Fundstück: Die taz über die Liberalen Männer

Die Gründung der Liberalen Männer e.V. scheint kurz vor der Wahl noch einmal richtig Staub aufzuwirbeln. Hatte die IG Jungen, Männer und Väter noch vor kurzem die Einschätzung „Parteien im Bundestag sind für Männer nicht wählbar“ abgegeben, folgte nun ein Artikel in der taz, auf den mich Frank Mehding mit folgenden Worten hinwies:

Die taz schreibt über die Liberalen Männer 🙂 http://www.taz.de/!5446531/

Dazu eine Kommentierung auf www.facebook.com/liberalemaenner:

„Eine totalitär-feministische taz-Redakteurin kritisiert in ihrem Anti-FDP-Artikel die Liberalen Männer und möchte die Gleichberechtigung von Mann und Frau verhindern.

Zutreffend ist: Die Liberalen Männer sind gegen den Feminismus. Und zwar an den Stellen, wo sich dieser gegen Gleichberechtigung richtet.

Deshalb fragten die Liberalen Männer im August die beiden Kanzlerkandidaten:

  1. Warum dürfen Gleichstellungsbeauftragte nur weiblich sein? Das führt nicht zur Gleichberechtigung. Wo es Frauenbeauftragte gibt, muss es auch Männerbeauftragte geben. Wann werden die eingesetzt?
  2. Warum existiert bis heute die Diskriminierung “Mama erzieht – Papa zahlt” nach einer Trennung? Kinder brauchen beide Eltern. Wann kommt das Wechselmodell als gesetzlicher Standard?
  3. Jungen erleben im Bildungssystem Nachteile. Wie können Jungen ebenso gefördert werden wie Mädchen?
  4. Warum werden Männer bei Einstellung und Beförderung im Öffentlichen Dienst aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt?
  5. Warum werden gleiche Straftaten mit sehr unterschiedlichem Strafmaß behandelt, je nachdem, ob sie von einer Frau oder einem Mann begangen wurden?
  6. Auch Jungen und Männer werden Opfer häuslicher und sexueller Gewalt. Warum gibt es für Jungen und Männer nicht den gleichen Schutz wie für Frauen?
  7. Kuckuckskinder: Warum müssen Opfer bis heute Schadensersatz zahlen? Biologischer- und Scheinvater sind Opfer, keine Täter. Warum muss die Verursacherin keine Kosten tragen?
  8. Warum werden Erforschung, Prävention und Bekämpfung typisch männlicher Erkrankungen nicht gleichermaßen gefördert wie die typisch weiblicher Erkrankungen?

Wahlempfehlungen über Wahlempfehlungen

Das passt ins Bild. Gleichmaß e.V. gibt in der Mitteilung über seine Auflösung nach enttäuschenden Erfahrungen mit CDU, SPD, Die Linke und den Grünen eine klare Wahlempfehlung ab:

Wer sich zur bevorstehenden Bundestagswahl für die Rechte beider Geschlechter, also auch von Männern, stark machen will, sollte darüber nachdenken, seine Stimme der FDP zu geben, die sich mit den „Liberalen Männern“ als einzige seriöse Partei glaubhaft für die Stärkung der Rechte von Vätern und von gewaltbetroffenen Männern – um nur diese beiden von zahlreichen programmatischen Punkten zu nennen – ausspricht.

Und wenn ich mir den taz-Artikel durchlese, so soll dieser wohl gegen die FDP gerichtet sein. Irgendwie klingt er für mich als Mann aber wie eine weitere FDP-Wahlempfehlung.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Nachdem es bei extra 3 ein Spottlied über Christian Lindner gab, sei hier auch das Original erwähnt:

Chris Andrews: Pretty Belinda

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Fundstück: Gleichmaß dokumentiert Gleichgültigkeit

Gleichmaß e.V. läßt nicht locker: Als Reaktion auf die fehlende öffentliche Unterstützung für die Gewaltschutzwohnung in Gera hatte laut Verein die dafür Verantwortliche, Katrin Christ-Eisenwinder (Die Linke), in der Thüringer Landeszeitung behauptet,

es sei „zu keiner Zeit“ der Fall gewesen, dass man unserer Initiative eine Förderung in Aussicht gestellt habe sowie, unser Verein habe nie einen „konkreten und prüffähigen Finanzierungsantrag“ gestellt.

Das klingt nach formalen Ausflüchten. So als ob man bei Menschen in konkreter Notlage abwarten müsste, dass andere alles bis ins kleinste Detail geplant korrekt einreichen. Es gibt in Thüringen jedoch keine existierende oder geplante Alternative zu der privat finanzierten Gewaltschutzwohnung. Insofern war das Angebot von Gleichmaß sowieso das beste von allen – weil das einzige.

Wie bitte? Woher sollten die Politiker auch wissen, dass es von Gewalt betroffene Männer gibt? Das ist die noch häufigere Ausrede: „Wir haben ja nichts gewusst!“ Ein billiger Trick: Das müsse man erst untersuchen, man habe keine Zahlen… aber wenn andere seit Jahren Zahlen sammeln, hält man sich die Ohren zu.

Entsprechend reagiert Gleichmaß e.V. und stellt die Situation ganz anders dar: Man habe alle politisch relevanten Entscheidungsträger rechtzeitig informiert.

So oft werden die Blogartikel von Gleichmaß nicht kommentiert. Diesmal schrieb jedoch Horst Schmeil:

Es ist offensichtlich, dass die derzeitigen Parteien, die in Regierungsämtern sind, kein Interesse an einer Gleichberechtigung von Männern und Frauen haben. Es ist mir unverständlich, dass Nachweise von Gruppen gefordert werden zu Zahlen, die längst von den jeweiligen politisch und verwaltungsmäßig verantwortlichen Stellen bekannt sind, wobeil diese Stellen ständig mit Zahlen von betroffenen weiblichen „0pfern“ Politik machen und dazu noch ungeprüfte „Dunkelziffern“ als real bezeichnen. Wenn allein die Wegweisungen durch die Polizei als Grundlage benutzt werden, Frauenförderung zu betreiben, gehören ebenso viele Männer in den Schutzkreis der staatlichen Ordnung. Anders ausgedrückt: Für jede Frau, die Schutz durch eine Wegweisung erhält, hat ein Platz in einem Schutzhaus für Männer vorhanden zu sein. Diese Zahlen der Wegweisung liegen vor.

Hier kann man nahtlos mit dem von Leszek vertretenen Konzept des integralen Antisexismus anschließen:

eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, die versucht die Probleme aller Geschlechter (Frauen, Männer, Intersexuelle, Trans-Personen) in wissenschaftlicher, theoretischer und politischer Hinsicht zu berücksichtigen

Genau das wäre der eigentliche Maßstab, an dem Politiker gemessen werden müssen, die für Gleichberechtigung einzutreten behaupten.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Thüringen ist eines von den schwierigen Bundesländern“… leider!

Rainald Grebe: Thüringen

Fundstück: Gewaltschutzwohnung in Thüringen ohne öffentliche Unterstützung

Vor nicht zwei Wochen machte die Meldung die Runde, dass in Sachsen zwei Gewaltschutzwohnungen für Männer eröffnet würden – und zwar mit Unterstützung der dortigen Landesregierung, insbesondere der Staatsministerin für Gleichstellung und Integration. Bereits dann schrieb ich:

Das ist doch eine hervorragende Vergleichsmöglichkeit, unter welcher Landesregierung und mit welchen Parteien sich etwas tut.

Eine Einschätzung, die sich – leider im negativen Sinne – heute bestätigt hat. Gleichmaß e.V. vermeldet sowohl per E-Mail als auch im Blog, dass es für die Gewaltschutzwohnung in Thüringen keine Unterstützung der Landesregierung geben wird – entgegen entsprechender Ankündigungen:

Trotz aller vor und nach der Thüringer Landtagswahl getätigten
Unterstützungs- und Befürwortungszusagen entschied sich die
Gleichstellungsbeauftragte zu Thüringen, Katrin Christ-Eisenwinder (Die
Linke), letztlich gegen eine Finanzierung unserer Schutzwohnung für von
häuslicher Gewalt betroffener Männer. Mit dieser Entscheidung wird nicht
nur der Begriff Gleichberechtigung außer Kraft gesetzt, sondern trotz
des seit vielen Jahren erforschten hohen Bedarfes Thüringer Männern
keinerlei Hilfe zuteil.

Tristan Rosenkranz nennt im Interview mit der Ostthüringer Zeitung Details. Natürlich braucht so eine Wohnung langfristige Unterstützung, um finanziell in trockenen Tüchern zu sein. Die Schilderung, wie Zusagen gemacht und dann nicht gehalten wurden, lese jeder selbst im Detail nach. Besonders peinlich:

Eine Kernaussage, die sich bis heute durch jede Argumentation zieht, ist, dass erst einmal erforscht werden müsse, inwieweit für eine Gewaltschutzwohnung überhaupt Bedarf besteht.

Dabei ist das, wenn man tatsächlich mal entsprechenden Vereinen und Personen zuhören würde, längst erforscht.

Auch die bisherige Auslastung der Gewaltschutzwohnung in Gera bestätigt die altbekannte Realität ein weiteres Mal: Es gibt mehr Bedarf als Angebot. In trauriger Zahl: Die eine Wohnung kann weniger als 2% der Betroffenen helfen.

In Sachsen hat die Landesregierung offensichtlich mehr Kontakt mit der Realität. Dort werde, nach Wohnungen in Dresden und Leipzig, derzeit eine dritte Wohnung in Chemnitz eingerichtet.

Tristan Rosenkranz zieht ein trauriges Fazit:

Fundraising als Option beispielsweise ist sehr aufwendig und ehrenamtlich nicht leistbar. Die WBG Aufbau zwar äußerte ausdrücklich den Wunsch, das Projekt auch künftig zu unterstützen. Sollte jedoch mit der Finanzierung Schluss sein, wird die Wohnung im Juli aufgelöst. Als Projektverantwortlicher bin ich müde geworden, habe mir viel zu viele Zusagen angehört, die nicht eingehalten wurden.

So sieht die Realität auch im Jahre 2017 noch aus: Um Männern zu helfen, müssen Ehrenamtliche bis zur Erschöpfung kämpfen.

Es gilt jedoch auch, was ich schon bei der Unterstützung dieser Wohnung geschrieben habe:

Jedes Gewaltopfer, das Unterstützung erfährt, ist ein aussichtsreicher Kandidat weniger für zwei andere Klassiker unter den Männerthemen: Obdachlosigkeit und Selbstmord.

Neben den direkt Betroffenen, denen hier geholfen wurde, profitieren aber weitere Männer davon: Dass solche Angebote existieren, hat mir die Sprachlosigkeit genommen. Danke, Tristan Rosenkranz!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wenn es Sachsen besser anstellt als Thüringen, bringe ich auch wieder Musik mit Bezug zu ersterem…

Sorry about Dresden: Relax, It’s Tuesday

Warum sich für mich tatsächlich etwas geändert hat

Der bereits von crumar zitierte Kommentar von Leszek zur aktuellen Debatte zeigt mal wieder, warum man bei Alles Evolution die Kommentar lesen sollte:

Es ist m.E. recht offensichtlich, was der wesentliche Grund dafür ist, dass die Männerrechtsbewegung nicht schneller vorankommt: weil sie vor allem eine Internetbewegung darstellt und außerhalb des Netzes kaum in Erscheinung tritt.

Die Männerrechtsbewegung tut bislang das nicht, was jede andere soziale Bewegung auch tun musste um erfolgreich zu sein, nämlich auch im öffentlichen Raum als konstruktive soziale Bewegung in Erscheinung treten und gewaltfreie Aktionen durchführen.

Der nächste wesentliche Schritt für die Männerrechtsbewegung müsste die Bildung gewaltfreier Aktionsgruppen sein, welche gewaltfreie Aktionen durchführen und zwar so, dass dadurch Sympathie und Interesse für die Männerrechtsbewegung und ihre Anliegen in der Öffentlichkeit geweckt wird und die Medien über diese gewaltfreien Aktionen berichten.

Die Frage „Was tun?„, die in gewissen Abständen immer wieder auf die Tagesordnung in der Blogblase kommt, könnte frustrieren. Ich habe für mich persönlich in den letzten Tagen aber festgestellt, was sich für mich in den letzten Jahren geändert hat. Es mag für andere wenig erscheinen – das kann ich nicht beurteilen – aber für mich ist es ein positives Zeichen, auch in der Hinsicht, dass sich Aktivisten und Blogger nicht gegenüberstehen, sondern ergänzen:

Ich hatte einige Jahre das dumpfe Gefühl, dass bei Debatten um Gleichberechtigung irgendetwas falsch läuft, die Aufregung schien mir „verbogen“ und nicht auf den Kern der Probleme fokussiert. Aber genau benennen konnte ich das nicht. Es war eben nur ein Bauchgefühl, nicht klar zu benennen, heute da, morgen mal wieder weg.

Dann fand ich Texte wie die von man in the middle. Plötzlich wurden die Gedanken geordnet. Die Sachverhalte und Argumente waren klar; sie konnten ja aus tagesaktuellen Ereignissen abstrahiert und allgemeingültig formuliert werden.

Wie crumar schrieb:

Im Rückblick sollte man auch die Erfolge der Männerrechtsbewegung bis zum jetzigen Zeitpunkt betrachten und dazu gehört zweifellos das Phänomen der „sprechenden Männer“, die in zahlreichen Foren in ihren Kommentaren das Wort ergreifen und die bestehenden Verhältnisse kritisieren.

Ja, dieses sprechen können für die eigenen Anliegen, dieses Dinge formulieren können, das war neu und fühlte sich richtig an.

Naiv, wie ich war, versuchte ich einige Argumente in Diskussionen (außerhalb der Anonymität) anzubringen – und scheiterte noch mehr als bei früheren Versuchen, echte Gleichberechtigung im Sinne von „Frauen sind frei, haben damit auch Verantwortung für ihr Handeln“ einzubringen. Die Debatte ist eben nicht frei und allein am besseren Argument orientiert, sondern von Tabus und ggfs. Druck von Interessengemeinschaften begrenzt und gesteuert.

Also, was tun, wenn der öffentliche Diskurs so verbrannt ist, dass man sich nur noch unter Pseudonym zu äußern traut, um nicht geächtet zu werden? Es wird immer einzelne Leute geben, sie sich im Vertrauen ähnlich unzufrieden äußern, aber wie kann man langsam hervortreten?

Mir helfen konkrete Erfolge, auf die ich verweisen kann wie die Gewaltschutzwohnungen für Männer, zuletzt in Sachsen eröffnet. Solche Sachen kann ich offen im Bekanntenkreis herumerzählen.

Das sind „einfache Ziele“, gegen die niemand direkt etwas sagen kann: Das Gegenteil, „Männer sollen nicht vor Gewalt geschützt werden“, ist schwer zu vertreten. Hier ist dann die Schweigespirale durchbrochen, das Trägheitsprinzip umgedreht.

Es erzeugt auch keine assoziative Dissonanz wie „Feministen verhindern bislang Gewaltschutzwohnungen für Männer“, bei der man sein Weltbild ändern muss und lieber Gründe sucht, warum das so ist („das kann nicht sein, dass Leute mit guten Absichten so etwas tun, da muss irgendetwas anderes dahinterstecken“).

Die Arbeit von Gleichmaß e.V. wie die Gewaltschutzwohnung in Gera hat also Wirkung weit über den Kreis der Betroffenen hinaus. Mir ist erst bei der aktuellen Diskussion aufgefallen, dass ich das offen nenne, ohne schon automatisch die üblichen Schutzmechanismen („wenn Du das sagst, wird Du sozial vernichtet“) auszufahren.

Also, das scheint ein Weg zu sein! Was wäre ein nächster Schritt?

Die bisherigen Artikel zum schnellen Nachlesen:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich hatte schon einmal eine Liveversion gebracht – das Lied drückt meine verhalten optimistische Stimmung immer noch richtig aus.

Herbert Grönemeyer: Land unter

Fundstück: Gewaltschutzwohnungen in Sachsen

Wie Gleichmaß e.V. berichtet, wurden Gewaltschutzwohnungen für Männer in Dresden und Leipzig eröffnet. Das ist für sich schon ein großer Erfolg!

Interessant wird es, wenn man die Umstände der Eröffnung mit denen der Gewaltschutzwohnung in Gera vergleicht:

a) Landesregierung Thüringen (Rot-Rot-Grün): keine Unterstützung.
b) Landesregierung Sachsen (Schwarz-Rot): 100.000 € Unterstützung, von der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping (SPD) „persönlich unterstützt und forciert„.

Das ist doch eine hervorragende Vergleichsmöglichkeit, unter welcher Landesregierung und mit welchen Parteien sich etwas tut. Natürlich ergibt sich hier kein Schwarzweißbild, denn die SPD ist an beiden Regierungen beteiligt, aber darum geht es ja auch nicht: Für die innerparteiliche Diskussion ist das zum Beispiel eine wertvolle Anregung. Dass die SPD einmal nicht, weil sie die menschliche Gesellschaft will, „die männliche überwinden“ muss, und dann auch noch eine Ministerin für Gleichstellung diesen Schritt in die richtige Richtung trägt, ist eine Ausnahme von der Regel, die ich mir öfters wünsche. Bitte mehr von so einem Wettbewerb der Ideen und Taten!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ein beachtlicher Name für eine Band aus North Carolina…

Sorry about Dresden: Sick and Sore

Fundstück: Datenerhebung zur häuslichen Gewalt gegen Männer

Gleichmaß e.V. weist auf „ein Pilotprojekt der Thüringer Regierungskoalition (SPD, LINKE und Grüne)“ hin, das „jetzt herausfinden [will], in welchem Ausmaß Männer Opfer häuslicher Gewalt werden“. Na, besser spät als nie, möchte man sagen. Es wäre ja nicht so, dass es da nicht bereits Gewaltforschung auf internationaler Ebene gäbe. Bisher haperte es nur daran, Ergebnisse auch wahrzunehmen, wenn Männer betroffen waren, ohne etwa gleich Männern allgemein die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben.

Wir begrüßen diesen Schritt außerordentlich. Jedoch kommt der Artikel etwas missverständlich darauf zu sprechen, im gesamten deutschsprachigen Raum seien bezüglich des womöglich große Dunkelfeldes keine gesichterten Erkenntnisse zu finden.

Und es folgt ganz locker eine Schilderung, was Gleichmaß e.V. selbst seit Jahren unternommen hat, um die Problematik an die Regierung zu vermitteln. Meine Hochachtung davor, das so trocken schildern zu können!

Für die Regierung wäre etwa die privat finanzierte Gewaltschutzwohnung in Gera ein ganz interessantes Beispiel. Das brächte allerdings auch das Risiko einer unangenehmen Wahrheit mit sich: Der Staat hat die Problemlage, die woanders längst bekannt ist, bislang ignoriert.

Jetzt so zu tun, als sei das eine neue Erkenntnis und als habe man keine Zahlen, deute ich so: Zuzugeben, dass man sich (auch aus ideologischen und wahltaktischen Gründen) für ein Problem bisher nicht interessiert hat, kommt bei der Bevölkerung nicht gut an. Besser ist es, man spielt den besorgten Politiker und einigt sich auf das Narrativ „Wir konnten ja nicht ahnen, dass…! Wenn uns das mal einer gesagt hätte!“.

Der Optimist würde sagen: Das Thema kann offenbar nicht mehr ignoriert werden. Das ist tatsächlich der gute Kern der Nachricht.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Für alle diejenigen, die bei so etwas nicht ruhig bleiben können, ein Lied der härteren Machart zum Abreagieren…

Stabbing Westward: Lies

Fundstück: Das Dilemma – Förderung nur für beide Geschlechter?

Ein interessantes Dilemma wurde vor einigen Tagen bei Alles Evolution angesprochen. Es ergibt sich aus einer harmlosen Frage: Sollten staatlich geförderte Projekte sich immer an beide Geschlechter wenden müssen?

In Großbritannien etwa haben bestimmte Organisation bereits Förderung verloren, weil sie nichts für Männer anbieten. Und tatsächlich wären in Deutschland nach meiner Einschätzung mehr Initiativen bedroht, die „nur für Frauen“ da sind.

pro: Das ist der Ansatzpunkt, um zu zeigen, dass mit demjenigen Feminismus, der staatlich und medial hofiert wird, eben nicht Gleichberechtigung angestrebt, sondern reine Frauenförderung praktiziert wird. Wie es Kommentator Matze nicht müde wird zu wiederholen: Sobald Männer profitieren würden, werden entsprechende Gesetze bekämpft. Oder wie es bei Genderama beispielhaft zu lesen war: Auch Männer könnten profitieren: Feministinnen plötzlich „alarmiert“ über Gleichstellungsgesetz.

contra: Wie von Jochen Schmidt genannt, wären dann auch spezielle Förderungen wie etwa Lesen für Jungen nicht mehr drin. Oder (mein Beispiel) wenn man davon ausgeht, dass die bisher als typisch geltenden Symptome für Depressionen vor allem auf Depressionen bei Frauen basieren, sich die Krankheit bei Männern also anders äußert, dann läßt sich in die Richtung nicht so einfach forschen mit staatlicher Unterstützung. Es wäre auch generell schwierig, sich bei Hilfsangeboten auf irgendwelche Probleme zu spezialisieren, die bei Männern und Frauen anders ausfallen.

Immerhin gibt es einen Lichtblick aus der Praxis. Er stammt von Tristan Rosenkranz von Gleichmaß e.V. im Interview mit der Ostthüringer Zeitung zum Thema Gewaltschutzwohnung für Männer. Auf die Frage im Interview, was der Verein unternehme, wenn sich von Gewalt betroffene Frauen an ihn wenden:

Sie bekommen sofort einen Kontakt, wohin sie sich wenden können. Wir lassen sie nicht allein.

Sauber! So soll es sein.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Beim Thema „Probleme und Hilfsangebote“ musste ich doch tatsächlich an dieses frühe Coldplay-Lied denken:

Coldplay: Trouble