Warum sich für mich tatsächlich etwas geändert hat

Der bereits von crumar zitierte Kommentar von Leszek zur aktuellen Debatte zeigt mal wieder, warum man bei Alles Evolution die Kommentar lesen sollte:

Es ist m.E. recht offensichtlich, was der wesentliche Grund dafür ist, dass die Männerrechtsbewegung nicht schneller vorankommt: weil sie vor allem eine Internetbewegung darstellt und außerhalb des Netzes kaum in Erscheinung tritt.

Die Männerrechtsbewegung tut bislang das nicht, was jede andere soziale Bewegung auch tun musste um erfolgreich zu sein, nämlich auch im öffentlichen Raum als konstruktive soziale Bewegung in Erscheinung treten und gewaltfreie Aktionen durchführen.

Der nächste wesentliche Schritt für die Männerrechtsbewegung müsste die Bildung gewaltfreier Aktionsgruppen sein, welche gewaltfreie Aktionen durchführen und zwar so, dass dadurch Sympathie und Interesse für die Männerrechtsbewegung und ihre Anliegen in der Öffentlichkeit geweckt wird und die Medien über diese gewaltfreien Aktionen berichten.

Die Frage „Was tun?„, die in gewissen Abständen immer wieder auf die Tagesordnung in der Blogblase kommt, könnte frustrieren. Ich habe für mich persönlich in den letzten Tagen aber festgestellt, was sich für mich in den letzten Jahren geändert hat. Es mag für andere wenig erscheinen – das kann ich nicht beurteilen – aber für mich ist es ein positives Zeichen, auch in der Hinsicht, dass sich Aktivisten und Blogger nicht gegenüberstehen, sondern ergänzen:

Ich hatte einige Jahre das dumpfe Gefühl, dass bei Debatten um Gleichberechtigung irgendetwas falsch läuft, die Aufregung schien mir „verbogen“ und nicht auf den Kern der Probleme fokussiert. Aber genau benennen konnte ich das nicht. Es war eben nur ein Bauchgefühl, nicht klar zu benennen, heute da, morgen mal wieder weg.

Dann fand ich Texte wie die von man in the middle. Plötzlich wurden die Gedanken geordnet. Die Sachverhalte und Argumente waren klar; sie konnten ja aus tagesaktuellen Ereignissen abstrahiert und allgemeingültig formuliert werden.

Wie crumar schrieb:

Im Rückblick sollte man auch die Erfolge der Männerrechtsbewegung bis zum jetzigen Zeitpunkt betrachten und dazu gehört zweifellos das Phänomen der „sprechenden Männer“, die in zahlreichen Foren in ihren Kommentaren das Wort ergreifen und die bestehenden Verhältnisse kritisieren.

Ja, dieses sprechen können für die eigenen Anliegen, dieses Dinge formulieren können, das war neu und fühlte sich richtig an.

Naiv, wie ich war, versuchte ich einige Argumente in Diskussionen (außerhalb der Anonymität) anzubringen – und scheiterte noch mehr als bei früheren Versuchen, echte Gleichberechtigung im Sinne von „Frauen sind frei, haben damit auch Verantwortung für ihr Handeln“ einzubringen. Die Debatte ist eben nicht frei und allein am besseren Argument orientiert, sondern von Tabus und ggfs. Druck von Interessengemeinschaften begrenzt und gesteuert.

Also, was tun, wenn der öffentliche Diskurs so verbrannt ist, dass man sich nur noch unter Pseudonym zu äußern traut, um nicht geächtet zu werden? Es wird immer einzelne Leute geben, sie sich im Vertrauen ähnlich unzufrieden äußern, aber wie kann man langsam hervortreten?

Mir helfen konkrete Erfolge, auf die ich verweisen kann wie die Gewaltschutzwohnungen für Männer, zuletzt in Sachsen eröffnet. Solche Sachen kann ich offen im Bekanntenkreis herumerzählen.

Das sind „einfache Ziele“, gegen die niemand direkt etwas sagen kann: Das Gegenteil, „Männer sollen nicht vor Gewalt geschützt werden“, ist schwer zu vertreten. Hier ist dann die Schweigespirale durchbrochen, das Trägheitsprinzip umgedreht.

Es erzeugt auch keine assoziative Dissonanz wie „Feministen verhindern bislang Gewaltschutzwohnungen für Männer“, bei der man sein Weltbild ändern muss und lieber Gründe sucht, warum das so ist („das kann nicht sein, dass Leute mit guten Absichten so etwas tun, da muss irgendetwas anderes dahinterstecken“).

Die Arbeit von Gleichmaß e.V. wie die Gewaltschutzwohnung in Gera hat also Wirkung weit über den Kreis der Betroffenen hinaus. Mir ist erst bei der aktuellen Diskussion aufgefallen, dass ich das offen nenne, ohne schon automatisch die üblichen Schutzmechanismen („wenn Du das sagst, wird Du sozial vernichtet“) auszufahren.

Also, das scheint ein Weg zu sein! Was wäre ein nächster Schritt?

Die bisherigen Artikel zum schnellen Nachlesen:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich hatte schon einmal eine Liveversion gebracht – das Lied drückt meine verhalten optimistische Stimmung immer noch richtig aus.

Herbert Grönemeyer: Land unter

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3 Kommentare zu „Warum sich für mich tatsächlich etwas geändert hat“

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