe Agenturmeldung kaum verändert veröffentlicht. Beim britischen Guardian wird ein Organisator wie folgt zitiert:

“Certain men … apparently cannot behave. It’s a shame. We have therefore decided to cancel Bråvalla 2018,” the festival’s organisers said.

Wer diese „certain men“ sind, bleibt in fast allen Berichten im Dunkeln. Meistens heißt es wie z.B. beim STERN:

Nach Erkenntnissen der Polizei handelte es sich um Einzeltäter und nicht um organisierte Übergriffe.

Nur zwei eher dem (in aller Vorsicht) rechten Spektrum zuzuordnenden Plattformen tanzen aus der Reihe und stellen die Verbindung zu muslimischen Einwanderern her: Jouwatch und David Bergers Philosophia Perennis. Jouwatch behauptet:

Frei nach dem Motto “mitgefangen, mitgehangen” will sie nun auch schwedischen Männern den Zugang zu Musikkonzerten verwehren, obwohl die Grapscher und Vergewaltiger meist als „Männer mit ausländischen Wurzeln“ beschrieben werden.

Inwiefern das tatsächlich stimmt, kann ich leider nicht beurteilen. Wenn man allerdings ein wenig weiter gräbt, findet man sogar beim normalerweise politisch sehr korrekten SPON einen älteren Bericht, der entsprechende Verbindungen zieht. Die Koinzidenz mit dem Beginn der großen Zuwanderungswelle vor allem in Schweden und Deutschland ist natürlich schon auffällig. Für mich riecht das allzusehr nach einem Fall wie die #ausnahmslos-Kampagne nach der Kölner Silvesternacht: Um jeden Anschein von Rassismus zu vermeiden, ist man lieber sexistisch – gegen alle Männer.

2: Nachdem vor zwei Tagen bei Edition F ja ein männerfreundlicher Text einer Frau erschien, ist es jetzt einem Mann vorbehalten, wieder auf die platteste Art auf Männer einzudreschen. „Was wir Männer tun können, um endlich zu verstehen, was Frauen im Alltag erleben“ heißt das Stück und beginnt mit dem Anreißer:

Die Lebensrealitäten von Frauen und Männern sind grundlegend verschieden. Während die von Frauen oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt ist, genießen Männer im Vergleich viele Vorteile.

Danach könnte man ja schon wieder aufhören zu lesen, weil einem klar ist, dass da wieder platteste feministische Klischees wiedergekäut werden. Dann verpasst man allerdings noch weitere Perlen wie diese:

Frauen leben in einer substantiell anderen Lebenswirklichkeit als Männer. Fast nie werden sie so respektvoll behandelt wie wir es gewohnt sind.

Und noch besser:

Es ist jedoch wichtig, Strukturen und Tendenzen zu benennen; denn wie Rebecca Solnit in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ schreibt: „Gewalt hat keine Rasse und keine Klasse, keine Religion und keine Nationalität. Aber Gewalt hat ein Geschlecht.“

Oder auch diese:

Weiterhin gilt: Obwohl Gewalt von Männern gegen Frauen alltäglich ist, wird dieses Muster kaum herausgestellt. Es existiert die Tendenz, Erklärungen auf einer Fall-zu-Fall Basis à la „Beziehungstat“ zu bemühen, ohne das große Ganze in Betracht zu ziehen. Oft sogar wird dem Opfer (Mit-)Schuld zugeschrieben – sie hätte sich ja nun wirklich nicht so aufreizend kleiden oder diese dunkle Straße entlang gehen müssen. Mit den Worten Solnits: „Die Pandemie der Gewalt gegen Frauen wird mit allem Möglichen erklärt außer dem Geschlecht.“

Kein Wort davon, dass die Gewalt in Partnerschaften fast 50:50 gleichverteilt ist, kein Wort davon, dass Männer bei allen Gewaltdelikten außerhalb von sexueller Gewalt den weitaus größeren Anteil an den Opfern haben. Es lohnt eigentlich nicht, darauf weiter einzugehen. Nur der Hinweis noch, dass Bloggerin „breakpoint AKA Anne Nühm“ schon eine kleine Erwiderung geschrieben hat.

3: Wenn allerdings z.B. die Polizei von New South Wales (Australien) sich erlaubt, mit einer Kampagne darauf hinzuweisen, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt werden, führt das zu Protesten, die Kampagne passe gerade nicht in die Zeit, weil es eben einen Mord gab, bei dem eine Lelia Alavi in Sydney von ihrem Mann Mokthar Hosseiniamrae getötet wurde. Außerdem habe es unter dem Facebook-Beitrag der Polizei einige beleidigende und unangemessene Kommentare gegen Frauen gegeben, die nicht gelöscht wurden, wie z.B.

If a girl can throw a punch, she can take one

Oh mein Gott, ein Mann, der tatsächlich glaubt, er dürfe zurück schlagen, wenn eine Frau ihn schlägt. Was für ein Monster!

4: Wo wir gerade bei Doppelmoral sind: Von Jouwatch gibt es ein schönes Beispiel zum Unterschied zwischen gutem und schlechtem Sexismus.

5: Mal etwas spaßiges zwischendurch: Wieder bröselt ein feministisches Vorurteil, nämlich die Behauptung, diese widerlichen Männer würden so massiv auf Gewalt-Pornos stehen. Tatsächlich stellen Frauen die weit größere Gruppe derer, die im Netz nach Pornos mit Gewaltdarstellungen (gegen Frauen!) oder zumindest hartem, ruppigen Sex suchen. Und das wohlgemerkt in allen Ländern der Welt gleichermaßen, ganz egal, wie dort der Status der Frauen und ihre Rechte sind. Und die Quelle? Man glaubt es kaum: Google und deren Auswertung nach Suchbegriffen. Der Daily Caller berichtet.

Der Artikel enthält noch ein paar andere Erkenntnisse über merkwürdige Sex-Vorlieben. In Indien stehen viele Männer darauf, mit Muttermilch gesäugt zu werden. Und in Japan gehört für viele Kitzeln zum Liebesspiel dazu. Allerdings sagt der Autor, der das herausgefunden hat:

The author says calling these preferences “weird” isn’t the correct response. “The data from porn tells us that everybody is weird,” he said. “Thus, nobody is weird.”

6: Und hier eine der Blüten, die Gendern inzwischen treibt:

Inzwischen werden Männer anscheinend eher so „mitgemeint“.

7: Ein Hinweis auf zwei Artikel, die leider hinter einer Zahlgrenze versteckt sind: In der Welt gibt es ein Interview mit Walter Hollstein mit dem Titel „Das vernachlässigte Geschlecht ist – der Mann“ und in der Weltwoche schreibt Harald Martenstein über Sexismus mit dem Titel „Der Mann, das Triebwesen“. Martensteins Beitrag habe ich in der Printausgabe gelesen. Lesenswert. Letztlich geht es darum, dass unter den notorischen Sexismus-Anklagen heutiger Tage die alte Prüderie wiederkehrt und damit die sexuelle Befreiung rückabgewickelt wird. Was auch zu den alten Doppelmoralitäten führt, denn unter der offiziellen Oberfläche der Wohlanständigkeit wird es getrieben wie eh und je. Und Martenstein plädiert für die Rehabilitierung des Begehrens als eine legitime Motivation, auch in seiner unerwiderten Variante.

Update: Genderama meldet, dass der WELT-Artikel mit dem Hollstein-Interview unter anderem Titel inzwischen frei verfügbar ist.

8: Zwei Beiträge, die sich kritisch mit der „Ehe für alle“ auseinandersetzen. Bei Novo Argumente sieht Thilo Spahl die Entscheidung des Bundestags nicht als Antidiskriminierungserfolg, sondern als Sieg des Konsumismus. Sein Kernpunkt:

Die traditionelle Ehe ist in einer Zeit, in der die freie Wahl von Lebensformen und -stilen und Identitäten dominierendes Ideologem geworden ist, ein Fremdkörper. Sie ist eine Lebensform, die nicht allen offensteht, die nicht käuflich ist. Mit dieser prinzipiellen Exklusivität verweigert sich die traditionelle Ehe dem Warencharakter. In der Konsumgesellschaft ist jedoch etwas, das man haben will, aber nicht haben kann, ein Sakrileg, das nicht geduldet werden kann.

Und sein Fazit:

Der Hype um die Ehe für Alle zeigt vor allem eins: dass die Institution der Ehe an Bedeutung verloren hat. Die Ehe hat an Kraft verloren. Sie ist weniger eine Lebensform als ein beim Staat zu beantragender Status. Das mag man beklagen oder gutheißen. Es heißt aber, dass das, was viele als Kampf um Gleichberechtigung interpretieren, nur ein Statusgerangel ist.

Der zweite ist ein Interview mit Prof. Ulrich Kutschera, der sich aus evolutionsbiologischer Sicht über die „Ehe für alle“ auslässt, und das auch noch bei kath.net. Und er lässt auch wieder ein paar garantiert politisch unkorrekte Hämmer vom Stapel. Zu sagen, dass Schwule und Lesben mehr zu Pädophilie neigen als Heteros, und dass deswegen eine Volladoption eine Horrorvorstellung ist, dürfte eines der größten Tabus derzeit sein. Da geht sogar jede, selbst abseitige Islamkritik noch eher. Nur: Kutschera ist habilitierter Biologe und hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt. Soweit ich ihn bisher erlebt habe, stellt er solche Behauptungen nicht auf, ohne entsprechende Studien und Zahlen dafür vorweisen zu können.

Bevor jetzt wieder wer was unterstellt: Ich bin eher Befürworter der Homo-Ehe. Bis auf die Möglichkeit der Fremdadoption, die ich eher kritisch sehe, spricht für mich eigentlich nichts dagegen. So ganz habe ich mir noch keine Meinung gebildet, bis auf die, dass die Diskussion darüber unsäglich flach ist.

9: Auf der Seite Gender-Diskurs rezensiert Dr. Alexander Ulfig Axel Meyers Buch „Adams Apfel und Evas Erbe“, der genauso wie Ulrich Kutschera die Gender Studies aus biologischer Sicht kritisiert.

10: Zum Schluss ein Ausflug ins Boulevard. Für Boris Becker kommt es derzeit ja richtig knüppeldick. Erst erklärte ihn ein Gericht in London für zahlungsunfähig, dann forderte ein ehemaliger Geschäftspartner aus der Schweiz 40 Millionen Franken von ihm zurück. Und jetzt deutet auch noch seine Frau eine Ehekrise an. Und was hat das ausgelöst?

In der Folge vom Donnerstag, die um 20.15 Uhr auf ProSieben ausgestrahlt wird, spricht sie sogar von Scheidung. Denn Boris Becker hatte sich geweigert, seiner Frau einen Videogruß in die Show zu schicken.

„Alle haben eine Nachricht bekommen, nur ich nicht. Und alles war im Fernsehen. Alle haben gesehen, wie enttäuscht ich war“, klagt Lilly Becker ihrer Kollegin Nadine Angerer das Leid. Und als diese sie fragt, ob sie sich jemals von ihm scheiden lassen würde, antwortet Lilly: „Ich weiß nicht. Sag niemals nie.“

Eine verpasste Videobotschaft! Na wenn das mal kein veritabler Scheidungsgrund ist. Immerhin war sie jetzt lange genug mit ihm verheiratet, um entsprechenden Unterhalt einzufordern. Doch halt, Lilly, ist er nicht eh gerade pleite und da ist gar nichts zu holen? Oder ist das vielleicht der eigentliche Scheidungsgrund? Wir wissen es nicht. Mal abwarten…

Fundstück: Mädchen / Jungen entwickeln Test für „Partydrogen“ – toll / entsetzlich!

Ist es nicht großartig / schrecklich? 3 Schülerinnen / 4 Studenten haben in den USA einen einfachen Test entwickelt, anhand dessen man ein Getränk darauf überprüfen können soll, ob jemand eine Partydroge (K.o.-Tropen, „Roofies“) hineingeschüttet hat. Natürlich zeigen sich die Massenmedien begeistert / entsetzt und werten die Nachricht als eindeutiges Signal für „empowering“ / „victim blaming“. Ein typischer Kommentar: „Es läßt sich nicht anders deuten – hiermit wird Frauen ein mächtiges Hilfsmittel / selbst die Schuld gegeben gegen / an Vergewaltigungen. Das ist eindeutiger Schritt vorwärts / zurück in Sachen Gleichberechtigung!“

Unabhängig von der aktuellen Meldung gehen Experten davon aus, dass noch viel zu tun ist, damit das Geschlecht einer Person keine Rolle spielt und Menschen unter gleichen Umständen alleine an ihren Taten gemessen werden.

Quellen:
High School Girls Invent An Ingenious Straw That Detects Date Rape Drugs
Controversy Over Student Nail Varnish Date Rape Drug Detector

Inspiration: Der Postillon

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute mal wieder ein einfacher Griff in die Titelschublade…

Good Charlotte – Girls & Boys

Fundstück: Gender Pay Gap – der Fall Janusz Korwin-Mikke

Zum Mythos Gender Pay Gap hatte ich zuletzt über den Fall Birkenstock berichtet, bei dem tatsächlich einmal jahrelang Frauen für dieselbe Arbeit weniger gezahlt worden war als Männern. Meine Bewertung seinerzeit:

Das ist – wie man es auch dreht und wendet – genau der Fall, der für den Gender Pay Gap immer behauptet wird. Hier stimmt die Behauptung tatsächlich und auch wenn ich sie im allgemeinen für falsch halte, werde ich mich davor hüten, solche Fälle kleinzureden. Im Gegenteil, die Redlichkeit gebietet es, auch Sachen zu veröffentlichen, die dem eigenen Weltbild widersprechen.

Via Fefe wurde ich vor einigen Tagen auf die folgende Äußerung des polnischen EU-Parlamentariers Janusz Korwin-Mikke aufmerksam. Er soll sinngemäß allen Ernstes gesagt haben:

„Natürlich müssen Frauen weniger verdienen als Männer, weil sie schwächer, kleiner, und weniger intelligent sind.“

Nun muss man bei den Medien vorsichtig sein, ob sie nicht sinnverzerrend zitieren oder Leuten Aussagen in den Mund legen. Also habe ich mal nach einem Mitschnitt gesucht. Hier sehr kurz und knapp die relevante Passage:

Janusz Korwin-Mikke: „Frauen sind weniger intelligent“

Er hat es tatsächlich so gesagt. Mir fällt auch kein Kontext ein, in dem diese Aussage einen Sinn ergeben würde.

Für mich selbst ist die Sache damit schon klar, aber selbstverständlich läßt sich mein kleiner Test auch hier anwenden: Ersetzt man „Frauen“ wahlweise durch „Ausländer“, „Schwarze“ oder „Juden“ (und „Männer“ durch „Inländer“, „Weiße“ bzw. „Arier“), kommt eine fremdenfeindliche, rassistische oder antisemitische Aussage dabei heraus. Natürlich ist das Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) gegen Frauen.

Hier haben wir also in der Tat einen Fall, in dem jemand den Gender Pay Gap mit Sexismus begründet. Allgemein bin ich nicht der Meinung, dass Leute so denken oder handeln, aber ebenso wie der Fall Birkenstock muss das aus Gründen der Redlichkeit veröffentlicht werden.

Die Reaktionen fielen entsprechend aus. Wie die ursprüngliche Berichterstattung vermeldete:

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani teilte am Donnerstag mit, dass er eine Untersuchung eingeleitet habe. Mehrere Abgeordnete hätten ihn auf den Vorfall hingewiesen.

Korwin-Mikke drohen Sanktionen von einer Ermahnung über eine Geldstrafe bis hin zu einem zeitweisen Entzug der Stimmrechte sowie einem vorübergehenden Teilnahmeverbot für Aktivitäten des Parlaments.

Sprich, natürlich trifft er damit nicht auf breite Zustimmung, sondern harsche Ablehnung. Die überwiegende Mehrheit der Menschen findet das eben nicht ok.

Korwin-Mikke gehört keiner Fraktion im EU-Parlament an. In Polen ist er Vorsitzender der konservativen und europaskeptischen Partei Korwin.

Wenn jemand im EU-Parlament, wo sogar die Nationalisten und Rechtspopulisten Fraktionen bilden, alleine ist, und einer Partei angehört, die offenbar nach ihm selbst benannt ist, spricht das Bände: Der Mann gefällt sich in der Rolle als poltriger Provokateur und ist ansonsten ziemlich isoliert. Mit solchen Aussagen bekommt er leicht die Aufmerksamkeit, die er möchte.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn aus Polen schon solch ein Grütz kommt, dann wenigstens zum Ausgleich ein wenig polnische Musik.

Lady Pank: Kryzysowa Narzeczona

Fundstück: Toilettenpapier ist sexistisch

Wir wissen ja längst: Alles ist sexistisch. Zuletzt wurde das traditionelle Schneeräumen als sexistisch erkannt (Erfolg der gendergerechten Lösung hingegen: Schneechaos in Stockholm).

Schon vor einiger Zeit bin ich via Genderama auf eine Anita-Sarkeesian-Parodie aufmerksam geworden, die ich bei der Gelegenheit hervorkramen möchte. Dabei kommen dieselben hohlen Argumente, derselbe nörgelnde Ton, dieselbe Hexenprozessbeweislogik wie im Orignal zur Anwendung. Damit bleibt nichts dem Zufall überlassen, damit das Ergebnis denn auch nicht überraschend lautet: Hygieneprodukte wie Toilettenpapier, Wattestäbchen und Seife sind sexistisch.

Toilet Paper Is Sexist!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Autorin des Videos ist inzwischen auf einem anderen Kanal namens „Dead on Wednesdays“ aktiv. Zu diesem Wochentag fällt mir folgendes Lied ein:

Simon & Garfunkel: Wednesday Morning, 3 A.M.

Franziska Schutzbach und der #SchweizerAufschrei: Bauchstalinismus und Empörungsbewirtschaftung

Die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach mokiert sich in einem Blog-Artikel über die Reaktionen der Männer im Zusammenhang des #SchweizerAufschrei. Leider bleibt sie bei ihrer Analyse bzw. Kritik in einem dualistisch manichäischen Weltbild verfangen.

Die Überschrift des Blog-Artikels hat es bereits in sich

Die Überschrift des Blog-Artikels von Franziska Schutzbach, in dem sie sich mit den Reaktionen der Männer im Zusammenhang des #SchweizerAufschreis auseinandersetzt, hat es bereits in sich, er lautet nämlich:

Wie können die Tussen es wagen?

Offenbar hat eine Person (oder waren es mehrere?) die Initiatoren des #SchweizerAufschreis in den Social Media als Tussen bezeichnet, die es wagen würden, sich gegen Sexismus, sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt zu wehren bzw. dies öffentlich zu thematisieren. Solche Aussagen wie „Tussen“ sind selbstverständlich zu unterlassen, aber man kann sich ebenfalls fragen, wie repräsentativ diese Aussagen für alle Kommentatoren bzw. für alle Männer sind? Vermutlich nicht sehr repräsentativ. Franziska Schutzbach baut somit m.E. bereits im Titel einen Popanz auf, der besagt: Männer beschimpfen Frauen als Tussen und wollen ihnen offenbar den Mund verbieten, wenn diese gewisse Problematiken thematisieren. Vereinfacht könnte man auch formulieren: Männer sind Unterdrücker und Frauen die armen Opfer.

Dualistisch manichäisches Weltbild und Rundumschlag

 Franziska Schutzbach schreibt:

Spätestens seit #SchweizerAufschrei wissen wir, dass FemQueerTransColorLesben bald die Macht übernehmen. Die Zeit der breitbeinigen Männlichkeit, der Polter-Eidgenossen, Welterklärer, Maskulisten, Mansplainer, Werte-Verkünder, Pussygrabscher und Bescheidwisser ist vorbei. Sie sterben bald aus.

In einem ersten Rundumschlag gegen alles Böse wird bereits am Anfang fleissig sortiert: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Wie viele Personen haben wohl in den Kommentarspalten der Online-Medien geschrieben, dass FemQueerTransColorLesben bald die Macht übernehmen würden? War das 1 Person von 100 bzw. 1 Person von 1’000 Personen? Hat Franziska Schutzbach eine repräsentativ empirische Studie durchgeführt und ausgerechnet, wie hoch der prozentuale Anteil ist? Oder könnte es vielleicht so sein, dass dies z.B. nur eine Person gesagt hat und Franziska Schutzbach wiederum einen Popanz aufbaut, quasi als rhetorische Strategie, um einen Beweis zu liefern, dass Männer quasi einem Hirngespinst nachjagen?

Und sind diese „breitbeinige Männlichkeit“, diese „Polter-Eidgenossen“, „Welterklärer“, „Maskulisten“, „Mansplainer“, „Werte-Verkünder“, „Pussygrabscher“ und „Bescheidwisser“ eine homogene Gruppe? Also alle samt und sonders böse Männer, die allen Frauen und insbesondere der Franziska Schutzbach nur böses wollen oder sonst nur böses auf der Welt tun? Könnte es ev. sein, dass hier Franziska Schutzbach schon mal zahlreiche Feindbilder aufbaut, um ihrem dualistisch manichäischen Weltbild Genüge zu tun?

Wer ist eigentlich Täter und wer ist eigentlich Opfer?

Franziska Schutzbach schreibt:

Vorhersehbar wie der Sonnenuntergang meldeten sich die ersten Stimmen, die es gemein fanden, dass sie „immer als Täter“ genannt werden. Die es doof fanden, dass Frauen sich „als Opfer inszenieren“. Wo sie, die Männer, doch die eigentlichen Opfer sind! Und wo doch die eigentlichen Täter diejenigen sind, die die Frechheit haben, sie an ihre Täterrolle zu erinnern! Ein grosser Entlastungsdrang entlud sich, es wurde geschimpft: Feminazis, Gesinnungspolizei! Und sowieso: Frauen nerven, denn die wollen offenbar tatsächlich, dass Männer ihr Verhalten reflektieren, gar ändern. Und da hört der Spass auf!

Es ist das, was immer passiert, wenn irgendwo Frauen aufmucken: Sie werden öffentlich zur Schnecke gemacht oder es wird ihnen zumindest vorgepredigt, wie sie Sexismus richtig zu verstehen haben. Wie können diese Tussen es wagen? Haben sie denn nichts gelernt? Ja, die Herren treten gern nach unten, um sich ihrer Allmacht zu versichern.

Jetzt muss man die Franziska Schutzbach einmal fragen, ob sie es gerne hätte, wenn sie quasi, nur weil sie ein Mann oder eine Frau ist und somit einer dieser zwei Populationen angehört (Männer bzw. Frauen),  quasi mit einem Generalverdacht belangt würde, der heisst: „Männer sind potenzielle Vergewaltiger oder sexuelle Belästiger oder Sexisten?“ Was würde Franziska Schutzbach sagen, wenn man sagen würde: „Frauen sind potenzielle Kindsmörderinnen“? Oder „Ausländer sind potenziell kriminell“? Franziska Schutzbach würde bestimmt laut aufschreien und sagen: „das ist Rassismus, wenn man sagt, dass Ausländer potenziell kriminell sind“.  Oder was würde Franziska Schutzbach sagen, wenn die SVP (eine rechtskonservative neoliberale populistische Partei in der Schweiz) eine Aufschrei-Kampagne starten würde, bei der alle Bürger dazu eingeladen sind, ihre Erfahrungen mit Ausländerkriminalität emotionalisierend, moralisierend und skandalisierend zum Besten zu geben?  Auch hier würde sie wohl lauthals Rassismus, Populismus und Fremdenfeindlichkeit schreien. Aber wenn sich Männer beschweren, dass sie den Eindruck haben, quasi alle Männer würden als potenzielle Täter stigmatisiert und gebrandmarkt, dann ist das vermutlich für Franziska Schutzbach vollständig etwas anderes.

Weshalb spricht eigentlich Franziska Schutzbach nicht ebenfalls von männlichen Opfern und weiblichen Tätern? Vermutlich passt dies nicht in ihre feministische Agenda und wird tunlichst ausgeklammert und vermieden und würde das Bild zerstören von: hier die guten Frauen als Opfer und dort die bösen Männer als Täter.

Bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in der Schweiz kommt eine Studie aus dem Jahre 2013, was die potenziell belästigenden Situationen anbelangt, zum Ergebnis, dass kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen auszumachen sind. Bei sexueller Gewalt im europäischen Vergleich sind, was die Opfer betrifft,  Unterschiede zwischen Männern und Frauen kaum vorhanden:

Wir haben also bei der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz und bei sexueller Gewalt bei neusten Studien kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern, was die Opfer betrifft., wenn neuere Studien berücksichtigt werden. Wenn nun gewisse Männer den Eindruck bekommen, sie würden pauschal als potenzielle Täter gebrandmarkt, ist es sicherlich nachvollziehbar, wenn sie sich dagegen wehren.

Und selbstverständlich treten diese Kommentarschreiber nach Franziska Schutzbach nach unten, um sich ihrer Allmacht zu versichern. Woher weiss Franziska Schutzbach, dass diese Kommentarschreiber oben sind? Oder weshalb sollten sie oben sein? Was genau heisst eigentlich oben? Kennt Franziska Schutzbach diese Kommentarschreiber persönlich? Weiss sie überhaupt irgend etwas von ihren Lebenslagen – ausser, dass sie vielleicht Männer sind, was auch nicht zu 100% sicher ist, sondern nur vermutet werden kann. Und woher weiss sie, dass sich diese Kommentarschreiber ihrer Allmacht versichern wollen? Könnte es nicht auch sein, dass sich Franziska Schutzbach hier wiederum als „armes Opfer“ inszenieren möchte, das unten wie ein Mäuschen steht (machtlos, hilflos, ausgeliefert) und ein Bild vom bösen Unterdrücker und Machtmenschen zelebriert, der selbstverständlich ein Mann ist?

Frauen werden nach Schutzbach also immer, wenn sie mit dem Mund aufmucken, zur Schnecke gemacht? Gibt es diesbezüglich empirische Untersuchungen, die genau das bestätigen, was Franziska Schutzbach hier behauptet oder ist das einfach ihr gefühlter Eindruck und/oder ev. eine rhetorische Strategie, um Frauen wiederum als allgegenwärtiges und ubiquitäres Opfer zu inszenieren? Ist es nicht viel mehr so, dass die wichtigen Medien in der Schweiz (Radio, TV, Print, Online) sehr ausführlich und wohlwollend über den #SchweizerAufschrei informiert haben? Man könnte sogar sagen: In den wichtigen Medien ist der #SchweizerAufschrei quasi hegemonial geworden.

Bauchstalinismus und Empörungsbewirtschaftung

 

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Franziska Schutzbach schreibt:

Was den Kommentatoren offenbar entging: dass jeder ihrer Tweets erneut bewies, wie bitter nötig der Aufschrei ist, wie nötig Feminismus und letztlich auch Political Correctness sind. Denn es muss eine Art zivilisierter Selbstzensur geben, die unsere Gesellschaft zusammenhält. So zu tun, als wäre es fortschrittlich, Ideen der Gleichheit und Gerechtigkeit oder letztlich einfach des Respekts mit Füssen zu treten, ist kindisch und regressiv. Ich will ‚Tusse‘ sagen dürfen! Rabääää! Apropos Kind: Kinder dazu zu erziehen, dass sie Bitte und Danke sagen, dass sie in der Schule am Platz bleiben und Konflikte gewaltfrei lösen, ist common sense. Zu lernen, dass wir beim Essen nicht rülpsen oder Menschen nicht anspucken, wenn sie uns nicht passen, ebenso. Warum soll der Anspruch, menschliches Verhalten zu ‚steuern‘, ja ein Stück weit ‚anzuerziehen‘, bei der Sexualität oder im Geschlechterverhältnis plötzlich aufhören?

Kulturelle Gepflogenheiten und Vorstellungen sind keine Naturtatsachen, sondern verändern sich.

Das hört sich zwar alles auf den ersten Blick sehr vernünftig an, wenn wir jedoch diesen #SchweizerAufschrei, der u.a. von Franziska Schutzbach lanciert wurde, genauer betrachten und ihn mit den Augen des erst kürzlich verstorbenen Mediensoziologen Kurt Imhof prüfen, der u.a. das „Jahrbuch Qualität der Medien“ herausgegeben hat, sieht die Sache doch ganz anders aus. Im Hinblick auf die Flutung der Öffentlichkeit mit Emotionalisierung, Moralisierung und Skandalisierung, wie dies z.B. mit dem #SchweizerAufschrei geschehen ist, kommt er in einem Interview mit der Überschrift „Schluss mit dem Bauchstalinismus“ zu folgender Einschätzung:

„Keine Frage: die Indifferenz hat zugenommen. Sie hat allerdings aus meiner Sicht mehr mit der grassierenden Boulevardisierung zu tun. Human Interest, Personalisierung, Skandalisierung und Moralisierung fluten die Öffentlichkeit mit Belanglosem. Ursprünglich beruhte der Journalismus auf der Darstellung von Sachverhalten, die erst die Basis für normative Schlüsse bildet. Wenn wir nun aber die Debatten betrachten, über die alle etwas wissen, Strauss-Kahns Liebesleben, das antiquierte Balzverhalten von Brüderle mitsamt den 100 000 Tweets der #aufschrei-Kampagne oder die in ihrer heissen Phase ausgeprägt auf die Empörungsbewirtschaftung einer Einzelperson fixierte Abzockerauseinandersetzung beobachten, sehen wir hingegen eine moralisch-emotionale Überfrachtung des Öffentlichen. Diese dient nicht mehr der sanften Gewalt des besseren Arguments, sondern erzeugt möglichst viel Empörung und betreibt systematisch moralische Diskreditierung. Nun ist aber Moral keineswegs weltanschauungsfrei. Sie tut nur so und kann sich erst noch um Argumente drücken.“

Das heisst: Kurt Imhof würde vermutlich den #SchweizerAufschrei unter Empörungsbewirtschaftung und Bauchstalinismus subsumieren. Kurt Imhof sagt im Interview weiter:

Die sanfte Gewalt des besseren Arguments hat keine Chance gegen die moralgetränkte Empörung und unsere privaten Leidenschaften geraten unter die Fuchtel einer ebenso moralgetränkten Political Correctness.

(…)

Affekte und Empörungsgefühle sind die billigste Währung, die wir haben. Wenn unsere Unterschichtenmassenmedien zur öffentlichen Hinrichtung eines bekannten Grossbankers auf dem Paradeplatz aufrufen würden, dann kämen Zigtausende. Eine Einsicht des Aufklärungsliberalismus war: Öffentliche Hinrichtungen, die Human-Interest-Ereignisse der Vormoderne, sind pädagogisch nicht wertvoll. Sie befriedigen Affekte und tragen nichts zum Fortschritt von Mensch, Moral und Gesellschaft bei. Also musste dieser Zivilisationsprozess über die Bildungsinstitutionen und das öffentliche Räsonnement zunächst das ganze Volk durchdringen, damit es möglich wurde, den Rechtsstaat aufrechtzuerhalten und die Gewaltenteilung durchzuziehen. Dahinter wollen wir doch nicht zurück?

Die #SchweizerAufschreikampagne nimmt es zumindest billigend in Kauf, dass quasi eine Debatte über Sexismus, Sexuelle Gewalt und sexuelle Belästigung mittels Empörungsbewirtschaftung und moralischer Diskreditierung abgehandelt wird und die „sanfte Gewalt des besseren Arguments“ auf der Strecke bleibt.

Franziska Schutzbach schreibt:

Kulturelle Praxen zu überdenken und zu hinterfragen ist ein normaler, ja wichtiger Vorgang moderner demokratischer Gesellschaften.

Weshalb dies nun Franziska Schutzbach explizit in diesem Kontext aufführen muss, ist m.E. nicht nachvollziehbar. Dies dürfte vermutlich für die Mehrheit der Frauen und Männer eine Binsenwahrheit sein.

Political Correctness versus Noam Chomsky

Franziska Schutzbach schreibt:

Bei genauer Betrachtung geht es beim Political-Correctness-Argument darum, die asymmetrische Machtverteilung zu verteidigen, den Status quo zu erhalten.

Bei Franziska Schutzbach geht quasi alles immer nur um ungleiche Macht- und Ressourcenverteilung. Es kommt ihr offenbar nicht in den Sinn, dass hinter der Kritik an PC auch ganz andere Motive stecken könnten. Wenn sich beispielsweise Noam Chomsky  für die Redefreiheit eines Holocaustleugners einsetzte, dann ging es ihm ganz sicherlich nicht darum, eine asymmetrische Machtverteilung zu verteidigen, sondern, es ging ihm darum, die Meinungsäusserungsfreiheit auch und gerade in Fällen von abscheulichen Gedanken zu verteidigen. Man kann Chomskys Haltung für richtig oder falsch finden, aber der Impetus für die Meinungsäusserungsfreiheit ist in diesem Fall sicherlich anders, als Franziska Schutzbach dies verallgemeinernd insinuiert.

Franziska Schutzbach schreibt:

Und nicht zuletzt ist Political-Correctness-Bashing auch ein Ablenkungsmanöver vom eigentlichen Thema. Unterstellt wird, die Anliegen von Frauen oder anderen minorisierten Gruppen seien Demokratie-untauglich. Der Effekt dieser Unterstellung ist, dass am Ende über das ‚falsche‘, angeblich totalitäre Vorgehen der Frauen diskutiert wird, statt über das Problem ungleicher Macht- oder Ressourcenverteilung. Und so lief es auch in einigen Aufschrei-Debatten: Anstatt über die Probleme zu reden, die Frauen durch den Aufschrei benannt hatten, sollten sie sich rechtfertigen über die richtige oder falsche Form ihres Protests, über Sexismus-Definitionen oder sich gar dauer-erklären, inwieweit ihre Anliegen nicht totalitär oder Männerfeindlich seien.

Interessant ist hier, dass Franziska Schutzbach die Frauen als Minorität (numerische Minderheit) sieht, obwohl z.B. in der Schweiz gerade das Gegenteil der Fall ist: Die Population der Frauen ist numerisch eine Majorität. Aber es zeigt gut auf: Sie möchte vermutlich die Frauen unbedingt als Randgruppe inszenieren, die eben unterdrückt sind und einen Opferstatus zugewiesen bekommen sollen. Über Empörungsbewirtschaftung, moralische Diskreditierung von Personengruppen, Emotionalisierung und Skandalisierung in der Öffentlichkeit soll also nicht diskutiert werden, das würde ja vom eigentlich Problem ablenken. Das die Art und Weise, wie die Problematik in der Öffentlichkeit thematisiert wird, selbst zum Problem werden kann, kommt selbstredend nicht auf den Radar, bzw. ist selbstverständlich nur eine Nebensache und tut nichts zur Sache: Kollateralschäden (der Zweck heiligt die Mittel) werden einkalkuliert und sind nicht der Rede wert.

Die ewig unterdrückte Frau

Franziska Schutzbach schreibt:

Ich habe unter #SchweizerAufschrei keinen einzigen Tweet von einer Frau gesehen, der eine rechtliche Zurückstufung oder Schlechterstellung von Männern forderte, oder diese in den Gulag stecken wollte. Aber ich habe gesehen, wie Männer, anstatt zuzuhören, alles, was Frauen vorbrachten, als Gezeter abzutun. Ich habe gesehen, wie sie Frauen den Mund verbieten wollten.

Wenn Männer quasi als Tätergruppe hingestellt werden, unabhängig davon, ob dies nun bewusst oder unbewusst, explizit oder implizit geschieht und Frauen als Täterinnen und Männer als Opfer nicht ins Blickfeld geraten, muss sich Franziska Schutzbach nicht wundern, wenn sich Männer gegen eine kollektive Dämonisierung zur Wehr setzen, auch wenn gewisse Formen der Verteidigung selbstverständlich unangebracht sind. Wie bereits weiter oben dargelegt: Wenn Ausländer oder Flüchtlinge pauschal als Tätergruppe in der Öffentlichkeit diffamiert würden, dann wäre der Aufschrei von Franziska Schutzbach gewiss; aber bei Männern darf das selbstverständlich gemacht werden.

Franziska Schutzbach schreibt:

Man muss es offenbar immer und immer wieder sagen: Frauen, die in den Geschlechterbeziehungen ein Machtgefälle erkennen, wollen Männern nicht den Pimmel abschneiden. Und nein, Menschen, die ihre Verletzlichkeit offenbaren und mehr Schutz möchten, wollen Männern nicht die Weltherrschaft wegnehmen (wobei das ein Gedanke wert wäre).

Das dürfte für viele Männer kein Problem sein, wenn in Geschlechterbeziehungen Machtgefälle angesprochen werden, wenn die Männer jedoch den Eindruck haben, dass Frauen als Täterinnen und Männer als Opfer nicht thematisiert und Männer quasi kollektiv in der Öffentlichkeit dämonisiert werden, dann ist es nachvollziehbar, wenn Männer sich hier zur Wehr setzen.

Geschlechtergerechtigkeit und wer wie viel weiss

Franziska Schutzbach schreibt:

(…) Sondern endlich dazu übergehen, sich mehr Wissen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit anzueignen und im besten Fall auch die eigenen Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten hinterfragen. Und nicht zuletzt werden sie in der Lage sein, auch mal Fragen zu stellen, anstatt die eigene Einschätzung für die einzig richtige zu halten. Fragen wie zum Beispiel: Warum sind in der Werbung, in Medien und in Filmen Frauen immer wieder Sexobjekte? Oder dümmliche Prinzessinnen? Warum sitzen in vielen Talkshows mehr Männer? Warum wird Care-Arbeit bis heute überwiegend von Frauen gestemmt? Und weshalb geht sexualisierte Gewalt fast ausschliesslich von Männern aus?

Gentlemen, es gibt keine Entschuldigung, packen Sie es an.

Wie wäre es, wenn sich Franziska Schutzbach im Gegenzug ein bisschen mehr Wissen über Geschlechtergerechtigkeit aneignen würde? Beispielsweise in dem Frauen als Täterinnen und Männer als Opfer endlich auch einmal von ihr thematisiert werden? Und wie wäre es, wenn Franziska Schutzbach sich einmal die Frage stellen würde, weshalb Männer 1,5 mal häufiger als Frauen Opfer von schweren Gewalttaten werden (Mord, Totschlag, Raub, schwere Körperverletzung); Männer fast 3mal häufiger Selbstmord begehen als Frauen, Männer immer noch 5 Jahre früher sterben als Frauen, Männer viel häufiger obdachlos sind als Frauen usw., usf., etc.!

Fazit

Das Narrativ, das uns Franziska Schutzbach in ihrem Blog-Artikel erzählt, ist sehr einseitig und auf einem dualistischen manichäischen Weltbild aufgebaut, das insbesondere Dämonisierung und Feindbilder erzeugt; Differenzierungen und Grautöne sind kaum vorhanden. Es lautet vereinfacht wie folgt:

  • Männer beschimpfen Frauen und werten diese ab;
  • Männer sind Unterdrücker und sonnen sich in ihrer Allmacht;
  • Männer wollen den Frauen den Mund verbieten und sie unterdrücken;
  • Frauen sind nur Opfer und keine Täterinnen.
  • Männer sind nur Täter und keine Opfer.
  • Frauen sind machtlos und eine Minorität. Männer sind die Majorität und haben Macht.

Quellen:

„Wie können die Tussen es wagen“

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz in der Schweiz

Sexuelle Gewalt: Neue Studien belegen geringe Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Opfern

Schluss mit dem Bauchstalinismus!

 

Fundstück: Ahoi Polloi zu Sexismus

Diesmal verweise ich auf nur einen einzigen Beitrag von Ahoi Polloi, aber der hat es in sich: Sexismus.

Die Comics sollen übertreiben, aber in diesem Fall gibt es reale Vorbilder: Es erinnerte mich sofort an Jessica Valenti (bekanntester Spruch: „Ich bade in Männertränen„) und
Bascha Mika (sehr empathisch: „Frauen sind dadurch benachteiligt, dass Männer früher sterben„).

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  2. über kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  3. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  4. zum neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung
  5. dreimal zu „hate speech“
  6. eine ganze Sammlung
  7. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es ums richtige Alter geht… es gibt zumindest ein „zu jung“.

Gary Puckett & The Union Gap: Young Girl