Warum ich weder Männer noch das Patriarchat für Slutshaming verantwortlich mache

Wenn ich schon einmal alte Kommentare von mir wieder ausgrabe und zu einem Artikel umbaue, dann kann ich noch einige weitere benutzen, die ich immer wieder gerne anbringe. Es passt jetzt gerade, da ich sowieso für einen anderen Artikel etwas Anlauf nehmen muss und dann kann ich gleich etwas Grundsätzliches schreiben, anstatt zu versuchen, alles in eins zu packen.

Es geht um das Thema „Slutshaming“, also zu Deutsch eine Frau damit zu beschämen, dass sie (angeblich) eine Schlampe ist. Ich habe den Eindruck, dass dabei drei Ansichten, die ich samt und sonders für falsch halte, immer wieder hervorgekramt werden:

  1. Slutshaming erfolgt vor allem durch Männer.
  2. Slutshaming ist ein Hinweis auf das Wirken des Patriarchats.
  3. Gegen Slutshaming gibt es kein Rezept – deswegen muss man sich davor fürchten.

Zu Punkt 1: Das kommt vielleicht vor bei enttäuschten Männern, die bei einer Frau abgeblitzt sind und sich an ihr rächen bzw. den Misserfolg schönreden wollen („naja, die ist doch eh eine Schlampe“ = „dem Fuchs sind die Trauben zu sauer“). Aber ansonsten gilt: Slutshaming wird in erster Linie von Frauen betrieben. Wenn ich mir anhöre, wie Frauen über andere Frauen herziehen… mein lieber Scholli!

Zu Punkt 2: Für Slutshaming braucht es kein allmächtiges, im Verborgenen wirkendes Patriarchat (das dennoch erstaunlich ineffizient und ungeschickt vorgeht). Das läßt sich viel einfacher durch intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen erklären. Wie heißt es so schön bei Alles Evolution?

Slutshaming ist kein Machtmittel des Patriarchats, sondern recht einfach zu erklärende Folge evolutionärer Prozesse und sexueller Selektion, die sich auch im Konkurrenzkampf von Frauen untereinander zeigt.

Wie es eine Studie recht deutlich ausdrückt: Frauen bewerten “Schlampen” schlechter und wollen nicht mit ihnen befreundet sein.

Erstaunlicherweise gilt dabei, hier erneut Alles Evolution, sich auf eines der Studienergebnisse berufend:

Also selbst Schlampen mögen eigentlich keine Schlampen und wollen lieber “anständigere” Freundinnen.

Das deckt sich mit meiner Lebenserfahrung. Slutshaming ist kein Kampf „konservativ – zurückhaltend“ gegen „modern – lebenslustig“, nein, gerade diejenigen Frauen, die selbst ziemlich aktiv sind, lästern über andere ab, die ebenso manchem Abenteuer gegenüber aufgeschlossen sind.

Und wer hätte es gedacht? Das hat auch einschränkende Konsequenzen für Männer, wie Christian Schmidt feststellt:

Das verstärkt natürlich auch die Wirkung bei Männern. Wer immer mit “Schlampen” rumhängt, der wird sich eben von anderen Frauen anhören müssen, dass sie dazu keine Lust haben.

Wie dämlich müsste das Patriarchat sein, seine Mitglieder derart in ihrer Lebensführung zu gängeln?

Zu Punkt 3: Es gibt Taktiken zur Vermeidung von “Slutshaming”.

Dabei kann ich mich selbst aus einem Kommentar zitieren:

Erst durch den Artikel musste ich überhaupt mal darüber nachdenken, wie ich das meinem Bekanntenkreis wahrnehme. Denn da gibt es durchaus “lockerere” Frauen, die von jedem Verdacht frei sind, eine Schlampe zu sein, und gleichzeitig welche, bei denen (in letzter Konsequenz) der Begriff “Schlampe” ok ist. Warum trifft das aber auf einige Frauen für mich so klar zu, auf andere aber überhaupt nicht?

Tatsächlich meine ich, dass schon im Kommentar zwei Sachen durcheinander geworfen werden:
a) eine Frau ist leichter für Sex zu haben
b) eine Frau ist leicht zu haben

Klingt sehr ähnlich, sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Frau unter a) hat Spaß an Sex, geht vielleicht auch offen und offensiv mit ihrer Lust um und verheimlicht nicht, dass sie eine Reihe von Partnern hatte – auch mal “nur für Sex”. Die Frau unter b) ist generell leicht oder leichter “herumzukriegen”.

Die Frau unter a) ist für mich modern (wer nicht wie a) ist, ist aber nicht unmodern), die Frau unter b) läuft Gefahr, als Schlampe angesehen zu werden.

Das Unterscheidungskriterium: Die Frau unter a) trifft eine Auswahl, mit wem sie ins Bett geht. Die Frau unter b) wählt – aus welchen Gründen auch immer – nicht aus. Die in den Kommentaren geäußerte These, Schlampen seien nur die Frauen, die nicht mit einem selbst ins Bett gehen würden, stimmt so nicht.

Auf Nachfrage schrieb ich noch einen weiteren Kommentar, in dem ich das etwas weiter ausführte:

a) wählt aus und ist in dem Sinne aktiv.
b) fehlt genau diese Qualität. Mögliche (aber nicht erschöpfende) Ausprägungen:

  • Sie empfindet sich nicht als attraktiv genug, um Maßstäbe an ihre Partner anlegen zu können. Selbst wenn sie weiß, dass etwas Besseres möchte, handelt sie nicht so, aus Angst, (auch) körperlich allein zu bleiben. Mögliche Variante: Die “Typentrösterin”, bei der alle möglichen (zumeist unerfahrenen) Männer zum Zuge kommen, die bisher oder gerade wenig Erfolg bei anderen Frauen hatten.
  • Sie läßt sich mit jedem ein, der sie nur lange genug bearbeitet. Irgendwie ist zwischen “angebaggert werden” und “Sex” kein Hirn mehr dazwischengeschaltet, das die Kandidaten noch einmal darauf prüft, ob b) überhaupt Lust auf sie hat. (Dass eine Frau wirklich Lust auf _jeden_ hat, wage ich einfach mal zu bezweifeln.) Mögliche Variante: Die Frau, die nur unter Alkohol oder anderen Drogen so wird, das inzwischen auch weiß, aber dennoch von (zuviel) Alkohol und anderen Drogen nicht die Finger läßt. Eine weitere Variante: Sie weiß nicht, was sie will, und kann deswegen einem entschlossenen Anbaggerer irgendwann nichts mehr entgegensetzen.

Einige Beispiele von Frauen, die nichts mit “Schlampen” zu tun haben:

  • die “Feierfreudige”: Vielleicht gerade aus einer Beziehung raus, vielleicht gerade von zu Hause ausgezogen, vielleicht schon immer so gewesen. Sie hat viel Spaß am Leben und da gehören auch Männer dazu. Da ist es ganz normal, dass sie mal etwas ausprobiert – und da kommt es immer wieder zu tollen Erfahungen, aber auch mal vor, dass sie im Nachhinein sagt: “Naja, mit dem hat es sich jetzt nicht gelohnt.” Sie mag zu vielen “ja” sagen – aber nicht zu allen.
  • die “in der Findungsphase”: vielleicht noch minderjährig, oft gerade volljährig, noch wenige Erfahrungen und dadurch einen gewissen Erfahrungshunger. Alles ist neu und aufregend – und wer möchte schon bei den Erlebnissen, die laut Popkultur in dem Alter alle vorzukommen haben, zurückstecken? Es mag einige unangenehme, lange nachwirkende oder peinliche Erfahrungen geben. Typischerweise hört diese Findungsphase nach einigen Jahren auf – und dann weiß diese Frau sehr gut, wer sie ist und was sie will.
  • die “Abgestürzte”: Auch der Umgang mit Alkohol will gelernt sein. In jungen Jahren übertreibt es eine mal und findet sich in den Armen oder im Bett eines Typen wieder, den sie gar nicht kannte / ewig kannte, aber eigentlich gar nicht so toll fand / eigentlich schon immer toll fand. Wahrscheinlich schämt sie sich dafür, dass ihr, die sonst immer beherrscht ist und gut aufpasst, so ein Ausrutscher passiert ist. Aber da ist nichts Schlimmes dran – besonders dann nicht, wenn sie den Kerl ohnehin möchte oder noch besser, bisher einfach zu schüchtern war.

Wahrscheinlich alles Selbstverständlichkeiten, die ich hier aufzähle, aber ich wollte den Unterschied in der Wahrnehmung durch Männer erklären.
Das männliche Pendant zur Schlampe ist der Notgeile, der unbedingt _irgendeine_ Frau ins Bett bekommen muss, und sei sie noch so unattraktiv. Der Unterschied zum “tollen Hecht”: Der tolle Hecht wählt ebenfalls aus.

Eine Frau kann also durch ihr Verhalten sehr viel steuern. Klar, zu 100% kann sie kein Risiko vermeiden – das gilt jedoch für praktisch jedes Risiko auf dieser Welt. Ich kann auch nicht zu 100% ausschließen, morgen vom Auto überfahren zu werden, selbst wenn ich mir vornehme, das Zimmer nicht zu verlassen oder einfach nur besonders achtsam über die Straße zu gehen.

Wenn mir jedoch bei vernünftigem Verhalten so etwas vorgeworfen wird, dann ist es offensichtlich unberechtigt – und dann muss es mir auch ein Stück weit egal sein. Wie oft wird einem als Mann vorgeworfen, man sei „zu hart“ oder „aggressiv“, wenn man sich einmal durchgesetzt hat? Das kommt dann gerne vom Unterlegenen oder von Leuten, die nicht begriffen haben, dass mit einfach nur lieb und nett sein in dieser Situation nichts zu machen war. Wer also niemals anecken will, hat auch keine Chance, erfolgreich zu sein.

Für ein erfolgreiches Leben sollte eine Frau also sich nicht fürchten, theoretisch irgendwann mal als Schlampe bezeichnet zu werden. Sie selbst hat es in der Hand, ob dieses Etikett nach den obigen Unterscheidungen berechtigt oder unberechtigt ist. Wer als Mann seine fünf Sinne beisammen hat, wird das auch unterscheiden können.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied aus den späten 1990ern, dessen Titel aus einem anderen Schimpfwort besteht.

Meredith Brooks: Bitch

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25 Kommentare zu „Warum ich weder Männer noch das Patriarchat für Slutshaming verantwortlich mache“

  1. Schöner Artikel! Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich solche angeblichen einseitigen Diskriminierungen auch sehr gut durch beidseitige Interessen und Selektions- und Konkurrenzverhältnisse darstellen lassen.

  2. Die beste, pragmatischste (wenn auch etwas unorthodoxe) Art, damit umzugehen ist Verschweigen, auf Nachfrage vage bleiben und intime Erlebnisse nur mit max. 1 Freundin zu besprechen (die bestenfalls eine ähnliche Einstellung wie man selbst hat). Im engen Freundeskreis nicht zu „wildern“ ist auch hilfreich. Und wenn man einen Mann kennenlernt, mit dem man sich eine Beziehung vorstellen kann – ebenfalls sehr vage bei der Beschreibung der sexuellen Vergangenheit bleiben. Wenn man schon einige Zeit zusammen ist, kann man das eine oder andere erzählen, davor ist es jedoch extrem hinderlich für eine Beziehung.

    Wenn ich mir anhöre, wie Frauen über andere Frauen herziehen… mein lieber Scholli!

    Das mag in gewissen Situationen der Fall sein und man könnte dadurch den EIndruck bekommen, Männer würden nicht in den Kategorien Schlampe/Nicht-Schlampe denken. Meine (persönliche) Beobachtung hat gezeigt: Nur weil sie nicht darüber reden, heißt es nicht, dass sie nicht so denken. Man landet dann eben in einer Schublade – ohne dass mit Freunden darüber geredet wird. (Ohne Wertung, ist nur eine Feststellung. Wer ohne Schubladen ist, werfe den ersten Stein.) Wer als Frau permanent betont, gerne häufigen ungezwungenen und möglicherweise von den Praktiken her etwas ausgefallenen Sex zu haben, von dem erhofft man(n) sich wahrscheinlich genau dieses Verhalten gegenüber einem selbst.

    Natürlich wäre die Welt schöner, wenn wir alle immer offenherzig über alles reden könnten und keine Bewertung oder Einordnung in eine Schublade befürchten müssten, aber so ist die Realität halt leider nicht 🙂 Gott sei Dank kann man ja steuern, was man erzählt und was man verschweigt.

  3. „Slutshaming erfolgt vor allem durch Männer.“

    Ja Irrglaube.
    Auch fällt mir immer mal wieder auf, dass niemand Frauen so hasserfüllt hinterher sehen kann, wie andere Frauen. ^^

    1. Das ist unangenehm, ja.
      Aber subjektiv nicht so gefährlich bzw. eklig, wie sich wohlmeinende Männer-Blicke anfühlen können.

      Hierbei:
      „Die Frau unter b) wählt – aus welchen Gründen auch immer – nicht aus.“
      wüsst ich übrigens noch gern, woran Graublau nun festmachen will, ob eine ihm vermutlich mehr flüchtig bekannte Frau ausgewählt habe oder nicht. Auf welche Art Indizien man sich hierbei allgemein stützen könnte. So als Außenstehender.

      1. „Aber subjektiv nicht so gefährlich bzw. eklig, wie sich wohlmeinende Männer-Blicke anfühlen können.“

        Äh, „wohlmeinend“ hast du wohl nicht gemeint? Du wirst „gespielt wohlwollende“ gemeint haben….

      2. Von der Intention aus wohlwollend, von der Wirkung her mitunter nicht.
        Von der Wirkung her können ätzend-hasserfüllte Blicke von Frauen leichter verdaulich sein als sabbernd-verlangende von (den falschen) Männern. Für manche Frauen.
        Erzähl ich ja nix Neues hier.

      3. Sie hat jedenfalls „wohlmeinend“ geschrieben, und ehrlich gesagt gehe ich auch davon aus, dass die allermeisten dieser Blicke auch „wohlmeinend“ sind – nämlich anerkennend und bewundernd.

        Und da sind wir bei der Kernaussage des Satzes:
        „Aber subjektiv nicht so gefährlich bzw. eklig, wie […]“
        dürfte objektiv eine krasse Fehleinschätzung sein, denn die bewundernden Blicke bleiben in aller Regel ohne jegliche Konsequenzen. Warum fühlt sich das überhaupt „eklig“ an, wenn man bewundert wird von offenbar einem „falschen“?

        Dagegen kann das hinter dem Rücken erfolgende „Slutshaming“ anderer Frauen, die sich das Maul zerreißen, ohne dass man etwas dagegen machen kann, durchaus Konsequenzen. Das wirdschnell zu mobbing und führt zu weiterer Ausgrenzung.
        Das ist alles andere als harmlos.

      4. „Warum fühlt sich das überhaupt “eklig” an, wenn man bewundert wird von offenbar einem “falschen”?“

        Gegenfrage: warum kann einen das überhaupt derbe scharf machen, wenn der/die Richtige so oder ähnlich schaut?

      5. Und um Unkenrufen vorzubeugen: das tritt natürlich am häufigsten, auffälligsten und stärksten als Teenie auf, wo man halt sowieso unsicher ist.
        Der Punkt wird mir übrigens jedesmal vergessen, wenn darüber sinniert wird, die sexuell-begehrenswerteste Zeitspanne im Leben wär bei Frauen gegenüber Männern einfach nur vorverlegt. Die Wahrheit ist ja, dass Mädchen dann am attraktivsten sind, wo sie noch gar kein Bewusstsein als Frau haben (können), ihren Körper kaum kennen und schlicht Wenig im positiven Sinne mit ihrem Status anfangen können (außer Model werden – hahahaha!).
        Es läuft selbstverständlich auch für Jungs verkehrt, deren Phase größter Potenz heutzutage häufig ungelebt verstreicht, weil … ja, warum eigentlich?

  4. Wieso sollten wir einem doofen, abgeschmackten Schimpfwort überhaupt Bedeutung beimessen?
    Und: damit jemand überhaupt beschämen kann, muss der Empfänger sich doch schliesslich beschämen lassen. Statt zu kategorisieren und zu überlegen, wann „Schlampe“ als Bezeichnung anwendbar ist, sollte man sich lieber ein dickeres Fell zulegen und über solchen Schimpfworten stehen. Und ja, gerade weil sie immer anwendbar sind, wie bei Schimpfworten so üblich.

    Um so mehr sollte doch auch die selbstbewusste (?), stolze Selbstbezeichnung als „slut“ oder Schlampe ermöglichen, jede Ernsthaftigkeit in Bezug auf dieses beknackte Schimpfwort hinter sich zu lassen. Und wenn „sluts“ oder ihre feministischen Aliierten dann auch noch mit der Unterstellung kommen, man wolle sie „beschämen“, wenn man ihre stolze Eigenbeschreibung auf sie anwendet, dann ist eigentlich nur Auslachen angebracht.

    1. „Wieso sollten wir einem doofen, abgeschmackten Schimpfwort überhaupt Bedeutung beimessen?“

      Weil speziell dieses und der dahinterstehende Stereotyp bzw. Ängste – ausgesprochen oder nicht – das dieser Person entgegengebrachte Verhalten ganz massiv verändern kann. Mehr und anders als Arschloch, Idiot usw.

      „Um so mehr sollte doch auch die selbstbewusste (?), stolze Selbstbezeichnung als “slut” oder Schlampe ermöglichen, jede Ernsthaftigkeit in Bezug auf dieses beknackte Schimpfwort hinter sich zu lassen.“

      Hat eine Künstlerin bereits exemplarisch versucht durchzuexerzieren:

      Die feministische Begeisterung würd ich als ungebrochen größer als die der eigentlichen Zielgruppe bezeichnen.
      Doesn’t work, can’t help it.

      1. @semi, du meinst also, es handle sich um ein äusserst gravierendes Schimpfwort, welches starke Effekte auf die so Beschimpfte hat.

        Dazu passt aber gar nicht, dass dein verlinkter Musikclip dieses Schimpfwort aufwertet und sogar selbstverherrlichend umdreht. Hierbei wird sogar das (würde ich sagen) noch schlimmere „bitch“, wofür es im Deutschen eigentlich keine Entsprechung gibt („Hündin“) als positiv umgedeutet.

        Bitte zeige mir doch negative Reaktionen auf diese Künstlerin, die sollte doch – wenn du recht hast mit dem gravierenden Schimpfwort – in negativer Kritik gebraten werden?! Ich glaube sie gibt es nicht… du schriebst ja schon von „feministischer Begeisterung“ für dieses Video.

        ..und deutest an, die „eigentliche Zielgruppe“ sei weniger begeistert. Wer ist denn die „eigentliche Zielgruppe“ überhaupt? Ist die Rapperin so schlecht, dass sie nicht ihre eigentliche Zielgruppe nicht erreicht und mit „feministischer Begeisterung“ notgedrungen Vorlieb nehmen muss?

        Nein, du scheinst anzudeuten, dass es sich hier um ein belehrendes Stück für Leute handeln soll, die eben nicht feministisch seien. Frauen oder Männer?

        Vielleicht ist es einfach nicht jedermanns Sache, dass sich jemand selbstherrlich in Szene setzt und mit Gossensprache auftrumpft?

        Oder soll das eine Parodie auf die notorischen „Gangsta-Rappa“ sein? Dann käme sie allerdings mindestens 1 schlappes Jahrzehnt zu spät. Ausserdem kommt die Musik so harmlos-weichgespült rüber, wie eben immer die mainstream-haften Opportunisten zu sein pflegen, die auf einen eigentlich schon toten Trend eincashen wollen. Und genau aus diesem Grund lockt die „bitch“ auch keinen Hund hinter dem Ofen hervor, wenn du mich fragst.

    2. Ich glaube schon, dass wir Gesellschaft nicht zu 100% dekonstruieren können – das lasse ich bei Radikalfeministen auch nicht durchgehen. Nicht das Schimpfwort alleine ist schlimm, sondern die damit angedrohte Wirkung (Ansehensverlust, soziale Ausgrenzung).

      Ich hatte mal vor, einige Widersprüche zu sammeln, die mir so über den Weg gelaufen sind. Einer davon ist tatsächlich:
      „Ich bin frei und eine Schlampe und Du darfst nichts gegen meinen Lebensstil sagen!“
      „Wehe, Du bezeichnest mich als Schlampe!“

      1. „Nicht das Schimpfwort alleine ist schlimm, sondern die damit angedrohte Wirkung (Ansehensverlust, soziale Ausgrenzung).“

        Ich finde es schlimm, ein Schimpfwort so ideologisch aufzuladen, dass es zur Hirnwäsche dienen kann.
        Auf der einen Seite bläst man es so auf, als sei es eine Art Gotteslästerung und gleichzeitig verherrlicht man es in einem Akt der Selbstapotheose. Der anti-logische Widerspruch der damit konstruiert wird, wird perfide genutzt die Mitmenschen zu tyrannisieren, sie niederzubuttern und hirnzuwaschen, sie zu polarisieren und gegeneinander aufzuhetzen.

        „Ich glaube schon, dass wir Gesellschaft nicht zu 100% dekonstruieren können“

        Bei der sogenannten „Dekonstruktion“ wird alles, einfach alles, zur unbedingten Machtfrage gemacht. „100% Dekonstruktion“ dürfte in der Wirkung in die Richtung gehen, wie sich heute zB Nord-Korea präsentiert.

        „Ich hatte mal vor, einige Widersprüche zu sammeln, die mir so über den Weg gelaufen sind. Einer davon ist tatsächlich: …. “

        Ich tippe mal, solche Leute hauen dann mit unglaublicher Entschlossenheit zu, wenn du ihnen wegen dieses Widerspruchs was Flappsiges entgegnest.

  5. Naja, das aktuelle Gerede über ‚Slutshaming‘ steht ja eigentlich eher im Zusammenhang mit dem Themenkomplex ‚Rapeculture‘, sofern ich das richtig sehe:

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/frauenprotest-schlampen-an-die-front-a-767985.html

    Ob und inwiefern promiske Frauen in der Gesellschaft den Ruf als ‚Schlampe‘ wegkriegen steht dagegen mMn auf einem anderen Blatt.

    Ich persönlich habe überwiegend die Erfahrung gemacht, daß Frauen mit mehr oder weniger häufigen Partnerwechseln ganz selbstverständlich akzeptiert wurden, was aber vielleicht auch damit zusammenhängt, daß ich mich eigentlich immer eher zu extrem liberalen Menschen hingezogen gefühlt habe.

    Trotzdem kenne ich aber natürlich diverse Synonyme für ‚Schlampe‘, wenn auch nicht das Wort ‚Schlampe‘ selbst aus dem alltäglichen Gebrauch, da bedeutete es (bis vor kurzem) eigentlich immer nur ‚unordentlicher Mensch‘. Was man in meiner Jugend eher so hörte war ‚Wanderpokal‘, ‚Mannschafts-/Bandmatratze‘ oder ganz einfach ‚Die läßt echt jeden ran/ist leicht zu haben‘, noch früher nannte man das wohl ‚leichtes Mädchen‘.

    Benutzt wurde das eigentlich in meiner Gegenwart *immer* von jungen Männern, und respektvoll war das *nie*. Die Frauen, die sich an sowas stießen, hatten wahrscheinlich auch ihre Begriffe, aber von denen habe ich nur die abschätzigen Blicke mitbekommen.

    Der Witz dabei ist, daß diese ‚Schlampen‘ gar nicht mal unbedingt mit mehr Männern Sex hatten als die anderen Frauen. Oft war da etwas ganz anderes im Spiel.

    Die hatte in relativ kurzer Zeit Sex mit 3 Kumpels aus derselben Fußballmannschaft? ‚Mannschaftsmatratze!‘ Sie hat über einen längeren Zeitraum abwechselnd Sex mit immer den selben beiden Männern, die auch noch voneinander wissen (und bei denen auch noch *sie* bestimmt, wann sie mit welchem von beiden schläft)? ‚Wanderpokal!‘ Sie hat an drei Wochenenden hintereinander im Suff mit jeweils einem anderen auf ’ner Party rumgemacht? ‚Wow, Alter, die ist echt leicht zu haben!“

    Einmal davon abgesehen, daß das alles für Männer eher unter ‚Glückssträhne‘ gelaufen wäre waren andere Frauen auch kein Stück zurückhaltender, galten aber als absolut seriös.

    Wichtig ist dabei nach meinen Beobachtungen erst einmal, daß – besonders junge – Männer Jäger sind, die gerne nachts am Lagerfeuer voreinander mit ihrer Beute prahlen. Ich will das gar nicht kritisieren, in meiner Vergangenheit gibt es auch ein paar unschöne Flecken, Fakt ist aber, daß das eskalieren kann, wenn die Frau beiden (oder mehr) Männern persönlich bekannt ist, von denen keiner bisher das Konzept der Diskretion verinnerlicht hat.

    Da sagt dann der erste ‚Hey, neulich hab ich die X flachgelegt‘, darauf dann der nächste ‚Watt!? Alter, ich auch! Die bläst ja wie ’ne Königsfee!‘. Nr.1 hatte vielleicht nur ’ne langweilige 08/15 Nummer hinter der Turnhalle (und bei Nr.2 wars wahrscheinlich auch nur ein bißchen hastiges rumgemache auf dem Klo) das spielt aber keine Rolle, Nr.1 kann nicht zugeben, daß seine Beute nicht genauso kapital war wie die von Nr.2, also sagt er ‚Und wie, die lutscht Dir glatt die Eier durch die Nudel!‘ Auftritt Nr.3 ‚Wovon redet Ihr? Die X? Ja, die Kleine kennt echt keine Tabus, ich schwör’s Dir!‘ Er selbst hatte vielleicht mal beim Rumknutschen einen Finger in ihr drin während sie an seinem Hosenstall rumnestelte. Spielt aber keine Rolle, nachts am Lagerfeuer sind Karpfen auch mindestens 2 Meter lang. Jedenfalls heißt X ab jetzt für Insider ‚Die Nuckeltrine‘, und 3 Wochen später weiß jeder, daß ‚die leicht zu haben‘ ist.

    Das bringt uns zu 2 mMn wesentlichen Punkten:
    1. Wenn Du Dir als Frau genauso die Hörner abstoßen willst wie ein Mann, ohne gleich als ‚billiges Flittchen‘ zu gelten, dann tu das möglichst außerhalb Deines näheren sozialen Umfelds
    2. Ist das eben nicht möglich, so sei sehr sorgfältig mit der Auswahl Deiner Partner, (aka ‚Kau schau wen‘) als Faustregel kann man festhalten, daß es Männer mit hohem Selbstbewußtsein nicht nötig haben, noch groß rumzuprahlen.

    Ende Teil 1

    1. Teil 2

      Es gibt mE noch 2 weitere wichtige Aspekte:

      3. Sei dezent. Sei ‚geschmackvoll‘. Und
      4. Sieh zu, daß Du ‚dazu‘ gehörst. Mit dem richtigen sozialen Standing sind zumindest die Punkte 1 und 2 nicht mehr *ganz* so wichtig.

      Wenn z.B. eine Frau, die als prollig oder komisch vordefiniert ist, auf mehreren Parties vor aller Augen wild mit wechselnden Männern rummacht ist es für die etablierte Frau von Welt kein Problem, verächtlich ‚Das ist typisch für diese kleine Nutte‘ zu zischeln, während sie sich diskret das Sperma ihres fünften diesjährigen Lovers aus dem Mundwinkel tupft.

      Dazu wäre noch zu sagen, daß das bisher gesagte zu meiner Zeit für Frauen zwischen ca. 16 und 19 galt, vorher gab’s wenn überhaupt nur Blümchensex und große Gefühle, danach ging’s an die Uni, und da war Promiskuität wirklich nichts ungewöhnliches. Besonders nicht für Frauen. Meinen Erfahrungen zufolge hatten die Frauen in meiner Alterskohorte durchschnittlich mehr verschiedene Sexpartner als die Männer. Da wurde kein großes Gewese drum gemacht, höchstens, daß man sich als Mann manchmal etwas verunsichert fühlte. Aber, wie gesagt, das mag auch mit meinem sozialen Umfeld zusammenhängen, daß ich das so erfahren habe, vielleicht war es im großen gesamtgesellschaftlichen Kontext ja auch ganz anders. Allerdings habe ich da so meine Zweifel.

      Und ab ca. 30 würde ohnehin wohl kaum noch jemand eine Frau als ‚Schlampe‘ bezeichnen, eher schon als ’notgeil‘ oder ‚rollig‘, so wie die meisten Männer so ab 40-50 auch.

      Warum schreibe das alles jetzt eigentlich?

      Nun, zum einen halte ich das, was mit ‚Slutshaming‘ bezeichnet wird für eine Realität ide in dieser Form tatsächlich auch nur Frauen betrifft, und ich halte es für falsch, zu behaupten, daß Männer damit nichts zu tun haben. Viele, viele Männer nehmen ‚Huren‘ nicht ernst oder verachten sie sogar, was ja im Gegensatz zur Verachtung durch andere Frauen sogar noch sinnloser ist, weil diese Frauen ja genau das liefern, was gerade junge Männer ganz verzweifelt nachfragen.

      Zum anderen sehe ich hier nicht wirklich Boshaftigkeit oder gar eine patriarchale Verschwörung am Werke. Biologie und Psychologie dürften hier wohl eine weitaus wesentlich größere Rolle spielen. Immerhin reden wir hier über Sex, und damit potentiell auch Fortpflanzung.

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