Gastartikel: ARD – Ansichten rassiger Damen-Popos

Es folgt ein Gastartikel von Lion.

Kennt noch jemand das „MAD“-Satire-Magazin? Die Leserschaft wurde einst dazu aufgefordert, ihre Meinung darüber abzugeben, was das Kürzel „ARD“ wohl bedeuten könnte. In die nächste Ausgabe des Magazins schaffte es auch die Interpretation, die in der Überschrift zu finden ist: ARD bedeutet „Ansichten rassiger Damen-Popos“.

So sexistisch wie diese Interpretation fand der österreichische Werberat wohl die Werbung eines Dessousherstellers, der mit den rückwärtigen Ansichten von nur mit Spitzen-Unterhöschen bekleideten, wohlgeformten Damen auf seine Produkte hinwies (Genderama berichtete). Es wird wohl mal wieder Zeit für etwas unverblümte Wahrheit. Natürlich ist das für Männer schön anzusehen. Wofür sonst ist Reizwäsche gemacht, als die Reize einer Frau zu betonen? Insofern macht es die Frau zu einem „Objekt“. Ist das nun wirklich schlimm? Doch nur, wenn man annimmt, diese Reduzierung wäre dauerhaft und allgemeingültig (andere Eigenschaften, wie Intelligenz und die „Menschlichkeit“ der Frau gingen dauerhaft über den Jordan). Irgendsoetwas muss wohl das Schlimme an der Betonung sexueller Reize sein.

Blöd nur, dass die Frauen solche Sachen ganz bewußt anziehen, um den Mann „zu einem Objekt“ seiner eigenen Begierden zu machen. Schließlich soll ihm der Kopf verdreht werden. Aber solch Objektivierungen sind weniger schlimm. Es ist Problem des Mannes, dass das passiert, darum kümmert sich keiner.

Nun zurück zu den „Osterhöschen“ (so ist der Titel des Werbebildes): Wer ist Empfänger dieser Werbebotschaft? Die Männerschaft? Nein. Es sind Frauen, die diese Produkt kaufen sollen, damit diese im heimischen Schlafzimmer (oder sonstwo) ihre Wirkung entfalten sollen. Herzlichen Glückwunsch an den Werberat für die Schützenhilfe. Wenn Moralapostel und Feminismuskriecher so dagegen wettern, muss was an den Produkten dran sein. Es wird enden wie beim Video zu „Jeannie“ (Falco). Der Song landete bekanntlich ganz oben in den Charts, als er von Radio- und TV-Stationen geächtet wurde.

Und die Moral von der Geschicht: Lasst Menschen Menschen sein. Die Abwertung entsteht in den verkorksten Hirnen Einiger, die sich für besonders schlau halten.

Musikwunsch zum Text … na was wohl?

weitere Artikel zum Fall „Osterhöschen“:

Gastartikel: Leszeks Zitatesammlung zur Meinungsfreiheit von Linken

Es freut mich jedesmal, wenn ich durch so etwas relativ Einfaches wie Besprechen und Zitieren von Artikeln gut formulierte Kommentare provozieren kann. Leszek hat in Reaktion auf „Faschismus aus Angst vor den Nazis“ jede Menge Zitate herausgesucht. Das finde ich so gelungen, dass ich die Kommentare alle direkt untereinanderkopiere.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mir nicht um „welche politische Meinung/Richtung ist richtig?“ oder „Wie ist die Linke zu beurteilen?“. Was Leszek hier anbietet, ist eine Kritik der Linken aus einem Weltbild innerhalb der Linken heraus – und das halte ich für eine ganz wichtige Komponente, um einen argumentativen Zangenangriff gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit zu führen.

Bei einigen der Zitate war ich verblüfft, wie klar jemand bestimmte Gedanken schon früher formuliert hat – und wie alt bestimmte Argumente pro Meinungsfreiheit bereits sind. Ein weiterer Grund, sie einmal festzuhalten, denn gerade diese historische Perspektive fehlt allzu oft. So, ab jetzt aber Leszek! 🙂

„Linke stören Vorträge von Leuten, die ihnen politisch nicht passen, sie schreien sie nieder oder wenden Gewalt an. (…) Es ist grotesk: Unter dem Vorwand, den Faschismus zu bekämpfen, wenden junge Leute Methoden an, die nichts anderes als faschistisch sind.“

Hierzu habe ich gerade ein passendes Zitat zum Wert der Meinungsfreiheit von dem frühen Kritiker jeder Form von Political Correctness Theodor W. Adorno aus einer von Adornos Vorlesungen aus dem Jahre 1968.

Vorausgegangen war, dass eine Gruppe von Studenten mit extremen Ansichten und geringer Wertschätzung für die Meinungsfreiheit (vermutlich Leninisten oder Maoisten, aber wohl eher keine Neomarxisten), die Lehrveranstaltung eines anderen Dozenten gestört hatte, den sie für politisch rechts hielten, indem sie diesen niederbrüllten und daran hinderten seine Vorlesung zu halten.

Adorno nutzte daraufhin die nächste Gelegenheit um in seiner eigenen Vorlesung, bei der einige Leute dieser studentischen Gruppe anwesend waren, den Vorfall anzusprechen, dieses Verhalten zu kritisieren und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.

Daraufhin begannen einige Studenten aus dieser Gruppe auch bei ihm Lärm zu machen.

Adorno beharrte auf dem Prinzip der rationalen Diskussion und betonte, dass er mit den Ansichten von Jürgen Habermas (also herrschaftsfreier Diskurs auf Grundlage der zwanglosen Kraft des besseren Arguments) übereinstimme.

Theodor W. Adorno:

„Ich möchte aber doch noch ein Wort in einer akademischen Angelegenheit Ihnen sagen. Das bezieht sich auf die Vorgänge im Zusammenhang mit meinem Kollegen Stern. Ich möchte dem vorausschicken, dass Herr Stern vor Jahren mich selbst als marxistischen Literaturkritiker scharf angegriffen hat Ich möchte dem hinzufügen, dass dann Herr Stern in voller Freiwilligkeit sich für diese Angriffe bei mir entschuldigt hat (…). Ich möchte weiter sagen, dass selbstverständlich zwischen den Auffassungen von Herrn Stern und mir fundamentale Gegensätze bestehen, die völlig unverschleiert sind (…). Aber dies vorausgeschickt, finde ich doch dass die Methode dass man einem akademischen Lehrer nicht mehr die Möglichkeit gibt, ungestört seine Lehrmeinung zu vertreten und in Freiheit seine Gedanken auszudrücken, etwas ist, was mit Freiheit von Repression, mit Mündigkeit und mit Autonomie nicht zu vereinbaren ist. Und ich glaube, dass ich gerade wegen der sachlichen Differenzen, die in diesem Fall bestehen, besonders dazu legitimiert bin, Ihnen zu sagen, und (…) auch Sie darum zu bitten, dass diese Art des Kampfes in dem Kampf um die Reform der Universität und auch in dem Kampf um gesellschaftliche Veränderungen vermieden wird.
(…) ich kann unmöglich mit diesen Dingen mich identifizieren, und mein Standpunkt ist darin mit dem ganz und gar identisch, wie Habermas ihn in seinen berühmt gewordenen Thesen auch entwickelt hat (starkes Zischen). Ich glaube, ich wäre…ja, meine Damen und Herren (anhaltendes, starkes Zischen), meine Damen und Herren, es tut mir…es tut mir außerordentlich leid, aber ich glaube, dass, wenn man Ansichten, die einem aus irgendeinem Grund nicht behagen, wenn man diese Ansichten niederzischt, dass das dem Begriff der Diskussion widerspricht, und ich glaube, immerhin mir ein Recht erworben zu haben, mit Ihnen über solche Dinge zu diskutieren und nicht mich solchen Mitteln des Protests auszusetzen. Sie wissen, dass ich mich – nun weiß Gott – der Diskussion über alle diese Dinge niemals entzogen habe, ich werde mich dem auch weiter nicht entziehen, aber dann muss man wirklich auch diskutieren und darf nicht versuchen, durch bloße Bekundungen der Mißbilligung diese Dinge abzuschneiden.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp, 2015, S. 257 f.)

Hier noch ein paar weitere Zitate von einigen bekannten linken (bzw. freiheitlich-sozialistischen) Autoren zum Thema Meinungsfreiheit. (Sicherlich gibt es noch viele mehr.)

Es handelt sich um Autoren aus dem Spektrum des Anarchismus und des marxistischen Rätekommunismus.
Die Zitate verdeutlichen – genau wie das Zitat von Adorno – das für die Strömungen des freiheitlichen Sozialismus eine entschiedene Bejahung der Meinungsfreiheit traditionellerweise typisch war.

Ideologisierte Anhänger der zeitgenössischen politisch korrekten postmodernen Linken dürften mit solchen Zitaten zwar leider in der Regel nicht zu erreichen sein, da sie zu anarchistischen und marxistischen Theorien meist keinen Bezug haben, aber erfahrungsgemäß lassen sich Mitglieder der autonomen Szene und der Antifa-Szene, denen zuvor der Stellenwert der Meinungsfreiheit innerhalb der traditionellen freiheitlich-sozialistischen Theorie und Praxis zu wenig bewusst war, durch solche Zitate in manchen Fällen zum Nachdenken anregen, denn in der autonomen Szene/Antifa-Szene gibt es ja auch Gruppen und Personen, die sich positiv auf anarchistische und rätekommunistische Theorien beziehen (oft ohne tiefere Kenntnisse, denn bei großen Teilen der autonomen Szene/Antifa-Szene handelt es sich um ein linke Jugendsubkultur mit geringen theoretischen und historischen Kenntnissen freiheitlich-sozialistischer Traditionen).

Des Weiteren sind solche Zitate m.E. auch manchmal geeignet, um Personen innerhalb der Linken, die alle Versuche der Einschränkung der Meinungsfreiheit zwar kritisch sehen, sich aber nicht trauen deutlich zu widersprechen und die Meinungsfreiheit zu verteidigen, Mut zu machen, dies zu tun.

Der englische aufklärerische Schriftsteller und frühe anarchistische Sozialphilosoph William Godwin (1756–1836), Gatte der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, schrieb:

„Die beste Garantie eines glücklichen Resultats liegt in freier, unbegrenzter Diskussion.“

(aus: William Godwin – An Enquiry Concerning Political Justice and its Influence on General Virtue and Happiness (1793), 2. Bde., hg. von R.A. Preston, New York, 1926, Bd 1, S. 11)

Der Philosoph und Hauptvertreter des kollektivistischen Anarchismus Michael Bakunin (1814–1876) befürwortete:

“Unbegrenzte Freiheit jeder Art von Propaganda durch Reden, die Presse, in öffentlichen und privaten Versammlungen, ohne einen anderen Zügel für diese Freiheit als die heilsbringende natürliche Macht der öffentlichen Meinung.
(….)
Die Freiheit kann und soll sich nur durch die Freiheit verteidigen, und es ist ein gefährlicher Widersinn, sie zu beeinträchtigen unter dem durch den Schein blendenden Vorwand, sie zu beschützen (…).“

(aus: Michael Bakunin – Revolutionärer Katechismus, in: Michael Bakunin – Gesammelte Werke Band 3, Karin Kramer, 1975, S. 11)

Die Anarcho-Kommunistin, Antimilitaristin, Frauenrechtlerin und linke Nietzscheanerin Emma Goldman (1869–1940) schrieb:

„Meiner Ansicht nach sollten Rede- und Pressefreiheit bedeuten, dass ich sagen und schreiben kann, was ich möchte. Dieses Recht wird zu einer Farce, wenn es durch Verfassungsbestimmungen, Gesetzeserlässe, allmächtige Entscheidungen der Zensurstelle oder der Polizei geregelt wird. Mir ist durchaus bewusst, dass man mich vor den Folgen warnen wird, die uns erwarten, wenn wir der Meinungsäußerung und der Presse die Fesseln abnehmen. Dennoch glaube ich, dass die Heilung dieser Folgen der unbegrenzten Ausübung der Meinungsfreiheit in noch mehr freien Meinungsäußerungen bestehen wird.“

(aus: Emma Goldman – Was ich denke, in: Emma Goldman – Anarchismus & andere Essays, Unrast Verlag, 2013, S. 25)

Der Sozialphilosoph und Community-Anarchist Paul Goodman (1911–1972) schrieb:

“Das Verhältnis von Theorie und Praxis, von einer wissenschaftlichen Aussage zu ihrer praktischen Anwendung, ist eine schwierige Sache; jedoch muss die absolute Freiheit der Meinung und Presse in jedem Fall vorrangig berücksichtigt werden. Sonst kann man nicht leben und atmen.”

(aus: Paul Goodman – Das Schicksal der Bücher von Dr. Reich, in: Paul Goodman – Natur heilt, EHP Verlag, 1989, S. 105)

Der bekannte Sprachwissenschaftler und Anarcho-Syndikalist Noam Chomsky schrieb:

“If you believe in freedom of speech, you believe in freedom of speech for views you don’t like. Stalin and Hitler, for example, were dictators in favor of freedom of speech for views they liked only. If you’re in favor of freedom of speech, that means you’re in favor of freedom of speech precisely for views you despise.”

(aus: Noam Chomsky, Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media, 1992)

Der Astronom, Astrophysiker und marxistische Rätekommunist Anton Pannekoek (1873–1960) schrieb:

„Es gibt Gruppen und Parteien, die behaupten im ausschließlichen Besitz der Wahrheit zu sein, und die die Arbeiter, unter Ausschluss jeder anderen Meinung, durch ihre Propaganda zu gewinnen versuchen. Durch moralischen und, wenn sie die Macht haben, auch materiellen Druck, versuchen sie, den Massen ihre Ansichten aufzuzwingen. Es sollte klar sein, dass das einseitige Lehren eines bestimmten Systems von Doktrinen nur dazu dienen kann, und tatsächlich auch dienen soll, gehorsame Anhänger zu erziehen, um damit eine alte Herrschaft aufrecht zu erhalten oder eine neue vorzubereiten. Die Selbstbefreiung der arbeitenden Klasse erfordert Selbstdenken, Selbstwissen, erfordert das Erkennen von Wahrheit und Irrtum durch eigene geistige Anstrengung.
(…)
So ist unbegrenzte Freiheit der Meinungsäußerung und der Diskussion im Kampfe der Arbeiter so nötig wie die Luft zum atmen. Vor mehr als einem Jahrhundert verteidigte Shelley, Englands größter Dichter des 19. Jahrhunderts, das Recht und die Pflicht der freien Meinungsäußerung für Jedermann gegen eine despotische Regierung.

„Der Mensch hat das Recht auf uneingeschränkte Diskussionsfreiheit.“ (…) „… es kann auch kein Gesetzesakt dieses Recht zerstören.“

Shelley ging von philosophischen Überlegungen aus, als er die natürlichen Rechte des Menschen proklamierte. Für uns ergibt sich die Proklamierung der Freiheit von Rede und Presse aus ihrer Notwendigkeit für die Befreiung der Arbeiterklasse. Die Diskussionsfreiheit zu beschränken heißt, die Arbeiter daran zu hindern, das von ihnen benötigte Wissen zu erwerben. Jede alte Despotie, jede neue Diktatur fing damit an, die Freiheit der Presse zu verfolgen und zu verbieten; jede Beschränkung dieser Freiheit ist der erste Schritt, die Arbeiter unter die Herrschaft irgendwelcher Herrscher zu bringen.

Müssen die Massen dann nicht etwa gegen die Unwahrheiten, die falschen Darstellungen, die betrügerische Propaganda ihrer Feinde beschützt werden? Ebensowenig wie in aller Erziehung ein sorgfältiges Fernhalten übler Einflüsse die Fähigkeit entwickeln kann ihnen zu widerstehen und sie zu überwinden, ebenso wenig kann die Arbeiterklasse durch geistige Vormundschaft zur Freiheit erzogen werden. Wer soll entscheiden, wenn sich die Feinde in der Maske des Freundes zeigen und wenn in dem Gegensatz der Meinungen jede Partei dazu neigt, die anderen als eine Gefahr für die Klasse zu betrachten?

Natürlich die Arbeiter selbst (…)“

(aus: Anton Pannekoek – Arbeiterräte. Texte zur sozialen Revolution, Germinal, 2008, S. 113 f. )

Nochmal Noam Chomsky zur Redefreiheit (diesmal auf deutsch und mit exakter Quellenangabe):

„Wenn man an die Redefreiheit glaubt, dann ist das eine Redefreiheit für Meinungen, die einem nicht gefallen. Goebbels war auch für die Redefreiheit – bei Ansichten, die ihm passten. Stimmt´s? Stalin genauso. Wenn Sie also für Redefreiheit eintreten, dann bedeutet das die Freiheit, eine Meinung zu äußern, die Sie widerlich finden. Andernfalls wären Sie überhaupt nicht für Redefreiheit. Zur Redefreiheit kann man nur zwei Haltungen einnehmen, und jeder trifft seine Wahl.“

(aus: Noam Chomsky – Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung. Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens, Marino, 1996, S. 184)

Und noch ein Zitat zur Redefreiheit:

Der Schriftsteller und Anarcho-Kommunist Alexander Berkman (1870-1936) schrieb:

„There is free speech for those only who voice popular ideas – ideas approved of by the powers that be. But free speech has no significance whatever unless it means freedom to express unpopular ideas. (…) But in order that we may separate the chaff from the wheat, every idea must be sure of a hearing. That is the meaning of free speech and free press: absolute freedom of expression. (…) We urge those who believe in real, unconditional freedom of speech and press to manifest their attitude by helping us in this important fight. (…) We ask our friends to cooperate with us and thus aid our determination to fight for uncensored freedom of expression.”

(aus: Alexander Berkman – Life of an Anarchist. The Alexander Berkman Reader, Seven Stories Press, 2004, S. 128)

Der norwegische Schriftsteller und Anarchist Jens Björneboe (1920 – 1976) schilderte in einem Artikel aus dem Jahre 1970 seinen Eindruck eines Mangels an Wertschätzung für die Meinungsfreiheit in Deutschland, ein Zitat:

„(…) diese Bundesrepublik muss da also Garant und Verteidiger der Geistesfreiheit sein.
Ist dieser Eindruck richtig?
Die Antwort kann sofort gegeben werden: nein, das ist schwachsinnig. Weder das deutsche Volk, noch die herrschenden Kreise in Wirtschaft und Politik sind im geringsten an Informations- und Ausdrucksfreiheit interessiert. So lange die Hochkonjunktur anhält, und das Land seine Ökonomie ausweiten und entwickeln kann, d.h. so lange es Gewerbe- und Bewegungsfreiheit hat, wird sich praktisch niemand um die Freiheit sorgen, die am unscheinbarsten ist, aber dennoch die Voraussetzung für ein einigermaßen gesichertes Rechtsleben und eine anständige Gesellschaft – um die freie Kritik und ihre Bedingungen.“

(aus: Jens Björneboe – Informations- und Ausdrucksfreiheit in West-Deutschland, in: Jens Björneboe – Wider den Bevormundermenschen. Aufsätze und Pamphlete zu Kultur und Politik, Trotzdem Verlag, 1980, S. 61)

Männer und ihr Pornokonsum

Es folgt ein Gastartikel von Lion.

Genderama berichtete am 14. März über einen Artikel der „taz“, in dem mal wieder der Pornokonsum der Männer angeprangert wurde. Dass diese Männer-Pornos so seelenlos seien, Frauen bloß „Mittel zum Zweck“ seien und so weiter (Randnotiz: Um es besonders schmuddelig zu machen, werden dort auch Pornos mit Tieren und ähnliche Abartigkeiten eingeflochten, auch wenn dies für den absoluten Großteil der Pornonutzer kaum eine Relevanz spielen dürfte – egal, wenn schon diffamieren, dann richtig). Hier meine Stellungnahme dazu:

Immer dieses blödsinnge Gefasel über den ach-so-schlimmen Pornokonsum von Männern. Ja, genau, die meisten Männer wollen kein „Drumherum“, keine Handlung, keine Konversation, sondern für den Reiz nur das sehen, worauf es ankommt. Ja, Sex ist was Archaisches, was Primitives. Schon immer gewesen, bleibt auch so (daran ändert kein wohlfeiles Gerede der Welt was – gottseidank). Und Alice Schwarzer irrt in gewisser Weise, wenn sie über Prostitution sagt, dass diese etwas mit den Machtgelüsten des den Sex kaufenden Mannes zu tun. Sex hat IMMER auch etwas mit Machtgefühlen zu tun, sowohl beim Mann, als auch bei der Frau. Es geht auch immer um das Gefühl, was man beim Anderen bewirkt, wohin man die andere Person bringt (und das nicht nur im Sinne eines blümchenartigen „ach ich bereite ihm/ihr Lust, ist das schön“). Umgekehrt geht es auch darum, quasi Grenzverletzungen zu erfahren, denn nichts anderes ist Sex doch. Jeder, der fähig ist, seine Emotionen beim Sex zu reflektieren und analysieren ( … muß ja nicht während des Aktes sein …) weiß das, da braucht keiner Empörung zu heucheln. Porno ist die Überzeichnung des Ganzen. Auf den Punkt gebracht und verstärkt. Da gibt es nichts daran zu verdammen (außer man gehört dem feministischen Lager an und assoziiert falsch, dass diese sexuellen Emotionen auch auf das Alltagsleben durchschlagen). Wie soll man denn da die Seele einer Person im Porno sehen (wollen)? Porno ist Körperlichkeit, nicht Seele. Wer Seele will, soll einen Liebesroman lesen. Apropos Roman: Was soll man eigentlich von der Heerschar weiblicher Krimileser halten, die für einen zünftigen Thriller immer eine erschossene, erdolchte oder erdrosselte Person benötigen? Wo bleibt denn da die Mitmenschlichkeit? Könnte man das Opfer nicht totstreicheln? Und wieso fahren eigentlich soviele Frauen auf den Roman „50 Shades of Grey“ ab?! Abgesehen davon: Woher kommen die schier unendlichen Massen an Frauen, die sich in kommerziellen aber insbesondere auch privaten Pornodarstellungen zeigefreudig geben? Was treibt diese an, wenn sie doch genau wissen, wozu diese Aufnahmen genutzt werden, sobald diese im Internet gelandet sind? Fragen über Fragen, die man sich erstmal beantworten sollte, bevor man verlogen die Männer im x-ten Aufguß mal wieder für den Konsum von Pornos heruntermacht. Die Frauenschaft scheint da nicht einig zu sein. Auf der einen Seite die, die sich moralisch erheben über die primitiven Männer (speziell für Frauen gemachte Pornos sind ja sooo viel gehaltvoller), auf der anderen Seite diejenigen, die sich die „Unmoral“ zu nutze mache oder sich gelinde gesagt selbst daran aufgeilen, daran mitzuwirken.

Ergänzung (von Graublau)

Genderama vermeldete am 29. Januar:

Kuriose Nachricht der Woche: Während des „Frauenmarsches“ am vergangenen Wochenende gingen die Zugriffszahlen auf Online-Pornos spürbar zurück. Wie man aus dem Artikel erfährt, sind ein Viertel der Besucher von Websites wie „Pornhub“ weiblich.

Das Ausmaß ist tatsächlich beachtlich. Dass Frauen Pornographie konsumieren, dürfte hingegen jeder wissen, der die letzten Jahre nicht unter einem Stein verbracht hat. Von Pornhub gab es schon Ende 2014 eine entsprechende Auswertung der Nutzervorlieben.

Arne Hoffmann dazu im selben Genderama-Artikel:

Ich glaube ja, das ist das eigentlich „subversive“ und „gefährliche“ von Maskulisten wie mir: der ständige Hinweis darauf, dass Frauen und Männer so unterschiedlich, wie gerne getan wird, gar nicht sind. Viel Spaß bei dem Versuch, gegen solche Analysen irgendwelche „Spielregeln“ oder „Gesetze“ zu erfinden.

Natürlich gibt es Unterschiede – aber sie sind eben nicht unüberbrückbar oder auf der einen Seite stets „des Teufels“. Einen Unterschied wie Tag und Nacht findet man denn eher in der Bewertung. So lieferte Arne Hoffmann bereits vor Jahren ein Plädoyer für Gewaltpornographie (klingt vielleicht schlimm, enthält aber gute Argumente!), bei dem er auch daran erinnerte, dass etwa S/M nur dann abgelehnt werde, wenn der dominante Partner männlich sei. Soviel zur sexuellen Freiheit von erwachsenen Menschen…

Allgemein zum Thema hatte ich bereits hier im Blog auf Tina Lorenz zur Geschichte der Pornographie verwiesen. Ja, man kann ganz ohne Empörung oder Verdammung über solche Themen reden!

Gastartikel? Autor werden?

In der Diskussion neulich wurde erwähnt, dass es nicht (mehr) transparent ist, wie man hier mitmachen kann. Deswegen sei noch einmal ausdrücklich erwähnt:

Man kann einen Gastartikel einreichen (E-Mail an geschlechterallerlei ät gmail punkt com).

Wer will, kann auch Autor werden. Dafür braucht man ein Konto bei WordPress. Danach ebenfalls eine E-Mail an oben genannte Adresse schicken mit der E-Mail-Adresse, die mit dem WordPress-Konto verknüpft ist. Darauf gibt es dann eine Einladung.

„Männer, Frauen und der ganze Rest“ bedeutet auch, dass es keine Festlegung gibt, welche Position man vertritt.

Gastartikel: Leszeks Kritik des sexualfeindlichen feministischen Zustimmungsprinzips

Es folgt ein Gastartikel von Leszek.

Konsensprinzip/Zustimmungsprinzip im Sinne des Radikalfeminismus und Gender-Feminismus ist ein Konzept, bei dem es darum geht, dass die Sexualpartner bezüglich aller sexuellen Handlungen immer vorher ausdrücklich nachfragen sollen und jede sexuelle Handlung erst nach ausdrücklich verbal erteilter Zustimmung durchführen dürfen. (Von manchen Vertretern des Konsensprinzips werden auch vorher vereinbarte nicht-verbale Zeichen als Alternative zur Verbalisierung zugelassen). Und das nicht nur beim ersten gemeinsamen Sexualakt zwischen bestimmten Sexualpartnern, sondern auch bei jedem weiterem. Das ist jedenfalls die Reinform dieses Konzepts.

Für die meisten Menschen eine grauenhafte Vorstellung, ein rigides Verhaltenskonzept, dass jede sexuelle Spontanität, Kreativität und Erotik zerstört.

Radikale Feministinnen versuchen seit Jahren das Konsensprinzip als kulturelle/soziale Norm zu etablieren und treffen dabei verständlicherweise weit überwiegend auf Ablehnung. Nur in einigen kleineren feministischen Zirkeln oder kleineren politisch korrekt geprägten linken Zirkeln, die von radikalen Feministinnen dominiert sind, gelang es bisher diesem sexualfeindlichen Konzept offizielle Anerkennung zu verschaffen (was allerdings nicht bedeutet, dass die Mehrheit der Leute in diesen Kreisen sich dann auch tatsächlich in ihren realen sexuellen Interaktionen daran halten würden, aber sie müssen zumindest öffentliche Anerkennung heucheln, um Anfeindungen zu vermeiden.)

Das Konsensprinzip hat m.E. keine Chance sich jemals über kleine feministisch geprägte Subkulturen hinaus auszubreiten, es wird meiner Meinung nach von der großen Mehrheit der Frauen und Männer immer abgelehnt werden. Daher versuchen radikale Feministinnen zunehmend das Konsensprinzip nach und nach gesetzlich zu verankern und es der Mehrheitsbevölkerung aufzuzwingen.

Das Konsensprinzip als kulturelle/soziale Norm sollte aus einer Perspektive der Bejahung sexueller Freiheit m.E. entschieden zurückgewiesen werden.

Das Konsensprinzip begründet abzulehnen bedeutet nicht, Gespräche über sexuelle Vorlieben und Abneigungen vor oder während des Sexualakts prinzipiell abzulehnen und es bedeutet natürlich auch nicht, dass man es ablehnt vorher nachzufragen, falls man sich unsicher ist, ob eine bestimmte sexuelle Handlung für den Sexualpartner o.k. ist; es bedeutet nicht, dass man beim Sex nicht sprechen dürfte; nichts fragen dürfe; nicht verbal ja oder nein sagen dürfe – Verbalisierungen können je nach Kontext sinnvoll sein oder auch nicht.

Und genau das ist das Entscheidende: Die Freiheit der Sexualpartner selbst zu bestimmen, ob bestimmte Verbalisierungen in einem bestimmten Kontext für diese bestimmten Personen gerade sinnvoll sind oder nicht anstatt einer rigiden, autoritären Verhaltensnorm folgen zu müssen, die dies allen Menschen für alle sexuelle Handlungen für immer vorschreiben will.

Radikale Feministinnen aus dem Spektrum des klassischen Radikalfeminismus sowie des postmodernen Gender/Queer-Feminismus versuchen das rigide sexualfeindliche Zustimmungsprinzip als soziale und kulturelle Norm zu etablieren und versuchen dabei auch zunehmend dies Schritt für Schritt durch gesetzliche Regelungen zu erreichen. Unwillkürlich fragt man sich nach der Motivation für diese Bestrebungen. Um diesbezüglich zu einer realistischen Analyse jenseits der Zuschreibung unnachvollziehbarer negativer Absichten zu gelangen, scheint es sinnvoll mal ein paar Kontexte durchzugehen, bei denen eine Form von Zustimmungsprinzip tatsächlich sinnvoll ist:

– Sexarbeit, also Prostitution und Pornographie: hier ist ein Zustimmungsprinzip in dem Sinne, dass vorher alle sexuellen Handlungen eindeutig vereinbart werden, zwingend notwendig.
– BDSM: auch bei sado-masochistischen Sexualpraktiken ist es wichtig vorher Vereinbarungen zu treffen. (*)
– Gruppensex: hier ist es mindestens am Anfang sinnvoll vorher über sexuelle Vorlieben und Abneigungen zu sprechen und zu vereinbaren, welche sexuelle Handlungen stattfinden sollen/können und welche nicht. Wenn die entsprechenden Personen sich dann in sexueller Hinsicht schon besser kennen, ist dies nicht mehr zwangsläufig nötig. Sollte jemand Neues dazukommen, würde es aber erneut notwendig vorher darüber zu sprechen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen.
– Menschen, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt: Manche Menschen, nicht alle, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, haben ein Bedürfnis nach einer Form von Konsensprinzip bei sexuellen Interaktionen, u.U. auch nach einer rigiden Form von Konsensprinzip (jede einzelne sexuelle Handlung vorher abfragen). Für manche Menschen mit sexueller Traumatisierung vermittelt eine Form von Konsensprinzip Sicherheit und eine schrittweise quasi-therapeutische Wiederannäherung an sexuelle Aktivitäten. In diesen Fällen ist es sinnvoll, dass der Sexualpartner sich darauf einlässt.

Jedoch sollte bezüglich solcher Fälle eigentlich klar sein, dass das Fernziel idealerweise nicht darin bestehen sollte für immer nur Sex nach dem Konsensprinzip haben zu können, sondern dass es auch darum gehen sollte langfristig im Rahmen einer intimen und von Vertrauen geprägten Beziehung das Konsensprinzip schrittweise zurückfahren zu können und hoffentlich irgendwann wieder Sex ohne Konsensprinzip haben zu können.

Es sind in der Regel nicht Sexarbeiter, Menschen mit BDSM-Neigungen oder mit Neigung zum Gruppensex in feministischen Kreisen, die dazu tendieren das Zustimmungskonzept als allgemeine kulturelle und soziale Norm für alle sexuellen Aktivitäten aller Menschen zu etablieren, Feministinnen, die diesen genannten Gruppen angehören, tendieren meistens im Gegenteil eher zum sex-positiven Feminismus.

Es sind m.E. Personen aus der letztgenannten Gruppe, also Frauen, bei denen eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, die im Kontext des vorherrschenden Feminismus danach streben dem Konsensprinzip eine allgemeine Anerkennung oder gar rechtliche Verankerung zu verschaffen. Dahinter steht m.E. der Versuch die ganze Gesellschaft im Hinblick auf sexuelle Interaktionen so einzurichten, wie dies für manche Menschen mit sexueller Traumatisierung am einfachsten wäre. Das Konsensprinzip – gerade auch die rigideren Varianten – sind abgestimmt auf die Bedürfnisse von manchen Menschen mit sexueller Traumatisierung und spiegeln die Wünsche traumatisierter Persönlichkeitsanteile nach einer in sexueller Hinsicht absolut sicheren Umwelt wieder, was für sexuell traumatisierte Persönlichkeitsanteile eben auch Handlungsnormen beinhalten kann, die für Menschen ohne sexuelle Traumatisierung weder ansprechend, noch nachvollziehbar sind.

Andere Feministinnen, bei denen keine sexuelle Traumatisierung vorliegt, unterstützen die Sache dann aus Opportunismus und aus ideologischer Verblendung, auch wenn sie sich selbst in ihren eigenen sexuellen Interaktionen natürlich in der Regel nicht an die rigiden Vorgaben des Konsensprinzips halten.

In dieser Hinsicht ist die primäre treibende Kraft hinter dem Versuch das Konsensprinzip zu verbreiten nicht irgendeine böse Absicht, sondern die treibende Kraft liegt m.E. in – in psychologischer Hinsicht durchaus nachvollziehbaren – persönlichen Bedürfnisse einiger sexuell traumatisierter Personen.

Was aus der Perspektive sexuell traumatisierter Persönlichkeitsanteile als Wunsch nach einer absolut sicheren Umwelt in dieser Hinsicht nachvollziehbar ist, dass ist jedoch aus einer rationalen und erwachsenen Sichtweise nicht nur unrealistisch, sondern auch anmaßend und autoritär.

Denn Menschen ohne sexuelle Traumatisierung haben kein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip – im Gegenteil – und auch nicht alle Menschen mit sexueller Traumatisierung haben ein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip und Menschen mit sexueller Traumatisierung, die ein Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip haben, haben nicht zwangsläufig ein Bedürfnis nach den besonders rigiden Varianten des Konsensprinzips.

Das feministische Projekt „Consent Culture“ ist daher zum Scheitern verurteilt, die große Mehrheit der Bevölkerung hat keine Lust auf Sex nach dem Konsensprinzip. Der feministische Slogan „Consent is sexy“ ist, insofern er aussagen soll, dass Sex nach dem Konsensprinzip sexy sei, in Bezug auf die Bedürfnisse der meisten Menschen falsch.

Nicht dass Verbalisierungen nicht manchmal sinnvoll und erwünscht sein können, das kann – wie oben bereits erwähnt – kontextuell sinnvoll sein oder auch nicht. Ob und inwieweit Verbalisierungen erwünscht sind oder nicht sollten Sexualpartner kontextuell selbst entscheiden, aber das Konsensprinzip als rigide Norm, die allen auferlegt werden soll, hat keine Chance auf freiwillige Durchsetzung.

Daher bleibt den ideologisierten Vertretern/Anhängern des radikalen Feminismus, die das Konsensprinzip verbreiten wollen, letztendlich nur das Mittel des Zwangs übrig.

Leider werden radikale Varianten des Feminismus von den derzeitigen ökonomischen und politischen Herrschaftseliten gefördert, weil diese aus verschiedenen Gründen ihren eigenen Herrschaftsinteressen entgegenkommen, so dass Versuche das Konsensprinzip schrittweise gesetzlich zu verankern eine potentielle Gefahr darstellen.

Ich persönlich teile die Auffassung des von mir geschätzten neomarxistischen Theoretikers und bedeutenden Psychoanalytikers Wilhelm Reich, dass wer sich in seiner Sexualität beherrschen lässt, sich in der Regel auch in vielen oder allen anderen Bereichen leicht beherrschen lässt. (Umgekehrt gilt die Aussage freilich nicht: Nur weil jemand sexuell frei agiert, bedeutet das noch nicht, dass diese Person auch in ihrer Gesamtheit eine autonome, freie Persönlichkeit ist, aber ohne sexuelle Freiheit sind freie, autonome Persönlichkeiten grundsätzlich nicht möglich. Sexuell repressive Kulturen sind stets archaische Repressionskulturen, die kulturelle Moderne ist untrennbar mit sexueller Freiheit verbunden.) Heutige Anhänger des politischen Wilhelm Reich – die wenigen, die es heute noch gibt, denn Wilhelm Reich wird in linken Kreisen seit Jahrzehnten kaum noch gelesen – sehen im sexualfeindlichen Radikalfeminismus und Gender-Feminismus ja z.T. ein Herrschaftsinstrument der herrschenden Eliten gegenüber der Bevölkerung:
Rückblick auf den Feminismus: Von Anfang an eine Lüge gegen Gleichheit, Logik und sexuelles Vergnügen von Kerstin Steinbach

Ich persönlich kann mir durchaus vorstellen, dass die oberen Segmente der herrschenden Klasse mittels der Förderung von Radikalfeminismus und Genderfeminismus einerseits und mittels der Förderung des konservativ-orthodoxen Scharia-Islams andererseits langfristig Einschränkungen der sexuellen und persönlichen Freiheit anstreben.

Eine Form von Konsensprinzip ist, wie oben ausgeführt, sinnvoll bei Sexarbeit, BDSM, Gruppensex und für manche Menschen mit sexuellen Traumatisierungen. Dies sind die Teilwahrheiten der Idee vom Konsensprinzip, die zu bewahren sind.

Das feministische Konsensprinzip als allgemeine kulturelle/soziale/rechtliche Norm sollte allerdings m.E. entschieden abgelehnt werden, es steht im Widerspruch zu einer sexuell freiheitlichen Kultur. Daher sollte man sich m.E. auch klar dagegen positionieren, wenn irgendwo versucht wird das Konsensprinzip als allgemeine Norm zu verbreiten.

Ich persönlich habe mich schon ein paarmal geärgert, wenn ich linke Zentren besucht habe – ich bewege mich u.a. in politisch linken Kontexten – und dort Plakate hingen, auf denen für das Konsensprinzip als allgemeine Norm geworben wird. Nicht, dass Personen aus linke-Szene-Kontexten sich mehrheitlich auch in ihren realen sexuellen Interaktionen an ein solches rigides Konzept halten, das tun die genauso wenig wie der Rest der Bevölkerung.

Richtig ist es, wie gesagt, in dieser Hinsicht auf einen Sexualpartner Rücksicht zu nehmen, bei dem eine sexuelle Traumatisierung vorliegt, aber davon abgesehen haben Menschen ohne sexuelle Traumatisierung innerhalb linker oder feministischer Kreise genauso wenig Bedürfnis nach Sex nach dem Konsensprinzip wie Menschen aus anderen Kontexten.

Gegenüber den Versuchen von Vertretern/Anhängern des radikalen Feminismus der Mehrheitsbevölkerung das Konsensprinzip aufzudrängen, sollte man m.E. klar zum Ausdruck bringen:
– Nein, Sex nach dem Konsensprinzip ist für mich nicht sexy.
– Nein, ich will nicht in eurer „Consent Culture“ leben, die mit sexueller Freiheit nichts zu tun hat, sondern eine sexuell repressive Kultur darstellt.
– Nein, ihr habt über meine Sexualität genauso wenig zu bestimmen wie sexualfeindliche Konservative.
– Nein, ich verabscheue autoritäre Ideologien, die versuchen ihre Macht bis in mein Schlafzimmer auszudehnen.

(*) Aktualisierung: Hier stand ursprünglich:
„– Menschen mit BDSM-Neigungen: auch bei sado-masochistischen Sexualpraktiken ist es auf jeden Fall wichtig vorher klar zu vereinbaren, welche sexuellen Handlungen wie stattfinden sollen/können.“

Das war aber, O-Ton Leszek, eine suboptimale Formulierung. Siehe dazu etwa die Diskussion, insbesondere die Kommentare von Miria.

Gastartikel: crumar zu den dicken Brettern, die gebohrt werden mussten

Ein weiterer Fall von „der Kommentar ist einen eigenen Artikel wert“: Siggi, der schon einen Gastartikel hier im Blog veröffentlicht hatte, äußerte sich zu der wiederkehrenden Frage „Was tun?“ dahingehend, dass es Zeit für Extrempositionen sei. Ihm antwortet crumar in einem längeren Kommentar und kündigt sogar noch weitere Teile an. Ab jetzt bis zu den Aktualisierungen O-Ton crumar, ich habe allein die Links ergänzt zwecks besserer Nachlesbarkeit:

Du hast am Anfang einen Kommentar auf „telepolis“ (heise) zitiert, aber das Bild wird erst vollständig, wenn du auch den Artikel nennst, auf den sich dieser Kommentar bezieht, bzw. durch den er angeregt worden ist.
Nämlich „Vergewaltigung: Spiel mit den Zahlen“ von Stephan Schleim vom 20.5.2016, in dem nicht nur die Zahlen der feministischen Lobby kritisiert, die unkritisch medial verarbeitet werden, sondern auch die Definition von bspw. der „sexuellen Belästigung“ aus „Studien“, die offensichtlich so weit gefasst worden ist, um solche aufgeblähten Zahlen zu ermöglichen.

Nun muss man wissen, dass „telepolis“ nicht „schon immer“ Kritik der Männerrechtsbewegung an feministischen Mythen veröffentlichte; das Gegenteil ist der Fall.
Auch auf diesem Medium gab es im Lauf der Jahre feministische, feministisch inspirierte, genderistische, gynozentrische Texte in Massen.
Das war mehr oder weniger die Leitlinie der Redaktion (speziell des Chefredakteurs Florian Rötzer).
Die wurden jahrelang gelesen und in den Kommentaren – mehr oder weniger sachkundig und mehr oder weniger radikal – kritisiert.

Eine Zeitenwende trat m.E. am 5.10.2010 ein, als Birgit Gärtner den Artikel „Jammernde Väter“ schrieb und in 854 (!) Kommentaren, größtenteils sachlich und inhaltlich, regelrecht in der Luft zerrissen worden ist.
Sie wurde daraufhin recht offensichtlich von der Redaktion genötigt den ursprünglichen Artikel zu verbessern, zehn Tage später erschien „Die Sorge der Mütter und die Rechte der Väter“ – ihr erging es allerdings in den 1116 (!) Kommentaren zum zweiten Artikel wenig besser.

Bis zu diesem Punkt war es also die beharrliche Kritik aus unserer Perspektive – nur in diesem einen Forum – die offensichtlich eine Veränderung der Mehrheitsmeinung in diesem Forum bewirkte.
Der Katalysator war dieser eine Artikel, bei dem die Forenmeinung offensichtlich war:
„Jetzt reicht es!“.
D.h. die Vorgeschichte zu dem von dir zitierten Kommentar von 2016 ist dieser Artikel von 2010 und das gloriose Scheitern dieses Artikels hat wiederum eine Vorgeschichte, die nach meiner Schätzung bis 2006 zurückreicht.
Es stimmt, es hat eine lange und beharrliche Arbeit erfordert, um an diesem Punkt anzukommen.
Dafür schreiben nun Twister und Schleim und andere *Artikel* auf „telepolis“ und nicht mehr nur *Kommentare* im Forum in unserem Sinne.

Dass die sehr pessimistische Sicht des Kommentators auf den Stand der Bewegung ausgerechnet zum kritischen Artikel von Stephan Schleim erfolgte, ist Angesichts der Tatsache, dass Stephan Schleim diesen Artikel überhaupt auf „telepolis“ veröffentlichen konnte, fast ein Widerspruch in sich.

Ich möchte nun noch einmal deinen Blick auf den Zeitraum von 10 Jahren lenken, der zwischen den Anfängen der Kritik in diesem Forum an der veröffentlichten offiziellen Meinung stand und bis zu dem Punkt reicht, in dem exakt dieses Medium auch die Kritiker selber veröffentlicht.
Es handelt sich bei unseren Anliegen leider um die Bohrerei in ganz dicken Brettern und auf „man tau“ hat Lucas Schoppe in mehreren, sehr lesenswerten Artikeln beschrieben, warum das bei Anliegen der Männerrechtsbewegung (für Männer und Jungen) *zwangsläufig* so ist.

Im Rückblick sollte man auch die Erfolge der Männerrechtsbewegung bis zum jetzigen Zeitpunkt betrachten und dazu gehört zweifellos das Phänomen der „sprechenden Männer“, die in zahlreichen Foren in ihren Kommentaren das Wort ergreifen und die bestehenden Verhältnisse kritisieren.
Auf „telepolis“ hat dies immerhin schon dahin geführt, dass wir in Artikeln selber sprechen dürfen, statt dass – wie in der „Süddeutschen“ – nur *über* uns gesprochen wird.

Aktualisierungen: Christian Schmidt beschäftigt sich bei Alles Evolution mit dem ursprünglichen Artikel. Siggi legt nochmal nach.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Den Ausdruck „sprechende Männer“ kannte ich noch nicht. Er ließ mich sofort an die Talking Heads denken… und die Zeile „you might get what you’re after“, also eine positive Aussicht.

Talking Heads: Burning Down the House

Allein gelassene Familien

Es folgt ein Gastartikel von Siggi, ursprünglich im Blog Scheidende Geister erschienen.

Über die Recherche zu meinem Artikel Allein Gelassene Alleinerziehende bin ich darauf aufmerksam geworden, dass die weit überwiegende Zahl der Alleinerziehenden einen großen Teil ihrer Einkünfte aus öffentlichen Transferleistungen bezieht. Nach Aussage des verlinkten Artikels bekommen 87 Prozent der Alleinerziehenden beziehen Hartz IV-Leistungen. Staatliche Leistungen, beispielsweise Kindergärten, Schulen, Universitäten, öffentlicher Verkehr, Straßen und Polizei werden praktisch nicht durch Alleinerziehende finanziert, aber natürlich genutzt.

Es war die Anspruchshaltung der Autorin, die mich nachdenklich gestimmt hat. Diese habe ich als überzogen empfunden und daher ihre Aussagen hinterfragt. Heraus kam für mich im Wesentlichen, dass man auch auf die Verantwortung der Alleinerziehenden schauen sollte, bevor man nach mehr Geld schreit, und das subtile Gefühl, dass Familien nicht nur für ihre eigenen Kinder zahlen, sondern überproportional auch für Alleinerziehende. So weit habe ich das im Blogeintrag beschrieben.

Mich interessierten die Fakten. Fündig wurde ich beim Statistischen Bundesamt (Seite 34). Dort findet sich der Durchschnitt des Bruttoeinkommens aus unselbstständiger Arbeit aufgeschlüsselt nach Haushaltstyp: 1527 Euro für Alleinerziehende, 3563 für den Hauptverdiener einer Familie und 1007 für den Partner. Männliche Singles verdienen Durchschnittlich 1664 Euro, Single-Frauen 1216 Euro.

Unter „sonstige Haushalte“ sind im Wesentlichen die Familien erfasst, die Kinder über 18 Jahren haben. Das können Rentner mit erwachsenen Kindern und Enkeln sein, aber auch Eltern, deren Kinder studieren. Leider wurde diese Gruppe nicht weiter heruntergebrochen. In dieser Gruppe verdient der Hauptverdiener im Schnitt 2861 Euro, der Partner 684 Euro.

Damit keine Zweifel aufkommen: Familien mit minderjährigen Kind(ern) erzielen mit Abstand die höchsten Einkommen von allen Haushaltstypen, sie sind es, die die höchsten Steuern zahlen und damit die Gemeinschaft und die Alleinerziehenden im Wesentlichen finanzieren. Die sonstigen Haushalte sind die nächsten größeren Leistungserbringer.

Das kann man auch schnell durchrechnen (NRW, Jahr 2017, nicht in der Kirche, Alter 30, Kinder: Ja, gesetzlich versichert, 1,1 Prozent Zusatzbeitrag):

  • Alleinerziehend, Steuerklasse 2: 1527 Euro brutto, Steuern: 51,00 Euro
  • Ehepartner 1, Steuerklasse 3: 3563 Euro brutto, Steuern: 327,74 Euro
  • Ehepartner 2, Steuerklasse 5: 1007 Euro brutto, Steuern 107,40 Euro
  • Single Mann, Steuerklasse 1, kein Kind: 1664 Euro brutto, Steuern: 124,83 Euro
  • Single Frau, Steuerklasse 1, kein Kind: 1216 Euro brutto, Steuer: 27,50 Euro
  • (Sonstiger) Ehepartner 1, Steuerklasse 3: 2861 Euro brutto, Steuern: 163,99 Euro
  • (Sonstiger) Ehepartner 2, Steuerklasse 5: 684 Euro brutto, Steuern 66,08 Euro

Wir sehen: Das Geld für die Alleinerziehenden kommt nicht von einer anonymen Gruppe von Reichen, die unlauter an ihr Geld gekommen sind. Es wird den Familien genommen. Familien, die ihren Status auch ihren verantwortungsvollen Entscheidungen und ihrer eigenen harten Arbeit zu verdanken haben.

Eine Durchschnittsfamilie zahlt monatlich 435,14 Euro Steuern. Ein Durchschnittsalleinerziehender zahlt monatlich 51,00 Euro Steuern. Es braucht mehr als acht Alleinerziehende, um das Steueraufkommen einer Familie zu ersetzen.

Nimmt man an, dass die Mutter die Erziehung übernimmt, zahlt der Vater der Kinder als Single Mann 124,83 Euro Steuern. Eine Alleinerziehende Mutter und der getrennt lebende Vater zahlen gemeinsam 175,83 Euro Steuern. Es braucht fast 2,5 getrennt lebende Durchschnittsfamilien, um das Steueraufkommen einer Durchschnittsfamilie zu ersetzen.

Die Annahmen in dieser Kalkulation habe ich so gewählt, dass sie den geringsten Unterschied im Steueraufkommen nach sich ziehen: Die Beispielfamilie ist verheiratet und profitiert damit von Steuervorteilen. Bei der getrennt lebenden Durchschnittsfamilie habe ich die Steuerklasse 2 dem Partner mit dem geringen Einkommen zugewiesen, so dass hier mehr Steuern als nötig bezahlt werden.

In der Realität ist der Unterschied im Steueraufkommen also noch größer, da nicht alle Paare mit Kindern verheiratet sind und manche Alleinerziehende gemeinsam mit dem anderen Elternteil die Steuervorteile optimieren können.

Zusätzliches Problem könnte sein, dass es attraktiver ist getrennt zu leben, um Sozialleistungen zu bekommen. Wenn der Partner arbeitet kann das ein Motiv sein. Dazu kenne ich keine Zahlen, es ist aber auf jeden Fall ein Fehlanreiz zum Schaden der Kinder. Es macht schon einen Unterschied, als Familie beispielsweise 200 Euro über dem Hartz IV-Satz zu liegen (mit dem Einkommen des Partners) oder Mutter und Kind voll abgesichert zu haben über Hartz IV, während er nur (seine eigene) Miete zahlen muss.

Mit höheren Leistungen für Alleinerziehende – wie im ursprünglichen Artikel gefordert – macht man außerdem den Sozialleistungsbetrug attraktiver – also Paare, die tatsächlich zusammenleben, sie gibt ihn aber bei der Behörde nicht mit an und erhält sämtliche Vergünstigungen einschließlich Hartz IV, sein Einkommen ist komplett verfügbar. Wie dieser Artikel zeigt, wird dies wiederum hauptsächlich durch die Familien finanziert.

Fazit

Mein Gefühl, dass vor allem Familien die Alleinerziehenden finanzieren, wurde durch Fakten bestätigt. Es scheint keine öffentliche Debatte darüber zu geben, zumindest kenne ich keine. Es wird so getan, als seien die Mittel für soziale Wohltaten „da“, so als würden nicht Menschen dafür Leistung erbringen müssen.

Und oft bringen Familien Opfer, um hohe Einkommen erzielen zu können, etwa lange Pendelstrecken, Überstunden, Umzug in eine wirtschaftsstarke Region oder wochenlanger Einsatz auf Montage.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, zu welchen Transferleistungen Familien moralisch verpflichtet sind und welches Verhalten man von (zukünftig) Alleinerziehenden und ihren Sexualpartnern erwarten kann.

Schon sieben Prozent Überwachungsstaat – Lohngleichheitsgesetz und Gender Pay Gap

Es folgt ein Gastartikel von Jonas G.

Wenn es einen toten Winkel gibt, der im Verdacht steht, unfeministische Unmoral zuzulassen, muss dieser ausgeleuchtet werden. In Zeiten des zunehmend autoritären Staatsfeminismus bedeutet das, dass ein Überwachungsstaat eingerichtet werden muss. Die Frauenquote war hierfür ein Anfang. Denn was braucht man, um zu garantieren, dass die gesetzlichen Frauenquoten in privaten Unternehmen durchgesetzt werden? Staatliche Kontrolle. Ein bisschen staatliche Kontrolle privater gesellschaftlicher Bereiche ist noch kein Überwachungsstaat. Aber viel und umfangreiche Kontrolle schon. Und auf diesem Weg befinden wir uns. Denn nun müssen sich die privaten Unternehmen wieder dem Auge des Staates entblößen und man sollte sich auf der Zunge zergehen lassen wofür. Für sieben Prozent irgendetwas.

Für sieben Prozent Steuerhinterziehung? Nein, das wäre ja noch halbwegs nachvollziehbar, denn das Geld gehört ja dem Staat. Für sieben Prozent zu wenig Feuerlöscher? Dafür würde man kein extra Gesetz erlassen, das die Unternehmensfreiheit weiter einschränkt, obwohl sieben Prozent Feuerlöscher zu wenig durchaus schlimme Folgen haben könnten. Nein, es handelt sich um sieben Prozent durchschnittlichen Lohnunterschied zwischen Frau und Mann, deren Ursache man nicht genau kennt und wo die Regierung vermutet, dass sie durch frauendiskriminierende Praktiken in den Unternehmen zustande kommen. Auch das, es sei klar und deutlich festgestellt, ist noch kein Überwachungsstaat. Aber das Lohngleichheitsgesetz, das neue Gesetz zur Beseitigung des bereinigten Gender-Pay-Gaps (bGPG) offenbart ein besorgniserregendes Verständnis von den Aufgaben und den Grenzen staatlicher Gewalt und zeigt damit: Der Überwachungsstaat wird kommen, denn wer vor der Frauenquote nicht zurückgeschreckt ist und danach noch eine zweite Salve auf die Unternehmensfreiheit abfeuert, der wird auch weitere nicht scheuen oder sogar für „überfällig“ halten. Dies eine Gesetz ist zwar nur ein kleines Mosaiksteinchen, das erst mal noch nicht viel anrichten wird, aber das Bild, das entstehen soll, ist schon ungefähr klar und weitere Steinchen werden folgen. Nun haben wir also für sieben Prozent irgendwas schon sieben Prozent Überwachungsstaat. Kurios übrigens, dass der feministische Staat durch das neue Lohngleichheitsgesetz nicht selber überwacht, sondern die Unternehmen verpflichtet, sich selbst zu überwachen und die Kosten für die dadurch entstehende Bürokratie selbst zu tragen. Das wäre so, wie wenn der DDR-Dissident die Wanze, die in seinem Wohnzimmer spioniert (weil die Stasi errechnet hat, dass eine siebenprozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass er Westradio hört) selbst kaufen und einbauen muss. Also liebe Frau Ministerin Schwesig, wie wäre es denn, wenn sie für ihre Marotten, die sie an den privaten Unternehmen auslassen, eine Ausgleichszahlung für den zusätzlichen Papierkram anbieten würden? Das wäre etwas lächerlich aber sehr gerecht.

Früher dachte ich immer, der Überwachungsstaat wird wegen der „Terrorabwehr“ eingeführt. Das wird er auch bestimmt, doch heute glaube ich, dass der feministische Überwachungsstaat noch schneller sein wird. Da wird heutzutage schon mal die gesamte (!) Privatwirtschaft unter den Generalverdacht des „Sexismus“ gestellt. Wie wär’s denn für 2020 mit Überwachungskameras in den Betrieben um „sexistische Kommentare“ und „Belästigung“ am Arbeitsplatz effektiv zu bekämpfen? Das Videomaterial muss von der Regierung und der Frauenbeauftragen des Unternehmens regelmäßig gesichtet werden. Ach so, und die Kameras muss natürlich der Arbeitgeber bezahlen, der kann das allen beschäftigten weißen heterosexuellen Männern dann vom Lohn abziehen, weil noch 0,7% bGPG übrig sind. Dann haben wir endlich Gerechtigkeit. Quatsch, sagen jetzt die sozialdemokratischen bis linksradikalen Gesellschaftsingenieurinnen und Gesellschaftsingenieure, ein bisschen Unfreiheit.. was soll schon passieren, es ist doch für eine gute Sache. Ein braves und fortschrittliches Unternehmen, das peinlich darauf achtet, genug Quotenfrauen vorweisen zu können und keinen statistisch erfassbaren bGPG zu erzeugen, hat ja schließlich nichts zu verbergen! Doch wer die Freiheit aufgibt um Gerechtigkeit herzustellen, wird am Ende beides verlieren. Abgesehen davon, dass „Gerechtigkeit“ hier Ansichtssache ist. Ist die Existenz eines bGPG denn überhaupt ungerecht?

Ich persönlich vermute, dass der bGPG hauptsächlich dadurch zustande kommt, dass Frauen in Gehaltsverhandlungen etwas zurückhaltender sind und auch gar nicht die Absicht haben, maximalen Lohn aus ihrer Arbeit herauszuholen. Traditionellerweise sind ja nicht sie die Hauptverdiener der Familie, sondern der Ehemann. Desweiteren werden Frauen bei schweren körperlichen Arbeiten aus offensichtlichen Gründen vielleicht durchschnittlich weniger bezahlt, was im bGPG nicht unbedingt berechnet wird. Und auch bei nicht körperlichen Arbeiten wird die Leistung des einzelnen Mitarbeiters nun mal zum Glück nicht durch staatliche Statistik, sondern durch den Unternehmer bewertet. Wenn ein Unternehmer hierbei „politisch unkorrekt“ bewertet, muss man diese Entscheidung akzeptieren, anstatt den Unternehmer pauschal unter den Verdacht des „Sexismus“ zu stellen. Es kann ja einfach sein, dass Frauen halt durchschnittlich (durchschnittlich!) etwas weniger oder weniger wertvolle Leistung erbringen und sie dementsprechend bezahlt werden. Das wäre doch kein Weltuntergang. Vielleicht aber ist ein großer Teil dieser sieben Prozentpunkte tatsächlich durch echte Diskriminierung bedingt. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon? Niemand, denn die sieben Prozent sind ja nicht umsonst durch die Statistik nicht erklärt. Kann und muss man so was überhaupt wissen? Ist das nicht eigentlich ziemlich alberne Erbsenzählerei? Die These jedenfalls, dass das alles „Sexismus“ ist, der so fies und verheerend ist, dass der Staat gleich die Unternehmensfreiheit (die ein Grundrecht ist) beschneiden muss um ihn zu bekämpfen, ist
jedenfalls sehr gewagt. Aber warum denken Regierung und Öffentlichkeit so? Weil sie eine
paranoide Angst vor der Sünde des Sexismus haben. Weil ihnen die eigene Moral höher steht, als die Wirtschaftsfreundlichkeit, die politische Vernunft, die Freiheit und letztendlich das Grundgesetz. Und weil sie dumme Materialisten sind, den der Unterschied, ob sie nur einen Flachbildfernseher oder einen Flachbildfernseher mit Sky-Abo haben, äußerst wichtig und hochpolitisch ist. Kurz: Weil sie fortschrittliche Mainstream-Staatsfeministen sind.