36 Fragen an Männer – Teil 1

Adrian hat vorhin eine teilweise Antwort auf ein Video „36 Fragen an Männer“, d.h. erst mal 15 Antworten, gepostet, und weil ich grade Lust dazu habe, mache ich das jetzt auch. Ich bin allerdings erst bis Frage 5 gekommen, weil es bei mir ausführlicher wurde als bei ihm. Und mit Verlaub, Adrian, das sollte nicht nur ein Schwuler beantworten, bei gewissen Dingen hast Du nicht so den Zugang… Also erst mal das Video:

Und los geht’s mit Frage 0 aus der Einleitung, die Adrian noch nicht beantwortet hat:

0) Wie fühlt es sich an, dasselbe Geschlecht wie Donald Trump zu haben?

Ähm, gar nicht. Irgendwie macht diese Frage für Männer keinen richtigen Sinn. Was hab ich mit Donald Trump zu tun (außer dass ich naturgemäß eh weiter weg bin, weil ich kein Ami bin, und er, nun ja, in absehbarer Zeit evtl. „Führer der freien Welt“ werden könnte)? Schäme ich mich für ihn? Nein! Also teile ich seine Ansichten? Auch nein. Verwirrt Euch das?

Mit ein wenig Nachdenken, was die Frage soll, bin ich dahinter gekommen. Wir haben einfach weniger Gruppendruck, einer Meinung sein zu müssen. Wir können das mit dem agree to disagree einfach besser als Ihr. Bei Euch ist das oft so: Entweder seid Ihr Euch total einig, oder die Tussi, die aus der Reihe tanzt, ist VOLL PEINLICH, und eine Schande fürs eigene Geschlecht. So ein Konzept ist uns völlig fremd.

Ein Kumpel von mir sagte mal: Dieses „Ich kann den nicht leiden, also darfst Du den auch nicht leiden können!“ ist mehr so ein Mädels-Ding. Ich denke, das ist die Antwort.

Da fällt mir nebenbei auf: Das ist auch eins der Mosaiksteinchen dafür, warum Feminismus so erfolgreich ist. Da wird viel Gruppendruck innerhalb der Frauen aufgebaut, derselben Meinung sein zu müssen, unabhängig davon, ob das wirklich valide Gründe hat.

Medien und Unterhaltung

1) Warum hasst Ihr romantische Komödien? Oder habt Ihr lediglich das Gefühl sie hassen zu müssen?

Vorab: Wir müssen gar nichts. Es gehört nicht zu einem wie auch immer gearteten Männlichkeitsbild, romantische Komödien hassen zu müssen. Das einzig korrekte Männlichkeitsbild™ ist: Ein Mann tut, was er will, nicht was andere wollen. D.h.: Ein richtiger Mann steht zu seinen Vorlieben, und wenn das romantische Komödien oder rosa Plüschhäschen sind, dann ist das eben so. Punkt.

Vier Gründe, warum wir (in der Mehrzahl) romantische Komödien nicht mögen:

1. Eigentlich ganz einfach: Ihr steht auf Kitsch, wir nicht! Naja, oder, ähm, auf anderen Kitsch, also sowas wie Lord Of Rings oder Star Wars, eben da, wo wir uns mit Helden identifizieren können. Typen, die Frauen Blumen bringen und Liebesschwüre stammeln? Geht gar nicht. Helden sind nun mal cooooool. Sie dürfen auch mal gebrochen sein und ironisiert, aber never ever schwülstig. Pathetisch geht dagegen wieder, in gewissem Rahmen, das ist was ganz anderes. Also so wie Arnie, Sly oder Bruce, die sind oft pathetisch, aber nie schwülstig. Verstanden?

Nebenbei, der schlimmste Kitsch, den ich in der letzten Zeit im Kino gesehen habe, war „Fifty Shades of Grey“. Gut, war keine Komödie, aber trotzdem.

2. Wie Adrian schon sagte: In romantischen Komödien steht die Frau im Mittelpunkt. Ihre Gefühle sind das wichtigste, die vom Kerl weniger. Steht er auf sie? Steht er nicht auf sie? Kriegt er den Arsch noch hoch, endlich doch noch um sie zu werben und ihr seine Liebe zu zeigen? Boah, wie langweilig! Wir wissen doch eh, wie’s ausgeht.

3. Warum sollen wir einem Kerl bei nerviger Arbeit zusehen? Versteht das bitte: Romantik ist in den meisten Fällen für uns schlicht Arbeit, deswegen mögen wir sie auch nicht. Seht das mal so: Wir müssen im Allgemeinen um Euch werben, nicht umgekehrt. Das bedeutet für uns, wir müssen Euch eine Show bieten, einen Riesenaufwand betreiben, uns zum Hampelmann und zum Affen machen, wir müssen uns teilweise verstellen, um unsere beste Seite rauszukehren, und dann am End‘ auch noch Gefühle zeigen. Ihr sitzt da, braucht Euch das nur anzusehen und irgendwann wie Julius Caesar im Gladiatorenzirkus den Daumen zu heben oder zu senken. Und wenn ihr letzteres tut und wir schon viel Gefühle reingesteckt haben, sind wir am Boden zerstört. Und dann wundert Ihr Euch, dass das nicht ewig weiter geht, sondern wir meistens nach dem ersten Sex damit deutlich runter fahren? Wir dagegen sind gottfroh, diesen Affentanz endlich auf Normalmaß senken zu können. Also warum zum Henker sollten wir uns das auch noch im Kino ansehen wollen? Geht ihr vielleicht in Horrorfilme, obwohl ihr kein Blut und keine Gewalt sehen mögt? Na also.

4. Romantische Komödien stellen es so dar, wie ein Kennenlernen aus Sicht der Frauen sein sollte, mit viel Herzschmerz, Verwirrungen, wirds was oder wirds nichts, Spannung, Unsicherheit, Überraschungen usw. Mit dem Idealablauf des Kennenlernens aus Männersicht könnte man keinen Kinofilm füllen. Ein Werbespot würde vollkommen reichen. 😀

Gut, es gibt auch tatsächlich wirklich witzige romantische Komödien. Ich mochte z.B. „Harry und Sally“, der Klassiker der durchaus brauchbaren romantischen Komödien. Danach hat sich Meg Ryan aber nur noch selber kopiert und lustig war da gar nichts mehr. Aber wenn schon, dann muss eine romantische Komödie so aussehen:

 

2) Jeder mag Beyoncé. Das ist ein Fakt.

Ähm, nein. Gut, ich würde lügen, würde ich behaupten, ich würde sie von der Bettkante stoßen. Aber ihre Musik spricht mich null an. Und das Diva-Getue törnt mich auch ab. Das mit der Bettkante überleg ich mir doch nochmal. Und überhaupt ist das ja die hier:

beyonce-feminist

Da ist sowieso Vorsicht geboten. Wow, was für ein mutiges Statement. Ungefähr so mutig wie die Aussage, Tiere zu mögen.

3) Warum lasst Ihr Frauen in Filmen über Männer reden, wenn Ihr Euch stundenlang über Titten unterhalten könnt?

Ich lasse schon mal gar nichts, ich bin weder Regisseur noch Drehbuchautor. Außerdem, warum sollte man die Realität nicht zeigen? Wenn ich mir so meinen Freundeskreis anhöre, reden Frauen viel mehr über Männer als umgekehrt Männer über Frauen. Und über Titten schon mal gar nicht, erst recht nicht stundenlang. Hab ich noch nie erlebt.

4) Warum geht ihr automatisch davon aus, dass Ihr Serien oder Filme nicht mögen werdet, wenn es dort einen weiblichen Protagonisten gibt?

Ganz einfach. Weil die meisten Film- oder Serienheldinnen heutzutage aus politischen Korrektheitsgründen coole, taffe Powerfrauen sein müssen, die immer perfekt und moralisch einwandfrei daherkommen. Paradebeispiel: „Lola rennt“. Spätestens damit hat es angefangen. Vor allen Dingen müssen sie ihren männlichen Mitspielern immer deutlich überlegen sein, zumindest was moralisches Verhalten angeht. Selbst wenn den Frauenfiguren manchmal kleine Fehler angedichtet werden („Sex and the City“), sind sie immer noch dem Männern überlegen. Deswegen nervt es uns erstens, weil da ein absurdes Weltbild gezeichnet wird, und zweitens ist das auch einfach unglaublich öde.

Oder es wird eine rosarote bunte Traumwelt gezeichnet, die vor allem Zuschauerinnen ansprechen soll. Genauso öde für uns.

Wenn man den Protagonistinnen allerdings erlaubt, unperfekt zu sein und immer mal wieder Mist zu bauen (Gilmore Girls) oder ihre eigenen Brüche zu Markt zu tragen (Crossing Jordan), dann kann ich solche Figuren auch mögen. Wobei Alexis Bledel als Rory einfach zuckersüß war *schmacht* …

5) Warum findet ihr es überraschend, wenn eine Frau lustig ist?

Weil es so ist. Weil Frauen nunmal viel seltener lustig sind. Wobei ich nichts dagegen habe, wenn eine Frau lustig ist, das gefällt mir sehr. Aber zurück zum Thema: Das liegt an der Evolution. Männer haben verschiedene Strategien entwickelt, um Frauen zu beeindrucken. Die einen machen das mit Aussehen, Athletik, Muskelaufbau etc. Die anderen sind Geistesgrößen und imponieren durch ihre Intelligenz. Und die dritten, die bei den beiden ersten Kriterien nicht so ganz mithalten können, versuchen es eben über den Humor, Frauen für sich zu gewinnen. D.h. Männer haben Humor kultiviert, Frauen konsumieren ihn meistens nur. Kein Wunder, dass die darin nicht so gut sind. Frauen müssen im Schnitt Männer weniger beeindrucken, die haben das einfach nicht nötig. Und wenn, dann reicht passable Optik und Nicht-allzu-doof-Sein meistens völlig aus.

Das merkt man ganz besonders bei Comedy und Kabarett. Die meisten Frauen, die da mitmischen, sind allenfalls Mittelmaß. Es gibt nur wenige herausragende Frauen da, z.B. Monika Gruber:

oder Martina Schwarzmann:

Ist das jetzt Zufall, dass das beide Bayerinnen sind? Erstens komme ich da her und kenne die deshalb auch eher, und zweitens kommen die besten Kabarettisten nunmal aus Bayern. Liegt einfach daran, dass die spezifisch bayerische Melange aus katholischem Mief und CSU-Heuchelei (oder wahlweise CSU-Mief und katholischer Heuchelei) den besten Nährboden für Kabarettisten ergeben. Da muss man sich einfach drüber lustig machen, sonst erträgt man das nicht.

Nein, Carolin Kebekus ist eher nicht lustig.

 

5 a) Ich bin vermutlich lustiger als Du.

Mag sein, aber wenn, dann unfreiwillig. #scnr

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39 Kommentare zu „36 Fragen an Männer – Teil 1“

  1. Eigentlich ganz einfach: Ihr steht auf Kitsch, wir nicht! Naja, oder, ähm, auf anderen Kitsch, also sowas wie Lord Of Rings oder Star Wars, eben da, wo wir uns mit Helden identifizieren können. Typen, die Frauen Blumen bringen und Liebesschwüre stammeln? Geht gar nicht. Helden sind nun mal cooooool. Sie dürfen auch mal gebrochen sein und ironisiert, aber never ever schwülstig. Pathetisch geht dagegen wieder, in gewissem Rahmen, das ist was ganz anderes. Also so wie Arnie, Sly oder Bruce, die sind oft pathetisch, aber nie schwülstig. Verstanden?

    Halten wir mal fest: Männer haben – Überraschung!1!1 – ganz unterschiedliche Geschmäcker. Bruce Willis z.b. ist in meinen Augen anstrengend sentimental, also schwülstig. Kein Held für mich. Die anderen Beispiele sind auch nichts für mich. Heldenkino langweilt mich. Der ewige Kampf Gut gegen Böse ist mir zu amerikanisch- einseitig. Als ob das immer so klar zu trennen wäre.

    Star Wars mag ich, aber warum? Bestimmt nicht wegen der Saubermänner wie Luke Skywalker. Einer der langweiligsten Figuren der Filmgeschichte.

    Aber kommen wir mal zum konsensualen Bereich: Nein, ich mag romantische Komödien auch nicht. Ich habe aber das Gefühl, dass hier ein typisches Klischee unterstellt wird: Männer würden sich nicht trauen, ihre Gefühle zu zeigen. Sie spielen den harten Mann. Und deswegen wehren sie weibliche Gefühlsausbrüche und romantische Komödien ab. Mich ärgert dieses Klischee jedes Mal. Ich bin gar nicht der Meinung, dass es eine Stärke ist, seine Gefühle immerfort zu zeigen. Ich finde es dagegen richtig, mich zu schützen, z.B. unter Kollegen, indem ich eben nicht meine Gefühle zeige. Damit bestimme ich selbst, wieviel ich von mir preisgebe. Das halte ich für vollkommen vernünftig, denn nicht jeden Menschen geht meine Gefühlswelt etwas an.

    Was stört mich an romantischen Komödien? Sie sind schlicht langweilig. Man weiß sowieso, wie das endet. Irgendwie sind diese Komödien auch nicht sehr realistisch. Mein Männerleben kommt da nicht wirklich vor. Es läuft in meinem Leben nicht so, wie in den Komödien. Das Leben ist tragischer. Kurz und gut: ich finde mich darin nicht wieder.

    Auch finde ich das normative Ideal dieser Komödien aufdringlich. Ja, es geht wesentlich um die Frau. Um ihre Vorstellung einer Beziehung. Um das glückliche Happy End aus Frauensicht. Und das muss jedes Mal so erfüllt werden. Siehe „langweilig, weil vorhersehbar“. Romantische Komödien sind Schema F. Das Schema wird gnadenlos durchgezogen. Das gilt übrigens auch für den typischen Bruce-Willis-Film, der mich aus den selben Gründen langweilt. Das ist fast schon theologisch: Der Film ist bloß eine Auslegung der reinen Lehre des „So und nicht anders“. Man müsste das mal in bessere Worte fassen, aber die Komödien sind hochnormativ. Siehe „Liebeschwüre und Blumenstrauß“. Die „richtige“ Handlungsweise ist allzu bekannt, mit der der Mann die Angebetete zu erobern hat. Das weiß man schon vorher, nur der Filmheld ahnt es noch nicht und muss sich im Filmverlauf dahin entwickeln. Vielleicht ist das das Öde. Das sind keine echten Entwicklungen, sondern Stereotypen, die jede Komödie wiederholt. Was soll ich daran interessant finden?

    1. Selbstverständlich haben auch Männer unterschiedliche Geschmäcker. Willis und Konsorten hab ich aber nicht deswegen ins Spiel gebracht, weil ich auf die so sonderlich stehe. Viele Filme von denen habe ich gar nicht gesehen, deswegen kann ich auch nicht beurteilen, ob Willis nicht doch mal schwülstig ist. In „Das Model und der Schnüffler“ (Originaltitel: Moonlighting) war er es sicher, aber das war ja auch kein Action-Film, sondern eine auf Serie verlängerte Romantikkomödie. Ich habe die ins Spiel gebracht, weil sie einfach die Prototypen für männliche Helden sind.

      Richtig: Luke Skywalker ist eigentlich ne Trantüte, der eigentliche Held war immer Han Solo.

      1. “ Ich habe die ins Spiel gebracht, weil sie einfach die Prototypen für männliche Helden sind.“
        OK, verstehe.

        Mir fällt dabei ein, dass das genre-abhängig ist. Es gibt ja noch andere Erzählformen. Mir fällt spontan der von Morgan Freeman gespielte Polizist in „Sieben“ ein als „männlicher Held“, der mich anspricht. Oder Robert de Niro als „Noodles“ in „Es war ein mal in Amerika“.

  2. Ich hole mal eine Frage von Adrian rüber

    15) Warum müsst Ihr immer so breitbeinig dasitzen? Ich verstehe, Ihr habt Eier, aber ich breite meine Arme auch nicht aus, damit meine Möpse Platz haben.

    Das ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sehr die feministische Perspektive abgeglitten ist in eine Pseudopolitik ohne jede Analyse.

    Für den deutschen Kontext ist es nämlich so, dass die Sitzgrößen im ÖPNV äußerst knapp bemessen sind aus Gründen der Effizienz. Kleinere Sitze und weniger Beinfreiheit sorgen dafür,dass mehr Sitze je Wagen möglich sind. Teilweise ist der Platz so gering, dass ich schon als relativ kleiner, schlanker und schmaler Mann meinem Sitznachbarn in die Quere komme. Wenn nun ein 1,85 m großer breitschultriger Mann Platz nimmt, ist vorprogrammiert, dass es unangenehm eng wird. Dabei muss dieser Mann noch nicht einmal breitbeinig dasitzen. Das ist letztlich der Grund, warum man das Gefühl hat, dass die Leute sich breit machen. Sie können gar nicht anders, weil die Sitze zu klein sind. Das hat selten etwas mit männlichem Dominanzgebahren zu tun. Das gibt es auch, erlebe ich in dem Ausmaß aber selten.

    Im Übrigen nehmen fülligere Frauen auch sehr viel Platz ein und machen den Raum eng. Vermutlich können auch sie nicht anders. Es ist nur nicht so, dass nur Männer Platzprobleme bedeuten. Nur Kinder und zierliche Frauen sind diesbezüglich kein Bedrängnis. Das macht es aber leicht, hier Schuld nach dem Muster „Männer vs. Frauen“ zu verteilen.

    Es ist typisch feministisch, dass die materiellen Ursachen nicht mehr gesehen werden und dass man stattdessen in den Abgründen der Persönlichkeit herumforscht. Von ihnen unbemerkt darf die ökonomische Logik dann weiter Tatsachen schaffen, deren Wirkung der Feminismus nur verzerrt als Verhaltensproblem von Männern wahrnimmt. So bleibt dann auch der Feminismus brav in der Spur der ökonomischen Logik.

  3. Ich verstehe nicht warum ‚ihr‘ auf solche feministische Propaganda immer so anspringt. Die einzige Antwort die mir einfaellt is: „Eine triggergeplagte Schnullerbacke hat 36 pauschale Anschuldigungen an Maenner in youtube verbreitet und wurder dafuer nicht gesperrt. Liegt es daran dass diese Unverschaemtheiten als rhetorische Fragen gestellt wurden? Man weiss es nicht. Am Besten gar nicht antworten, sonst fuehlen die sich nur noch bestaetigt.“

    1. So dann und wann wird man mit den Behauptungen konfrontiert, die in diesen Fragen stecken. Also muss man sich damit auseinandersetzen. Jede dieser Fragen ist ja zugleich eine Infragestellung des Mannes. Irgendwas macht man verkehrt aus Sicht der Fragestellerin. Dabei bedient sie sich populärer Vorurteile, die zumindest ich zum Teil auch verinnerlicht habe.

      Schau mal hier:
      „9 a) “Nein” heißt “nein”!“
      Hier wird Eindeutigkeit behauptet. Am Sinn eines „Neins“ könne man doch nicht zweifeln, wird gesagt. Aber das ist laut Fragerin nicht selbstverständlich. Männer scheinen das „Nein“ doch immer wieder als versteckte Aufforderung zu interpretieren. Daher müsse sie, die Fragerin, das extra nochmal betonen. Nein = Nein!

      Ich finde das schwierig.

      Erstens: Wenn ein Mann das so gemeinte „Nein“ verletzt und missachtet, macht er sich „schuldig“. Das sehe auch ich als Mann so. Insofern wird mit der Frage oben an mein Schuldgefühl appelliert. Ich bin ganz und gar davon überzeugt, dass man Frauen nicht auf den Wecker zu fallen hat. Belästigung ist ein No Go. Was auch zur Folge hat, dass ich eine Frau selten bis gar nicht anspreche. Aber: Mit diesem wütenden Nein = Nein! plus Ausrufezeichen signalisiert die Dame, dass das so oft missachtet werden würde. Also wird mein Schuldgefühl bestärkt. Wir Männer neigen zur Belästigung, wie es scheint… Also fällt da ein Makel auf mich.

      Zweitens: Wie rechtfertigt man jetzt die eigene Erfahrung, dass die gehörten „Neins“ oft nicht so eindeutig waren? Die Fragerin behauptet ja pauschal: Alle Frauen, die „Nein“ sagen, meinen auch „Nein“. Also kann es nur Männerinterpretation sein, wenn man im „Nein“ eine Aufforderung sieht. Und fürwahr, es gehört ja zur Taktik der Koketterie, eben nicht offen zu sagen, dass man weiterflirten möchte. Die tatsächlichen Absichten werden ja verborgen gehalten. Und es gibt diese Frauen, die sehr wohl gewissermaßen als Test dem Bewerber zunächst die kalte Schulter zeigt. Wie aber kann Mann jetzt sich rechtfertigen? Vorgeblich hat die Kokette ja „nein“ gesagt und Mann setzt sich folglich ins Unrecht, wenn er hartnäckig bleibt.

      Das ist ein schwieriges Thema. Denn stimmt „nein=nein“, ist ein lebendiges Spiel der Koketterie nicht mehr möglich. Will man aber weiter spielen, bleiben die Grenzen zwischen ja und nein immer schwammig und Verhandlungssache.

      1. @ lomi „Wie rechtfertigt man jetzt die eigene Erfahrung, dass die gehörten “Neins” oft nicht so eindeutig waren?“ Ich glaube nicht, dass daran etwas gerechtfertigt werden muss – diese Erfahrung machen, wenn ich einigermaßen richtig hochrechne, nun einmal viele Männer. Wieso sollte jemand rechtfertigen, dass er mit anderen Menschen bestimmte Erfahrungen gemacht hat?

        Ich selbst habe immer stur ein „Nein“ als „Nein“ interpretiert – auch deshalb, weil ich keine Lust hatte auf Doppel- und Dreifachspiele, in denen ein „Nein“ irgendwie doch ein „Ja“ oder ein „Vielleicht“ ist, aber unbedingt als „Nein“ interpretiert werden muss, etc. Dabei hab ich schon früh, schon in der Schulzeit, gemerkt, dass ein „Nein“ nicht immer wörtlich zu verstehen ist. Zum Beispiel bei einer Mitschülerin, der ich mein Verliebtsein gestanden hatte, die mir deutlich sagte, dass sie mit mir nicht zusammen sein wollte – und die kurz darauf einen Freund von mir verwundert fragte, warum ich mich nicht konsequenter um sie bemühe, obwohl ich doch durchaus große Chancen bei ihr habe.

        Meine Partnerin hat mir einmal gesagt, es habe sie zu Beginn der Partnerschaft sehr verunsichert und verwirrt, dass ich mich nach einem „Nein“ – nicht nur im Hinblick auf Sex, übrigens – zurückgezogen habe und sie gemerkt habe, dass sie ihr „Nein“ rückgängig machen müsse, wenn sie eigentlich durchaus Interesse habe. Dafür habe sie sich erst einmal ziemlich überwinden müssen.

        Ich finde es tatsächlich falsch, dass „Nein“ einer Frau als eine Art Shittest zu interpretieren, mit dem sie nur herausfinden will, ob ein Mann sich trotz einer Ablehnung noch weiter um sie bemüht. Möglicherweise versucht sie, durch eine „Nein“ eine Situation nach außen hin erst einmal zu klären, die ihr selbst durchaus noch unklar ist. Hier kommen eben Erfahrungen von Frauen, die sie mit Männern gemacht haben (nämlich z.B. die Erfahrung, einen Mann als sehr aufdringlich zu erleben und nicht loszuwerden, auch nicht durch eindeutige Ablehnungen), und Erfahrungen von Männern, die sie mit Frauen gemacht haben (nämlich die Erfahrung, dass Ablehnungen nicht immer eindeutig sind), zusammen und schaffen eine sehr mehrdeutige Situation. Die ließe sich allerdings unschwer auflösen, wenn beide gutwillig dabei wären und dem jeweils anderen auch guten Willen zugestehen würden.

        Das feministische Nein-heißt-Nein hingegen schafft (ebenso übrigens wie umgekehrt das zwanghafte Interpretieren eines Neins als „Shittest“) eine Pseudo-Eindeutigkeit, die Klärungen eher verhindert als ermöglicht. Diese Art der Eindeutigkeit schafft es durch massives Moralisieren. Ein Mann, der ein Nein nicht akzeptiert, agiert darin keineswegs auf der Basis realer Erfahrungen – und er hat auch nicht einfach etwas falsch verstanden oder interpretiert – sondern er spielt Macht aus und erhebt Ansprüche auf Körper und Seele der Frau. Beim „Nein-heißt-Nein“ schwingt immer mit, dass ein Mann, der trotz einer Ablehnung immer noch probiert, ob eine Frau nicht doch Interesse hat – dass ein solcher Mann im Prinzip schon ein Vergewaltiger ist, der sie gegen ihren Willen zum Sex zwingt.

        Eben deshalb hatte ich übrigens auch nie Lust dazu, im „Nein“ einer Frau etwas anderes als ein „Nein“ zu sehen (auch dann nicht, wenn ich deutlich den Eindruck hatte, dass sie es anders meinte). Dass beim Kennenlernen und Flirten mit Widersprüchen und Andeutungen gespielt wird, kann ich gut akzeptieren und oft auch genießen – dass ich mein Interesse offen zeige und mir dabei eine Ablehnung hole, ist schmerzhaft, aber damit kann ich leben – aber dass ich noch dazu moralisierend als ein Quasi-Vergewaltiger hingestellt werde: Das ist mir zu blöd.

      2. @Schoppe

        Ich finde es tatsächlich falsch, dass “Nein” einer Frau als eine Art Shittest zu interpretieren, mit dem sie nur herausfinden will, ob ein Mann sich trotz einer Ablehnung noch weiter um sie bemüht.

        Auf gar keinen Fall meine ich, dass ein „nein“ generell als Shittest interpretiert werden sollte. Es ist nur eine mögliche von vielen Interpretationen. Deine Anregung, es als einen Versuch der Klärung zu begreifen, finde ich genauso passend. Welche Interpretation plausibel ist, ist ja je nach Individuum und Kontext sowieso unterschiedlich. Und schließlich muss man immer konzedieren, dass sich Gefühle entwickeln, dass Entscheidungen fließend sind und daher zu unterschiedlichen Zeitpunkten auch Unterschiedliches gesagt wird.

        Die feministische Parole aber schafft eine Pseudoeindeutigkeit und genau damit wird eben ein Rechtfertigungszwang hergestellt. Ich behaupte mal als steile These, dass die Mehrheit der Männer ein „nein“ auch als ein solches akzeptieren wird. Gleichzeitig gibt es eine Reihe von Männern, die das nicht tun und wo das auch als echte Belästigung erlebt werden kann. Aber dann gibt es eben noch die Koketterie oder die Unsicherheit darüber, was man eigentlich möchte, Ängste und vieles mehr, was die Beziehungsanbahnung zu einem Prozess macht. Auf gut soziologisch wäre das auch ein Aushandlungsprozess, wie man zueinandersteht, was man voneinander erwartet und im anderen sieht. Es ist klar, dass nicht in jeder Phase eine vollständige Deckung der Erwartungen beider Seiten möglich ist, also kommt es auch zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen, die freilich auch die Aushandlung in Gang bringen.

        Die feministische Parole klingt aber so, als wären sämtliche Missverständnisse, Irrtümer, kleinere Fehltritte schon Ausdruck der Unterdrückung von Frauen.

    2. „Ich verstehe nicht warum ‘ihr’ auf solche feministische Propaganda immer so anspringt.“

      Ich denke, weil gar nicht erwartet wird, dass Männer antworten. Der Zweck dieser Fragen ist ja im Wesentlichen Beschämung udn Belustigung. Antworten sind gar nicht erwünscht. Frauen interessieren sich nicht für die Gefühlswelt von Männern. Die Fragen dienen nur dem Amüsement von Frauen um über Männer herzuziehen.

      1. Nein, natürlich sind das keine ernsthaften Fragen. Es handelt sich um reine Rhetorik. Allein die Eröffnung mit der Trump-Frage macht das doch deutlich. Da wird über Rhetorik ein Zusammenhang suggeriert zwischen dem Befragten und Trump, allein aufgrund des Geschlechts. Sobald man irgendwie darauf antwortet und das Geschlecht zum Thema macht, ist man in die Falle getappt.

        Stattdessen hätte man eine ähnlich absurde Zusammenhangsbehauptung als Gegenfrage aufstellen können: Stimmt es, dass bei Vollmond die Erde eine Scheibe ist und sonst nicht? ^^

  4. Finde ich sehr gut, dass Du Dich so ausführlich mit diesen Fragen beschäftigst. Mir war das einerseits zu anstrengend und zu doof und zweitens triggern mich die Fragen als Homo auch nicht so. Antwort 1 finde ich übrigens sehr gut und nachvollziehbar.

  5. Shoe0nHead hat sich auch damit befasst:

    Zu Donald Trump:
    „Hate yourself because someone I hate has a penis and you too have a penis“

    Bei Minute 4:46, 7:25 und 7:52 kann man mal kurz reinschauen. ^^

    Aber auch im ganzen ein lustiges Video.

      1. Ich vermute, neidisch. Weil man längst nicht so viel nicht selbst, sondern vom Kerl verdientes Geld zur Verfügung hat wie Donald Trumps Frau.

    1. LOL, das scheint ja direkt davon übernommen zu sein. Dieselbe Methode. Vielen Dank, wir sollten viel mehr Hinweise sammeln, das solche „neuen“ Videos einfach nur lahme Wiederholungen sind!

  6. 0) Wie fühlt es sich an, dasselbe Geschlecht wie Donald Trump zu haben?

    Wieder ein Beispiel für Pseudopolitik. Pseudopolitik ist: die tatsächlichen politischen Verhältnisse ignorieren und stattdessen Nebensachen zum Politikthema machen und dabei Beschlüsse fassen, die die realen Verhältnisse nicht berühren.

    Was ist das Problem an Donald Trump? Nicht sein Geschlecht. Trump ist ein Vertreter der reichen Oberschicht und der Protagonist des stark konservativen Amerika. Als Superreicher kann er sich seine Kandidatur kaufen, weil er einen Wahlkampf finanzieren kann. Als Konservativer ist er lediglich das Sprachrohr der entsprechenden Bevölkerungsgruppen, die sich in ihm wiederfinden.

    Der Unsinn der Frage wird erkennbar, wenn man die anderen Kandidaten betrachtet. Bernie Sanders ist der Kandidat, der feministische Positionen am ehesten vertritt. Auch ein Mann. Tja, wie fühlt sich das nun für mich an, dass sowohl Trump als auch Sanders Männer sind?

    Und wie fühlt es sich als Frau an, dass Sarah Palin auch eine Frau ist?

    Diese Frage zeigt, dass ein solcher Feminismus längst den Blick für die tatsächlichen politischen Fragen verloren hat.

    1. “ Bernie Sanders ist der Kandidat, der feministische Positionen am ehesten vertritt.“

      Hillary Clinton hat sich doch direkt zu Feminismus bekannt und Lena Dunham (!) eingestellt:

      Was hat denn Bernie Sanders gemacht, das noch schlimmer ist?

      1. Bernie Sanders vertritt eher linke Positionen und tritt sehr viel deutlicher für die typisch liberalen Forderungen ein, bezogen auf Minderheiten und Frauenrechte. Clinton ist zwar feministisch, aber sonst schon eher eine Vertreterin der Elite. Sanders ist nicht irgendwie „schlimmer“ feministisch, würde ich sagen. Aber aus einer links-liberalen Sicht ist er eigentlich der authentischere Vertreter.

        Die US-Netzfeministinnen diskutieren ja durchaus, ob es wirklich sinnvoll ist, Clinton nur deshalb zu unterstützen, weil sie eine Frau ist.

  7. Tja reingefallen, so ist es wohl wenn man „Frauen“ nicht versteht. Es geht Ihnen nicht um Fragen und Antworten sondern in diesem Fall darum andere mit Dreck zu bewerfen. Die Antworten sind ihnen so egal wie einem Mann die Nuancen zwischen Lippenstiftrot A und Lippenstiftrot B.

    Sie haben ein paar Brocken abgesondert und anderen Zeit und Energien gestohlen um die eigenen /in der Regel/ Dummheiten und Egoismen durchzusetzen.

    Wer das liest wird/bleibt/ist doof und so lange Männer sich mit diesem Dreck beschäftigen statt lauthals loszulachen wenn Sie bei der „sechsunddreißig“ mit lesen angekommen sind müssen Sie sich nicht wundern wenn ihnen das perfide Geschlecht die Butter von Brot stiehlt (so im allgemeinen).

    Ich käme nicht auf die Idee auch nur eine Frage zu lesen oder mir gar Gedanken über diesen Dreck zu machen. Außer den wie weit die Art dieser Fragen die Innenwelt der Frauen darstellen. Das Sie es tun steht außer Frage. Womit wir wieder beim ersten Satz meines Kommentars wären.

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