Warum mir nur eine Sache einfällt, dir ich als Mann gerne machen würde, aber nicht tue

Alles Evolution hat mal wieder eine Frage in die Runde: Was würden Männer gerne machen, wenn es nicht als „weiblich“ oder „Sozial unakzeptabel“ für ihr Geschlecht angesehen würde?

Das wäre ein wunderbarer Aufhänger für eine Blogparade. „Worum beneidet ihr das andere Geschlecht?“ wurde vor ein paar Monaten gefragt – das wäre ebenfalls ein guter Kandidat gewesen. Aber ich habe zu lange gezögert, aus meinem damaligen Kommentar einen ganzen Artikel zu machen. Diesmal soll’s besser werden!

Um die jetzige Frage zu beantworten, lohnt es sich, einmal zurückzublicken: Grundsätzlich bin ich gerne ein Mann und ich glaube, dass für mich nicht viel anders wäre, wenn ich das andere Geschlecht hätte. Schon bei diesem Blogstöckchen gab es die Frage „Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann bist?“ und darauf antwortete ich nur mit der Einschränkung [j]eweils bezogen auf „in der Öffentlichkeit“:

Zartheit zeigen. (…) Nähe und Wärme. (…) Verletzlichkeit und Verletztheit.

Das ist aber nichts, was ich mir vollständig verkneifen würde – nur eben das ungebremste Ausleben. Es ist ja auch nicht schlimm, sondern anständig: Vermutlich stehe ich mit der Einschätzung nicht alleine dar, dass es unangemessen sein kann, wenn man öffentlich, also vor wildfremden Leuten, persönliche Gefühle offenbart. Man zwingt damit andere Menschen zu einer Reaktion.

Obwohl die 36 Fragen an Männer, wie etwa Lucas Schoppe analysierte, in Wirklichkeit Zuschreibungen wie „Männer mögen keine romantischen Komödien oder denken, dass das sozial inakzeptabel ist.“ enthielten, fällt es mir leicht, das durch mich persönlich zu widerlegen: Ich mag durchaus romantische Filme.

Was ich selbst im Freundeskreis nicht tue

Eine Sache ist mir aber doch eingefallen, die ich – unter meinem vollen Namen – allenfalls sehr vorsichtig und nur vor ausgewählten Personen mache: Kritik an irgendeiner Form von Feminismus äußern.

Denn „ein Mann kritisiert eine bestimmte Einstellung einer Variante des Feminismus“ wird verallgemeinert zu „ist gegen Feminismus“, was behandelt wird wie „ist gegen Gleichberechtigung“, „will das Frauenwahlrecht abschaffen“, „will Frauen unterdrücken“, „hasst Frauen“.

Öffentlicher Aufruhr, egal ob angemessen oder nicht, kann dazu führen, dass Leute ihre Arbeit verlieren. Das passiert sogar in prominenten Fällen wie Nobelpreisträger Tim Hunt. Möchte ich das für mich riskieren? Natürlich nicht.

Ich mache mir da keine Illusionen: Es spielt keine Rolle, ob ich gleichzeitig Artikel schreibe wie „Warum positive Einstellungen zu Feminismus für mich kein Fehler in der Matrix sind“ (für die ich woanders gescholten werde). Auch wenn es logisch falsch ist („Nicht jede Kritik an X ist Anti-X.“), würde ich mit einer öffentlich geäußerten Kritik als Antifeminist abgestempelt – wobei es dann kein Wunder ist, dass es soviel „Antifeminismus“ gibt:

Es ist natürlich ein unredlicher Taschenspielertrick, etwa Kritik an radikalfeministischen Strömungen als grundsätzlich antifeministisch zu brandmarken, dabei wohlwissend, dass man den Gegner in einer Debatte damit leicht das Etikett „ist gegen Gleichberechtigung“ oder „frauenfeindlich“ anhängen kann und ihn damit indiskutabel macht. Da verschiedene Zweige des Feminismus zum Teil zueinander konträre Haltungen vertreten (etwa „für“ oder „gegen“ Prostitution), wird daraus ein Totschlagargument: Egal, was jemand zu dem Thema vertritt, man kann ihn immer als antifeministisch abstempeln!

Und genau vor diesem Hintergrund freue ich mich, wenn irgendwelche Filterblasen platzen und unangenehme Meinungen wieder geäußert werden können. Ich wünsche ideologischen Gegnern auch nicht, dass sie zum Schweigen gebracht werden, indem sie sozial vernichtet werden.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Manchmal ist Schweigen Gold – nicht, weil man klüger ist, sondern weil Reden gefährlich wäre.

The Tremeloes: Silence is Golden

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