Warum ich diese Gewaltschutzwohnung für Männer unterstütze

Sofort zur Sache: Gleichmaß e.V. hat dazu aufgerufen, für eine Gewaltschutzwohnung für Männer zu spenden. Sowohl Geld- als auch Sachspenden sind willkommen. Oder, wie es im Original heißt:

uns liegt seit wenigen Tagen die Zusage einer Geraer Wohnungsgenossenschaft vor, für zunächst ein Jahr zu mietfrei und zu sehr günstigen Konditionen eine vollsanierte Einraum- als Schutzwohnung für von häuslicher Gewalt betroffene Männer nutzen zu können. Eine öffentliche Förderung liegt uns bis heute nicht vor.

An dieser Stelle möchten wir Sie um Ihre Unterstützung bitten. Wir benötigen neben finanziellen Mitteln insbesondere auch Sachspenden in Form von Mobiliar, Haushaltsgeräten, Ausstattungsgegenständen und Haushaltwäsche. Wir würden uns über Ihre Unterstützung in Form von Spenden und Weiterverbreitung dieses Gesuchs sehr freuen. Für Geldspenden nutzen Sie mit dem Betreff “Gewaltschutz Gera” bitte unser Vereinskonto bei der Bank für Sozialwirtschaft, für Sachspenden bitten wir Sie um kurzfristige Kontaktaufnahme mit uns.

Und was soll ich sagen? Das hat mich sofort sehr bewegt. Lange hat mich nichts mehr so angesprochen. Wenn etwas unterstützen, dann das! Ich werde über eine Person meines Vertrauens einen Geldbetrag überweisen lassen.

Interessant, was mir beim Lesen des Aufrufs als erstes in den Sinn kam. Ich musste direkt an folgenden Beitrag denken:

Häusliche Gewalt gegen Männer – Tagesthemen vom 3. November 2010

Warum finde ich das Projekt so gut? Es ist im Grunde alles dabei, was man sich wünschen kann, wenn man dazu beitragen will, etwas zu verändern:

  • eine ganz konkrete Aktion, die mit realistischem Aufwand umgesetzt werden kann
  • die Hilfe kommt einer Gruppe zugute, die sich meist im toten Winkel der öffentlichen Wahrnehmung wiederfindet – oder bei einigen Leuten aus ideologischen Gründen gar nicht vorkommen darf
  • es ist umgekehrt eine günstige Gelegenheit, um Farbe zu bekennen zu einer an Gleichberechtigung und Diskriminierungsfreiheit interessierten Gesellschaft, die jedem Menschen helfen will, der in Not geraten ist
  • das Projekt ist nicht vom Einlenken aus der Politik oder dem Bewegen breiter Massen abhängig, könnte im Erfolgsfall aber moralisch beschämend wirken („für solche Opfer musste eine private Initiative ran“ – ein Armutszeugnis!)
  • jedes Gewaltopfer, das Unterstützung erfährt, ist ein aussichtsreicher Kandidat weniger für zwei andere Klassiker unter den Männerthemen: Obdachlosigkeit und Selbstmord

In dem Spendenaufruf, den Gleichmaß e.V. gestern per E-Mail verschickt hat, findet sich noch ein bemerkenswerter Satz:

Besagte Gewaltschutzunterkunft würde aus unserer Erfahrung heraus ein
Signal deutlich über die Stadtgrenzen hinaus senden.

Das kann ich mir gut vorstellen. So selten, wie solche Männerhäuser (oder -wohnungen) noch sind, können sie umso mehr Presseecho erzeugen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird“ – das ist das passende Motto für so eine Aktion.

Der Postillon vermeldete am Samstag „»Jetzt brauche ich nur noch einen Drummer«
– neue Band von Jesus fast komplett“ und zeigte Lemmy, David Bowie und Prince. Leider wurde dieser makabre Scherz von der Realität eingeholt: Gestern ist Wolfgang „Wölli“ Rohde, ehemaliger Schlagzeuger der Toten Hosen, verstorben. Das damalige Lied hat er mit eingespielt und er ist auch gut im Video zu sehen.

Die Toten Hosen: Wünsch Dir was

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6 Kommentare zu „Warum ich diese Gewaltschutzwohnung für Männer unterstütze“

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