Kurznachrichten vom 27.05.2017

1: Serdar Somuncu findet Promi-Frauen nervig, die sich zum Feminismus bekennen, um ihren Marktwert zu steigern.

2: Don Alphonso greift noch einmal die Übergriffe in einem Tübinger Kulturzentrum auf und stellt diese in einen größeren Zusammenhang.

3: Zwei Tage nach dem Attentat von Manchester hat eine Journalistin das größte Problem unserer Gesellschaft entdeckt, nämlich mal wieder Männer, die sich in der U-Bahn breitbeinig hinsetzen (sog. „manspreading“). Und natürlich machen das Männer nicht, um bequem zu sitzen, sondern um Dominanz und Macht auszustrahlen. Ja nee, is klar. Haben ja auch ein paar Gender-„Forscher“ gesagt. Dann muss es ja stimmen.

4: Auch die Jusos Berlin nutzen den Vatertag/Christi Himmelfahrt, um Männer als „root of all evil“ hinzustellen:

vatertag

So ein wenig Aufruf zur Straftat ist auch ganz schick, wenn es um die gute Sache geht. Wo da allerdings „gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse“ zelebriert werden, wenn ein paar junge Männer sich voll laufen lassen, ist mir ziemlich unklar. Wenn junge Frauen pöbeln, wie bei Femen oder auf dem 2. Deutschen Gender-Kongress, dann ist das natürlich gerechtfertigter Protest.

5: Eine Frau hat sich mit 9 Jahren in einen Bahnhof verliebt und fühlt sich seitdem mit ihm verheiratet. Kann mir mal eben jemand sagen, welches Gender das ist? Ich hab das grad nicht parat.

6: Die Vulgäre Analyse, der Doktorant und die „Übermenschen“ Dorian und Imp diskutieren zwei feministische Artikel nämlich:

Recht spaßig gemacht, manchmal ein wenig abgleitend in pubertären Humor, aber dennoch ok und ganz lustig.

7: Noch mal ernst und tatsächlich ein wenig Off Topic, aber dennoch will ich auf den m.E. ausgewogenen Artikel von Lucas Schoppe über den islamistischen Terroranschlag in Manchester und die Verantwortung von muslimischen Mitbürgern hinweisen.

Kommentator Gereon meint dazu gleich im ersten Kommentar:

Ach Herr Schoppe.
Jetzt auch Nazi?
Willkommen im Club.

Das bringt es leider auf den Punkt. Wer sich der herrschenden Anordnung widersetzt, nämlich Ruhe bewahren, hinnehmen, Kerzen anzünden und nationale Symbole beleuchten, ansonsten aber schulterzuckend weitermachen wie bisher, wer sich erlaubt auf den Elefanten im Raum hinzuweisen, den von den „Guten“ niemand sehen will, der ist ganz schnell ein Rassist und Nazi.

 

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Fundstück: „Mehr Vater wagen“

Das Grußwort zum Zweiten Deutschen Gender-Kongress, auf den ich bereits hingewiesen hatte, hat es in sich:

Ein halbes Jahrhundert nach Willy Brandts legendärer Aufforderung an uns alle, „mehr Demokratie zu wagen“, würde er uns heute vermutlich dazu auffordern, „mehr Vater“ zu wagen. Gerade mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl und die fortschreitende Männerdiskriminierung. Wer sich nur in den Echokammern seines immer gleichen Meinungsumfeldes aufhält, wird niemals das genießen, was unsere Demokratie ausmacht: „Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit“.

Na, das ist doch mal ein knackiger Spruch: Mehr Vater wagen.

Das drückt in wenigen Worten aus, was wirklich anliegt. Genügend Männer wären bereit, Verantwortung zu übernehmen – der Staat macht es ihnen nur unnötig schwer bis unmöglich, das auch zu tun. Vater Staat ist ein schlechter Ersatzvater.

Hier wird genannt, was Lutz Bierend bei fatherleft und als Superlutz immer wieder angeführt hat. Auch Lucas Schoppe hat es ständig auf der Tagesordnung.

Es passt zur FDP, die das Wechselmodell als Standard fordert. Es spricht aber auch SPD-ler alter Schule an, die sich wehmütig daran erinner, für was ihre Partei mal unter Willy Brandt stand.

Und ganz nebenbei wird auch noch angesprochen, wo wir wirklich mehr „Diversity“ benötigen: Bei den Meinungen! Das ist immer noch das beste Rezept gegen eine postfaktische Gesellschaft.

Also, das wäre auch etwas zum Hingucken für Manuela Schwesig. Wenn sie denn wollte.

Das Grußwort steht derzeit bei www.genderkongress.org und vaeter-netzwerk.de. Dauerhaft wird es bei Genderama nachzulesen sein.

Aktualisierung: Lucas Schoppe zum selben Thema.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es um Väter geht, die (wieder) am Leben ihrer Kinder teilhaben…

John Williams: Father and Son Reunited

Fundstück: Lucas Schoppe über Sexismus in der Macron-Debatte

In der Diskussion um Emmanuell Macron und seine Frau schreibt Lucas Schoppe einen sehr schönen Kommentar:

Ob Macron nun keine andere abbekommen hat (danach sieht er nun wirklich nicht aus), oder ob er in seine Frau einfach verliebt war, oder sonst noch was ganz anderes – das finde ich völlig egal.

Interessant ist die Wahrnehmung von außen. Carline Mohr schreibt bei Spiegel-Online:

„Aber die Aufregung über das Alter von Brigitte Macron nervt mich. Warum? Weil bei einer deutlich älteren Ehefrau mehr gestaunt und gelästert und analysiert wird als bei einem deutlich älteren Ehemann. Es ärgert mich, weil dem die Annahme zu Grunde liegt, dass Frauen jung und schön sein müssen, um für einen Mann begehrenswert zu sein.“
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/felix-baumgartner-ivanka-trump-kim-kardashian-feminismus-auf-twitter-und-co-kommentar-a-1144981.html

Da geht es nun darum, dass Macron noch deutlich minderjährig war, als die Beziehung zu seiner Frau begann, und dass er obendrein ihr Schüler war – aber Mohr macht daraus im „Wutanfall“ klar, dass auch hier die Gesellschaft Frauen benachteilige.

Sie macht das wider besseren Wissen – direkt unter der Passage verlinkt sie eine Focus-Meldung, der es unmissverständlich klarstellt, worum es eigentlich geht. Interessiert die Feministin Mohr nur nicht. Pffff, was ist schon sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen, wenn es dabei um Jungen geht.

Sie tut einfach mal so, als ob es alle Menschen völlig normal finden würden, wenn ein männlicher Lehrer eine Beziehung mit seiner fünfzehnjährigen Schülerin beginnt. Umgekehrt ist es natürlich richtig: Dass sie eine Frau ist, und er ein Junge war, hat sie geschützt.

Ich habe bei Alles Evolution ebenfalls mehrfach kommentiert, möchte aber noch einen anderen Beitrag empfehlen: Der Lotosritter äußerte sich ebenfalls zu dem Fall.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dazu ein wenig französische Popmusik!

Alizée: Moi Lolita

Fundstück: Sinkende Einkommen bei Männern führen zu weniger, bei Frauen zu mehr Ehen

Das Blog „MGTOW Deutsch“ erwähnt gleich zweimal einen Artikel von Florian Rötzer bei Heise namens „Sinkende Einkommensunterschiede setzen Männer unter Druck„. Was in diesem Artikel steht, fügt sich wie ein Puzzleteil in die im Blog schon besprochene Studie „Trade Liberalization and Mortality: Evidence from U.S. Counties“ von Justin R. Pierce und Peter K. Schott (Entwurf vom Dezember 2015 als PDF).

Am Anfang wird zwar das Feindbild weißer Mann bemüht und verschwiegen, wie viele Frauen für Donald Trump gestimmt haben, aber immerhin werden auch tatsächliche wirtschaftliche Sorgen als Hintergrund erwähnt. Bereits bekannt ist: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt die Suizidrate bei Männern in Osteuropa und – schon oben im Rahmen der Studie von Pierce und Scott erwähnt – in den USA.

Basis für den Heise-Artikel ist eine neue Studie von David Autor, Gordon Hanson und David Dorn namens „When Work Disappears: Manufacturing Decline and the Falling Marriage-Market Value of Men“ (PDF).

Für die „Schicht der Männer ohne Hochschulabschluss zu tun hat, die in der verarbeitenden Industrie tätig sind, um ihre Jobs fürchten oder diese bereits verloren haben“ ergibt sich folgendes traurige Bild:

Weil ihre Karriere- und Einkommensaussichten sinken oder wegbrechen, sinkt auch ihre Attraktivität auf dem Heiratsmarkt und damit wohl auch bei der Partnerwahl. Das macht wütend und verzweifelt.

Und bei diesen Männern hört es nicht auf:

Allerdings sind die Ergebnisse wohl über diese Schicht hinaus gültig. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der jungen Menschen, die verheiratet sind, stark zurückgegangen. Zwischen 1979 und 2008 fiel der Anteil der Frauen im Alter von 25-39 Jahren, die verheiratet sind, bei den Hochschulabgängerinnen um 10 Prozent und um 20 Prozent bei denjenigen, die einen Highschool-Abschluss oder weniger haben. Parallel dazu steigt die Zahl der der Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten, so hat sich in etwa derselben Zeit die Zahl der Kinder von unverheirateten Müttern fast verdoppelt.

Hier sieht man, wie Probleme miteinander verbunden sind. Der sehr deutlich betitelte Artikel „How Not to Be Poor“ listet als einen Tipp gegen Armut „keine außerehelichen Kinder haben“ auf und zeigt in einer Grafik, dass Armut in der Gruppe der Alleinerziehenden mit Abstand am häufigsten vorkommt.

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise wurde in den USA deutlich, dass mehr Männer als Frauen von deren Folgen betroffen waren und dass die Gehälter der Männer stärker darunter leiden.

Hier stellt sich dann spätestens der AH-Effekt ein („Das habe ich doch schon bei Arne Hoffmann gelesen…“), gefolgt vom „PfelM-Reflex“ („Ich gucke mal nach, was in dem Buch Plädoyer für eine linke Männerpolitik darüber steht…“). Und siehe da, es findet sich selbst bei schneller Suche folgendes:

Kapitel „Der Mann als ökonomischer Verlierer“, S. 144, 146, bezogen auf Deutschland. Für das Phänomen, dass Männer stärker von der Wirtschaftskrise betroffen sind, habe ich irgendwo den Terminus „hecession“ aufgeschnappt.

Bei Wirtschaftskrisen oder bei steigenden Importen aus dem Ausland sollen sich die Mechanismen auf dem Heiratsmarkt besonders nachhaltig auf dem unteren Ende der Einkommensschichten auswirken. Die Zahl der Männer, die arbeitslos sind oder weniger verdienen, auch weniger als die Frauen, steigt, während ihre Attraktivität für die Frauen sinkt. Dazu kann ein Anstieg im Drogen- und Alkoholkonsum, der Kriminalität und auch der Mortalität kommen.

Die Autoren gehen in der Studie vor allem den Auswirkungen einer erhöhten Einführung von chinesischen Waren auf dem US-Arbeitsmarkt nach.

Genau wie die oben erwähnte Studie von Pierce und Schott, nur dass hier noch der Heiratsmarkt dazukommt.

Steigt jedoch die Arbeitslosenquote bei den jungen Frauen mit geringer Qualifizierung relativ an, erhöht sich Heiratsbereitschaft.

Nichts Neues: Frauen haben im Notfall die Möglichkeit, in eine Partnerschaft „zu fliehen“ und aus dem Arbeitsmarkt auszusteigen. (Ja, nicht jede und unter allen Umständen, aber tendenziell.)

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler würde ein „Schock“ von einem Punkt Anstieg chinesischer Importe auf hauptsächlich männliche Beschäftigung zwischen 1990 und 2007 den Anteil der 18-25-jährigen Frauen, die keine Heirat eingehen, um 3,9 Prozentpunkte ansteigen lassen, während ein solcher „Schock“ auf überwiegend weibliche Beschäftigung den Anteil der jungen Frauen, die niemals verheiratet waren, um 3,1 Prozentpunkte senkt.

Mit anderen Worten: Sich alleine auf die Frauen und ihre Unabhängigkeit zu konzentrieren wäre das falscheste, was man machen könnte! Geht es nämlich den Männern schlecht, gibt es mehr Armut für alle, auch bei den Kindern. Wie Lucas Schoppe gerne ausführt: Die meisten Menschen haben überhaupt kein Interesse an einen Geschlechterkrieg, weil sie viel zu sehr auf Kooperation angewiesen und daher an ihr interessiert sind. Es kann daher auch nicht sinnvoll sein, Interessen von Männern und Frauen in Konkurrenz zueinander zu sehen, ohne den Gesamtzusammenhang zu betrachten. Hier würde sich tatsächlich ergeben: Im Zweifelsfall auf den Mann achten – eine sehr unangenehme, unkorrekte Botschaft.

Sollten die Analysen für die „Handelsschocks“ auf den Arbeits- und Heiratsmärkten für die Regionen, in denen das verarbeitende Gewerbe wegbricht, das Mitte des 20. Jahrhunderts den Wohlstand breiter Schichten garantiert hat, aber seit Jahrzehnten schrumpft, zutreffen, dann dürfte auch die kommende Automatisierungswelle ähnliche Folgen haben. Dann wären aber nicht nur die Arbeitsplätze von Arbeitern betroffen, sondern auch die von Höherqualifizierten und Akademikern, was nach der Studie den Heirats- und Partnermarkt noch maßgeblicher beeinflusst.

Und da können wir direkt den nächsten Bekannten erwähnen: Schließlich hat der Stadtmensch als Dauerthema, dass aufgrund der zunehmenden Automatisierung immer mehr Stellen wegfallen – und dass die Politik keinerlei Lösungsansätze anbietet, geschweige denn das Problem erst einmal anspricht, falls sie es überhaupt erkannt hat. Stattdessen werden wir mit irgendwelche sinnlosen Symbolkampagnen und -gesetzen beschäftigt.
So lassen sich in einem großen Bogen eine Palette von Themen miteinander verknüpfen: Wirtschaftslage, Gesundheit von Männern, Heiratsmarkt, Geschlechterunterschiede, Armut in der Gesellschaft.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Schien mir ganz angemessen für den heutigen Tag…

Jan Garbarek and The Hilliard Ensemble: Parce Mihi Domine

Fundstück: Lucas Schoppe und „sich nicht entwickeln bringt Nachteile“

In den Kommentaren brachte Lucas Schoppe einen interessanten Gedankengang auf. Ausgangspunkt war die Idealisierung der Frau, welche sich auch in Filmen niederschlägt.

Ich hatte früher bereits auf das Problem makelloser Frauenfiguren hingewiesen: Wenn weibliche Charaktere immer „stark“ und „ohne Fehler oder Schwächen“ sein müssen, sind sie langweilig. Lucas Schoppe sieht es ähnlich, kommt dann aber noch auf einen ganz neuen Aspekt zu sprechen:

Die Idealisierung der Frau – als Unschuld, als Lehrerin des zu humanisierenden Mannes, als menschlich vollkommenes Wesen – wird also durch Statik, Entwicklungslosigkeit und Unlebendigkeit der Figur erkauft.
(…)
Dieses verbissene Vorführen von Frauenfiguren, die immer schon perfekt sind und die daher keine Entwicklung nötig haben, ist eben nicht nur aus einer männlichen Perspektive herabwürdigend (der Mann als der ständig zu Erziehende…). Auch für Frauen, die das ernst nehmen, ist es schlicht bescheuert: Wer in einer hochentwickelten komplexen Massengesellschaft einen halbwegs vernünftigen Platz haben möchte, ist ja auch selbst notwendig auf langfristige, komplexe Entwicklungen angewiesen, beruflich wie persönlich. Wer sich einredet, er sei immer schon vollkommen, so wie er ist – der steuert zielsicher auf eine Position zu, in der er (oder eben: sie) sich durch andere versorgen lassen muss. Sei es durch einen Partner oder den Sozialstaat.

Das ist ein Gedanke, den ich so noch nicht gelesen habe. Und natürlich leuchtet das ein: Wenn ich niemals lerne, auf andere zuzugehen oder mich auf eine neue Sache einzulassen, weil ich der Meinung bin, ich habe das nicht nötig, dann werde ich unweigerlich irgendwann an die Grenzen meiner Möglichkeiten stoßen. Und diese Grenzen sind enger als die anderer Leute, die so etwas gelernt haben, um in der westlichen Gesellschaft über die Runden zu kommen. Ich werde also im Schnitt erfolgloser sein als andere. Sich nicht entwickeln bringt Nachteile.

Das spannende ist, dass man das ja nicht auf die Idealisierung der Frau beschränken muss. „Wir sind schon gut, wir brauchen nichts zu tun“ findet man bei zahlreichen Ideologien. Insbesondere der Glaube, ohne weitere Leistung besser als die anderen zu sein (vgl. Nationalismus und Rassismus) kann mit Marktwirtschaft und relativ freien Reisemöglichkeiten nur zu Enttäuschung führen.

Doch wie kann man scheitern, wenn man doch von Beginn an perfekt war? Da muss jemand seine Finger im Spiel haben… und damit hat man die Basis für eine Verschwörungstheorie, nach der sich „die anderen“ gegen einen verbündet haben. Anstatt also den Fehler zu bemerken, kann sich gegen unangenehme Wahrheiten aus der realen Welt abschotten.

Faszinierend finde ich, dass man z.B. Frauen keinen Gefallen damit tut, sie so zu idealisieren. Wie Schoppe schon schrieb: Wenn man in der westlichen Welt glücklich werden will, führt kein Weg daran vorbei, die eigene Entwicklung als Person voranzutreiben.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Schoppe erwähnte den Film Ghostbusters als Beispiel für die Entwicklung der Charaktere.

Ray Parker Jr.: Ghostbusters

Wo ich heute über die Weiterentwicklung schrieb: In den letzten Monaten fiel es mir – auch aufgrund der gestiegenen Artikelfrequenz – schwer, immer ein Lied zu finden. Mindestens einem Leser gefällt die Musik auch nicht. Deswegen denke ich darüber nach, diese Marotte einzumotten. Doch vorher sei es noch einmal ausdrücklich gefragt:

Fundstück: keppla über den unterschiedlichen Deal bei Männer- und Frauengruppen

Bei Alles Evolution wurde ein Interview mit vier jungen Männern diskutiert. Dabei stellt keppla folgende These auf:

Etwas überspritzt [sic!] scheint mir der „Deal“ bei Männergruppen zu sein „Solange du nützlich bist, kannst du sein was du willst“ und der von Frauengruppen „Solange du bist wie wir musst du nicht nützlich sein“.

Ganz interessant als Gedankenspiel. Auch wenn ich Aussagen von der Allgemeinheit „alle Männer“ / „alle Frauen“ für zu weit gefasst halte (denn soviel haben alle Angehörigen eines Geschlechtes nicht gemeinsam), kann man es zumindest für einen Teil in Betracht ziehen.

Tatsächlich sind Männer einer Verwertungslogik unterworfen: Schon Jungen lernen, dass sie nützlich sein müssen (und ordentlich verdienen).

Bei Frauen wird ein sogenannter Krabbenkorbeffekt mindestens diskutiert: Niemand soll aus der Reihe tanzen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Google spuckte mir dieses Video als ersten Treffen zur Suche „boys and girls“ aus – hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm.

will.i.am: Boys & Girls ft. Pia Mia

Warum ich einmal grundsätzlich zum „gender empathy gap“ schreibe

Der Begriff „gender empathy gap“ wird taucht immer wieder in der Geschlechterdebatte auf. Aber was steckt genau dahinter?

Ich wollte schon lange einen Grundsatzartikel dazu schreiben, konnte mich aber nie entscheiden, wie herum ich die Argumentation aufziehen wollte. War das „gender empathy gap“ Ursache oder Wirkung, Annahme oder Folgerung? Schließlich wollte ich einen Zirkelschluss vermeiden. Dann las ich, was der Doktorant zu Induktion und Deduktion geschrieben hat, und ich hatte endlich eine Idee. Mal sehen, ob ich sie Sache halbwegs anständig über die Bühne bringe oder mich übernehme.

Meine Definition

Das „gender empathy gap“ – also die Empathielücke zwischen den Geschlechtern – bezeichnet das Phänomen, dass unter denselben Umständen die Angehörige eines Geschlechtes mehr Mitgefühl bekommen als die des anderen. Allgemein gilt dies im Durchschnitt, das heißt, auch wenn allgemein einem Geschlecht weniger Empathie entgegengebracht wird, kann es Fälle geben, in denen das andere weniger abbekommt.

So weit, so gut. Diese Definition sagt so noch nichts darüber aus
– ob dies tatsächlich allgemein so gilt
– welchem Geschlecht gegenüber weniger Empathie gilt
– was die Ursache hierfür ist

Diese Definition ist ferner dafür offen, dass es andere Kriterien für Empathie gibt, die stärker wirken als dieser Unterschied bei ansonsten gleichen Voraussetzungen.

Beispiele für Männer

Männerrechtler / Maskulisten führen an, dass Männern im allgemeinen weniger Mitgefühl entgegengebracht wird. Das fängt an mit Formulierungen in den Nachrichten wie „unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder“, nach denen es offenbar weniger schrecklich ist, wenn Männer die Opfer sind.

Fefe hatte die Frage nach der Empathie einmal in größerem Zusammenhang gestellt, was ich an anderer Stelle bereits zitiert hatte:

Habe vorhin kurz bei zwei Biologen und einer Psychologin nachgehakt:

Im Wesentlichen triggert

  1. der Tod eines Kindes am stärksten,
  2. dann der einer attraktiven Frau im gebärfähigen Alter,
  3. dann folgt der Tod eines „schwachen“ Menschen (alt, körperlich eingeschränkt, geistig eingeschränkt und, tatsächlich, „alle anderen Frauen“ -> also Frau tatsächlich auf derselben Empörungsstufe wie ein „behinderter“ Mensch!)
  4. und dann erst folgen Männer.

Männer im wehrfähigen Alter erhalten das geringste Mitgefühl, wenn ihnen etwas wie „Tod durch Erschießen“ widerfährt.

Die Einsender bei Fefe hatten zum Großteil Evolutionsbiologie als Ursache angegeben. Sowohl die Verfeinerung der Empathierangfolge als auch die Erklärung erscheinen mir schlüssig.

Das Schöne an dem biologischen Hintergrund ist ja: Es ist verständlich, ohne dass es bedeutet, dass es so bleiben soll. Insbesondere in einem westlichen Industriestaat ist nicht einzusehen, warum gegen diese biologischen Grundlagen, die früher einmal sinnvoll waren, nicht jetzt gegengesteuert werden sollte (wenn sich auch, da bin ich realistisch, die Biologie nie verleugnen oder negieren läßt). Insbesondere die kulturelle Ausformung ist ja gerade nicht durch die Biologie vorbestimmt, selbst wenn die Biologie einen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen man sich bewegen kann.

Dies ist kein „reines Männeranliegen“, wie Genderama an einem interessanten Fall belegte. Hintergrund war eine steigende Zahl von Übergriffen gegen Frauen bei der Polizei. Nach wie vor sind allerdings zu 82,5% Männer betroffen, sogar 87,5% bei Totschlag. Ein Leser kommentierte: Bei der französischen Polizei seien Frauen anstrengend, weil sich im Konfliktfall die Männer automatisch vor sie stellten. Man kenne von der israelischen Armee, dass Soldaten ihren Auftrag vergäßen, um eine Soldatin zu retten. Die Veränderung in Deutschland sei also ein Zeichen von Gleichberechtigung. Die Reaktion darauf war allerdings, dass der Chef der Gewerkschaft der Polizei NRW eine Begrenzung des Frauenanteils forderte. Arne Hoffmann urteilte:

Die Tendenz, das Leiden von Männern leichter als das Leiden von Frauen zu gewichten, droht hier ausnahmsweise auch einmal die Gleichberechtigung von Frauen zu torpedieren.

Zur Kultur, genauer zur Popkultur, äußerte sich Blogger uepsilonniks in einem Kommentar bei „Alles Evolution“:

Man schaue sich mal an, wer als Vertreter seines Geschlechts etwa in Action-Filmen Gewalt erfährt und reihenweise getötet wird, ohne dass es den Filmspaß trübt. Wären es Frauen die vom Helden abgeschlachtet würden, der Film würde keinen Spaß machen (genauso wie bei Kindern). Auch das zeigt: Wir verurteilen Gewalt gegen Frauen stärker, leiden mit, können das nicht auf die leichte Schulter nehmen sind also anders als bei Männern dem gegenüber sensibilisiert.

Folgen zur kritischen Beobachtung

Was sind die erwartbaren Folgen eines solchen Empathieunterschiedes gegenüber Männern allgemein bzw. Männern im wehrfähigen Alter?

Nummer eins wäre für mich, dass man sich weniger um diese allgemeine und noch weniger um deren spezielle Untergruppe kümmert. Stattdessen werden sie sich selbst überlassen.

Einen institutionellen Hinweis in diese Richtung haben wir schon: Das BMFSFJ kümmert sich um alle außer Männer zwischen 18 und Rentenalter.

Nummer zwei: Probleme aller Art, von denen sie ausschließlich oder in stärkerem Maße als andere betroffen sind, bekommen weniger Aufmerksamkeit.

Wie ich im oben bereits erwähnten Artikel, in dem ich einen Beitrag von Fefe zitierte, schrieb:

Die geringere Empathie bei Männern wird sich bei der Behebung von Problemen, von denen Männer häufiger betroffen sind (Selbstmord, Obdachlosigkeit, Trennung von Kindern) erschwerend auswirken.

Nummer drei: Wird dann doch einmal spezielle Aufmerksamkeit für diese Gruppen gefordert, dann erwarte ich einen Abwehrreflex, gerne getragen von dem Gefühl, dass man das Mitleid „an die falschen Leute verschwendet, die es am wenigsten brauchen“.

Hier kann dann als „Begründung“ eine Argumentation mit Durchschnitten kommen, etwa welche Gruppe insgesamt im Schnitt reich ist, Macht hat usw., ohne zu berücksichtigen, dass die Mitglieder einer demographisch definierten Gruppe keineswegs untereinander zusammenhalten und alle anderen ausklammern und dass ein Durchschnitt nichts bedeutet, wenn man die Varianz, Standardabweichung, kurz: Verteilung innerhalb der Gruppe zu kennen.

Was die Probleme, die außerhalb der Aufmerksamkeit liegen, angeht, so drückt es Martin Daubney so aus (gefunden via Genderama):

Man muss beweisen, dass Männer und Jungen leiden, weil es die meisten Leute einfach nicht glauben.

Hilfsangebote speziell für Männer und Jungen erleben eine Abwehr. Das führt dann zum Beispiel zu Sachbeschädigung.

Wie kommt man die Probleme derzeit aus dem toten Winkel? Wie es Matze sinngemäß beschrieb: Probleme, die Männer haben, werden erst dann relevant, wenn Frauen durch sie Nachteile erleiden.

Was tun?

Wenn der gender empathy gap tatsächlich vor allem Männer trifft, dann ergeben sich darauf einige interessante Konsequenzen, wenn man Schieflagen mehr Aufmerksamkeit verschaffen möchte, von denen Männer besonders betroffen sind:

Weil Männer weniger Mitleid bekommen…

  1. …ist es wichtig, auf die Verzahnung des Wohlergehens von Männern mit dem von Frauen und Kindern hinzuweisen, also gerade das Gegenteils des „Geschlechterkrieges“ zu präsentieren. Lucas Schoppe hat diesen Aspekt so oft erwähnt, dass ich aufgehört habe, zu zählen.
  2. …ist das Etablieren und Einhalten allgemeiner, universaler Rechte dienlicher als eine spezielle Aufmerksamkeit oder Förderung. Kurioserweise ist letzteres eine Standardforderung von Lügnern und Manipulatoren (SJW) sowie Gender-Feministinnen, während sich auf ersteres einige Gegner dieser Gruppen berufen.
  3. …lohnt es sich, beim Interesse wecken für ein Problem gerade keinen besonderen Wert auf das Geschlecht der Betroffenen zu legen oder weibliche Betroffene ins Rampenlicht zu rücken. Das passt frappierend mit der Beobachtung zusammen, dass sobald über eine Betroffenengruppe berichtet wird, die überwiegend männlich ist, entweder das Geschlecht nicht erwähnt wird oder besonderer Fokus auf der weiblichen Minderheit liegt.

Das alles gilt allerdings nur vor dem Hintergrund, dass man diesen „gender empathy gap“ als „gegeben“ hinnimmt und nicht gegen ihn angeht. Angesichts der Lage der Dinge halte ich es allerdings für utopisch, dass das zuerst geschieht.

Die argumentative Redlichkeit gebietet es außerdem, stets zu messen, ob es Beispiele gibt, die den oben genannten Ausführungen widersprechen. Es darf ja nicht in die Richtung gehen „wir nehmen den gender empathy gap als gegeben hin und stellen ihn nicht mehr in Frage“. Es muss stets eine Offenheit geben in die Richtung „Was würden wir denn erwarten, wenn es sich so verhält? Was beobachten wir in der Realität? Was entspricht unseren Erwartungen, was verhält sich anders?“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dass es tatsächlich einmal eine Band mit diesem Namen gegeben hat…

The Gap Band: Early In The Morning