Arbeitsurlaub

Liebe Leserinnen und Leser, Senatoren, edle Römer! Ich möchte meine Tätigkeit für »Geschlechterallerlei« bis auf weiteres ruhen lassen. Das hat keinen spektakulären, sondern einen ganz handfesten, praktischen, geradezu banalen Grund: ich habe in der letzten Zeit wieder vermehrt über mein in Arbeit befindliches Buchprojekt gegackert, aber das Ei ist noch immer nicht gelegt.

Ich habe nun, erstens, in der Winterpause festgestellt, wie effektiv es für mich war, mich konsequent aus jeglichen Blogdiskussionen herauszuhalten, zweitens ist mir klar geworden, dass mir mein monatlicher GA-Termin zusehends im Weg steht, weil ich mich mit Themen auseinandersetze, die zu dem großen Projekt keinen direkten Bezug haben, und drittens weiß ich mittlerweile, dass ich neben Beruf, Familienleben und einigen weiteren Verpflichtungen, die ich ohnehin schon so knapp wie möglich zu halten versuche, buchstäblich jede noch freie Stunde benötigen werde, um mein Vorhaben durchzuziehen. Meine umfänglichen drei Jack-Donovan-Artikel waren insofern eine Ausnahme, als ich für mich selbst eine Antwort auf die leidige »Links-Rechts«-Thematik eine Antwort finden wollte, die mir sonst beharrlich im Weg gestanden wäre.

Das bedeutet zudem auch, dass ich mich auch an Blogdiskussionen bis auf weiteres kaum noch beteiligen und insbesondere die Teilnahme an großen Kommentarschlachten und Grundsatzdiskussionen vermeiden werde, auch wenn ich mich mir die eine oder andere Anmerkung wohl nicht werde verkneifen können. Wenn ich mich also in der nächsten Zeit in unserer Blogosphäre selten machen sollte, dann darum, weil ich mich auf das – für mich – Wesentliche konzentrieren möchte. Und wenn das Ei dann mal gelegt ist, werde ich auch rechtzeitig wieder zu gackern anfangen.

Zum vorläufigen Ausklang ein bißchen Pathos – die »Warschawjanka«, ein altes russisches Arbeiterlied:

Yet another Weihnachtsgruß …

Bekannte Melodie, ungewohnter Text:

The Red Flag

The people’s flag is deepest red,
It shrouded oft our martyred dead,
And ere their limbs grew stiff and cold,
Their hearts‘ blood dyed its every fold.

Chorus:
Then raise the scarlet standard high.
Within its shade we live and die,
Though cowards flinch and traitors sneer,
We’ll keep the red flag flying here.

Look round, the Frenchman loves its blaze,
The sturdy German chants its praise,
In Moscow’s vaults its hymns were sung
Chicago swells the surging throng.

(Chorus)

It waved above our infant might,
When all ahead seemed dark as night;
It witnessed many a deed and vow,
We must not change its colour now.

(Chorus)

It well recalls the triumphs past,
It gives the hope of peace at last;
The banner bright, the symbol plain,
Of human right and human gain.

(Chorus)

It suits today the weak and base,
Whose minds are fixed on pelf and place
To cringe before the rich man’s frown,
And haul the sacred emblem down.

(Chorus)

With head uncovered swear we all
To bear it onward till we fall;
Come dungeons dark or gallows grim,
This song shall be our parting hymn.

Im angelsächsischen Sprachraum wird diese Melodie des öfteren mit weltlichen Texten kombiniert. Am Beginn des amerikanischen Sezessionskriegs wurde sie auch für ein Lied verwendet, das 1939 zum offiziellen state song des Staates Maryland wurde:

Schöne Weihnachtsfeiertage euch allen!

Mittelalterlicher Gerichtskampf: Mann gegen Frau

Bis an die Grenze der Neuzeit war im germanischen Recht der Zweikampf zwischen Ankläger und Angeklagtem ein legitimes Mittel zur Feststellung der Wahrheit einer Beschuldigung, wenn sie nicht anderweitig zu klären war. Üblicherweise verbindet man damit die Idee eines Zweikampfs zwischen Männern. Dieses Rechtsinstitut galt jedoch allgemein für alle Adligen und Freien und schloss auch Frauen ein, sofern diese keinem Vormund unterstanden, also insbesondere unverheiratete Frauen und Witwen (Megede und Wedewen im Sachsenspiegel).

Jeder Gerichtskämpfer, der es sich leisten konnte, konnte einen Lohnkämpfer bezahlen, der anstelle des Klägers oder Beklagten in die Schranken trat. Das führte dazu, dass es berufsmäßige Lohnkämpfer gab, die damit ihren Lebensunterhalt verdienten und dementsprechend in den Fechtkünsten bewandert waren. Einer dieser Fechtkünstler war der im 15. Jahrhundert lebende Hans Talhoffer, der darum bekannt ist, weil er die Summe seiner Künste als Bilderhandschrift hinterlassen hat, die uns aus dem Jahre 1467 überliefert ist. In dieser Handschrift stellen neun von insgesamt 270 Tafeln den gerichtlichen Zweikampf zwischen Mann und Frau dar.

Abb. 1: Hans Talhoffer

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Feminismus: von der Bewegung zum Apparat

Im folgenden recycle ich drei Forenkommentare, die ich zu dem von Bettina und Alexander Hammer verfassten Telepolis-Artikel Rolling-Stone-Journalistin wegen böswilliger Verleumdung verurteilt gepostet habe, zu einem kurzen Artikelchen (auf Blogs sollte ich nicht immer nur Fußlappen publizieren). Dies darum, weil sie aufgrund knapper Nachfragen des heise-Forenten FautduJour inhaltlich vertiefend aufeinanderfolgen und mir ermöglicht (bzw. mich dazu genötigt) haben, ein zentrales Argument ausnahmsweise einmal knapp zu fassen. 🙂

Ausgangspunkt war, dass Bettina und Alexander Hammer im Text des Artikels den Kommentar des für sein ideologisches Hardlinertum berüchtigten heise-Forenten demon driver ausschnittsweise zitiert hatten.

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Der Weg des Jack Donovan. Teil 3: »Becoming a Barbarian«

Im folgenden Blogpost beschließe ich meine Trilogie zu Jack Donovan mit einer Darstellung seines jüngsten Buches, Becoming a Barbarian, sowie einer ausführlichen Diskussion der politisch rechtsstehenden Anklänge, die insbesondere diese Schrift enthält. Dabei werde ich die einzelnen Abschnitte, deren Inhalte ich zusammenfasse, zugleich unter Bezugnahme auf Texte der intellektuellen Neuen Rechten interpretierend kommentieren, um den von Donovan aufgespannten thematischen Bogen nur einmal abschreiten zu müssen, anstatt Darstellung und Deutung in zwei geschlossenen Blöcken unterzubringen. Auf diese Weise sollte auch der Rahmen, in den ich Donovan mit meiner Interpretation stelle, zu einem frühen Zeitpunkt erkennbar werden. Alle Seitenangaben ohne zusätzlichen Titelverweis beziehen sich auf Becoming a Barbarian. Da ich in der Arbeit an diesem Blogpost auch für mich persönlich eine theoretisch unterfütterte, grundsätzliche Stellungnahme zur politischen »Links-Rechts«-Unterscheidung erarbeitet habe, hat mich dieser Post deutlich mehr Zeit gekostet, als ich erwartet hatte. Ich habe nicht versucht, alle losen Enden, die der Text noch aufweisen mag, zusammenzuknüpfen, da er auch so schon lang genug ist.

Popmusik gibt es diesmal zur Einstimmung schon am Anfang: »Goj, Rode, Goj« von »Arkona« – barbarengerechtes, heidnisches Metall aus dem Reich des Bösen!

(Teil 2: »The Way of Men«)

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Der Weg des Jack Donovan. Teil 2: »The Way of Men«

(Teil 1: »Androphilia«)

In »The Way of Men« unternimmt Donovan den Versuch, nachzuliefern, was er seit Erscheinen von Androphilia als Desiderat wahrgenommen hatte: eine positive Definition dessen, was er unter »Männlichkeit« versteht. »Positiv« nicht nur im Sinne einer Wertung (die lag schon in Androphilia vor), sondern im Sinne einer detailliert begründeten Definitionssetzung. Dazu bestimmt er einen elementaren Situationstyp, auf den »Männlichkeit« anthropologisch zugeschnitten ist, und entfaltet sodann eine Beschreibung von Merkmalen, die Männer zur Bewältigung von Situationen dieses Typs entwickelt haben. Dazu erinnert er daran, dass die ursprüngliche Lebensform des Homo Sapiens darin bestand, sich in kleinen, relativ isolierten Sippenverbänden und mit nur temporären Lagerplätzen in Abhängigkeit von Witterung und Nahrungsangebot über die Erde zu bewegen. Eine elementare Situation des Mannes bestand also darin, auf dem Marsch und beim Lagern einen Sicherheitsbereich der Gruppe gegen die Umwelt abzustecken sowie diesen zu überwachen und bei Bedarf zu verteidigen.

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Der Weg des Jack Donovan. Teil 1: »Androphilia«

Im Folgenden beginne ich eine dreiteilige Artikelreihe, die sich mit dem maskulistischen Denken von Jack Donovan befasst, einem amerikanischen Autor der »alternativen Rechten« und bekennenden Homosexuellen. Dass ich einem dezidiert »rechten« Autor hier Raum und Gehör einräume, hat verschiedene Gründe. Der wichtigste Grund ist eine persönliche Irritation: auf der einen Seite (a, zeitlich früher liegend) ist Donovan ein Autor, dessen Kritik der (amerikanischen) Schwulenszene ich sehr plausibel finde und die über weite Strecken der Kritik parallelisiert werden kann, die Männerrechtler an der feministischen Ideologie üben. Diesen Teil werden wir zuerst kennenlernen. Auf der anderen Seite (b, zeitlich später liegend) ist Donovan ein Autor, der sich Plattformen wie »American Renaissance« als Redner zur Verfügung stellt, auf denen kaum verhohlen das Gedankengut eines weißen Suprematismus sowie rassenbiologische Theorien propagiert werden. Diesen Teil werden wir später kennenlernen. Mein Anliegen ist es, herauszufinden, wie man von (a) nach (b) gelangt, welche Weichenstellungen der Autor auf diesem Weg vorgenommen hat und welche Alternativen an den Punkten dieser Weichenstellungen möglich gewesen wären.

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