#Barley : Frauenquote mit der Brechstange

[Vorsicht: Glosse!]

Wer aufmerksam die Nachrichten verfolgt, hat es schon mitbekommen: Justizministerin (und frühere Richterin) Katharina Barley (SPD) regt eine Änderung des Wahlrechts an, damit mehr Frauen in den Bundestag kommen.

Treffend kommentiert wird dies aus Kreisen der FDP:

Als „doppelt irritierend“ bezeichnete der erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, den Vorstoß. „Denn auch noble Ziele darf man nicht mit verfassungswidrigen Vorschlägen verfolgen. Das gilt erst recht für eine Bundesjustizministerin.“

Quelle: tagesschau.de

Man fragt sich, warum gerade jemand, der vom Fach ist, mit solchen Vorschlägen kommt. Ob nun verfassungswidrig oder nicht, sei mal dahingestellt (darüber können wahrscheinlich auch Experten vorzüglich streiten), jedoch ist es in der Tat befremdlich, wenn mit Hilfe einer Wahlrechtsänderung Personen in den Bundestag gehievt werden sollen, die es ohne die Änderung nicht schaffen würden. Eigentlich ist unser Wahlsystem doch demokratisch und gerecht genug, sollte man meinen.

Im Übrigen schlage ich im Rahmen einer potentiellen Wahlrechtsänderung vor, dass parteilose Einzelkandidaten ebenfalls bessere Möglichkeiten erhielten, ins Parlament einzuziehen, anstatt dass es faktisch nur über Parteien funktioniert. Denn schaut man in den Bundestag, wird man wohl kaum Leute ohne Parteibuch finden. Dabei ist die weit überwiegende Mehrheit der Wähler keiner Partei zugehörig und ist entsprechend schlecht im Bundestag repräsentiert. Na, Frau Barley, wie wär’s? Das wäre doch auch mal ein richtiges SPD-Thema nach altem Schlag: mehr Macht dem einfachen Volke.

Für mehr Frauen im Bundestag dann noch der gut gemeinte Rat, Frauen mit vorgehaltener Waffe zur Kandidatur zu zwingen und mit Gefängis im Falle des Scheiterns zu drohen. So motiviert dürfte sich der weibliche Anteil bestimmt steigern lassen.

Aber berechtigten Sarkasmus beiseite. Der eigentlicher Grund für diesen Vorschlag dürfte die Europawahl im Mai 2019 sein, für die Frau Barley antreten „darf“ (in einem TV-Interview nach der Nominierung Barleys als Spitzenkandidaten klangen ihre Ausführungen auf die Frage, warum sie denn den kurz zuvor erlangten Ministerposten jetzt für eine EU-Kandidatur aufgibt, recht unergiebig …).  Motto: „Wird eh nicht praktisch umgesetzt, klingt aber gut in Frauenohren und jede Wählerstimme zählt“ (insbesondere für eine 15%-Minus-X-Partei).

Viel Glück für die Europawahl, Frau Barley, vermutlich ist es noch nicht für alle SPD-Ministerkollegen in trockenen Tüchern, wo sie nach dem Auseinanderbrechen der „großen“ Koalition unterkommen.

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ZEIT: Männer schuld, dass Sophie Passmann nicht so witzig ist

Die bekannte Poetry-Slammerin, Feministin und selbst ernannte Komikerin Sophie Passmann gibt ein Interview in der Zeit zur Frauenfrage. Wer das Interview vollständig lesen will, kann das prätentiöse Geschwafel am Anfang getrost überfliegen. Erst ab der zweiten Hälfte wird es interessant:

ZEITmagazin: Was glauben Sie: Haben Sie es als lustige Frau karrieretechnisch leichter oder schwerer als männliche Kollegen?

Passmann: Das hängt vom Markt ab, und es gibt gerade eine Nachfrage nach lustigen Frauen. Bei der Planung vieler Shows heißt es oft: Wir brauchen noch eine Frau. Auf der Ebene habe ich es leichter, weil ich Anfragen bekomme, die ich als Mann nicht zwangsweise bekommen hätte.

Ach guck an. Ist das jetzt Feminismuskritik?

Aber wenn man zwei Schritte zurückgeht, muss man sagen: Krass! Wir haben 2018, und das Öffentlich-Rechtliche bekommt es nicht hin, dass 50 Prozent seiner Komiker weiblich sind.

Nein, Gott sei Dank, alles wieder im Lot. Du Dummchen, was willst du den Öffentlich-Rechtlichen hier vorwerfen? Du sagst selber, dass die gezielt Frauen in die Comedy-Shows holen, weil sie Frauen sind und einen Satz später beklagst du dich, dass sie zu wenig Frauen in den Comedy-Sendungen zeigen? Ja, sollen sie die aus dem Hut zaubern? Und warum genau sollte hier 50:50 herrschen? Ist Comedy für dich nur eine Angelegenheit von Geld und Machtpositionen?

ZEITmagazin: Vielleicht sind Frauen weniger lustig.

Passmann: […] Ich glaube, ich kenne mehr lustige Männer. Es liegt an der Erziehung. Mädchen kriegen vermittelt, dass Lächeln und Nettaussehen wichtiger sind als Sprücheklopfen.

Wenigstens gibt sie es zu, aber dann gleich dieser politische Reflex. Woher nimmt sie diesen Eindruck, dass Jungs der Humor anerzogen wird oder er Mädchen abtrainiert wird? Ich habe eine andere Erklärung: Humor braucht ein gewisses Maß an Mut und Aggressivität – beides männliche Eigenschaften. Männer werden auch nicht zum Sprücheklopfen erzogen. Mein Eindruck ist eher das Gegenteil – die Erziehung versucht heute Jungs überzudisziplinieren, eben weil sie für die moderne Gesellschaft zu mutig und aggressiv sind und gibt ihnen obendrein kaum würdevolle Vorbilder. Damit provoziert die Erziehung erst den typisch männlichen frechen Witz als Gegenreaktion gegen das lächerliche, verklemmte und bigotte Gouvernanten- und Spießertum, das die Schulen, Kindergärten, bürgerlichen Elternhäuser, Wirtschaft, Politik und Medien beherrscht. Da Mädchen nun natürlicherweise weniger rebellisch sind als Jungs, sind sie entsprechend auch weniger humorvoll. Das wäre meine Erklärung zum „gender_joke_gap“. Weiter Passmann:

Außerdem hat Humor etwas mit Intelligenz zu tun. Ich habe mal auf Twitter einen Witz gemacht, dessen Pointe ein offensichtlicher Logikfehler war. So was wie: „Alle Allgäuer trinken Milch, alle Milchtrinker sind Allgäuer.“ Daraufhin hat der damalige Chefredakteur einer großen Tageszeitung geantwortet, ich solle mal besser ein Logikseminar belegen. Für Humor muss man ja Dinge verstanden haben, und das hat er mir nicht zugetraut.

Direkt danach meint sie, dass sie oft nicht ernst genommen werden würde, weil sie weiblich und unter 50 ist. Insofern wirft sie diesem Chefredakteur also vor, dass er ihr als junger Frau wenig Intelligenz zutrauen würde, weil er nicht gemerkt hat, dass irgendein Tweet von ihr ein Witz gewesen sei. Implizit will sie damit sagen, dass die Männer die Witze der Frauen nicht verstehen, weil sie den Frauen keine Intelligenz zutrauen. Das halte ich für groben Unfug. Könnte es nicht einfach sein, dass dieser Chefredakteur deswegen ihren Witz nicht verstanden hat, weil der „Witz“ einfach nicht lustig war? Oder könnte es nicht auch sein, dass er deswegen den Witz nicht bemerkt hat, weil er dieser Frau zurecht wenig Intelligenz zutraut und weil Feministen eben auffällig oft zu Logikfehlern neigen, die sie aber ernst meinen?

Von welchem Tweet sie redet ist unbekannt und kaum recherchierbar. Zur Beantwortung dieser Fragen müssen wir also wohl die Witzigkeit, das logische Denken und auch die Ehrlichkeit dieser Frau einschätzen. Anhand ihrer nachfolgenden Aussagen gelingt das ganz gut:

[…] Ich mache zum Beispiel öfter Witze über Lohnungleichheit und bekomme dann von älteren Herren im Internet erklärt, warum der Gender-Gap von 21 Prozent statistisch so nicht stimme. Dann sage ich: Ich habe an der Uni Statistik-Tutorien gegeben, das brauchst du mir nicht zu erklären. Vor allem: Du hast es mir gerade falsch erklärt.

Das selbstgerechte Gejammer über „Mansplaining“. Jede Wette, dass die „älteren Herren“, ihr einfach nur erklärt haben, dass bei den 21% unbereinigten GPG Äpfel mit Birnen verglichen werden und diese Zahl daher keine Aussage über Diskriminierung zulässt. Die ZEIT hakt hier natürlich nicht nach, sondern lässt Passmann diese höchst wahrscheinlich entweder gelogene oder dumme Aussage durchgehen, auch wenn die ZEIT natürlich längst weiß, was hinter dem GPG steht. Weiter im Text:

Passmann: […] Ich lebe in einem System, in dem man als junge lustige Frau mehr machen muss als ein Kerl. Ich habe mein Studium schneller beendet, als ich gemusst hätte. Ich lese wie besessen. Es ist eine Mischung aus Besessenheit und Fleiß.

Sagtest du nicht vor zwei Minuten noch, dass Frauen es in der Comedy-Branche leichter haben, weil sie gezielt gesucht werden? Ein Logikfehler oder einfach nur gelogen? Und schön, dass du so fleißig und belesen bist. Aber erstens scheint es dich nicht groß weitergebracht zu haben und zweitens hat das nichts mit Comedy zu tun.

Was sagt ihr? Ist das nicht eine super witzige, kluge und sympathische Frau? Würdet ihr die nicht auch sofort zu einem Interview einladen und habt ihr jetzt nicht alle meeega Bock, euch einen richtig hippen, flippen und feministisch korrekten Poetry-Slam von ihr reinzuziehen?

JAAAA!!!! 😀 😀 😀

Naaaa gut, aber nur einen! Einen Poetry-Slam hab ich auf YT allerdings nicht gefunden, was vielleicht etwas über deren Qualität aussagt. Dafür gibt’s einen Auftritt bei Böhmermann:

Ich bin mir nicht sicher, ob ihre anstrengende schmallippige Genervtheit zu ihrer Rolle gehört oder ob sie es einfach nicht besser kann, weil sie Böhmermanns feminismuskritischem Spott nichts entgegensetzen kann. Wahrscheinlich verstehe ich als Mann auch einfach ihre komplexe humoristische Performance nicht, weil ich ihr als Frau zu wenig Intelligenz zutraue. Jedenfalls finde ich sie hier echt nicht lustig und teilweise oberlehrerhaft und vermute mal, dass sie vor allem wegen ihrer Vagina und ihrem politischen Profil in die ZDF-Show gekommen ist (siehe ihre Aussage am Anfang des Interviews). Wenn Passmann ihre Femi-Platte auflegt ist sie in etwa so humorvoll wie Erich Honecker. Und nein, Honecker war nicht deswegen so unlustig, weil ihm die patriarchale Erziehung vermittelt hat, dass „Lächeln und Nettaussehen wichtiger sind als Sprücheklopfen“, sondern einfach deswegen, weil er ein versteifter, heuchlerischer, maschinenhafter und würdeloser Funktionär war. Witzig kann nur ein autarker Geist sein, aber ein Hampelmännchen der eigenen Ideologie kann nur Propaganda von sich geben. Man kann sich höchstens noch darüber lustig machen.

„Guter“ Sexismus bei den Grünen

Zu einem Schenkelklopfer im bayrischen Wahlkampf-Bierzelt kam es kürzlich aufgrund dieser Aussagen von Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze:

Dem „breitbeinigen Söder“ wirft Schulze vor, das Friedensprojekt Europa kaputt machen zu wollen. Dann liest sie die Definition des Ausdrucks „zum Horst machen“ aus einem Werk für Kinder vor, nennt Verkehrsminister Andreas Scheuer einen „digitalen Flachwurzler“. Damit hat Schulze die Lacher auf ihrer Seite, gerade in der vorderen Zelthälfte.

Quelle: FOCUS

Sieh mal einer an. Die Grünen entdecken die Lust an der politischen Inkorrektheit. Oder, um es mit einem Sinnspruch auszudrücken: Der Zweck heiligt die Mittel. Guter Sexismus, sozusagen. Wie sonst sollte man „breitbeinig“ deuten, wenn nicht so, dass es eine Anspielung auf das männliche Genital sein soll, als Metapher für einen „testosterongesteuerten“ politischen Gegner?

Klar, Frau darf so was sagen … da läßt man vieles durchgehen. Mann sein ist sowieso unmodern geworden. Da darf man ruhig mal darauf hinweisen, wie „falsch“ diese Gattung politisch unterwegs ist, aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften.

Hoffen wir, dass Frau Schulze ihre politischen Ämter künftige besser ausfüllen kann. Schön wäre es, gelänge es so gut wie bei ihrem feschen, konservativ-anbiedernden Dirndl.

Leider wird es wohl eher eine Hoffnung bleiben, wenn man sieht, welche Geisteshaltung immer mal wieder aufblitzt. Ist ja nicht die erste sexistische Auslassung. Siehe hier.

 

 

 

Julie Bindel’s personal Gender Empathy Gap

Ich finde momentan nicht viel Zeit zum Bloggen, möchte aber mit dem folgenden Kurzbeitrag wenigstens symbolisch (und etwas verspätet) Gunnar Kunz‘ Initiative zum Gender Empathy Gap Day honorieren. Anlass ist ein Zitat, über das ich kürzlich gestolpert bin, welches in meinen Augen einen solchen »Empathy Gap« auf drastische Weise zum Ausdruck bringt.

Weiterlesen „Julie Bindel’s personal Gender Empathy Gap“

Der ESC, #metoo, die Verlogenheit

Netta, eine Sängerin aus Israel, hat den Eurovision Song Contest mit einem seltsamen Titel und einer schrägen Darbietung gewonnen. Zwei Ausschnitte aus dem Text ihres Songs „Toy“:

Wonder woman, don’t you ever forget
You’re divine and he’s about to regret

[…]

I’m not your toy
You stupid boy
I’ll take you down
I’ll make you watch me

Auf deutsch also ungefähr: „Wunderfrau, vergiß nicht, du bist göttlich und er wird’s bereuen. Ich bin nicht dein Spielzeug, du dummer Junge. Ich zieh dich runter. Ich werde dich dazu bringen, mich anzuschauen“.

Aus der Presse erfährt man dazu (in diesem Fall habe ich mir nach kurzem Googeln einen Beitrag der „Aargauer Zeitung“ herausgesucht):

Das von dem israelischen Komponisten Doron Medalie und dem Texter Stav Beger geschriebene überwiegend englischsprachige Gewinnerlied „Toy“ sei eine Antwort auf die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung in der Unterhaltungsbranche, so die Sängerin. Die Botschaft an junge Frauen: Nehmt Euch an, so wie Ihr seid und seid stolz auf Euch selbst. Ihr seid nicht das Spielzeug (toy) von Männern.

Mission accomplished – wie gewünscht verfehlte der am aktuellen Thema konstruierte Song nicht seine Wirkung und sowohl Fachjury als auch das sich die Finger wundwählende Publikum brachten das Lied auf die Nr. 1 der Auswertung.

So weit, so gut. Eben ein weiteres Element des Protestes gegen ungewollte Berührungen oder sexuellen Mißbrauch.

Aber so richtig schräg wird die Nummer, wenn man sich anschaut, mit wem sich die Israelin ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Krone lieferte. Nämlich mit der Sängerin Eleni Foureira, die für Zypern antrat und zwar in einem Outfit, für das die Bezeichnung „knapp“ untertrieben wäre (bitte selbst googeln oder sich das Video vom Auftritt ansehen). Beide Sängerinnen waren gegen Ende der Punktevergabe zeitgleich auf dem Bildschirm.

Schräg ist es deshalb, weil beim zypriotischen Auftritt die Masche „Sex sells“ angewandt wurde. Mit dem israelischen Beitrag beklagt man sich über Tatschereien und andere Belästigungen, mit dem Beitrag aus Zypern soll der Fisch über nackte Haut, enganliegende Kleidung und sexy Tanzbewegungen an den Haken.

Nun könnte bei diesem Zusammenhang eingeworfen werden, dass weder nackte Haut, knappe Kleidung noch aufreizende Bewegungen als Einladung zu irgendwelchen, von einer Frau unerwünschten Handlungen gesehen werden können.

Womit ich beim Punkt Verlogenheit angekommen wäre. Oder zumindest beim Punkt der naiven Dummstellerei.

So verständlich es auch ist, wenn sich Frauen, gegen unerwünschte Annährungen stellen, sollte nicht die Diskrepanz aus den Augen verloren werden, dass Frauen andererseits ihre Reize bewußt einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen.

Ob nun bezüglich des Gewinns des ESC, um in der Karriere voranzukommen (ja, auch so etwas soll es geben …) oder um sich den gewünschten Mann als Partner zu angeln. Seltsamerweise will gerade in letzterem Punkt niemandem auffallen, dass dem Mann dabei sprichwörtlich „der Kopf verdreht“ (= der Verstand überwunden) werden soll. In dem Fall ist es erwünscht. Wenn es unerwünscht ist, soll hingegen der Verstand die Reize überwinden.

Bevor möglicherweise der nächste Einwand kommt, dass mit dieser Argumentation die Gesamtheit der Männer unter dem Deckmantel einer „biologischen Konditionierung, der sich die Männer quasi nicht erwehren können“, in Schutz genommen werden soll: Nein, soll sie nicht. Männer sind keine triebgesteuerten Tiere.

Was ich mit diesem Blogbeitrag bezwecken will, ist die Bewußtmachung der durchaus unterschiedlichen Herangehensweisen individueller Frauen im Umgang mit den eigenen Reizen. Und „manchmal“ auch die Herangehensweise ein- und derselben Frau zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Frauentag 8.März: Feministsiche Parlamentarierinnen wollen freie Wahl aushebeln

  1. Paritätsgesetz (Frauenquote) für Bundestag geplant:

Anlässlich des Weltfrauentages haben Politikerinnen von CDU und SPD wieder eine Frauenquote für deutsche Parlamente ins Gespräch gebracht. Es sei zu prüfen, „welche Stellschrauben bei einer Wahlrechtsreform gedreht werden können“, damit wieder mehr Frauen in die Parlamenten einziehen, sagte Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). Dafür plädierten auch die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF).

Hier geht’s weiter. Was auffällt: Der Artikel ist völlig unkritisch. Der ZEIT kommt dieser verfassungswidrige Irsinn ganz normal vor; auch bei der FAZ ist keine Kritik zu lesen. Die Kommentare unter dem ZEIT-Artikel sprechen hingegen eine andere Sprache; fast alle sind ablehnend. Manche sprechen von einer Einschränkung der Demokratie und Unvereinbarkeit mit dem GG. Und natürlich wird fleißig zensiert, wie sich das gehört, wenn das dumme Volk sich gegen ein quotiertes Parlament wehrt.

Hier ist zum Thema schon alles gesagt:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/10/01/schnapsidee-bei-der-spd-frauenquote-fuer-den-bundestag/

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2018/03/04/quotierte-wahl-in-italien/

https://scheidendegeister.wordpress.com/2018/01/12/jammerpolitikerin-frauen-sind-die-falschen-fuer-den-job/#comment-1196

 

2. Frauenstreik in Spanien

Ach ja, ein Frauenstreik. Da kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Einige tausend Frauen in ganz Spanien haben gestreikt und sind gegen irgendwas mit Männern und für irgendwas mit Frauen auf die Straße gegangen.

Taz:

Gründe für den Ausstand gibt es viele. Frauen verdienen, je nach Studie, bis zu 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. 75 Prozent der Teilzeitarbeitsplätze sind von Frauen besetzt. Nur 50 Prozent der arbeitslosen Frauen erhalten Stütze. Bei den Männern sind es 60 Prozent. Außerdem haben nur knapp 38 Prozent der Frauen einen Rentenanspruch, bei den Männern sind es 62 Prozent. Die Renten der Frauen liegen 57 Prozent unter denen der Männer. 42 Prozent der Alleinerziehenden leben an oder unter der Armutsgrenze. 81 Prozent davon sind Frauen.

Klingt nach krasser Diskriminierung und hat sicher überhaupt nichts damit zu tun, dass viele spanische Frauen einen männlichen Ernährer haben oder hatten und hat sicher auch nicht im geringsten was mit persönlichen Lebensentscheidungen zu tun.

Bento (Femi-Magazin vom SPIEGEL) jubelt und spricht von einem „Generalstreik“ von 5,3 Millionen Frauen, der „das ganze Land lahmgelegt“ habe. Da wär ich skeptisch. Wie man feststellen will, wie viele Hausfrauen gestreikt haben, ist mir außerdem nicht ganz klar. Wogegen die Frauen da streiken scheint Bento außerdem relativ wurscht zu sein; einzig von „Gewalt gegen Frauen“ ist die Rede, aber was ist dieser Begriff wert, wenn er von heutigen Feministen benutzt wird?

 

3. ZEIT interviewt Grüne Baerbock zum Thema „Gleichberechtigung“

Baerbock: Sexismus habe ich bei [den Grünen] nicht erlebt. In der Partei haben wir dagegen ja auch vielfältige strukturelle Regelungen, die dem vorbeugen, zum Beispiel Quoten für Ämter.

Diese Quoten sind Ungleichberechtigung, also selbst Sexismus in Bilderbuchformat.

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil bei den Grünen liegt bei 41 Prozent, das ist der beste Wert unter allen im Bundestag vertretenen Parteien. Trotzdem ist das weniger als die Hälfte. Woran liegt das?

Baerbock: Strukturelle Diskriminierung betrifft auch Parteien. Das fängt damit an, dass Parteiveranstaltungen oft abends um 19 Uhr beginnen. Wenn man wie ich kleine Kinder hat, kollidiert das voll mit dem Abendbrot und der Gute-Nacht-Geschichte. Das kann ein Grund sein, der Frauen die Beteiligung erschwert. Flexiblere Zeitmodelle können da helfen. Wichtig ist zum Beispiel auch, Sitzungen so zu begrenzen, dass sie zu einer festgelegten Uhrzeit auch wirklich zu Ende sind. Oder Parteiveranstaltungen jenseits von Parteitagen nicht gleich am Samstag und am Sonntag abzuhalten.

Wenn man keine Zeit hat für Politik, kann man ihr ja fernbleiben. Oder sein politisches Engagement halt auf ein Maß begrenzen, das sich mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Aber über „strukturelle Diskriminierung“ zu jammern, gilt hier nicht. Abgesehen davon ist diese Baerbock natürlich weit entfernt davon, zuzugeben, dass sich Frauen einfach weniger für Politik interessieren. Naja, alter Kaffee. Im Westen nichts neues. Jetzt noch ein kleiner Lacher zum Abschluss und dann gehts ins Bettchen:

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil unter den Grünen-Parteimitgliedern liegt bei 41 Prozent. Von den Grünen-Abgeordneten sind aber 58 Prozent Frauen. Ist das nicht aktive Männerdiskriminierung?

Baerbock: Nein, das ist aktive Frauenpolitik. Ich bin stolz drauf, dass das bei uns so ist.

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Nachtrag:

Ich habe ich schon gefragt, warum sich nur SPD- und CDU-Vertreter an der Initiative beteiligen. Warum nicht auch Grüne und Linke; müssten die nicht besonders begeistert sein? Nein. Ironischerweise befürchten genau diese beiden Fraktionen den Vorstoß von Barley und Kramp-Karrenbauer, denn die hier geplante Parlamentsquote wird für die Unions- und SPD-Fraktion maßgeschneidert sein. In der SPD-Fraktion herrscht eine 40%-Quote und in der Union gibt es keine verbindliche Quote sondern ein 33%-Quorum. Bei der grünen Fraktion hingegen herrschen 50%+ und bei der Linksfraktion 50%. D.h.: Wenn sich SPD und Union mit ihrer Quote durchsetzen wird sich diese zwischen 33 und 40% bewegen. Da es auserdem höchstwahrscheinlich keine Geschlechterquote; d.h. es würde (ähnlich wie in Frk. und It.) die Regelung geben, dass die Fraktion aus min. 40% Frauen und min. 40% Männer bestehen müsste, oder so ähnlich. Und genau damit könnten nun insbesondere die Grünen ein Problem bekommen. Denn die Männerquote von 40% halten sie nur knapp ein. (zur Zeit: 41%). Nicht dass die Grün*innen am Ende noch männlicher werden müssten! Ich vermute, dass das der Grund für die Zzurückhaltung der Grünen ist.

Rebecca Solnit und zweierlei Schweigen im »Patriarchat«

Ich werde ja sofort hellhörig, wenn in öffentlichen Debatten (oder, wie man im Internetzeitalter wohl ergänzen muss, in öffentlichen Debatten von hinreichender geistiger Schöpfungshöhe) tatsächlich explizit die Vokabel vom »Patriarchat« verwendet wird. Jetzt ist sie mir in einer Zeitschrift begegnet, die ich abonniert habe, nämlich in den »Blättern für deutsche und internationale Politik«, die als »politische Fachzeitschrift« gilt und dem eigenen Anspruch nach »die größte politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum« ist, und zu deren Herausgeberkreis unter anderem linksliberale Akademiker wie Micha Brumlik, Dan Diner, Claus Leggewie und Jürgen Habermas gehören. In der aktuellen Ausgabe 1’18 findet sich ein Artikel von Rebecca Solnit mit dem Titel »Die Geschichte des Schweigens oder: Wie das Patriarchat uns mundtot macht« (online nur hinter Paywall), der ausweislich Fußnote auf ihrem jüngst erschienenen Buch »Die Mutter aller Fragen« beruht. Da nun die Frage danach, ob und inwieweit es so etwas wie ein »Patriarchat« überhaupt gibt und gegeben hat und ob es zudem sinnvoll ist, die moderne Gesellschaft als »Patriarchat« zu bezeichnen, für mich »die Mutter aller Fragen« darstellt, habe ich mich entschlossen, meiner Lektüre des Artikels einen Blogpost folgen zu lassen.

Weiterlesen „Rebecca Solnit und zweierlei Schweigen im »Patriarchat«“

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