Fundstück: Wikipedia gegen Gender-Biomedizin

In meiner Kritik des Interviews mit Ulrich Kutschera hatte ich folgendes geschrieben:

Gut, bei der Wikipedia gestehe ich zu, dass Argumentieren oft tatsächlich keinen Sinn hat. Da haben schon mehrere tatsächliche Wissenschaftler bei Artikeln aus ihrem Fachgebiet das Handtuch geworfen, weil da einfach die Masse über „die Wahrheit nach Wikipedia“ abstimmen können und die Meinung eines uninformierten, aber gut vernetzten Menschen mit viel Zeit locker mehr wiegt als die eines Studierten.

Dabei habe ich ganz vergessen zu erwähnen, dass vor inzwischen einem Jahr das Blog Gender-Diskurs vermeldete, bei der Wikipedia sei ein Artikel über Gender-Biomedizin ohne weitere Umschweife gelöscht wurden. Dabei ging es darum, dass man in der Medizin biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau berücksichtigt – also letzten Endes das Gegenteil der Annahme akzeptiert, dass es bis auf die Geschlechtsorgane keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gäbe. (Der Vorfall wurde seinerzeit hier im Blog in den Kurznachrichten erwähnt – dort mit einer anderen Quelle.)

Der Artikel ist als PDF noch verfügbar. Wie daraus ersichtlich wird, wurden in den Einzelnachweisen unter anderem die erwähnten Bücher von Kutschera und Axel Meyer verwendet.

Dass die Wikipedia in einigen Bereichen stramm ideologisch unterwegs ist, fällt in die Kategorie „schrecklicher Verdacht„. Hier ergibt sich der von mir schon vorher erwähnte AH-Effekt („Das habe ich doch schon bei Arne Hoffmann gelesen…“). Man schaue auf das Menü der Startseite von Genderama, Stichwort „Politische Manipulation der Wikipedia“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ok, eine ganz fürchterliche Assoziation zum Stichwort „Medizin“…

Bon Jovi: Bad Medicine

Warum ich dieses Interview mit Ulrich Kutschera schauerlich finde

Via Emannzer stieß ich auf ein Interview mit Ulrich Kutschera, das kath.net unter dem Titel Meinungs-Unfreiheit und fehlende Debattenkultur veröffentlicht hat. Nun habe ich selbst ja mehrfach für Meinungsfreiheit und eine bessere Debatte plädiert – dem Titel nach sollte das also genau meine Sache sein. Ich finde das Interview allerdings schauerlich. Die wichtigste Frage ist natürlich, warum.

Stecken wir erst einmal den Rahmen sinnvoll ab: Das wird keine Bewertung der Arbeit Ulrich Kutscheras oder gar sämtlicher seiner Äußerungen sonstwo. Erst geht einzig um dieses Interview. Wir hatten in diesem Blog ja bereits eine Rezension von Ulrich Kutscheras Buch durch djadmoros.

Ferner beurteile ich unter der Annahme, dass korrekt zitiert wird. Wir wissen von anderswo, wie man hervorragend Aussagen aus dem Zusammenhang reißen kann. In diesem Fall gehe ich – bevor ich gegenteilige Informationen bekomme – davon aus, dass dies hier nicht geschehen ist, denn kath.net war ihm wohlwollend, zumindest neutral gesonnen und ich traue Ulrich Kutschera erst einmal zu, dass er solche Aussagen auch so tätigt.

Was nützt es kath.net, so ein Interview zu veröffentlichen? Es ist kompatibel mit einem christlich-konservativem Weltbild („das gute Abendland wird bedroht“). Ein Streit der Weltanschauungen wird insofern vermieden, als Atheismus gar nicht erwähnt wird.

Wenn ich ein Interview mit jemandem lese, der ein Anliegen hat, das ich eventuell sogar teile, frage ich mich: Kann ich „Neutrale“ damit überzeugen? Ist es vorzeigbar? Dieses Interview ist für die schon Bekehrten, nicht für die Zweifelnden oder Suchenden. Es ist der Name Ulrich Kutschera, der zieht – ohne ihn wäre das Interview Standardkost

Wenn ich von Ulrich Kutschera nicht schon vorher gehört hätte, würde ich ihn nach diesem Interview für ziemlich durchgeknallt oder zumindest unseriös halten. Einfacher Test dazu: Das Interview so lesen, als ob es mit „Peter Meier“ geführt worden wäre. Was glaube ich, was Peter Meier wohl für ein Typ ist, nachdem ich nur dieses Interview mit ihm kenne?

Ich kann nachvollziehen, dass ein „early investor“ gegen die Mainstream-Meinung eher jemand ist, der Lust auf Konflikt hat, der seinen Wert durch viele Gegner bemisst, wenig zu verlieren hat, und eventuell auch etwas eitel ist. Das alles würde mich also nicht wundern. Es hätte auch keinen Sinn, von Gender-Studies-Kritikern zu erwarten, dass sie perfekte oder uneigennützige Menschen sind.

Was finde ich also konkret kritisierenswert? Gehen wir das Interview mal wie ein Fehlersuchbild durch:

1. vollstände Ablehnung der Geistes- und Sozialwissenschaften
(siehe Leszeks Kritik an Kutschera)

Das kommt als Thema hier in der Blogblase immer wieder hoch. Ich halte das sowohl in der Sache als auch „strategisch gedacht“ für falsch. Man schart damit vielleicht einen harten Kern um sich, wird aber nicht breite Zustimmung für sich gewinnen können.

2. unbedingte Verknüpfung von Themen: Wer A meint, muss auch bei B zustimmen

Hier wird eine Ablehnung der Gender Studies mit einer bestimmten Einstellung in der Flüchtlingsdebatte verknüpft. Damit verringert man automatisch den Kreis der Leute, die einem zustimmen werden, denn aus A folgt noch lange nicht B.

3. Pessimismus: Die Gesellschaft geht vor die Hunde

Richtig, wenn ich Aufmerksamkeit bekommen möchte, ist es sehr effektiv, mit Zorn und Angst zu arbeiten. Wenn ich allerdings Leute mobilisieren möchte für eine längerfristige Bewegung für etwas, dann muss ich vor allem ein positives Bild verkaufen. Reine Pessimisten haben nur sehr selten die Welt verändert (Pessimisten sagen sogar: noch nie).

4. Pseudo-Weltgewandtheit

Er gibt angeblich einen Blick aus internationaler Perspektive, bedient aber Leidenssehnsucht und Untergangsstimmung in Deutschland. Ich nenne das „fear porn“ – man ergötzt sich an Horrornachrichten.

Umgekehrt scheint er eine äußerst selektive Wahrnehmung zu haben, wenn er die USA über den grünen Klee lobt, was die Streitkultur angeht. So ist doch gerade das „deplatforming“ (man läßt Liberale oder Konservative nicht an Universitäten auftreten – oder gar Komiker, wenn ihr Humor „beleidigend“ ist) dort eine grassierende intellektuelle Seuche.

Ich orientiere mich fast ausschließlich über US-News. Dort finden Sie z. B. nach Terroranschlägen sofort die korrekten Täterbeschreibungen und den Verlauf der Untat.

Das würde, wenn es so wäre, gegen die US-Medien sprechen, denn Täterbeschreibungen und den Verlauf der Tat muss die Polizei erst erstellen bzw. rekonstruieren. Wie oft hieß es nach einem Verbrechen, man habe einen Verdächtigen, welcher dann jedoch freigelassen wurde, da er sich als unschuldig erwies, oder die Spure ginge in Richtung X, was sich später als falsch herausstellte?

5. Widersprüche zur Meinungsfreiheit und Debattenkultur

Er beklagt laut und dramatisch, es gäbe es in Deutschland keine Meinungsfreiheit und gibt sich als Streiter für unbequeme Wahrheiten, knickt aber in einem konkreten Fall selbst ein:

Nachdem mir der Organisator der Studium Generale-Vortragsreihe „Evolution“ mitgeteilt hatte, dass studentische Protestaktionen zu meinem Termin geplant seien, sagte ich ab

„Mit denen diskutiere ich nicht“ ist aber keine gute Haltung, um die eigenen Ansichten zu verbreiten und zu zeigen, dass man die besseren Argumente hat. Es wäre für einen wirklich streitbaren Wissenschaftler eigentlich ein gefundenes Fressen, wenn von jeder Sachkenntnis unbeeinflusste Leute gegen einen protestieren. Die könnte man richtig schön vorführen, sie haben es ja so gewollt!

Gut, bei der Wikipedia gestehe ich zu, dass Argumentieren oft tatsächlich keinen Sinn hat.
Da haben schon mehrere tatsächliche Wissenschaftler bei Artikeln aus ihrem Fachgebiet das Handtuch geworfen, weil da einfach die Masse über „die Wahrheit nach Wikipedia“ abstimmen können und die Meinung eines uninformierten, aber gut vernetzten Menschen mit viel Zeit locker mehr wiegt als die eines Studierten.

6. biologischer Determinismus

Die wirklichen Probleme, die sich bei einem Männer-Überschuss von jungen, paarungsbereiten, zum Gebären unfähigen Variationen-Generatoren in jeder Population ergeben (Destabilisierung bis zu Kollaps), werden unter den Tisch gekehrt. (…) Ein Männerüberschuss, bezogen auf die entsprechende Alters-Kohorte, geht immer primär zu Lasten der Frauen und erhöht die Konkurrenz unter den testosterongesteuerten Herren.

Kutschera will soziale Phänomene alleine durch Biologie vorhersagen. Gut, wenn man schon Sozial- und Geisteswissenschaften vollends ablehnt, was will man auch anderes machen, als mit MINT-Fächern die Welt erklären? Eine Soziologie etwa könnte erklären, wie man mit einem „Männerüberschuss“ umgeht, unter welchen Bedingungen es friedlich bleibt, wie man trotz der daraus resultierenden Chancenlosigkeit vieler Männer beim anderen Geschlecht den Betroffenen eine sinnvolle Rolle in der Gesellschaft ermöglichen kann usw. Das wäre ein deutlich positiverer Ansatz als „die Welt geht automatisch unter“.

7. Polemik gegen Gegner

Eine Wortwahl wie „naturwissenschaftlich unterbelichtete Ideologen“ wird einige Fans erfreuen, aber Außenstehende und Unentschlossene abschrecken. Eine schlechte Methode, um die eigene Kritik auf eine breite Basis zu stellen.

Umgekehrt werden in der Formulierung die „rechten Nazi-Verbrecher“ im Deutschland der 1930/40er Jahre die rechten Nazi-Verbrecher in Anführungsstriche gesetzt, so als ob das eine Übertreibung wäre und sie nicht rechts, Nazis oder Verbrecher gewesen wären… sehr gruselig.

8. Schlechte Belege

wer nüchterne Fakten benennt, z. B. die Tatsache, dass mindestens 90 % aller Zuwanderer junge Männer aus arabisch/afrikanischen Ländern sind (s. Internet-Bilder), wird in eine „rechtsradikale Ecke“ gestellt.

„Siehe Internet-Bilder“das soll eine Quelle sein, mit der man „nüchterne Fakten“ benennt? Und das von einem Wissenschaftler!

Fazit

Beim Lesen des Interview kamen mir immer wie die zwei abgelutschten Sprüche „Schuster, bleib bei Deinen Leisten!“ und „O si tacuisses, philosophus mansuisses.“ in den Sinn. Eine Kritik an den Gender Studies aus biologischer Sicht ist höchst willkommen. Mit vielem anderen, was Ulrich Kutschera in dem Interview äußert, kann ich jedoch überhaupt nichts anfangen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Den Klassiker von Sam Cooke, in dem der Sänger zugibt, wenig Ahnung von Biologie zu haben, hatte ich schon einmal. Hier ist eine schöne Coverversion:

The Moon Loungers: What a Wonderful World

Fundstück: Leszek kritisiert Ulrich Kutschera

Leszek bietet – mal wieder in den Kommentaren bei Alles Evolution – eine interessante Kritik an Ulrich Kutschera. Ich fasse im folgenden die wesentlichen Inhalte mehrerer Kommentare zusammen. Zuvor seien aber noch die die drei genderkritischen Bücher von Biologen aufgelistet, die Leszek erwähnt, denn unabhängig von Leszeks Kritik an Kutschera sollte sich jeder selbst ein Bild bilden können:

  1. Ulrich Kutschera: Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. Lit-Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-643-13297-0.
  2. Axel Meyer: Adams Apfel und Evas Erbe : wie die Gene unser Leben bestimmen und warum Frauen anders sind als Männer, mit einem Vorwort von Harald Martenstein. München : Bertelsmann 2015, ISBN 978-3-570-10204-6.
  3. Matthias Rahrbach: Warum Frauen eben doch nicht benachteiligt sind. Eine Abrechnung mit dem männerfeindlichen Radikalfeminismus., Verlag Natur und Gesellschaft (Selbstverlag) 2015, ISBN 3-00-050916-X

Zu Ulrich Kutscheras Buch erschien hier im Blog eine Rezension von djadmoros. Ab hier jedoch Leszek:

Ulrich Kutschera ist bestimmt ein guter Evolutionsbiologe und mit seiner Gender-Kritik aus naturwissenschaftlicher Perspektive hat er sicherlich im Wesentlichen Recht.

Aber wieder so ein Schwachkopf, der die Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften pauschal abwertet, von denen er offensichtlich keine Ahnung hat.

So wird das allerdings nichts mit einer gemeinsamen Kooperation gender-kritischer Wissenschaftler über alle Fachgrenzen hinweg, wie sie eigentlich wünschenswert wäre, um die unwissenschaftlichen Gender Studies und das sexistische Gender Mainstreaming wirkungsvoll zu delegitimieren und zurückzudrängen.

Aber gut, ich habe hier [gemeint ist Alles Evolution] ja gelernt: Ein Teil gender-kritischer Naturwissenschaftler oder naturwissenschaftlich Interessierter (Christian [Schmidt] ist von dieser Kritik ausdrücklich ausgenommen) sind hinsichtlich ihrer psychodynamischen Motivation schwerpunktmäßig narzisstisch motiviert, es geht ihnen wesentlich um Selbstaufwertung und Abwertung anderer und nicht wirklich um wissenschaftliche oder politische Anliegen.

(…)

Kutschera sollte m.E. erstmal mehr differenziertes und mehrperspektivisches Denken erlernen, etwas mehr Bescheidenheit entwickeln (wozu gehört nicht lautstark und pauschal wissenschaftliche Disziplinen abzuwerten, von denen er nichts versteht) und ein erwachseneres Sozialverhalten erlernen (wozu u.a. die Erkenntnis gehört, dass wer grundlos gegen andere pöbelt von diesen keine Solidarität zu erwarten hat).

Als Antwort auf die Frage, mit wem innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften Ulrich Kutschera eine Kooperation suchen sollte (die Frage läßt sich verallgemeinern auf „Biologen, die die Gender Studies kritisieren wollen“):

Erstens natürlich mit solchen gender-kritischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die bereits vor ihm gender-kritische Texte aus ihren eigenen Fachperspektiven publiziert haben.

Und zweitens wäre es in pragmatischer Hinsicht sehr sinnvoll gewesen, wenn Ulrich Kutschera und Axel Meyer – als die neben Matthias [Rahrbach] einzigen Biologen, die bislang gender-kritische Bücher publiziert haben, denn auch Naturwissenschaftler halten sich mit entsprechender Kritik zurück – Wert darauf gelegt hätten, in einer Art und Weise aufzutreten und ihre Bücher so zu gestalten, dass die naturwissenschaftliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming auch für Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte interessant, zugänglich und verständlich wird.

Diese Chance haben sie leider vertan. Hätten die beiden ihre Arroganz mal gezügelt und hätten z.B. ihre Bücher von gender-kitischen Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern Korrektur lesen lassen, dann hätten nicht nur Fehler und Argumentationsschwächen vermieden werden können, die auftreten, sobald sie ihre eigenen Fachgebiete verlassen, sondern ihre Bücher hätten auch auf eine erweiterte Zielgruppe abgestimmt werden können.

So schreiben sie halt nur für die ohnehin Überzeugten.
Der naturwissenschaftliche Narzissmus verhindert also die pragmatische Wirksamkeit. Und das ist ja u.a. das Interessante mit den irrationalen Psychodynamiken – ihre pragmatische Dysfunktionalität.

Da schreiben Naturwissenschaftler endlich mal gender-kritische Bücher und anstatt nun das Naheliegende zu tun – die Kooperation mit Sozialwissenschaftlern/Geisteswissenschaftlern, die ebenfalls aus ihrer eigenen Fachperspektive heraus Gender Studies und Gender Mainstreaming kritisch beurteilen, zu suchen sowie ihr eigenes öffentliches Auftreten und ihre Bücher auch auf Geisteswissenschaftler/Sozialwissenschaftler bzw. daran Interessierte als Zielgruppe abzustimmen, folgen sie lieber unreflektiert unreifen egozentrischen Impulsen. Die eigene naturwissenschaftliche Grandiosität zu betonen und andere wissenschaftliche Disziplinen, mit denen sie sich nicht auskennen, pauschal abzuwerten ist ihnen in motivationaler Hinsicht offenbar wichtiger als der pragmatische Erfolg der Sache, um die es doch eigentlich gehen sollte.
Schon interessant, wenn Leute, die ihre eigene Rationalität so stark hervorheben, gleichzeitig entsprechend irrational agieren. Vielleicht sollten sie sich in psychologischer Hinsicht auch mal ein bißchen mit Psychoanalyse befassen anstatt nur mit evolutionärer Psychologie.

Zum Vorwurf der fehlenden Kritik an den Gender Studies innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften:

Erstens reißen sich auch Naturwissenschaftler nicht gerade darum gender-kritische Texte zu publizieren. Bevor Axel Meyer, Ulrich Kutschera – und Matthias [Rahrbach] nicht zu vergessen – ihre Bücher dazu herausgebracht haben, gab es im deutschsprachigen Raum wissenschaftliche Veröffentlichungen, die Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming beinhalten, m.W. nur in Schriften jener Geisteswissenschaftler und Sozialwissenschaftler, welche männerrechtliche Anliegen aus humanistischer Perspektive unterstützen.
Das ist dann aber natürlich Kritik speziell aus geisteswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive und es ist schon sinnvoll dies auch durch Kritik speziell aus naturwissenschaftlicher Perspektive zu ergänzen, nur sollte letztere dann idealerweise auch über den Kreis der ohnehin Überzeugten hinaus vermittelbar sein.

Warum Kritik an den Gender Studies in den Sozialwissenschaften/Geisteswissenschaften bislang nicht häufiger ist, hatten LoMi und ich in der Vergangenheit ja schon einmal speziell am Beispiel der Soziologie versucht zu erklären:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/02/17/fundstueck-leszek-zu-der-frage-warum-soziologen-so-selten-gender-studies-kritisieren/

(Siehe auch den ersten Kommentar unter dem Text.)

Um dies zu analysieren – und möglichst zu ändern – braucht es aber auf Kenntnissen beruhende, um Objektivität bemühte und rationale Analysen, das Grandiositätserleben irgendwelcher Naturwissenschaftler ist da weder erkenntnis- noch zielfördernd.

(…)

Warum die Gender Studies meiner Ansicht nach unwissenschaftlich sind und von den Universitäten entfernt werden sollten, hatte ich in der Vergangenheit z.B. hier kurz zusammengefasst:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/08/04/gastartikel-leszek-zu-der-frage-ob-gender-studies-unwissenschaftlich-sind/

Dabei versuche ich aber die wesentliche Kritik an Gender Studies und Gender Mainstreaming aus den drei Perspektiven zu verknüpfen, also die geisteswissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Gender-Kritik.
Je mehr man alle drei Perspektiven einbezieht, desto stärker, fundierter und umfassender wird potentiell die Kritik und desto eher ist es möglich bezüglich aller drei Bereiche interessierte Personen anzusprechen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Don’t know much biology“ – klar, dass ich angesichts dieser Zeile an dieses Lied denken musste…

Sam Cooke: What A Wonderful World

Kurznachrichten vom 15.02.2016

1: Kommende Woche soll Professor Ulrich Kutscheras Buch „Das Gender-Paradoxon“ erscheinen. In dem Buch beschäftigt sich Kutschera in 440 Seiten mit den Gender Studies und warum diese unwissenschaftlich sind und deshalb an den Unversitäten nichts verloren haben. Der Blog ScienceFiles.org veröffentlich dazu den zweiten Teil eines Exklusiv-Interviews, das bereits im Herbst geführt wurde.

2: Bei der linken Wochenzeitung Jungle World kritisiert Hannah Wettig, dass der intersektionale Feminismus angesicht der Übergriffe in Köln komplett versagt habe.

Das Bündnis #ausnahmslos, so mag man unterstellen, wollte wohl solche Entgleisungen einfangen und alle unter einem politisch-korrekten Dach vereinen. Doch die Forderung, das Problem des Sexismus und der sexualisierten Gewalt dürfe nicht islamisiert werden und Redaktionen sollten stigmatisierende Deutungen unterlassen, kann man nur allzu leicht so verstehen, dass über den Hintergrund der Täter überhaupt nicht geredet werden sollte. Das aber kommt dem Verbot einer Deutung gleich. Dass man das Warum lieber gar nicht wissen möchte, zeigt auch die ewig wiederholte Behauptung, Sexismus und sexualisierte Gewalt kämen in der deutschen Gesellschaft ebenso vor.

Der Hinweis, beim Oktoberfest sei es nicht anders, ist zudem noch eine unfassbare Relativierung. Es ist nicht der »alltägliche Sexismus«, wenn sich Hunderte, wenn nicht Tausende von Männern in diversen Städten in der Silvesternacht treffen, möglicherweise verabredet, um Frauen gezielt anzugrabschen. Man muss fragen, warum sie das taten. Dafür aber muss man wissen, wer die Täter sind. […]

Mit ihrem Gerüst zur Welterklärung gehen nun diese Feministinnen den Islamistinnen und Islamisten gehörig auf den Leim. In feministischen Foren wird über die sogenannte Islamophobie diskutiert, während das Erwähnen der frauenverachtenden Aspekte des Islam tabu ist. Unhinterfragt schluckt man, wenn Musliminnen ihr Kopftuch als Ausdruck von Emanzipation und gar Feminismus bezeichnen. […]

Wenn es um Rassismus geht, verbleibt der intersektionelle Feminismus in einem simplen Schwarz-Weiß-Schema: Hier die Weiß-Positionierten, dort die people of color, die alle umfassen, die irgendwie von Rassismus betroffen sind. Juden können, wenn es passt, einfach zu den PoC addiert werden. Antisemitismus ist dann allenfalls eine Spielart des Rassismus. Das ist der Tatsache geschuldet, dass sich die Protagonistinnen dieser Weltinterpretation zwar bestens in den hiesigen queer-feministischen Subkulturen auskennen, die Welt da draußen aber schlicht nicht ihr Forschungsgegenstand ist. Vor allem aber würde, wenn sie denn von den verschiedenen Formen von rassistischer, ethnischer und religiöser Diskriminierung Kenntnis nähmen, ihr gesamtes Konzept nicht mehr funktionieren. Man muss genau wissen, wo, wann und wie sich etwas zugetragen hat, um zu wissen ob ein Muslim von einem Christen diskriminiert wurde oder ob es nicht vielleicht umgekehrt war.

 

Kurznachrichten vom 19.12.2015

1: US-Feministin Camille Paglia attackiert Taylor Swift als „widerliche Nazi-Barbie“.

Paglia hält Swift für eine mittlere Katastrophe für das moderne Frauenbild. Nicht zuletzt weil die Sängerin gerne weibliche Co-Stars einlädt und dabei ein arg niedliches Image präsentiere. Swift lege ein „widerliches Nazi-Barbie“-Gebahren an den Tag, ätzt Paglia: „In unserer weit geöffneten, modernen Ära unabhänginger Karrieren können Mädels-Gruppen Frauen helfen, wenn sie es vermeiden, ein dümmliches, rückschrittliches Image zu zeigen – so, wie es im kichernden, zungerausstreckenden Überfall von Swifts Knuddel-Clique passiert.“

Wie war das nochmal? Feminismus kämpft für die Selbstbestimmung der Frau? Natürlich nur, solange die Frau nicht völlig selbstbestimmt Hausfrau und Mutter, Porno-Queen, Prostituierte oder eben süßes Schlagersternchen sein will. /Aranxo

2: Auf Scientific American (etwas älter) beklagt sich die Psychologin Cindi May, dass sich das Bild von Frauen in Comics zwar von der damsel in distress zur machtvollen Superheldin gewandelt habe, diese aber immer noch hypersexualisiert dargestellt würden.

As a consequence, the superheroines, like their victim counterparts, are undermining rather than improving women’s perceptions of their own bodies and physical competence.  And they are doing nothing to improve beliefs about women’s roles in society.

Sie werden nicht eher ruhen, als bis es auch übergewichtige, hässliche Superheldinnen gibt. Wer das kaufen soll? Egal. Das unternehmerische Risiko dafür sollen gefälligst die Comic-Labels tragen. Ach nein, das geht ja auch nicht, Frauen darf man ja nicht negativ zeichnen. Also müssen es „normale“ Frauen sein, was auch immer in wessen Augen als normal gilt. Wahrscheinlich mit kleinen Brüsten und ein wenig Speck auf den Hüften, aber auf gar keinen Fall zu viel.

Nur, wer will eigentlich Normalos als Superhelden sehen? James Bond will ich auch nicht in Badelatschen sehen. Ok, an einem Karibik-Pool oder im Grand Hotel auf dem Weg zur Sauna vielleicht.

Abgesehen davon: Realistische Superhelden? What? Ist das nicht irgendwie ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich? Aber selbst wenn man sich auf die Argumentation einlassen wollte: Was ist denn tatsächlich realistischer, ein sportlich durchtrainierter Superheld oder ein moppeliger Superheld?

Und warum zum Henker sind Comic-Figuren dafür zuständig, die Vorstellungen über Frauenrollen in der Gesellschaft zu verändern? /Aranxo

3: Ich verweise mal auf meinen Blogeintrag zum Blinden Fleck der Gesellschaft bezüglich Männerfeindlichkeit. Darin überlege ich, warum in unserer Gesellschaft der Mythos von der Frauenbenachteiligung so verbreitet ist, während die tatsächlich existente Männerfeindlichkeit weitgehend unbeachtet bleibt.

Dieser Beitrag ist aus dem Frust heraus entstanden, am Girls‘ Day 2016 eine äquivalente Veranstaltung auch für Jungen organisieren zu wollen, und dabei auf ungeahnte Hindernisse zu stoßen. /Breakpoint

4: Der „Sexismusbeauftragte“ Lutz Bierend schreibt, weswegen das gar nicht so schlecht ist, eine Frau zu sein. Das ganze ist eine durchaus unterhaltsame Aufzählung an Beispielen, wo Frauen im Vorteil liegen, Soziolog*_%&$ix würden das wohl Privilegien nennen. /Aranxo

5: Der Verlag von Prof. Ulrich Kutschera hat dessen neues Buch „Das Gender-Paradox – Mann und Frau als evolvierte Menschentypen“ offiziell angekündigt. Das Buch, das im Februar erscheinen soll, wurde von Kutschera ja als Frontalangriff auf die Gender-Ideologie angekündigt. Man darf also gespannt sein. Prof. Dr. Günter Buchholz veröffentlicht auf seiner Seite „Frankfurter Erklärung“ schon einmal das Vorwort und das Inhaltsverzeichnis. /Aranxo