Gastartikel: Sohn einer Feministin

Es folgt ein Gastbeitrag von Philipp.

Frage: „Was ist der Unterschied zwischen einem Mann und einem Scheißhaufen?“
Antwort: „Es gibt keinen: Umso älter sie sind, umso leichter sind sie abzukratzen!“

Das ist ein brutaler Witz, nicht wahr? Solche Brutalität empfand ich gegenüber allen Männern, es war ein glühender Hass. Ich pflegte solche Witze zu erzählen, um damit zum Beispiel Blondinenwitze zu kontern, denn ich hasste es, in einem Patriarchat zu leben, in welchem schmierige Kerle mit sexistischen Witzen durchkamen. Dass ich selbst mit solchen Witzen durchkam in einer Gesellschaft, in der Männer Frauen unterdrückten, in der also alles stets den Interessen der Männer diente, fiel mir nicht weiter auf.

Diesen Ekel, diesen Hass gegen Männer empfand ich auf unbewusster Ebene wohl auch mir gegenüber. Meine Mutter hatte mal einen Freund. Ich mochte ihn, er war ein Typ, der mir Musik von CDs auf Musikkassette überspielte. So konnte ich ich, der ich keinen CD-Player hatte, meine Lieblingsmusik anhören. Lange blieb er nicht, auf einmal kam er nicht mehr zu Besuch. Als ich meine Mutter fragte, warum, sagte sie mir mit angewiderten Gesichtsausdruck, dass er mit ihr schlafen hatte wollen.

Die Lektion dahinter ist: Männer mit sexuellen Gefühlen sind etwas widerliches. Auch das hatte ich verinnerlicht. Ich schämte mich, wenn ich eine Frau sexy fand, wenn ich sie begehrte. Das war wohl auch der Grund, warum ich in meiner Jugendzeit ein – wie soll ich es nennen? – „Ausweichmanöver“ unternahm. Ich war schwul. Nein, eigentlich nicht und eigentlich doch. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe, zu behaupten, ich sei schwul, und selber davon auch halb überzeugt war. Der Grund war: Der schwule Mann ist der bessere Mann. Er war kein Vergewaltiger, kein Kinderschänder, kein Gewalttäter, schwul sein war angesagt, schwul sein bedeute, dass man kein Verbrecher war.

Denn dass Männer Verbrecher waren, war auch eine Binsenweisheit, die ich fest verinnerlicht hatte. Diesen Hass gegen Männer hatte ich auch vom Patriarchat selbst gelernt, denn überall im Patriarchat hört man ja die Story vom Mann als Täter und der Frau als Opfer. Mein Feindbild Mann war bereits in früher Kindheit ausgeprägt. Meine Tante erzählte mir dazu mal eine Anekdote. So habe sie mir mal geantwortet, dass es auch gute Männer gebe, zum Beispiel Einstein. „Nein“ entgegnete ich, Einstein hatte die Atombombe erfunden, war also ein ganz besonders schlimmes Exemplar eines Mannes. Männer waren schuldig, immer und überall. Sie waren auch dann schuldig, wenn es Frauen waren, die schuldig wurden. So erinnere ich mich, wie ich mir einmal gemeinsam mit meiner Mutter eine Dokumentation über Mädchenbeschneidung in Afrika ansah. Als zu sehen war, wie mehrere Frauen ein schreiendes Mädchen fixierten, drehte sich meine Mutter zu mir um und sagte mit vor Hass triefender Stimme: „Männer sind solche Schweine“. Auch das übernahm ich ohne Widerspruch. Wenn Frauen ein Verbrechen begehen, zum Beispiel ein Mädchen foltern oder als KZ-Aufseherinnen arbeiten, dann sind daran Männer schuld. In einem Patriarchat können Frauen gar nicht anders. Sie werden dazu gezwungen, sie müssen so handeln um ihr eigenes Überleben zu sichern. Dieses Muster hat Margarete Mitscherlich vortrefflich ausgearbeitet: Die ganzen Frauen, die dem Naziregime zugearbeitet haben, waren unschuldig, so wie Frauen an sich unschuldig sind. Es ist eine in sich geschlossene Logik, aus der man nicht rauskann.

Vor einiger Zeit las ich mal einen Artikel, in der Männer gleich in der Überschrift als „Alte Säcke“ bezeichnet wurden. Auch das ist brutal wie der Witz, der sich am Tod von Männern erfreut und diese mit Kot gleichsetzt. Was wohl nie passieren wird, ist, dass eine Zeitung ältere Frauen als „Schamlappen“ oder „-lumpen“ niedermacht. So geht man mit Frauen nicht um im Patriarchat.

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Großer Erfolg der Pressekonferenz der IG Jungen, Männer und Väter

Frank Mehding reichte folgende Meldung ein.

Am 04. September fand unsere Pressekonferenz der Interessengemeinschaft Jungen, Männer & Väter statt im Bundespressezentrum beim Kanzleramt. Es waren neun Journalisten und zahlreiche Gäste anwesend.

Die Resonanz ist exzellent, unsere Pressemeldung „Für Männer nicht wählbar“ schickten wir über den OTS-Ticker und bereits heute wurden 12 Artikel dazu gedruckt und online veröffentlicht – u.a. in der Süddeutschen Zeitung, WELT, ntv, Finanzen, Times usw.

Der Artikel in der WELT kann durchaus als historisch relevant gewertet werden, weil erstmals in einem großen deutschen Printmedium die durchgängige Diskriminierung von Männern artikuliert wird.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article168307886/Die-Parteien-im-Bundestag-sind-fuer-Maenner-nicht-waehlbar.html
http://www.presseportal.de/pm/121966/3726143
http://www.sueddeutsche.de/politik/parteien-fuer-maenner-nicht-waehlbar-1.3652344

Vielen Dank an alle, die mit zum Erfolg beigetragen haben!

Ergänzend die Berichterstattung auf Genderama:

  1. CDU, SPD und Co.: Wie die deutschen Parteien Männer ignorieren – News vom 6. September 2017
  2. „Süddeutsche“ und „Welt“ titeln: „Parteien im Bundestag für Männer nicht wählbar“ – News vom 5. September 2017
  3. „Der diskriminierte Mann“ – Titelgeschichte des SPIEGEL berichtet über uns Männerrechtler
  4. Wie die Liberalen Männer der FDP auch Frauen vor sexueller Gewalt schützen – News vom 1. September 2017

Gastartikel: Gründung Liberale Männer e.V.

Es folgt ein Gastartikel von Frank Mehding.

In der FDP ist Bewegung. Nach Verabschiedung des Wechselmodells im Wahlprogramm gründete sich am 5. August in Nürnberg ein Verein mit dem Namen Liberale Männer e.V. mit Sitz in Berlin. Ziel ist die Gleichberechtigung – auch für Männer. So heißt es im Kurzprogramm: „Eine tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern kann es nur geben, wenn die berechtigten Anliegen beider Geschlechter berücksichtigt und Benachteiligungen beider Geschlechter thematisiert und beseitigt werden. Um auf das Ziel einer tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Müttern und Vätern, Mädchen und Jungen hinzuarbeiten, wird der Verein Liberale Männer e.V. mit Sitz in Berlin gegründet. Die Mitglieder sind vereint in ihrem Bestreben, gemeinsam die im Folgenden genannten Ziele zu erreichen:

1. Die kompromisslose Umsetzung des Artikels 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
2. Nachteile und Benachteiligungen von Jungen, Männern und Vätern sind geschlechterpolitisch zu thematisieren und zu beseitigen.
3. Jungen-, Männer- und Väterfeindlichkeit sind ebenso zu verurteilen und zu beseitigen wie Frauenfeindlichkeit.“

Im weiteren Text wird es konkret. 10 Punkte nennen die Gründer im ausführlichen Programm:

1. Gleichberechtigung statt Frauenrechte

„Frauenrechte“ gibt es genauso wenig wie „Männerrechte“. Die Begriffe widersprechen bereits dem Gleichbehandlungsgrundsatz. Es gibt nur Menschenrechte. Diese müssen ohne Ausnahme für Frauen wie für Männer gelten. Wir fordern die kompromisslose Umsetzung der Gleichberechtigung gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

2. Gleichberechtigung statt Gleichstellung

Eine Gleichstellung der Geschlechter kann nicht dadurch erreicht werden, dass Gleichstellungsbeauftragte grundsätzlich ausschließlich weiblich sind. Gleichstellungsbeauftragte müssen männlich oder weiblich sein, die Interessen beider Geschlechter vertreten und von beiden Geschlechtern gewählt werden können. Wo es eine Frauenbeauftragte gibt, muss es immer auch einen Männerbeauftragten geben. Wo Gleichstellung drauf steht, muss auch Gleichstellung drin sein.

3. Gleichberechtigung in der Schulbildung

In der Bildung müssen geschlechterspezifische Unterschiede auf wissenschaftlicher Basis Rechnung getragen werden. Hierzu bedarf es einer verstärkten Förderung und Erforschung geschlechterspezifischer Bildungsmethoden.

Unter Erziehern/-innen und Lehrkräften muss eine Soll-Quote von 30% eingeführt werden, um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis, männliche Erziehungswerte und -vorstellungen und männliche Rollenvorbilder zu ermöglichen.

Am Ende der Grundschule ist ein verpflichtender Multiple Choice Test für alle Kinder einzuführen als ergänzendes Beurteilungskriterium für die weiterführende Schulempfehlung.

4. Gleichberechtigung statt Quote

Frauenquoten verletzen den Gleichbehandlungsgrundsatz und diskriminieren. Bei Einstellungen und Beförderungen dürfen ausschließlich Qualifikation, Leistung und Erfahrung entscheidend sein, nicht aber das Geschlecht. Gleichzeitig müssen für Väter die gleichen Möglichkeiten wie für Mütter geschaffen werden, Elternzeit zu nehmen und in erziehungsbedingter Teilzeit zu arbeiten.

Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist auf Bundes- und Länderebene zu ändern von „Frauen“ auf „das unterrepräsentierte Geschlecht“. Denn heute gibt es zahlreiche Unternehmen, Behörden und Institutionen, wo Männer signifikant unterrepräsentiert sind, z.B. Lehrer an Grundschulen.

5. Gleichberechtigung im Strafrecht

Gleiche Straftaten müssen gleich geahndet werden. Es kann nicht angehen, dass von Frauen verübte Straftaten seltener verfolgt und deutlich milder bestraft werden als von Männern verübte.

6. Gleichberechtigung bei häuslicher und sexueller Gewalt

Hilfsangebote für Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt müssen männlichen Opfern genauso offenstehen wie weiblichen. Für die Erforschung und Bekämpfung von gegen Männer und Jungen gerichteter häuslicher und sexueller Gewalt müssen die gleichen öffentlichen Mittel bereitgestellt werden wie für die Erforschung und Bekämpfung der gegen weibliche Opfer gerichteten. Männer dürfen nicht länger pauschal nur als Täter und Frauen nur als Opfer dargestellt werden. Häusliche und sexuelle Gewalt darf nicht länger als rein männliches Problem benannt, sondern muss als menschliches Problem erkannt werden. Bei jedem Verdacht auf häusliche oder sexuelle Gewalt muss das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung kompromisslos Anwendung finden.

7. Gleichberechtigung im Familienrecht

Trotz Abschaffung des Schuldprinzips werden Männer bis heute von den Gerichten häufig so behandelt, als trügen sie die Schuld am Scheitern der Ehe. Die Folgen des Scheiterns einer Ehe müssen von beiden Partnern entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu gerechten Anteilen getragen werden. Dauerarmut durch überhöhten Unterhalt darf es nicht mehr geben.

Die Väter sind im Leben eines Kindes genauso wichtig wie die Mütter. Daher muss die Paritätische Doppelresidenz, das Wechselmodell, per Gesetz der Standard bei der Betreuung der Kinder getrennt lebender Eltern werden. Kein Elternteil darf aus dem Leben seines Kindes ausgegrenzt werden, sondern nur bei nachgewiesener Kindeswohlgefährdung. Das sogenannte Residenzmodell dient nicht dem Wohl des Kindes.

Das bedingungslose gemeinsame Sorgerecht mit allen Teilsorgebereichen muss beiden Eltern automatisch zustehen, unabhängig davon, ob sie verheiratet sind oder nicht.

Artikel 6 Absatz 4 des Grundgesetzes, „Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft“, muss durch „Jeder Elternteil (…)“ ersetzt werden, da die derzeitige Fassung in Widerspruch zum Gleichbehandlungsgrundsatz gemäß Art. 3 Abs. 3 steht.

8. Gleichberechtigung in der Elternschaft

Jeder Vater hat ein Informationsrecht über die Vaterschaft, die Mutter eine Informationspflicht. Frauen können eine Schwangerschaft regulieren, ggf. sogar abtreiben. Auch Männer müssen das Recht auf Ablehnung einer Kindschaft bekommen.

9. Gleichberechtigung statt Gleichmacherei

Mädchen und Jungen sind nicht gleich. Sie durchlaufen Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden in unterschiedlichen Schritten. Bei den Interessen und Neigungen, die sie dabei entwickeln, setzten Jungen im Durchschnitt die Schwerpunkte anders als Mädchen; die Fähigkeiten und Qualitäten, welche sie ausprägen müssen, um in ihren Altersgruppen anerkannt zu werden, sind ebenfalls bei Jungen und Mädchen unterschiedlich.

Echte Gleichberechtigung der Geschlechter bedeutet, in der Erziehung und Förderung der Kinder diesen Unterschieden Rechnung zu tragen anstatt sie zu negieren oder gar wegerziehen zu wollen. Bildungs- und Sozialpolitik müssen sich dabei ausschließlich an wissenschaftlichen Fakten orientieren und dürfen sich nicht von Genderideologie leiten lassen.

Die unterschiedlichen gesundheitlichen Risiken, denen Männer und Frauen respektive ausgesetzt sind, müssen eine entsprechende, auf wissenschaftlichen Fakten basierende Berücksichtigung in der Gesundheitspolitik und im Arbeitsschutz finden.

10. Gleichberechtigung beim Vatertag

Echte Gleichberechtigung spiegelt sich auch in Symbolen und Ritualen wider. Während in Deutschland am Muttertag die Mütter für ihre Bedeutung in ihren Familien geehrt werden, vermittelt der als „Vatertag“ bezeichnete kirchliche Feiertag Christi Himmelfahrt ein Negativbild von Vätern, die diesen Tag von ihren Familien abgesondert verbringen. Wir fordern die Einführung eines dem Muttertag gleichgestellten Vatertages, der, wie in über sechzig Ländern der Erde, an jedem dritten Sonntag im Juni gefeiert wird.

Ziel des Vereins ist auch die landes- und bundesweite Umsetzung des Antrags 16/7402 der FDP-Fraktion „Ganzheitliche und moderne Gleichstellungspolitik – Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen vorantreiben“. Darin wird die NRW-Landesregierung aufgefordert,

1. den eingeleiteten Perspektivwechsel in der Gleichstellungspolitik auf Bundesebene aktiv für eine chancengerechte Gesellschaft politisch mitzugestalten;
2. in die landesseitige Gleichstellungspolitik die Jungen- und Männerpolitik auf allen Ebenen fest zu verankern, so dass der Boden für eine Vielfalt männlicher Rollen und Lebensentwürfe geschaffen wird;
3. die Umgestaltung von Karrieremustern von Jungen und Männern sowie gleichermaßen von Mädchen und Frauen, die Männerforschung und die Männerarbeit (Beratung, Bildung, Begegnung von Männern) zu unterstützen und zu fördern;
4. zu überprüfen, ob in die Entwicklung des „Landesaktionsplanes zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen NRW“ auch Präventionsangebote für gewaltbetroffene Männern einbezogen werden können;
5. sich dafür stark zu machen, dass künftig ein möglichst ausgewogenes Geschlechterverhältnis der Lehrkräfte in der Bildungskette vertreten ist;
6. das Präventionskonzept des Landes durch eine Landesinitiative zur Förderung der Gesundheit von Männern zu erweitern.
Quelle: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-7402.pdf

In der Begründung wird ausgeführt: „Seit nunmehr 15 Jahren wird am 19. November der internationale Männertag in weit mehr als 60 Ländern begangen. Der „International Men’s Day“, kurz IMD, steht dafür ein, die Gleichberechtigung zu stärken, männliche Vorbilder hervorzuheben, ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis von Frauen und Männern und die Gesundheit von Männern zu fördern.

In den letzten Jahren sind die Geschlechterrollen immer mehr in Bewegung geraten. Der Rollenwandel der Frauen steht dabei in einem engen Zusammenhang mit dem der Männer. Neue männliche Lebensentwürfe müssen von Gesellschaft und Wirtschaft anerkannt werden.
Hierfür bedarf es Lösungen, die gesamtgesellschaftlich getragen werden müssen. Im Zuge dessen ist der Blickwinkel innerhalb der Geschlechterpolitik folgerichtig auf Jungen und Männer mit einer eigenständigen Jungen- und Männerpolitik seit der letzten Legislaturperiode
auf Bundesebene unter FDP- und CDU/CSU-Regierungsverantwortung ausgedehnt worden. Ziel war es, gesellschaftliche Akzeptanz für die vielfältigen Rollen- und Lebensentwürfe für Jungen und Männer zu schaffen.

Das Handeln der nordrhein-westfälischen Landesregierung wird hingegen durch eine Denkweise bestimmt, die Gleichstellung überwiegend mit Frauenpolitik gleichsetzt. Diese Einseitigkeit ist nicht mehr zeitgemäß und sogar kontraproduktiv. So liegt die durchschnittliche Lebenserwartung
eines Mannes laut dem Männerbericht aus dem Jahr 2010 fünfeinhalb Jahre unter der von Frauen, wovon ein Jahr genetisch bedingt ist. Die restlichen Jahre lassen sich auf die ungesündere Lebensweise, größere berufliche Belastungsfaktoren, eine insgesamt größere Risikobereitschaft und ein geringes Interesse an präventiven Maßnahmen zurückführen.

Nur 20 Prozent der Männer nehmen an Präventionskursen gegen Bewegungsmangel, Ernährungsgewohnheiten und Stressbewältigung teil. Im Wirtschafts- und Arbeitsbereich werden 75 Prozent aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle Männern zugeordnet. Im Schul- und Bildungsbereich zählen Jungen im Geschlechtervergleich tendenziell eher zu den Bildungsverlierern, sie werden häufiger als Mädchen von Lehrkräften als verhaltensauffällig eingestuft und erreichen überproportional keinen Schulabschluss. Darüber hinaus kann auch die fortschreitende Feminisierung des Personals in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen kontraproduktiv wirken. Kinder und Jugendliche brauchen auch Männer als Vorbilder. Es wird gerade in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen oftmals die Chance verpasst, die Männlichkeit mit der Fürsorgepflicht zu verbinden.

Viele (junge) Männer sind auf der Suche nach Perspektiven jenseits der klassischen Lebensentwürfe. Der vollziehende Transformationsprozess geht vielfach mit einer großen Verunsicherung im Selbstwertgefühl und in der Anerkennung sowie mit einer seelischen Belastung und oftmals auch mit Frustration einher. Die Folgen davon können eine höhere Arbeitslosigkeit, höhere Kriminalitätsaktivität, höhere Gewaltneigung oder eine höhere Suizidrate sein. Bei der Ausübung von Gewalt handelt es sich um eine Form der Abspaltung von Selbstwert- und Anerkennungsstörungen. Auch seelische Erkrankungen und Depressionen sind häufige Folgen des Wandlungsprozesses. Die Stiftung Männergesundheit bezeichnet als Folgestufe einer nicht erkannten Depression von Männern den Freitod. Der Männerbericht 2013 der Stiftung Männergesundheit in Zusammenarbeit mit der DKV stellt zudem fest, dass rund drei Viertel aller Suizidtoten in Deutschland Männer sind. Dabei verteilt sich das hohe Suizidrisiko auf alle Altersgruppen und verzeichnet in der Zeit von 2009 bis 2011 sogar einen Anstieg der Suizidrate von neun Prozent.

Es bedarf dringend eines politischen Korrektivs, um das stereotypische Rollenbild in der Gesellschaft zu verändern. Männerpolitische Anliegen sind kein bloßer Appendix von Frauenförderung. Chancengerechtigkeit können die Geschlechter nur gleichzeitig und gemeinsam erreichen. Männerpolitik muss sich zunächst damit befassen, die einengende Rollenzuschreibung loszuwerden, damit das Tor für individuell frei gewählte Lebensrollen stolperfrei offen stehen kann.

Eine moderne Gleichstellungspolitik muss deshalb gezielt die Unterschiede in den Lebensverläufen sowohl von Frauen wie auch von Männern bzw. von Jungen und Mädchen berücksichtigen und somit ganzheitlich ansetzen. Hierzu zählt auch eine geschlechtergerechte Erziehung, die Entwicklung positiver männlicher Identitäten, die Eröffnung der Möglichkeit für eine Weiterentwicklung männlicher Rollenbilder, Gewaltprävention an und von Jungen und Männern, die Förderung von Männergesundheit und die verstärkte Unterstützung des väterlichen Engagements in der Kindererziehung und Familienarbeit.

Geschlechtergerechtigkeit zwischen Frauen und Männern darf nicht als Verteilungskampf verstanden werden. Ergebnisgleichheit z.B. durch eine fixierte Frauenquote in Führungspositionen auf dem Arbeitsmarkt führen in eine Sackgasse. Eine moderne Gleichstellungspolitik kann nicht auf ausgleichender Ungerechtigkeit fußen. Vielmehr bedeutet eine moderne und zukunftsfähige Gleichstellungspolitik die Ermöglichung frei gelebter Individualität bei Frauen und Männern, also die Herbeiführung einer Chancengerechtigkeit, die es Frauen und Männern gleichermaßen erlaubt, so zu leben, wie sie selbst es nach ihren eigenen Vorstellungen wollen.

Aufgabe einer zukunftsweisenden Gleichstellungspolitik muss zunächst die analytische Aufdeckung klassischer vorausgesetzter Geschlechterbilder und im Anschluss die Entwicklung von Gegenstrategien sein, damit künftig Benachteiligungen von Geschlechtern im Keim erstickt werden. Eine solche Politik muss auf einer grundlegenden Prüfung der Lebenslagen von Jungen und Männern sowie gleichermaßen von Mädchen und Frauen basieren. Hierbei ist eine Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft ratsam, so dass Probleme nicht nur beschrieben und erklärt, sondern auch Handlungsempfehlungen für Veränderungen entwickelt werden.“

Wer an einer Mitgliedschaft bei den Liberalen Männern e.V. Interesse hat, kann sich gerne an den Veranstalter des Genderkongress.de wenden.

Frank Mehding
Genderkongress.org

Anmerkung von Graublau: Mit dem „Männerbericht“ ist anscheinend jeweils der „Männergesundheitsbericht“ gemeint.

Aktualisierungen:

  1. Kurzprogramm der Bundesvereinigung Liberaler Männer e.V. i.G. (bei Alles Evolution, vom Facebook-Seite der Liberalen Männer)
  2. Liberale Männer e.V. bei Facebook
  3. Liberale Männer e.V. bei Twitter
  4. www.liberale-maenner.org (Artikel „Warum„)

Der Sinn der Vorstellung und Diskussion eines solchen Programms zeigt sich bereits: Die liberalen Männer haben auf Argumente hier in den Blog-Kommentaren reagiert und auch im Forum der Piratenpartei guckt man auf das Programm. So funktioniert gesunde Konkurrenz.

So schnell kann’s gehen: Nach nur einem Tag werden Programm und Blogartikel auf Youtube behandelt:

MaMMoNMaGaZiN: Was will der „LIBERALE MÄNNER e.V.? | Das Gründungsdokument

Gastartikel: Feministin beschimpft Bräute

Es folgt ein Gastartikel von kardamom.

Aus der Reihe „Feministische Journalistinnen beschimpfen Frauen“: Andrea Fopp in der Schweizer Tageswoche: Männer, warum nehmt ihr euren Frauen den Nachnamen weg? (zur Sicherheit: archivierte Version des Artikels)

Frau Fopp entdeckt anlässlich ihrer Heirat, dass im Kanton Basel (CH) bei 96 % der Eheschliessungen der Nachname des Mannes als zukünftiger Familienname gewählt wurde.

Und unterstellt den Bräuten des Jahres 2016, dass diese keine Durchsetzungskraft gehabt hätten, auf den Nachnamen der Braut als Familiennamen zu bestehen.

Nein, Andrea Fopp spricht diesen Frauen schlichtweg ab, eine eigene Verantwortung für die Wahl des gemeinsamen Familiennamens gehabt zu haben…

Als evidenzbasierte Anekdote führt sie an, „gleich zwei Männer zu kennen“, die „ihren Frauen Szenen [machten], nächtelang, bis diese sich geschlagen gaben und zur Trennung vom eigenen Namen bereit zeigten.“

Nein, für Frau Fopp sind Frauen, die nicht im feministischen Sinn handeln, kraftlose Wesen ohne eigene Entscheidungsfähigkeit…

Mit einem rhetorischen Trick stellt sie diese Frauen gar in die Sklaven-Ecke, den sie dann aber sofort mit „Nein, ich will hier auf keinen Fall Ehe und Slaverei vergleichen.“ wieder zurücknimmt.

Das kurioseste an Fopps persönlichen Beitrag zum feministischen Aufbruch in die Moderne:

Sie hat den Familiennamen ihrer männlichen (!) Vorfahren in die Ehe eingebracht…

Gastartikel: Opferstatus

Es folgt ein Gastartikel von Lion.

Wer in einer zivilisierten, liberalen Gesellschaft benachteiligt ist, darf auf Ausgleich und Unterstützung durch die Gesellschaft hoffen. Dadurch soll es auch benachteiligten Menschen ermöglicht werden, ein zufriedenes Leben zu führen, ohne ständig mit den Nachteilen hadern zu müssen.

Der Ausgleich erfolgt durch Bevorzugung auf anderen Gebieten. Daraus resultiert aber auch: Wer darstellen kann, dass es ihm schlechter geht, der hat auch ein moralisches Druckmittel in der Hand, um direkt oder unterschwellig zum eigenen Nutzen Forderungen stellen zu können.

Das macht die Sache mit dem Ausgleich zu einem zweischneidigen Schwert. Opfer möchte sicherlich niemand sein, aber vielleicht kann man davon losgelöst einen Opferstatus erwerben und der Ausgleich kann -in welcher Form auch immer- fließen.

Man könnte das als eine Art „Versicherungsbetrug“ sehen, wenn nicht dejenige, der da „etwas haben möchte“, zutiefst überzeugt wäre, tatsächlich Opfer zu sein. Und diese Leute sind ein Problem für die Gesellschaft. Denn die Mittel für einen Ausgleich sind stets begrenzt, sei es in finanzieller oder in Form von Mitleid.

Da ist es nur logisch, dass jeder, der am Opferstatus kratzt oder gar etwas Opferstatus für sich selbst in Anspruch nehmen will, vom Futtertrog weggebissen wird.

Soviel zur Theorie, kommen wir zu den medialen Reaktionen, die die Gründung einer Männerlobby innerhalb der FDP hervorgerufen haben.

Das kleinste Übel waren da noch die Gänsefüßchen, in die bestimmte Begriffe gefasst wurden, um so die Nichtanerkennung zu dokumentieren. Ansonsten Häme darüber, dass sich da Männer „zimperlich anstellen“ etc. Und warum? Wenn sich zu den vermeintlich „wahren und einzigen“ Benachteiligten (Frauen) andere Benachteiligte (Männer) dazugesellen, dadurch gar die eigenen Nachteile relativiert werden, dann mindern sich die Möglichkeiten des moralischen Drucks auf die Gesellschaft und die Felle des Ausgleichs schwimmen zum falschen Ufer.

Die Verhöhnung in den Medien soll klar machen, was man als folgsamer Leser/Zuseher vom Vorhaben innerhalb der FDP zu halten hat: Nichts. Das Dogma des stets und alleinig benachteiligten, weiblichen Geschlechts muß unter allen Umständen gestützt werden.

Alte und nützliche Gewohnheiten gibt man eben ungern auf. Wie schon geschrieben, solche (ideologisch verblendeten) Leute sind ein Problem, machen sie doch Menschen mit berechtigten Anliegen gerne mundtot. Erschreckend ist, wie weit die feministische (Opfer-)Ideologie innerhalb des Journalismus noch verbreitet ist.

Haben sich Journalisten nicht grundsätzlich auf die Fahnen geschrieben, Missstände aufzudecken und allen Menschen Gehör zu schenken? Es wird Zeit für eine ideologiefreie Epoche des gegenseitigen Zuhörens und des echten Verständnisses füreinander.

Gastartikel: ARD – Ansichten rassiger Damen-Popos

Es folgt ein Gastartikel von Lion.

Kennt noch jemand das „MAD“-Satire-Magazin? Die Leserschaft wurde einst dazu aufgefordert, ihre Meinung darüber abzugeben, was das Kürzel „ARD“ wohl bedeuten könnte. In die nächste Ausgabe des Magazins schaffte es auch die Interpretation, die in der Überschrift zu finden ist: ARD bedeutet „Ansichten rassiger Damen-Popos“.

So sexistisch wie diese Interpretation fand der österreichische Werberat wohl die Werbung eines Dessousherstellers, der mit den rückwärtigen Ansichten von nur mit Spitzen-Unterhöschen bekleideten, wohlgeformten Damen auf seine Produkte hinwies (Genderama berichtete). Es wird wohl mal wieder Zeit für etwas unverblümte Wahrheit. Natürlich ist das für Männer schön anzusehen. Wofür sonst ist Reizwäsche gemacht, als die Reize einer Frau zu betonen? Insofern macht es die Frau zu einem „Objekt“. Ist das nun wirklich schlimm? Doch nur, wenn man annimmt, diese Reduzierung wäre dauerhaft und allgemeingültig (andere Eigenschaften, wie Intelligenz und die „Menschlichkeit“ der Frau gingen dauerhaft über den Jordan). Irgendsoetwas muss wohl das Schlimme an der Betonung sexueller Reize sein.

Blöd nur, dass die Frauen solche Sachen ganz bewußt anziehen, um den Mann „zu einem Objekt“ seiner eigenen Begierden zu machen. Schließlich soll ihm der Kopf verdreht werden. Aber solch Objektivierungen sind weniger schlimm. Es ist Problem des Mannes, dass das passiert, darum kümmert sich keiner.

Nun zurück zu den „Osterhöschen“ (so ist der Titel des Werbebildes): Wer ist Empfänger dieser Werbebotschaft? Die Männerschaft? Nein. Es sind Frauen, die diese Produkt kaufen sollen, damit diese im heimischen Schlafzimmer (oder sonstwo) ihre Wirkung entfalten sollen. Herzlichen Glückwunsch an den Werberat für die Schützenhilfe. Wenn Moralapostel und Feminismuskriecher so dagegen wettern, muss was an den Produkten dran sein. Es wird enden wie beim Video zu „Jeannie“ (Falco). Der Song landete bekanntlich ganz oben in den Charts, als er von Radio- und TV-Stationen geächtet wurde.

Und die Moral von der Geschicht: Lasst Menschen Menschen sein. Die Abwertung entsteht in den verkorksten Hirnen Einiger, die sich für besonders schlau halten.

Musikwunsch zum Text … na was wohl?

weitere Artikel zum Fall „Osterhöschen“:

Gastartikel: Leszeks Zitatesammlung zur Meinungsfreiheit von Linken

Es freut mich jedesmal, wenn ich durch so etwas relativ Einfaches wie Besprechen und Zitieren von Artikeln gut formulierte Kommentare provozieren kann. Leszek hat in Reaktion auf „Faschismus aus Angst vor den Nazis“ jede Menge Zitate herausgesucht. Das finde ich so gelungen, dass ich die Kommentare alle direkt untereinanderkopiere.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mir nicht um „welche politische Meinung/Richtung ist richtig?“ oder „Wie ist die Linke zu beurteilen?“. Was Leszek hier anbietet, ist eine Kritik der Linken aus einem Weltbild innerhalb der Linken heraus – und das halte ich für eine ganz wichtige Komponente, um einen argumentativen Zangenangriff gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit zu führen.

Bei einigen der Zitate war ich verblüfft, wie klar jemand bestimmte Gedanken schon früher formuliert hat – und wie alt bestimmte Argumente pro Meinungsfreiheit bereits sind. Ein weiterer Grund, sie einmal festzuhalten, denn gerade diese historische Perspektive fehlt allzu oft. So, ab jetzt aber Leszek! 🙂

„Linke stören Vorträge von Leuten, die ihnen politisch nicht passen, sie schreien sie nieder oder wenden Gewalt an. (…) Es ist grotesk: Unter dem Vorwand, den Faschismus zu bekämpfen, wenden junge Leute Methoden an, die nichts anderes als faschistisch sind.“

Hierzu habe ich gerade ein passendes Zitat zum Wert der Meinungsfreiheit von dem frühen Kritiker jeder Form von Political Correctness Theodor W. Adorno aus einer von Adornos Vorlesungen aus dem Jahre 1968.

Vorausgegangen war, dass eine Gruppe von Studenten mit extremen Ansichten und geringer Wertschätzung für die Meinungsfreiheit (vermutlich Leninisten oder Maoisten, aber wohl eher keine Neomarxisten), die Lehrveranstaltung eines anderen Dozenten gestört hatte, den sie für politisch rechts hielten, indem sie diesen niederbrüllten und daran hinderten seine Vorlesung zu halten.

Adorno nutzte daraufhin die nächste Gelegenheit um in seiner eigenen Vorlesung, bei der einige Leute dieser studentischen Gruppe anwesend waren, den Vorfall anzusprechen, dieses Verhalten zu kritisieren und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.

Daraufhin begannen einige Studenten aus dieser Gruppe auch bei ihm Lärm zu machen.

Adorno beharrte auf dem Prinzip der rationalen Diskussion und betonte, dass er mit den Ansichten von Jürgen Habermas (also herrschaftsfreier Diskurs auf Grundlage der zwanglosen Kraft des besseren Arguments) übereinstimme.

Theodor W. Adorno:

„Ich möchte aber doch noch ein Wort in einer akademischen Angelegenheit Ihnen sagen. Das bezieht sich auf die Vorgänge im Zusammenhang mit meinem Kollegen Stern. Ich möchte dem vorausschicken, dass Herr Stern vor Jahren mich selbst als marxistischen Literaturkritiker scharf angegriffen hat Ich möchte dem hinzufügen, dass dann Herr Stern in voller Freiwilligkeit sich für diese Angriffe bei mir entschuldigt hat (…). Ich möchte weiter sagen, dass selbstverständlich zwischen den Auffassungen von Herrn Stern und mir fundamentale Gegensätze bestehen, die völlig unverschleiert sind (…). Aber dies vorausgeschickt, finde ich doch dass die Methode dass man einem akademischen Lehrer nicht mehr die Möglichkeit gibt, ungestört seine Lehrmeinung zu vertreten und in Freiheit seine Gedanken auszudrücken, etwas ist, was mit Freiheit von Repression, mit Mündigkeit und mit Autonomie nicht zu vereinbaren ist. Und ich glaube, dass ich gerade wegen der sachlichen Differenzen, die in diesem Fall bestehen, besonders dazu legitimiert bin, Ihnen zu sagen, und (…) auch Sie darum zu bitten, dass diese Art des Kampfes in dem Kampf um die Reform der Universität und auch in dem Kampf um gesellschaftliche Veränderungen vermieden wird.
(…) ich kann unmöglich mit diesen Dingen mich identifizieren, und mein Standpunkt ist darin mit dem ganz und gar identisch, wie Habermas ihn in seinen berühmt gewordenen Thesen auch entwickelt hat (starkes Zischen). Ich glaube, ich wäre…ja, meine Damen und Herren (anhaltendes, starkes Zischen), meine Damen und Herren, es tut mir…es tut mir außerordentlich leid, aber ich glaube, dass, wenn man Ansichten, die einem aus irgendeinem Grund nicht behagen, wenn man diese Ansichten niederzischt, dass das dem Begriff der Diskussion widerspricht, und ich glaube, immerhin mir ein Recht erworben zu haben, mit Ihnen über solche Dinge zu diskutieren und nicht mich solchen Mitteln des Protests auszusetzen. Sie wissen, dass ich mich – nun weiß Gott – der Diskussion über alle diese Dinge niemals entzogen habe, ich werde mich dem auch weiter nicht entziehen, aber dann muss man wirklich auch diskutieren und darf nicht versuchen, durch bloße Bekundungen der Mißbilligung diese Dinge abzuschneiden.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp, 2015, S. 257 f.)

Hier noch ein paar weitere Zitate von einigen bekannten linken (bzw. freiheitlich-sozialistischen) Autoren zum Thema Meinungsfreiheit. (Sicherlich gibt es noch viele mehr.)

Es handelt sich um Autoren aus dem Spektrum des Anarchismus und des marxistischen Rätekommunismus.
Die Zitate verdeutlichen – genau wie das Zitat von Adorno – das für die Strömungen des freiheitlichen Sozialismus eine entschiedene Bejahung der Meinungsfreiheit traditionellerweise typisch war.

Ideologisierte Anhänger der zeitgenössischen politisch korrekten postmodernen Linken dürften mit solchen Zitaten zwar leider in der Regel nicht zu erreichen sein, da sie zu anarchistischen und marxistischen Theorien meist keinen Bezug haben, aber erfahrungsgemäß lassen sich Mitglieder der autonomen Szene und der Antifa-Szene, denen zuvor der Stellenwert der Meinungsfreiheit innerhalb der traditionellen freiheitlich-sozialistischen Theorie und Praxis zu wenig bewusst war, durch solche Zitate in manchen Fällen zum Nachdenken anregen, denn in der autonomen Szene/Antifa-Szene gibt es ja auch Gruppen und Personen, die sich positiv auf anarchistische und rätekommunistische Theorien beziehen (oft ohne tiefere Kenntnisse, denn bei großen Teilen der autonomen Szene/Antifa-Szene handelt es sich um ein linke Jugendsubkultur mit geringen theoretischen und historischen Kenntnissen freiheitlich-sozialistischer Traditionen).

Des Weiteren sind solche Zitate m.E. auch manchmal geeignet, um Personen innerhalb der Linken, die alle Versuche der Einschränkung der Meinungsfreiheit zwar kritisch sehen, sich aber nicht trauen deutlich zu widersprechen und die Meinungsfreiheit zu verteidigen, Mut zu machen, dies zu tun.

Der englische aufklärerische Schriftsteller und frühe anarchistische Sozialphilosoph William Godwin (1756–1836), Gatte der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, schrieb:

„Die beste Garantie eines glücklichen Resultats liegt in freier, unbegrenzter Diskussion.“

(aus: William Godwin – An Enquiry Concerning Political Justice and its Influence on General Virtue and Happiness (1793), 2. Bde., hg. von R.A. Preston, New York, 1926, Bd 1, S. 11)

Der Philosoph und Hauptvertreter des kollektivistischen Anarchismus Michael Bakunin (1814–1876) befürwortete:

“Unbegrenzte Freiheit jeder Art von Propaganda durch Reden, die Presse, in öffentlichen und privaten Versammlungen, ohne einen anderen Zügel für diese Freiheit als die heilsbringende natürliche Macht der öffentlichen Meinung.
(….)
Die Freiheit kann und soll sich nur durch die Freiheit verteidigen, und es ist ein gefährlicher Widersinn, sie zu beeinträchtigen unter dem durch den Schein blendenden Vorwand, sie zu beschützen (…).“

(aus: Michael Bakunin – Revolutionärer Katechismus, in: Michael Bakunin – Gesammelte Werke Band 3, Karin Kramer, 1975, S. 11)

Die Anarcho-Kommunistin, Antimilitaristin, Frauenrechtlerin und linke Nietzscheanerin Emma Goldman (1869–1940) schrieb:

„Meiner Ansicht nach sollten Rede- und Pressefreiheit bedeuten, dass ich sagen und schreiben kann, was ich möchte. Dieses Recht wird zu einer Farce, wenn es durch Verfassungsbestimmungen, Gesetzeserlässe, allmächtige Entscheidungen der Zensurstelle oder der Polizei geregelt wird. Mir ist durchaus bewusst, dass man mich vor den Folgen warnen wird, die uns erwarten, wenn wir der Meinungsäußerung und der Presse die Fesseln abnehmen. Dennoch glaube ich, dass die Heilung dieser Folgen der unbegrenzten Ausübung der Meinungsfreiheit in noch mehr freien Meinungsäußerungen bestehen wird.“

(aus: Emma Goldman – Was ich denke, in: Emma Goldman – Anarchismus & andere Essays, Unrast Verlag, 2013, S. 25)

Der Sozialphilosoph und Community-Anarchist Paul Goodman (1911–1972) schrieb:

“Das Verhältnis von Theorie und Praxis, von einer wissenschaftlichen Aussage zu ihrer praktischen Anwendung, ist eine schwierige Sache; jedoch muss die absolute Freiheit der Meinung und Presse in jedem Fall vorrangig berücksichtigt werden. Sonst kann man nicht leben und atmen.”

(aus: Paul Goodman – Das Schicksal der Bücher von Dr. Reich, in: Paul Goodman – Natur heilt, EHP Verlag, 1989, S. 105)

Der bekannte Sprachwissenschaftler und Anarcho-Syndikalist Noam Chomsky schrieb:

“If you believe in freedom of speech, you believe in freedom of speech for views you don’t like. Stalin and Hitler, for example, were dictators in favor of freedom of speech for views they liked only. If you’re in favor of freedom of speech, that means you’re in favor of freedom of speech precisely for views you despise.”

(aus: Noam Chomsky, Manufacturing Consent: Noam Chomsky and the Media, 1992)

Der Astronom, Astrophysiker und marxistische Rätekommunist Anton Pannekoek (1873–1960) schrieb:

„Es gibt Gruppen und Parteien, die behaupten im ausschließlichen Besitz der Wahrheit zu sein, und die die Arbeiter, unter Ausschluss jeder anderen Meinung, durch ihre Propaganda zu gewinnen versuchen. Durch moralischen und, wenn sie die Macht haben, auch materiellen Druck, versuchen sie, den Massen ihre Ansichten aufzuzwingen. Es sollte klar sein, dass das einseitige Lehren eines bestimmten Systems von Doktrinen nur dazu dienen kann, und tatsächlich auch dienen soll, gehorsame Anhänger zu erziehen, um damit eine alte Herrschaft aufrecht zu erhalten oder eine neue vorzubereiten. Die Selbstbefreiung der arbeitenden Klasse erfordert Selbstdenken, Selbstwissen, erfordert das Erkennen von Wahrheit und Irrtum durch eigene geistige Anstrengung.
(…)
So ist unbegrenzte Freiheit der Meinungsäußerung und der Diskussion im Kampfe der Arbeiter so nötig wie die Luft zum atmen. Vor mehr als einem Jahrhundert verteidigte Shelley, Englands größter Dichter des 19. Jahrhunderts, das Recht und die Pflicht der freien Meinungsäußerung für Jedermann gegen eine despotische Regierung.

„Der Mensch hat das Recht auf uneingeschränkte Diskussionsfreiheit.“ (…) „… es kann auch kein Gesetzesakt dieses Recht zerstören.“

Shelley ging von philosophischen Überlegungen aus, als er die natürlichen Rechte des Menschen proklamierte. Für uns ergibt sich die Proklamierung der Freiheit von Rede und Presse aus ihrer Notwendigkeit für die Befreiung der Arbeiterklasse. Die Diskussionsfreiheit zu beschränken heißt, die Arbeiter daran zu hindern, das von ihnen benötigte Wissen zu erwerben. Jede alte Despotie, jede neue Diktatur fing damit an, die Freiheit der Presse zu verfolgen und zu verbieten; jede Beschränkung dieser Freiheit ist der erste Schritt, die Arbeiter unter die Herrschaft irgendwelcher Herrscher zu bringen.

Müssen die Massen dann nicht etwa gegen die Unwahrheiten, die falschen Darstellungen, die betrügerische Propaganda ihrer Feinde beschützt werden? Ebensowenig wie in aller Erziehung ein sorgfältiges Fernhalten übler Einflüsse die Fähigkeit entwickeln kann ihnen zu widerstehen und sie zu überwinden, ebenso wenig kann die Arbeiterklasse durch geistige Vormundschaft zur Freiheit erzogen werden. Wer soll entscheiden, wenn sich die Feinde in der Maske des Freundes zeigen und wenn in dem Gegensatz der Meinungen jede Partei dazu neigt, die anderen als eine Gefahr für die Klasse zu betrachten?

Natürlich die Arbeiter selbst (…)“

(aus: Anton Pannekoek – Arbeiterräte. Texte zur sozialen Revolution, Germinal, 2008, S. 113 f. )

Nochmal Noam Chomsky zur Redefreiheit (diesmal auf deutsch und mit exakter Quellenangabe):

„Wenn man an die Redefreiheit glaubt, dann ist das eine Redefreiheit für Meinungen, die einem nicht gefallen. Goebbels war auch für die Redefreiheit – bei Ansichten, die ihm passten. Stimmt´s? Stalin genauso. Wenn Sie also für Redefreiheit eintreten, dann bedeutet das die Freiheit, eine Meinung zu äußern, die Sie widerlich finden. Andernfalls wären Sie überhaupt nicht für Redefreiheit. Zur Redefreiheit kann man nur zwei Haltungen einnehmen, und jeder trifft seine Wahl.“

(aus: Noam Chomsky – Wege zur intellektuellen Selbstverteidigung. Medien, Demokratie und die Fabrikation von Konsens, Marino, 1996, S. 184)

Und noch ein Zitat zur Redefreiheit:

Der Schriftsteller und Anarcho-Kommunist Alexander Berkman (1870-1936) schrieb:

„There is free speech for those only who voice popular ideas – ideas approved of by the powers that be. But free speech has no significance whatever unless it means freedom to express unpopular ideas. (…) But in order that we may separate the chaff from the wheat, every idea must be sure of a hearing. That is the meaning of free speech and free press: absolute freedom of expression. (…) We urge those who believe in real, unconditional freedom of speech and press to manifest their attitude by helping us in this important fight. (…) We ask our friends to cooperate with us and thus aid our determination to fight for uncensored freedom of expression.”

(aus: Alexander Berkman – Life of an Anarchist. The Alexander Berkman Reader, Seven Stories Press, 2004, S. 128)

Der norwegische Schriftsteller und Anarchist Jens Björneboe (1920 – 1976) schilderte in einem Artikel aus dem Jahre 1970 seinen Eindruck eines Mangels an Wertschätzung für die Meinungsfreiheit in Deutschland, ein Zitat:

„(…) diese Bundesrepublik muss da also Garant und Verteidiger der Geistesfreiheit sein.
Ist dieser Eindruck richtig?
Die Antwort kann sofort gegeben werden: nein, das ist schwachsinnig. Weder das deutsche Volk, noch die herrschenden Kreise in Wirtschaft und Politik sind im geringsten an Informations- und Ausdrucksfreiheit interessiert. So lange die Hochkonjunktur anhält, und das Land seine Ökonomie ausweiten und entwickeln kann, d.h. so lange es Gewerbe- und Bewegungsfreiheit hat, wird sich praktisch niemand um die Freiheit sorgen, die am unscheinbarsten ist, aber dennoch die Voraussetzung für ein einigermaßen gesichertes Rechtsleben und eine anständige Gesellschaft – um die freie Kritik und ihre Bedingungen.“

(aus: Jens Björneboe – Informations- und Ausdrucksfreiheit in West-Deutschland, in: Jens Björneboe – Wider den Bevormundermenschen. Aufsätze und Pamphlete zu Kultur und Politik, Trotzdem Verlag, 1980, S. 61)