Matzes Links: Feminismus und Gleichheit

Matze fügt auf einen alten Kommentar Nachricht an Nachricht. Der Artikel ist von 2015 und Matzes letzter Kommentar ist vom 1. April. Da der ursprüngliche Artikel von mir ist, werde ich über jeden neuen Kommentar benachrichtigt. Aber wahrscheinlich bin ich der einzige und das will ich hiermit ändern.

Daher schaut es Euch selbst an. Matze hat zumeist englischsprachige Belege dafür gesammelt, daß -äh- vielleicht nicht der gesamte Feminismus und deren Vertreterinnen das Konzept von equality kapiert hat. Feminusmus ist halt eben nicht die schockierende Überzeugung, daß Männer auch Menschen sind, um mal eine abgedroschene Phrase abzuwandeln.

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2015/12/11/wenn-gefuehlskaelte-auf-verlogenheit-trifft-plan-deutschland-und-benachteiligte-kinder-falschen-geschlechts/comment-page-1/#comment-7733

Danke Matze!

Warum ich lieber Alice Greschkow lese als das Austin Institute gucke

Ich hatte Alice Greschkow ein wenig aus den Augen verloren. In den Kommentaren bei Alles Evolution wurde ein neuerer Artikel von ihr erwähnt, auf den es sich lohnt, einzugehen.

Ausgangspunkt ist das folgende Video. Es war schon einmal Thema bei Alles Evolution. Ich halte es in vielen Punkten kritisierenswert und ich habe das ausführlich dort in den Kommentaren gemacht.

The Austin Institute: The Economics of Sex

Ich möchte jetzt nicht jeden Halbsatz von Alice Greschkow auseinandernehmen, sondern lieber auf einige interessante Punkte eingehen. Auch sie sieht das Video kritisch, findet aber ebenfalls einige Teilwahrheiten oder bedenkenswerte Fragen.

Tatsächlich erkannte ich jedoch einige Muster wieder – Männer, die das Interesse an einer Frau verlieren, wenn es „zu früh“ zum Sex kam, Frauen, die mit Anfang 30 nach einem festen Partner suchen, aber langfristige Schwierigkeiten mit Dating haben.

Lebensweisheit: Wenn ein Mann nach dem Sex das Interesse an einer Frau verliert, dann hatte er von Anfang an nur Interesse an Sex, nicht an ihr. (Insofern auch keine verpasste Gelegenheit für eine Beziehung.)

Von einer Frau Anfang 30 würde ich in Nord- und Westeuropa erwarten, dass sie schon beziehungserfahren ist, dass sie beruflich einigermaßen die Weichen gestellt hat und eine Ahnung hat, wo die Reise in den nächsten fünf Jahren hingehen soll. Einer Frau Anfang 30, die noch nicht weiß, was sie will, würde ich skeptisch gegenüberstehen und sie nicht für eine Partnerschaft in Erwägung ziehen. Es gibt einfach im Vergleich dazu zu viele, die ihren Kram beisammen haben.

Ich fand es bis vor wenigen Jahren zu hart geurteilt, muss aber inzwischen zustimmen: Die besten Jahre einer Frau, was die äußere Attraktivität angeht, gehen mit den 20ern zuende. Schauspielerinnen, Sängerinnen und Fotomodelle sind kein Maßstab für Normalsterbliche. Natürlich gibt es welche, die sich gut halten, die in späteren Jahren mehr Stil haben oder die charakterlich gefestigter sind – und ja, am Ende kommt es auf die Kombination an. Aber für das „reine“ Flirten kommt es eben doch sehr stark aufs Aussehen an.

Eine düstere Interpretation wäre, dass man als Frau immer den Kürzeren gezogen hat

Ich kann es nur begrüßen, dass Alice Greschkow dieser These eine klare Absage erteilt. Glücklich wird man damit nämlich nicht.

Tatsächlich schwirren beide Komponenten seit Jahren durch die Diskussion: War jetzt die moderne Dating-Welt eine Befreiung für Frauen oder eine unnötige Härte? Präsentiert wird dabei gerne die Version der Erzählung, bei der die Frau einen Nachteil erleidet. Das ist natürlich eine sichere Anleitung zum Unglücklichksein, und es kann auch so nicht stimmen.

Wenn man schon wirtschaftlich in emotionalen Angelegenheiten argumentieren möchte, könnte man ebenfalls dafür plädieren, dass durch das hohe Angebot, die möglichst besten Partner zueinander finden, die aufgrund echten Interesses und nicht wegen Kosten-Nutzen-Abschätzungen und Schwangerschaft zusammenbleiben. Angebot schafft die Freiheit, sich den Partner zu suchen, mit dem man eine erfüllte Beziehung führen kann und – evolutionär betrachtet – mit dem man die höchste Wahrscheinlichkeit aufweist, gesunde Nachkommen in die Welt zu setzen.

Richtig. Man muss an dieser Freiheit nur aushalten können, dass dann eben mehr Frauen und Männer alleine bleiben. Es hat seine Vor- und Nachteile, aber es ist nicht der Untergang des Abendlandes.

Dass Menschen allerdings schwer mit Freiheit umgehen können, hat wenig mit Wirtschaftslogik zu tun, sondern mit der modernen Gesellschaft, in der man zwar von Optionen überschwemmt ist, aber nicht lernt, wie man verantwortungsbewusste Entscheidungen entsprechend seiner eigenen Bedürfnisse trifft.

Ach, wie tut das gut, zu lesen, dass die Leute verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen müssen! Das ist ein ganz wichtiger Baustein gegen das ewige Klagen über „das Patriarchat“, „die Gesellschaft“, das Feindbild weißer Mann usw., die einen unterdrücken.

Ich muss zugeben, dass ich diesen Drang nach fester Bindung bereits in meinem Umfeld beobachten kann, was aber meines Erachtens auch daran liegt, dass es kein weibliches Pendant zum zufriedenen Junggesellen gibt. Die Frau, die mit 40 eine gute Karriere hat, gilt als alte Jungfer, während ihr männlicher Altersgenosse positiver konnotiert wird – zumindest im westlichen Kulturkreis. In osteuropäischen Ländern ist das Fehlen eines Partners ab einem bestimmten Alter auch bei Männern gesellschaftlich sanktioniert.

Das kenne ich genau umgekehrt: Eine Frau mit 40, die alleine ist, aber Karriere gemacht hat, gilt als modern – ein heterosexueller Mann, der dasselbe geschafft hat, gilt als Versager, weil er keine Frau an sich binden konnte. Ich hatte ja noch vor ein paar Tagen zitiert, wie sehr Singles zur Zielscheibe von Spott werden. Junggesellen zu beschämen („Hagestolze“) fügt sich ein in die 200-jährige Tradition der Moderne, Männern alles Schlechte zuzutrauen und sie daher alleine als unvollständig, verroht anzusehen (Christoph Kucklick).

In Osteuropa sind die Karten anders verteilt. Der Druck auf eine Frau, einen Mann zu finden, ist deutlich höher. Gleichzeitig ist – so zynisch es klingt – aufgrund der deutlich höheren Suizidraten unter Männern in einigen Ländern das Angebot an „tauglichen“ Männern auch knapper. Beides macht die Situation auf dem Partnermarkt für einen gesunden Mann mit solidem Einkommen im Vergleich zur Lage im Westen leichter.

Ein Bekannter von mir brachte es gut auf den Punkt: „Ihr Frauen arbeitet in guten Jobs, reist, seid viel unterwegs, feiert und habt selbstbestimmt Sex – ihr lebt wie ein Mann ohne Familie und den würdet ihr wegen dieses Lebensstils doch nicht auch bemitleiden, oder?“

Das ist mein Lieblingsteil im Artikel. Matze hatte ihn schon bei Alles Evolution zitiert, was mich überhaupt erst auf diesen Beitrag aufmerksam machte.

Es ist tatsächlich so: Wenn das die Situation einer Frau in Nord- und Westeuropa wiedergibt, hat sie keinen Grund zu klagen. Die meisten Männer würden jedenfalls gerne mit ihr tauschen. Wenn mir eine Frau Anfang 30 erzählen würde, sie wäre in dieser Lage und unzufrieden, weil sie allein sei, dann würde ich als erstes fragen, was sie denn in den Jahren davor gemacht hat. Nicht, dass es darauf keine gute Antwort gibt – ich würde sie nur gerne hören.

Also, das Video vom Austin Institute ist und bleibt merkwürdig, auch wenn es einige Anregungen zur Diskussion bietet. Alice Greschkows Texte kann ich nach wie vor entspannt lesen, ohne dass ich ihr in jedem Punkt zustimmen müsste.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Austin, nicht Aspen! 😀

Blake Shelton: Austin

Warum ich einmal grundsätzlich zum „gender empathy gap“ schreibe

Der Begriff „gender empathy gap“ wird taucht immer wieder in der Geschlechterdebatte auf. Aber was steckt genau dahinter?

Ich wollte schon lange einen Grundsatzartikel dazu schreiben, konnte mich aber nie entscheiden, wie herum ich die Argumentation aufziehen wollte. War das „gender empathy gap“ Ursache oder Wirkung, Annahme oder Folgerung? Schließlich wollte ich einen Zirkelschluss vermeiden. Dann las ich, was der Doktorant zu Induktion und Deduktion geschrieben hat, und ich hatte endlich eine Idee. Mal sehen, ob ich sie Sache halbwegs anständig über die Bühne bringe oder mich übernehme.

Meine Definition

Das „gender empathy gap“ – also die Empathielücke zwischen den Geschlechtern – bezeichnet das Phänomen, dass unter denselben Umständen die Angehörige eines Geschlechtes mehr Mitgefühl bekommen als die des anderen. Allgemein gilt dies im Durchschnitt, das heißt, auch wenn allgemein einem Geschlecht weniger Empathie entgegengebracht wird, kann es Fälle geben, in denen das andere weniger abbekommt.

So weit, so gut. Diese Definition sagt so noch nichts darüber aus
– ob dies tatsächlich allgemein so gilt
– welchem Geschlecht gegenüber weniger Empathie gilt
– was die Ursache hierfür ist

Diese Definition ist ferner dafür offen, dass es andere Kriterien für Empathie gibt, die stärker wirken als dieser Unterschied bei ansonsten gleichen Voraussetzungen.

Beispiele für Männer

Männerrechtler / Maskulisten führen an, dass Männern im allgemeinen weniger Mitgefühl entgegengebracht wird. Das fängt an mit Formulierungen in den Nachrichten wie „unter den Opfern waren auch Frauen und Kinder“, nach denen es offenbar weniger schrecklich ist, wenn Männer die Opfer sind.

Fefe hatte die Frage nach der Empathie einmal in größerem Zusammenhang gestellt, was ich an anderer Stelle bereits zitiert hatte:

Habe vorhin kurz bei zwei Biologen und einer Psychologin nachgehakt:

Im Wesentlichen triggert

  1. der Tod eines Kindes am stärksten,
  2. dann der einer attraktiven Frau im gebärfähigen Alter,
  3. dann folgt der Tod eines „schwachen“ Menschen (alt, körperlich eingeschränkt, geistig eingeschränkt und, tatsächlich, „alle anderen Frauen“ -> also Frau tatsächlich auf derselben Empörungsstufe wie ein „behinderter“ Mensch!)
  4. und dann erst folgen Männer.

Männer im wehrfähigen Alter erhalten das geringste Mitgefühl, wenn ihnen etwas wie „Tod durch Erschießen“ widerfährt.

Die Einsender bei Fefe hatten zum Großteil Evolutionsbiologie als Ursache angegeben. Sowohl die Verfeinerung der Empathierangfolge als auch die Erklärung erscheinen mir schlüssig.

Das Schöne an dem biologischen Hintergrund ist ja: Es ist verständlich, ohne dass es bedeutet, dass es so bleiben soll. Insbesondere in einem westlichen Industriestaat ist nicht einzusehen, warum gegen diese biologischen Grundlagen, die früher einmal sinnvoll waren, nicht jetzt gegengesteuert werden sollte (wenn sich auch, da bin ich realistisch, die Biologie nie verleugnen oder negieren läßt). Insbesondere die kulturelle Ausformung ist ja gerade nicht durch die Biologie vorbestimmt, selbst wenn die Biologie einen Rahmen vorgibt, innerhalb dessen man sich bewegen kann.

Dies ist kein „reines Männeranliegen“, wie Genderama an einem interessanten Fall belegte. Hintergrund war eine steigende Zahl von Übergriffen gegen Frauen bei der Polizei. Nach wie vor sind allerdings zu 82,5% Männer betroffen, sogar 87,5% bei Totschlag. Ein Leser kommentierte: Bei der französischen Polizei seien Frauen anstrengend, weil sich im Konfliktfall die Männer automatisch vor sie stellten. Man kenne von der israelischen Armee, dass Soldaten ihren Auftrag vergäßen, um eine Soldatin zu retten. Die Veränderung in Deutschland sei also ein Zeichen von Gleichberechtigung. Die Reaktion darauf war allerdings, dass der Chef der Gewerkschaft der Polizei NRW eine Begrenzung des Frauenanteils forderte. Arne Hoffmann urteilte:

Die Tendenz, das Leiden von Männern leichter als das Leiden von Frauen zu gewichten, droht hier ausnahmsweise auch einmal die Gleichberechtigung von Frauen zu torpedieren.

Zur Kultur, genauer zur Popkultur, äußerte sich Blogger uepsilonniks in einem Kommentar bei „Alles Evolution“:

Man schaue sich mal an, wer als Vertreter seines Geschlechts etwa in Action-Filmen Gewalt erfährt und reihenweise getötet wird, ohne dass es den Filmspaß trübt. Wären es Frauen die vom Helden abgeschlachtet würden, der Film würde keinen Spaß machen (genauso wie bei Kindern). Auch das zeigt: Wir verurteilen Gewalt gegen Frauen stärker, leiden mit, können das nicht auf die leichte Schulter nehmen sind also anders als bei Männern dem gegenüber sensibilisiert.

Folgen zur kritischen Beobachtung

Was sind die erwartbaren Folgen eines solchen Empathieunterschiedes gegenüber Männern allgemein bzw. Männern im wehrfähigen Alter?

Nummer eins wäre für mich, dass man sich weniger um diese allgemeine und noch weniger um deren spezielle Untergruppe kümmert. Stattdessen werden sie sich selbst überlassen.

Einen institutionellen Hinweis in diese Richtung haben wir schon: Das BMFSFJ kümmert sich um alle außer Männer zwischen 18 und Rentenalter.

Nummer zwei: Probleme aller Art, von denen sie ausschließlich oder in stärkerem Maße als andere betroffen sind, bekommen weniger Aufmerksamkeit.

Wie ich im oben bereits erwähnten Artikel, in dem ich einen Beitrag von Fefe zitierte, schrieb:

Die geringere Empathie bei Männern wird sich bei der Behebung von Problemen, von denen Männer häufiger betroffen sind (Selbstmord, Obdachlosigkeit, Trennung von Kindern) erschwerend auswirken.

Nummer drei: Wird dann doch einmal spezielle Aufmerksamkeit für diese Gruppen gefordert, dann erwarte ich einen Abwehrreflex, gerne getragen von dem Gefühl, dass man das Mitleid „an die falschen Leute verschwendet, die es am wenigsten brauchen“.

Hier kann dann als „Begründung“ eine Argumentation mit Durchschnitten kommen, etwa welche Gruppe insgesamt im Schnitt reich ist, Macht hat usw., ohne zu berücksichtigen, dass die Mitglieder einer demographisch definierten Gruppe keineswegs untereinander zusammenhalten und alle anderen ausklammern und dass ein Durchschnitt nichts bedeutet, wenn man die Varianz, Standardabweichung, kurz: Verteilung innerhalb der Gruppe zu kennen.

Was die Probleme, die außerhalb der Aufmerksamkeit liegen, angeht, so drückt es Martin Daubney so aus (gefunden via Genderama):

Man muss beweisen, dass Männer und Jungen leiden, weil es die meisten Leute einfach nicht glauben.

Hilfsangebote speziell für Männer und Jungen erleben eine Abwehr. Das führt dann zum Beispiel zu Sachbeschädigung.

Wie kommt man die Probleme derzeit aus dem toten Winkel? Wie es Matze sinngemäß beschrieb: Probleme, die Männer haben, werden erst dann relevant, wenn Frauen durch sie Nachteile erleiden.

Was tun?

Wenn der gender empathy gap tatsächlich vor allem Männer trifft, dann ergeben sich darauf einige interessante Konsequenzen, wenn man Schieflagen mehr Aufmerksamkeit verschaffen möchte, von denen Männer besonders betroffen sind:

Weil Männer weniger Mitleid bekommen…

  1. …ist es wichtig, auf die Verzahnung des Wohlergehens von Männern mit dem von Frauen und Kindern hinzuweisen, also gerade das Gegenteils des „Geschlechterkrieges“ zu präsentieren. Lucas Schoppe hat diesen Aspekt so oft erwähnt, dass ich aufgehört habe, zu zählen.
  2. …ist das Etablieren und Einhalten allgemeiner, universaler Rechte dienlicher als eine spezielle Aufmerksamkeit oder Förderung. Kurioserweise ist letzteres eine Standardforderung von Lügnern und Manipulatoren (SJW) sowie Gender-Feministinnen, während sich auf ersteres einige Gegner dieser Gruppen berufen.
  3. …lohnt es sich, beim Interesse wecken für ein Problem gerade keinen besonderen Wert auf das Geschlecht der Betroffenen zu legen oder weibliche Betroffene ins Rampenlicht zu rücken. Das passt frappierend mit der Beobachtung zusammen, dass sobald über eine Betroffenengruppe berichtet wird, die überwiegend männlich ist, entweder das Geschlecht nicht erwähnt wird oder besonderer Fokus auf der weiblichen Minderheit liegt.

Das alles gilt allerdings nur vor dem Hintergrund, dass man diesen „gender empathy gap“ als „gegeben“ hinnimmt und nicht gegen ihn angeht. Angesichts der Lage der Dinge halte ich es allerdings für utopisch, dass das zuerst geschieht.

Die argumentative Redlichkeit gebietet es außerdem, stets zu messen, ob es Beispiele gibt, die den oben genannten Ausführungen widersprechen. Es darf ja nicht in die Richtung gehen „wir nehmen den gender empathy gap als gegeben hin und stellen ihn nicht mehr in Frage“. Es muss stets eine Offenheit geben in die Richtung „Was würden wir denn erwarten, wenn es sich so verhält? Was beobachten wir in der Realität? Was entspricht unseren Erwartungen, was verhält sich anders?“.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Dass es tatsächlich einmal eine Band mit diesem Namen gegeben hat…

The Gap Band: Early In The Morning

Fundstück: Das Dilemma – Förderung nur für beide Geschlechter?

Ein interessantes Dilemma wurde vor einigen Tagen bei Alles Evolution angesprochen. Es ergibt sich aus einer harmlosen Frage: Sollten staatlich geförderte Projekte sich immer an beide Geschlechter wenden müssen?

In Großbritannien etwa haben bestimmte Organisation bereits Förderung verloren, weil sie nichts für Männer anbieten. Und tatsächlich wären in Deutschland nach meiner Einschätzung mehr Initiativen bedroht, die „nur für Frauen“ da sind.

pro: Das ist der Ansatzpunkt, um zu zeigen, dass mit demjenigen Feminismus, der staatlich und medial hofiert wird, eben nicht Gleichberechtigung angestrebt, sondern reine Frauenförderung praktiziert wird. Wie es Kommentator Matze nicht müde wird zu wiederholen: Sobald Männer profitieren würden, werden entsprechende Gesetze bekämpft. Oder wie es bei Genderama beispielhaft zu lesen war: Auch Männer könnten profitieren: Feministinnen plötzlich „alarmiert“ über Gleichstellungsgesetz.

contra: Wie von Jochen Schmidt genannt, wären dann auch spezielle Förderungen wie etwa Lesen für Jungen nicht mehr drin. Oder (mein Beispiel) wenn man davon ausgeht, dass die bisher als typisch geltenden Symptome für Depressionen vor allem auf Depressionen bei Frauen basieren, sich die Krankheit bei Männern also anders äußert, dann läßt sich in die Richtung nicht so einfach forschen mit staatlicher Unterstützung. Es wäre auch generell schwierig, sich bei Hilfsangeboten auf irgendwelche Probleme zu spezialisieren, die bei Männern und Frauen anders ausfallen.

Immerhin gibt es einen Lichtblick aus der Praxis. Er stammt von Tristan Rosenkranz von Gleichmaß e.V. im Interview mit der Ostthüringer Zeitung zum Thema Gewaltschutzwohnung für Männer. Auf die Frage im Interview, was der Verein unternehme, wenn sich von Gewalt betroffene Frauen an ihn wenden:

Sie bekommen sofort einen Kontakt, wohin sie sich wenden können. Wir lassen sie nicht allein.

Sauber! So soll es sein.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Beim Thema „Probleme und Hilfsangebote“ musste ich doch tatsächlich an dieses frühe Coldplay-Lied denken:

Coldplay: Trouble

Fundstück: Männliche Ausländer haben eine doppelte Chance, unter Generalverdacht gestellt zu werden

„Wo bleibt da die Chancengleichheit?“, möchte man zynisch hinzufügen. Doch der Reihe nach.

Gerhard kritisiert einen Artikel über Kriminalität von Ausländern von asemann:

Ersetze „Ausländer“ durch „Männer“ und Du hast genau dieselbe femifaschistische Argumentation, die auch [Margarete] Stokowski so gerne hinlegt.

Die „Eine Zeitung“ berichtete kurz zuvor: „Es war schon wieder ein Mann!!!“: Lutz Bachmann fordert nach Mord an Freiburger Studentin Ausweisung aller Männer. Übertroffen hatte das zuvor nur Der Postillon mit seiner Schlagzeile über die Gruppe mit den meisten Verbrechern.

Via Fefe, der über Berichterstattung in gleichen Fall bloggte, stieß ich auf einen Artikel in der Berliner Zeitung, in dem mir einige Abschnitte besonders ins Auge fielen:

„Aber wir dürfen nicht vergessen“, ergänzte [Steffen] Seibert nun, „wir reden von der möglichen Tat eines afghanischen Flüchtlings – nicht von einer ganzen Gruppe von Menschen, die wie er Afghanen oder Flüchtlinge sind.“
(…)
Darum bat auch Freiburgs grüner Oberbürgermeister Dieter Salomon: Man möge „die Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranzuziehen“.

Aber das Geschlecht schon? Bzw. man möge bitte die Herkunft des mutmaßlichen (Rechtsstaat!) Täters ignorieren, damit er dann genauso wie inländische Männer unter Generalverdacht gestellt werden kann? Wann hören wir so etwas wie „wir reden von der möglichen Tat eines Mannes – nicht von einer ganzen Gruppe von Menschen, die wie er Männer sind.“?

Die Ruhrbarone haben einen Artikel veröffentlicht, in dem Martin Niewendick genau das Gegenteil getan hat: Er zählt einzelne Taten von Männern gegen Frauen auf und summiert das als „Der Krieg der Männer gegen die Frauen„. Allerdings bekommt er in den Kommentaren ordentlich Gegenwind, gerade von einigen üblichen Verdächtigen hier aus der Blogblase:

Matze:

Soll ich hier jetzt eine Liste starten mit Müttern die ihre Kinder töten und das ganze dann der Krieg der Mütter gegen ihre Kinder nennen? Denn zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Kindstötungen werden durch die leiblichen Mütter verübt.

Adrian:

Ein erstaunlich erfolgloser Krieg, bedenkt man, dass Frauen die Mehrheit stellen, länger leben und seltener Opfer von Gewalt werden als Männer.

djadmoros:

Mit demselben Level an verallgemeinernder Dummheit ließe sich schreiben, dass ein Krieg »der Ausländer« gegen »die Deutschen« herrscht oder ein Krieg »der Moslems« gegen »das Abendland«. Aber das wäre dann zweifellos »Hate Speech«.

Ebenso bezeichnende wie weitverbreitete Doppelmoral: Sexismus ist Scheiße, außer gegen Männer. Rassismus ist Scheiße, außer gegen Weiße.

uepsilonniks:

Das was der Autor hier mit Männern macht, machen Rassisten exakt genauso mit Flüchtlingen, Muslimen, Ausländern. Aber hey, der aufrechte Pseudolinke weiß genau zwischen guter und böser Hetze zu unterscheiden…

Und damit schließt sich der Kreis. Ich bin sehr erfreut darüber, dass als Mittel, um sie vor Augen zu führen, „Männer“ und „Ausländer“ in beide Richtungen getauscht werden. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) ist immer abzulehnen. Genau diese Erkenntnis ist es, die ich zum Beispiel mit der Serie „Spaß mit Männerhass“ erzielen möchte.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo es sowohl um Ausländer als auch Männer geht…

Foreigner: Growing Up The Hard Way