Fundstück: Die neue Gegenkultur

Sargon of Akkad kommt in seinem Jahresrückblick 2015 („This Year in Stupid“) im letzten Teil (ab 01:05:22) überraschend auf etwas Positives zu sprechen: Die neue Gegenkultur.

Die Grundthese, in meinen eigenen Worten wiedergegeben: Identitätspolitik („identity politics“) ist Mainstream. Was sich dagegen stellt, ist die neue Gegenkultur.

Eine Generation ist herangewachsen, die Gleichberechtigung kennt und deswegen nicht den Aktivismus dazu versteht – so, als ob es noch große Gefechte dazu in der westlichen Gesellschaft zu schlagen gäbe. Eine Gruppe Lügner und Manipulatoren (SJW) erklärt jedoch jeden, der nicht die Ansicht teilt, es sei alles ganz schlimm, zu den Bösen.

Weiße junge Männer, „priviligiert“ durch mehrfach höhere Selbstmordrate, in der Schule abgehängt sein usw. sind inzwischen der Buhmann. Sie hätten angeblich die Macht und an allem Schuld. Deswegen ist es logisch, dass sie die erste Zielgruppe für eine solche Gegenkultur bilden.

Dazu kommen alle anderen, die nicht ständig auf „Rasse“, „Geschlecht“ usw. fokussiert sein wollen, sondern auf das individuelle Verhalten der Personen. Im Grunde eine klassisch liberale Gesinnung – nicht wer jemand ist zählt, sondern was er macht.

Die normale Popkultur von heute ist nicht „böse“ und muss auch nicht bereinigt werden. Genau das wird aber nach wie vor in den Massenmedien gepredigt – und wer das nicht so sieht, ist so schrecklich wie das, was er konsumiert. GamerGate war erst der Anfang zu der neuen Gegenkultur.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich hatte zuletzt gebloggt über neue Tiefststände dafür, was rassistisch bzw. als Vergewaltigung gilt. Inzwischen gibt es wirklich haarsträubende Sammlung darüber, was sexistisch sein soll. Diesen Wahnsinn kann man kaum noch in Worte fassen – angenehmerweise wurde er inzwischen vertont. Was könnte als besseres Beispiel für die neue Gegenkultur dienen als dieses Lied?

Chris Ray Gun: Everything is Sexist

Kurznachrichten vom 29.01.2016

1: Heute nur kurz der Hinweis auf drei Artikel, die miteinander in Zusammenhang stehen, und sich wieder um den Komplex Flüchtlinge, Köln und die Folgen sowie die dadurch ausgelösten Veränderungen in der Gesellschaft beschäftigen. Der Blogger Don Alphonso geht das bei der FAZ sehr ruhig und leise an, indem er über ein persönliches Erlebnis spricht, wie sich für ihn Deutschland durch die vielen Einwanderer und speziell junge Männer mit Macho-Gehabe verändert. Dann aber zieht er Fazit:

Das Deutschland, aus dem ich stamme, das Land, das die hauseigenen Rassisten der Linken so sehr hassen, war ein gutes Land, und bewohnt von Türaufhaltern, Rücksichtsnehmern – sofern sie nicht gerade im Auto sassen – Schlankmachern und Vortrittlassern. Es war ein Land, das so phantastisch funktionierte, weil sehr viele nicht das in Anspruch nahmen, was möglich war, sondern nur das, was sie wirklich brauchten. Nur deshalb konnte es sich eine generöse Wohlfahrt leisten. Es war ein Land von guten Umgangsformen, und obendrein auf allen staatlichen Ebenen dem Gemeinsinn verpflichtet, wie mein italienisches Ich immer wieder zähneknirschend beim Blick auf italienische Verhältnisse zugeben musste. Es war ein Land, dem man gut sein Dasein anvertrauen konnte, tolerant, weltoffen, hilfreich und idealistisch. Es war ein Land der Spendenschecks und der egalitären Biergartensitzer. Es war ein Land, dessen Banken jeder bedenkenlos in der Nacht besuchen konnte. Dieses Land verschwindet mit jeder Massenschlägerei, mit jedem sexuellen Übergriff und jeder helfenden Verharmlosung mit Hilfe der Familienministerin, jeder Jagd auf Journalisten, jedem Brandsatz an Unterkünften und Autos, bei jedem Schuss auf Plakatekleber und jedem Messerstich, und mit jeder Frau, die stehen bleibt und schnell in eine andere Richtung geht. Man sagt mir, diese Migrationskrise sei wie eine Kneipe, in der achtzig Menschen sind, und dann kommen halt noch ein, zwei Leute dazu. Leider ist diese Migrationskrise auch vier breitbeinige, laute, dreiste Herren im Eingang meiner Bank.

Selbst wenn ich auf dem Dorf wohne, und mir daher bisher sehr wenige neue Flüchtlinge über den Weg gelaufen sind, bemerke ich auch einige unschöne Veränderungen. In meinem Lieblingssupermarkt steht seit neuestem den ganzen Tag ein Security-Mann am Eingang. Mir kann keiner erzählen, das würden nicht alle Kunden über die Preise mitbezahlen. Früher konnte ich bei meinem Zuhause auch nachts einfach auf den Hof fahren oder ihn verlassen. Da geht jetzt nicht mehr. Meine Vermieterin hat wegen der einsamen Lage und vermehrter Einbrüche im Dorf ein neues Hoftor anbringen lassen, das man nachts aufschließen und nach dem Durchfahren wieder schließen muss. Mit den kleinen Dingen fängt es an, dass die Lebensqualität dahinschwindet.

2: Bei Roland Tichy und der Emma schießt Anabel Schunke gegen die Netzfeministinnen. Der Artikel beginnt so:

Anabel Schunke will sich nicht von Männern vor anderen Männern beschützen lassen. Sie will sich alleine und frei in Deutschland bewegen können. Das Model […] findet, die „jungen Feministinnen“ haben sich ad absurdum geführt.

Tag 26 nach den Geschehnissen der Silvesternacht. Tag 22 seitdem die großen Leitmedien erstmals darüber berichteten. Exakt seit diesem Zeitpunkt häufen sich die Meldungen über Asylbewerber, die sich offenbar auch ohne Alkohol und an anderen Tagen als Silvester nicht benehmen können. Dies lässt nur zwei mögliche Schlussfolgerungen zu: Entweder es gibt diese Vorfälle von sexueller Belästigung wirklich erst seit Silvester oder die hiesige Presselandschaft hat vorher schlicht und ergreifend nicht darüber berichtet.

Sehr wahrscheinlich trifft Letztgenanntes zu, sodass wir uns wohl oder übel an den Gedanken gewöhnen müssen, dass man uns bewusst Informationen vorenthalten hat und dass diese Dinge nicht erst seit Köln passieren, dass sie, wenn auch nicht in der Intensität wie jetzt, vielerorts schon seit Jahren vorkommen. Und dennoch ist man fast gewillt, der ganzen Sache etwas Positives abzugewinnen. „Endlich wird darüber berichtet!“ hört man sich in Gedanken sagen. Oder: „Jetzt ändert sich etwas.“

Und über die jungen Feministinnen:

Weil man unter den vermeintlichen Feministinnen eine Pauschalisierung in Richtung Flüchtlinge aus islamisch geprägten Regionen fürchtete, pauschalisierte man kurzerhand selbst und subsumierte alles direkt unter dem Begriff „Männergewalt“. Die #ausnahmslos-Kampagne – ein von Öffentlich-Rechtlichen, also vom gebührenfinanzierten Fernsehen – breit gestütztes Unterfangen, das sogleich dankbar von grünen und linken Spitzenpolitikerinnen übernommen wurde. Puh – da hat man den Crash der eigenen Weltansichten gerade noch einmal abwenden können. Aber was will man auch von einem Land erwarten, in dem die in Kleidersack und Kopftuch gehüllte Kübra Gümüsay als Feministin bezeichnet wird.

Und über die Verquertheit und die Folgen von Politischer Korrektheit:

Unmensch ist in Deutschland nämlich immer noch nicht der, der Frauen kollektiv sexuell belästigt und vergewaltigt, sondern wer ausspricht, dass diese Menschen ihr Gastrecht mit solchen Taten verwirken. Unmensch ist, wer von seinem Hausrecht Gebrauch macht und Personengruppen ausschließt, weil immer mehr Übergriffe seine Existenz gefährden, nicht der, der seine Landsleute und andere diesem Kollektivverdacht aussetzt. Unmensch ist letztlich der, der kulturelle Hintergründe solcher Taten benennt und nicht der, der aufgrund seiner Kultur Frauen als ehrloses Freiwild ansieht.

3: In der Printausgabe der Zeit erschien gestern ein (leider noch nicht online verfügbarer) komplett lesenswerter Artikel mit dem Titel „O Mann!“, in dem sich der Autor Adam Soboczynski die Frage stellt:

Warum haben sich die deutschen Männer in der Silvesternacht von Köln nicht für ihre Frauen geprügelt? Hat der Beschützertyp ausgedient?

und beantwortet diese Frage wie folgt:

Es gibt den Beschützer in Deutschland nicht mehr. Natürlich nicht. Der Beschützer ist aus weiblicher Sicht doch eine lächerliche Figur.

Und ein paar weitere Zitate:

Ob es etwa zum Sieg des Feminismus gehöre, dass die Frau für alles zuständig sei, auch für die Abwehr von Vergewaltigern? […]

Der Patriarch war aber, zumindest als Ideal, kein Tyrann, sondern der Beschützer seiner Frau und seiner Kinder. Er zog mit größter Selbstverständlichkeit in den Krieg, schlug dem geilen Nachbarn eine aufs Maul, wenn er sich an der Gattin vergriff (in besseren Kreisen wurde sich gut angezogen duelliert), und es war immer klar, dass er bei diesen Tätigkeiten sein Leben aufs Spiel setzte. Auch der Mann im Patriarchat hatte es nicht leicht! Die Todesbereitschaft war der Preis für seine privilegierte Stellung. […]

Der Junge, der auf dem Schulhof einen Rivalen verdrischt, ist eher ein Fall für die Psychologin und für eine gute Dosis Ritalin, als dass ihn Papi für seine Selbstbehauptung loben würde – was, ich muss es gestehen, in meiner Generation, Jahrgang 1975, noch ein absolut erwünschtes väterliches Verhalten war. […]

Man darf vom deutschen Mann nicht erwarten, dass er seine Frau beschützt. Das entspricht nicht seiner zeitgemäßen Rolle, und ein solcher Anspruch wäre letztlich auch ein Affront gegen die Gleichberechtigung. […] Frauen, die gerne beides hätten, den durchgegenderten Mann und den Beschützer, denen muss man leider sagen: Beides geht nicht!

Kurznachrichten vom 26.01.2016

1: Ausgerechnet die „Emma“ startet einen Frontalangriff auf den Netzfeminismus und lässt das sicherheitshalber einen Mann machen.

Die unerträgliche Relativierung der frauenverachtenden Einstellungen bestimmter Männergruppen vor allem durch die weißen, linken Feministinnen und ihre Unterstützer ist ein Schlag ins Gesicht aller unterdrückten Frauen und die Frauenbewegungen in den islamischen Ländern! Welch ein anmaßendes und kolonialistisches, übergriffiges Denken ist es, dass ihr Denk- und Sprechverbote zu den teilweise zutiefst faschistischen Verhältnissen in diesen Ländern aussprecht?! […]

Indem ihr linken, weißen Feministinnen die gesellschaftlichen Verhältnisse in islamischen Gesellschaften nicht infrage stellen lassen wollt, leugnet ihr, was an Menschen- und Frauenrechten in diesen Ländern im Entstehen ist. Seid Ihr Euch eigentlich im Klaren darüber, mit wem Ihr Euch verbündet? Mit den dort und auch hier unterdrückten Frauen jedenfalls nicht! […]

Unsere und eure Verbündeten sollten die vielen Millionen aufgeklärter Musliminnen und Muslime sein, die tagtäglich für freie, demokratische muslimische Gesellschaft kämpfen und die dafür vielfach mit ihrem Leben bezahlen. Indem ihr mit euren ewigen und unerträglichen Relativierungen ständig dem faschistischen, politischen Islamismus den Rücken stärkt, fallt ihr all denen und vor allen anderen den Frauen in den Rücken!

Ist euch das in eurer postkolonialen Überheblichkeit überhaupt bewusst? Offenbar nicht. Denn eure moralische Eitelkeit und überhebliche Arroganz ist stärker als eure Empathie mit den Opfern des Islamismus! […]

Fragt euch doch mal: Wie viele islamisch geprägte Länder gibt es, deren politische und gesellschaftlichen Verhältnisse sich an Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Aufklärung, Religionsfreiheit orientieren? Kennt ihr nur ein einziges Beispiel? Ich nicht.

Zu Gänze lesenswert. Dass ich das nochmal erleben darf, dass ich einem Beitrag in der Emma uneingeschränkt zustimmen kann.

2: Im Feuilleton der FAZ erschien ein Beitrag, der darauf hinweist, dass die Sexualmoral im Islam in früheren Jahrhunderten bei weitem nicht so rigide war wie es heute den Eindruck macht.

3: Anne Wizorek hat mal wieder ein Fernsehinterview geben dürfen, diesmal der Deutschen Welle. Das Interview selbst ist nicht besonders interessant, weil Wizorek eben dasselbe sagt wie immer. Interessanter ist die Bewertung des Videos bei YouTube. Auf dem offiziellen Kanal der Deutschen Welle sah das heute um ca. Mitternacht so aus:

dw_interview1

Jemand anders hat das Interview auch hoch geladen, da sah die Bewertung so aus (Videos über Klick auf das Bild verlinkt):

dw_interview2

Das sind natürlich keine großen Nutzerzahlen, aber die Tendenz ist doch eindeutig. Scheint so, dass die Netzfemis sich mit ihrer Kampagne #ausnahmslos vergallopiert haben und die Leute für solche Relativierung kein Verständnis haben.

Kurznachrichten vom 25.01.2016

1: Der neueste feministische Shitstorm ergießt sich im Moment in Großbritannien über die Oxford Dictionaries, die sich erdreistet haben, als Beispiel für die Verwendung des Wortes „rabid“ ausgerechnet „rabid feminist“ zu verwenden. „rabid“ bedeutet laut leo.org in etwa wild, fanatisch oder tollwütig. Vielleicht war der Grund für den Shitstorm ja auch, dass Oxford Dictionaries auf die Beschwerde zuerst in etwa so verständnisvoll reagierte wie seinerzeit TrueFruits.

https://twitter.com/OmanReagan/status/690020733351784448

Der Vorgang wird auf der feministisch angehauchten Plattform Gadgette mit zwei Artikeln kommentiert und auch zum Anlass genommen, nach weiteren Beispielen von Sexismus in Wörterbüchern zu fahnden.

Wie war nochmal diese beliebte feministische Argumentationsfigur? Die Tatsache, dass es soviel Widerstand gegen eine Aussage gibt, beweist nur deren Richtigkeit?

2: Auch wenn Nicht-Feminist und Genderama schon darüber berichtet haben, muss ich dennoch auch auf den Bericht des Schweizer Bloggers Karl Müller hinweisen, der sich auf eine Gender-Tagung in Basel eingeschlichen hat, wo man offensichtlich glaubte, man wäre unter sich. Dementsprechend wenig nahm man ein Blatt vor den Mund:

Die Professorin zeigte sich aber als Verfechterin gesetzlichen Zwangs. Sie baute ihr Argumentationsmodell anhand der Massnahmen auf, wie denn die feministische Gleichstellung erreicht werden könne. Beispielsweise war nicht nur bei ihr die Rede von Policy, von Steuerungsregime bis hin zu Geschlechterregime. Der Begriff Regime wurde beinahe inflationär verwendet. Konkret meinte sie damit, dass freiwillige Massnahmen für Privatfirmen zur Frauenförderung wichtig seien, noch wichtiger seien aber soft laws und hard laws. Soft Laws sind Gesetze, die aber nicht direkt sanktionierbar seien. Hard Laws sind Gesetze, die harte Sanktionen zur Folge haben. Offensichtlich war sie begeisterte Anhängerin der Hard Laws, was sich am Beispiel Frankreich zeigte. Dort drohten Gefängnisstrafen für Unternehmer/Verantwortliche, die die Geschlechtervorgaben nicht erreichten (Begeisterungsstürme im Saal…).

Fazit des Bloggers:

Die Vehemenz des Zwangs, die nach wie vor unglaubliche Einseitigkeit verbunden mit Männerfeindlichkeit respektive der Feindlichtkeit gegenüber dem Männlichen, sowie die geplante Instrumentalisierung der Männer zum Zweck des feministischen Gender Equality Umerziehungsprogramms, machen mir Sorgen. Nicht weil die Argumente derart gut wären, das sind sie definitiv nicht, sondern weil diese totalitäre Ideologie heute an den Schaltstellen der Macht sitzt. Bei der UNO, Europarat sowie den meisten Regierungen. Der expansive Charakter verstärkt diese Befürchtungen, da diese Szene international perfekt vernetzt ist und diese Bestrebungen noch weiter intensivieren will. […] Auch wurden Prämissen vorgetragen, die als grundsätzliche Dogmatik dieser Szene unfehlbar zu sein scheinen. Es gibt keine Motivation, andersartige Muster und Modelle über die eigene Dogmatik hinausgehend und ergebnisoffen zu untersuchen. Im Gegenteil wird der Deckel des Schweigens darüber gelegt und Kritiker sollen offensichtlich mittels „Shaming and Blaming“ zerstört werden. Der nächste Schritt des geforderten Hard Laws, soll auch die letzten Kritiker international endgültig zum Schweigen bringen. Mit Staatsgewalt. Denn das moralische und das juristische Recht ist auf ihrer Seite.

Wer noch glaubt, Gender hätte nur irgendwie was mit Gleichberechtigung zu tun, kann angesichts dessen nur als gnadenlos naiv bezeichnet werden. Oder verlogen. Gender ist nicht mehr und nicht weniger als ein Programm, weibliches (und homosexuelles) Verhalten als das Normale zu propagieren, und männliches Verhalten per se als das Abweichende und als schädlich zu diffamieren.

3: „jung, männlich, südländisch“ [ist] für viele zu allererst ein Täterprofil, sagt der Spiegel und stellt dar, wie der Generalverdacht auf junge Migranten fällt, natürlich auch auf diejenigen, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen.

Gerade südländisch wirkenden Migranten macht die veränderte Stimmung auf der Straße Sorge, sie fühlen sich für die Übergriffe am Bahnhof in Sippenhaftung genommen. „Ich will hier nur arbeiten“, sagt Sarghini, 36, aus Marokko. „Wenn einer Probleme macht, wenn er keinen Respekt hat und das Gesetz bricht, dann muss man ihn eben zurückschicken!“ Man hört das oft von Flüchtlingen, die meisten sehen das so.

Am Genfer Flughafen hat man ja auch schon männliche Muslime ohne Begründung „aus Sicherheitsgründen“ entlassen.

Ließ sich wohl nicht verhindern, dass es kippt in Richtung Generalverdacht. Oder vielleicht doch? Die Fehler sind allerdings schon vor langer Zeit begangen worden, und zwar, indem zu lange eine bestimmte Bevölkerungsgruppe per se als moralisch höherwertig und sakrosant betrachtet wird. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass genau in den Gruppen, die von der Gesellschaft als besonders gut, edel, moralisch höherwertig und unantastbar angesehen werden, das Unrechtsbewusstsein im Lauf der Zeit schwindet, während die Neigung zu Missbrauch des Status und zu Verbrechen steigt. Man kann sich da sehr lange sicher sein, denn der besondere Vertrauensbonus verleitet die Gesellschaft dazu wegzuschauen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Aber irgendwann, wenn es zuviel wird, und man nicht mehr wegschauen kann, kippt die Stimmung, und nur allzugerne werden diejenigen, die bisher auf jedes Wohlwollen hoffen konnten, plötzlich in Bausch und Bogen verdammt.

Beste Beispiele dafür sind die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, aber auch alternativen Pädagogikanstalten wie der Odenwaldschule, das jahrelange Wegschauen der Behörden in Rotherham, die Verbrechen der kommunistischen Nomenklatura. Von den Nazis und Faschisten aller Couleur will ich erst gar nicht anfangen. Und wie oft gab es in den vergangenen Jahren schon Berichte, dass sich junge Migranten über Polizei und Justiz bei uns lustig machen, weil ihnen außer vielleicht mal ein paar Sozialstunden nichts passiert? Warum wundert sich eigentlich irgendwer, dass in einem solchen Klima der Übermut gedeiht?

So, und jetzt überlegen wir mal scharf, welche Bevölkerungsgruppe noch außer den Migranten seit Jahrzehnten als die moralisch überlegene und unantastbare in unserer Gesellschaft gilt und die sich deswegen Dinge herausnehmen darf, die der entsprechenden Komplementärgruppe nicht erlaubt sind… Kleiner Tipp: Wir sind quasi wieder zurück bei Punkt zwei dieses Artikels angelangt.

Kurznachrichten vom 23.01.2016

Die letzten Tage war nicht viel los. Arne war bei vielen Dingen schneller, das muss ich dann nicht auch noch bringen. Und ich hatte auch nicht so die Zeit Abends. Aber jetzt mal wieder…

1: Es gibt jetzt ein AddOn namens „Binnen-I be gone“ für die Browser Firefox, Chrome und Opera, das aus Webseiten sogenannte geschlechtergerechte Sprache entfernt und durch normales Deutsch ersetzt, um diese wieder lesbarer zu machen. Binnen-Is, Gender*Sternchen und Gender_Gaps verschwinden aus fast allen Texten. Funktioniert natürlich nicht in Bildern und PDFs.

2: Am Dienstag brachte das ZDF-Magazin Frontal 21 einen Bericht über Kinder, die andere Kinder missbrauchen. Erstaunlich an dem Beitrag: Es wird tatsächlich mehr über Mädchen berichtet, die andere Kinder missbraucht haben. Da scheint etwas aufzuweichen.

3: Nochmal ein bisschen was zu Köln, Zuwanderung, Islam etc. Der Soziologe Gunnar Heinsohn, dessen Interview bei der Welt ich schon neulich verlinkt habe, hat noch einmal bei der NZZ die Zuwanderung junger Männer aus dem muslimischen Kulturkreis in düstersten Farben gemalt. Bettina Röhl stießt schon im September ins gleiche Horn. Aus heutiger Sicht fast ein wenig prophetisch. Derweil gibt der Imam der Al-Tauhid-Moschee in Köln-Kalk den Frauen die Schuld, aber der hat sicher nichts mit dem Islam zu tun.

Der Staatsrundfunk hat sich nach erster Verwirrung offensichtlich wieder eingekriegt. Die korrekte Sprachregelung ist wieder gefunden. Heute in der Tagesschau hatten die Übergriffe von Köln und anderswo nur noch „Männergruppen“ begangen. Nicht etwa „vorwiegend aus Zuwanderern bestehende Männergruppen“. Ein „männliche Zuwanderer-Gruppen“ oder gar „Ausländergruppen“ hätte ich ja schon gar nicht verlangt, das wäre ja jetzt wirklich schlimm pauschalisierend. Kann man so nicht machen…

Das klingt jetzt vielleicht wieder so, als hätte ich ein Problem mit Flüchtlingen. Aber das stimmt nicht, ich bin nur ziemlich skeptisch, was die Entwicklung angeht, vor allem, wenn das in diesem Jahr nochmal so laufen sollte. Ich habe nur ein Problem mit einigen der Zuwanderer, und vor allem mit dem Islam. Ich habe kein Problem mit dem einzelnen Flüchtling, selbst wenn er ein schlimmer Finger ist. Damit würden wir schon fertig werden. Und die meisten sind wirklich sehr liebenswerte Menschen. Ich habe aber ein Problem mit der Menge, weil das eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Vielleicht präzisiere das nochmal in einem eigenen Artikel.

Was mich aber auch nervt, dass dabei wieder mal wichtige andere Themen unter den Tisch fallen. Der Missbrauchsfall bei den Regensburger Domspatzen z.B., oder TTIP. Und dass vor grade mal 11 Tagen es in Istanbul einen Anschlag mit zehn deutschen Todesopfern gab, die meisten seit Djerba 2002, ist schon fast wieder vergessen. Hört da noch jemand was davon? Normalerweise wäre das für mindestens eine Woche das Top-Thema. Diesmal war das nach zwei Tagen durch.

4: Pat Condell macht sich in seiner gewohnt knackig-süffisanten Art über Social Justice Warriors, Safe Spaces und Gender Studies an britischen Universitäten lustig:

Gefunden bei Danisch.

5: Off-Topic Beitrag des Tages: Alpha-Blogger Fefe hat seinen Austritt aus dem Chaos Computer Club (CCC) erklärt. Grund dafür ist anscheinend, dass ausgerechnet der Verein, der ungehindertes Informationsrecht und freie Meinungsäußerung ganz dick auf seine Fahne geschrieben hat, in internen Mailinglisten Moderatoren nach gusto Beiträge filtern lässt.

In diesem Fall ging es aber darum, Mails wegen des aktuellen Gefühlszustands eines Moderators zu filtern. Wenn der Moderator findet, diese Mail könnte jemanden erzürnen, dann kommt die nicht durch.

Es bleibt im Unklaren, ob es um einen Beitrag von Fefe selbst ging, und auch, welche Meinung dem Moderator nicht gepasst hat. Es scheint mir aber offensichtlich, dass sich auch im CCC schon seit längerem Political Correctness und Safe Space-Denken eingeschlichen hat. Da gingen doch vor zwei Jahren schon sog. Awareness Teams rum, die sog. Creeper Cards verteilten.

Gastartikel: LoMi zur Debatte angesichts der Übergriffe in Köln

LoMi ist wieder da – und da er nach eigenem Bekunden derzeit nur kommentiert und nicht selbst bloggt, erlaube ich es mir, seinen Kommentar zu den Kurznachrichten vom 19.01.2016 zu einem Gastartikel zu befördern, denn er ist aus meiner Sicht so lesenswert. Also, ab jetzt (bis zur Popkultur) O-Ton LoMi:

Ich halte diesen Kommentar für ziemlich falsch. Meiner Meinung nach ist die Debatte längst noch nicht zum Kern vorgestoßen. Die Behauptung, dass der Feminismus widersprüchlich ist, ist nicht neu und nicht originell und erklärt nichts. Es ist auch zu sehr Agenda seiner Kritiker, dem Feminismus Bigotterie nachzuweisen. Man erkennt es daran, dass Feminismus und “links” schnell gleichgesetzt werden. Das ist nicht immer eine echte Verbindung. Feminismus ist oft genug pseudopolitisch oder gar reaktionär.

Es ist Tatsache, dass der Feminismus angesichts der Vorfälle von Köln versagt und hier versucht, vom Flüchtlingsthema abzulenken. Aber ich glaube nicht, dass man damit bereits alles gesagt hat. Der Kommentar greift zu kurz.

Man kann der Sache nur Herr werden, wenn man alle Seiten betrachtet. Es ist nun einmal so, dass das Thema Köln einen zeitgeschichtlichen Kontext hat, der auch AfD und Pegida beinhaltet. Das Spannungsfeld zwischen Ablehnung und Befürwortung der Flüchtlingsaufnahme bildet den Hintergrund. Insofern kann das Verhalten einer politischen Interessengruppe nicht isoliert betrachtet werden. Es ist immer auch Reaktion auf etwas.

Im gegenwärtigen Klima in Deutschland ist es schwer, so etwas wie Köln sachlich zu diskutieren. Die Silvesternacht wird von links wie rechts genutzt, um eigene politische Agenden nach vorne zu treiben. Zur politischen Strategie gehört es allzumal, den politischen Gegner möglichst zu diskreditieren und so die öffentliche Meinung auf die eigene Seite zu ziehen. Der Vorwurf der Lüge und der Heuchelei sind dabei Standardwerkzeuge. Schon immer haben sich Parteien aller Couleur gegenseitig Lüge, Egoismus, Korruption, ideologische Verblendung und Dummheit vorgeworfen. Diese Art Vorwürfe sind selber das Phänomen, das man reflektieren muss. Sie sind hier immer Teil des politischen Kampfes.

Die Feminismuskritiker übersehen, dass sie allzu schnell falsche Freunde gewinnen und somit sich vor den Karren einer ausländerfeindlichen Politik spannen lassen. Und genau das ist das Problem an Köln für “Gutmenschen”. Ich nehme das mal als Etikett für jene, die versuchen, eine hohe humanistische Moral zu verwirklichen. Dazu muss man kein Feminist sein, will sagen: nicht jeder “Gutmensch” ist Feminist oder links. Die Schwierigkeit besteht nach Köln nun darin, das Thema Flüchtlinge so zu diskutieren, dass man weder einem positiven Rassismus anhängt (“alle Fremden sind per se gut”), noch dass man beim Besprechen von Problemen ins Gegenteil verfällt (“der Islam ist per se frauenfeindlich”).

Die Abwehr von Ausländerfeindlichkeit sorgt oft dafür, dass man sehr grob argumentiert und dazu neigt, demonstrativ sich auf die Seite der Migranten zu stellen. Das mündet dann schnell auch in peinlicher Folklore, wie das eben bei Solidaritätsbekundungen oft der Fall ist. Schließlich ist da immer Pathos im Spiel und Pathos kippt schnell ins Lächerliche. Dahinter steckt auch die Angst, dass man ungewollt irgendwas “rassistisches” äußert und damit Probleme anfacht. Aus dieser Angst heraus wird die Folklore dann zwanghaft. Damit reagiert man dann aggressiv auf alles, was aus der Folklore rausfällt und geißelt es als “rassistisch”. Alles in allem ist das aber der Versuch, es richtig zu machen angesichts ja auch realer Gefahren. Nazis sind keine Erfindung, sie existieren und nicht nur der NSU war gewalttätig.

Es ist nun ungemein schwierig, in dieser Gemengelage den eigentlich wesentlichen Punkt stark zu machen: Menschenrechte und die Priorität des Individuellen. “Gutmenschlich” gedacht ist der Mensch kein Söldner im Dienste unverrückbarer kultureller Prägungen, sondern jeweils ein Individuum. Menschen sollten deshalb nicht vor-verurteilt werden, sondern je nach ihrem individuellen Handeln. Und Flucht aus Krieg, Not und Elend gebührt menschenrechtlich gesehen eben nicht nur den moralisch Guten, sondern jedem Menschen. Die Pflicht zu helfen resultiert nicht daraus, dass die Hilfebedürftigen tolle, sympathische Menschen sind, sondern daraus, dass sie in großer Not sind. In diesem Sinne kann man sogar “Gutmensch” sein, ohne je links gedacht zu haben: Die Bibel zum Beispiel nennt das “Nächstenliebe”.

Es ist den “Gutmenschen” aber nicht gelungen, daraus einen markanten Diskurs zu schmieden. Vereinfachungen a la #aufschrei, Multikulti, aber auch a la Pegida und AfD sind viel wirkmächtiger und schlagzeilenträchtiger. Menschenrechte und Individualität haben etwas medienunfreundlich intellektualistisches an sich. Aber letzten Endes geht es genau darum wie auch um die Tragik des Scheiterns solcher Positionen in einem aufgeheizten Kampf um die Deutungshoheit.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal U2 mit einem Lied, das aufgrund seines Titels vordergründig als Bezug auf die Vorgänge in der Silvesternacht gedeutet werden könnte, jedoch in diesem Blog noch eine Bedeutung hat. „Nichts ändert sich am Neujahrstag“ heißt es im Refrain. Und mir ist erst beim Einstielen des Artikels aufgefallen, dass die Kurznachrichten vom Januar 2016 (bis auf die vom 06.01.) noch alle auf 2015 datiert sind… 😉

U2: New Year’s Day

Arbeit, Gender und die Konvergenz der Utopien. Eine Kritik von Michael Hirschs Politischer Philosophie der Arbeit

1       Einleitung

Der folgende Text ist eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Ende vergangenen Jahres bei Springer VS erschienenen Buch »Die Überwindung der Arbeitsgesellschaft« von Michael Hirsch, das den Untertitel »Eine politische Philosophie der Arbeit« trägt und auf das ich durch einen Telepolis-Artikel (Teil 2, Teil 3) aufmerksam geworden bin. Ich finde das Buch positiv bemerkenswert sowohl im Hinblick auf seine in meinen Augen zustimmungsfähige Grundthese, der zufolge die technologisch bedingten Fortschritte der generellen Arbeitsproduktivität heute zu einer nicht mehr grundsätzlich behebbaren Verknappung des Angebots an Erwerbsarbeit führen, der in konsequenter Weise nur noch durch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens beizukommen ist, als auch negativ bemerkenswert im Hinblick auf einige kapitale Fehlimplikationen, zu denen er meines Erachtens insbesondere bei seiner Beurteilung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung kommt. Diese Fehlimplikationen freilich halte ich aus einer explizit männerrechtlichen Perspektive heraus für grundsätzlich behebbar, was seinen Ansatz in meinen Augen für eine Männerrechtsbewegung, die auf der Suche nach ihrem »gesellschaftlichen Ort« ist, attraktiv machen könnte. Dass der Autor sich mit einigen seiner Thesen weit aus dem Fenster lehnt, halte ich dabei für einen Vorzug, denn unangreifbar macht sich nur, wer sich entschlossen hat, erst gar nichts mehr zu riskieren.

Der Duden Wirtschaft der Bundeszentrale für politische Bildung definiert den Begriff der »Vollbeschäftigung« als »wirtschaftliche Situation, in der das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft ausreichend genutzt wird. Für den Arbeitsmarkt bedeutet dies z.B., dass der Beschäftigungsgrad hoch ist. Die Zahl der offenen Stellen in der Volkswirtschaft stimmt mit der Zahl der Arbeitssuchenden überein, d.h., alle arbeitswilligen Arbeitnehmer können einen zumutbaren Arbeitsplatz finden. (…) Vollbeschäftigung zählt zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Zielen.« Die Bundeszentrale verwahrt sich jedoch an anderer Stelle gegen die Schlussfolgerung, dies würde unter heutigen Bedingungen bedeuten, »dass der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht«. Vielmehr sei »die Zahl der jährlich gegen Bezahlung verrichteten Arbeitsstunden in den letzten Jahrzehnten mehr oder weniger konstant geblieben, ganz abgesehen davon, dass immer noch erhebliche Mengen unbezahlter Arbeit in Haushalt oder ehrenamtlicher Tätigkeit verrichtet werden. Vielmehr teilen sich zumindest in den letzten Dekaden immer mehr Erwerbspersonen das vorhandene Arbeitsvolumen.« Es ist im Kern diese These, zu der Hirschs Buch kritisch Stellung bezieht. Genau genommen befasst er sich mit dem Preis, den unsere Gesellschaften dafür bezahlen, das Ziel der Vollbeschäftigung auch weiterhin dadurch anzustreben, dass unter anderem das »vorhandene Arbeitsvolumen« auf »immer mehr Erwerbspersonen« aufgeteilt wird. Ein kritischer Artikel in der ZEIT vom März 2015 weist darauf hin, dass viele der seit 1993 geschaffenen Arbeitsplätze von geringer Qualität sind, Festanstellungen immer seltener werden, der Flexibilitätsdruck stetig zunimmt und insbesondere ein verlässliches Familienleben in der Mittelschicht dabei auf der Strecke bleibt. »Vieles erinnert an die Situation in den USA. Die Gutverdiener mit einem Einkommen ab 150.000 Dollar können sich ihre Jobs aussuchen. Die Mittelschicht dagegen rutscht zunehmend ab und verdrängt mit schlecht bezahlten Jobs die Unterschicht.« In den USA gab es in den 90er Jahren dazu einen Witz: »Die Regierung Clinton hat zwei Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen!« – »Ja – und ich habe vier davon!« Anders gesagt: eine Erwerbsarbeit zu haben, kann unter heutigen Bedingungen dennoch bedeuten, als »working poor« am oder unter dem Existenzminimum zu leben – immerhin ist auch dieser Begriff bei der Bundeszentrale für Politische Bildung bekannt.

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