Gastartikel: Was ist Political Correctness?

Ein weiteres Mal habe ich einen Kommentar von Leszek in einen Gastartikel umgewandelt, weil er sehr gut formuliert ist. In allen Punkten der Analyse muss man Leszek nicht zustimmen – nur halte ich gut geschriebene Texte immer noch für die beste Basis einer Diskussion.

Ich verwende den Begriff im Allgemeinen in zwei Bedeutungen, eine umfassende und eine speziellere.
Im umfassenden Sinne verstehe ich unter Political Correctness alle Versuche argumentfreie moralisierende Diskursstrategien für ideologische Zwecke zu nutzen, einschließlich damit verbundener Propagandalügen und damit verbundener jeweiliger spezifischer Theorien und Theorieelementen.

Bei Political Correctness geht es demnach nicht um rationale (ethische) Argumentation, sondern um die Herstellung irrationaler Über-Ich-Funktionen, es geht also darum Menschen argumentfrei ein „Du sollst“ bzw. ein „Du darfst nicht“ in den Kopf zu setzen, sowie darum, weltanschauliche Gegner mittels moralisierender Zuschreibungen argumentfrei öffentlich zu diskreditieren.
In dieser umfassenden Bedeutung kann es Formen von Political Correctness in jeder politischen Strömung geben, es existieren demnach linke, liberale und konservative/rechte Formen von Political Correctness. (Vieles, was sich im Spektrum speziell der rechten Kritik an der heute vorherrschenden Form linker Political Correctness findet, ist m.E. in Wahrheit ebenfalls eine Form von PC.)

Ein früher Kritiker jeder Form von Political Correctness, der neomarxistische Philosoph Theodor W. Adorno, bemerkte zu den negativen Folgen solcher Diskursstrategien (in dem Artikel „Zu der Frage: Was ist deutsch?“):

„Nicht wenige Fragen gibt es, über die ihre wahre Ansicht zu sagen, fast alle mit Rücksicht auf die Folgen sich selbst verbieten. Rasch verselbständigt sich eine solche Rücksicht zu einer inneren Selbstzensurinstanz, die schließlich nicht nur die Äußerung unbequemer Gedanken, sondern diese selbst verhindert.“

Und ein weiterer früher Kritiker jeder Form von Political Correctness, der neomarxistische Psychoanalytiker Wilhelm Reich, beschäftigte sich ausführlich mit der kritischen Analyse des negativen Einflusses irrationaler Über-Ich-Funktionen:

http://www.lsr-projekt.de/wrnega.html

Bezeichnenderweise ist eines der zeitgenössischen Standardwerke der linken Kritik am Radikalfeminismus und Gender-Feminismus von einer feminismuskritischen Marxistin in der Tradition von Wilhelm Reichs geschrieben worden:

Kerstin Steinbach: Rückblick auf den Feminismus: Von Anfang an eine Lüge gegen Gleichheit, Logik und sexuelles Vergnügen

Im engeren Sinne verwende ich den Begriff Political Correctness je nach Kontext auch für eine ganz bestimmte Variante der Political Correctness, nämlich die heute in westlichen Gesellschaften vorherrschende Form linker Political Correctness und damit verbundene Diskursstrategien, Propagandalügen und Theorien. Diese zweite Bedeutung entspricht weitgehend dem, worauf PC-Kritiker meistens abzielen, wenn sie von Political Correctness sprechen, nämlich die postmoderne Political Correctness und um eben die geht es auch in meinem Kommentar zu Critical Hetness/Knutschverbot. (Anpassung von Graublau: „oben verlinkten“ aus dem Text entfernt und dafür den Link selbst eingefügt)

Die postmoderne Political Correctness hat sich ideengeschichtlich wesentlich aus einer einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Strukturalismus und Poststrukturalismus entwickelt (siehe hierzu das ausgezeichnete Buch des Politikwissenschaftlers Mathias Hildebrandt, auf das ich in meinem letzten Kommentar hinwies.) Ich bezeichne die postmoderne Political Correctness daher auch als Vulgär-Poststrukturalismus. Zur postmodernen PC bzw. zum Vulgär-Poststrukturalismus gehören Theorieströmungen wie Gender Studies, Queer-Feminismus, Critical Whiteness und postmoderner Multikulturalismus.

Die postmoderne Political Correctness beruht auf einer m.E. fehlkonzipierten und einseitig angelegten (Anti-) Diskriminierungstheorie, die stets so funktioniert, dass einer Gruppe der Status der „Norm“, einer anderen Gruppe stets der Status der Abweichung oder Ableitung von dieser Norm zugewiesen wird. Jene Seite, der der Status der Norm zugewiesen wurde, gilt dann als privilegiert und Unterdrücker, die andere Seite gilt als diskriminiert und unterdrückt.

Dabei geht es also in keiner Weise darum aus einer um Objektivität bemühten Haltung heraus AUF ALLEN SEITEN zu erforschen, wo jeweils Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen vorhanden sind, was die Ursachen dafür sind und wie diese beseitigt werden können.
Das postmoderne Paradigma von Norm und Abweichung/Ableitung legt stattdessen von vornherein fest, welche Gruppen den Status als diskriminiert erhalten und welche den als privilegiert. Dies erfolgt über Normzuschreibungen (männlich, weiß, heterosexuell, cissexuell, westlich), die dann für PC-Ideologen oft zu Feindbildern werden.
Die Mitglieder derjenigen Gruppen, denen der Status der Norm zugeschrieben wurde, werden dann u.a. zu „Privilegienreflektionen“ aufgefordert, in der Hoffnung, dass sie die entsprechenden Zuschreibungen dadurch verinnerlichen (was allerdings in der Praxis oft nicht funktioniert, sondern pädagogische Gegenteileffekte hervorruft, wie ich in dem verlinkten Kommentar ja erwähnte).

Die postmoderne PC ist außerdem mit bestimmten, oft irrationalen Sprachumerziehungsmaßnahmen verbunden, das resultiert ideengeschichtlich daraus, dass sich der Poststrukturalismus aus der strukturalistischen Sprachphilosophie heraus entwickelt hat und dazu neigt den Einfluss von Sprache massiv zu überschätzen. Entsprechend fallen PC-Ideologen der Mehrheitsbevölkerung gerne mit schwer nachvollziehbaren Sprachumerziehungsmaßnahmen und Sprachverkomplizierungen auf den Wecker.

Auf Kritik, und sei sie noch so sachlich und begründet, reagieren PC-Ideologen im Allgemeinen, indem Kritiker pauschal und undifferenziert als rechts, sexistisch, rassistisch, homophob usw. gebrandmarkt werden. Dabei bedienen sich PC-Ideologen gerne zweier Strategien der Entwertung von Begriffen, die für die politische Linke in analytischer und kritischer Hinsicht wichtig sind. Entweder werden Begriffe wie rechts, sexistisch, rassistisch, homophob usw. undifferenziert auf alles und jeden angewendet, der eine von der postmodernen PC-Ideologie abweichende Meinung vertritt oder es werden neue ausufernde Definitionen dieser Begriffe erfunden, die zwar rational nicht begründbar sind, aber entsprechende diskursstrategische Funktionen pseudowissenschaftlich legitimieren sollen (z.B. sexistisch ist, wer an durchschnittliche Geschlechtsunterschiede zwischen Frauen und Männern glaubt; rassistisch ist, wer den orthodox-konservativen Islam kritisiert; rechtsradikal ist, wer die postmoderne PC kritisiert, denn solchen Leuten geht es ja nur darum Privilegien und damit Ungleichheiten zu erhalten.)

Der von mir geschätzte linke Philosoph Jürgen Habermas verwendet die schöne Formulierung von der zwanglosen Kraft des besseren Arguments, die einem von ihm befürworteten herrschaftsfreien Diskurs als Leitbild dienen soll. Sowas ist mit PC-Ideologen aber leider nicht zu machen.

Die postmoderne PC bzw. der Vulgär-Poststrukturalismus kommt m.E. den Interessen der ökonomischen und politischen Herrschaftseliten in vielerlei Hinsicht entgegen, denn sie ist, wie in dem verlinkten Kommentar bereits erwähnt, gut dazu geeignet von Staats- und Kapitalismuskritik abzulenken, den Klassenkampf zu behindern, Menschengruppen gegeneinander auszuspielen, eine Teile-und-herrsche-Politik zu betreiben, die Linke der Mehrheitsbevölkerung zu entfremden, die Meinungsfreiheit einzuschränken, sexuelle Repression zu fördern und den Aufbau eines autoritären Staates zu begünstigen, daher wird die postmoderne PC m.E. von den ökonomischen und politischen Herrschaftseliten gefördert – allerdings nur solange die PC-Ideologen als nützliche Idioten brauchbar sind, ist erstmal jede wirksame linke Opposition lahmgelegt und ein autoritärer Staat etabliert, werden die PC-Ideologen von den neoliberalen Herrschaftseliten entsorgt werden.

Ich betrachte die postmoderne Political Correctness also wesentlich als neoliberales Herrschaftsinstrument.

Endes des Artikels – noch ein wenig meta

Entgegen meinen Erwartungen haben wir es geschafft, auch im Oktober jeden Tag einen Artikel zu veröffentlichen. Für die Resonanz war das sicher eine gute Sache! Der Artikel über Thomas Fischer und sjw-watch hat es sogar in ein Video geschafft (3:24-5:40):

MaMMoNMaGaZiN: SAFESPACE 23 – Gesammelter Femi-Müll vom 20.10.2016

Ebenfalls wurden in diesen Monat mehr Gastartikel per E-Mail eingereicht als vorher. Gerne weise ich dabei darauf hin, dass der Blogname bewusst gewählt wurde, um alle möglichen Sichtweisen präsentieren zu können. Wie es schon in der Anfangszeit dieses Blogs erwähnt wurde: Auch ein radikalfeministischer, genderfeministischer oder poststrukturalistischer Text hat hier seinen Platz (von generell feministischen mal ganz abgesehen, davon hatten wir schon welche).

Ich habe da keine Angst, was die freie Debatte angeht: Selbst wenn die Auslegung der groben Kommentarmoderationsregel „jeder moderiert unter seinen Artikel so stark oder wenig wie er will“ streng ausgelegt würde und die Kommentare unter einem Beitrag ganz geschlossen würden – am nächsten Tag könnte direkt ein neuer Artikel mit einer anderen Position zum selben Thema veröffentlicht werden, unter dem die Diskussion dann erst richtig losginge.

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass Kommentare nicht automatisch freigeschaltet wurden. Hier scheint WordPress übermotiviert zu sein; wessen Kommentare woanders als Spam markiert wurden, der scheint es auch hier im Blog schwerer zu haben. Die Option „ein Kommentar desselben Autor muss bereits freigeschaltet sein“ reicht entgegen der Dokumentation offenbar nicht aus.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die „politisch korrekte“ Version hatten wir schon, hier ist das Original:

Die Ärzte: Quark

Fundstück: „The Gender Equality Paradox“ von Harald Eia

Mit der Serie „Brainwash“ lieferte der norwegische Soziologe Harald Eia ein Meisterstück ab: Ohne sich selbst dabei allzu ernst zu nehmen, zeigte er durch eine Reihe von Interviews, wie Erkenntnisse aus der Biologie von Wissenschaftskollegen in der eigenen Heimat ignoriert wurden. Gerade die Kenntnis des weltweiten Forschungsstandes hätte aber die Befürchtungen entkräftigt, eine Anerkennung biologischer Grundlagen würde Rassismus rechtfertigen (können) oder bedeute Determinismus („slippery slope“).

Die interessanteste Folge für den Einstieg ist die über das sogenannte „Gender Equality Paradox“. Gemeint ist damit, dass sich ausgerechnet in den Ländern mit der höchsten gesellschaftlichen Gleichberechtigung die größten Unterschiede in der Berufswahl zwischen Männern und Frauen finden. Müsste es denn nicht so sein, dass Menschen, die frei wählen können, unahängig vom Geschlecht im Schnitt dasselbe wollen?

Zurecht wird der Beitrag immer wieder erwähnt, so etwa im Grundsatzartikel von Erzählmirnix zum Mythos Gender Pay Gap und zuletzt in der Diskussion hier im Blog. Ich habe bei Youtube verschiedene Versionen gefunden, die ich alle aufführe, falls mal eine der Quellen gelöscht wird:

Original mit englischen Untertiteln

Alternativquelle OmEU:

Teile 1, 2, 3 als Original mit Untetiteln:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Auch wenn die Serie nicht behauptet, die Leute seien einer Gehirnwäsche unterzogen worden, fiel mir zuerst dieser Titel ein…

New Radicals: Maybe You’ve Been Brainwashed Too

Fundstück: Sexismus in Comics bei Schisslaweng

Marvin Clifford zeichnet nicht nur zu Single-Dasein und Beziehungen, sondern äußert sich auch zu der „Sexismus in der Popkultur„-Debatte:

Sexismus in Comics
die Figur, die niemanden ärgert

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Beim Thema „Helden“ kommt mir dieses Lied in den Sinn…

Bonnie Tyler: Holding Out For A Hero

Der Weg des Jack Donovan. Teil 3: »Becoming a Barbarian«

Im folgenden Blogpost beschließe ich meine Trilogie zu Jack Donovan mit einer Darstellung seines jüngsten Buches, Becoming a Barbarian, sowie einer ausführlichen Diskussion der politisch rechtsstehenden Anklänge, die insbesondere diese Schrift enthält. Dabei werde ich die einzelnen Abschnitte, deren Inhalte ich zusammenfasse, zugleich unter Bezugnahme auf Texte der intellektuellen Neuen Rechten interpretierend kommentieren, um den von Donovan aufgespannten thematischen Bogen nur einmal abschreiten zu müssen, anstatt Darstellung und Deutung in zwei geschlossenen Blöcken unterzubringen. Auf diese Weise sollte auch der Rahmen, in den ich Donovan mit meiner Interpretation stelle, zu einem frühen Zeitpunkt erkennbar werden. Alle Seitenangaben ohne zusätzlichen Titelverweis beziehen sich auf Becoming a Barbarian. Da ich in der Arbeit an diesem Blogpost auch für mich persönlich eine theoretisch unterfütterte, grundsätzliche Stellungnahme zur politischen »Links-Rechts«-Unterscheidung erarbeitet habe, hat mich dieser Post deutlich mehr Zeit gekostet, als ich erwartet hatte. Ich habe nicht versucht, alle losen Enden, die der Text noch aufweisen mag, zusammenzuknüpfen, da er auch so schon lang genug ist.

Popmusik gibt es diesmal zur Einstimmung schon am Anfang: »Goj, Rode, Goj« von »Arkona« – barbarengerechtes, heidnisches Metall aus dem Reich des Bösen!

(Teil 2: »The Way of Men«)

Weiterlesen „Der Weg des Jack Donovan. Teil 3: »Becoming a Barbarian«“

Wie Simone Schmollack „Genderbashing“ basht

Simone Schmollack versucht heute in der taz Kritik an Gender-Mainstreaming und Gender Studies wieder einmal in die rechte Ecke zu stellen. Dabei behauptet sie unter dem Titel „Die Stunde der Phobiker“:

Kritik an der Genderforschung ist unter Konservativen in Mode. Sie wird auch benutzt, um Errungenschaften der Moderne in Frage zu stellen. […]

Seit der Rechtspopulismus zum Mainstream avanciert ist, ist Gender-Bashing groß in Mode. GleichstellungsphobikerInnen fühlen sich im Aufwind: Jetzt wird mal so richtig aufgeräumt mit dem ganzen Genderquatsch. Beatrix von Storch zum Beispiel. Die Vizechefin der AfD lässt nahezu keine Gelegenheit aus, gegen Gender-Mainstreaming zu Felde zu ziehen. Das sei eine „politische Geschlechtsumwandlung“, ziele auf die „Dekonstruktion der Geschlechter“ und diskriminiere Jungs und Männer. […]

Alles, was auch nur den Anstrich von „Gender“ hat, wird abgelehnt und verächtlich gemacht, den universitären Gender-Studies wird der wissenschaftliche Charakter abgesprochen und ideologische Voreingenommenheit unterstellt: Das Forschungsfeld sei überflüssige Frauenförderung, weil Frauen längst gleichgestellt seien.

Man muss schon taub und blind sein, um zu leugnen, dass Frauen vielfach schlechter bezahlt werden als Männer und vielfach eine miserable Rente kriegen. Dass es weniger Chefinnen als Chefs gibt, dass Teilzeitjobs vorrangig von Frauen ausgefüllt werden. Dass alltäglicher Sexismus insbesondere Frauen trifft. Macht nichts – die Gender-KritikerInnen fordern trotzdem, dass jetzt endlich mal die Männer in den politischen und wissenschaftlichen Fokus gehörten. […]

Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs. Familienförderung konzentriert sich seit Jahren gleichermaßen auf Frauen und Männer. Stichworte dafür sind: Vätermonate und Teilzeit auch für Chefs. Debatten kreisen um unterschiedliche männliche Lebensentwürfe jenseits traditioneller Heldenrollen. Das ignorieren Gender-KritikerInnen allerdings nicht nur, es ist ihnen vielmehr ein Dorn im Auge. Sie wollen vielmehr zurück zu einem konservativen Familienbegriff, der den Geschlechtern klare Rollen zuweist: Frau an den Herd, Mann raus in die Welt.

Nicht zufällig kommen viele Gender-KritikerInnen aus einem christlich-fundamentalen Lager, das Familie als die „Keimzelle“ der Gesellschaft als Gemeinschaft aus Vater, Mutter, Kind(ern) sieht. Homosexualität, Eingetragene Partnerschaft und Adoptionsrecht für Homosexuelle werden ebenso abgelehnt wie Abtreibung und Sexualerziehung in der Schule. […]

Und in jüngster Zeit veröffentlichen konservative Medien Texte, die ausführlich Gewalt gegen Männer thematisieren. Ja, es gibt Frauen, die ihre Partner schlagen. Und ja, es gibt Männer, die sich nicht wehren können. Das ist ein Problem. Das löst man aber nicht, indem man Gewalt gegen Gewalt aufrechnet und Männer zu Opfern macht. Man löst es auch nicht, indem man all die Gewalt dem Gender-Mainstreaming zuschreibt.

Das Problem löst man, in dem man Gender-Forscherinnen in Ruhe arbeiten lässt und ihre Ergebnisse ernst nimmt.

Das einzig positive im Artikel ist der Satz:

In der FAZ ist ein Text über die erstarkende Männerrechtsbewegung überschrieben mit „Das vernachlässigte Geschlecht“.

Aber holla: Das ist doch mal eine gute Nachricht, wenn selbst Simone Schmollack konstatieren muss, dass unsere Bewegung am Erstarken ist!

Ich habe dazu einen längeren Kommentar geschrieben, der noch nicht freigeschaltet ist, aber vorsorglich werde diesen auch gleich hier veröffentlichen:

Der übliche Artikel nach dem Motto: Männer, haltet einfach die Schnauze und überlasst die Geschlechterpolitik weiter nur den Frauen, speziell natürlich den Feministinnen!

Auch ansonsten dient der Artikel mehr der Vernebelung als der Aufklärung. Bei Gender-Mainstreaming geht es mitnichten nur um ein wenig Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit, sondern um die Desavouierung von männlichem Verhalten als solches. Nicht umsonst geistern da Konzepte von „Toxic Masculinity“ und „Rape Culture“ umher, und die Existenz eines Patriarchats wird nicht hinterfragt, sondern schicht vorausgesetzt.

Grundlage der Gender Studies ist das Dogma des weißen Blattes, die Behauptung, jegliches unterschiedliches Verhalten zwischen Männern und Frauen sei durch Erziehung und Sozialisation erlernt und gesellschaftlich konstruiert, während der mögliche Einfluss von Genen und Hormonen auf das Verhalten komplett geleugnet wird. Diese Annahme ist absolut konstitutiv für den Genderfeminismus, denn andernfalls müsste man zugeben, dass Männer eben nicht so einfach umzuerziehen sind, so dass sie frauenkompatibler werden, was ja letzten Endes das Ziel, zumindest eines der Ziele von Gender-Mainstreaming und Gender Studies ist. Allerdings verweigern sich die Gender Studies seit Jahren beharrlich einer neutralen Evaluation. Kein Wunder, denn dann müsste der nackte Kaiser ja seine Kleider vorzeigen.

Und natürlich müssen Kritiker wieder ins rechte Lager gesteckt werden. Nur: Der derzeit wichtigste Kritiker, Prof. Ulrich Kutschera, ist Atheist und im Beirat der säkularen Giordano-Bruno-Stiftung, also so ziemlich das genaue Gegenteil von klerikal-konservativ.

Auch andere Männerverbände ordnen sich ganz sicher nicht rechts ein, aber die Autorin muss natürlich das Menetekel Polen an die Wand malen, das ganz sicher kommen würde, wenn man tatsächlich mal Männer zu Wort kommen ließe in der Geschlechterpolitik.

Im Gegenteil, bis auf ganz wenige krude Gestalten ganz rechts hat heute kein Mann mehr etwas gegen Gleichberechtigung und flexible Rollenmodelle. Wenn sie denn flexibel bleiben und nicht das alte bisher vorherrschende Modell durch einen neuen Zwang ersetzt wird. Nur, da sollten auch die Frauen mal ihrer Privilegien bewusst werden. Wenn diese im Arbeitsleben noch teilweise bei den Männern liegen, liegen sie im Privaten, im Bereich von Familie und Kindern eindeutig auf Seiten der Frauen. Männer haben nicht dasselbe Reproduktionsrecht, Männer dürfen immer noch nicht wissen, ob die Kinder wirklich ihre eigenen sind. 90% aller Kinder werden nach der Scheidung der Frau zugesprochen, und wenn Mann Pech hat und Frau es will, sieht er sie nie wieder, muss aber trotzdem weiter Unterhalt für sie zahlen. Es geht nicht nur um ein wenig Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie die Autorin suggeriert. Es geht ganz massiv um Rechte, die Männern von Frauen vorenthalten werden.

Es soll also wieder das Eintreten für Männerrechte als „rechts“ diffamiert werden. Aber wenn sich das linke Lager nach Jahrzehnten des einseitigen Blicks auf die Bedürfnisse von Frauen nicht langsam auch mal wieder denen der Männer zuwendet, werden diese vermehrt rechts wählen. Und das will ich nicht!

Nachtrag

Noch ein Nachtrag zum meinem Kommentar: Die Autorin stellt es so dar, als ob der Vorwurf von Beatrix von Storch, bei Gender werde „Dekonstruktion der Geschlechter“ betrieben, absurd sei. Und ich dachte immer, genau das sei ein wesentlicher Inhalt von Gender Studies. Was sagen denn die Genderforscherinnen dazu?

Außerdem: Wenn die Autorin behauptet „Aber: Männerforschung gibt es längst. Es gibt den Männergesundheitsbericht, Männerkongresse, Vätergruppen, Männertreffs.“, dann vergisst sie zu erwähnen, das diese Projekte auf Männerseite so gut wie immer ehrenamtlich von quasi Hobbyisten auf die Beine gestellt werden, während die entsprechenden Projekte auf Frauenseite sich üppiger staatlicher Alimentierung erfreuen dürfen.

Update von 21:00 Uhr:

Nachdem von meinem dreiteiligen Kommentar nur der dritte Teil („Nachtrag“) akzeptiert wurde, und dies auch schon zehn Stunden her ist, gehe ich davon aus, dass die ersten beiden Teile nicht mehr freigeschaltet werden.

Fundstück: Ahoi Polloi zu Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick

Ahoi Polloi kann zur festen monatlichen Quelle für dieses Blog werden. In den meisten Fällen erwähne ich das Stichwort nicht, um die Pointe nicht zu verraten!

  1. modernisierte Fassung von Moby Dick (da bin ich beim Lesen wirklich in schallendes Gelächter ausgebrochen)
  2. moderne Arbeit (dasselbe Thema bei Alles Evolution besprochen und von Lucas Schoppe kommentiert)
  3. Vorbereitung auf die neue Gesellschaft (passend dazu Alles Evolution über „zu männliche“ Wissenschaft)

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. über kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  2. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  3. zum neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung
  4. dreimal zu „hate speech“
  5. eine ganze Sammlung
  6. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Bei Moby Dick muss ich immer an folgenden Künstler denken (und ja, bitte keine unerwünschten Moby Dick pics zuschicken!)…

Moby: We Are All Made Of Stars

Warum ich Tanzen lernen empfehle

Hans schrieb bei Alles Evolution einen sehr praktischen Hinweis (Rechtschreibung leicht angepasst von mir), den er zwar an eine konkrete Person richtete, der aber für viele Männer taugen kann:

Ohne dich zu kennen, gebe ich dir den Tipp, tanzen zu lernen (in einer Tanzschule: klassisch / latein oder halt Tango, Salsa). Und zwar ergebnisoffen: Also gerade nicht mit dem Ziel, jemanden abzuschleppen.

Da gibt es noch festgeschriebene Protokolle und alleine das positive Erleben und die Kooperation miteinander ist mit Sicherheit ein Faktor, der

a) dein Weltbild positiv verändern könnte
b) dir ein besseres Gefühl vermitteln könnte

Zudem gibt es einem eine starke Sicherheit durch die strikten Protokolle und klaren Grenzen. Und wenn du dabei bleibst „Social Proof“, usw. usf.

Und als letztes ist „Führen lernen“ auch generell praktisch, um zum „Patriarchat“ dazuzugehoöen😉.

Denn wenn es das Patriarchat schon unbedingt geben „muss“, dann kann man(n) es ja wenigstens positiv ausleben.🙂

In diesem Kommentar steckt soviel drin – positiv sein, für sich selbst etwas ausprobieren, die Welt nicht ständig so ernst nehmen. Den Tipp kann ich empfehlen, auch wenn ich selbst nie besonders gut bei Paartänzen war.

Ich habe das so erlebt, seit ich ein junger Mann war: Genügend Frauen sind völlig hingerissen von guten Tänzern, sehen glücklich mit ihnen aus und schwärmen auch vor anderen darüber. Das gilt sogar dann, wenn die Männer ansonsten nicht besonders attraktiv sind, was Aussehen oder Redegewandheit angeht. „Mit drei Dingen kann man bezaubern: Musizieren, Kochen, Tanzen.“, wie ein lebenserfahrener Bekannter von mir einmal sagte.

Wie ich schon beim Thema „Freundlichkeit“ schrieb:

Eine gewisse Eleganz ist natürlich altmodisch – also nichts von wegen „alte Rollen aufbrechen“, sondern im Gegenteil althergebrachtes galantes Verhalten wiederentdecken ist angesagt.

Das Ziel soll aber gerade nicht sein, andere zu beeindrucken. Für einen selbst sind es die Körperbeherrschung und die Freude an der Bewegung, die ein Hochgefühl erzeugen können. Man ist in einem positiven Kontext unter Menschen und simuliert nicht, ein soziales Wesen zu sein, man ist. Das halte ich für viel wichtiger, um glücklich zu werden.

Die Motivation zur Serie

Angenommen, ich schreibe für einen eigentlich ganz okayen, aber irgendwie unzufriedenen jungen Mann. Welche niedrigschwelligen Tipps würde ich ihm geben, gerade nicht mit dem Ziel „ich reiße 1000 Frauen auf“, sondern „ich möchte glücklicher in meinem Leben werden“?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Lieder übers Tanzen gibt es viele, aber dieses fiel mir zuerst ein.

David Bowie: Let’s Dance