Warum ich das Ignorieren von Gesundheitsproblem weißer Männer für einen Fehler halte

Es gibt Artikel, deren Dummheit mehr weh tut als ein Tritt zwischen die Beine. Die Überschrift des Telepolis-Artikels „Samenzahl hat sich bei westlichen Männern in 40 Jahren halbiert“ ist dabei sogar sehr interessant. Auch wird, selten genug, auf eine Studie verwiesen: „Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis“ von Hagai Levine, Niels Jørgensen, Anderson Martino-Andrade, Jaime Mendiola, Dan Weksler-Derri, Irina Mindlis, Rachel Pinotti, Shanna H. Swan. Doch bereits in der Einleitung zeigt Florian Rötzer, dass von ihm keine großen geistigen Ergüsse zu erwarten sind:

Die Reproduktionsforschung müsse dringend verstärkt werden, so ein Appell im British Medical Journal. Aber warum eigentlich?

Dafür fallen einem als Laien gleich mehrere gewichtige Gründe ein:

  1. Unfruchtbarkeit ist eine schlimme Sache für die Betroffenen.
  2. Ein Zwang zur Kinderlosigkeit widerspricht einem Grundsatz der westlichen Gesellschaft, nämlich der individuellen Freiheit, wesentliche Entscheidungen seines Lebens selbst zu treffen und zu verantworten.
  3. Eine sich allgemein verschlechternde Gesundheit sollte die Gesellschaft alarmieren.

So wie im letztgenannten Grund beurteilt es auch Niels E Skakkebaek im erwähnten Artikel „Sperm counts, testicular cancers, and the environment„: „Verstörende Entwicklungen in der reproduktiven Gesundheit von Männern verlangen dringende Aufmerksamkeit“ – das bringt es gut auf den Punkt („Disturbing trends in men’s reproductive health demand urgent attention“ – meine Übersetzung).

Rötzer erlaubt sich hingegen die hodenlose Frechheit, in Richtung „macht ja nichts, wenn wir zwangsweise weniger werden“ und „sind ja nur die weißen Männer“ zu argumentieren. Er bezweifelt die Wichtigkeit der Angelegenheit – freilich ohne selbst irgendetwas fruchtbares zur Debatte beizutragen:

Die Reduktion der Reproduktion ließe sich als natürliches Gegenmittel verstehen, das gerade das Überleben der Menschen wahren könnte.

Das ergibt keinen Sinn, wie man es auch wendet. Zum einen verfügt die Natur über keinen weltweiten Radar, der sie darüber informiert, dass es jetzt mal genug Menschen gibt. Ansonsten gäbe es ja erst gar keine Überbevölkerung in einigen Ländern.

Dafür müsste man die Menschheit auch als einen großen monolithischen Block verstehen – der sie nie gewesen ist. Aber dann müsste das Phänomen auch überall gleichermaßen auftreten, und das tut es ja gerade nicht.

Zum anderen liegt bei der Annahme einer „natürlichen“ Entwicklung sofort die Frage auf der Hand, warum es denn ausgerechnet die Bevölkerungen der Welt trifft, denen es insgesamt am besten geht und die sich mehr Kinder leisten könnten, als sie bekommen. Eine Natur, die Überbevölkerung „regelt“, müsste doch diejenigen besonders dezimieren, die eben nicht ausreichend (oder gerecht verteilt) Nahrung und sonstige Ressourcen haben.

Man landet hier leicht bei den Ansichten eines Thomas Robert Malthus. Die Menschen vermehrten sich grundsätzlich schneller als der Vorrat an Nahrungsmitteln zunehmen würde, daher sei es unausweichlich, dass viele dieser Menschen von der Natur aussortiert würden.

Wer möchte dem allen Ernstes heute noch zustimmen? Nein, das Biologismus.

Die Natur kommt als Erklärung also nicht infrage, weil einerseits die Folgen nicht „sinnvoll“ auftreten, während andererseits die (nur theoretisch) „logisch einleuchtenden“ Mechanismen einer „selbstregulierenden“ Natur zurecht verpönt sind – und inzwischen auch widerlegt.

Rötzer gelingt jedoch noch eine zweite geistige Fehlleistung, indem er persönliche Schicksale zugunsten von Gruppen ausblendet. Dabei unterstellt er sogar den Gruppen ohne zwingenden Grund ein Konkurrenzdenken.

Aber was ist daran so schlimm? Dass die Männer im Westen weniger zeugungsfähig werden und daher womöglich die Menschen aus anderen Regionen mehr Nachkommen erzeugen können?

Dass es schlimm ist, wenn in irgendeiner Region der Welt die Unfruchtbarkeit zunimmt und dass es wert ist, das zu untersuchen, darauf sollte man sich doch noch einigen können. Von dem Wissen, warum das geschieht und wie man es verhindern kann, könnte die ganze Menschheit profitieren – ohne irgendein Ausspielen der Hemisphären gegeneinander. Was hätte ein kaum fruchtbarer Mann im Westen auch davon, wenn die Männer woanders ebenfalls nicht mehr Kinder zeugen könnten? Das Problem ist absolut und nicht in Relation zu anderen zu sehen!

Florian Rötzer hat wohl nicht die Eier in der Hose, um frei von „virtue signalling“ zu argumentieren. („Guckt mal, das Schicksal der weißen Männer ist mir egal – ich bin sowas von gut!“) Dass ein Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen wie Hodenkrebs besteht, von dem zunehmend jüngere Männer betroffen sind – wen interessiert das schon?

Er tappt dabei aber leicht in die nächste Falle: Denn Nachwuchs zeugen Männer nicht alleine. Die Frauen, die bei abnehmender männlicher Fruchtbarkeit zunehmend von unfreiwilliger Kinderlosigkeit betroffen werden, hat er anscheinend völlig ausgeblendet. Hier scheint der alte Irrtum des Geschlechterkampfes hervor, so als ob sich Frauen und Männer „gegeneinander“ fortpflanzen und entwickeln würden. Das scheinbare „weiße Männer interessieren mich nicht“ läßt sich leicht zu einem „an die Frauen im Westen hat er wohl gar nicht gedacht“ umbiegen.

Sarkastisch ausgedrückt: Man könnte schnell Geld für die Forschung zustandebringen, indem man die abnehmende Samenanzahl bei Männern als Problem darstellt, das Frauen in ihrer Lebensplanung besonders oder zunehmend betrifft.

Von so etwas wie individueller Freiheit ganz zu schweigen. Bei Kinderlosigkeit im Westen ist freiwillig die entscheidende Qualität.

Aktualisierung: crumar schön in den Kommentaren bei Telepolis: Warum ich glaube, es ist an der Zeit, dass Florian Rötzer abtritt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei dummen Artikeln über ernste Themen bin ich immer geneigt, als Blitzableiter einige Kalauer zu reißen. „I am the eggman“ war dann auch das entscheidende Zitat, um dieses Beatles-Lied (mit passend unverständlichem Text) herauszusuchen.

The Beatles‘ Magical Orchestra: „I Am the Walrus“

Advertisements

Fundstück: So stellt man eine minimale Garderobe zusammen

Ich habe ja schon öfters darüber geschrieben, was ich einem eigentlich ganz okayen, aber irgendwie unzufriedenen jungen Mann empfehlen würde, gerade nicht mit dem Ziel „ich reiße 1000 Frauen auf“, sondern „ich möchte glücklicher in meinem Leben werden“. Neben abnehmen und Tanzen lernen gehören zu diesen Tipps auch Kleidungsstücke wie eine Lederjacke und schwarze Lederschuhe.

Ich habe in den letzten Jahren immer mehr Gefallen gefunden an dem Thema „Mode für Leute, die keinen Bock auf Mode haben und einfach nur gut aussehen wollen“. Letzten Endes läßt sich hier mit ein paar einfachen Schritten viel erreichen, was einen als Mann deutlich zufriedener durchs Leben gehen läßt.

Dazu passt auch das heutige Fundstück: Brett McKay (der gesunden Menschenverstand zurückbringen will) präsentiert bei The Art of Manliness (von dort stammen die Warnsignale beim Flirten), „wie man eine minimale Garderobe zusammenstellt“:

Brett McKay, „The Art of Manliness“: Building a Minimal Wardrobe

(Am Anfang ist Werbung, daher die ersten 45 Sekunden überspringen! Ich hoffe, der Tipp von Mario funktioniert und das Video startet ab der Zeitmarke.)

Die Grundidee: Man braucht nicht 1000 komplette Outfits, sondern ein paar solide Kleidungsstücke, die sich miteinander kombinieren lassen.

Man soll sich Klamotten aussuchen, die dem Lebensstil entsprechen. Gemeint ist aber vor allem die Art der Arbeit, also Bürojob vs. körperliche Arbeit.

Die grundsätzlichen Dinge soll zuerst anpacken, also z.B. einen Anzug kaufen, bei dem man dann Jacke wie Hose separat tragen kann. Dunkle Jeans lassen sich nicht nur zu T-Shirts tragen, sondern können auch Teil einer eleganteren Kombination werden. Dann kommt noch die Empfehlung, Sachen von der Stange von einem Schneider anpassen zu lassen. Wer’s mag…

Interessant ist die Regel, einen Kleidungs-Darwinismus einzuführen, bei dem man gnadenlos aussortiert. Kriterien dabei sind: Was hat man nicht mehr getragen? Braucht man es nicht mehr, mag man es nicht mehr, passt es nicht mehr zum Rest? Das führe man zweimal pro Jahr durch und gebe die aussortierten Stücke in die Kleidersammlung.

Als Ergänzung wird folgender Artikel von Antonio Centeno empfohlen: How to Build an Interchangeable Wardrobe

A key wardrobe concept for any man is interchangeability.
(…)
An interchangeable wardrobe is one with fewer specific pieces, but many possible clothing combinations.
(…)
A single good piece of clothing that works with almost everything in your closet is worth more than two or three single-use items that you can only work into one or two outfits.

Danach nennt er eine Liste von Stücken, die jeder Mann haben sollte. Da kommt es natürlich wieder auf den persönlichen Stil und die Lebenslage an, aber als Anregung zu gebrauchen.

Speziell für den Sommer hatte Brett McKay außerdem noch ein paar Tipps, wie man seine Sommergarderobe aufmotzt. Das Video ist deutlich kürzer und weniger umfassend, zeigt aber sehr schön, wie stark ein paar kleine Änderungen wirken:

Easy Ways to Upgrade Your Casual Summer Style

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es schon um Kleidung geht, darf dieses Lied nicht fehlen…

David Dundas: Jeans on

Warum ich dieses donnernde Schweigen zum Thema mache

MANNdat spricht an, dass das „Bundesforum Männer“ sich bislang nicht zum drohenden Aus der Gewaltschutzwohnung für Männer in Thüringen geäußert hat. Es reit sich damit ein in die allgemeine öffentliche Gleichgültigkeit.

Nun wäre der etwas naive Leser vielleicht verwundert: Moment mal, hat das Bundesforum Männer nicht ein beachtliches Budget und wäre dem Namen nach für die Anliegen von Männern verantwortlich? Ja, dem Namen es – der Praxis nach ist es eine Alibiorganisation, die vor allem dafür sorgt, dass keine andere offizielle Vertretung für die Probleme und Notlagen von Männern hochkommen kann, denn „es gibt doch bereits eine“. Ansonsten geht das Bundesforum Männer immer schön beiseite, wenn Aktivitäten oder zur Sprache bringen in irgendeiner Form Anliegen von Frauen in einem Sachverhalt eine niedrigere Priorität einräumen würde.

Wie Genderama neulich oder Lucas Schoppe schon vor drei Jahren schrieb: Donnerndes Schweigen hat Tradition.

Diese unglaubliche Stille, dieses „sich nicht einsetzen“, diese notwendigen Dinge, die nicht geschehen – sie sind nur schwer sichtbar zu machen, weil es ja nichts gibt, das man zeigen könnte. Deswegen muss das sozusagen „über die Bande“ geschehen: Ein Bedarf, eine Organisation, die eigentlich dafür da werde – und dann die ausbleibende Reaktion.

Insofern ein weiterer Treffer für MANNdat, wenn auch ein bitterer. Ich reihe diesen Sachverhalt ein in die Aktion „Eine Brille für Schwesig„.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Unsichtbare Männer – da fällt mir nur ein Lied ein, das mir ein wenig bessere Laune bereitet.

Queen: Invisible Man

Warum ich „Dein Lied“ von Kraftklub positiver bewerte als Spreeblick

Bei Alles Evolution werden immer wieder mal Einschleim- und Anbiederungslieder, die auf Frauen abzielen, zum Thema gemacht. Also heute mal zur Abwechslung etwas ganz anderes: Johnny Haeusler ärgert sich bei Spreeblick über „Dein Lied“ von Kraftklub. Ein jeder lausche zunächst einmal selbst (dafür gibt es auch keine Popkultur am Ende, denn um die geht es im ganzen Blogbeitrag):

Kraftklub: Dein Lied

Ich muss sagen, dass es mich nicht umhaut, aber ich bin ja auch nicht die anvisierte Zielgruppe. Nette Grundidee, aber musikalisch eher so mittelprächtig.

Bei Spreeblick hingegen stößt man sich an dem angeblich frauenfeindlichem Text – und/oder vor allem der Tatsache, dass Kraftklub damit Anzeichen von Mainstream / Ausverkauf / nicht mehr Avangarde genug aufweist. Also dem Kern nach verletztes Fanboy-Herz, das Anzeichen für den Untergang des Abendlandes, äh, der reinen guten Musik, kommen sieht.

Ich gebe es zu: Dieser ganze Text, den ich hier tippe, ist allein aus verletzter Liebe entstanden. Ich bin wütend darüber, dass eine meiner Lieblingsbands so einen Scheiß abliefert.

Selbst wenn ich ansonsten nichts an der Kritik teile, möchte ich eines anerkennen: Zu erkennen, warum man so stark emotional auf etwas reagiert, und die eigene Meinung nicht als „einzig wahre“ zu setzen, ist lobenswert – und leider viel zu selten. Das macht für mich einen großen Unterschied und so kann ich gut einen Text lesen, dessen Aussagen ich nicht zustimme. (Mit anderen Worten: So schreibt man, um Leute mit anderer Meinung zu erreichen!)

Kommen wir nun zu dem Lied an sich. Vom Stil wie der Abriss einer Ballade inklusive Streichern, was ja auch zum Thema „Lied auf die Ex“ passt.

Was ist vorgefallen? Der Sänger beklagt, seine damalige Freundin habe ihn verlassen und sei nun mit seinem besten Freund zusammen. Außerdem scheint sie mit diesem schon im Bett gewesen zu sein, bevor es zur Trennung kam. Es gibt keine Brechung und daher auch keinen Anhaltspunkt dafür, dieser Schilderung nicht zu glauben – wenn sie in dem Universum des Liedes nicht wahr wäre, welchen Sinn hätte das Lied dann?

Sprich, den Typen trifft es dreifach: Verlassen, die Freundin war vorher untreu, und dann ist auch noch der beste Freund der Neue. Man kann also noch nicht einmal auf die Standardlösung beim verlassen werden, „mit dem besten Freund um die Häuser ziehen und sich volllaufen lassen“, zurückgreifen. Einzig dass dem Freund keine Standpauke gehalten wird – „broes before hoes“ oder so – ist ungerecht. Andererseits ist das Lied nur der Exfreundin gewidmet.

Interessanter als der Refrain sind die Strophen. Hier kommen drei typische Elemente für die Situation, dass der Mann von der Frau verlassen wird:

1. Rationalisierungen und Beschwichtigungen: „das hier verstehen“, „wo die Liebe hinfällt“, „macht doch nichts“, „bringt ja keinem was“, „die Erde dreht sich weiter“

2. Er soll bitte „vernünftig sein“: „wichtig ist gut auseinanderzugehen“, „beide Seiten zu sehen“, „war nicht alles schlecht“, er ist „konfliktscheu“. Letzteres ist ein Code für „er trägt die eigentliche Schuld für das Zerbrechen der Beziehung, auch wenn sie untreu gewesen ist“. Ein schöner Kniff, um auch bei Fehlverhalten der Frau doch noch den Mann als Bösewicht auszumachen!

3. Es soll bitte unbedingt die Harmonie bewahrt werden: „es muss keiner leiden“, „die Freunde müssen sich nicht entscheiden“ zwischen ihnen, er habe „in ihrem Herzen immer einen Platz“ – das ist natürlich alles Wunsch der Exfreundin und letzteres ist ein schaler Spruch, der den Verlassenen auch nicht tröstet, sondern maximal ihr schlechtes Gewissen beruhigen soll.

Das lyrische Ich nimmt all diesen „falsche Harmonie“-Mist und zertrümmert ihn. Und da muss ich sagen: Das ist keine schlechte Reaktion.

Um nach einer Beziehung klar Schiff zu machen, ist es erst einmal wichtig, sich von der Ex abzugrenzen und das zu tun, was einem selbst wichtig ist. Auch noch alles nach ihren Wünschen zu machen, nachdem sie untreu war und einen verlassen hat, das wäre selbsterniedrigend bis zur Selbstverleugnung.

Bei Spreeblick wird das hingegen so beschrieben und gewertet:

Im Kern singt das (…) „Dein Lied“ (…) ja ein verletzter, trauriger, verlassener Kerl, der seine Traurigkeit und Verletztheit aber nicht zulassen kann, der daher Wut bevorzugt und dem in seiner Armseligkeit nichts anderes einfällt, als die Ex als „verdammte Hure“ zu beschimpfen.

(…)

Man könnte (…) sagen, dass der Song eine bitterböse Abrechnung mit eben jenen Typen ist, die nicht einfach nur traurig sein können, sondern denen nichts anderes einfällt, als „Verdammte Hure!“ zu brüllen, wenn sie verlassen werden. Das Problem ist: Das klappt nicht bei „Dein Lied“. Ich habe beim Hören auf einen noch so subtilen Bruch im Text gewartet, auf den Moment, in dem einem das Höhöhö-Lachen im Halse stecken bleibt, weil der Autor der Zeilen plötzlich als der eigentliche Loser klar wird, aber dieser Moment passiert nicht.

Ich sehe das anders, denn ich meine, dass doch erst einmal jeder seine eigenen Emotionen hat. Hier auch noch zu befehlen, wie ein Mann gefälligst zu reagieren habe und dass es „richtige“ und „“unangemessene“ Gefühle gebe – das ist doch genau der emotionale Käfig, aus dem der moderne, emanzipierte Mann entfliehen sollte!

Ja, manch einer knallt sich die Birne zu und fängt dann plötzlich im Suff an zu heulen. Kein besonders erhabenes Erlebnis, aber sehr menschlich und verständlich. Ungerecht, aber wahr: Einer weinenden Frau wollen die Leute i.a. helfen, bei einem Mann ist man maximal peinlich berührt.

Andere Verlassene lästern erst einmal über die Ex ab: Die war doch sowieso blöd, da kann man ja froh sein, dass es jetzt endlich vorbei sei und so weiter. Sicher kein Beweis dafür, dass man über den Dingen steht, jedoch nachvollziehbar und wenn es beim Verarbeiten des Erlebten hilft… (und seien wir mal ehrlich: das gibt es doch mit umgekehrten Geschlechtern genauso!)

Und dann gibt es die Variante Nummer drei, dass man nicht zusammensackt wie ein Häuflein Elend, sondern aufgeputscht und aggressiv wird, dass man sich erst einmal abreagieren muss, am besten durch körperliche Betätigung. Wenn man diese Energie dann nicht verwendet, um Sachen oder andere Leute zu zertrümmern, sondern sie kreativ verarbeitet, dann ist schon viel gewonnen. Die – oft überwältigende – Kraft in positive, nützliche Bahnen zu lenken, ist die Herausforderung bei der Erziehung von Jungen zu Männern.

Und wenn irgendwelche Leute in irgendwelchen Kneipen dieses Lied hören und sich beim Mitgrölen des Refrains den Frust ob des eigenen verlassen-worden-Seins von der Seele schreien, anstatt an der Theke weiter vor sich hinzubrüten und zu glauben, sie seien die einzigen, denen es schlecht gehe, dann ist damit sogar etwas gewonnen.

In dieser Kategorie gefallen mir allerdings die härteren, tanzbareren Stücke etwas besser. Als erstes fallen mir von Farin Urlaub „1000 Jahre schlechten Sex“ und „OK“ ein – letzteres ist wirklich legendär. Warum sollten es stets nur traurige Liebeslieder à la „Buhuhu, sie hat mich verlassen“ sein? Was zum Abtanzen ist doch viel besser!

Insofern sehe ich es viel positiver als Johnny Haeusler: Hier sträubt sich jemand gegen all das, was da auf ihn eingeredet wird, und gestattet sich erst einmal seine Gefühle: Verletztheit, Fassungslosigkeit, Zorn. Aber er ergeht sich nicht in Rachefantasien, sondern setzt der Ex ein musikalisches Denkmal.

Was das so oft gefürchtete slut shaming angeht, so sei daran erinnert, dass es üblicherweise von Frauen ausgeht. Hier kann die fiktive Exfreundin als „die Böse“ ausgemacht werden, ohne dass es eine tatsächliche Frau trifft. Aufgrund des Geschilderten können die weiblichen Fans leicht Partei für den Sänger ergreifen: Die Freundin hat sich mies verhalten, man gönnt Ihr doch nicht so einen Typen.

Warum ich einmal grundsätzlich zum „gender empathy gap“ schreibe

Der Begriff „gender empathy gap“ wird taucht immer wieder in der Geschlechterdebatte auf. Aber was steckt genau dahinter?

Ich wollte schon lange einen Grundsatzartikel dazu schreiben, konnte mich aber nie entscheiden, wie herum ich die Argumentation aufziehen wollte. War das „gender empathy gap“ Ursache oder Wirkung, Annahme oder Folgerung? Schließlich wollte ich einen Zirkelschluss vermeiden. Dann las ich, was der Doktorant zu Induktion und Deduktion geschrieben hat, und ich hatte endlich eine Idee. Mal sehen, ob ich sie Sache halbwegs anständig über die Bühne bringe oder mich übernehme.

Meine Definition

Das „gender empathy gap“ – also die Empathielücke zwischen den Geschlechtern – bezeichnet das Phänomen, dass unter denselben Umständen die Angehörige eines Geschlechtes mehr Mitgefühl bekommen als die des anderen. Allgemein gilt dies im Durchschnitt, das heißt, auch wenn allgemein einem Geschlecht weniger Empathie entgegengebracht wird, kann es Fälle geben, in denen das andere weniger abbekommt.

So weit, so gut. Diese Definition sagt so noch nichts darüber aus
– ob dies tatsächlich allgemein so gilt
– welchem Geschlecht gegenüber weniger Empathie gilt
– was die Ursache hierfür ist

Diese Definition ist ferner dafür offen, dass es andere Kriterien für Empathie gibt, die stärker wirken als dieser Unterschied bei ansonsten gleichen Voraussetzungen.

Beispiele für Männer

Männerrechtler / Maskulisten führen an, dass Männern im allgemeinen weniger Mitgefühl entgegengebracht wird. Das fängt an mit Formulierungen in den Nachrichten wie „unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder“, nach denen es offenbar weniger schrecklich ist, wenn Männer die Opfer sind.

Fefe hatte die Frage nach der Empathie einmal in größerem Zusammenhang gestellt, was ich an anderer Stelle bereits zitiert hatte:

Habe vorhin kurz bei zwei Biologen und einer Psychologin nachgehakt:

Im Wesentlichen triggert

  1. der Tod eines Kindes am stärksten,
  2. dann der einer attraktiven Frau im gebärfähigen Alter,
  3. dann folgt der Tod eines „schwachen“ Menschen (alt, körperlich eingeschränkt, geistig eingeschränkt und, tatsächlich, „alle anderen Frauen“ -> also Frau tatsächlich auf derselben Empörungsstufe wie ein „behinderter“ Mensch!)
  4. und dann erst folgen Männer.

Männer im wehrfähigen Alter erhalten das geringste Mitgefühl, wenn ihnen etwas wie „Tod durch Erschießen“ widerfährt.

Die Einsender bei Fefe hatten zum Großteil Evolutionsbiologie als Ursache angegeben. Sowohl die Verfeinerung der Empathierangfolge als auch die Erklärung erscheinen mir schlüssig.

Das Schöne an dem biologischen Hintergrund ist ja: Es ist verständlich, ohne dass es bedeutet, dass es so bleiben soll. Insbesondere in einem westlichen Industriestaat ist nicht einzusehen, warum gegen diese biologischen Grundlagen, die früher einmal sinnvoll waren, nicht jetzt gegengesteuert werden sollte (wenn sich auch, da bin ich realistisch, die Biologie nie verleugnen oder negieren läßt). Insbesondere die kulturelle Ausformung ist ja gerade nicht durch die Biologie vorbestimmt, selbst wenn die Biologie einen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen man sich bewegen kann.

Dies ist kein „reines Männeranliegen“, wie Genderama an einem interessanten Fall belegte. Hintergrund war eine steigende Zahl von Übergriffen gegen Frauen bei der Polizei. Nach wie vor sind allerdings zu 82,5% Männer betroffen, sogar 87,5% bei Totschlag. Ein Leser kommentierte: Bei der französischen Polizei seien Frauen anstrengend, weil sich im Konfliktfall die Männer automatisch vor sie stellten. Man kenne von der israelischen Armee, dass Soldaten ihren Auftrag vergäßen, um eine Soldatin zu retten. Die Veränderung in Deutschland sei also ein Zeichen von Gleichberechtigung. Die Reaktion darauf war allerdings, dass der Chef der Gewerkschaft der Polizei NRW eine Begrenzung des Frauenanteils forderte. Arne Hoffmann urteilte:

Die Tendenz, das Leiden von Männern leichter als das Leiden von Frauen zu gewichten, droht hier ausnahmsweise auch einmal die Gleichberechtigung von Frauen zu torpedieren.

Zur Kultur, genauer zur Popkultur, äußerte sich Blogger uepsilonniks in einem Kommentar bei „Alles Evolution“:

Man schaue sich mal an, wer als Vertreter seines Geschlechts etwa in Action-Filmen Gewalt erfährt und reihenweise getötet wird, ohne dass es den Filmspaß trübt. Wären es Frauen die vom Helden abgeschlachtet würden, der Film würde keinen Spaß machen (genauso wie bei Kindern). Auch das zeigt: Wir verurteilen Gewalt gegen Frauen stärker, leiden mit, können das nicht auf die leichte Schulter nehmen sind also anders als bei Männern dem gegenüber sensibilisiert.

Folgen zur kritischen Beobachtung

Was sind die erwartbaren Folgen eines solchen Empathieunterschiedes gegenüber Männern allgemein bzw. Männern im wehrfähigen Alter?

Nummer eins wäre für mich, dass man sich weniger um diese allgemeine und noch weniger um deren spezielle Untergruppe kümmert. Stattdessen werden sie sich selbst überlassen.

Einen institutionellen Hinweis in diese Richtung haben wir schon: Das BMFSFJ kümmert sich um alle außer Männer zwischen 18 und Rentenalter.

Nummer zwei: Probleme aller Art, von denen sie ausschließlich oder in stärkerem Maße als andere betroffen sind, bekommen weniger Aufmerksamkeit.

Wie ich im oben bereits erwähnten Artikel, in dem ich einen Beitrag von Fefe zitierte, schrieb:

Die geringere Empathie bei Männern wird sich bei der Behebung von Problemen, von denen Männer häufiger betroffen sind (Selbstmord, Obdachlosigkeit, Trennung von Kindern) erschwerend auswirken.

Nummer drei: Wird dann doch einmal spezielle Aufmerksamkeit für diese Gruppen gefordert, dann erwarte ich einen Abwehrreflex, gerne getragen von dem Gefühl, dass man das Mitleid „an die falschen Leute verschwendet, die es am wenigsten brauchen“.

Hier kann dann als „Begründung“ eine Argumentation mit Durchschnitten kommen, etwa welche Gruppe insgesamt im Schnitt reich ist, Macht hat usw., ohne zu berücksichtigen, dass die Mitglieder einer demographisch definierten Gruppe keineswegs untereinander zusammenhalten und alle anderen ausklammern und dass ein Durchschnitt nichts bedeutet, wenn man die Varianz, Standardabweichung, kurz: Verteilung innerhalb der Gruppe zu kennen.

Was die Probleme, die außerhalb der Aufmerksamkeit liegen, angeht, so drückt es Martin Daubney so aus (gefunden via Genderama):

Man muss beweisen, dass Männer und Jungen leiden, weil es die meisten Leute einfach nicht glauben.

Hilfsangebote speziell für Männer und Jungen erleben eine Abwehr. Das führt dann zum Beispiel zu Sachbeschädigung.

Wie kommt man die Probleme derzeit aus dem toten Winkel? Wie es Matze sinngemäß beschrieb: Probleme, die Männer haben, werden erst dann relevant, wenn Frauen durch sie Nachteile erleiden.

Was tun?

Wenn der gender empathy gap tatsächlich vor allem Männer trifft, dann ergeben sich darauf einige interessante Konsequenzen, wenn man Schieflagen mehr Aufmerksamkeit verschaffen möchte, von denen Männer besonders betroffen sind:

Weil Männer weniger Mitleid bekommen…

  1. …ist es wichtig, auf die Verzahnung des Wohlergehens von Männern mit dem von Frauen und Kindern hinzuweisen, also gerade das Gegenteils des „Geschlechterkrieges“ zu präsentieren. Lucas Schoppe hat diesen Aspekt so oft erwähnt, dass ich aufgehört habe, zu zählen.
  2. …ist das Etablieren und Einhalten allgemeiner, universaler Rechte dienlicher als eine spezielle Aufmerksamkeit oder Förderung. Kurioserweise ist letzteres eine Standardforderung von Lügnern und Manipulatoren (SJW) sowie Gender-Feministinnen, während sich auf ersteres einige Gegner dieser Gruppen berufen.
  3. …lohnt es sich, beim Interesse wecken für ein Problem gerade keinen besonderen Wert auf das Geschlecht der Betroffenen zu legen oder weibliche Betroffene ins Rampenlicht zu rücken. Das passt frappierend mit der Beobachtung zusammen, dass sobald über eine Betroffenengruppe berichtet wird, die überwiegend männlich ist, entweder das Geschlecht nicht erwähnt wird oder besonderer Fokus auf der weiblichen Minderheit liegt.

Das alles gilt allerdings nur vor dem Hintergrund, dass man diesen „gender empathy gap“ als „gegeben“ hinnimmt und nicht gegen ihn angeht. Angesichts der Lage der Dinge halte ich es allerdings für utopisch, dass das zuerst geschieht.

Die argumentative Redlichkeit gebietet es außerdem, stets zu messen, ob es Beispiele gibt, die den oben genannten Ausführungen widersprechen. Es darf ja nicht in die Richtung gehen „wir nehmen den gender empathy gap als gegeben hin und stellen ihn nicht mehr in Frage“. Es muss stets eine Offenheit geben in die Richtung „Was würden wir denn erwarten, wenn es sich so verhält? Was beobachten wir in der Realität? Was entspricht unseren Erwartungen, was verhält sich anders?“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dass es tatsächlich einmal eine Band mit diesem Namen gegeben hat…

The Gap Band: Early In The Morning

Warum mir die Jungen im Zug noch etwas zeigen konnten

Persönliche Erlebnisse beweisen nichts. Sie sind aber gut geeignet, um den eigenen Blick zu schärfen und zu korrigieren.

Freitag abend im ICE: Nach einer langen Arbeitswoche möchte ich ein wenig Ruhe haben und noch ein Buch lesen. Die Wahrscheinlichkeit dafür sehe ich in den Keller sinken, als ich das Abteil mit meinem reservierten Platz erreiche: Dort sitzen bereits vier Jungen bzw. junge Männer, die sich mit Handys und Computern ausgebreitet haben. Vor meinem inneren Auge ziehen bereits Szenen vorbei, wie sie sich die ganze Zeit laut etwas zurufen oder sich über ihre Spiele unterhalten. „Na, das kann ja heiter werden.“, denke ich mir resignierend, beschließe aber, meine Lesezeit nicht völlig kampflos aufzugeben.

Mit einem „Guten Abend“ – jeder hat es schließlich verdient, ordentlich angesprochen zu werden – betrete ich das Abteil und werde leise zurückgegrüßt. Die vier jungen Herren sind fast reglos. Ich bin direkt von der Arbeit losgefahren und trage entsprechend noch Bürokluft; das in Kombination mit einem offiziellen, ernsten Auftreten kann tatsächlich einschüchtern. Na, die Schlacht wäre gewonnen, denke ich mir zufrieden und packe mein Buch aus.

Ich schaffe es nicht, mich auf das Lesen zu konzentrieren. Die Woche war wohl doch zu viel. Aber jetzt geschieht etwas Magisches: Ich werde mir Stück für Stück bewusst, wie falsch ich gelegen habe bezüglich meiner Mitreisenden. Anfangs habe ich noch im Kopf „Naja, Jungs, denk mal daran, was die überhaupt für eine Chance haben, nicht als störend und nervig zu gelten…“, gefolgt von „Was wäre überhaupt ein akzeptables Verhalten, bei dem ich zugeben würde, dass sie sich ordentlich aufgeführt haben?“ über „Wie war ich denn selbst in dem Alter? Also, heute möchte ich ja nicht noch einmal Jugendlicher sein, mit all dem Druck und den Erwartungen…“ zu „In was für einer Lebenssituation werden sie wohl sein? Welche Möglichkeiten haben sie, ein Stück Freiheit zu leben? Da ist doch Unterhaltungselektronik, ohne dass Erwachsene dazwischenfunken, eine offensichtliche Wahl!“ – und da wird es mir bewusst: Die vier anderen sind absolut ruhig!

Der vielleicht 16- oder 17-jährige guckt mit seinem Bruder, den ich auf 11-12 schätze, einen Trickfilm. Sie benutzen Kopfhörer, um niemanden zu stören. Liebevoll kümmert sich der ältere um den jüngeren und sie sitzen da ganz harmonisch, als wäre es das normalste der Welt. Die beiden anderen sind volljährig, gucken auf ihre Handys, aber es gibt keine lauten „lustigen Videos“ or Gedudel von Spielen. Fast schon wie Mönche ruhend, sitzen sie da in sich gekehrt. Als einer der beiden aussteigt, wünschen sie sich noch ein schönes Wochenende. Anhand des Gepäckes erkenne ich, dass es Bundis sind.

Und jetzt wird mir schlagartig klar, dass ich hier der Unruheherd im Abteil bin! Ich gucke ständig von meinem Buch auf, sortiere irgendwelche Papiere, starre in die Gegend, während meine Gedanken abschweifen. Die beiden Brüder und die Bundeswehrsoldaten verhalten sich hingegen vorbildlich.

An andere herantreten mit negativen Erwartungen, die man hingegen selbst erfüllt – das nennt man wohl eine Projektion. Für „die Gesellschaft“ beweist diese Anekdote nichts. Für mich selbst war das aber ein gutes Signal, mir meiner eigenen Voreinstellungen demnächst von Anfang an bewusst zu werden, um aus ihnen aktiv „aussteigen“ zu können.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Jungen im Zug waren alles andere als „verlorene Jungen“. Trotzdem fällt mir als erstes der Soundtrack von „Lost Boys“ ein.

Lou Gramm: Lost In The Shadows (The Lost Boys)

Warum mir der Mann mit dem Metal-T-Shirt nicht aus dem Kopf geht

Die Begegnung ist schon eine Weile her. Ich erinnere mich aber immer wieder daran:

Ich bin im europäischen Ausland unterwegs. Es ist Wochenende, ich stehe am Rande einer Fußgängerzone, in der sich jede Menge Läden zum Einkaufen befinden. Die Geschäfte machen langsam zu, es wird bald dunkel, die Leute eilen mit Tüten und Taschen nach Hause. Es ist ein richtiger Strom an Menschen raus aus der Innenstadt.

Eine Gruppe Männer in orange hat jedoch die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen. Sie sind gekommen, um die Spuren des Konsums zu beseitigen. Ihre Arbeit hier beginnt gerade erst.

Während die Einkäufer und Spaziergänger miteinander reden, gehen sie an den Saubermachern vorbei, ohne sie weiter zu beachten – so als ob diese gar nicht existieren würden. Ich bin zutiefst erstaunt, als ich bemerke: Diese Männer sind unsichtbar!

Keiner grüßt sie, niemand schwatzt mit ihnen – so als ob sie zu einer Schicht der Unberührbaren gehören würde. Es scheint kein „reiche Einheimische, arme Ausländer“-Gegensatz zu sein, denn die Männer von der Straßenreinigung sehen nicht anders als die anderen aus.

Da fällt mir an dem, der mir am nächsten arbeitet, etwas auf: Seine orangefarbene Jacke ist auf, darunter trägt er ein Metal-T-Shirt. Na, das ist doch sympathisch, denke ich mir und lächele. Dann schaue ich genauer hin und erkenne sogar Band und Album wieder: „Valley of the Damned“, das Debüt von DragonForce.

Ich bin hin und weg und weise meine Begleitung auf das T-Shirt hin. Das bekommt auch der Mann mit, den ich daraufhin freundlich anspreche. Tolles T-Shirt, guter Musikgeschmack, auf die Band bin ich Ende 2000 gestoßen, als sie noch DragonHeart hieß und ihr erstes Demo-Album draußen hatte. Ein kurzer Plausch von 2-3 Minuten, dann wünsche ich ihm noch einen schönen Tag und gehe weiter.

Was ich bis heute nicht vergessen habe: Wie erfreut der Mann über die Aufmerksamkeit schien; dass er mit jemandem reden und den Arbeitsalltag vergessen konnte, dass ihm jemand etwas Nettes gesagt hat.

Es wird viel über unsichtbare Männer geschrieben. Ich habe an dem Tag tatsächlich einen getroffen. Und nach dieser Begegnung habe ich mir oft überlegt: Wie viele Unsichtbare es wohl noch gibt, an denen ich nach wie vor so einfach vorbeigehe?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die heute Liederauswahl liegt auf der Hand…

DragonForce: Valley of the Damned