Kurznachrichten vom 24.08.2016

1: Der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink beherrscht noch die Meinungsseiten im Bereich Geschlechterpolitik. Folgende neue Kommentare kann ich empfehlen:

Wer sich lieber ärgern will, darf sich die folgenden zu Gemüte führen:

Stokowski bastelt im wesentlichen noch mal am Strohmann, Lohfink werde ja nur deswegen nicht geglaubt, weil sie so gut in das Bild der „Schlampe“ passe. Offensichtlich scheint sich diese Figur ja immer mehr als das Hauptnarrativ von feministischen Kommentatorinnen festzusetzen. Dass man diesen Vorwurf aber allenfalls an Teile der Gesellschaft richten kann, aber nicht an das Gericht, das Lohfink verurteilte, wird mit einer gewissen Nonchalance übergangen bzw. ist diese Verwischung sogar beabsichtigt.

Derweil schießt Nowak den Vogel ab und schafft es, Stokowski im Absurditätsfaktor noch weit zu übertreffen, was man schon als reife Leistung ansehen muss. Alleine nach Überschrift und Unterüberschrift kann man sich schon denken, dass da nur noch Nonsens kommt:

Das Urteil im Fall Lohfink ist ein Rollback für die Rechte der Frauen

Es spricht einer Frau das Recht ab, selber zu definieren, wann ein Sexualakt eine Vergewaltigung ist

Ich mag das gar nicht weiter kommentieren. Wer einen guten Magen hat oder Wert darauf legt, sein bereits verzehrtes Frühstück nochmal zu sehen, mag sich dieses Sammelsurium von Verdrehungen und feministischen Plattheiten antun.

2: In der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln gab ein Imam Sex-Tipps wie diese:

„Eine Frau darf niemals nein sagen – unter keinen Umständen! Nicht einmal, wenn sie ihre Tage hat.“ Es gebe auch dann nichts, das einen Ehemann davon abhalten dürfe, „den Körper seiner Ehefrau zum Vergnügen zu benutzen“. Lediglich zwei Einschränkungen nennt der Imam mit dem extralangen Bart: „Er muss nur ihre Vagina und ihren Anus vermeiden.“ Der Rest des Körpers sei aber zur Benutzung erlaubt.

Kritische Anmerkungen dazu gab es bisher von Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und dem Jugendstadtrat von Berlin-Neukölln, Falko Liecke (ebenfalls CDU). Von Feministinnen, speziell der #ausnahmslos-Fraktion war noch keine Stellungnahme zu verhören.

3: Ich bleib gleich beim Islam. Steven Crowder nimmt gleich zwei auf die Schippe, nämlich die beiden im Titel seines Videos „Painting Muhammad with Bob Ross“. Viel Spaß!

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Kurznachrichten vom 23.08.2016

1: Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten spricht Gina-Lisa Lohfink der Falschbeschuldigung wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs für schuldig und bestätigt damit den Strafbefehl, der gegen Lohfink ergangen war und gegen den sie sich gewehrt hatte. Die Strafsumme wurde zwar von den ursprünglichen 24.000 Euro auf 20.000 Euro herabgesetzt, die Gerichts- und Anwaltskosten dürften die Ersparnis aber mehr als aufwiegen.

Der Rechtsanwalt Udo Vetter kommentiert auf seinem „lawblog“:

Peinlich ist das Urteil vor allem für jene, die den Fall Lohfink zum Gradmesser für angebliche Lücken im deutschen Sexualstrafrecht hochgejazzt haben. Die Mitglieder des Teams Gina-Lisa, allen voran die amtierende Familienministerin, haben sich vor den Karren einer mutmaßlichen (das Urteil ist nicht rechtskräftig) Lügnerin spannen lassen.

Ein Kommentator dort weist darauf hin, dass die Strafe für Lohfink aufgrund des vom Gericht niedriger angesetzten Tagessatzes de facto zwar verringert, de jure aber sogar erhöht wurde, nämlich von 60 auf 80 Tagessätze:

Sicher hilfreich wäre es auch, wenn die Presseberichte von Leuten gemacht würden, die das Geldstrafensystem verstehen und von der Unsitte herunterkämen, bei Geldstrafen nur die Gesamtstrafe anzugeben. Dann hätten sie darüber berichten können, dass das Gericht in der Sache das Strafmaß gegenüber dem Strafbefehl nicht reduziert, sondern in der Sache sogar erhöht hat (von 60 auf 80 Tagessätzen), und dass G.-L.s Strafe anscheinend (den Presseveröffentlichungen zufolge) immer noch niedriger ist als die Geldstrafe aus den Strafbefehlen für die Verbreitung des Videos (90 Tagessätze).

In einem Artikel auf LTO wird dies so erklärt, dass die Akzeptanz eines Strafbefehls ein strafmildendes Geständnis impliziert, was bei beim Einspruch dagegen aber natürlich wegfällt.

Auf Alles Evolution wird bereits über das Urteil diskutiert. Ich möchte einen Kommentar von Adrian hervorheben, der meint:

Selbstverständlich wird dieses Urteil nichts an der Gesamtsituation ändern. Feministen werden diesen Fall als weiteren Beweis der Rape Culture und des Patriarchats sehen. Solange Frauen nicht ungestraft jeden Mann der Vergewaltigung bezichtigen dürfen, und solange nicht jeder Mann auf Zuruf weggesperrt wird, kann es in ihren Augen keine Gerechtigkeit geben.

Und wie zum Beweis von Adrians These, hält die Mädchenmannschaft das Urteil selbstverständlich für einen Beweis der Existenz der „rape culture“.

Derweil offenbart sich das Rechtsverständnis von Feministen auf Twitter wie folgt:

teamginalisa

2: In den USA gab es einige drastische Verfahrensausgänge im Zusammenhang mit Lehrerinnen, die sexuelle Beziehungen mit ihren männlichen Schülern hatten. Ein Schüler bekommt jetzt sechs Millionen Dollar Entschädigung vom Schulbezirk, weil dieser von dem Missbrauch wusste, aber nichts dagegen unternommen hatte. Aufgeflogen war die Sache erst, als die Lehrerin von ihm ein Kind bekam. Wie man das von anderen Fällen aus den USA kennt, muss er wohl für das Kind trotz eines gesetzwidrigen Missbrauchs Unterhalt zahlen. Immerhin sollte das mit sechs Millionen machbar sein. Wenigstens hat der Schüler das geteilte Sorgerecht zugesprochen bekommen. Die Lehrerin kam nach einem halben Jahr Haft wieder auf Bewährung frei.

In einem anderen Fall wurde die Lehrerin dagegen zu ganzen 22 Jahren verurteilt. Warum auch immer, hat sich in Russland eine Bewegung für eine mildere Strafe gebildet, mit schon über 50.000 Unterschriften auf einer entsprechenden Online-Petition. In dem Artikel bei Spiegel-Online wird eine Feministin mit einem halbwegs vernünfigen Kommentar zitiert:

Die feministische Publizistin und Bloggerin Bella Rapoport kritisiert das Klischee vom „triebgesteuerten“ Mann. „Es ist gefährlich, anzunehmen, dass jeder Mann unter allen Umständen froh sein muss, mit einer schönen Frau zu schlafen“, sagt Rapoport. „Unterschiedliche Männer haben unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse und Wünsche. Wenn man so tut, als wollten sie alle dasselbe und müssten es unbedingt haben, werden Frauen am Ende zu Opfern.“

Gefährlich ist diese Sichtweise natürlich am Ende vor allem wiederum für die Frauen. Wie sollte es anders sein… Wenn der letzte Satz nicht wäre, hätte ich auch das „halbwegs“ streichen können.

3: Das Verwaltungsgericht in Osnabrück bestätigt die Entscheidung eines Abendgymnasiums, einer Muslima das Tragen des Nikabs im Unterricht zu verwehren. Die Schülerin hatte dagegen geklagt.

4: Schlechte Nachrichten für Genderisten. Ausgerechnet die sogenannte Gender-Medizin entdeckt immer mehr Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Ein paar Zitate:

Eine Erklärung hierfür lautet, dass die Konzentration der weiblichen Geschlechtshormone ständig ab- und zunimmt, bei männlichen jedoch beständig ist.

Stichwort: Launenhaftigkeit. Könnte damit erklärt sein.

Auch die unterschiedliche Reaktion des Immunsystems kann durch das Wirken der Sexualhormone erklärt werden: Östrogen kann beispielsweise die Zellen aktivieren, die bei der antiviralen Immunantwort mitwirken. Testosteron dahingegen nicht. Das Grippevirus Influenza wird beispielsweise nur von weiblichen Zellen bekämpft, wie die Forscher von der John Hopkins University in Baltimore entdeckt haben („American Journal of Physiology“). Laut dem Immunologen Marcus Altfeld aus dem Heinrich-Pette-Institut in Hamburg würden Frauen deshalb eine schnelle und starke Immunreaktion zeigen, um ihr ungeborenes oder bereits geborenes Kind zu schützen.

Stichwort: Männergrippe. Hat vielleicht doch einen realen Hintergrund. Mädels, Ihr könnt jetzt aufhören zu lästern. Wir Männer sind da einfach von der Natur benachteiligt.

5: Jan Fleischhauer sinniert in seiner Spiegel-Online Kolumne über Heterofeindlichkeit und den diskriminierten Mann. Auszug:

Das ist doch ein schlimmes Stereotyp, dass sich Männer jenseits der vierzig gehen lassen. Wenn man sagt, dass Schwarze ein Problem mit der ehelichen Treue haben oder Araber Frauen nicht für voll nehmen, rollen alle mit den Augen. Warum gilt das nicht auch bei Vorurteilen gegenüber Heterosexuellen? Niemand wird gerne auf ein Stereotyp reduziert, das sollte für alle die Regel sein.

Ich schreibe das, weil mir vergangene Woche aufgefallen ist, dass Heteros nicht einmal als diskriminierungswürdig gelten. Auf jede Gruppe muss Rücksicht genommen werden, nur auf ganz durchschnittliche Männer ab einem bestimmten Alter nicht. […]

„Wer männlich, weißhäutig, sichtbar biodeutsch, christlich oder säkular, nicht behindert und nicht schwul ist, weiß nicht, was es heißt, (…) diskriminiert zu werden“, hat die Journalistin Esther Schapira in den „Tagesthemen“ den Jahrestag kommentiert. Der Satz wurde sofort über Twitter und Facebook geteilt. Offenbar kommt es den Leuten, die so etwas richtig finden, gar nicht in den Sinn, dass es auch eine Form der Ausgrenzung darstellt, wenn eine bestimmte Gruppe von Menschen von vornherein nicht zu den Diskriminierten gezählt wird. […]

Wann hat es angefangen, dass es wichtig ist, diskriminiert zu sein? Früher ging es darum, dazuzugehören. Wer Teil einer Minderheit war, versuchte, so schnell wie möglich zur Mehrheitsgesellschaft aufzuschließen. Heute ist das Gegenteil der Fall: Statt darauf Wert zu legen, dass einen die anderen akzeptieren, ist man stolz darauf, wenn man sagen kann, dass man ausgegrenzt wird. Manche Leute sammeln Diskriminierungen wie andere Panini-Karten. Je mehr sie davon haben, umso besser fühlen sie sich. Man spricht dann von „Mehrfachdiskriminierung“.

Prädikat: Zur Gänze lesenswert.

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Fundstück: Postillleaks über den Sexismus-Verdacht beim Postillon

„Faszination Beachvolleyball: Was macht den Sport nur so beliebt?“ lautete die Titelschlagzeile des Postillon am Sonntag 34/2016. Daraufhin urteilte Postillleaks in seiner Rezension:

Was wir auf dem Cover erblicken mussten, würde in Anne-Wizorek-nahen Kreisen locker für einen #Aufschrei_2.0 reichen.

Und da haben sowohl die Satire als auch die Satire-Parodie erstaunlich zutreffend die Realität beschrieben. Denn zum einen ist Beachvolleyball eine für Journalisten „dankbare“ Sportart, ähnlich wie Hautkrebs eine „beliebte“ Krebsart für Artikel ist, weil sie einen Grund liefert, spärlich bekleidete Menschen zu zeigen (möglichst braun gebrannt am Strand natürlich). Zum anderen bietet jeder abgebildete schöne weibliche Körper inzwischen eine Steilvorlage für Empörung, die die üblichen Verdächtigen natürlich volley annehmen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Take me to the beach“ sangen schon die All Saints.

All Saints: Pure Shores

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Warum ich nicht glaube, dass gute Argumente in einer emotionalisierten Debatte gewinnen

gerks wies in zwei Kommentaren zur Verschärfung des Sexualstrafrechtes auf zwei Folgevorhaben hin:

1. Stalking-Gesetz: Maas setzt Verschärfung zum besseren Opferschutz durch (Vorsicht, Link geht zum Focus!)

gerks dazu:

Ein ganz klein wenig Zeit ist hier noch klarzumachen, dass damit z:B entsorgte Väter endgültig gezwungen werden können, nicht mehr ihre Kinder sehen zu dürfen ohne das man ihnen direkt den Kontakt zu den Kindern verbietet.

2. Petition 66653: Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – Ratifizierung des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt vom 09.07.2016

aus der Petition selbst:

„Das Recht des getrennt lebenden Elternteils auf Umgang – der als Hintertür für die weitere Ausübung von Gewalt genutzt werden kann – darf also nicht mehr über dem Schutz von Frauen und Kindern stehen!“

gerks selbst beklagt sich, dass sich nach solchen Gesetzesverschärfungen viele Blogger empören würden, anstatt sinnvollerweise vorher ihre Stimme zu erheben.

Das sehe ich tatsächlich ein wenig anders. Wie ich schon direkt auf den Kommentar antwortend schrieb:

Hier in der Blogblase wurde seit Jahren genau darauf hingewiesen, mit den bekannten Argumenten – nur interessiert es eben keinen. Mit „denkt denn niemand an die armen Frauen“ kann man gefährliche Gesetze eben durchsetzen. Kritiker werden einfach gebrandmarkt als „Vergewaltigungsbefürworter“ oder „Täterschützer“.

Soviel zum Sexualstrafrecht. Genauso verhält es sich mit der Väterentsorgung – das Problem wird immer wieder in deutlicher Sprache und intelligenten Texten thematisiert. Als einfaches Beispiel diene ein Blogeintrag von Lucas Schoppe vom 26. September 2014: „Wozu ist Männerhass eigentlich gut? (Teil 1: Auslöschung der Rabenväter)

„Väter-Recht abschaffen, Kindererziehung steuerfinanzieren!“

fordert Antje Schrupp in einem Text, den Kai im Frontberichterstatter-Blog als „gefühlskalt“ beschreibt und zu dem er fragt: „Wie kann ein Mensch glauben, nur weil es der Vater ist, kann man ihn aus dem Leben der Kinder einfach entfernen, nur weil die Mutter es möchte?“

Klarer geht’s nicht. Es liegt also nicht daran, dass es niemand ausspricht, sondern eher, dass es niemand hören will – oder dass die Botschaft in den Massenmedien kaum vorkommt, weil sie nicht en vogue ist.

Das Rezept, mit dem die neuen Gesetze auf den Weg gebracht werden, ist einfach, funktioniert aber immer wieder:

  1. Man behauptet, es gäbe eine Schutzlücke, aufgrund derer Kriminelle nicht verfolgt, Verbrechen nicht bestraft werden. Dass es dieser Begriff zu einem Eintrag im Neusprech-Blog gebracht hat und dort inzwischen auch als eigenes Stichwort verwendet wird, spricht Bände. Es stellt auch niemand die Frage, warum bei einem gravierenden Mangel bisher kein Politiker eingegriffen hat, obwohl er sich doch als Retter von Frauen und Kindern inszenieren könnte.
  2. Damit sind wir beim nächsten Stichwort: Frauen und Kinder als Opfer besonders hervorheben! Ob es auch Männer trifft oder Frauen unter den Tätern sind, interessiert hier nicht die Bohne. Die Empathie ist klar verteilt!
  3. Falls jetzt jemand abstrakt, mit möglichen zukünftigen Szenarien, wie das Gesetz missbraucht werden oder was sonst schiefgehen könnte, dagegen argumentiert, also genau so, wie man es redlicherweise machen sollte, wenn es um das Recht geht, präsentiert man ein paar Opfer (oder deren Angehörige). Das schaltet jeden Verstand aus. Jetzt muss der Gegner des Gesetzes gegen Emotionen, gegen konkrete Menschen und ihre Leidensgeschichte argumentieren – das geht natürlich nicht. Das war schon bei den berüchtigten Internetsperren so. Merke: Auch mit wahren Bildern kann man manipulieren!
  4. Spätestens jetzt sind alle Gegenstimmen zum Verstummen gebracht, denn wer sich öffentlich gegen das Gesetz äußert, stellt sich in den Augen der anderen eine moralische Bankrotterklärung aus. Nur völlig verkommene Unmenschen faseln etwas von irgendwelchen Risiken, während hier und heute echte Täter entkommen! Und wer hier überhaupt noch auseinanderklamüsern will, wer „echter Täter“ und wer „unschuldig Beschuldigter“ ist, der bremst das Recht aus, das es doch so schon schwer genug hat, auf die Beine zu kommen, und stellt sich offensichtlich dagegen, dass es hier Fortschritt gibt, ja schützt am Ende die Bösen.

Gegen solch eingeschliffene Mechanismen kommt man mit Bloggen der Marke „das bessere Argument wird sich schon durchsetzen“ nicht weit. Wenn, dann muss man schon einen ordentlichen Schluck aus der Populismuspulle nehmen, um dagegenzuhalten.

  1. Väter sind Männer, Männer sind Menschen und Menschen haben Rechte. Aber da es um Männer geht, interessiert deren Rechte niemanden! Also stattdessen von Anfang an nur mit der Lage der Kinder argumentieren. Gerne am Anfang vernünftig mit „Rechten von Kindern“, dann aber ordentlich auf die Tränendrüse drücken à la „die kleine Susi würde so gerne ihren Vati sehen und wissen, ob er sie noch lieb hat“. Schlau, dabei ein Mädchen zu nehmen, denn mit Jungen hat man ebenfalls weniger Mitleid.
  2. Eine erwachsene Frau ausmachen, die als Kind ihren Vater nicht sehen durfte, darunter sehr gelitten hat und das noch heute ausdrücklich erzählt. Sie sollte bereit sein, durch Talkshows zu tingeln und überhaupt Medienaufmerksamkeit zu bekommen. Am besten eine Buchautorin, denn die hat etwas zu verkaufen – ihre Geschichte! – und ist im besten Fall Medienprofi, der weiß, wie man mit Journalisten, aber auch Gegnern in der Sache umgeht.
  3. Die Gegner haben es gleich doppelt schwerer: Zum einen müssen sie gegen eine Frau die Debatte führen, was leicht in die Richtung abrutschen kann, dass es so wirkt, als ob sie die Frau angreifen oder nicht ernst nehmen. Zum anderen reden sie jetzt das Opfer und seine Leidensgeschichte klein – wie herzlos!
  4. In jedem Fall wird das Narrativ “das neue Gesetz ist das, was Frauen wollen“ gebrochen und damit der eigentliche Bann. Ab jetzt klappt es nicht mehr mit dem einfachen Weltbild, der Widerspruch zwischen bisheriger Annahme und neuer Erfahrung der Öffentlichkeit muss mindestens überbrückt werden und das hinterläßt zumindest einige unangenehme Zweifel. Und die kann man dann weiter schüren durch leicht auffindbare Texte, die gute Argumente enthalten und deren Autoren dem Anschein nach freundlich, humorvoll und geduldig gegenüber Neulingen sind, die das Thema gerade erst entdeckt haben.

Man wird damit immer nur einen Teil der Leute abfischen, aber so kann es klappen! Für die Position der erwachsenen Frau käme z.B. Jeannette Hagen („Die verletzte Tochter“) in Frage. Sie wurde am 09. Dezember 2015 erstmals von Genderama erwähnt und fand bereits damals deutliche Worten gegen die Väterentsorgung, äußerte sich ähnlich klar gegen das neue Sexualstrafrecht, kam in Berichten der Massenmedien über Sorgerechtsstreit vor, ist inzwischen Fachbeirat bei Gleichmaß e.V. und hat auch noch ein knackiges Zitat zu bieten:

Wenn der leibliche Vater aus dem Leben eines Kindes verschwindet, oder herausgedrängt wird, hinterlässt er eine Wunde, die niemand schließen kann.

Persönlicher Hintergrund, klare Meinung, Buch geschrieben, vernetzt, Frau – das liest sich wie das passende Profil einer Galionsfigur.

Allerdings, so genial neu ist die Idee, Jeannette Hagen (oder eine ähnliche Frau) in den Vordergrund zu bringen, natürlich nicht: Beim Recherchieren für diesen Artikel stieß ich via Genderama auf eine Rezension von Jeannette Hagens Buch „Die verletzte Tochter“. Deren Autor: Gerhard Kaspar alias gerks. So schließt sich der Kreis.

Bleibt festzuhalten: Gegen Emotionalisierung kommt man nicht mit Rationalität alleine an. Ich würde immer auch die emotionale Schiene bedienen, weil ich dann beides auf meiner Seite anzubieten habe.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Eigentlich ist es ein trauriger Text („goodbye, papa, it’s hard to die“), der aber so wunderbar in melancholische Popmusik umgesetzt wurde, dass man gerne hört. So macht man das!

Terry Jacks: Seasons in the Sun

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Fundstück: Ahoi Polloi zum neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung

Weil Ahoi Pollois Beiträge zu „hate speech“ neulich so gut ankamen und auch die bereits früher erwähnten nichts von ihrem Charme verloren haben, bringe ich noch einmal drei Cartoons, die sich mit dem neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung befassen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo wir schon beim Thema sind… (es ist natürlich eine Parodie auf „Boom Boom Boom Boom“ von den Vengaboys)

J.B.O.: Bums bums bums

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Nostalgie-Fundstück: Alles, was unmännlich ist

Als ich noch deutlich unzufriedener durchs Leben ging, habe ich solche Sachen viel zu ernst genommen: Da hat eine Frau namens Sigrid Goddard sowohl ein Buch als auch ein Blog mit dem Titel „Alles, was unmännlich ist“ geschrieben.

Wenn man sich mal die ganze Liste durchliest, findet man einiges, das man nun wirklich nicht erwartet hätte: So werden sowohl „den Bus nehmen“ (echte Männer nutzen nie den ÖPNV, sondern fahren betrunken Auto!) als auch „Laktose-Intoleranz“ (selbst Schuld, hätten sie sich mal dagegen entschieden!) als unmännlich verdammt.

Der ahnungslose Laie hätte niemals vermutet, welche alltäglichen, scheinbar harmlosen Dinge vom Untergang der Männlichkeit künden: Cocktails (siehe etwa „der Dude“ mit seinem „White Russian“), Hausschuhe (denn Wohnung sauber halten ist für Weicheier), Spieleabende (welcher echte Kerl hat schon einen Freundeskreis?), lebende Zimmerpflanzen (denn welcher Mann will Lebewesen um sich herum?) oder gar Fahrradklingeln (lieber im Straßenverkehr sterben als sich so erniedrigen!).

Dabei wirken die Vorwürfe völlig beliebig, man könnte sie auch umdrehen: Gerade Männer benutzen einen Rucksack, denn den kann man durch Wind und Wetter, zum Zelten und aufs Festival mitnehmen und ist damit unabhängig und bereit fürs Abenteuer. Gerade Männer achten auf ihr Portemonnaie bzw. dass es gut gefüllt ist, denn ohne Moos nichts los und nichts ist unangenehmer, als plötzlich nicht mit Karte zahlen zu können oder kein Kleingeld zu haben. Gerade Männer essen Eis, das ist sinnlich und da kann hervorragend die Zungenfertigkeit trainieren usw.

Als Musikliebhaber fand ich den Kuschelrock-Artikel besonders schrecklich. Denn da wird eine falsche Dichotonie aufgebaut („entweder man hört harte Musik – oder romantische Lieder“), die mal eben ignoriert, dass doch gerade einige der besten Balladen von Rock- und Metalbands stammen. Ein Phänomen, das einem entgangen sein kann, wenn man die letzten Jahrzehnte unter einem Stein gelebt hat.

Außerdem wird es einem Mann negativ vorgehalten, wenn er durch solche Musik romantische Stimmung aufbauen will, die Dame seines Herzens also nicht „von alleine“ erobert. Dabei spräche es ja durchaus für die Qualitäten eines Mannes, eine gute Atmosphäre zu schaffen, und seine Erfahrung, dass solche Kleinigkeiten dabei helfen.

Die Reaktionen fallen übrigens sehr unterschiedlich aus. Unter der „über“-Seite sammeln sich ablehnende Kommentare, bei dem Artikel über Tee gibt es sowohl Zustimmung als auch Gegenbeispiele (Ostfriesen, Captain Picard, Türken…).

Als Satire taugt es nicht, denn die Kritikpunkte sind ohne tieferen Sinn dahinter. An den Kommentaren merkt man auch, dass das Publikum zwischen Abscheu und Applaus gespalten sind. Dennoch, Blog und Buch regen zum Nachdenken an: Man stelle sich vor, ein Mann würde entsprechend ein Buch „Alles, was unweiblich ist“ schreiben und darüber bloggen. Was würde (ihm) wohl passieren?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das in Gitarrenläden schon auf der verbotenen Liste steht und wer es dennoch spielt, muss einen Euro Strafe zahlen. Es bleibt das klassische Beispiel für das, was ich oben über Balladen von Rock- und Metalbands schrieb.

Metallica: Nothing Else Matters

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Warum ich den Begriff „Streik“ unangemessen finde

Es ist mir neulich noch einmal aufgefallen, als ich einen Blogartikel las, der mir ansonsten gut gefiel: Es war vom „Männerstreik“ die Rede. Damit war in etwa gemeint, dass sich Männer nicht den Forderungen fügen, die die Gesellschaft (zumindest laut veröffentlichter Meinung) an sie stellt. Ich habe noch einmal nachgedacht, warum ich das eigentlich als falsch empfinde (abgesehen davon, dass ein echter Streik der Männer nicht funktionieren kann): Es steckt eine sehr negative Bewertung darin, was das Verhalten „der“ Männer angeht. Denn was macht einen Streik aus?

  1. Er ist (für sich) „unvernünftig“ und wird gerne als „trotzig“ oder „uneinsichtig“ gebrandmarkt. Man denke daran, wie wenige Arbeitskämpfe es im internationalen Vergleich in Deutschland gibt und wie negativ diese in der Presse dargestellt werden!
  2. Er keine langfristige Möglichkeit, sondern muss irgendwann aufgegeben werden. Dieses Verhalten bietet keine dauerhafte Perspektive.
  3. Er ist nicht das eigentliche Ziel, sondern nur das Mittel dafür. Die Streikenden stellen Bedingungen, um wieder zu den gewohnten Verhältnissen zurückzukehren.

Was aber, wenn es in diesem Sinne gar kein Streik ist? Was, wenn sich ein Teil der Männer angesichts der vergifteten Debatte und den mageren Aussichten so weit es geht aufs Private zurückzieht und das beste aus seinem Leben macht? Viele könnten – jeder für sich, eben ohne die Notwendigkeit, sich als Gruppe abzusprechen – damit durchkommen. Denn hinter irgendwelchen Moralappellen à la „Verantwortung übernehmen“, die in Abwechslung zu latenter Abwertung von Männlichkeit (Trottel, Trampel, Täter) geäußert werden, steht keine echte Macht. Wenn das genügend Männer tun, ist die Party (die netto auf Kosten von Männern finanziert wird) für die Gesellschaft irgendwann vorbei.

Für den Fall, dass kein Verständnis für individuelle Entscheidungen von Männern herrscht, weil das gesamtgesellschaftliche Ergebnis daraus unbefriedigend auszufallen scheint, fällt mir ein Vergleich ein: Frauen in Deutschland den sogenannten „Geburtenstreik“ vorzuhalten, ist auch kein sinnvoller Beitrag zu einer vernünftigen Debatte. Jemandes Verhalten mit einem Streik gleichzusetzen ist keine Lösung, sondern verschleppt nur die Ursachenforschung.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Es ist der Abschied vom Packesel, der für gesellschaftliche (Miss-)Verhältnisse viel bedrohlicher ist als ein Streik:

erst das ständige Fordern vom Aufbrechen von Rollen in Kombination mit dem negativen Umdeuten aller bisheriger männlicher Rollen hat dazu geführt, dass viele Männer “aufwachen” und sich fragen, warum sie so weitermachen sollen.

The Rolling Stones: Beast of Burden

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