Pilz des Jahres

Da dachte die Deutschen Gesellschaft für Mykologie doch tatsächlich, sie könnte mal ein Zeichen setzen und männliche Feministen ehren, indem sie den – aufgepasst

Lilastieligen Rötelritterling

zum Pilz des Jahres 2016 wählte.

Doch da hatte sie noch nicht mit der Titanic gerechnet, die ihrerseits einen Pilz zum Pilz des Jahres ausgerufen hat und damit eine derzeit noch viel wichtigere Gruppe ehrte:

Wer die Oberhand behalten wird, ist noch nicht ausgemacht.

#MasculinitySoFragile

Ich kapiere es nicht.

https://twitter.com/hashtag/MasculinitySoFragile

Irgendwie soll es beschreiben, daß Männer schnell aggressiv werden, wenn man ihnen ihre Männlichkeit abspricht. Und das jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, sich über diese Männer lustig zu machen. Schon die Widerrede beweist nach feministischer Lesart die Richtigkeit.

Mir geht das ja instant auf den Sack, denn was an Tweets kommt ist wie immer dasselbe. Männer sind scheiße, Frauen gottgleich und unter dem Patriarchat leidend. Man kann natürlich genüßlich mit Spott antworten.

Aber irgendwie spüre ich, daß dieser Hashtag eine genuine Beleidigung ist. Helft mir bitte auf die Sprünge.

SPD-Männer: Solidarität mit geflüchteten Männern und Jungs

Anlässlich des Internationalen Weltflüchtlingstages am morgigen 20. Juni 2015 erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Männer (ASM), Werner Liefen:

Über 50 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen derzeit auf der Flucht. Fast die Hälfte von ihnen sind Männer und Jungs. 67 Prozent der Asylanträge in Deutschland werden von Männer und Jungs gestellt. In der medialen Flüchtlingsdebatte sind Jungs und Männer jedoch kaum präsent.

Ein Fachgespräch der SPD-Männer zur besonderen Situation von geflüchteten Männern und Jungs am 30. Februar 2015 hat klar gezeigt: Auf geschlechtsspezifische Bedürfnisse von Männern und Jungs wird kaum Rücksicht genommen. Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Unterbringung von geflüchteten Männern und Jungs, insbesondere in Sammelunterkünften. Oft sind sie traumatisiert durch Formen brutalster (Kriegs-)Gewalt. Gerade für diese Männer brauchen wir Schutz- und Rückzugsräume. Lange Wege und von Frauen und Männern gemeinsam benutze Waschräume verletzen das Schamgefühl und erhöhen das Risiko des Vorwurfs von sexuellen Übergriffen – hier sind dringend Maßnahmen zum Schutz der Männer und Jungs erforderlich.

Wir brauchen eine geschlechtsspezifische Unterbringung von Schutzsuchenden in Deutschland! Auch die Gesundheitsversorgung für Asylbewerber_innen ist absolut unzureichend: Das Asylbewerberleistungsgesetz sieht eine medizinische Versorgung nur im akuten Notfall vor. Diese muss zudem von der zuständigen Behörde, in der Regel dem Sozialamt, genehmigt werden. Die guten Erfahrungen, die Bremen und Hamburg mit der Gesundheitskarte für Asylbewerber_innen gemacht haben, müssen auch für andere Bundesländer Vorbild sein – zumal diese auch noch kostengünstiger ist. Ein besonderer Schutzbedarf besteht auch bei körperlich und seelisch Kriegsverletzten und für minderjährige Flüchtlinge. Deutschland muss die entsprechenden EU-Richtlinien endlich effektiv umsetzen.

Klar ist: Die Unterbringung und Versorgung von Asylbewerber_innen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier sind Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen gefragt. Wir SPD-Männer zeigen uns solidarisch mit den geflüchteten Männern und Jungs. Am Weltflüchtlingstag bedanken wir uns ganz besonders bei den Initiativen vor Ort, die sich für Flüchtlinge und gemeinsam mit ihnen engagieren. Zusammen setzen wir uns weiterhin für einen besseren Schutz von geflüchteten Männern und Jungs ein.

Quelle: http://www.asf.de/aktuelle_themen/spd-frauen-solidaritt-mit-geflchtete-frauen-und-mdchen

Klar, ein geschlechtsspezifischer Umgang mit Flüchtlingen ist offenkundiger Unsinn. Natürlich benötigt eine Schwangere besondere Betreuung, ein Kriegsversehrter aber genauso. Ein Junge genauso wie ein Mädchen. Bei den gemeinsam genutzten Waschräumen ist für die ASF erstmal generelle Männerbeschämung und -Vorverurteilung angesagt. Es würde jedoch allen Menschen helfen, menschenwürdige Unterkünfte, Toiletten und Waschräume zu stellen. Lange Wege sind für Frauen natürlich auch nicht zumutbar, das kann man den Männern überlassen. 67% der Flüchtlinge sind Männer, da muß man einfach dazuschreiben, daß die UN noch andere Zahlen hat, egal wie irrelevant das für das aktuelle Thema ist. Die Mehrzahl sind Männer, was ein Indiz dafür ist, daß die Flucht lebensgefährlich ist und schwerste körperliche Strapazen beinhaltet. Es könnte aber auch ein Indiz dafür sein, daß die Männer die Aufgabe haben, für ihre daheimgebliebenen Familien zu sorgen. Daß insbesondere Männer in ihrem Heimatländern an Leib und Leben bedroht sind, zB durch Zwangsrekrutierung. Ich bin mir aber auch relativ sicher, daß die Gefahr das Opfer einer Gewalttat zu werden, innerhalb und außerhalb eines Flüchtlingslagers für Männer und Jungs ganz deutlich höher ist. Da muß man nur an die unterschiedlichen Religionen und Kulturen derer denken, die in überfüllten Zimmern gemeinsam auskommen müssen. (Liebe Feministinnen, das ist jetzt der Punkt, an dem Ihr darauf hinweisen könnt, dass die Gewalttäter in der Mehrheit männlich sind. Ein ekelhaftes Argument, welches Ihr immer wieder anbringt.)

In der medialen Flüchtlingsdebatte sind eben Frauen und Mädchen mindestens genauso präsent wie Männer und Jungs. Und in den Bildern werden sie entsprechend ihrem Anteil von einem Drittel eben auch präsent sein. Tatsächlich ist dies aber nicht der erste Artikel auf den ich stoße, der eine Sonderbehandlung von Frauen fordert. Einen Artikel, der sich insbesondere um die Belange der mehrheitlich männlichen Flüchtlinge widmet, habe ich hingegen nicht gefunden. Ich fänd das aber auch nicht so sonderlich sinnvoll. Festzuhalten ist, daß die Behauptung, daß „Mädchen und Frauen jedoch kaum präsent“ sind, eine glatte Lüge ist. Das Gegenteil ist der Fall.

Es ist aber auch Fakt, daß keine Männervereinigung existiert, die es an Bedeutung mit der ASF aufnehmen könnte. Es würde aber auch keiner Männervereinigung einfallen, angesichts der großen Not nur mit einer Teilmenge der Flüchtlinge solidarisch zu sein. Für mich ist das eine moralische Bankrotterklärung. Einfach widerlich. Aber die Geschlechtsapartheit zeigt Wirkung in der Praxis: https://mpartei.wordpress.com/2015/08/01/gemeinderaetin-moerk-findet-selektion-rein-nach-geschlecht-sehr-gut/.

Fundstück: Weibliche Traummaße sind pädokriminelle Männerphantasie

Das eBook „Fettlogik überwinden“ von Nadja Hermann (alias Erzählmirnix) ist sowieso empfehlenswert, aber für die Debatte hier ist mir eine Stelle besonders aufgefallen:

Derzeit fällt mir eine starke Tendenz auf in Richtung „Männer müssen füllige/dicke/übergewichtige Frauen begehren“, kombiniert mit der Abwertung schlanker Frauen oder von Männern, die zugeben, schlanke Frauen attraktiv zu finden. Da wird dann entweder die Heterosexualität in Frage gestellt (…) oder angedeutet, er stehe vielleicht gar nicht auf erwachsene Frauen, sondern auf Kinder.

Sie erwähnt daraufhin die Arbeitsgruppe „Dicke Weiber“ aus Österreich, die sich selbst als „Feministische Initiative dicker Frauen“ bezeichnet, und ein Flugblatt herausgegeben hat (PDF). Dort findet sich folgende Passage:

Betrachten wir die Norm, die wir alle anstreben sollen, einmal genauer: das Traummaß 90-60-90.
90 cm Brustweite entspricht Größe 38
60 cm Taille entspricht Kindergröße 134 durchschnittlich für ein 8-9jähriges Kind
90 cm Hüfte entspricht Größe 34 oder Kindergröße 164/170 durchschnittlich für eine 14jährige
Die Traumvorstellung ist also ein Mädchenkörper mit Busen. Diese Traumvorstellung ist eine pädokriminelle Männerphantasie.

Das ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Dämonisierung männlicher Sexualität. Was heterosexuelle Männer tendenziell begehren, ist pädophil und kriminell. Einzelne Männer könnten dabei noch ok sein (die Traumvorstellung kann sich schließlich aus ganz unterschiedlichen Einzelwerten zusammensetzen), aber was ein Großteil der Männer mag, ist verabscheuenswert. Im eBook weist Nadja Hermann zurecht darauf hin, dass der Vorwurf der Pädophilie einer der schlimmsten überhaupt ist.

Zusammengefasst: Eine Organisation, die das Wort „feministisch“ im Untertitel trägt, brandmarkt die allgemeine Vorliebe heterosexueller Männer als „pädophil“.

Soviel dazu. Und demnächst die spannende Frage: Warum verbinden Leute den Begriff Feminismus mit Männerhass?

Stellen wir uns alternativ vor, im Rahmen der öffentlichen Debatte in einer westlichen Industrienation würde derzeit jemand Sexualität oder Begehren von Frauen grundsätzlich und in dieser Form angreifen und abwerten. Wo würde man einen solchen Menschen politisch einordnen? Was wären die Folgen für diese Person? Falls sie schlimmer wären als „nichts passiert“ (das Flugblatt der ArGe Dicke Weiber scheint keine Konsequenzen nach sich gezogen zu haben), haben wir einen Hinweis für die Bevorzugung eines Geschlechtes in der öffentlichen Diskussion.

P.S.: Ich bin wieder da nach einer Pause von über einem Monat, habe aber noch nicht die Artikel gelesen, die inzwischen aufgelaufen sind. Das kann noch etwas dauern!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Das Lied ist relativ egal und es gibt zig Videos davon, aber die Miami Dolphins Cheerleaders führen einem hier ganz gut vor Augen, wie schnell man nach obiger Logik als „pädophil“ gilt: Wenn man auch nur eine der Damen in irgendeiner Form schön oder attraktiv findet.

Miami Dolphins Cheerleaders / Carly Rae Jepsen: „Call Me Maybe“