Kurznachrichten vom 06.09.2016

1: Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hält das neue Frauenförderungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen wegen der darin allzu offen vertretenen Frauenbevorzugung für verfassungswidrig. Sciencefile.org und Hadmut Danisch kommentieren.

2: Bei der ZEIT sinniert man über den neuen Mann. Zunächst wird es etwas sonderbar:

Sagt ein Mann, dass er wegen des Kindes keine Zeit habe, kann man die Bewunderung fast greifen: So ein toller, emanzipierter Mann! Frauen in exakt derselben Situation müssen sich rechtfertigen: Wie, Sie müssen los? Sind Sie so unemanzipiert? Kann das nicht ihr Mann machen? Die alten Zuständigkeiten, sie schimmern bei allem guten Willen überall noch durch.

Das mag ja vielleicht im Betriebsklima bei der ZEIT so sein, im normalen Leben ist es m.E. andersrum. Da hat man das Verständnis für die Frauen, die ihre Kinder abholen müssen. Und der Mann wird gefragt, ob er denn keine Frau zuhause habe.

Aber dann kriegt der Artikel die Kurve:

Der Sexismus und das Herablassende gegenüber dem jeweils anderen ist offenbar keine Frage des Geschlechts, sondern nicht mehr als eine Verlockung gesellschaftlicher Macht. Wo immer Feministinnen die Diskussion beherrschen, ist Häme gegenüber Männern nicht weit. Alle Männer pauschal als „Penisträger“ zu verunglimpfen? Gar kein Problem! Ohne Widerspruch von der „Problemzone älterer Mann“ zu schwadronieren? Total in Ordnung.

Man muss nicht einmal den simplen Gegentest machen und die entsprechenden Begriffe auf Frauen münzen, um zu merken: So geht das nicht. Seit wann bitte ist „Penisträger“ ein akzeptables Synonym für die Gesamtheit aller Männer? Warum widerspricht keiner? Weil Männer sich nicht zu widersprechen trauen, aus Angst, dass ihnen das sofort wieder als Schwäche ausgelegt wird? Warum ist es vollkommen in Ordnung, von der „Problemzone älterer Mann“ zu sprechen? Ohne wenigstens verstehen zu wollen, warum manche älteren Männer sich so angegriffen fühlen?

Dass diese Schubladen auch dazu führen, dass die wohlgesinnten Männer in ihren politischen, gesellschaftlichen und familiären Überzeugungen einfach übergangen werden, ist ein Drama: Wenn ich als Mann sowieso und immer ein Schwein bin, denkt sich der moderne Mann, warum dann überhaupt noch die Mühen? Vor allem aber: War Feminismus nicht einmal ein inklusives Angebot, zum Vorteil von Frauen und Männern?

Durchaus lesenwert.

3: Der SPIEGEL stellt eine Studie vor, nach der Männer mehr als andere Männer verdienen, wenn sie in Gleitzeit arbeiten, während es diesen Unterschied bei Frauen nicht in dem Maße gibt.

Zu diesem Ergebnis sind die Soziologinnen Yvonne Lott und Heejung Chung von der [DGB-nahen] Hans-Böckler-Stiftung und der University of Kent in einer Untersuchung gekommen. […] Die Forscherinnen begründen die Unterschiede mit der ungleichen Verteilung unbezahlter Arbeit: Weil Haushalt und Kinderbetreuung nach wie vor überwiegend in der Verantwortung von Frauen liegen, nutzten viele Frauen flexible Arbeitszeiten in erster Linie, um ihren familiären Pflichten nachkommen zu können. Männer konzentrierten sich dagegen traditionell auf die Erwerbsarbeit und seien daher eher geneigt, länger zu arbeiten.

Das klingt natürlich wieder so, dass Männer nur deswegen mehr verdienen, weil sie sich vor der Hausarbeit drücken. Man könnte das allerdings auch ganz anders interpretieren. Z.B. so, dass Männer zu einem höheren Anteil in  der freien Wirtschaft arbeiten, wo man erst in den hochqualifizierten und damit besser bezahlten Jobs flexible Arbeitszeiten gegenüber dem Arbeitgeber durchdrücken kann. Während im öffentlichen Dienst, wo sich Frauen mehr hingezogen fühlen, eben nicht mehr bezahlt wird, wenn der Job flexible Arbeitszeiten erlaubt, sondern eben stur nach Tarif.

4: Auch beim SPIEGEL: Ein Bericht, der sich mit Suiziden beschäftigt und immerhin auch betont, dass laut Statistischem Bundesamt die Betroffenen zu 3/4 Männer sind.

5: Plan International macht in einer neuen Kampagne weiter mit der üblichen Einseitigkeit zu Gunsten von Mädchen. Heute flatterte mir ein Werbebrief ins Haus und schon auf dem Cover ist der Slogan

Mädchen haben es noch schwerer…

zu finden. Drinnen geht es genauso weiter. Sechs Bilder von Mädchen, kein einziger Junge dabei. Und dann die Slogans:

Mädchen brauchen Ihre Unterstützung!

Plan macht sich stark für Mädchen.

Reichen Sie einem Mädchen die Hand!

Zwar darf man auf dem Spende-Formular tatsächlich noch selbst entscheiden, wenn man lieber einen Jungen unterstützen möchte, aber wer traut sich das nach diesem Trommelfeuer noch?

Im Text wird dann klar gemacht, wohin die Reise geht:

Grundsätzlich helfen wird allen Kindern in Not – egal ob Mädchen oder Jungen. Plan startete jedoch eine Bewegung für die Belange der Mädchen.

woraufhin eine Reihe von Aktionen vorgestellt wird, die nur Mädchen zugute kommen. Das einzige Projekt, in dem Jungen erwähnt werden, nennt sich ziemlich unspezifisch

Projekte mit Jungen zur Gleichberechtigung

Ich fürchte, es geht dabei nicht darum, Jungs zu erklären, dass sie dieselben Rechte wie Mädchen haben, sondern wie sie Mädchen angemessen zu behandeln haben. Und jetzt, wo ich nochmal auf der Website gesucht habe, wird auch klar, dass meine Vermutung richtig war. Plan meint damit:

Gleichberechtigung: Wir bestärken Jungen darin, sich mit ihrer Rolle auseinanderzusetzen und sich für ihre und die Rechte von Mädchen einzusetzen.

Was kann es wichtigeres geben für Jungs als schon in jungen Jahren Selbstkritik zu üben!

6: Die Schweizer Nationalratspräsidentin Christa Markwalder empfing eine Kuwaitische Delegation in einem knappen Minikleid. Darüber gab es wohl einige Diskussionen in der Schweiz, die Reaktion der Kuwaitis ist nicht zu mir durchgedrungen. Den Fotos nach zu urteilen waren die Herren jedoch relativ entspannt.

7: Das gerade aktuelle Thema Kuckuckskinder nimmt die Zeitschrift Cicero wie folgt aufs Korn:

 

 

Kurznachrichten vom 13.06.2016

1: Der Fall Gina Lisa Lohfink war einer der Aufreger der letzten Tage. Sie hat einen Strafbefehl über 24.000 Euro wegen falscher Verdächtigung erhalten, weil sie zwei Männer der Vergewaltigung bezichtigt hatte, und kämpft nun vor Gericht dagegen. Feministinnen spangen sofort bei und sangen beim Hashtag #TeamGinaLisa das Hohelied der Definitionsmacht. Und wiederholten wie immer den Nonsens, dass ein Nein nicht ausreiche, um wegen Vergewaltigung zu verurteilen. Ich kann nicht beurteilen, ob da wirklich eine Vergewaltigung stattgefunden hat, denn ich habe nicht mal das öffentlich zugängliche Video gesehen, geschweige denn die längere Form, die nur den Prozessbeteiligten bekannt ist.

Gut finde ich an dem Fall, dass das Thema Falschbeschuldigung und die Möglichkeit, dass eine solche auch ernsthafte Folgen haben kann, endlich einmal breit diskutiert wird. Blöd nur, dass das evtl. tatsächlich der falsche Fall dafür ist. So wie ich die bisherigen Infos bewerte, ist das beileibe nicht so komplett einvernehmlich abgelaufen. Die andere Frage ist natürlich, ob man das auch beweisen kann. Den Vogel abgeschossen hat für mich da aber Lohfinks Anwalt Burkhard Benecken mit der Aussage:

„Dass Gina mit ihrer Beschwerde vom Opfer zur Täterin gemacht wird, ist ein katastrophales Signal an jedes Mädchen, das eine Straftat anzeigen möchte“, sagt er. „Wenn du nicht einmal sagen darfst, wie du selbst eine Tat erlebt hast, wenn du deine eigene Wahrnehmung nicht schildern darfst, ohne zu riskieren, dafür angezeigt zu werden, dann werden künftig noch weniger Frauen zur Polizei gehen.“

Ähm, nein. Man kann nicht einfach rumlaufen und jedem, der es nicht hören will, verklickern, dass man von dem oder jenem vergewaltigt wurde, ohne dass man es beweisen kann. Wenn man jemand einer schweren Straftat bezichtigt und das nicht beweist, dann ist das Verleumdung und Rufschädigung. Da beißt die Maus keinen Faden ab und das sollte ein Anwalt auch wissen.

Wenn wir Männer bei einer solchen Angelegenheit etliche Jahre Knast riskieren, ist es nur recht und billig, wenn die Frauen da immerhin ein paar Tagessätze riskieren, die bei Frau Lohfink wohl auch ziemlich üppig ausgefallen sein dürften, was den doch ziemlich teuren Strafbefehl erklären würde.

In einem Punkt muss ich allerdings den Feministinnen beipflichten: Das bisherige Vorleben von Frau Lohfink mit Pornodrehs, Parties, diversen Liebhabern und sonstigem Lotterleben kann in keinem Punkt ein Argument dafür sein, ihr von vorneherein nicht zu glauben. Auch ein Halbwelt-Girl und Pornosternchen hat ein Recht darauf, eine Vergewaltigung anzuzeigen, wenn es denn eine war. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein.

2: Seit einigen Tagen gibt es in München Ärger um ein überdimensioniertes Werbeplakat für Bademoden am Marienplatz. Für die SZ ist das natürlich Sexismus. Da das Plakat direkt gegenüber vom Rathaus steht, von dem aus man den freien Blick darauf hat, ist die Gleichstellungsbeauftragte besondern pikiert. Offensichtlich würde sie lieber die beschaulichen Bau-Container betrachten, die von dem Plakat verdeckt werden, weil dort gerade Hugendubel seine Filiale umbaut.

3: Allzu verhüllt will man es in Bayern dann doch nicht haben. Ärger gibt es nämlich auch um ein Burkini-Verbot im Schwimmbad Neutraubling. Und schon wird dem Bürgermeister Rassismus vorgeworfen. Bei der Welt setzt Hermann Weiß die beiden Ärgernisse in Zusammenhang und kommentiert, wie heldenhaft die Grüne Jugend das Recht von Frauen verteidigt, sich selbst unsichtbar zu machen.

4: Wir bleiben auch gleich beim Thema, aber um einige intellektuelle Level darüber: Einen überaus lesenwerten Essay von Magnus Klaue darüber, wie sich islamische und „antisexistische“ Prüderie derzeit die Hand geben, habe ich bei der Redaktion Bahamas gefunden. Ein Auszug:

Alle politischen Initiativen, die seither als Reaktion auf die Vorfälle von Köln angekündigt oder schon durchgesetzt wurden, dienen dieser Versöhnung: die Schaffung juristischer Grundlagen zwecks schnellerer Abschiebung „krimineller Asylanten“, was am allerletzten die Angehörigen des Kölner Mobs treffen wird, denen sich in den seltensten Fällen individuell Straftaten werden nachweisen lassen, sondern Gelegenheitsdiebe und andere Kleinkriminelle, die durch ihr gesellschaftlich völlig bedeutungsloses Fehlverhalten den Anspruch auf Hilfe durch die Volksgemeinschaft verspielt haben; die Verschärfung des Sexualstrafrechts, mit der sich gegen die Etablierung der Taharrush gamea auf europäischen Großstadtplätzen nichts ausrichten lässt, die aber jedem Migranten, der aus Unsicherheit oder Unwissen im Café oder in der Diskothek die falsche Frau zu früh an falscher Stelle berührt, die erhoffte bessere Zukunft zerstören kann; das geplante Verbot „sexistischer Werbung“, von dem sich schon gar nicht mehr sagen lässt, ob es eher antisexistischen oder islamischen Sittenwächtern gefallen will und das die letzten Spuren jener Liberalität aus dem öffentlichen Raum zu tilgen hilft, die nicht wenige Migranten überhaupt erst zur Einwanderung motiviert hat.

5: Arne Hoffmann durfe ja mal wieder im Fernsehen auftreten. Immerhin durfte er seine Positionen halbwegs unverfälscht darlegen. Aber wie auch bei dem berüchtigten SZ-Artikel hat man natürlich wieder ein abschreckendes Beispiel, eine schlechte Karikatur eines angeblichen Männerrechtlers namens „Manfred“ dagegenstellen müssen. Und selbstverständlich darf man einen Männerrechtler nicht einfach so reden lassen, ohne dass irgendwer die feministische Gegenposition vertritt und das alles für Unfug erklärt. Wie die Machtverhältnisse sind, erkennt man alleine schon daran. Dass man im deutschen Fernsehen immer dann, wenn eine Feministin ihre Positionen darlegt, gleich einen Maskulisten nach der Gegenposition befragt, ist schlicht unvorstellbar. Immerhin hat auch die Gleichstellungstante dem Klischee einer Feministin total entsprochen.

6: Reason TV nimmt die Vorstellung aufs Korn, dass alleine die Tatsache, dass Hillary Clinton eine Frau ist, schon ein Argument dafür sei, sie zu wählen.

7: Vorsicht, Parodie: Social Justice Warriors in a nutshell, erklärt in neun Sekunden:

8: Weitgehend OT: Angesichts des Massakers von Orlando macht sich Spiegel Online mal so richtig zum Horst. Erst steht da noch:

Der Kongressabgeordnete Adam Schiff – ein Demokrat, der im Geheimdienstausschuss sitzt und normalerweise nicht zu politischer Panikmache neigt – sagt auf CNN später, er habe gehört, der mutmaßliche Täter habe der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) einen Treueschwur geleistet. „Dies sieht aus wie radikaler Islam“, sagt auch sein republikanischer Kongresskollege Devin Nunes, der gut informierte Vorsitzende des Geheimdienstausschusses.

Nur um zwei Absätze später folgenden Satz rauszuhauen:

Warum der Täter – im Juni, dem „Gay Pride Month“ – einen Nachtklub für Schwule und Lesben wählte, bleibt unklar.

Man findet sicher wieder haufenweise Mäuse, die den Porzellanladen zerdeppern, wenn man den Elefanten einfach nicht sehen will.

9: Noch schnell ein Nachtrag: Eine Niederländerin bringt in Katar eine Vergewaltigung zur Anzeige. Stattdessen wird sie wegen wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs festgenommen. Noch keine Reaktion von feministischer Seite zu hören. Vermutlich will man der falschen Seite nicht in die Hände spielen.

Kurznachrichten vom 08.06.2016

1: Bei Facebook wird gerade heftig über dieses Video diskutiert:

Ich enthalte mich vorläufig eines Kommentars, vielleicht später in der Diskussion.

2: Ein Polizist mit 23 Dienstjahren Erfahrung schreibt Fefe, dass er die Quote der Falschbeschuldigungen bei Vergewaltigungsanzeigen auf 60-70% schätzt.

3: Noch ein Video: Thunderf00t berichtet (nicht zum ersten Mal), wie Feministinnen und SJWs die säkulare bzw. atheistische Bewegung spalten. Das schaffen sie, indem sie ihre eigene Unterbewegung „Atheism+“ gegründet haben und jeden mobben, der nicht akzeptieren will, dass Atheismus automatisch auch das Eintreten für Feminismus, LGBTQOMGWTF-Rechte und selbstverständlich Gender bedeuten muss. Aber seht selbst:

Das lustige oder vielmehr traurige daran ist, dass sich Atheisten ja eigentlich auf die Fahne geschrieben haben, nichts ohne nachvollziehbare Evidenz zu glauben. Und dann soll man aber plötzlich ohne jegliche Beweise obskure Gender-Theorien und selbstverständlich jegliche „Harassment“-Anschuldigungen glauben. Und natürlich auch, dass die atheistische Community genauso wie die übrige Gesellschaft vor Sexismus und Rassismus nur so strotzt. Das ist so, weil die Femis das so sagen. Wer das anzweifelt, ist ein Frauenhasser. So wird das nix mit einer angeblich skeptischen Bewegung.

4: Wo wir gerade bei Würgegriffen sind: Feministinnen haben sich ja über das Plakat für den neuen X-Men Film beklagt, weil da ja einer Frau (der Superheldin Mystique) Gewalt angetan wird. Und die 20th Century Fox hat sich tatsächlich auch noch dafür entschuldigt. Ich finde allerdings, das hier ist der passendere Kommentar dazu:

Kurznachrichten vom 29.02.2016

1: Der ansonsten als kreuzbrav wahrgenommene Arbeiter-Samariter-Bund versucht dieses Image abzulegen mit einem sexy Werbeclip für Erste Hilfe und dem zugehörigen Hashtag #erstehilfe.

Natürlich gibt es wie immer das übliche Sexismus-Gemecker.

2: Am Donnerstag gab es einen erneuten Fall von „Taharrush gamea“ in Kiel. Innenminister Stefan Studt beeilte sich, davor zu warnen,

Vergleiche zu den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg zu ziehen.

Mit was denn sonst? Die drei Mädchen wurden zwar nicht ernsthaft sexuell belästigt, aber sich zu dritt von einer Menge von 30 Männern verfolgt zu sehen, dürfte sicher nicht lustig sein. Bei diesem Verhalten geht es m.E. weniger um Sexualität, sondern um Einschüchterung und Durchsetzen eines bestimmten Verhaltens, also um Macht. Hier stimmt es ausnahmsweise mal, dass es tatsächlich nicht um Sex, sondern um Macht geht, aber hier fällt Third-Wave-Feministinnen nichts besseres ein, als vor Rassismus zu warnen und zu behaupten, das wäre alles nichts neues.

3: Das Versagen des Dritte-Welle-Feminismus angesichts der Realitäten, die nicht in ihr Weltbild passen, analysiert noch einmal Melanie Götz in der Jungle World.

Der gehypte Postfeminismus verfällt in Schockstarre, wenn bestimmte Konstellationen nicht in sein Weltbild passen. Sein Scheitern liegt im eigenen antiaufklärerischen Potential begründet. […]

Wenn der Rekurs auf gesellschaftliche Verhältnisse und Strukturen durch die »diskursive Herstellung« von Kultur, Geschlecht und Identitäten ersetzt wurde, verschwinden die schlechten gesellschaftlichen Realitäten ausnahmslos bequem aus dem Blick. Dafür gelingt neoislamistischen Welt­anschauungen die Integration im Mainstream und in der antiimperialistisch aufgestellten Restlinken. Der ­Islam braucht nämlich neben der Kairoer Menschenrechtscharta auch noch einen eigenen, koran- und shariakompatiblen »islamischen« Feminismus. Als quasi natürlicher Verbündeter ist letzterer fest in liberale, linke und queerfeministische Diskurse integriert. Dort kann man bestaunen, wie die notorischen Neofeministinnen gemeinsam mit Hijab-Aktivistinnen das Partikulare überhöhen und das Uni­versale verwerfen. Hier feiern ausgerechnet die Dekonstruktionsfetischistinnen mit der neoislamischen Erneuerungswelle gemeinsam jenen Weiblichkeitswahn als Befreiung, dessen Entlarvung der Zweiten Welle noch zum Aufbruch gegen das Patriarchat bewegte.

3: Im Fall Kesha vs. Dr. Luke schlagen sich unsere feministischen Leitmedien ZEIT und SPIEGEL auf die Seite des vermeintlichen Opfers, natürlich unter Weglassen wichtiger Fakten. Die Kommentatoren hauen ihnen das wie üblich um die Ohren.

4: In der Abteilung „Feministinnen diskutieren Männerrechtsthemen“ gibt es zwei neue Posts. Onyx versucht uns zu erklären, warum es gerecht ist, wenn Frauen sich das mit dem Kinderkriegen nach der Empfängnis nochmal überlegen dürfen, Männer aber nicht. Klappt nicht so ganz. Und bei gleichheitunddifferenz wird gefragt, warum Männerrechtler sich (angeblich) kaum für nicht-konforme Männer einsetzen. Ist zwar m.E. nicht so, aber man kann ja mal fragen.

5: Christina Hoff Sommers hat einen einfachen Test von Helen Pluckrose retweetet, unter welchen Umständen man gerne Feminist ist:

Der Beitrag von Helen Pluckrose „Why I No Longer Identify as a Feminist.„, aus dem der Text stammt, ist zur Gänze lesenswert. Immerhin auch Michael Shermer, Herausgeber des Skeptic Magazine und einer der führenden Köpfe der amerikanischen säkularen Bewegung, hat das ebenfalls retweetet. Ich musste das mal eben kommentieren.

Man muss dazu sagen, dass P.Z. Myers auch einer der führenden Köpfe der amerikanischen säkularen Bewegung ist, allerdings mehr in der „Atheism+“-Fraktion, die die SJW-Fraktion innerhalb der säkularen Bewegung ist, also der Ansicht ist, als Atheist müsste man auch Feminist sein. P.Z. Myers hat mich kurz nach folgender Anwort geblockt:

Welche Ehre… 😉

Wie tolerant diese Leute sind, beweisen sie immer wieder aufs neue.

6: Lego ist jetzt auch sexistisch, weil man da was hartes rundes in ein Loch stecken muss/kann/darf. Ganz schlimm daran ist, dass homosexuelle Lebensweisen diskriminiert werden, weil Knubbel an Knubbel nun mal nicht hält und Loch an Loch auch nicht, also werden heteronormative Strukturen dadurch reproduziert:

7: Ein soziales Experiment einer Schauspielergruppe in New York zeigt, was passiert, wenn die Verlobung eines arabisch aussehenden 65-jährigen Mannes mit einer 12-jährigen an die Öffentlichkeit gerät. Das glückliche Paar muss sich schlimme islamophobe, rassistische Anfeindungen von größtenteils cis-sexistischen alten weißen Männern gefallen lassen. Oder so ähnlich…

8: OT-Beitrag des Tages: Facebook hat die Seiten der „Perlen von Freital“ gesperrt, auf denen von anonym bleibenden Seitenbetreibern sog. rechte Hetzer mit vollem Namen genannt und an den Pranger gestellt werden und zu deren Denunziation bei dem entsprechenden Arbeitgeber aufgerufen wird. Kurze Zeit später wurde die Seite offensichtlich auch auf Protest von höchster Stelle (Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD)) wieder freigeschaltet.

Wir lernen daraus: Denunziation, Blockwartmentalität und Menschenjagd sind völlig in Ordnung, wenn sie der guten Sache dienen. Dann nennt man das „Aufklärung“.

Manchmal wünschte ich mir, Dieter Hildebrandt würde noch leben, nachdem es sein Freund Konstantin Wecker es auch nicht fertig bringt, mal ein Wort gegen solche Auswüchse zu sagen.

Das große Ratespiel: Was soll 2015 kaputtgemacht werden?

Das Sexismus-Vorwurf-Spiel

Spielanleitung: Dieses Spiel kann von allen gespielt werden. Frauen nennen sich dabei „Feministinnen“, Männer „Allies“. Bonuspunkte für diejenigen, die darauf hinweisen, dass sie sich weder als Mann noch als Frau empfinden und bereits diese Zweiteilung böse ist.

Zu Beginn des Spiels sucht man sich eine Gruppe, in der überwiegend Männer sind – zumindest der Außenwahrnehmung nach. Im Zweifelsfall guckt man auf die einflussreichsten Personen dieser Gruppe oder diejenigen, die offiziellle Posten haben.

Wichtig: Es muss eine Gruppe sein, bei der Geld im Spiel ist oder bei der wichtige Leute mediale Aufmerksamkeit bekommen, die sie als Sprungbrett für ihre Karriere / ihr Selbstmarketing nutzen können. Es hat also keinen Sinn, auf Obdachlose oder Gefängnisinsassen zu schauen.

Im nächsten Schritt weist man auf die Ungleichverteilung der Geschlechter innerhalb dieser Gruppe hin und erklärt dies mit Sexismus. Entscheidend ist, dass man sich nicht auf einzelne Vorfälle, Personen oder die Vergangenheit beschränkt, nein, grundsätzlich sind alleine aufgrund der wenigen Frauen alle Mitglieder automatisch sexistisch. Diejenigen, die sich tatsächlich sexistisch verhalten, sind denn auch leicht für Außenstehende zu erkennen; wer sich bisher nichts hat zuschulden kommen lassen und beteuert, kein Sexist zu sein, ist hingegen perfide, weil er sich weigert, seinen verinnerlichten Sexismus anzuerkennen.

Im günstigsten Fall ist die Gruppe groß genug, dass sich dort ein paar Idioten ohne Manieren befinden, die sich daraufhin dankenswerterweise komplett danebenbenehmen. Diese Entgleisungen stellt man nun als stellvertretend für alle Reaktionen dar, die man auf die eigene „Enthüllung“ bekommen habe. Jetzt ist man ein verfolgtes Opfer, dessen Wahrheiten eben zu unbequem sind, als dass sie von dieser schrecklichen sexistischen Community akzeptiert werden können.

Frauen sollten an dieser Stelle weinen, Männer in den aggressiven Abwehrmodus umschalten. Spätestens jetzt kann man die Solidaritätskarte spielen: Wer will diesen Leuten, die unverdient soviel Hass abbekommen haben, nicht helfen? Und wer würde angesichts einer solchen Eskalation nicht die Gegenseite vollkommen abscheulich finden? Nun kann man einfordern, dass jeder sich für die eigene Seite erklären muss. Es gibt keine Neutralität: Wer nicht für einen ist, ist gegen einen (vgl. George W. Bush, Sith). Ab jetzt kann man Taten einfordern, durch die die richtige geistige Haltung demonstriert wird, etwa Geldspenden, einen Vortrag bei einer Konferenz oder einen Anti-Sexismus-Beauftragten-Posten.

Eine menschliche Gemeinschaft, die so sehr mit inneren Feinden beschäftigt ist, wird darunter natürlich leiden. Deswegen ist es wichtig, gegebenenfalls von Bord zu gehen, bevor man mit dem Kahn untergeht. Für die nächste Runde im Spiel kann man seine bisherigen Handlungen als „Erfolg im Kampf gegen Sexismus“ aufführen.

Was kommt als nächstes?

Und hier setzt das große Ratespiel ein: Wir hatten zum Beispiel bereits politische Organisationen wie die Piratenpartei und Popkultur (Computerspiele, Comics, Metal). Auf welchem Spielfeld wird als nächstes eine Runde „Blame Game“ gespielt? Vorschläge werden angenommen!

Mir wären ja Hoverboards am liebsten, weil wir dann 2015 wie versprochen Hoverboards hätten. Wie wäre es mit einem Aufreger darüber, dass das Hoverboard des einen Mädchens rosa ist? Mir schwebt (ha, ha!) eine Schlagzeile vor wie „Mattel produziert sexistisches Spielzeug“.

Zurück in die Zukunft II: 2015

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das man auch im Jahre 2015 noch hören wird.

Michael Jackson: Beat It

Warum ich schwangere Kolleginnen völlig ok finde

„Die Wirtschaft könnte so gut laufen, wenn nur die Menschen nicht wären!“ Diese Einstellung führe ich schon immer auf asoziale Ratten zurück. Ja, bei dieser Gelegenheit spreche ich deutliche Worte. Der Mensch als Störfaktor im Wirtschaftssystem – da hat jemand etwas falsch herum verstanden (oder die falschen Prioritäten gesetzt). So direkt sagt das zum Glück fast niemand, aber wann immer eine Argumentation sich in die Richtung bewegt, werde ich hellhörig.

Was musste ich zuletzt lesen? Einen verstörenden Artikel nebst entsprechender Diskussion. Das eigentliche Thema sollte ein ganz anderes sein, aber es wurde zurecht die Hauptsache: Eine diskriminierende, weil sexistische Auswahl von Bewerbern. Frauen hätten, so wurde frank und frei zugegeben, selbst bei bester Qualifikation keine Chance, die Stelle zu bekommen.

Es ist faszinierend und bewundernswert, wie sehr einige Kommentatoren nachsetzten und sich nicht mit halbgaren Beschwichtigungen zufrieden gaben. Darunter fielen:

  1. Die meisten Frauen wollen gar nicht führen.
  2. Es gibt ja ohnehin nur 5% Bewerberinnen.
  3. Es ist ja nur eine Stelle!
  4. Das ist sowieso ein harter, das möchte man den wenigsten zumuten.

Natürlich ist das alles Blödsinn. Wenn sich eine Frau findet, die hart im Nehmen ist, die in einer solchen Stelle ihre Erfüllung sieht, dann muss sie, wenn sie die Qualifikation hat, eine Chance haben, die Stelle zu bekommen. (Immer unter der Voraussetzung, dass sie so gut ist wie andere Bewerber usw. – ich werde jetzt nicht die Bedingungen aufzählen, die unter „mit gesundem Menschenverstand betrachtet“ zusammenfassen würde.)

Mein Lieblingstest bei solchen Fragestellungen ist ja immer: Wie sähe derselbe Sachverhalt aus, wenn man sinngemäß Ausländer / Schwarzer / Jude einsetzen würde? „Wir wollen grundsätzlich keine Ausländer für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Schwarzen für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Juden für die Stelle.“ Starker Tobak!

Stellen wir uns ein anderes, aber sehr ähnlich gelagertes Beispiel vor: Eine Stelle wird geschlechtsneutral ausgeschrieben, es wird aber eigentlich nur eine Frau gesucht. Es bewirbt sich ein hochqualifizierter Mann, formal entspricht er den Anforderungen, aber man kann ihn aus diesen diskriminierenden Gründen nicht nehmen und streicht die Stelle lieber ganz. Unglaublich, oder? Der Fall eines Mathematik-Professors sorgte vor vier Monaten zurecht für Aufsehen (zumindest in dieser Blogblase) – ich staune aus heutiger Sicht, bei wem unter anderem.

Kommen wir nun zu dem Grund, der vorgeschoben wird, um Diskriminierung zu rechtfertigen: „Wir haben Angst vor Frauen als Mitarbeitern, weil die schwanger werden können.“ Alles klar! Und nächste Woche: Warum ist die Geburtenrate (gerade bei Akademikerinnen) so niedrig?

Fummeln wir das mal Schritt für Schritt auseinander. Zunächst einmal sollten wir nicht auf eine billige Nebelkerze hereinfallen: Das sei eine Stelle im Top-Management. Deswegen sei es doch klar, dass man völlige Hingabe erwarten müsse, und das sei bei Frauen im gebärfähigen Alter unwahrscheinlich. Außerdem gehe es um KMU (für die Nicht-Ökonomen: das steht für „kleine und mittlere Unternehmen“). Bei denen wirke sich der längere und unerwartete Ausfall eines Mitarbeiters fatal aus.

Also, was denn nun? Das Spitzenmanagement, über das wir im Zusammenhang mit der Frauenquote reden, betrifft nur eine Handvoll Großkonzerne, also gerade nicht KMU. Und KMU werden uns immer auch damit als wichtiges Rückrat oder Seele der deutschen Wirtschaft verkauft (und ich glaube es sogar), dass sie anpassungsfähiger seien.

Mit Verlaub: Die Karte „die können sich nicht darauf einstellen“ zieht da nicht. Je größer der Laden, desto eher findet man jemanden innerhalb des Betriebs, der den Ausfall ersetzen kann. Je kleiner die Klitsche, desto mehr kann man erwarten, dass sich alle Beteiligten absprechen.

Klar, ungeplante Schwangerschaft läßt sich nie zu 100% ausschließen. Aber bitte, hören wir denn sonst nicht von irgendwelchen Leuten mit stolzgeschwellter Brust, das einzig konstante sei der Wandel, und das sei ihr tägliches Geschäft? Und so etwas Gewöhnliches wie eine schwangere Frau bringt sie aus dem Konzept? Auf welchem Planeten leben diese Leute? Mal umgekehrt gesehen: Wenn in dieser Blogblase Forderungen nach Sicherheit abgelehnt werden (die auch überzogen sind, meine Wertung), dann mit dem Hinweis, dass ich mich nie vollständig vor Risiken schützen kann und vor allem, dass es immer Idioten geben wird. Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt auch für diesen Fall.

„Kind und Karriere“ halte ich tatsächlich für eine Illusion, und ich glaube, dass der Ausdruck hauptsächlich wegen der Alliteration verwendet wird, denn ansonsten führt er in die Irre. Ich setze dem mal eine andere entgegen: „Auslaufmodell Alleinverdienerehe“. Darum muss „Kind und Beruf“ vereinbar sein – ohne Reibung und Ärger wird das nicht gehen, aber es muss machbar sein.

Sodann lese ich, die Stelle sei als Sprungbrett geplant. Dann wird nach 2-3 Jahren ohnehin ein Wechsel nötig sein! Gerade wenn man Typen direkt von der Uni im Auge hat, die sich hocharbeiten wollen, muss man davon ausgehen, dass sie von einer anderen Firma abgeworben werden. Dieses Schicksal ist KMU nur zu gut bekannt. Um nach oben zu kommen, muss man wechseln oder von Anfang an bei einer größeren Firma einsteigen.

Der nächste Widerspruch: Entweder es sind genug andere Leute da, weil man eine Flut von Bewerbungen hat, bei denen man nicht nach formalen Kriterien aussortieren kann. Dann wird Ersatz zu finden kein Problem sein. Eine Frau automatisch auszuschließen ist dennoch Diskriminierung, selbst wenn ihre Chance auf die Stelle minimal waren. Oder es herrscht Fachkräftemangel (meiner Ansicht nach generell ein Mythos, er herrscht eher „Mangel an Fachkräften, die man mit einem niedrigen Lohn abspeisen kann“) und man bekommt schwer einen neuen Mitarbeiter: Dann ist jedoch Entgegenkommen sinnvoll in Form von Regelungen, mit denen man auf Schwangerschaften adäquat reagieren kann.

Sexuelle Diskriminierung bei der Vergabe von Stellen trifft Männer wie Frauen (siehe das Mathematik-Professur-Beispiel oben). Mein Bekannter X suchte lange eine Stelle. Eine Regel schälte sich heraus: Aufgrund der „Wir wollen unseren Frauenanteil erhöhen und stellen bei gleicher Qualifikation eine Frau ein“-Regelung vieler Unternehmen hatte er keine Chance mehr, sobald sich eine (wohl mindestens halbwegs qualifizierte) Frau bewarb. Es war ab dann egal, wie gut er war. Genau das würde eine Frau umgekehrt im Ausgangsfall erleben. Aus diesem Grund bin ich auch gegen eine Frauenquote, denn sie läuft auf einen ähnlichen Mechanismus hinaus.

Meine Bekannte Y hingegen wurde in ihrer ersten Stelle ausgebremst und nicht ernst genommen. Es stellte sich heraus, dass der Chef ein mentales Problem hatte. Er war der Meinung, Frauen gehörten an den Herd und da sie irgendwann schwanger würde, würde sie jetzt eh nichts reißen.

Mein Bekannter Z wiederum wurde völlig ausgelaugt an seinem Arbeitsplatz. Sein Vorgesetzter verlangte Übermenschliches. Für den Kram zu Hause, da habe man ja eine Frau, die einem den Rücken freihielte… auch die Einstellung ist natürlich von vorgestern. Textaufgabe: Wie läßt sich diese Idee mit der Realität vereinbaren, in der es homosexuelle Männer gibt, bei denen beide Partner arbeiten – von Single-Männern wollen wir mal gar nicht reden?

Wenn eine Stelle „nur für Männer“ vorgesehen wird, weil man das Frauen aufgrund der Härte „ja auch nicht zumuten“ kann – dann ist das einerseits Frauenbevormundung. Andererseits handelt es sich auch um Männerdiskriminierung („mit denen kann man es ja machen“).

Ich selbst habe in mehreren KMU erlebt, wie sowohl Frauen als auch Männer Elternzeit genommen haben. Schwangerschaftszeiten kann man planen inklusive Rückkehr. Die Einstellung war: Lieber einen Mitarbeiter halb verlieren als ganz an die Konkurrenz. Die Rückkehrer kommen schneller wieder rein in den Ablauf als ganz neue Leute.

Alle anderen Kollegen bekommen die Stimmung mit und eine gute und faire Behandlung motiviert auch die anderen. Die Kollegen ohne Kinder helfen mit. Es ist ja klar, dass das jeder später selbst verlangen kann. Dabei hilft eine gute Mischung im Unternehmen, etwa indem man ein paar „junge Heißsporne“ hat, die sich beweisen wollen. Das ist ein typisches Beispiel für eine Solidargemeinschaft – der eine steht für den anderen ein.

Selbst nach dem Ausscheiden aus dem Betrieb wird Gutes über die Firma erzählt. Und ein guter Ruf kann viel ausmachen.

Richtig ist aus: Die Elternzeit für Väter musste erkämpft werden. Die Väter, die ich erlebt habe, haben sie gerne genommen. Zufriedene Väter schienen auch besser ranzuklotzen, es hatte also seinen Sinn.

Und die Vorstellung von „totale Flexibilität“ ist ohnehin eine Illusion. Wer soll so ein Haus bauen?

Interessant finde ich, wie Sexismus an dieser Stelle durch „ökonomische Zwänge“ begründet wird auf der Ebene eines einzelnen Betriebes gerechnet wird. Das hat aber gleich mehrere Macken.

Zum einen gilt auch für ökonomische Modelle: garbage in, garbage out. Man kann aus einem Modell nicht herausholen, was man nicht hineingesteckt hat. Was sich nicht beziffern läßt, läßt sich auch nicht einpreisen. Gut motivierte Mitarbeiter sind unbezahlbar! Auch das Wirtschaftssystem existiert nicht im luftleeren Raum, sondern basiert auf der Gesellschaft, die dazugehört. Es gibt also viele Einflussfaktoren, die man aber schwer einpreisen und damit in das Modell packen kann.

Außerdem wird der alte Fehler gemacht, für eine volkswirtschaftliche Beurteilung betriebswirtschaftlich zu denken. Dabei ist klar, dass das nicht funktioniert: Das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie ist ein Beispiel, wie man gerade nicht das gesamtgesellschaftliche Optimum bekommt, wenn jeder für sich optimiert. Wenn jemand das „Risiko“ schwangere Frau ausschließen will, will er sich möglichen Kosten entziehen, die gesamtgesellschaftlich anfallen müssen (sonst stirbt die Gesellschaft langsam aus – wir sind übrigens auf gutem Wege dabei).

Schließlich stellt sich noch die Frage, warum denn „das Primat der Wirtschaft“ gelten soll. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, auch wenn das meistens nicht sinnvoll oder möglich ist, sowie ein ins Private überbordendes Wirtschaftssystem, das uns nebenbei eine „marktkonforme Demokratie“ beschert und eine Lebensplanung, bei der die Menschen der Wirtschaft dienen und nicht umgekehrt – es scheint ein weiteres Mal, als sei der wahre Feind einer modernen Gesellschaft nicht „das Patriarchat“, sondern der Neoliberalismus. Es ist zum links werden!

Was tun? Denn die Firma (oder Autorin) hat einfach keinen Bock auf „keine Diskriminierung“. Dazu kann man sie (ohne Beweise) nicht zwingen und selbst mit Beweisen hat es wenig Sinn, jemanden reinzupuschen, der da nicht willkommen ist.

In einer überraschenden Wende bringe ich jetzt (scheinbar) neoliberales Gewäsch: Der Markt funktioniert an dieser Stelle! So eine Einstellungspolitik läßt sich auf Dauer schwer kaschieren, selbst wenn sie nirgendswo aufgeschrieben oder verkündet wird. Die beste Konsequenz für jeden einzelnen besteht darin, einen weiten Bogen um diese Firma zu machen! Die wollen Frauen nicht und laugen Männer gerne etwas mehr aus. Das regelt sich mit der Zeit von selbst, denn die Leute erzählen das ja.

Die beste Strategie für jeden einzelnen besteht also darin, die Augen und Ohren aufzuhalten und solche Sachverhalte weiterzugeben. Wenn ein Unternehmen weniger verkauft oder Probleme hat, neue Mitarbeiter zu finden, weil die Einstellung von hinreichend vielen Leuten einfach nicht hingenommen wird, dann gibt es irgendwann genügend Leidensdruck, um sich zu ändern. Das mag langsamer wirken und weniger plakativ sein als ein Gesetz. Aber ich glaube, dass das am Ende besser funktioniert.

P.S.: Was mich nicht überzeugt: Frauen als „halsstarrig“ darstellen, wenn sie auf etwas beharren. Das nennt man auch Durchhaltevermögen. Zum Vergleich: Ansonsten werden Frauen (zumindest in dieser Blogblase) umgekehrt gerne als „wenig hartnäckig“ abgewertet oder bekommen zu hören „die halten keinen Widerspruch / keine harten Worte aus“ oder „regen sich über ein paar wenig nette Bezeichnungen zu sehr auf, lassen sich davon ins Bockshorn jagen“. In meinem Berufsleben sind Kolleginnen übrigens sehr erfolgreich gewesen mit dieser Methode und auch sehr beliebt bei Kunden und anderen Kollegen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal gibt’s einen Klassiker Depeche Mode. Ist schon beachtlich, wie oft in der Popmusiker der 1980er der zügellose Kapitalismus besungen wurde…

Depeche Mode: Everything Counts