Fundstück: Ahoi Polloi über Genderidentität, politisch korrekte Sprache und das Rederecht bei den Grünen

Ahoi Polloi gehen die Themen für Comics nicht aus. Man findet auch im Archiv jede Menge schöner Beiträge!

  1. Genderidentität
  2. politisch korrekte Sprache
  3. Rederecht bei den Grünen

bisherige Erwähnungen von Ahoi Polloi:

  1. Sexismus
  2. Modernität bei Arbeit, Gesellschaft und Moby Dick
  3. über kulturelle Aneignung, rape culture und sexistische Werbung
  4. gegen mansplaining und Mikroaggressionen und für die Wahrheit
  5. zum neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung
  6. dreimal zu „hate speech“
  7. eine ganze Sammlung
  8. zu Sprache

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute fällt mir nur ein offensichtliches Lied zum ersten der drei Comics ein.

Rio Reiser: König von Deutschland

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Sie wurden gegendert!

Ich studiere an einer kleinen Uni, die sehr groß bei Genderfragen ist, wirklich alles scheint gegendert zu werden, denn sobald ich mich als Geisteswissenschaftler bezeichne, wird mir aus allen möglichen Ecken ein <in> an das Wort hingebastelt. Gender ist das große Thema der Wissenschaft und ich habe in jeder meiner Abschlussprüfungen ein Genderthema gehabt. In diesem Zuge lernt man viel über völlig groteske Auswüchse unsere gendergerechtigkeitsfanatischen Gesellschaft und gerade dann, wenn sich Dozentinnen mittleren Alters die Befreiung der Frau auf die Fahne geschrieben haben.

Mein Freund besucht gerade eine Vorlesung, in der das Thema auch sehr wichtig ist. Denn man soll schließlich auch Jungen dazu bringen, zu lesen und Bücher nicht als Stützen für wackelnde Möbelstücke zu sehen. Das Seminar wird von einer sehr frauenbewegten Dame gehalten und dementsprechend ist der Tenor. Schlimm genug, dass man nicht die eigene Meinung vertreten kann, weil es einem negativ ausgelegt werden könnte, kam sie auf das Thema Gendergerechtigkeit zu sprechen und lamentierte sich zu Tode. Hinter mir regte sich Widerstand. Klein, süß, drittes Semester. Sie meldete sich und beschwerte sich dann über das Gendern der Sprache in jedem verfluchten Kontext – hatte zwar nichts mit dem Thema zu tun, aber es ließ mich grinsen. An jedes Nomen, das Berufsgruppen beschreibt, muss man jetzt ein <in> hängen und das dann noch dementsprechend umbauen. Lehrerinnen und Lehrer finde ich ja noch nett, Studentinnen und Studenten ist auch ok. Aber Studierende (was ja sowieso mein Hasswort ist) zu genderderivieren finde ich dämlich. Denn es ist nicht nur mehr Schreib- und Formulierungsaufwand, sondern es stellt einen vor ein neues Problem: Manche Berufe haben seltsame weibliche oder männliche Versionen.

So gibt es Polizistinnen, Gärtnerinnen oder Mechanikerinnen, beim Kindergärtner wird es dann schon schwierig. Auch Maschinenschweißerin, Maurerin oder Galvanisateuse finde ich seltsam. Ich fragte mich auch lange Zeit, ob es einen Krankenbruder oder einen Kosmetiker gäbe oder wie ich Kardinälin, Bischöffin oder Päpstin werden könne.

All das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass die Debatte um Frauen- und Männerberufe eine große ist. Trotzdem bin ich momentan froh, dass sich mein Job zwar gendern lässt, es aber recht egal ist, dass ich eine Frau bin.