Kurznachrichten vom 07.07.2017

Die letzten zwei Tage waren wieder sehr ergiebig, da ich aber gestern nicht mehr zum Schreiben gekommen bin, wirds heute wieder mehr.

1: In Schweden gab es auf dem größten Popkonzert des Landes in Bråvalla nun im zweiten Jahr in Folge mehrere Vergewaltigungen (4) und sexuelle Belästigungen (23). Das geplante Festival im nächsten Jahr wurde daraufhin schon jetzt abgesagt. Stattdessen plant die schwedische Komikerin und Radiomoderatorin Emma Knyckare jetzt als Reaktion ein Event nur für Frauen. Sie will dieses männerlose Festival so lange fortführen, »bis Männer gelernt haben, sich zu benehmen«.

Etliche Zeitungen berichten, allerdings lohnt sich der Vergleich kaum, denn anscheinend haben fast alle dieselbe Agenturmeldung kaum verändert veröffentlicht. Beim britischen Guardian wird ein Organisator wie folgt zitiert:

“Certain men … apparently cannot behave. It’s a shame. We have therefore decided to cancel Bråvalla 2018,” the festival’s organisers said.

Wer diese „certain men“ sind, bleibt in fast allen Berichten im Dunkeln. Meistens heißt es wie z.B. beim STERN:

Nach Erkenntnissen der Polizei handelte es sich um Einzeltäter und nicht um organisierte Übergriffe.

Nur zwei eher dem (in aller Vorsicht) rechten Spektrum zuzuordnenden Plattformen tanzen aus der Reihe und stellen die Verbindung zu muslimischen Einwanderern her: Jouwatch und David Bergers Philosophia Perennis. Jouwatch behauptet:

Frei nach dem Motto “mitgefangen, mitgehangen” will sie nun auch schwedischen Männern den Zugang zu Musikkonzerten verwehren, obwohl die Grapscher und Vergewaltiger meist als „Männer mit ausländischen Wurzeln“ beschrieben werden.

Inwiefern das tatsächlich stimmt, kann ich leider nicht beurteilen. Wenn man allerdings ein wenig weiter gräbt, findet man sogar beim normalerweise politisch sehr korrekten SPON einen älteren Bericht, der entsprechende Verbindungen zieht. Die Koinzidenz mit dem Beginn der großen Zuwanderungswelle vor allem in Schweden und Deutschland ist natürlich schon auffällig. Für mich riecht das allzusehr nach einem Fall wie die #ausnahmslos-Kampagne nach der Kölner Silvesternacht: Um jeden Anschein von Rassismus zu vermeiden, ist man lieber sexistisch – gegen alle Männer.

2: Nachdem vor zwei Tagen bei Edition F ja ein männerfreundlicher Text einer Frau erschien, ist es jetzt einem Mann vorbehalten, wieder auf die platteste Art auf Männer einzudreschen. „Was wir Männer tun können, um endlich zu verstehen, was Frauen im Alltag erleben“ heißt das Stück und beginnt mit dem Anreißer:

Die Lebensrealitäten von Frauen und Männern sind grundlegend verschieden. Während die von Frauen oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt ist, genießen Männer im Vergleich viele Vorteile.

Danach könnte man ja schon wieder aufhören zu lesen, weil einem klar ist, dass da wieder platteste feministische Klischees wiedergekäut werden. Dann verpasst man allerdings noch weitere Perlen wie diese:

Frauen leben in einer substantiell anderen Lebenswirklichkeit als Männer. Fast nie werden sie so respektvoll behandelt wie wir es gewohnt sind.

Und noch besser:

Es ist jedoch wichtig, Strukturen und Tendenzen zu benennen; denn wie Rebecca Solnit in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ schreibt: „Gewalt hat keine Rasse und keine Klasse, keine Religion und keine Nationalität. Aber Gewalt hat ein Geschlecht.“

Oder auch diese:

Weiterhin gilt: Obwohl Gewalt von Männern gegen Frauen alltäglich ist, wird dieses Muster kaum herausgestellt. Es existiert die Tendenz, Erklärungen auf einer Fall-zu-Fall Basis à la „Beziehungstat“ zu bemühen, ohne das große Ganze in Betracht zu ziehen. Oft sogar wird dem Opfer (Mit-)Schuld zugeschrieben – sie hätte sich ja nun wirklich nicht so aufreizend kleiden oder diese dunkle Straße entlang gehen müssen. Mit den Worten Solnits: „Die Pandemie der Gewalt gegen Frauen wird mit allem Möglichen erklärt außer dem Geschlecht.“

Kein Wort davon, dass die Gewalt in Partnerschaften fast 50:50 gleichverteilt ist, kein Wort davon, dass Männer bei allen Gewaltdelikten außerhalb von sexueller Gewalt den weitaus größeren Anteil an den Opfern haben. Es lohnt eigentlich nicht, darauf weiter einzugehen. Nur der Hinweis noch, dass Bloggerin „breakpoint AKA Anne Nühm“ schon eine kleine Erwiderung geschrieben hat.

3: Wenn allerdings z.B. die Polizei von New South Wales (Australien) sich erlaubt, mit einer Kampagne darauf hinzuweisen, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt werden, führt das zu Protesten, die Kampagne passe gerade nicht in die Zeit, weil es eben einen Mord gab, bei dem eine Lelia Alavi in Sydney von ihrem Mann Mokthar Hosseiniamrae getötet wurde. Außerdem habe es unter dem Facebook-Beitrag der Polizei einige beleidigende und unangemessene Kommentare gegen Frauen gegeben, die nicht gelöscht wurden, wie z.B.

If a girl can throw a punch, she can take one

Oh mein Gott, ein Mann, der tatsächlich glaubt, er dürfe zurück schlagen, wenn eine Frau ihn schlägt. Was für ein Monster!

4: Wo wir gerade bei Doppelmoral sind: Von Jouwatch gibt es ein schönes Beispiel zum Unterschied zwischen gutem und schlechtem Sexismus.

5: Mal etwas spaßiges zwischendurch: Wieder bröselt ein feministisches Vorurteil, nämlich die Behauptung, diese widerlichen Männer würden so massiv auf Gewalt-Pornos stehen. Tatsächlich stellen Frauen die weit größere Gruppe derer, die im Netz nach Pornos mit Gewaltdarstellungen (gegen Frauen!) oder zumindest hartem, ruppigen Sex suchen. Und das wohlgemerkt in allen Ländern der Welt gleichermaßen, ganz egal, wie dort der Status der Frauen und ihre Rechte sind. Und die Quelle? Man glaubt es kaum: Google und deren Auswertung nach Suchbegriffen. Der Daily Caller berichtet.

Der Artikel enthält noch ein paar andere Erkenntnisse über merkwürdige Sex-Vorlieben. In Indien stehen viele Männer darauf, mit Muttermilch gesäugt zu werden. Und in Japan gehört für viele Kitzeln zum Liebesspiel dazu. Allerdings sagt der Autor, der das herausgefunden hat:

The author says calling these preferences “weird” isn’t the correct response. “The data from porn tells us that everybody is weird,” he said. “Thus, nobody is weird.”

6: Und hier eine der Blüten, die Gendern inzwischen treibt:

Inzwischen werden Männer anscheinend eher so „mitgemeint“.

7: Ein Hinweis auf zwei Artikel, die leider hinter einer Zahlgrenze versteckt sind: In der Welt gibt es ein Interview mit Walter Hollstein mit dem Titel „Das vernachlässigte Geschlecht ist – der Mann“ und in der Weltwoche schreibt Harald Martenstein über Sexismus mit dem Titel „Der Mann, das Triebwesen“. Martensteins Beitrag habe ich in der Printausgabe gelesen. Lesenswert. Letztlich geht es darum, dass unter den notorischen Sexismus-Anklagen heutiger Tage die alte Prüderie wiederkehrt und damit die sexuelle Befreiung rückabgewickelt wird. Was auch zu den alten Doppelmoralitäten führt, denn unter der offiziellen Oberfläche der Wohlanständigkeit wird es getrieben wie eh und je. Und Martenstein plädiert für die Rehabilitierung des Begehrens als eine legitime Motivation, auch in seiner unerwiderten Variante.

Update: Genderama meldet, dass der WELT-Artikel mit dem Hollstein-Interview unter anderem Titel inzwischen frei verfügbar ist.

8: Zwei Beiträge, die sich kritisch mit der „Ehe für alle“ auseinandersetzen. Bei Novo Argumente sieht Thilo Spahl die Entscheidung des Bundestags nicht als Antidiskriminierungserfolg, sondern als Sieg des Konsumismus. Sein Kernpunkt:

Die traditionelle Ehe ist in einer Zeit, in der die freie Wahl von Lebensformen und -stilen und Identitäten dominierendes Ideologem geworden ist, ein Fremdkörper. Sie ist eine Lebensform, die nicht allen offensteht, die nicht käuflich ist. Mit dieser prinzipiellen Exklusivität verweigert sich die traditionelle Ehe dem Warencharakter. In der Konsumgesellschaft ist jedoch etwas, das man haben will, aber nicht haben kann, ein Sakrileg, das nicht geduldet werden kann.

Und sein Fazit:

Der Hype um die Ehe für Alle zeigt vor allem eins: dass die Institution der Ehe an Bedeutung verloren hat. Die Ehe hat an Kraft verloren. Sie ist weniger eine Lebensform als ein beim Staat zu beantragender Status. Das mag man beklagen oder gutheißen. Es heißt aber, dass das, was viele als Kampf um Gleichberechtigung interpretieren, nur ein Statusgerangel ist.

Der zweite ist ein Interview mit Prof. Ulrich Kutschera, der sich aus evolutionsbiologischer Sicht über die „Ehe für alle“ auslässt, und das auch noch bei kath.net. Und er lässt auch wieder ein paar garantiert politisch unkorrekte Hämmer vom Stapel. Zu sagen, dass Schwule und Lesben mehr zu Pädophilie neigen als Heteros, und dass deswegen eine Volladoption eine Horrorvorstellung ist, dürfte eines der größten Tabus derzeit sein. Da geht sogar jede, selbst abseitige Islamkritik noch eher. Nur: Kutschera ist habilitierter Biologe und hat sich eingehend mit dem Thema beschäftigt. Soweit ich ihn bisher erlebt habe, stellt er solche Behauptungen nicht auf, ohne entsprechende Studien und Zahlen dafür vorweisen zu können.

Bevor jetzt wieder wer was unterstellt: Ich bin eher Befürworter der Homo-Ehe. Bis auf die Möglichkeit der Fremdadoption, die ich eher kritisch sehe, spricht für mich eigentlich nichts dagegen. So ganz habe ich mir noch keine Meinung gebildet, bis auf die, dass die Diskussion darüber unsäglich flach ist.

9: Auf der Seite Gender-Diskurs rezensiert Dr. Alexander Ulfig Axel Meyers Buch „Adams Apfel und Evas Erbe“, der genauso wie Ulrich Kutschera die Gender Studies aus biologischer Sicht kritisiert.

10: Zum Schluss ein Ausflug ins Boulevard. Für Boris Becker kommt es derzeit ja richtig knüppeldick. Erst erklärte ihn ein Gericht in London für zahlungsunfähig, dann forderte ein ehemaliger Geschäftspartner aus der Schweiz 40 Millionen Franken von ihm zurück. Und jetzt deutet auch noch seine Frau eine Ehekrise an. Und was hat das ausgelöst?

In der Folge vom Donnerstag, die um 20.15 Uhr auf ProSieben ausgestrahlt wird, spricht sie sogar von Scheidung. Denn Boris Becker hatte sich geweigert, seiner Frau einen Videogruß in die Show zu schicken.

„Alle haben eine Nachricht bekommen, nur ich nicht. Und alles war im Fernsehen. Alle haben gesehen, wie enttäuscht ich war“, klagt Lilly Becker ihrer Kollegin Nadine Angerer das Leid. Und als diese sie fragt, ob sie sich jemals von ihm scheiden lassen würde, antwortet Lilly: „Ich weiß nicht. Sag niemals nie.“

Eine verpasste Videobotschaft! Na wenn das mal kein veritabler Scheidungsgrund ist. Immerhin war sie jetzt lange genug mit ihm verheiratet, um entsprechenden Unterhalt einzufordern. Doch halt, Lilly, ist er nicht eh gerade pleite und da ist gar nichts zu holen? Oder ist das vielleicht der eigentliche Scheidungsgrund? Wir wissen es nicht. Mal abwarten…

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Kurznachrichten vom 31.12.2016

1: Pünktlich vor den nächsten Silvesterfeiern feiert der gute alte Keuschheitsgürtel Wiederauferstehung, diesmal „Safe Shorts“ genannt.

„Steig in deine Safe Shorts, ziehe die ergonomisch verlaufenden reiß- und schneidfesten High-Tech-Schnüre fest, bis die Hose sitzt“, steht es auf der Website. Danach werden die Schnüre am Schließmechanismus fixiert, der an den Sirenen-Poweralarm angeschlossen ist. […] Sollte sich jemand an der Hose der Joggerin zu schaffen machen, geht die Sirene an und jault in einer Lautstärke von 130 Dezibel, was Angreifer in die Flucht schlagen soll. […]

Die Schnüre in der Hose, die übrigens aus demselben Material angefertigt sind wie kugelsichere Westen, sollen sich zumindest von Angreifern nicht ohne Weiteres aufschneiden lassen – angeblich nicht einmal mit einer Heckenschere.

Jetzt bin ich mal gepannt, ob das ein Verkaufsschlager wird.

2: In der Jungle World beschäftigt man sich ebenfalls mit Silvester, aber noch mit dem vergangenen. Hannah Wettig beschreibt darin, „wie der feministische Diskurs die Opfer der Silvesternacht im Stich ließ“.

Feministische Frauen initiierten das Bündnis #ausnahmslos, das sich gegen Sexismus und Rassismus gleichermaßen wenden sollte. Diese zunächst in der Sache plausible Reak­tion mutierte sofort zu einem antirassistischen Abwehrkampf gegen die Opfer. […]

Ohne dass es einen Hauch von Zweifel an der Masse der Zeugenaussagen gab, sagten Protagonistinnen des Bündnisses, man wisse überhaupt nicht, wer die Täter gewesen seien. Die Bloggerin Nadja Shehadeh beleidigte auf dem feministischen Blog Mädchenmannschaft die Opfer als Kartoffeln, die einen Italiener nicht von einem Araber unterscheiden könnten. Etliche Feministinnen im Umkreis des Missy Magazins relativierten das Ereignis, indem sie sinngemäß sagten, dass derartige Übergriffe jedes Jahr auf dem Oktoberfest vorkämen, ohne dass es jemanden störe. Schon im Januar konnte das niemand ernsthaft glauben, der sich auch nur einige wenige Zeugenaussagen angesehen hatte. […]

Es war aber kein linker Stammtisch, der sich mal eben spontan äußerte. Vielmehr war es eine Zäsur in der Geschichte der Frauenbewegung, ein Bruch mit entscheidenden Leitideen des Feminismus. Feministinnen glaubten den Opfern von sexu­eller Gewalt nicht, sondern relativierten die Taten. Wo einige noch die Herkunft der Täter abstritten, wiesen andere schon auf traumatische Fluchterfahrungen hin, um das Handeln der Männer zu erklären. […]

Flüchtlinge als politisch denkende und handelnde Menschen zu sehen, ist das Gegenteil von Rassismus. Trotzdem wird allen, die auf den Islamismus als Ursache hinweisen, Rassismus vorgeworfen – und das deutlich heftiger als denjenigen, die sich um eine Erklärung aus Kultur und Tradition bemühen.

Das hat Gründe: Häufig sind es Vertreterinnen islamischer Organisationen oder sogenannte Feministinnen mit Kopftuch, die antiislamistische Argumentationen als rassistisch geißeln. Ihre Argumente werden von Linken oft übernommen. Dabei sollte klar sein: Sie haben eine Agenda, und die ist ganz bestimmt nicht links.

3: MANNdat hat eine maskulistische Filmkritik von Dr. Bruno Köhler zu einem der letzten ARD-Tatorte mit dem Titel „Wofür es sich zu leben lohnt“ (ausgestrahlt am 4.12.) veröffentlicht. Das Urteil von Köhler:

Das übliche männerfeindlich-sexistische Frauenkino. Gute Opferfrauen gegen böse Tätermänner. Die Macher des Films lassen kein Klischee aus, damit beim Zuschauer zu keinem Zeitpunkt auch nur den Hauch von Zweifel an der Legitimität der brutalen Taten der Protagonistinnen aufkommen könnte. Die Ermordeten entsprechen dem Übelsten, was das derzeit politisch korrekte Feindbild zulässt – der Ausländer hassende Rechtspopulist, dessen Tochter zudem noch mit einem Ausländer anbändelt, der skrupellose, über Leichen gehende Unternehmer, der Hunderte armer Frauen auf dem Gewissen hat, der rücksichtslose, geldgierige Betrüger. Alle sind natürlich böse, alte, weiße Männer. […]

Der Film verherrlicht Gewalt, genauer gesagt, er verherrlicht Frauengewalt gegen Männer.

Merke: Wenn Frauen Gewalt gegen Männer ausüben, ist diese immer moralisch gerechtfertigt. Männer wollen dagegen nur Macht ausüben, wenn ihre Gewalt gegen Frauen geht. Die Klischees in der Filmwirtschaft und im Fernsehen sind seit Jahrzehnten immer dieselben.

4: Die ZEIT interviewt die DJane Susanna Kim und behauptet in ihrem Anreißer:

DJane Susanna Kim aka I am Kim Kong erzählt, wie es ist, professionell Platten aufzulegen. Und warum Frauen hier fehlen.

Na, da bin ich schon gespannt wie ein Flitzebogen, als ich endlich an die entscheidende Frage komme:

Frage: Was denken Sie, warum gibt es, gerade im Hip Hop, so wenig DJanes?

Kim: Ich glaube, dass es gar nicht so wenige DJanes gibt. Früher habe ich das aber auch so wahrgenommen. Umso mehr ich mit der Thematik zu tun habe, umso mehr DJanes lerne ich kennen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es viel mehr DJanes im Elektronischen Bereich gibt als im Hip Hop. Obwohl es mittlerweile einige Frauen gibt, ist der überwiegende Teil immer noch männlich. Genau sagen, woran das liegt, kann ich gar nicht, das finde ich selbst komisch. Vielleicht kommen Frauen nicht so oft drauf, dass man ja auch selbst auflegen kann.

Danke fürs Gespräch, liebe ZEIT, kann ich da nur sagen. Genau das, was versprochen wurde, wurde nicht geliefert.

Das ganze Gespräch macht auf mich den Eindruck, als ob Interviewerin Marcia Scharf unbedingt eine feministische Message herausquetschen wollte. Irgendwas nach dem Schema, die Männer lassen sie nicht richtig ran, Frauen müssen sich doppelt beweisen etc. Kein Wunder, der Artikel erschien ja zuerst bei Edition F. Nur zieht die Interviewte nicht so richtig mit. Auch die eher beschwichtigende Antwort auf die Frage:

Frage: Haben Sie schon negative Erfahrungen gemacht, weil Sie eine Frau sind?

Kim: Manchmal bekomme ich schon zu hören: ,Also für eine Frau bist ja gar nicht so schlecht.‘ Das passiert aber sehr selten – zum Glück.

muss natürlich zu der Artikelüberschrift

„Für eine Frau bist du ganz gut“

destilliert werden.

Nebenbei: Ich kann mich an kein einziges Interview erinnern, in dem ein Mann gefragt worden wäre, ob er in seinem Job negative Erfahrungen gemacht hätte, weil er ein Mann ist. Wahrscheinlich weil ein kleiner Teil denkt, das existiert gar nicht, weil Männer eh immer bevorzugt werden. Und der Rest denkt, da müsste man als Mann eben durch. Oder weil Kindergärtner, Erzieher, Grundschullehrer und Krankenpfleger so selten interviewt werden.

Kurznachrichten vom 18.01.2016

1: Nachdem die Kampagne der Netzfeministinnen #ausnahmslos nicht so wirklich eingeschlagen hat, versuchte Anke Domscheit-Berg am Samstag gleich die nächste Nebelkerze zu zünden: #unerwünscht. Unter diesem Beitrag sollen Frauen Erfahrungen mit Exhibitionisten twittern.

Das hat jetzt zwar mit der aktuellen Diskussion über Köln noch viel weniger zu tun, denn Exhibitionismus kam da noch nicht in den Polizeiberichten vor, aber ein weiterer Ablenkungsversuch kann ja nicht schaden. Auch hier wird wieder mehr getrollt, als dass es tatsächlich Erlebnisberichte gibt. Die Blogs emmanzer und Stefanolix haben bereits kommentiert.

2: Die WELT brachte am Wochenende einige Beiträge rund um die Themen Köln, Flüchtlinge und wie die Feministinnen damit umgehen. Reinhard Mohr findet es „Erstaunlich, wie Feministen die Realität ausblenden„.

Dass man gegen Rassismus, Sexismus und Diskriminierung ist, versteht sich von selbst – die Inkarnation jenes guten Gewissens, das nur ein schlechtes Gewissen sein kann. Sein Leitmotiv: Der Westen ist an allem schuld. Also „wir“. Wer sonst. So ist es nur logisch, dass das Bewusstsein dieses biedermeierlichen Weltbilds keine äußeren Feinde kennt. Das Böse hockt ja im eigenen Land. […]

Dass das Böse – Rassismus, Sexismus und pure Gewalt – auch von jenen ausgehen kann, die man eben noch mit dem Ruf „Refugees welcome!“ freudig empfangen hat, war nicht vorgesehen. Es hat nicht nur das Weltbild der „Willkommenskultur“ erschüttert. […]

Die gesamte Flüchtlingsdebatte hatte unter dem Zeichen einer buchstäblich grenzenlosen Moral stattgefunden, bei der jeder Zweifel in den Bereich des Amoralischen und Verwerflichen verwiesen wurde. Die Flüchtlinge wurden zur Projektionsfläche einer lutherisch-protestantischen und sehr deutschen Selbstprüfung, die keinen Raum ließ für Zwischentöne. Angela Merkels „Wir schaffen das“ wurde zum Mantra dieser Moral, zur vermeintlich alternativlosen Durchhalteparole.

Einer der m.E. besten Beiträge überhaupt zu dem Thema schrieb der Schriftsteller Peter Schneider, ein 68er-Urgestein, der mir schon immer durch gut durchdachte und gemäßigte Positionen aufgefallen ist.

Nicht erst seit dem Sommer letzten Jahres hatte sich eine Kultur des Wahrnehmens und des Sprechens hinter vorgehaltener Hand herausgebildet – und sie geht weiter. Unliebsame Tatsachen werden verdreht und einem rassistischen Weltbild zugeordnet, bevor sie erkannt und benannt sind. […]

Es sind selten die Tatsachen, die die von allen Seiten an die Hand genommenen Bürger in die Arme rechter Populisten treiben – es verhält sich umgekehrt: Wenn die Bürger Grund zu der Annahme haben, dass ihre Wahrnehmungen und Sorgen nur noch von rechten Populisten benannt werden, erst dann ist der Zulauf zu diesen Populisten garantiert. […]

Während die einen ihren „Nie wieder“-Lehren folgen, verschanzen sich die Brandstifter und Neonazis hinter der Leugnung der Nazi-Verbrechen. Beiden Seiten ist gemeinsam, dass sie auf die Vergangenheit fixiert sind und die Bewältigung der Gegenwart blockieren. […]

Nach den Kriegsflüchtlingen werden die Klimaflüchtlinge kommen; Afrikas Bevölkerung wird sich in wenigen Jahrzehnten verdoppeln. Die Deutschen müssen jetzt die Regeln und die Grenzen einer Flüchtlingspolitik festlegen und erfinden, die die unausweichliche Convivenza mit Millionen von Flüchtlingen zu einer Bereicherung machen.

Der wiederholte, auch von Angela Merkel zu hörende Hinweis: „Das sind wir unserer Vergangenheit schuldig“ hilft nicht weiter. Niemandem, auch den Flüchtlingen nicht, ist damit gedient, wenn die formidable Demokratie der Deutschen durch eine rasch wachsende Rechtsbewegung in den Ruin getrieben wird.

Und schließlich gibt es da einen recht ernüchternden bis hin zu erschütternden Bericht einer Hamburgerin, die in einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge arbeitet.

Ich habe begonnen, mich anders anzuziehen. Ich bin eigentlich jemand, der gern auch mal etwas engere Sachen trägt – aber jetzt nicht mehr. Ich ziehe ausschließlich weit geschnittene Hosen und hochgeschlossene Oberteile an. Schminke benutze ich sowieso immer schon sehr wenig, höchstens mal einen Abdeck-Stift. Und nicht nur äußerlich habe ich mich verändert, um mich etwas vor dieser Belästigung zu schützen. Ich verhalte mich auch anders. So vermeide ich es zum Beispiel, auf unserem Gelände an diejenigen Orte zu gehen, an denen sich die alleinstehenden Männer oft aufhalten. Und wenn ich es doch mal muss, dann versuche ich, sehr schnell da durchzukommen und lächele dabei niemanden an, damit man das nicht falsch verstehen kann.

3: Der Frankfurter Asta hat über einen nebenberuflichen Pick-Upper der Firma Casanova Coaching, der ebenfalls an der Frankfurter Uni studiert, in negativer Form berichtet und dabei seinen vollen Namen genannt und ihn in einem Foto abgebildet (in Justizjargon „identifizierend“ berichtet). Dieser hat sich gerichtlich gewehrt und in zweiter Instanz eine einstweilige Verfügung gegen den Asta erwirkt. Der Asta will sich nun gegen die „Zensur“ wehren.

Der Asta-Vorsitzende Valentin Fuchs (Grüne Hochschulgruppe) kritisierte das Urteil und kündigte an, dass der Asta die einstweilige Verfügung und die damit verbundene Zensur nicht akzeptieren werde. Er pocht auf das studentische Presserecht und beharrt darauf, dass der Asta die Interessen der Studierenden öffentlichkeitswirksam vertreten dürfe. Dazu gehöre ihrem Selbstverständnis nach, auch feministische Positionen zu vertreten.

„Gerade nach den Vorfällen in Köln kann ich die Entscheidung des Gerichts nicht nachvollziehen“, sagte Fuchs der Frankfurter Rundschau. Der Asta bemängelt, dass bei der Entscheidungsfindung im Gerichtsaal formale Fragen im Vordergrund standen. Dass es sich bei den Annäherungstechniken der Pick-Up-Artists um „gewalttätige Übergriffe“ handele, sei jedoch kein Thema bei der juristischen Auseinandersetzung gewesen, kritisieren die Studierendenvertreter.

Wie hohe Wellen sexistische Aufreißer-Seminare in den Medien, aber auch in der Gesellschaft schlagen, zeigte sich in Frankfurt bereits Ende 2014.[…]

Im aktuellen Rechtsstreit stellt Medienanwalt Lucas Brost von der Kölner Kanzlei Höcker auf FR-Anfrage die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten in den Vordergrund und klagt den Asta an, seine Befugnisse zu überschreiten: „Anstatt die Regeln einer fairen Berichterstattung zu berücksichtigen, stellt der AStA einen Studenten in seiner Zeitung derart an den Pranger, dass er in der Folge bedroht wird. Zur Rechtfertigung beruft er sich auf Grundrechte, ohne zu erkennen, dass er dies als staatliche Stelle nicht darf.“[…]

Das Gericht stellt fest, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Übergriffen auf dem Campus und den Aktivitäten des in der Asta-Zeitung namentlich genannten Casanova-Coach gibt. Daher müsse es der Kläger nicht hinnehmen, dass er durch die Berichterstattung „nachhaltig der Kritik ausgesetzt wird“. Zudem verletzte der Artikel das Recht am eigenen Bild, der Betroffene sei darauf für sein soziales Umfeld unschwer zu erkennen.

Wir lernen also:

  1. Es gibt ein spezielles studentisches Presserecht, das offensichtlich erlaubt, Personen an den Pranger zu stellen, auch wenn sie nicht Personen der Zeitgeschichte sind
  2. Feministische Positionen sind im Interesse von Studierenden
  3. Annäherungsversuche von Pick-Up-Artists sind „gewalttätige Übergriffe“
  4. Niemand darf Männern das Flirten lehren, denn das ist nach Ansicht der FR-Journalistin sexistisch.

4: Alice Schwarzer und Anne Wizorek, zwei Galionsfiguren des deutschen Feminismus, führen im Spiegel ein Streitgespräch, das leider in voller Länge wohl nur in der Printausgabe zu lesen ist. Nachdem die beiden Feministinnen in der Flüchtlingsfrage und demzufolge in der Bewertung der Vorgänge der Kölner Silvesternacht und anderen Städten ganz unterschiedlicher Meinung sind, würde ich das schon mal lesen wollen. Muss ich wohl nach etlichen Monaten wieder mal einen Spiegel kaufen…

Kurznachrichten vom 16.01.2016

1: Die Kampagne #ausnahmslos wird inzwischen sehr heftig mit dem Gegenhashtag #falschesgrau getrollt. Dabei werden vor allem haufenweise Bilder und Videos nackter Frauen gepostet, aber auch einige witzige Statements und Karikaturen sind zu finden. Buzzfeed übertreibt und behauptet, es wären sogar Pornos, wobei aber im selben Artikel die Initiatoren von #falschesgrau zitiert werden, die dazu aufrufen, dass die Bilder jugendfrei bleiben, damit Twitter keinen Anlass findet, den Hashtag aus den trending topics herauszuhalten. Kann man lustig finden, muss man aber nicht. Feministen reagieren inzwischen mit den üblichen Standard-Taktiken Mimimi, Male Tears, kleiner Penis, und haben damit den Niveau-Limbo erstmal für sich entschieden.

2: Andere schreiben erste Fazits zum inzwischen sich zur schnellsten feministischen Rohrkrepierer-Kampagne des Jahres entwickelnden #ausnahmslos, so z.B. Birgit Kelle, die feststellt:

[…] hat man sich eine neue Kampagne unter dem Namen #ausnahmslos gegönnt. Dort werden jetzt ausnahmslos alle Männer unter Generalverdacht gestellt und nicht nur Männer mit Migrationshintergrund. Ein enormer Fortschritt für die Menschheit.

und auch asemann.de stellt fest, dass Deutsche mit Migrationshintergrund…

Menschen, die andere Zustände erlebt haben, als sie in Deutschland herrschen, die Werte der Aufklärung, die Menschenrechte, die Demokratie und den Rechtsstaat anscheinend mehr zu schätzen wissen als die links-„progressiven“ Frauen und Mädchen, die sich unter dem Banner von #ausnahmslos versammelt haben.

Ebenfalls eine gute Analyse liefert der Blog „Drachenrose“.

Die Piraten haben sich auch zu Köln geäußert, und das aus meiner Sicht sogar durchaus vernünftig. Die Gesundschrumpfung scheint zu wirken, nachdem die Linksbizarren die Partei verlassen haben

Und selbstverständlich hat auch der kleine Akif seinen Senf in epischer Breite in gewohntem Unflat ausgekotzt. Das verlinke ich jetzt mal nicht. Wer sowas mag, darf es googeln.

Ich setz jetzt mal den Aluhut auf: Was fehlt in der Geschichte noch? Dass irgendwer leakt, dass die Kampagne #ausnahmslos ein Astroturfing-Projekt des Frauenministeriums ist. Irgendwer hat auch das schon geargwöhnt, ich finde es aber nicht mehr.

3: Es wird weiter munter diskutiert, wie gefährlich nun der junge, arabische Mann als solcher ist. Die ehemalige Femen-Aktivistin Zana Ramadani (m.W. CDU-Mitglied) gibt in einem Interview dem Islam die Schuld und hierbei besonders den muslimischen Müttern. Dabei dürfte sie ziemlich nahe an der Linie von Alice Schwarzer liegen, und den Netzfeministinnen ziemlich auf die Füße getreten sein, die mit ihrem hippen Kopftuch-Feminismus nun gar nichts auf den Islam kommen lassen. Mein Lieblingszitat war allerdings:

Diese Männer lernen, dass Frauen, die einen kurzen Rock oder eine enge Hose tragen, verfügbar sind. Sie lernen, dass sie das Recht haben, sie respektlos zu behandeln. Was viele Muslime und Imame nicht verstehen, ist, dass sie nicht nur ein schlimmes Bild von Frauen haben, sondern auch von Männern. Das Verschleierungsgebot unterstellt ja, dass Männer nicht anders können, als sofort über eine Frau herzufallen, die ihre Haare zeigt. Das Verschleierungsgebot unterstellt also jedem Mann, ein triebgesteuerter Vergewaltiger zu sein. Die islamischen Werte sind also sowohl frauen- als auch männerfeindlich.

Hmmm, welche bekannte Ideologie des Westens nochmal sieht den Mann als Triebtäter und versteht sich zumindest im links-politisch korrekten Flügel ganz wunderbar mit dem Islam?

Ein richtig dicker Brocken war gestern auch das Interview mit dem Soziologen Gunnar Heinsohn in der WELT, der zuerst ein ziemlich düsteres Bild zeichnet:

Die Welt: Welches Bild haben die jungen Araber von westlichen Frauen?

Heinsohn: Die gelten schnell als Huren, weil die vorehelichen Verkehr haben. Sie werden zur Beute, auf die sie auch von den Eltern verwiesen werden, damit die Töchter rein und ehefähig bleiben. Da folgen die sexuellen Übergriffe quasi naturgesetzlich. Wenn man das vorher nicht weiß und die Einwanderung als Fortschritt zu allgemeiner Harmonie gepriesen hat, dann steht man als Naivling oder gar Täuscher da und sucht im Vertuschen einen Ausweg. Von der Polizei angefangen bis in die Politik.

Die Welt: Zu den größten aktuellen Vertuschungsskandalen gehört die Missbrauchsserie von Rotherham. Über Jahre wurden in der mittelenglischen Stadt 1400 Kinder und Jugendliche von britisch-pakistanischen Banden missbraucht. Behörden und Politikern konnte nachgewiesen werden, die Taten verschleiert zu haben.

Heinsohn: Diesen Vertuschungsmechanismus haben wir auch in Schweden und in Deutschland. Überall haben nette, fortschrittliche Menschen ein Problem überhaupt nicht auf dem Radar. Und dann nimmt es mit Wucht seinen eigenen naturwüchsigen kriminellen Weg. Doch wenn ich das einräume, dann stehe ich als Versager mit meiner fortschrittlichen Linie da. Und dann geht das Vertuschen weiter.

Dann aber macht er am Schluss des Interviews doch wieder Mut:

Die Welt: Wie groß ist Ihr Glaube an Integrationsmöglichkeiten?

Heinsohn: Ich glaube, bei der Frage der Integration gibt es weder Rassenprobleme noch Religionsprobleme, sondern nur Kompetenzprobleme. Aber wenn die Leute in der Schule versagen, von Hartz IV leben müssen und dann nur gesehen wird: das sind Afrikaner, das sind Muslime – dann wird das Kompetenzproblem überdeckt mit einem Rassenetikett oder einem Religionsetikett. Kompetenz ist der Schlüssel zur Integration.

Auch der Deutschlandfunk beschäftigt sich mit dem Phänomen „Taharrusch dschama’i“ (wie immer, wenn was aus Arabien kommt, gibts dafür verschiedenste Schreibweisen):

Die Täter des „taharrusch dschama’i“ sind zumeist Männer zwischen Pubertät und Heirat in urbanen Milieus. Viele sind unzufrieden und frustriert von den Restriktionen, die ihnen ihre Umgebung auferlegt: keine sexuellen Kontakte vor der Ehe. Nicht einmal ein Gespräch unter vier Augen zwischen einem fremden Jungen und einem fremden Mädchen wird gestattet. Aber zugleich öffnet einem das Internet ein Fenster auf die Welt des Sex, Drugs and Rock’n’Roll.

4: Die Stadt Bornheim hat ein grade erst erlassenes Schwimmbadverbot für männliche Flüchtlinge schon wieder aufgehoben. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass staatlich Stellen sich derzeit kopflos in Aktionismus flüchten, anstatt ruhig Blut zu bewahren und sich vor irgendwelchen Beschlüssen zu fragen, 1. was das für Folgen hat und 2. ob diese eigentlich im Einklang mit den Werten stehen, die wir angeblich verteidigen wollen.

5: Auf fisch+fleisch kritisiert die junge österreichische Bloggerin Tatjana Ana Stasia das selektive Gendern, nach dem es unbedingt „ExpertInnen, ArbeitnehmerInnen, AutorInnen, LehrerInnen, GemeinderätInnen, MitbürgerInnnen, PolitikerInnen, PolizistInnen, SchülerInnen, StudentInnen, WissenschaftlerInnen“ heißen muss, man aber von „mutmaßlichen AttentäterInnen, TerroristInnen, TäterInnen, MörderInnen, DiebInnen, KinderschänderInnen, DschihadistInnen, RäuberInnen, VerbrecherInnen“ fast nie etwas hört.

Kurznachrichten vom 14.01.2016

1: Ein paar neue Links zum Thema Kölner Silvester und der Kampagne #ausnahmslos. Auch wenn Arne Hoffmann auf Genderama diese schon verlinkt hat, will ich trotzdem darauf hinweisen. Ganz besonders hervorragend ist der Beitrag von Thierry Chervel beim Perlentaucher, der die Kampagne #ausnahmslos gekonnt analysiert und auseinander nimmt.

Zwar konzedieren die Autorinnen (irgendeine von ihnen wird darauf beharrt haben), dass „soziokulturelle und weltanschauliche Ursachen von Gewalt“ benannt werden sollen – aber diese Formulierung steht wie eine Insel im Meer der Ablehnung genau dieser Forderung.

Der Rest des Textes will die Identität der Täter verunklaren, weil „sexualisierte Gewalt nicht ‚islamisiert‘ werden darf“ und weil „reißerische und stigmatisierende Deutungen“ zu unterbleiben haben. Man soll das Offensichtliche – es waren zumeist nordafrikanische oder arabische Männer, und sie haben sich in eine Weise zusammengerottet, wie man es hierzulande nicht einmal vom Oktoberfest kennt – nicht mehr benennen können.

asemann.de hat sich gleich mit zwei guten Beiträgen hintereinander damit beschäftigt. Bei der FAZ kommentiert Ursula Scheer:

Sie nimmt die massenweisen Attacken, die – so verstörend der Tatbestand ist, man kommt an ihm nicht vorbei – ganz überwiegend Migranten aus dem islamischen Kulturkreis auf Frauen verübt haben, zum Anlass, diskursiv quasi in Sekundenschnelle vom Konkreten auf das Allgemeine umzuschwenken: sexualisierte Gewalt in Deutschland insgesamt. Das aber ist argumentativ eine Fluchtbewegung weg von dem bisher nicht Dagewesenen auf vertrautes Terrain, wo eingeschliffene feministische Narrative entfaltet werden können. […]

„Emma“ lässt auch den Deutsch-Syrer Alexander Hawa zu Wort kommen, dessen Tochter von arabischen Männern überfallen wurde. In einem offenen Brief an Migranten beschreibt er in einfachen Worten die Grundlage des Zusammenlebens in Deutschland: Respekt, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit. Er formuliert Forderungen an Männer, die aus anderen Kulturkreisen ins Land kommen. Er geht damit viel offensiver vor als die Feministinnen von „#ausnahmslos“. Er ist kein Feminist. Er ist Demokrat. Das genügt.

2: Selbst von linker Seite (auf linksunten.indymedia.org) wird die Relativierung durch Verallgemeinerung von feministischer Seite mit zwei Artikeln kritisiert. Zitate:

„Die Empörung und Beschuldigung der betroffenen Frauen und ihr Anzeigeverhalten sind nur so groß, weil sie arabisch aussehende Menschen beschuldigen.“ Das finde ich schon schockierend unsolidarisch. Ich möchte gar nicht ausschließen, dass es im Einzelfall stimmt. Klar, es gibt Rassismus und das wirkt sich auch aufs Anzeigeverhalten aus. Trotzdem finde ich es sehr zynisch, einer Frau, die gerade sexuelle Gewalt erlebt hat, vorzuwerfen, dass es sie bei einem Deutschen nicht gestört hätte oder sie zumindest ihn nicht angezeigt hätte. Das hat mit Feminismus nichts zu tun.

Wenn also noch nicht einmal die Widersprüche in der eigenen Szene-Politik aufgelöst und auf den Grundkonflikt eingegangen werden kann, um hier eine sinnvolle Antwort zu finden, dann ist das Schweigen oder Verklären einer komplexeren Gemengelage wie zur Zeit in Köln durch die Linke kein Wunder.

Bei der Auseinandersetzung um die Geschehnisse in Köln konzentrieren sich die linken Debattenbeiträge demnach wenig überraschend auf die Relativierung der Dimension der Übergriffe, etwa mit dem Verweis auf das Oktoberfest. Das zweiwöchtige Oktoberfest mit zwanzig Anzeigen zu sexualisierter Gewalt bei 6 Millionen Teilnehmern ist nicht dieselbe Qualität, wie über 150 Anzeigen auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz in der Silvesternacht. Das gilt auch für die Dunkelziffern. Besonders erschreckend ist jedoch das weitestgehende Ausbleiben feministischer Forderungen, wie sie zu erwarten wären, wenn es sich bei der betreffenden Gruppe betrunkener, übergriffiger Männer um zweifelsfrei „Biodeutsche“ gehandelt hätte.

3: Henryk M. Broder vergreift sich etwas im Ton, als er zwei Autorinnen vom Tagesspiegel wünscht, „dass sie vom IS nach Rakka eingeladen werden, um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet.“ Allerdings kann ich die Wut verstehen, denn der von ihm kritisierte Artikel hat es durchaus in sich. Über die belästigten Frauen vom Domplatz:

Womöglich sind aber auch Frauen dabei, die gar nicht Opfer geworden sind, sondern aus politischer Überzeugung der Meinung waren, dass die Täter mit Migrationshintergrund oder die Flüchtlinge, die das Chaos auf der Domplatte für sexuelle Übergriffe ausgenutzt haben, abgeschoben gehören. Das hoffen sie womöglich mit einer Anzeige zu beschleunigen.

Womöglich. Ja das ist so, möglich ist alles, z.B. auch, dass die beiden Autorinnen reif für die Klapse sind. Broder meint dazu:

Diese Sätze, geschrieben von zwei Frauen, waren das Ekelhafteste, Mieseste, Widerlichste, was über die große Sause in Köln geschrieben wurde. Eine angedeutete Täter-Opfer-Umkehr.

Ich kann ihm nur beipflichten. Das dürfte das erste Mal sein, dass den Opfern von Köln von anderen Frauen Rassismus vorgeworfen wurde.

Den Tätern werden dagegen jedwede mildernde Umstände zugebilligt, so dass man den Autorinnen fast Maskulismus vorwerfen könnte:

Die organisierten Trickdieb-Banden, die offenbar schon lange zum Kölner Hauptbahnhof gehören, bestehen wohl überwiegend aus Nordafrikanern, die schon länger in Deutschland sind – aber offenkundig nicht angekommen sind. Eine echte Perspektive sehen sie für sich nicht, sonst wären sie wohl nicht zu professionellen Dieben geworden. […] In Köln zu Silvester sei auf dem Dom-Vorplatz eine Art „Freistil-Situation“ entstanden, in der die Grenzen zwischen diesen verschiedenen Lebensstilen ausgetestet worden seien. Dort hatten sich diejenigen versammelt, die sich eine besser organisierte Party in einer Kneipe, einem Club nicht leisten konnten, also vor allem junge Männer mit wenig Geld, und die womöglich auch keine Freunde haben, die sie zu einer privaten Party hätten einladen können. „Die wussten nicht, wohin sie sonst hätten gehen können. Und Bahnhofsvorplätze sind seit jeher die Orte, an denen ,Fremde’ zusammenkommen.“ […] Hier sei eine größere Gruppe junger Männer „in ein Niemandsland“ abgedrängt worden. „Es fehlte die zivilgesellschaftliche Mischung, die diese Dynamik hätte verhindern können.“

Dass sie es doch mal wieder nur gut mit migrantischen Männern meinen und nicht mit einheimischen, zeigen sie recht deutlich. Sie faseln davon…

Dass sie die Urangst des älteren weißen Mannes – die nehmen uns unsere Frauen weg – auf der Domplatte in der Silvesternacht ausagiert haben, war die größtmögliche Provokation einer Gesellschaft, die sie nicht aufnehmen will. […] Aber der Verlauf der Nacht hat genau die Urängste vor potenten, jungen, fremden, „wilden“ Männern geweckt, die nun im Mittelpunkt der Diskussion stehen.

Wenn man als Mann sexuelle Übergriffe missbilligt, kann das ja nur daran liegen.

4: Und dann gibt es noch einen erfrischenden Artikel auf der Welt „Frauen dürfen keinen Millimeter Freiheit abgeben“ von Inga Griese. Sie schreibt:

Also: Ich sag jetzt mal was zum arabischen, orientalischen, maghrebinischen – oder wie auch immer das politisch korrekt formuliert sein soll – Frauenbild. Und ich sage es am besten gleich: Ich will das nicht mehr. Ich will es nicht in meinem Europa. Und ich will mich nicht dafür entschuldigen müssen, dass ich es nicht will.

Uiuiui, bin ich jetzt mutig. Soll ich jetzt nicht doch besser hinterherschieben, dass ich nichts gegen Flüchtlinge und nichts gegen den Islam im Allgemeinen habe? […]

Auch das will ich nicht. Es ist zu abgedroschen. Und so wenig zielführend, wie zum Beispiel der Versuch von Politikerinnen wie Hannelore Kraft und Renate Künast in der Sendung „Hart aber fair“, die Kölner Vorkommnisse direkt in der großen Watte „sexuelle Gewalt im Allgemeinen“ zu versenken. […]

Wir sollten besser ruhig und ehrlich über religiös begründete Frauenfeindlichkeit sprechen und ihr mit aller Vehemenz entgegentreten. Ein altes Thema. Jetzt ist die Zeit, es selbstbewusst anzugehen, nicht in Bierzelte oder zu den Brüderles abzuschweifen, sondern dranzubleiben. Bedrückend genug, dass mehr oder weniger selbst ernannte neue Feministinnen das nicht vermögen.

5: Zur Kür des Wortes „Gutmensch“ zum „Unwort des Jahres“, gibt es einige kritische Kommentare, z.B. von Hugo Müller-Vogg, auf Sciencefiles.org und Schindluder und die Stuttgarter Nachrichten.

6: Auf der trotzkistischen Seite „Klasse gegen Klasse“ findet sich unter dem Titel „Bin ich Sexist oder was?“ Ja, bist du. 10 Tipps für linke Männer. eine Anleitung zur Selbstumwandlung in einen feministisch angepassten Mann aka kastrierten Wicht. Der gerät auch unfreiwillig komisch:

Beim Kongress eines reformistischen Jugendverbandes gab es ein Frauentreffen: Hier konnten weibliche Mitglieder unter sich diskutieren. Eine tolle, feministische Sache! Was haben die Männer währenddessen gemacht? Saßen in der Kneipe und tranken Bier. Nicht so toll. […]

Während eines Frauentreffens können Männer unter sich über Sexismus reflektieren – solche Diskussionen sind oft ergiebiger, als man erwarten würde. Alternativ können sich Männer in der Zeit mit Reproduktionsarbeit beschäftigen.

Fragt sich nur, wie die Männer in der freien Zeit das mit der „Reproduktionsarbeit“ auslegen.

Wenn das alles nötig ist, um kein Sexist zu sein, was Genossin Tabea Winter da so schreibt, dann bleib ich lieber Sexist.

Kurznachrichten vom 13.01.2016

1: Bei der FAZ gibt es einen süffisanten Kommentar dazu, wie Stefanie Lohaus, Mitherausgeberin der feministischen Zeitschrift „Missy Magazine“, vom Deutschlandfunk als Expertin für – ähm – nichts zu den Angriffen auf Frauen an Silvester in Köln interviewt wurde.

2: Hatte ich nicht vor zwei Tagen noch gemeint, das einzige, was noch fehlt in der Debatte, ist, dass die Frauen, die in der Silvesternacht Übergriffe erfahren haben, als Rassistinnen beschimpft werden? Das ist jetzt auch durch. Allerdings kam der Vorwurf nicht von Feministinnen, sondern anscheinend von Salafisten.

3: Kommentator „Teardown“ bringt bei Alles Evolution die Verlogenheit der Kampagne #ausnahmslos auf den Punkt:

Lackmustest für Feministinnen: Hätte es dieses hashtag auch gegeben, wenn Dutzende weisse Männer solche Übergriffe aus dem Mob organisiert hätten? Nach dem Motto: Ja das war schlimm, aber wir wenden uns gegen Gewalt gegen Frauen generell und müssen daher auch über gewalt von ausländischen Männern reden?

Na na na? Genau, völlig undenkbar.

4: Auf dem feministischen Blog gleichheitunddifferenz wurde ein durchaus vernünftiger Artikel mit dem Titel „(Sexuelle) Gewalt verharmlosen – eine Anleitung in 5 Schritten“ veröffentlicht. Ich habe die Anleitung um drei Schritte ergänzt:

Schritt 6: Bringen sie andere als Mittäter ins Spiel, die mit der Sache gar nichts zu tun haben

Die Täter gehören zu einer Gruppe, die Sie eigentlich beschützen möchten? Macht nichts! Andere, denen Sie lieber ans Bein pinkeln möchten, haben das doch sicher auch schon getan. Oder zumindest nicht in der Form, aber irgendwie halt. Hauptsache dass, wenn schon wer angeklagt werden soll, es dann doch die richtigen trifft! Starten Sie eine Kampagne, die das Blickfeld #ausnahmslos auf die neuen unbeteiligten Mittäter lenkt!

Schritt 7: Behaupten Sie, das sei alles nichts neues und das habe es schon immer gegeben

Vergleichen Sie den Vorfall mit zurückliegenden Vorfällen. Setzen Sie dabei die neuen Mittäter aus Schritt 6 ein und wenden sie ausgiebig Schritt 4 an. Übertreiben Sie die Anzahl der Taten beim Vergleichsfall. Setzen Sie auf absolute Zahlen, um zu verschleiern, dass 20 Fälle in zwei Wochen bei fast 6 Mio Besuchern ein bisschen weniger sind als 200 Fälle in einer Nacht bei max. 2000 Besuchern. Falls Ihnen irgendwer auf die Schliche kommt, ziehen Sie die Karte: Zahlen sind nicht so wichtig! Jeder Einzelfall zählt und ist einer zuviel!!!1!elf

Und schließlich ganz wichtig:
Schritt 8: Verdächtigen Sie die Opfer und ihre Fürsprecher

Bringen Sie unlautere Motive ins Spiel, die Sie den Opfern und ihren gesellschaftlichen Anwälten unterstellen. Standard-Vorwürfe wie Sexismus und Rassismus gehen immer.

5: Kaum ist #ausnahmslos gestartet, gibt es schon die ersten Parodien dazu, z.B. das Buch von petr@ müller_in, die den Satire-Twitter-Account @radarfurie betreibt: „weil ich* #ausnahmslos recht habe„.

Nachbemerkung: Ich lasse ab sofort meinen Usernamen hinter jeder Nachricht weg. Wenn kein Username aufgeführt wird, dann kann davon ausgegangen werden, dass die Nachricht vom Ersteller des Artikels ist.

Kurznachrichten vom 12.01.2016

1: Die Netz-Feministinnen Fraktion sieht nun langsam ein, dass sie mit dem Oktoberfest-Vergleich in Sachen Kölner Silvesternacht nun wirklich nicht weiter kommt. Selbst Renate Künast (Grüne), die gestern beim ARD-Talk „Hart aber fair“ einen wirklich schlechten Stand hatte, bemühte den Vergleich nicht mehr, sondern den weit passenderen mit den Vorgängen auf dem Tahrir-Platz in Ägypten. Immerhin. Dafür hat man jetzt eine neue Relativierungs-Kampagne aus dem Boden gestampft, inklusive passendem Hashtag: #ausnahmslos

Die üblichen Verdächtigen sind wieder dabei, angereichert mit einer ganzen Reihe von Musliminnen, man könnte also von #aufschrei 2.0 sprechen. Gepusht wurde er sofort von den politisch korrekten Leitmedien.

Selbstverständlich wurde der Hastag auch sofort wieder von Kritikern in Beschlag genommen. Das alles nachzulesen, überlasse ich Euch.

Mein Senf und asemann.de haben das bereits in Blogbeiträgen kommentiert. Ein wenig rustikaler geht der Blog Aufkreisch zur Sache.

2: Dazu passend gibt es einen hervorragenden Artikel von Samuel Schirmbeck in der FAZ über das Frauenbild in der muslimischen Welt. Zum Oktoberfestargument meint er:

Der Unterschied liegt darin, dass die sexuelle Gewalt in Nordafrika und im Nahen Osten zum Alltag gehört und dass in dieser Hinsicht dort permanent „Oktoberfest“ und „Karneval“ ist, denen sich keine Frau entziehen kann, indem sie diese Veranstaltungen meidet. Die Gewalt beginnt vor der Haustür auf der Straße. Nawel, eine algerische Mitarbeiterin, berichtete mir von regelmäßigen Übergriffen im Bus. Obwohl sie eigentlich die Verschleierung ablehnte, verhüllte sie sich für die Fahrt mit einem Hijab (Kopftuch). Das hielt Männer im Gedränge nicht davon ab, sich durch Reibung an Nawels Körper Befriedigung zu verschaffen. […]

Sexuelle Übergriffe sind in islamischen Ländern die Regel und nicht Ausnahmen. Eine Muslimin kann in Deutschland den Bus nehmen, ohne befürchten zu müssen, begrabscht zu werden, eine Europäerin in Nordafrika kann das nicht. Davon konnte ich mich während meines zehnjährigen Aufenthaltes in Algerien und Marokko überzeugen. Eine Muslimin kann in Deutschland auf den Markt gehen, ohne plötzlich Männerhände am Hintern zu spüren, eine Europäerin kann das in Nordafrika nicht. Westliche Frauen gelten bei vielen jungen Nordafrikanern als halbe Huren, weil „sie es ja schon vor der Ehe mit vielen Männern tun“. Selbst wenn sie mit ihrem siebenjährigen Sohn an der Hand – als Mutter sozusagen eine „heilige Kuh“ – weitab von allen Menschenmengen einen Spaziergang über eine Wiese machen sollte, dauert es nicht lange, bis junge Männer auftauchen, sich an sie drängen, nicht von ihr ablassen und ihr vulgäre Worte ins Ohr raunen. Die islamische Grundeinteilung der Welt in „Gläubige“ und „Ungläubige“ ermutigt den Übergriff auf „westliche“, gleich „ungläubige“ Frauen. Da hilft nur schnellste Umkehr und Verzicht auf jeden weiteren Spaziergang.

Zur Appeasement-Politik der linken, grünen und politisch-korrekten:

Die muslimische Dissidenz à la Necla Kelek, Seyran Ates, Taslima Nasreen, Hirsi Ali et cetera wurde von Linken und Linksliberalen in Deutschland kaum ernst genommen, wenn nicht sogar verhöhnt oder als „islamophob“ diffamiert. Meinungsfreiheit und Demokratie, so war zu lesen, seien nicht unbedingt Lebensformen, nach denen sich die arabische Welt sehne. Das gesamte linke und linksliberale Spektrum baute jedoch eifrig an einem Multikulti-Schutzprotektorat für das Kopftuch samt dahinter steckendem Frauenbild, den Hass auf den „Westen“, die Verschonung des Islams vor jeder Kritik. In diesem intellekt- und kritikfeindlichen Dunst konnten die Parallelgesellschaften aufblühen. Dieses Nicht-wissen-Wollen war unfassbar. Heute taucht diese Haltung im Zeichen der „Willkommenskultur“ und der „Der-Islam-gehört-zu-Deutschland“-Rhetorik wieder auf.

3: Die politische Debatte in diesen Tagen ist auch deswegen so interessant, weil alte Gewissheiten und Fronten komplett durcheinander gewürfelt werden. Die Rechten entdecken ihr Herz für Frauenrechte, die Linken entdecken, dass es so etwas wie Falschbeschuldigungen in Sachen Vergewaltigung gibt, aber natürlich nur, wenn die beschuldigten mutmaßlichen Täter Migranten sind. Und wenn man glaubt, es ist kaum noch zu toppen, entwickelt Alice Schwarzer Sympathien für PEGIDA.