Über den jüngsten Mißbrauch des Patriarchatsbegriffs

Ein Kommentar zu Bernd Ulrichs Artikel »Mann irrt«
in der ZEIT.

Das Hauptproblem am Begriff des »Patriarchats« ist, dass jeder ihn benutzt, aber niemand ihn definiert. Rebecca Solnit verwendet ihn, Laurie Penny verwendet ihn, mit der größten Selbstverständlichkeit und Lautstärke verwendet ihn Patricia Hecht in der taz, um Jens Jessen damit argumentfrei abzuschießen. Auch an der Wahl Donald Trumps war, einem Panel des »Guardian« zufolge, das »Patriarchat« schuld: Robin Morgan, Moderatorin der Radiosendung »Women’s Media Center Live«, gab sich dort überzeugt: »A diseased patriarchy is in a battle to the death with women.« Für Arwa Mahdawi, einer Marketing-Strategin, war Trumps Sieg »the last gasp of a desperate white patriarchy«. Suzanne Moore, eine Kolumnistin des »Guardian«, war überzeugt: »The patriarchy is fully restored.« Und die Beispiele für eine solche ebenso plakative wie unscharfe Verwendung des Begriffs lassen sich nahezu beliebig vermehren. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Begriff in den Medien verwendet wird, suggeriert: es sei fraglos klar, was damit gemeint ist, die Tatbestände, die damit behauptet werden, seien über jeden Zweifel erhaben Teil unserer Realität. Und nun verwendet auch Bernd Ulrich den Begriff, prominent im Untertitel seines Artikels, um seinen Argumenten gegen Jens Jessen Kontext und historische Tiefe zu verleihen:

»Macht es uns nicht freier, ist es nicht erwachsener und auch weniger stressig, freiwillig in die Verantwortung für das Patriarchat einzutreten, als ständig alle Vorhaltungen zurückzuweisen und zu schreien: ›Ich war’s nicht, Weinstein ist es gewesen!‹?« (DIE ZEIT 16, 2018, S. 60)

Weiterlesen „Über den jüngsten Mißbrauch des Patriarchatsbegriffs“

Advertisements

Frauentag 8.März: Feministsiche Parlamentarierinnen wollen freie Wahl aushebeln

  1. Paritätsgesetz (Frauenquote) für Bundestag geplant:

Anlässlich des Weltfrauentages haben Politikerinnen von CDU und SPD wieder eine Frauenquote für deutsche Parlamente ins Gespräch gebracht. Es sei zu prüfen, „welche Stellschrauben bei einer Wahlrechtsreform gedreht werden können“, damit wieder mehr Frauen in die Parlamenten einziehen, sagte Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). Dafür plädierten auch die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF).

Hier geht’s weiter. Was auffällt: Der Artikel ist völlig unkritisch. Der ZEIT kommt dieser verfassungswidrige Irsinn ganz normal vor; auch bei der FAZ ist keine Kritik zu lesen. Die Kommentare unter dem ZEIT-Artikel sprechen hingegen eine andere Sprache; fast alle sind ablehnend. Manche sprechen von einer Einschränkung der Demokratie und Unvereinbarkeit mit dem GG. Und natürlich wird fleißig zensiert, wie sich das gehört, wenn das dumme Volk sich gegen ein quotiertes Parlament wehrt.

Hier ist zum Thema schon alles gesagt:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/10/01/schnapsidee-bei-der-spd-frauenquote-fuer-den-bundestag/

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2018/03/04/quotierte-wahl-in-italien/

https://scheidendegeister.wordpress.com/2018/01/12/jammerpolitikerin-frauen-sind-die-falschen-fuer-den-job/#comment-1196

 

2. Frauenstreik in Spanien

Ach ja, ein Frauenstreik. Da kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Einige tausend Frauen in ganz Spanien haben gestreikt und sind gegen irgendwas mit Männern und für irgendwas mit Frauen auf die Straße gegangen.

Taz:

Gründe für den Ausstand gibt es viele. Frauen verdienen, je nach Studie, bis zu 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. 75 Prozent der Teilzeitarbeitsplätze sind von Frauen besetzt. Nur 50 Prozent der arbeitslosen Frauen erhalten Stütze. Bei den Männern sind es 60 Prozent. Außerdem haben nur knapp 38 Prozent der Frauen einen Rentenanspruch, bei den Männern sind es 62 Prozent. Die Renten der Frauen liegen 57 Prozent unter denen der Männer. 42 Prozent der Alleinerziehenden leben an oder unter der Armutsgrenze. 81 Prozent davon sind Frauen.

Klingt nach krasser Diskriminierung und hat sicher überhaupt nichts damit zu tun, dass viele spanische Frauen einen männlichen Ernährer haben oder hatten und hat sicher auch nicht im geringsten was mit persönlichen Lebensentscheidungen zu tun.

Bento (Femi-Magazin vom SPIEGEL) jubelt und spricht von einem „Generalstreik“ von 5,3 Millionen Frauen, der „das ganze Land lahmgelegt“ habe. Da wär ich skeptisch. Wie man feststellen will, wie viele Hausfrauen gestreikt haben, ist mir außerdem nicht ganz klar. Wogegen die Frauen da streiken scheint Bento außerdem relativ wurscht zu sein; einzig von „Gewalt gegen Frauen“ ist die Rede, aber was ist dieser Begriff wert, wenn er von heutigen Feministen benutzt wird?

 

3. ZEIT interviewt Grüne Baerbock zum Thema „Gleichberechtigung“

Baerbock: Sexismus habe ich bei [den Grünen] nicht erlebt. In der Partei haben wir dagegen ja auch vielfältige strukturelle Regelungen, die dem vorbeugen, zum Beispiel Quoten für Ämter.

Diese Quoten sind Ungleichberechtigung, also selbst Sexismus in Bilderbuchformat.

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil bei den Grünen liegt bei 41 Prozent, das ist der beste Wert unter allen im Bundestag vertretenen Parteien. Trotzdem ist das weniger als die Hälfte. Woran liegt das?

Baerbock: Strukturelle Diskriminierung betrifft auch Parteien. Das fängt damit an, dass Parteiveranstaltungen oft abends um 19 Uhr beginnen. Wenn man wie ich kleine Kinder hat, kollidiert das voll mit dem Abendbrot und der Gute-Nacht-Geschichte. Das kann ein Grund sein, der Frauen die Beteiligung erschwert. Flexiblere Zeitmodelle können da helfen. Wichtig ist zum Beispiel auch, Sitzungen so zu begrenzen, dass sie zu einer festgelegten Uhrzeit auch wirklich zu Ende sind. Oder Parteiveranstaltungen jenseits von Parteitagen nicht gleich am Samstag und am Sonntag abzuhalten.

Wenn man keine Zeit hat für Politik, kann man ihr ja fernbleiben. Oder sein politisches Engagement halt auf ein Maß begrenzen, das sich mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Aber über „strukturelle Diskriminierung“ zu jammern, gilt hier nicht. Abgesehen davon ist diese Baerbock natürlich weit entfernt davon, zuzugeben, dass sich Frauen einfach weniger für Politik interessieren. Naja, alter Kaffee. Im Westen nichts neues. Jetzt noch ein kleiner Lacher zum Abschluss und dann gehts ins Bettchen:

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil unter den Grünen-Parteimitgliedern liegt bei 41 Prozent. Von den Grünen-Abgeordneten sind aber 58 Prozent Frauen. Ist das nicht aktive Männerdiskriminierung?

Baerbock: Nein, das ist aktive Frauenpolitik. Ich bin stolz drauf, dass das bei uns so ist.

+++++++++++++

Nachtrag:

Ich habe ich schon gefragt, warum sich nur SPD- und CDU-Vertreter an der Initiative beteiligen. Warum nicht auch Grüne und Linke; müssten die nicht besonders begeistert sein? Nein. Ironischerweise befürchten genau diese beiden Fraktionen den Vorstoß von Barley und Kramp-Karrenbauer, denn die hier geplante Parlamentsquote wird für die Unions- und SPD-Fraktion maßgeschneidert sein. In der SPD-Fraktion herrscht eine 40%-Quote und in der Union gibt es keine verbindliche Quote sondern ein 33%-Quorum. Bei der grünen Fraktion hingegen herrschen 50%+ und bei der Linksfraktion 50%. D.h.: Wenn sich SPD und Union mit ihrer Quote durchsetzen wird sich diese zwischen 33 und 40% bewegen. Da es auserdem höchstwahrscheinlich keine Geschlechterquote; d.h. es würde (ähnlich wie in Frk. und It.) die Regelung geben, dass die Fraktion aus min. 40% Frauen und min. 40% Männer bestehen müsste, oder so ähnlich. Und genau damit könnten nun insbesondere die Grünen ein Problem bekommen. Denn die Männerquote von 40% halten sie nur knapp ein. (zur Zeit: 41%). Nicht dass die Grün*innen am Ende noch männlicher werden müssten! Ich vermute, dass das der Grund für die Zzurückhaltung der Grünen ist.

Quotierte Wahl in Italien

Über die ZEIT bin ich darauf aufmerksam geworden, dass in Italien morgen Parlamentswahlen sind. Dabei kommt zum ersten Mal ein neues Wahlrecht zur Anwendung, welches vorschreibt, dass die Wahllisten nach Geschlechtern quotiert werden müssen. Wikipedia:

Höchstens 60 % der Kandidaten einer Partei oder Koalition in Einerwahlkreisen landesweit dürfen demselben Geschlecht angehören. Ebenso dürfen höchstens 60 % aller Listenkandidaten einer Partei landesweit demselben Geschlecht angehören, wobei höchstens 60 % aller Listenanführer demselben Geschlecht angehören dürfen. Ergeben 60 % der Kandidaten keine ganze Zahl, wird zur nächsten ganzen Zahl aufgerundet. Außerdem müssen die Listenplätze immer abwechselnd mit Männern und Frauen besetzt sein.

Eine solche Quotierung von Parlamentswahlen ist ein erheblicher Eingriff in die freie Wahl. In einer echten demokratischen Wahl muss eine Partei oder ein Wahlbündnis unbedingt frei in der Aufstellung der Kandidaten sein. Gerade in Italien, wo noch die klassische Geschlechterordnung stark ist, müssen die Parteien jetzt also einen Haufen Quotenfrauen aus dem Hut zaubern, während viele fähige ambitionierte Männer außen vor bleiben müssen. Das Resultat ist ein schwaches Parlament mit dürftiger Legitimation und eine defekte Demokratie.

Folglich gibt es ein derartiges Wahlrecht auch vor allem in Staaten mit zweifelhaften demokratischen Charakter. Wikipedia:

In 23 Ländern bestehen gesetzliche Kandidatenquoren, 12 davon liegen in Lateinamerika, in Europa haben lediglich Belgien und Frankreich gesetzliche Kandidatenquoren.

[…]

Auch bei der eigentlichen Wahl der Abgeordneten gibt es in einigen Ländern gesetzliche Quotenregelungen, überwiegend in Form von für Frauen reservierten Sitzen. In einigen Staaten sind Sitze im Parlament für spezielle Gruppen vorgesehen. Vielfach dient dies der Repräsentation ethnischer Minderheiten, es gibt aber auch Staaten mit einer Quote von Mandaten, die für Frauen reserviert sind. Es handelt sich in keinem Fall um demokratische, sondern ausschließlich um halb-demokratische oder autoritäre Staaten (beurteilt nach der Bewertung von Freedom House). So sind in Kenia 6 von 224 Sitzen und in Uganda 56 von 295 Sitzen für Frauen reserviert. Solche Frauenquoten finden sich auch in Bangladesch, Niger und Tansania. Der einzige demokratische Staat darunter ist Taiwan; hier handelt es sich jedoch um einen Überrest der bisherigen halbdemokratischen Verfassung. Auch prozentuale Quoten kommen vor. So sind in Dschibuti 10 % der Parlamentsmandate für Frauen reserviert.

[…]

Bei der Wahl zum Europaparlament sind in fünf Staaten gesetzliche Kandidatenquotenregelungen getroffen worden. Neben Frankreich und Belgien sind dies Spanien, Portugal und Slowenien.

Italien, das laut Democracy Index 2017 (The Economist) eh schon als „fehlerhafte Demokratie“ gilt (wie übrigens auch die beiden Quotendemokratien Frk. und Belgien) reiht sich hier ganz gut ein.

In Deutschland gibt es solche männerdiskriminierenden Praktiken nur parteiintern bei den links-feministischen Parteien, die „Gleichstellung“ über Gleichberechtigung und Demokratie stellen und damit strenggenommen gegen das deutsche Parteiengesetz und das GG verstoßen. Es gab hier aber auch schon Wortmeldungen, die eine per Gesetz quotierte Wahl fordern und damit eine brandgefährliche Schwächung des Bundestags und Aushöhlung des Grundgesetz anstreben. Man stelle sich mal vor, ein Politker fordert, dass der BT zu 90% aus ‚Ariern‘ bestehen muss oder dergleichen. Hervorgetan haben sich schon hier z.B. Elke Ferner (SPD), Eva Högl (SPD), Rita Süssmuth(CDU), Annegret Kramp-Karrenbauer(CDU), der „Deutsche Frauenrat“ und Katrin Göring-Eckart (Grüne). Ich würde alle Leser bitten, weitere Politiker und öffentlichen Personen, die dergleichen gefordert haben in die Kommentare zu schreiben; denn die Gefahr, dass so ein Paritätsgesetz auch in Deutschland eingeführt wird ist hoch und man muss dieser drohenden Delegitimation des Bundestages unbedingt entgegentreten!

Wie steht es mit der Verfassungskonformität des neuen Wahlrechts in Italien? Womöglich lässte die italienische Verfassung (PDF; deutsch) sowas tatsächlich zu, denn diese scheint das demokratische Prinzip der freien Wahl nicht explizit festzuschreiben wie in Deutschland. stattdessen gilt dort nur die „allgemeine und direkte Wahl“ (Art. 56). Ohne die freie Wahl jedoch ist gesetzliche Wahlmanipulation (z.B. durch Quoten) grundsätzlich zulässig.

Des Weiteren heißt es in Art. 3:

„Es ist Aufgabe der Republik, die Hindernisse wirtschaftlicher und sozialer Art zu beseitigen, die durch eine tatsächliche Einschränkung der Freiheit und Gleichheit der Staatsbürger der vollen Entfaltung der […] wirksamen Teilhabe aller Arbeiter [gemeint sind alle Bürger] an der politischen […] Gestaltung des Landes im Wege stehen.“

Damit wird das vermutlich legitimiert. Es ist ein Verfassungsartikel, mit dem die bürgerliche Freiheit komplett ausgehebelt werden kann.

Der ZEIT-Artikel, der mich auf das Thema gebracht hat, beklagt auch die niedrige Bereitschaft, wählen zu gehen in Italien. Na, ich bin gespannt, ob die Wahlbeteiligung bei einem solchen Wahlgesetz gesteigert wird 😉 Am Montag werden wir es erfahren.

Und da sich unser europäischer Partner im Süden mit der Demokratie offensichtlich etwas schwer tut, schließen wir mit einem flotten Liedchen aus der Zeit des Mussolini-Faschismus ab. Der Umgang mit diesem historischen Erbe ist in Italien übrigens auch viel unkritischer als in Deutschland. Das Lied glorifiziert den italienischen Massenvernichtungskrieg in Äthiopien.

Lehrer und Kinder im Visier – ZEIT Online fährt Kampagne gegen „sexuelle Gewalt“ und „Sexismus“ an Schulen

Da abzusehen ist, dass #Metoo dem Empörungspöbel bald zu blöd wird, muss man vorher noch alles rausholen was geht. DIE ZEIT hat die Zeichen der Zeit erkannt und nutzt den letzten Wellenschaum des Moralfurors, um ihre Leser für den Kampf gegen „sexuelle Gewalt“ an Schulen aufzuhetzen. Das dumme Volk mag die Frauenschützerei und die feministische Umerziehung langsam durchschauen, aber wenn es um die Kinder geht!!1! sind die Leser machtlos; da hilft ihnen ihr Masku-Gejammer wenig. Und wenn sie doch Kritik wagen, werden wir uns den Begriff ‚Pädo-Unterstützer‘ oder so für sie einfallen lassen. Also: „Wir müssen reden“, heißt es nun zum tausendsten Mal. Na, dann reden wir mal.

In den letzten drei Tagen hat ZON vier Beiträge zu dem Thema veröffentlicht, die den Eindruck erwecken sollen, dass die Schulen ein Sumpf des Kindesmissbrauchs sind, der schleunigst trockengelegt gehört. Gehen wir die Beiträge einzeln durch:

Es geht los mit einem harmlosen Aufruf an die Leser, ihre Erfahrungen mit dem Thema ZON mitzuteilen:

21.02. Haben Sie sexuelle Übergriffe an Schulen erlebt?

Ein zunächst unverdächtiger Aufruf für eine legitime Angelegenheit. Es wird ein bisschen von „hohen Dunkelziffern“ geraunt, damit der Leser ein bisschen in die dem Thema angemessene Gruselstimmung kommt und das Artikelbild suggeriert einen männlichen Täter und ein weibliches Opfer. Alles noch unverdächtig, aber jetzt geht’s los.

22.02.: „Schulkinder ohne Schutz

Eine lange moralische Ereiferung darüber, dass die Schulen zu wenig gegen irgendwas unbestimmtes, aber umso bösartigeres machen würden. Ein Auszug, bei dem man auf die alarmistische Rhetorik achte:

Seit Monaten wird in der #MeToo-Debatte über diese Themen diskutiert. An den Schulen spielen sie dagegen keine Rolle.

Wo bleibt der Aufschrei für die, die Schutz am nötigsten hätten?

Das Interesse von Schulleitungen, Aufsichtsbehörden und Landesregierungen ist erschreckend gering. Die Kultusministerkonferenz bleibt weit hinter ihren Versprechen zurück, sexuelle Gewalt und Missbrauch an Schulen offensiv zu bekämpfen.

Der Artikel setzt wie selbstverständlich voraus, dass sexueller Missbrauch an allen Schulen ein wahnsinniges Problem wäre, ohne jedoch einen stichhaltigen Beleg dafür zu liefern. Die Autoren geben selbst zu, dass es keine brauchbaren Zahlen darüber gibt. Um das zu überspielen, tischen sie irgendwelche zweifelhaft dargestellten Einzelfälle auf. Sie jammern darüber, dass die Schulen zu wenig „umfassende Schutzkonzepte“ entwickeln, ohne zu erklären, warum sie das denn tun sollten und wovor genau die Schüler geschützt werden sollen. Das Argument der Schulen, dass es an Kapazitäten fehlt, können sie bei diesem irre wichtigen Anliegen nicht gelten lassen und kanzeln es wie eine Schutzbehauptung ab. Genannte Beispiele und Artikelbild legen wieder männliche Täter und weibliche Opfer nah.

22.02. Wo sind die Helikoptereltern, wenn es ernst wird?

Autor Karsten Polke-Majewski will „sexuelle Gewalt“ und „Sexismus“ an Schulen bekämpfen und macht auf Tabubrecher:

Ist es denn allen egal, ob ein Erwachsener ein Schulkind demütigt, ihm Gewalt antut oder es missbraucht? Die Frage erscheint abwegig, doch man muss sie stellen.

Genau, denn bekanntlich ist die mediale Öffentlichkeit der letzten zehn Jahre an keinem Thema so desinteressiert, wie an Kindesmissbrauch. Das Dunkelfeld ist jetzt sogar schon „riesengroß“ geworden.

Unser wackerer Qualitätsjournalist weiß aber zum Glück ganz genau, was zu tun ist, denn

Längst ist klar, dass man viel dagegen tun könnte. Es gibt ausgeklügelte Methoden, wie sich Lehrer, Schüler und Eltern darauf verständigen können, was jeder von ihnen zu tun und zu lassen hat.

Nein, es ist bisher sogar noch nicht mal klar, wogegen etwas getan werden muss, denn wenn einer wie dieser Majewski von „sexueller Gewalt“ und „Sexismus“ redet, weiß man nie, was gemeint ist. Aber wir werden gleich fündig:

Dass Lehrer beispielsweise nicht privat mit Schülern chatten sollten. Oder dass Schülerinnen ihren Lehrer nicht zu Hause besuchen.

Also private Kontakte verbieten. Das sind seine „ausgeklügelten Methoden“. Der Autor leidet anscheinend unter dem Zwang, jede Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen sexualisiert wahrzunehmen. Sobald die Kommunikation nicht mehr überwacht werden kann, ist sie aus seiner Sicht daher ein gefährlicher Raum für Übergriffe. Wahrscheinlich gibt das über Majewskis erotische Fantasien Aufschluss, aber vielleicht übertreibe ich jetzt auch. Oder?

wenn ein Täter beispielsweise eine Schülerin gegen deren Willen umarmt oder einem Schüler den Rücken tätschelt.

Und wieder dasselbe Muster wie oben. Harmlose Verhaltensweisen werden zwangssexualisiert, unter Generalverdacht gestellt und verteufelt. Wir haben es also mit einem prüden Missionar zu tun, der sein gestörtes Verhältnis zu Kindern und Jugendlichen nun der Gesellschaft aufnötigen möchte. Warum eigentlich derglichen Handlungen nicht allen Erwachsenen (einschließlich Eltern) verbieten? Erziehen wir also unsere Kinder zu unselbstständigen rohen Eiern um und verweigern ihnen Nähe und Berührung. Sonst haben verklemmte Viktorianer wie Majewski noch Angst, dass die Fantasie mit ihnen durchgeht.

Beim Artikel ist auch eine Studie des Deutschen Jugendinstituts verlinkt, die anscheinend eine Quelle für die behaupteten Missstände an Schulen sein soll. In dieser von Studie (natürlich vom Alles-außer-Männer-Ministerium finanziert) heißt es:

Im Rahmen des Projekts werden alle sexuellen Handlungen und Äußerungen als sexuelle Gewalt definiert, die gegen den Willen der betroffenen Personen erfolgen. Hierzu zählen auch verbale Belästigungen wie Witze über den Körper eines anderen oder das Zeigen pornografischer Bilder.

(S.8)

Und siehe da: Schon haben 60% der befragten Schüler „sexuelle Gewalt“ erlebt. Den Löwenanteil bilden hierbei mit riesigem Abstand die Kategorien „Gerüchte verbreiten“ und „Witze über den Körper“. Des Weiteren gibt es da noch die Kategorien „Konfrontation mit Pornographie“ und „sexuelle Belästigung“ (S.10). Und dann sind da noch ein paar Problemchen: Viele dieser wahrhaft schockierenden Vorfälle spielten sich blöderweise noch nicht mal an den Schulen ab. Außerdem macht das Schulpersonal nur einen winzigen Anteil der mutmaßlichen Täter aus. (S.11)

Diese Studie ist also völlig ungeeignet um nachzuweisen, dass die Schulen oder Lehrer versagen. Majewski bezieht sich auch nicht direkt auf sie, sondern er bezieht sich auf gar keine Quellen. Er saugt sich seinen Quatsch einfach aus den Fingern. Das Artikelbild legt übrigens wieder männliche Täter und weibliche Opfer nah. Wie langweilig, *Gäääähn*.

Doch bevor jetzt jemand in unserem kleinen Sexualkundeunterricht einzupennen droht und dann in der Klausur wieder nicht weiß, dass er traumatisiert ist, machen wir lieber eine kleine Pause. Und zwar mit Harry Potter und seinem schmierigen Liebhaber Fresh Dumbledore. Die Youtube-Komikerin ‚Coldmirror‘ hat Majewskis verquere sexualisierte Sicht auf die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern schon vor Jahren in ihren bekannten Potter-Parodien anschaulich dargestellt, wenn auch nicht mit Absicht sondern eher aus Spaß an der Blödelei:

Genug Spaß gehabt! Jetzt, am 23.02., wird’s wieder bitterernst, DENN:

 

„Der Hausmeister darf immer noch mit einer 14-Jährigen ins Bett gehen“

Igittigitt, dieser unrasierte Hausmeister! Da muss ich gleich wieder an Coldmirrors Mr. Filch denken.

Und DER soll jetzt mit 14-Jährigen Schülerinnen in die Kiste dürfen?!

Ja darf er, denn 14-Jährigen wird in Deutschland nicht pauschal aberkannt, über ihr Liebesleben selbst entscheiden zu können. Genau das möchten die Zeit-Redakteure Geisler und Majewski und der „Missbrauchsbeauftragte“ der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig aber anscheinend ändern. Ein Interview mit dem letzeren in Auszügen:

Rörig: Es kann schon anstrengend für Minister oder Schulleiter werden. Schuldirektoren wurden mit paradoxen Situationen konfrontiert. Ein Beispiel: Eine Schule, die noch nie einen Missbrauchsfall erlebt hat, will darüber diskutieren, wie sie Schüler am besten schützen kann. Plötzlich kommt Widerstand von der Elternvertretung. Die fragt: Was ist hier los? Haben wir einen Pädobären? Ist in der Dusche etwas passiert? Wurde die Polizei schon eingeschaltet? Dann muss der Schulleiter ausführlich erklären: Nein, im Gegenteil, wir wollen vorbereitet sein, bevor etwas geschieht. Wir wollen den Kindern Hilfe anbieten, die in der Schule versagen, weil sie zum Beispiel nachts in ihrer Familie sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind. So etwas zu erklären, ist nicht so einfach.

Bei dieser aufgeheizten Stimmung, die durch die ZEIT-Kampagne nun weiter entfacht wird, ist das was Rörig hier beschreibt, nachvollziehbar. Ein Schulleiter versucht also folgerrichtig dem Thema so weit es möglich ist, aus dem Weg zu gehen. Vielleicht sollte dieser Rörig also mal seine eigene Funktion in diesem Mechanismus kritisch hinterfragen. Aber dafür bleibt leider keine Zeit, denn

Ich habe einen Zeitplan. Ende 2018 sollten Schutzkonzepte wenigstens überall auf den Weg gebracht sein.

[…]

ZEIT ONLINE: Was spricht eigentlich dagegen, wie bei Kindertagesstätten die Betriebserlaubnis einer Schule daran zu binden, dass sie ein Schutzkonzept hat?

Rörig: Aus meiner Sicht gar nichts. Im Gegenteil, das muss der nächste Schritt sein. Allerdings kann der Bund die Länder nicht dazu verpflichten. Diese Entscheidung muss jedes Land selbst treffen.

Wozu diese sinnlose Hektik? Steht den Schulen denn schon der Kollaps bevor?

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist der Tatort Schule überhaupt?

Rörig: Die Schule ist nicht der zentrale Ort des Missbrauchs in Deutschland. Sexueller Missbrauch findet vornehmlich in der Familie und im familiären Umfeld statt. Sehr häufig sind aber auch sexuelle Übergriffe unter gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen, sogenannte Peer-to-Peer-Gewalt, die durch die digitalen Medien eine neue Dimension erlangen.

Ja, wie schlimm ist die Situation denn nun an den Schulen? Darüber weiß unser „Missbrauchsbeauftragter“ komischerweise auch nichts. Aber dass man unbedingt handeln muss, das weiß er schon.

Rörig: Eine sexuelle Beziehung zwischen einem Schüler und dem pädagogischen Personal ist nicht in Ordnung. Das muss allen klar sein. Das ist inzwischen auch bei unter 18-Jährigen strafbewehrt. Der Hausmeister darf allerdings immer noch mit einer 14-Jährigen aus der eigenen Schule ins Bett gehen. Das sehe ich kritisch. Ich bin der Meinung, man sollte das Verbot auf alle Erwachsenen aus der Schulcommunity ausdehnen. Das hat nichts mit Prüderie zu tun. In Schulen, wo es starke Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse gibt, müssen solche Beziehungen ausgeschlossen sein.

Bekanntlich üben nämlich Hausmeister und andere aus der „Schulcommunity“ eine große Macht auf Schüler aus. Was zum Beispiel, wenn sich der Hausmeister an seiner 14-Jährigen Angebeteten, die ihn nicht ranlassen will, rächt, indem er ihre Schulbank ansägt? Wir sollten es nicht drauf ankommen lassen! Oder wenn die Frau von der Essenausgabe dem 15-Jährigen Tobias einen extra Pudding anbietet, wenn er für sie bestimmte Sachen macht? Wäre das nicht himmelschreiende Ungerechtigkeit?! Am besten also, wir verbieten gleich sämtlichen sexuellen Kontakt zwischen unter-18-Jährigen und Erwachsenen, die irgendwie Macht haben könnten. Also ab in Uncle Sam`s Sexualhölle.

Fazit

Zusammengefasst lehrt uns die Kampagne also folgendes: Den bösen Lehrern und Politikern ist unser Kindeswohl egal, die schutzlosen Schüler sind am leiden was das Zeug hält und Schuld sind wieder vor allem diese Männertypen mit ihren blöden Penissen. Um dieses Sündenbabel zu bekämpfen, müssen wir irgendwelche „umfassenden Schutzkonzepte“ entwickeln und zwar so schnell wie möglich und am besten noch vor der Hofpause, denn da könnte der Hausmeister wieder zuschlagen! Ein interessanter Ansatz für diese Schutzkonzepte könnte sein, dass wir unseren Kindern noch weniger Nähe und Berührung zumuten, als sowieso schon und sie dadurch noch mehr emotional und geistig verkümmern lassen und zu unselbstständigen Idioten erziehen. Außerdem müssen wir den Schülern und den Lehrern den „Sexismus“ aus dem Kopf prügeln und ihnen den Mund verbieten um die grassierende „verbale sexuelle Gewalt“ zu beenden.

Belege und Analysen sind bei diesem, von schummrigen Gelüsten triefenden, Jagdvergnügen eher zweitrangig. Emotionen und der Verweis auf Metoo sind wichtiger. Die Rotorblätter der Apache-Helikoptereltern sind kurz vorm Überdrehen; denn auch im Jahre 2018 gibt es immer noch keinen umfassenden Überwachungsstaat, der sämtliche (vermeintliche oder echte) Grenzüberschreitungen unterbinden kann. Stattdessen gibt es immer noch dieses ärgerliche Scheißding namens „Freiheit“; sogar im Umgang mit unter-18-Jährigen. Ein echter Skandal, dass an den Schulen immer noch nicht die notwendige Sensibilität geschaffen wurde, die es braucht, damit eine Schülerin endlich schnurstracks zum Schulpsychologen des Vertrauens marschiert, wenn sie beim Flaschendrehen „gegen ihren Willen“ geküsst wurde.

Ein hellsichtiger Kommentator schreibt unter den dritten Artikel:

Wann fangen die Leute endlich mal an zu begreifen, dass jedes kleine Stückchen mehr an Sicherheit auch immer ein mindestens genauso großes Stückchen Freiheit kosten wird?

(WolfgangL. 3.21)

Und zum Schluss noch, wer es mag, ein passender Coldmirror-Klassiker zum entspannen. Wo wir nun den ganzen Tag die deutschen Schulen nach geheimen Pornokellern durchforstet haben und einfach nichts gefunden haben, was sich zum Missbrauchsskandal aufblasen lässt, müssen wir jetzt auch mal belohnt werden. Harry Potter und der geheime Pornokeller Teil 9. (Bitte über all zu alberne Strecken hinweg sehen.)

Walexplosion bei der ZEIT: Frauen, hört endlich auf sexy zu sein!

Vorab: allen Leserinnen und Lesern, allen Lesenden und LeserXen, ein ganz herzlichen Glückwunsch zum diesjährigen Walexplosionstag 2017. Am 12. November 1970 strandete ein ausgewachsener toter Pottwal am Strand von Oregon (USA). Die Behörden wollten das Tier beseitigen, aber wie entfernt man einen tonnenschweren Wal? Den riesigen Kadaver im Ganzen ab zu transportieren ist schwierig, also zerlegt man ihn vorher in Stücke. Und wie geht das am schnellsten? Richtig: mit einer halben Tonne (!) Dynamit. An diesem 12. November vor genau 47 Jahren passierte das, was der große Schriftsteller Stefan Zweig eine „Sternstunde der Menschheit“ nennen würde: Ein stinkender schleimiger Walkadaver wurde in tausend Stücke gesprengt und regnete stückchenweise in einem Radius von mehreren hundert Metern auf Land und Leute hernieder. Todesopfer: mindestens ein Auto, das von einem gewaltigen Fleischmeteoriten zerschlagen wurde. Um diesen denkwürdigen Moment zu feiern, veranstaltet mein Mitbewohner jedes Jahr den Walexplosionstag: er bäckt Kuchen und es wird gesoffen: Auf den Irrwitz der Menschheit!

Offenbar möchte sich auch die ZEIT dieser Tradition anschließen, denn der neue „Sexismus“-Artikel bringt den alten stinkenden Kadaver namens „Sexismus“ endlich zur Explosion. Eine neue Qualität wurde erreicht. Und „neue Qualität“ bedeutet nicht „neuer Tiefpunkt“ sondern mehr: Der Artikel ist eine radikale Gesellschaftskritik.

Wenn aber – mit Marx – radikal sein heißt, ein Problem bei der Wurzel zu packen, dann müssen Frauen schon auf dieser tieferen Ebene dazu ansetzen, aus dem asymmetrischen Regime des Gutaussehenmüssens auszubrechen. Sie müssen aufhören, sich zu schminken, zu schmücken und zu stylen, sich selbst permanent als Körper zu präsentieren.

Und radikal bedeutet hier nicht „extrem“ oder „männerfeindlich“ und schon gar nicht bedeutet es „besonders dumm“, sondern radikal bedeutet hier, dass hier tatsächlich das Problem bei der Wurzel (radix) gepackt wird und rücksichtslos rausgerissen wird; Mit allen Konsequenzen wie zum Beispiel herabregnende Kadaverstücke. Operation geglückt; Patient aber leider gestorben. Die Autorin Barbara Kuchler plädiert dafür, dass sich Frauen weniger schön machen müssen, da sie ansonsten Teil des frauenunterdrückenden „Systems“ seien. Ihre Ausgangsthese (die im Artikel leider sehr weit hinten steht) ist äußerst hellsichtig; sie dreht sich um die Doppelbelastung von Frauen:

Und noch eine Warnung an die weiblich-selbstbewussten Frauen, die jetzt sagen: „Ich kann beides, Leistung bringen und gut aussehen, und wer denkt, dass sich das ausschließt, ist Opfer seiner Vorurteile.“ Im besten Fall läuft das auf eine Doppelbelastung von Frauen hinaus, wie wir sie am Punkt „Kinder und Karriere“ schon kennen und fürchten gelernt haben: Es lässt sich eben nicht einfach problemlos beides nebeneinander machen, sondern wer beides macht, bezahlt mit einem insgesamt gesteigerten Stresslevel. Dieselbe Doppelbelastungsgefahr droht auch in puncto „Karriere und Gutaussehen“. Mädchen und Frauen dürfen zwar jetzt auch in Sachen Leistung voll ran, ohne aber in Sachen Aussehen dafür entlastet zu werden.

Und da stimme ich ihr voll zu: Frauen, die glauben, dass sie Barbiepuppe und Bundeskanzlerin sein können machen sich Illusionen und werden an diesen Erwartungen meistens scheitern. Ich finde es daher wunderbar, dass hier eine Feministin klipp und klar die Vereinbarkeitslüge anspricht, an der sich Millionen Frauen in der westlichen Gesellschaft sinnlos kaputt arbeiten. Doch der nächste Schritt, den die Radikalfeministin Kuchler nun gehen muss ist fatal. Da sie als Feministin  selbstverständlich Frauen, wie sie nun mal gerne und freiwillig sind nicht akzeptieren kann und sie unbedingt zu Männern umerziehen muss, platzt nun die Bombe im Walbauch. Hier nur ein paar Häppchen aus dem großen Fundus von fauligen Walspeck-Fetzen:

Schulen: Verschärft eure Kleidungsvorschriften und zwingt Mädchen, ebenso viel von ihrem Körper zu bedecken wie Jungs.

Oder

Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung. Geht nicht mehr als einmal im Vierteljahr zum Friseur.

Und

Politiker, Frauenminister: Droht mit der Regulierung der Modeindustrie! Erwägt Vorschriften, wonach Modefirmen gleich viele Artikel im Frauen- und im Männersortiment haben müssen und gleich viel Geld für deren Produktwerbung ausgeben müssen, oder bestenfalls um einen gewissen, anpassbaren Faktor von 1,5 oder 1,25 differierend. Nein, das ist nicht schön und freiheitlich. Aber dafür spart man hinterher Regulierungsaufwand in Sachen Antidiskriminierung und Anti-Grapsch-Gesetzen.

Leider hab ich nicht so viel Zeit diese ganze radikale Moralisierung, diesen widerwärtigen autoritären Modernisierungseifer, diese kulturfeindliche wahnhafte Gleichheits-Ideologie zu kommentieren. Denn ich muss jetzt Kuchen essen und Bier trinken: Auf den Untergang von Schönheit, Liebe und menschlicher Kultur! Prost!

Die Problematiken des Sexismus auf den Punkt gebracht

Als Erstes habe ich die Augen verdreht, als ich den Titel „Der verunsicherte Mann“ von Tomasz Kurianowicz bei ZEIT-ONLINE las, dachte ich doch, es handle sich um den x-ten Aufguß einer (sexistischen!) Beschreibung der gesamten Männerschaft unserer Gesellschaft, angesichts von weiblichen Errungenschaften, mit denen „Mann nun überhaupt nicht klar kommt“ (angeblich).

Tatsächlich meint der Autor sich höchstselbst und man kann wirklich herauslesen, wie vorsichtig er sich auf einem Minenfeld bewegt. Minen sind bekanntlich versteckt, man weiß nie, welche Stelle sich als vermint offenbart. Aber ich finde, er hat es ganz gut gemeistert, kann man doch so manche Textstelle als Disclaimer verstehen, Motto: „Ja, ich weiß, ich als Mann sollte die Klappe halten, aber wenn ich mal anmerken dürfte …“.

Aber Sticheleien beiseite: Thomasz Kurianowicz hat es auch insofern gut gemacht, indem er wichtige Punkte herausgearbeitet hat. Punkte, die ich hier aber anders beantworten möchte, als er es tut.

Die Frage, die ich mir schon seit Längerem stelle, ist folgende: Kann ich als Mann nachvollziehen, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie sexistisch diskriminiert wird? Kann ich jene Kränkung und Angst nachempfinden, wenn sich ein großer, starker Mann einer schwächeren Frau gewaltvoll nähert? Kann ich die verbale Verletzung einer Frau empathisch nachvollziehen?

Auch hier richtet der Autor die Fragen auf den ersten Blick an sich selbst. Da er sich die Fragen aber unter dem Aspekt des Mann-seins stellt, gelten sie unterschwellig für alle Männer: Können Männer es nachvollziehen / nachfühlen / nachempfinden?

Nun, das hängt vom Wesen des einzelnen Mannes ab. Empathiefähigkeit ist eine individuelle Sache, auch bei Frauen, wenn diese auch in ihrer Gesamtheit als empathischer beschrieben werden. Für meinen Teil möchte ich ausdrücken, dass ich es nachvollziehen kann, wenn Sprüche, Gesten oder gar körperliche Annäherungen als (sehr) unangenehm empfunden werden. Auch Männer sind nicht frei von Erfahrungen in Form der Verletzung von persönlichen Grenzen, ob verbal oder tätlich.

Wo fängt Sexismus an und wo hört er auf? Wann ist er justiziabel und wann eine Respektlosigkeit? Wann ist er ein unglückliches Kompliment und wann eine verbale Attacke?

Diese Fragen finde ich teilweise unglücklich formuliert. Die Frage ist nicht, wo Sexismus aufhört (meines Erachtens fängt dort, wo etwas aufhört, das Nächstschlimmere an) und auch nicht, ob Sexismus justiziabel oder nur ein unglückliches Kompliment ist (beide Punkte unterstellen, dass Sexismus bereits gegeben ist). Nein, die in dieser Diskussion wichtige Frage wurde am Anfang des obigen Zitats gestellt: Ab wann ist irgendetwas Sexismus?

Für die gröberen Formen (antatschen, bewußte verbale Herabwürdigungen usw.) braucht man sich mit einer Beurteilung nicht lange aufhalten. Für alle anderen Dinge hängt es meines Erachtens sehr vom Kontext ab – und davon wie die Empfängeren / der Empfänger es auffaßt. Es geht nicht nur um die Empathiefähgikeit von Dritten, die eine Handlung oder eine Situation nachvollziehen, sondern darum, wie es die Betroffenen selbst sehen (können). Ansonsten landen wir sehr schnell bei einem „eigentlich geht und darf gar nichts“ oder bei einem Katalog von „no-go’s“, über dessen Inhalt dann die nächsten Jahre gestritten wird.

Abends ging ich auf Facebook und las den #MeToo-Bericht einer Bekannten aus Berlin. Ihr Eintrag schockierte mich zutiefst. Sie beschrieb, wie sie kürzlich auf einem Zahnarztstuhl unsittlich berührt wurde: Während einer Zahnbehandlung presste der behandelnde Arzt seinen Schritt gegen ihren Oberarm, so dass sie seinen Penis spürte. Der Arzt nutzte seine Machtposition und ihre Hilflosigkeit aus.

Natürlich ist das nicht ok.

Es folgte ein Telefonat mit der erwähnten Bekannten:

Wir einigten uns schnell, dass ihre Zahnarzterfahrung eine üble Form von sexueller Belästigung war.

Eben. Zwar mögen Übergänge fließend sein, aber hier ist die Sachlage eindeutig. Was hat das also in dem Artikel über Sexismus zu suchen?

Sie [die Bekannte von Tomasz Kurianowicz] machte mir klar, dass ich als Mann immer über eine Selbstsicherheit, über ein Identitätsprivileg verfügen würde, das ich niemals zu reflektieren und abzulegen imstande wäre. Sie sagte, dass die Idee, einen Text über Sexismus aus männlicher Perspektive zu schreiben, schon Teil des Problems sei. Meine Bekannte wurde noch konkreter, noch deutlicher. Sie sagte mir: „Du, Tomasz, bist selbst Teil des Problems.“

Wieder einmal wirft ein Geschlecht dem anderen Geschlecht Sexismus vor und wird dabei selbst sexistisch: Nur weil er ein Mann ist, ist er Problembestandteil.

Und das zwischen (guten?) Bekannten, wobei der männliche Part nicht den Eindruck macht, er wäre zu wenig selbstreflektiert bezüglich seiner männlichen Ausprägungen, wenn man seinen Artikel liest …

Doch jetzt zum wichtigsten Teil (Kleinbuchstaben als Aufzählung von mir eingefügt):

Wenn das Argument meiner Bekannten zuträfe, dann wäre jede weitere Diskussion über Sexismus zwischen Mann und Frau sinnlos. Dann müsste ich mich auf ewig wegducken (a) und hätte nur einen einzigen argumentativen Ausweg – die Gewalttätigkeit meines Geschlechts für immer zu akzeptieren. Besonders nachdenklich stimmte mich ein beeindruckender Essay der Tagesspiegel-Kollegin Anna Sauerbrey: Darin äußert sie die These, dass immer ein Rest Fremdheit zwischen Männern und Frauen bestehen werde – „jene Fremdheit zwischen Verstehen und Empfinden“.

[…]

Ist es denn wirklich unmöglich, sich eine Welt zu imaginieren, in der die Menschen nicht nach ihrem Geschlecht, sondern nach ihrem Wesen wahrgenommen werden? (b) Wollen wir dieses Ideal wirklich aufgeben, so unrealistisch es sein mag? (c) Ich denke, das wäre falsch. Die Fähigkeit zur Empathie erscheint mir unabdingbar auf dem Weg der Annäherung an dieses Ideal – die Empathie für das Fremde, für das andere Geschlecht. Die Annahme von einer unüberbrückbaren Geschlechterdifferenz würde den emanzipatorischen Anspruch des Feminismus ad absurdum führen und unterstellen, dass Männer eine Urschuld in sich tragen, die sie weder ablegen noch überwinden können. (d) Dass Männer hineingeboren sind in Unterdrückungspraktiken, die sie nicht abschütteln, sondern bestenfalls reduzieren können. Ist nicht das wiederum diskriminierend allen Männern gegenüber? (e)

Im Schnelldurchlauf:

a) Nein, kein Wegducken notwendig. Es ist nur dann notwendig, wenn man sich als wandelnden Fehler sieht.

b) Warum eine Welt imaginieren, in denen Menschen nach dem Wesen wahrgenommen werden? Das Geschlecht einer Person wird immer zeitgleich mit der Person wahrgenommen. Es ist Teil des Wesens. Und dass Frauen nicht mehr als Frauen wahrgenommen werden wollen, wäre mir völlig neu.

c) Bei unrealistischen Idealen sollte man sich fragen, ob nicht eine Ideologie dahintersteckt. Und Ideologien sollte man IMMER aufgeben.

d) Nennen Sie es nicht „Urschuld“ …

e) Nein, es ist nicht diskriminierend, wenn man das Nachfolgende akzeptiert.

Ich denke, es gäbe etwas, dass uns alle weiterbringen könnte: Die ideologiefreie Akzeptanz der menschlichen Natur, so wie sie ist. Ohne folgenden Vorwurf, man würde dadurch versuchen, sich auf biologischer Ebene aus der Affäre zu ziehen. Und ohne die Unehrlichkeit, nicht zuzugeben, dass diese biologische Natur auf der anderen Seite auch gewollt und willkommen ist.

So absolut verständlich es für mich ist, dass es Aussagen oder Annäherungen gibt, die Frauen als unangenehm empfinden, so klar ist es für mich, dass wir nicht aus unserer Haut heraus können.

Männer folgen zum einen einem ewigen Wettbewerbsgedanken und jeder Wettbewerb hat mit Dominanzstreben zu tun. Nach jedem sportlichen Kräftemessen steht die Siegerperson mindestens einen Kopf höher auf dem Podest als alle Übrigen – übrigens auch Frauen. Dominanz zu zeigen liegt in der Natur des Mannes.

Männer sind die sexuelleren Wesen. Man kann es einem zivilisierten Mann abtrainieren, sich zu sexistischen Impulsen hinreißen zu lassen, aber auch in seinem Kopf (und nicht nur in den Köpfen von Macho-Männern) spielt es sich trotzdem ab. In Sekundenbruchteilen. Nein, das soll keine Entschuldigung für irgendetwas sein, es ist eine bloße Feststellung.

Und so zu tun, als seien diese Dinge stets unwillkommen, ist scheinheilig. Dominanz und Führungsqualitäten (beispielsweise des Ehepartners) wird von Frauen gern gesehen, wenn es dem eigenen Status, eigenen Vorteilen oder dem eigenen Schutz dient. Und ein zweideutiger Spruch oder gar eine Tätschlei im passenden Kontext vom passenden Mann wird sicherlich nicht als Sexismus deklariert werden.

Maskulistischer Artikel bei ZEIT ONLINE: Sexuelle Belästigung von Männern

Kurz nach dem ziemlich ärgerlichen doppelten Rundumschlag gegen „sexuelle Belästigung“ und „Sexismus“ gegen Frauen am Arbeitsplatz veröffentlichte ZON heute einen Artikel, der sich dem Thema sexuelle Belästigung von Männern widmet, und zwar ganz und gar ohne feministische Opferideologie:

Sie haben vom Klaps auf den Po erzählt und von Kolleginnen, die Bewerbungsfotos der Praktikanten herumreichten, um „den Hübschesten“ auszusuchen. Von schlüpfrigen E-Mails und anzüglichen Kommentaren im Büro. Ihren richtigen Namen wollen diese Männer nicht veröffentlicht sehen, weil sie es sich mit Kollegen und Vorgesetzten nicht verscherzen wollen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, aus dem sie anonym bleiben wollen: Wenn über sexuelle Belästigung berichtet wird, sind meist Männer die Täter. Männer, die zum Opfer wurden, haben Angst, nicht ernst genommen zu werden. Sie fürchten den Vorwurf, dass sie übertreiben, weil sie sich ja leicht hätten wehren können.

[…]

Sieben Prozent der Männer, das klingt nicht nach viel. Doch wenn die Männer nicht allgemein nach sexueller Belästigung gefragt wurden, sondern nach konkreten Vorfällen, antworteten deutlich mehr mit Ja. 19 Prozent der Männer (und 22 Prozent der Frauen) hatten sich unangemessene Fragen zum Privatleben oder Aussehen anhören müssen. Zwölf Prozent der männlichen Befragten berichteten, schon einmal unerwünscht berührt worden zu sein. Bei Frauen waren es 19 Prozent. Witze mit sexuellem Bezug oder zweideutige Kommentare hören Männer sogar häufiger als Frauen: 47 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent hatten das erlebt.

Der letzte Absatz ist bemerkenswert, weil hier strenggenommen nicht mehr über „sexuelle Belästigung“ geredet wird sondern über einzelne Vorfälle, die aus der Sicht der Autoren „sexuelle Belästigung“ darstellen, von den vermeintlichen „Opfern“ aber nicht als das erlebt oder bezeichnet werden. Was solche Vorfälle in einem Artikel über sexuelle Belästigung dann verloren haben, ist mir nicht ganz klar. Über die Köpfe dieser Männer (und Frauen) hinweg wird ihnen dann ein Opferstatus angedichtet und gleichzeitig anderen Männern signalisiert: Ihr dürft euch jetzt auch als Opfer inszenieren. Ein solcher Maskulismus droht die Falle der feministischen Prüderie zu tappen.

„Viele Männer, die sexuelle Belästigung erleben, wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen“, sagt Matthias Becker, der seit Mai 2016 Ansprechpartner für Männer der Stadt Nürnberg ist. Er ist das Pendant zu den Frauenbeauftragten – und damit deutschlandweit der Erste seiner Art. Mittlerweile rufen ihn nicht nur die Beschäftigten der Stadt Nürnberg an, für die seine Stelle vorgesehen war, sondern Männer aus allen Ecken der Republik. Sie melden sich, weil sie zu Hause geschlagen werden, weil ihnen der Chef die Elternzeit verwehren will – oder eben weil sie sexuelle Zudringlichkeiten im Job erfahren.

[…]

Menschen brauchen ein Arbeitsklima, in dem obszöne Witze, der Klaps auf den Hintern und zweideutige Sprüche nicht toleriert werden. Egal von welchem Geschlecht sie ausgehen – und ob sie Männer oder Frauen treffen.

Alles in Allem finde ich es sehr gut, dass die ZEIT sich nicht mehr davor scheut, sich dieses Themas anzunehmen. Das einseitige Gejammer über „Sexismus“ gegen Frauen und Märchenstunden über das Patriarchat der Tätermanner haben bei der ZEIT ab nun vielleicht ein Ende und weichen einer ausgeglichenen Haltung in der sowohl Männer als auch Frauen als Täter und Opfer behandelt werden können. Doch ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass das in Zukunft einfach nur bedeuten könnte, dass nun der gleiche prüde Affenzirkus mit Männern veranstaltet wird. In dem Sinne schließe ich mich den Kommentatoren „Landegaard“ und „MrWho“ an:

„Landegaard“ (#1.3):

Das habe ich auch schon erlebt, allerdings wundere ich mich, dass quasi die gleichen Vorgänge vor einiger Zeit offensichtlich von mir völlig falsch interpretiert wurden.

Weder habe ich mich hilflos gefühlt und auch keine Angst gehabt. Mir fehlte schon die „Erschütterung“, die man da heute wohl zu empfinden hat. Flirtversuche können unerwünscht sein und zeitgleich auch ungeschickt. Es ist mir aber immer gelungen, das ohne fremde Hilfe klar zu stellen, was mir unangenehm war und keine Wiederholung braucht. Ob mir also wer „glaubt“, spielte nie eine Rolle,

Hat sich die Form der Ansprache heute so sehr verändert oder der Umgang damit?

Diese Frage ist sehr berechtigt. Ich vermute, beides hat sich verändert. Die Leute (w/m) haben es verlernt, unverklemmt zu flirten und insbesondere Feministinnen können mit Annäherungsversuchen kaum noch umgehen. In Zukunft tun es manche Maskulisten ihnen vielleicht gleich.

Und „MrWho“ antwortet darauf (#1.8):

„Hat sich die Form der Ansprache heute so sehr verändert oder der Umgang damit?“

Es ist eine Zunahme der Prüderie zu beobachten. In Vergangenheit wurde über schlüpfrige Witze hinweggegangen, wäre das Voting der Kolleginnen zum hübschesten Azubi nicht als sexuelle Belästigung aufgefasst worden, hätte man ungeschickte Flirtversuche als ebensolche abgetan, solange es sonst keine Übergriffe gibt. Heutzutage gelten schon Worte und Blicke als übergriffig, beinahe wie in Saudi-Arabien. Da ist die strikte Verhüllung oder Geschlechtertrennung am Arbeitsplatz wohl die einzige Konsequenz, Diversity Management zum Trotz.

[…]

Heutzutage sind alle nur noch Opfer. Jetzt haben die Medien endlich auch den Mann als Opfer sexueller Belästigung der banalsten Form mit maximaler Empörungsblase entdeckt, da gibt es noch viel Potential zur Berichterstattung.

Diesen letzten Absatz sollte man sich hinter die Ohren schreiben. Allen Bedenken zum Trotz aber erstmal ein Dankeschön an die ZEIT.

 

Nachtrag:

Beim Stapelchipsblog gibt es eine interessante ausführlichere Analyse der Statistik, die dem ZEIT-Artikel zugrunde liegt. (eine Statistik der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2015; Download). Stapelchips:

Richtig ist, dass 17 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz „nach EIGENEM Begriffsverständnis“ schon einmal erlebt haben. Nimmt man aber die rechtliche Definition, haben Männer zu 56 % das schonmal erlebt und Frauen „nur“ zu 49 %. Das sind 7 Prozentpunkte Unterschied zum Nachteil von Männern. Tatsächlich erfahren Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz also mehr als Frauen.

Wobei Stapelchips selber anmerkt, dass es problematisch ist, was laut der Studie alles als „sexuelle Belästigung“ gilt; nämlich „zweideutige Kommentare“, „Witze mit sexuellem Bezug“ oder auch „Bemerkungen mit sexuellem Inhalt“, die zusammen mit Abstand den Löwenanteil an Formen „sexueller Belästigung“ ausmachen. Es wird bei diesen problematischen Kategorien noch nicht mal dargestellt, ob es sich um grenzüberschreitende Vorfälle handelt, sondern es wird aus mir völlig unverständlichen Gründen davon ausgegangen, dass es sich dabei grundsätzlich um Belästigung handelt. Das ist wohl auch der Grund, warum die Differenz zwischen Fällen von sex. Bel. nach rechtlicher Definition und sex. Bel. nach Definition der Probanden so riesengroß ist (bei Männern also 56 zu 7!). Aber wen interessiert schon, was die Leute denken und empfinden, wenn der Gesetzgeber doch viel besser weiß, wie oft wir sexuell belästigt werden. Lassen wir uns also doch gleich auch noch erklären, wie traumatisiert und schutzbedürftig wir sind, denn unser Nannystaat wartet schon darauf, uns mit neuen gesetzlichen Maßnahmen zu beglücken. In der Studie wird dementsprechend auch nicht gefragt, ob die Befragten meinen, dass der Staat handeln müsse, sondern gleich danach, wie und kommt Dank dieser manipulativen Fragestellung zu folgendem überraschenden Ergebnis:

Fast alle vorgeschlagenen [de facto gesetzlichen] Maßnahmen zur Bekämpfung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz werden von jeweils mehr als der Hälfte befürwortet.

Nur rund jede_r Siebte denkt, dass gar nichts unternommen werden müsse.

(Studie, S. 12)

%d Bloggern gefällt das: