Fundstück: Blogblume gegen den Begriff Social Justice Warrior

In einem Kommentar zum gestrigen Artikel wies Leszek auf einen Artikel von Blogblume hin: Social Justice Warrior ist ein Scheißbegriff

Über den Begriff hatte es vor kurzem noch einen Artikel mit längerer Diskussion bei Alles Evolution gegeben. Von daher wusste ich schon, dass Leszek ihn ebenso ablehnt wie „Gutmensch“.

Blogblumes Artikel ist vollständig lesenswert. Insbesondere beschreibt sie die manipulativen Methoden, mit denen in Diskussionen die Oberhand gewonnen werden soll, ohne tatsächliche Argumente zu haben.

Sie nimmt das Beispiel GamerGate und nennt bestimmte Äußerungen gegen GG ganz direkt Lügen. Der entscheidende Part des Artikels ist aus meiner Sicht folgender:

Warum ist nun also der Begriff Social Justice Warrior falsch?

Weil es nicht um soziale Gerechtigkeit geht. Es geht vor allem nicht um Gerechtigkeit. Es geht darum, Menschen zu lenken. (…) Während der Begriff “Social Justice Warrior” ähnlich wie “Gutmensch” mittlerweile von den Angesprochenen stolz getragen wird, verbirgt er jedoch, worum es wirklich geht. Lügen und Manipulation im Namen des guten Zwecks. Dabei zerstören sie die Diskussion um den guten Zweck mit ihrem Auftreten so sehr, dass man über das Thema nicht mehr öffentlich sprechen kann. Sie zerstören also jede Basis einer sachlichen Diskussion.
(…)
Streichen wir also den Begriff “Social Justice Warrior” und ersetzen ihn durch die Begriffe, die wir bereits haben, wenn sie doch sowieso zutreffen: “Lügner und Manipulator”

Eine interessante Idee, das Kind direkt beim Namen zu nennen. Gleichmaß e.V. ist ja auch kürzlich dazu übergegangen, statt Alleinerziehende Getrennterziehende zu verwenden, weil das den Sachverhalt zutreffender beschreibt.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Hier ein Lied, in dem auch Krieger vorkommen…

Manowar: Warriors of the World United

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21 Antworten zu Fundstück: Blogblume gegen den Begriff Social Justice Warrior

  1. S.B. schreibt:

    Oder wie ich mal vor einiger Zeit als Vorschlag gelesen hatte:

    SJB. Social Justice Bullies.

    Das würde dann die Tendenz dieser Leute mit umfassen, gegen Leute die ihnen nicht passen sofort Schmutzkampagnen übelster Art loszutreten, mit Lügen und Manipulation, als enthemmter Mob sich darauf zu stürzen, und nicht aufzuhören bis sie Karriere und Leben zerstört haben, und sich auch noch im Recht dabei vorkommen.

    Das ist exakt so wie Mobber vorgehen. Das schlimme am Mobbing ist ja, daß ein Mobber sich auch noch im Recht vorkommt. (die verteidigen ihr Tun mit ‚der musste diszipliniert werden‘ o.ä.)

  2. Der Chöne Pernhardt schreibt:

    SJW steht für Self Justified Wanker und trifft ziemlich gut. Alternativ könnte man natürlich auch Begriffe wie Mobber, Arschloch usw. verwenden.

  3. James T. Kirk schreibt:

    „Blogblume“ ist ein nicht zu empfehlendes Blog. Ich hatte dort mal einen völlig harmlosen Kommentar zum Thema Islam hinterlassen, der nicht freigeschaltet wurde.

    Der Begriff Social Justice Warrior ist in der Tat ein schlechter Begriff, denn „Gutmensch“ trifft es viel besser. Die weltfremde Waschzwanghaltung manch „Gemäßigter“ und „Linker“ ist schon amüsant.

    Wenn jemand den Begriff der Transzendenz nicht versteht und falsch gebraucht, wie dies Richard Dawkins tut, so ist der Begriff noch lange nicht obsolet.

    Es kommt darauf an, ihn richtig zu gebrauchen. Dies nehme ich für mich hinsichtlich „Gutmensch“ in Anspruch, und ich sehe in den Kommentaren bei Online-Medien, daß sehr viele Menschen den Begriff ebenfalls richtig gebrauchen. Auch Arne Hoffmann gebrauchte ihn einmal, wenngleich er ihn wenig später wegzensierte. Was auch sehr aussagekräftig ist.

    Ich verheimliche hier nicht, wie wütend mich diese kleinkarierten, scholastischen Eiertänze einiger Realitätsverweigerer machen. Mögen die „Gemäßigten“ noch viel Spaß dabei haben, sich als die Guten zu feiern und herauszufinden, was artig und brav ist und was nicht.

    PS:“Lügner“ und „Manipulator“ fehlt leider die psychologische Realität, die in „Gutmensch“ enthalten ist. Sehr sehr schwach argumentiert. Aber nicht verwunderlich bei dieser Realitätsverweigerung. Denn der Gutmenschenbegriff ist ja böse. Da übersehen wir mal den entscheidenden Inhalt.

    • Leszek schreibt:

      @ Kirk

      „“Blogblume” ist ein nicht zu empfehlendes Blog.“

      Das sehe ich anders.

      „Der Begriff Social Justice Warrior ist in der Tat ein schlechter Begriff, denn “Gutmensch” trifft es viel besser.“

      Der Begriff „Social Justice Warrior“ ist ein schlechter Begriff, aber der bescheuerte rechte Kampfbegriff „Gutmensch“ ist in der Tat noch schlechter.

      „Die weltfremde Waschzwanghaltung manch “Gemäßigter” und “Linker” ist schon amüsant.“

      Das nennt man ethische Kohärenz und Konsequenz, Kirk, gewöhn dich besser dran. 🙂

      „Wenn jemand den Begriff der Transzendenz nicht versteht und falsch gebraucht, wie dies Richard Dawkins tut, so ist der Begriff noch lange nicht obsolet.“

      Als Agnostiker sehe ich durchaus ein, dass der Begriff „Transzendenz“ ein für philosophische Diskussionen zweckmäßiger Begriff ist, was man von dem bescheuerten rechten Kampfbegriff „Gutmensch“ wohl kaum behaupten kann.

      „Es kommt darauf an, ihn richtig zu gebrauchen. Dies nehme ich für mich hinsichtlich “Gutmensch” in Anspruch, und ich sehe in den Kommentaren bei Online-Medien, daß sehr viele Menschen den Begriff ebenfalls richtig gebrauchen.“

      „Gutmensch“ ist ein verbrannter Begriff, unwiderruflich gekapert von der politischen Rechten, was nicht verwunderlich ist, da ein Begriff, der sich in seinem inhaltlichen Gehalt gegen ethische Werte und Prinzipien an sich richtet und das Ideal des guten Menschen zum Feindbild erklärt, nunmal gerade für Personen, die in moralpsychologischer Hinsicht im Sinne von Kohlbergs Stufenmodell auf den unteren Stufen stehen, besonders ansprechend wirkt.

      „Auch Arne Hoffmann gebrauchte ihn einmal,“

      Tatsächlich? Ist mir früher auch schonmal passiert. Jedem kann mal ein Fehler unterlaufen.

      „wenngleich er ihn wenig später wegzensierte. Was auch sehr aussagekräftig ist.“

      Ja, es verdeutlicht Befähigung zu kritischer Reflektion und Selbstkorrektur.

      „Ich verheimliche hier nicht, wie wütend mich diese kleinkarierten, scholastischen Eiertänze einiger Realitätsverweigerer machen.“

      Darf ich dir ein Taschentuch reichen? 🙂

    • James T. Kirk schreibt:

      Das übliche peinliche Leszek-Geschwafel.

      Keinerlei argumentativer Bezug.

      Schwachsinnige Behauptungen wie die Folgende:

      “Gutmensch” ist ein verbrannter Begriff, unwiderruflich gekapert von der politischen Rechten, was nicht verwunderlich ist, da ein Begriff, der sich in seinem inhaltlichen Gehalt gegen ethische Werte und Prinzipien an sich richtet und das Ideal des guten Menschen zum Feindbild erklärt, nunmal gerade für Personen, die in moralpsychologischer Hinsicht im Sinne von Kohlbergs Stufenmodell auf den unteren Stufen stehen, besonders ansprechend wirkt.

      Das ist so unfaßbar schwachsinnig, daß es wehtut. Solche verkopften Korinthenkacker wie du werden zu Recht mit Argwohn beobachtet.

      Darauf muß man erst mal kommen: Der Gutmenschenbegriff stellt das Ideal des guten Menschen infrage. So verklemmt muß man erst mal sein. Da scheint wohl jemand Ironie-Legastheniker zu sein.

      Gutmenschen pervertieren ethische Ideale, indem sie diese auf dem Banner tragen, aber real Inhumanitäten produzieren – und das auf eine sehr verlogene Weise.

      So wird ein Schuh daraus.

      Unfaßbar, wie jemand mit irgendwelchen bekloppten Konservativen als Strohpuppen kommen kann und auweiohwei blökt und ihnen vor allem solch eine Definitionshoheit zuspricht. Unsagbar peinlich. Der Gutmenschenbegriff wird in Kommentarspalten von Online-Medien weit überwiegend richtig angewendet.

      Auch Linke treiben Mißbrauch mit Begriffen, deshalb sind die Begriffe nicht unbedingt obsolet.

      Diese Kleinkariertheit und autistische Einigelung finde ich immer wieder erschreckend.

      Mit dieser Waschzwang-Haltung machen sich linke und gemäßigte Männerrechtler keine Freunde.

      • Leszek schreibt:

        @ Kirk

        „Das ist so unfaßbar schwachsinnig, daß es wehtut. Solche verkopften Korinthenkacker wie du werden zu Recht mit Argwohn beobachtet.“

        Mir ist eigentlich scheißegal, ob mich manche konservative oder homophobe Personen „mit Argwohn beobachten“, ich schreibe mehr für Leute mit Offenheit für humanistisch-universalistische Ansichten.

        „Darauf muß man erst mal kommen: Der Gutmenschenbegriff stellt das Ideal des guten Menschen infrage.“

        Ich bin nicht der einzige, der darauf gekommen ist. So schrieb die Jury zum Unwort des Jahres 2011 in ihrer Begründung dafür, den rechten Kampfbegriff „Gutmensch“ auf den zweiten Platz zu wählen:

        „Weitere Unwörter für das Jahr 2011: Gutmensch
        Begründung: Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender
        Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören.“

        http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2011_01.pdf

        „So verklemmt muß man erst mal sein. Da scheint wohl jemand Ironie-Legastheniker zu sein.“

        Dass der rechte Kampfbegriff „Gutmensch“ dazu geeignet ist, es Leuten aus dem rechten politischen Lager psychologisch zu erleichtern im Netz verbal die Sau rauszulassen, scheint mir eigentlich ziemlich offensichtlich zu sein. Hier ein lesenswerter Genderama-Artikel zum Thema:

        http://genderama.blogspot.de/2014/07/meine-tage-im-hass.html

        „Gutmenschen pervertieren ethische Ideale, indem sie diese auf dem Banner tragen, aber real Inhumanitäten produzieren – und das auf eine sehr verlogene Weise. So wird ein Schuh daraus.“

        In Wirklichkeit ist „Gutmensch“ allerdings ein nicht-definierter, irrationaler rechter Kampfbegriff, der argumentfrei auf alles und jeden angewendet wird, was der politischen Rechten nicht gefällt.

        „Auch Linke treiben Mißbrauch mit Begriffen, deshalb sind die Begriffe nicht unbedingt obsolet.“

        Begriffe wie Misogynie oder Misandrie, Homophobie oder Heterophobie sind wissenschaftlich sinnvolle Begriffe. Daran ändert sich auch nichts dadurch, dass jeder Anti-Diskriminierungsdiskurs die Gefahr beinhaltet aus jedem Furz eine Diskriminierung zu machen. Das muss man eben kritisch mitreflektieren.

        „Gutmensch“ hingegen ist kein nützlicher wissenschaftlicher Begriff, sondern ein nicht näher bestimmter, irrationaler Kampfbegriff der politischen Rechten, tatsächlich sogar DER zentrale zeitgenössische Kampfbegriff der politischen Rechten in ihren verschiedenen Fraktionen, mit dem diese kulturelle Hegemonie anstreben.

        Aber natürlich gibt es auch immer noch Personen, die diesen Begriff verwenden, die nicht politisch rechts stehen, diese gilt es eben zu informieren, dass es sich bei „Gutmensch“ heute um einen rechten Kampfbegriff handelt. Ich habe schon häufig die Erfahrung gemacht, dass Leute, wenn ihnen dies bewusst wird, sich dafür entscheiden diesen Begriff nicht mehr zu gebrauchen und bin daher optimistisch, dass es auch in Zukunft solche Fälle geben wird.

        „Diese Kleinkariertheit und autistische Einigelung finde ich immer wieder erschreckend.“

        Ich lehne sowohl die rechte wie die linke Variante der Political Correctness ab. Tatsächlich ist es für mich nur vertretbar beide gleichzeitig auf der ideologischen Ebene zu bekämpfen, damit durch den Kampf gegen die eine Seite nicht die andere gestärkt wird. Ich möchte einen Beitrag dazu leisten beide genannten Diskurse zu zerstören und durch die kulturelle Hegemonie einer humanistisch-universalistischen Perspektive zu ersetzen.

        Für mich ist die rechte Variante der Political Correctness mit ihrem Kampfbegriff „Gutmensch“ genauso wenig ein Partner wie die (vulgär-)poststrukturalistische, linke Variante der Political Correctness mit ihren PC-Feindbild „weißer, heterosexueller Mann“ und genauso wenig wie ich eine Konzession an das PC-Feindbild des weißen, heterosexuellen Mannes mache, wird es von mir jemals irgendeine Konzession an den rechten Kampfbegriff „Gutmensch“ geben. Ich lehne beide Diskurse ab und werde beide mit den besseren Argumenten bekämpfen.

      • James T. Kirk schreibt:

        Die hier hochgelobte Jury der Gesellschaft für Deutsche Sprache findet auch „Opferabo“ oder „Lügenpresse“ ganz schlimm. Diese linksverblödete Mischpoke nimmt also ein Leszek ernst.
        „Lügenpresse“ wird in der Begründung meines Wissens mit den Nazis in Verbindung gebracht, obwohl der Begriff schon vorher existierte und auch von den 68er-Studenten benutzt wurde. Aber na ja. Solange Manipulation und Verdummung von Links geschehen, ist Leszek immer begeistert dabei und schaltet seinen überladenen Verstand ab.

        Wen interessiert es, was eine Scheiß-Jury aus dem linken Intellektuellen-Milieu zu irgendwas denkt? Als ob die eine Autorität wäre.

        Diese Jury verwendet selbst eine argumentfreie Dämonisierungsrhetorik.

        Na ja. Es ist auch naiv von mir zu glauben, man könnte einem Gutmenschen die Berechtigung des Gutmenschenbegriffs erklären. Hier liegt das zentrale Problem.

      • Leszek schreibt:

        @ Kirk

        „Die hier hochgelobte Jury der Gesellschaft für Deutsche Sprache findet auch “Opferabo” oder “Lügenpresse” ganz schlimm.“

        Das ist allerdings irrelevant, da ich trotzdem in dem spezifischen Fall von „Gutmensch“ mit ihnen einer Meinung bin.

        „Solange Manipulation und Verdummung von Links geschehen, ist Leszek immer begeistert dabei und schaltet seinen überladenen Verstand ab.“

        Eigentlich nicht, ich verstehe unter einer Kritik der (vulgär-)poststrukturalistischen, linken Political Correctness nur etwas anderes als du und praktiziere sie außerdem dialektisch bei gleichzeitiger Kritik der rechten Variante der Political Correctness, wie ich dir ja bereits erklärt habe.

        „Wen interessiert es, was eine Scheiß-Jury aus dem linken Intellektuellen-Milieu zu irgendwas denkt?“

        Z.B. mich, da ich in diesem spezifischen Fall mit ihnen übereinstimme. 🙂

        „Na ja. Es ist auch naiv von mir zu glauben, man könnte einem Gutmenschen die Berechtigung des Gutmenschenbegriffs erklären. Hier liegt das zentrale Problem.“

        Wie du meinst. 🙂
        Ich sehe die Problematik des Begriffs wie gesagt woanders.

  4. Peter schreibt:

    Das Wort „Gutmensch“, mehr noch als „Social justice warrior“ ist zu einem Codewort – im Sinne eines Erkennungszeichen – für Konservative (um es mal moderat auszudrücken) geworden. Daher die reflexartige Ablehnung von Dir, Leszek. Eigentlich solltest Du zwischen der Funktion des Wortes als Kodewort und seiner ursprünglichen Bedeutung und Verwendung unterscheiden können. Ich benutze das Wort Gutmensch nur deshalb nicht, weil es zu einem Codewort geworden ist. Das verbreitete Phänomen der Bigotterie und Selbstgerechtigkeit aber braucht Bezeichnungen. Wie wäre es mit dem guten alten „Moralapostel“ anstatt „Gutmensch“?

    • James T. Kirk schreibt:

      Wie wäre es mit Gutmensch? Der Begriff hat nun mal eindeutige semantische Vorteile. Gerade deshalb sollte man ihn in einer rationalen Weise gebrauchen, damit der Mißbrauch durch manche Konservative ein Gegengewicht erhält und man sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen läßt. Immerhin ist deine Betrachtung etwas differenzierter als die vom linken Puritaner Leszek. Das Wort Gutmensch wird seit Jahrzehnten gebraucht. Ein verlogener Typ wie Leszek wird ganz sicher nicht erklären können, warum man sich nun von Konservativen einen Begriff vermiesen lassen soll und wie oft die den eigentlich mißbräuchlich angewendet haben müssen, daß das normale Volk gefälligst seine Finger davon lassen soll.

      An diesen Momenten erkennt man schön das paranoide linksradikale Milieu, dem Leszek entstammt.

      Eine Ironie der ganzen Sache ist ja auch, daß selbst irgendwelche Teaparty-Anhänger oder besagte Konservative den Begriff durchaus auch richtig gebrauchen. Leszek ist doch so ein Empiriker und Wissenschaftsfanatiker. Dann soll er doch mal die Belege aus dem konservativen Milieu bringen, wo der Begriff unangemessen verwendet wird – und wo er angemessen verwendet wird. Er ist doch so geil auf Wissenschaftlichkeit.

      Hier wird auch deutlich, warum Leszek solch eine formalistische Voodoo-Argumentation verwendet, nach der angeblich schon der Begriff des Gutmenschen selbst ethische Ideale negiert. Dann muß man sich nicht mehr um die Empirie kümmern. Das ist einfach nur Kindergarten-Niveau.

    • Leszek schreibt:

      @ Peter

      „Das Wort “Gutmensch”, mehr noch als “Social justice warrior” ist zu einem Codewort – im Sinne eines Erkennungszeichen – für Konservative (um es mal moderat auszudrücken) geworden.“

      Richtig, „Gutmensch“ ist DER zeitgenössische Kampfbegriff der politischen Rechten quer durch alle Lager (konservativ, rechtskonservativ, rechtsliberal, neurechts, rechtsradikal), ein argumentfreier und manipulativer Kampfbegriff, mit dem sie kulturelle Hegemonie anstreben. Wer kein Interesse daran hat in einer Gesellschaft zu leben, die stark von einer oder mehrerer der genannten politischen Kräfte geprägt ist, der hat daher gute Gründe diesen Begriff abzulehnen.

      „Daher die reflexartige Ablehnung von Dir, Leszek. Eigentlich solltest Du zwischen der Funktion des Wortes als Kodewort und seiner ursprünglichen Bedeutung und Verwendung unterscheiden können.“

      Der Begriff wurde leider ursprünglich von linken Autoren populär gemacht:

      “Doch zunächst beruht die Schmähung des naiven Moralisten mit dem Begriff des “Gutmenschen” auf einem Mißverständnis: Wenn auch ein Nachschlagewerk über Neologismen der deutschen Sprache die erste Verwedung des Begriffs 1992 in der Zeitschrift Merkur ausmacht und als Synonym für “Moralist” definiert, so fand er zweifellos seine eigentliche Verbreitung erst durch das “Wörterbuch des Gutmenschen”. Von dieser Karriere ihrer Polemik hätten sich die Herausgeber der beiden Bände, der Verleger Klaus Bittermann und die Satiriker Gerhard Henschel und Wiglaf Droste, sicher nicht träumen lassen. Ziel der Bücher war die Kritik einer “moralisch korrekten Schaumsprache”, die als “Plapperjargon und Gesinnungssprache” einer Betroffenheitskultur emotionalisierter deutscher Linker in den achtziger Jahren die Analyse ersetzt hatte. (…) Die meisten der Autorinnen und Autoren der Beiträge waren selbst ausgewiesene Linke und das Wörterbuch war vor allem ein Projekt der Selbstkritik. Primär ging es darum, eine denkfaul gewordene Linke aus ihrer geistigen Verfettung zu schrecken, in dem man sie dessen bezichtigte, was ihre Vorväter am meisten gehasst hatten: des biederen Moralismus. Dies bestätigt auch das Vorwort Gerhard Henschels, in dem es über die von ihm geschmähte sentimentale Befindlichkeitskultur der späten Bundesrepublik heißt. “Die besten 1968er Traditionen werden in diesem Milieu leichsinnig verschenkt, selbst auf ihren Bezeichnungen liegt der Schatten der Bräsigkeit.” Unter den Texten finden sich in den beiden Bänden genug Abrechnungen mit gerade jener neurechten Klientel, die sich nach einiger Zeit den Begriff des “Gutmenschen” selbst als Kampfbegriff aneignen sollte.“

      (aus: Volker Weiß – Deutschlands Neue Rechte, Ferdinand Schönigh Verlag, 2011, S. 99 f.)

      Ich persönlich gehe davon aus, dass einer der zentralen Gründe, warum der Begriff „Gutmensch“ dann zum wichtigsten Kampfbegriff der politischen Rechten mutierte, der ist, dass dieser Begriff den unbehinderten Ausdruck egozentrischer und antisozialer Neigungen psychologisch begünstigt. Man kann verbal so richtig die Sau rauslassen, wie es ein Teil des politisch rechten Lagers heute ja gerne im Netz tut und kann sich stets damit rechtfertigen, dass man ja eben kein „Gutmensch“ ist.

      Weitere Funktionen des rechten Kampfbegriffs „Gutmensch“ sind m.E.:

      – ideologische Geschlossenheit herzustellen („So darfst Du doch nicht denken, sonst bist Du ein Gutmensch.“)
      – zu versuchen bestimmte Werte, Normen und ideologische Vorgaben durch Ansprechen des Selbstwert- und Identitätsgefühls dauerhaft in der Psyche von Menschen zu verankern, also Identitäten gemäß der ideologischen Vorgaben zu formen
      – abweichende Meinungen ohne rationale Auseinandersetzung und Argumentation zu diskreditieren
      – als Gegner bestimmte Individuen und Gruppen und deren Positionen lächerlich zu machen und abzuwerten.

      „Ich benutze das Wort Gutmensch nur deshalb nicht, weil es zu einem Codewort geworden ist. Das verbreitete Phänomen der Bigotterie und Selbstgerechtigkeit aber braucht Bezeichnungen. Wie wäre es mit dem guten alten “Moralapostel” anstatt “Gutmensch”?“

      Ich persönliche argumentiere meist auf drei Ebenen: einer wissenschaftlichen und/oder einer pragmatischen und/oder einer moralischen. Von daher finde ich es sinnvoll, rationale moralische Argumentation von moralischer Manipulation abzugrenzen.
      Ich würde daher Begriffe wie „scheinheilig“ oder „Moralheuchler“ vorziehen, wenn es darum geht Personen zu kritisieren, die mit moralisch inkohärenten Scheinargumentationen arbeiten oder argumentfreie moralisierende Diskursstrategien als Manipulationsmittel verwenden.

      • James T. Kirk schreibt:

        ein argumentfreier und manipulativer Kampfbegriff, mit dem sie kulturelle Hegemonie anstreben.

        Belege? Wo verwenden die inkriminierten Gruppen den Gutmenschenbegriff argumentfrei?

        Davon abgesehen verwende ich den Begriff nicht argumentfrei. Die Behauptung, der Gutmenschenbegriff sei ein argumentfreier und manipulativer Kampfbegriff, ist also dummes Geschwätz.

      • Leszek schreibt:

        @ Kirk

        „Belege? Wo verwenden die inkriminierten Gruppen den Gutmenschenbegriff argumentfrei?“

        In vielen Gesprächskontexten, bei denen er verwendet wird.
        Zwei Beispiele für schwache Argumentationen im Zusammenhang mit diesem Begriff aus der letzten Zeit finden sich hier:

        https://erzaehlmirnix.wordpress.com/2015/07/12/gut/

        (Siehe den ersten Kommentar sowie den Kommentar von „Gereon“.)

        „Davon abgesehen verwende ich den Begriff nicht argumentfrei.“

        Du hast bisher ja noch nicht mal eine Definition für diesen Schwachsinnsbegriff angegeben. Ohnehin gibt es natürliche keine allgemeine Definition, die Unterstellung „Gutmensch“ kann alles Mögliche bedeuten.

  5. maddes8cht schreibt:

    Ja, SJW ist ein blöder Begriff. Aber er hat sich nunmal etabliert.
    Etablierte Wortschöpfungen lassen sich nicht ohne Weiteres ersetzen oder abschaffen.

    Eher machbar ist, sie zu modifizieren.
    So wie S.B. schreibt: SJB für Social Justice Bullies.

    Ich selbst schreibe seit einiger Zeit regelmäßig SJWH (Social Justice Witch Hunters).
    Das mag ich deshalb, weil es diesen Widerspruch zum Social Justice besonders deutlich zum Ausdruck bringt: Hexenjäger im Namen der sozialen Gerechtigkeit. Und weil klar ist, dass es kein „neuer“ Begriff ist, sondern eine (meine) Abwandlung von SJW.
    Als „etablierter Begriff“ ließe sich das dann irgendwann weiterverändern, die Social Justice auch ganz wegzulassen – einfach nur noch Hexenjäger.

    Einen Begirff wie Social Justice Witch Hunters können diese sich jedenfalls sicher nicht voller Stolz selbst vor sich hertragen.

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