»Blutwurst«: Jakob Augsteins Plädoyer für den Terror

 

Die um den Hashtag #metoo und die sexuellen Übergriffe Hollywoods entbrannte öffentliche Debatte nimmt an Schärfe zu. Im Deutschlandfunk hat Thea Dorn am 10. November aus Anlass des Hinauswurfs von Kevin Spacey aus »House of Cards« (sowie aus einem Film über Paul Getty) vor zwei Wochen den Vorwurf erhoben, dass wir in einer »hysterisch-bigott hypermoralisierten Gesellschaft« lebten und im Begriff seien, in einen moralischen Totalitarismus zu geraten:

»In so einem System bin ich doch von morgens bis abends nur noch damit beschäftigt zu überlegen, hat mich wer beleidigt, hat mich wer komisch angeguckt, hat mich wer irgendwie genannt, anstatt den Leuten, den Menschen zu sagen: Kinder, das gehört zum Erwachsenwerden, das gehört, um in dieser Welt zu überleben, dass man eine gewisse Abwehrkraft entwickelt.« (Thea Dorn)

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Walexplosion bei der ZEIT: Frauen, hört endlich auf sexy zu sein!

Vorab: allen Leserinnen und Lesern, allen Lesenden und LeserXen, ein ganz herzlichen Glückwunsch zum diesjährigen Walexplosionstag 2017. Am 12. November 1970 strandete ein ausgewachsener toter Pottwal am Strand von Oregon (USA). Die Behörden wollten das Tier beseitigen, aber wie entfernt man einen tonnenschweren Wal? Den riesigen Kadaver im Ganzen ab zu transportieren ist schwierig, also zerlegt man ihn vorher in Stücke. Und wie geht das am schnellsten? Richtig: mit einer halben Tonne (!) Dynamit. An diesem 12. November vor genau 47 Jahren passierte das, was der große Schriftsteller Stefan Zweig eine „Sternstunde der Menschheit“ nennen würde: Ein stinkender schleimiger Walkadaver wurde in tausend Stücke gesprengt und regnete stückchenweise in einem Radius von mehreren hundert Metern auf Land und Leute hernieder. Todesopfer: mindestens ein Auto, das von einem gewaltigen Fleischmeteoriten zerschlagen wurde. Um diesen denkwürdigen Moment zu feiern, veranstaltet mein Mitbewohner jedes Jahr den Walexplosionstag: er bäckt Kuchen und es wird gesoffen: Auf den Irrwitz der Menschheit!

Offenbar möchte sich auch die ZEIT dieser Tradition anschließen, denn der neue „Sexismus“-Artikel bringt den alten stinkenden Kadaver namens „Sexismus“ endlich zur Explosion. Eine neue Qualität wurde erreicht. Und „neue Qualität“ bedeutet nicht „neuer Tiefpunkt“ sondern mehr: Der Artikel ist eine radikale Gesellschaftskritik.

Wenn aber – mit Marx – radikal sein heißt, ein Problem bei der Wurzel zu packen, dann müssen Frauen schon auf dieser tieferen Ebene dazu ansetzen, aus dem asymmetrischen Regime des Gutaussehenmüssens auszubrechen. Sie müssen aufhören, sich zu schminken, zu schmücken und zu stylen, sich selbst permanent als Körper zu präsentieren.

Und radikal bedeutet hier nicht „extrem“ oder „männerfeindlich“ und schon gar nicht bedeutet es „besonders dumm“, sondern radikal bedeutet hier, dass hier tatsächlich das Problem bei der Wurzel (radix) gepackt wird und rücksichtslos rausgerissen wird; Mit allen Konsequenzen wie zum Beispiel herabregnende Kadaverstücke. Operation geglückt; Patient aber leider gestorben. Die Autorin Barbara Kuchler plädiert dafür, dass sich Frauen weniger schön machen müssen, da sie ansonsten Teil des frauenunterdrückenden „Systems“ seien. Ihre Ausgangsthese (die im Artikel leider sehr weit hinten steht) ist äußerst hellsichtig; sie dreht sich um die Doppelbelastung von Frauen:

Und noch eine Warnung an die weiblich-selbstbewussten Frauen, die jetzt sagen: „Ich kann beides, Leistung bringen und gut aussehen, und wer denkt, dass sich das ausschließt, ist Opfer seiner Vorurteile.“ Im besten Fall läuft das auf eine Doppelbelastung von Frauen hinaus, wie wir sie am Punkt „Kinder und Karriere“ schon kennen und fürchten gelernt haben: Es lässt sich eben nicht einfach problemlos beides nebeneinander machen, sondern wer beides macht, bezahlt mit einem insgesamt gesteigerten Stresslevel. Dieselbe Doppelbelastungsgefahr droht auch in puncto „Karriere und Gutaussehen“. Mädchen und Frauen dürfen zwar jetzt auch in Sachen Leistung voll ran, ohne aber in Sachen Aussehen dafür entlastet zu werden.

Und da stimme ich ihr voll zu: Frauen, die glauben, dass sie Barbiepuppe und Bundeskanzlerin sein können machen sich Illusionen und werden an diesen Erwartungen meistens scheitern. Ich finde es daher wunderbar, dass hier eine Feministin klipp und klar die Vereinbarkeitslüge anspricht, an der sich Millionen Frauen in der westlichen Gesellschaft sinnlos kaputt arbeiten. Doch der nächste Schritt, den die Radikalfeministin Kuchler nun gehen muss ist fatal. Da sie als Feministin  selbstverständlich Frauen, wie sie nun mal gerne und freiwillig sind nicht akzeptieren kann und sie unbedingt zu Männern umerziehen muss, platzt nun die Bombe im Walbauch. Hier nur ein paar Häppchen aus dem großen Fundus von fauligen Walspeck-Fetzen:

Schulen: Verschärft eure Kleidungsvorschriften und zwingt Mädchen, ebenso viel von ihrem Körper zu bedecken wie Jungs.

Oder

Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung. Geht nicht mehr als einmal im Vierteljahr zum Friseur.

Und

Politiker, Frauenminister: Droht mit der Regulierung der Modeindustrie! Erwägt Vorschriften, wonach Modefirmen gleich viele Artikel im Frauen- und im Männersortiment haben müssen und gleich viel Geld für deren Produktwerbung ausgeben müssen, oder bestenfalls um einen gewissen, anpassbaren Faktor von 1,5 oder 1,25 differierend. Nein, das ist nicht schön und freiheitlich. Aber dafür spart man hinterher Regulierungsaufwand in Sachen Antidiskriminierung und Anti-Grapsch-Gesetzen.

Leider hab ich nicht so viel Zeit diese ganze radikale Moralisierung, diesen widerwärtigen autoritären Modernisierungseifer, diese kulturfeindliche wahnhafte Gleichheits-Ideologie zu kommentieren. Denn ich muss jetzt Kuchen essen und Bier trinken: Auf den Untergang von Schönheit, Liebe und menschlicher Kultur! Prost!

Die Problematiken des Sexismus auf den Punkt gebracht

Als Erstes habe ich die Augen verdreht, als ich den Titel „Der verunsicherte Mann“ von Tomasz Kurianowicz bei ZEIT-ONLINE las, dachte ich doch, es handle sich um den x-ten Aufguß einer (sexistischen!) Beschreibung der gesamten Männerschaft unserer Gesellschaft, angesichts von weiblichen Errungenschaften, mit denen „Mann nun überhaupt nicht klar kommt“ (angeblich).

Tatsächlich meint der Autor sich höchstselbst und man kann wirklich herauslesen, wie vorsichtig er sich auf einem Minenfeld bewegt. Minen sind bekanntlich versteckt, man weiß nie, welche Stelle sich als vermint offenbart. Aber ich finde, er hat es ganz gut gemeistert, kann man doch so manche Textstelle als Disclaimer verstehen, Motto: „Ja, ich weiß, ich als Mann sollte die Klappe halten, aber wenn ich mal anmerken dürfte …“.

Aber Sticheleien beiseite: Thomasz Kurianowicz hat es auch insofern gut gemacht, indem er wichtige Punkte herausgearbeitet hat. Punkte, die ich hier aber anders beantworten möchte, als er es tut.

Die Frage, die ich mir schon seit Längerem stelle, ist folgende: Kann ich als Mann nachvollziehen, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie sexistisch diskriminiert wird? Kann ich jene Kränkung und Angst nachempfinden, wenn sich ein großer, starker Mann einer schwächeren Frau gewaltvoll nähert? Kann ich die verbale Verletzung einer Frau empathisch nachvollziehen?

Auch hier richtet der Autor die Fragen auf den ersten Blick an sich selbst. Da er sich die Fragen aber unter dem Aspekt des Mann-seins stellt, gelten sie unterschwellig für alle Männer: Können Männer es nachvollziehen / nachfühlen / nachempfinden?

Nun, das hängt vom Wesen des einzelnen Mannes ab. Empathiefähigkeit ist eine individuelle Sache, auch bei Frauen, wenn diese auch in ihrer Gesamtheit als empathischer beschrieben werden. Für meinen Teil möchte ich ausdrücken, dass ich es nachvollziehen kann, wenn Sprüche, Gesten oder gar körperliche Annäherungen als (sehr) unangenehm empfunden werden. Auch Männer sind nicht frei von Erfahrungen in Form der Verletzung von persönlichen Grenzen, ob verbal oder tätlich.

Wo fängt Sexismus an und wo hört er auf? Wann ist er justiziabel und wann eine Respektlosigkeit? Wann ist er ein unglückliches Kompliment und wann eine verbale Attacke?

Diese Fragen finde ich teilweise unglücklich formuliert. Die Frage ist nicht, wo Sexismus aufhört (meines Erachtens fängt dort, wo etwas aufhört, das Nächstschlimmere an) und auch nicht, ob Sexismus justiziabel oder nur ein unglückliches Kompliment ist (beide Punkte unterstellen, dass Sexismus bereits gegeben ist). Nein, die in dieser Diskussion wichtige Frage wurde am Anfang des obigen Zitats gestellt: Ab wann ist irgendetwas Sexismus?

Für die gröberen Formen (antatschen, bewußte verbale Herabwürdigungen usw.) braucht man sich mit einer Beurteilung nicht lange aufhalten. Für alle anderen Dinge hängt es meines Erachtens sehr vom Kontext ab – und davon wie die Empfängeren / der Empfänger es auffaßt. Es geht nicht nur um die Empathiefähgikeit von Dritten, die eine Handlung oder eine Situation nachvollziehen, sondern darum, wie es die Betroffenen selbst sehen (können). Ansonsten landen wir sehr schnell bei einem „eigentlich geht und darf gar nichts“ oder bei einem Katalog von „no-go’s“, über dessen Inhalt dann die nächsten Jahre gestritten wird.

Abends ging ich auf Facebook und las den #MeToo-Bericht einer Bekannten aus Berlin. Ihr Eintrag schockierte mich zutiefst. Sie beschrieb, wie sie kürzlich auf einem Zahnarztstuhl unsittlich berührt wurde: Während einer Zahnbehandlung presste der behandelnde Arzt seinen Schritt gegen ihren Oberarm, so dass sie seinen Penis spürte. Der Arzt nutzte seine Machtposition und ihre Hilflosigkeit aus.

Natürlich ist das nicht ok.

Es folgte ein Telefonat mit der erwähnten Bekannten:

Wir einigten uns schnell, dass ihre Zahnarzterfahrung eine üble Form von sexueller Belästigung war.

Eben. Zwar mögen Übergänge fließend sein, aber hier ist die Sachlage eindeutig. Was hat das also in dem Artikel über Sexismus zu suchen?

Sie [die Bekannte von Tomasz Kurianowicz] machte mir klar, dass ich als Mann immer über eine Selbstsicherheit, über ein Identitätsprivileg verfügen würde, das ich niemals zu reflektieren und abzulegen imstande wäre. Sie sagte, dass die Idee, einen Text über Sexismus aus männlicher Perspektive zu schreiben, schon Teil des Problems sei. Meine Bekannte wurde noch konkreter, noch deutlicher. Sie sagte mir: „Du, Tomasz, bist selbst Teil des Problems.“

Wieder einmal wirft ein Geschlecht dem anderen Geschlecht Sexismus vor und wird dabei selbst sexistisch: Nur weil er ein Mann ist, ist er Problembestandteil.

Und das zwischen (guten?) Bekannten, wobei der männliche Part nicht den Eindruck macht, er wäre zu wenig selbstreflektiert bezüglich seiner männlichen Ausprägungen, wenn man seinen Artikel liest …

Doch jetzt zum wichtigsten Teil (Kleinbuchstaben als Aufzählung von mir eingefügt):

Wenn das Argument meiner Bekannten zuträfe, dann wäre jede weitere Diskussion über Sexismus zwischen Mann und Frau sinnlos. Dann müsste ich mich auf ewig wegducken (a) und hätte nur einen einzigen argumentativen Ausweg – die Gewalttätigkeit meines Geschlechts für immer zu akzeptieren. Besonders nachdenklich stimmte mich ein beeindruckender Essay der Tagesspiegel-Kollegin Anna Sauerbrey: Darin äußert sie die These, dass immer ein Rest Fremdheit zwischen Männern und Frauen bestehen werde – „jene Fremdheit zwischen Verstehen und Empfinden“.

[…]

Ist es denn wirklich unmöglich, sich eine Welt zu imaginieren, in der die Menschen nicht nach ihrem Geschlecht, sondern nach ihrem Wesen wahrgenommen werden? (b) Wollen wir dieses Ideal wirklich aufgeben, so unrealistisch es sein mag? (c) Ich denke, das wäre falsch. Die Fähigkeit zur Empathie erscheint mir unabdingbar auf dem Weg der Annäherung an dieses Ideal – die Empathie für das Fremde, für das andere Geschlecht. Die Annahme von einer unüberbrückbaren Geschlechterdifferenz würde den emanzipatorischen Anspruch des Feminismus ad absurdum führen und unterstellen, dass Männer eine Urschuld in sich tragen, die sie weder ablegen noch überwinden können. (d) Dass Männer hineingeboren sind in Unterdrückungspraktiken, die sie nicht abschütteln, sondern bestenfalls reduzieren können. Ist nicht das wiederum diskriminierend allen Männern gegenüber? (e)

Im Schnelldurchlauf:

a) Nein, kein Wegducken notwendig. Es ist nur dann notwendig, wenn man sich als wandelnden Fehler sieht.

b) Warum eine Welt imaginieren, in denen Menschen nach dem Wesen wahrgenommen werden? Das Geschlecht einer Person wird immer zeitgleich mit der Person wahrgenommen. Es ist Teil des Wesens. Und dass Frauen nicht mehr als Frauen wahrgenommen werden wollen, wäre mir völlig neu.

c) Bei unrealistischen Idealen sollte man sich fragen, ob nicht eine Ideologie dahintersteckt. Und Ideologien sollte man IMMER aufgeben.

d) Nennen Sie es nicht „Urschuld“ …

e) Nein, es ist nicht diskriminierend, wenn man das Nachfolgende akzeptiert.

Ich denke, es gäbe etwas, dass uns alle weiterbringen könnte: Die ideologiefreie Akzeptanz der menschlichen Natur, so wie sie ist. Ohne folgenden Vorwurf, man würde dadurch versuchen, sich auf biologischer Ebene aus der Affäre zu ziehen. Und ohne die Unehrlichkeit, nicht zuzugeben, dass diese biologische Natur auf der anderen Seite auch gewollt und willkommen ist.

So absolut verständlich es für mich ist, dass es Aussagen oder Annäherungen gibt, die Frauen als unangenehm empfinden, so klar ist es für mich, dass wir nicht aus unserer Haut heraus können.

Männer folgen zum einen einem ewigen Wettbewerbsgedanken und jeder Wettbewerb hat mit Dominanzstreben zu tun. Nach jedem sportlichen Kräftemessen steht die Siegerperson mindestens einen Kopf höher auf dem Podest als alle Übrigen – übrigens auch Frauen. Dominanz zu zeigen liegt in der Natur des Mannes.

Männer sind die sexuelleren Wesen. Man kann es einem zivilisierten Mann abtrainieren, sich zu sexistischen Impulsen hinreißen zu lassen, aber auch in seinem Kopf (und nicht nur in den Köpfen von Macho-Männern) spielt es sich trotzdem ab. In Sekundenbruchteilen. Nein, das soll keine Entschuldigung für irgendetwas sein, es ist eine bloße Feststellung.

Und so zu tun, als seien diese Dinge stets unwillkommen, ist scheinheilig. Dominanz und Führungsqualitäten (beispielsweise des Ehepartners) wird von Frauen gern gesehen, wenn es dem eigenen Status, eigenen Vorteilen oder dem eigenen Schutz dient. Und ein zweideutiger Spruch oder gar eine Tätschlei im passenden Kontext vom passenden Mann wird sicherlich nicht als Sexismus deklariert werden.

»Die Logik des Sexismus«

Eine Replik auf »kunstproduktions« Blogpost Liebe Maskulinisten (2)

Über Alles Evolution bin ich auf einen Post des Bloggers »kunstproduktion« gestoßen, der einen vorangehenden Artikel von ihm nach Diskussionen daselbst und bei Christian noch einmal zu erläutert, indem er einige seiner Argumente schärfer auf den Punkt zu bringen versucht. Wenn sich Kritiker der Männerrechtler/Maskulisten zur Abwechslung mal auf ausführliche Diskussionen mit uns einlassen, dann will ich einer solchen Diskussion nicht ausweichen. Da mein dortiger Kommentar zu diesem Blogpost etwas länger geworden ist, stelle ich ihn auch hier in leicht erweiterter Form ein.

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Maskulistischer Artikel bei ZEIT ONLINE: Sexuelle Belästigung von Männern

Kurz nach dem ziemlich ärgerlichen doppelten Rundumschlag gegen „sexuelle Belästigung“ und „Sexismus“ gegen Frauen am Arbeitsplatz veröffentlichte ZON heute einen Artikel, der sich dem Thema sexuelle Belästigung von Männern widmet, und zwar ganz und gar ohne feministische Opferideologie:

Sie haben vom Klaps auf den Po erzählt und von Kolleginnen, die Bewerbungsfotos der Praktikanten herumreichten, um „den Hübschesten“ auszusuchen. Von schlüpfrigen E-Mails und anzüglichen Kommentaren im Büro. Ihren richtigen Namen wollen diese Männer nicht veröffentlicht sehen, weil sie es sich mit Kollegen und Vorgesetzten nicht verscherzen wollen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, aus dem sie anonym bleiben wollen: Wenn über sexuelle Belästigung berichtet wird, sind meist Männer die Täter. Männer, die zum Opfer wurden, haben Angst, nicht ernst genommen zu werden. Sie fürchten den Vorwurf, dass sie übertreiben, weil sie sich ja leicht hätten wehren können.

[…]

Sieben Prozent der Männer, das klingt nicht nach viel. Doch wenn die Männer nicht allgemein nach sexueller Belästigung gefragt wurden, sondern nach konkreten Vorfällen, antworteten deutlich mehr mit Ja. 19 Prozent der Männer (und 22 Prozent der Frauen) hatten sich unangemessene Fragen zum Privatleben oder Aussehen anhören müssen. Zwölf Prozent der männlichen Befragten berichteten, schon einmal unerwünscht berührt worden zu sein. Bei Frauen waren es 19 Prozent. Witze mit sexuellem Bezug oder zweideutige Kommentare hören Männer sogar häufiger als Frauen: 47 Prozent im Vergleich zu 39 Prozent hatten das erlebt.

Der letzte Absatz ist bemerkenswert, weil hier strenggenommen nicht mehr über „sexuelle Belästigung“ geredet wird sondern über einzelne Vorfälle, die aus der Sicht der Autoren „sexuelle Belästigung“ darstellen, von den vermeintlichen „Opfern“ aber nicht als das erlebt oder bezeichnet werden. Was solche Vorfälle in einem Artikel über sexuelle Belästigung dann verloren haben, ist mir nicht ganz klar. Über die Köpfe dieser Männer (und Frauen) hinweg wird ihnen dann ein Opferstatus angedichtet und gleichzeitig anderen Männern signalisiert: Ihr dürft euch jetzt auch als Opfer inszenieren. Ein solcher Maskulismus droht die Falle der feministischen Prüderie zu tappen.

„Viele Männer, die sexuelle Belästigung erleben, wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen“, sagt Matthias Becker, der seit Mai 2016 Ansprechpartner für Männer der Stadt Nürnberg ist. Er ist das Pendant zu den Frauenbeauftragten – und damit deutschlandweit der Erste seiner Art. Mittlerweile rufen ihn nicht nur die Beschäftigten der Stadt Nürnberg an, für die seine Stelle vorgesehen war, sondern Männer aus allen Ecken der Republik. Sie melden sich, weil sie zu Hause geschlagen werden, weil ihnen der Chef die Elternzeit verwehren will – oder eben weil sie sexuelle Zudringlichkeiten im Job erfahren.

[…]

Menschen brauchen ein Arbeitsklima, in dem obszöne Witze, der Klaps auf den Hintern und zweideutige Sprüche nicht toleriert werden. Egal von welchem Geschlecht sie ausgehen – und ob sie Männer oder Frauen treffen.

Alles in Allem finde ich es sehr gut, dass die ZEIT sich nicht mehr davor scheut, sich dieses Themas anzunehmen. Das einseitige Gejammer über „Sexismus“ gegen Frauen und Märchenstunden über das Patriarchat der Tätermanner haben bei der ZEIT ab nun vielleicht ein Ende und weichen einer ausgeglichenen Haltung in der sowohl Männer als auch Frauen als Täter und Opfer behandelt werden können. Doch ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass das in Zukunft einfach nur bedeuten könnte, dass nun der gleiche prüde Affenzirkus mit Männern veranstaltet wird. In dem Sinne schließe ich mich den Kommentatoren „Landegaard“ und „MrWho“ an:

„Landegaard“ (#1.3):

Das habe ich auch schon erlebt, allerdings wundere ich mich, dass quasi die gleichen Vorgänge vor einiger Zeit offensichtlich von mir völlig falsch interpretiert wurden.

Weder habe ich mich hilflos gefühlt und auch keine Angst gehabt. Mir fehlte schon die „Erschütterung“, die man da heute wohl zu empfinden hat. Flirtversuche können unerwünscht sein und zeitgleich auch ungeschickt. Es ist mir aber immer gelungen, das ohne fremde Hilfe klar zu stellen, was mir unangenehm war und keine Wiederholung braucht. Ob mir also wer „glaubt“, spielte nie eine Rolle,

Hat sich die Form der Ansprache heute so sehr verändert oder der Umgang damit?

Diese Frage ist sehr berechtigt. Ich vermute, beides hat sich verändert. Die Leute (w/m) haben es verlernt, unverklemmt zu flirten und insbesondere Feministinnen können mit Annäherungsversuchen kaum noch umgehen. In Zukunft tun es manche Maskulisten ihnen vielleicht gleich.

Und „MrWho“ antwortet darauf (#1.8):

„Hat sich die Form der Ansprache heute so sehr verändert oder der Umgang damit?“

Es ist eine Zunahme der Prüderie zu beobachten. In Vergangenheit wurde über schlüpfrige Witze hinweggegangen, wäre das Voting der Kolleginnen zum hübschesten Azubi nicht als sexuelle Belästigung aufgefasst worden, hätte man ungeschickte Flirtversuche als ebensolche abgetan, solange es sonst keine Übergriffe gibt. Heutzutage gelten schon Worte und Blicke als übergriffig, beinahe wie in Saudi-Arabien. Da ist die strikte Verhüllung oder Geschlechtertrennung am Arbeitsplatz wohl die einzige Konsequenz, Diversity Management zum Trotz.

[…]

Heutzutage sind alle nur noch Opfer. Jetzt haben die Medien endlich auch den Mann als Opfer sexueller Belästigung der banalsten Form mit maximaler Empörungsblase entdeckt, da gibt es noch viel Potential zur Berichterstattung.

Diesen letzten Absatz sollte man sich hinter die Ohren schreiben. Allen Bedenken zum Trotz aber erstmal ein Dankeschön an die ZEIT.

 

Nachtrag:

Beim Stapelchipsblog gibt es eine interessante ausführlichere Analyse der Statistik, die dem ZEIT-Artikel zugrunde liegt. (eine Statistik der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2015; Download). Stapelchips:

Richtig ist, dass 17 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz „nach EIGENEM Begriffsverständnis“ schon einmal erlebt haben. Nimmt man aber die rechtliche Definition, haben Männer zu 56 % das schonmal erlebt und Frauen „nur“ zu 49 %. Das sind 7 Prozentpunkte Unterschied zum Nachteil von Männern. Tatsächlich erfahren Männer sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz also mehr als Frauen.

Wobei Stapelchips selber anmerkt, dass es problematisch ist, was laut der Studie alles als „sexuelle Belästigung“ gilt; nämlich „zweideutige Kommentare“, „Witze mit sexuellem Bezug“ oder auch „Bemerkungen mit sexuellem Inhalt“, die zusammen mit Abstand den Löwenanteil an Formen „sexueller Belästigung“ ausmachen. Es wird bei diesen problematischen Kategorien noch nicht mal dargestellt, ob es sich um grenzüberschreitende Vorfälle handelt, sondern es wird aus mir völlig unverständlichen Gründen davon ausgegangen, dass es sich dabei grundsätzlich um Belästigung handelt. Das ist wohl auch der Grund, warum die Differenz zwischen Fällen von sex. Bel. nach rechtlicher Definition und sex. Bel. nach Definition der Probanden so riesengroß ist (bei Männern also 56 zu 7!). Aber wen interessiert schon, was die Leute denken und empfinden, wenn der Gesetzgeber doch viel besser weiß, wie oft wir sexuell belästigt werden. Lassen wir uns also doch gleich auch noch erklären, wie traumatisiert und schutzbedürftig wir sind, denn unser Nannystaat wartet schon darauf, uns mit neuen gesetzlichen Maßnahmen zu beglücken. In der Studie wird dementsprechend auch nicht gefragt, ob die Befragten meinen, dass der Staat handeln müsse, sondern gleich danach, wie und kommt Dank dieser manipulativen Fragestellung zu folgendem überraschenden Ergebnis:

Fast alle vorgeschlagenen [de facto gesetzlichen] Maßnahmen zur Bekämpfung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz werden von jeweils mehr als der Hälfte befürwortet.

Nur rund jede_r Siebte denkt, dass gar nichts unternommen werden müsse.

(Studie, S. 12)

Sexistische Werbung gegen Männer

Sexismus in der Werbung wird eher als „gegen die Frauen gehend“ vermutet. Mit dieser neuen Artikelreihe soll in erster Linie gezeigt werden, wie oft sich Werbe-Sexismus gegen Männer richtet. Geht es beispielsweise darum, ein Produkt oder eine Dienstleistung als besonderes clever darzustellen, ist es oft die schlaue Frau, die dieses clevere Produkt entdeckt hat und verwendet. Der Mann ist oft der zurückgebliebene Depp, der es noch nicht bemerkt hat. Oder Frauen werden als leistungsfähiger usw. dargestellt. Unmittelbarer Sexismus, bei dem man nicht mal um die Ecke denken muss, um ihn zu erkennen.

Hier die ersten zwei Beispiele. Ein Snack für den Toaster, bei dem der unbedarfte Mann mal eben durch das Dach des Hauses katapultiert wird und hart im Garten aufschlägt (er berappelt sich wieder). Die Frau hat das Produkt natürlich gekauft und weiß Bescheid.

Eigentlich sogar doppelt sexistisch, da die Frau – dem alten Rollenklischee entsprechend – in der Küche steht und für das Essen zuständig ist. Wie wäre es anderherum: Mann bereitet das Essen zu und Frau geht durch die Decke und schlägt auf? Brutaler Gedanke, oder? Wieso gilt nicht dasselbe für einen Mann?

Ein großes Möbelhaus aus Schweden weiß wohl, dass Mann immer für einen Lacher gut ist, geht es um seine Potenzprobleme. Immerhin ein Leiden, dass den betroffenen Männern (und den Partnerinnen) wirklich arge Probleme bereitet. Für die Werbung ist eine in die Jahre gekommene Frau, die lapidar und tabubrechend über die Altersleiden des Gatten berichtet, immer noch gut genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und nein, die anschließende Selbstironie wegen der nicht mehr straffen Haut ist nicht dasselbe Kaliber.

Dies soll übrigens kein „Gejammer“ sein. Es soll nur darauf hinweisen, was Männer schulterzuckend hinnehmen, während es auf weiblicher Seite gleich einen Aufschrei gibt, wenn angeblich oder wirklich verunglimpft in der Werbung.

Fällt auch Dir ein Werbespot ein, der in diesem Sinne sexistisch ist? Gerne auch die, bei denen Frauen schlecht wegkommen. Schreibe an: lionosys [at] quantentunnel.de

UPDATE 04.10.2017

Mich erreichte eine E-Mail, die mich auf die folgende Werbung hinwies (genauer: das Logobild): Facebookpräsenz alternative Energie. Natürlich ist dort die moderne, saubere Umweltenergie weiblich, die alte, gefährliche Atomenergie männlich.

 

 

 

 

 

„Rechtspopulismus hat eine weibliche Seele“ – über das Geschlecht von Politik und andere aktuelle Hirngespinste aus der ZEIT

Im 21. Jahrhundert ist es irgendwie Mode geworden, alles mögliche zu sexualisieren bzw. zu gendern. Sprich: geschlechtslosen Dingen ein Geschlecht anzudichten. In der Regel sah das im feministisch geprägten Diskurs so aus, dass coole, fortschrittliche Sachen „weiblich“ wurden und irgendwie blöde Sachen „männlich“. Gewalt ist männlich, die Zukunft ist weiblich, die Gesellschaft ist männlich, social skills sind weiblich. Eine Redakteurin der Zeit, Jana Hensel, ist auf diesen neumodischen Schnullifax reingefallen, hat ihn aber umgekehrt: Ihre steile These: „Der Rechtspopulismus“ ist weiblich.

Zunächst finde ich das bemerkenswert, weil dies eines der seltenen Beispiele aus der eher feministischen ZEIT ist, in denen Frauen negative Eigenschaften zugesprochen werden. Normalerweise ist es Usus, den „Rechtspopulismus“ als Bewegung abgehängter (oder privilegierter) Männer zu deuten, die gegen die „weibliche Zukunft“ ankämpfen. Die auffällige Häufigkeit von führenden medienwirksamen Frauen in der Neuen Rechten (bei gleichzeitig sehr geringem Frauenanteil in der Basis) wurde bisher kaum beachtet. Insofern ist Hensels Artikel schon mal tendenziell feminismuskritisch. Sie macht sogar klar, dass Frauen für Ausländerfeindlichkeit und radikale Ideologien ähnlich anfällig sind wie Männer. Außerdem thematisiert sie explizit, dass Politikerinnen menschenfeindliche Politik besser verkaufen können, weil ihnen durch ihr Geschlecht weniger Boshaftigkeit zugetraut wird, als Männern:

„Je gewaltloser [die Rechten] trotz ihrer aggressiven Politik erscheinen, desto erfolgreicher agieren sie. Frauen helfen ihnen dabei, denn es gehört nun einmal zu den ältesten Geschlechterklischees, dass Frauen gegenüber Gewalt abgeneigter sind als Männer.“

und weiter

„Der Rechtspopulismus brauchte dringend weibliche Protagonisten. Frauen konnten gerade im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise glaubhafter Ängste schüren als Männer.“

Alles sehr gute Punkte. Und schön, dass das in der ZEIT thematisiert wird, anstatt immer wieder die alte spießige Leier vom weiblichen Unschuldsengel abzuspielen.

Doch jetzt wird’s leider etwas krude. Hensel zitiert eine Studie der Psychologin Birgit Rommelspacher, die zu Frauen im Rechtsextremismus geforscht hat:

„Männer tun dies [gegen Ausländer sein] stärker über Gewalt und Konkurrenzverhalten – Frauen hingegen mehr über autoritäre Anpassungsforderungen“

Also sprich (wenn ich es richtig verstanden habe): fremdenfeindliche Männer wollen den Fremden als Person besiegen und fremdenfeindliche Frauen wollen seine Fremdheit, nicht aber die Person, besiegen. Leider wird diese interessante These nur so in den Raum gestellt ohne sie genauer zu erläutern oder auch nur ansatzweise zu belegen. Genau auf dieser äußerst dürftigen Grundlage baut nun aber die finale Aussage des Artikels auf:

„Der moderne Rechtspopulismus hat ein weibliches Gesicht und er hat auch eine weibliche Seele. Er ist ein Produkt des Feminismus, der Feminisierung unserer Gegenwart, ohne gleichzeitig feministisch zu sein.“

1. Frau Hensel erkläre mal bitte, was genau eine „Feminisierung der Gegenwart“ sein soll. Ich bin mir nicht sicher, ob es so was gibt. Vielmehr findet eine Genderung bzw. Sexualisierung von Politik statt, welche wiederum Produkt des unnötigen feministischen Geschlechterkriegs ist.

2. Der moderne „Rechtspopulismus“ hat vielleicht ein weibliches Gesicht, aber gleichzeitig auch genauso ein männliches. In erster Linie hat er aber ein geschlechtsloses Gesicht.

3. Mit „weiblicher Seele“ sind anscheinend diese Anpassungsforderungen („die Muslime sollen sich integrieren“) gemeint. Ich kann nicht erkennen, warum das grundsätzlich „weiblich“ sein soll. Konformität wurde schon immer mal mehr und mal weniger von Frauen und Männern gefordert. Wie genau die Studie von Rommelspacher aussieht würde mich da mal sehr interessieren.

Zwischendurch wird im Artikel übrigens ständig behauptet, die AfD wolle Frauen zurück in diese oder jene Rolle stecken. Belege für solche billigen Vorwürfe braucht es natürlich nicht. Davon und von anderen Schwächen des Artikels mal abgesehen – Hut ab für die kritische und unfeministische Betrachtung von Frauen in der Neuen Rechten.

Was gab es sonst so bei ZON zu lesen?

 

SEX-ALARM!! Tour de France ist sexistisch

Der feministische Kampf gegen die Frau als „Lustobjekt“ geht weiter. „Auch im Jahr 2017 sind Frauen bei der Tour de France noch immer nur schmückendes Beiwerk für heroenhafte Männer.“ Und das ist einem Christian Spiller von Zeit Online „peinlich“. Ich finde den Artikel besorgniserregend aber auch amüsant, weil hier ein unglaublich prüder Eiferer, im festen Glauben der Richtigkeit seiner Mission ganz unverblümt seinem Werk nachgeht. Man glaubt sich in Saudi Arabien. Inhaltlich lohnt der Artikel der tieferen Auseinandersetzung nicht, es ist die alte Leier: Frauen dürfen in Sportsendungen wie der Tour de France nicht mehr einfach nur schön aussehen (z.B. bei der Siegerehrung), sondern sollen entweder nicht dem etablierten Schönheitsideal entsprechen oder gefälligst den Mund aufmachen oder irgendwie aktiv sein. Aber einfach hübsch aussehen und nix sagen geht gar nicht! Denn dann sind sie ein schlechtes Vorbild. Dass sie dies jedoch sind, ist aber natürlich nicht ihre eigene Schuld, sondern die von irgendsonem Patriarchatsding. So lautet der Artikel inhaltlich zusammengefasst. Interessant am Artikel ist daher vielmehr, die explizit autoritär-prüde Rhetorik, die ich z.B. bei „Edition F“ oder „Pink Stinks“ – nicht aber unbedingt bei der ZEIT – erwartet hätte.

„Die Frau als Dekorationsobjekt neben keuchenden Männern, als Schmuckstück neben den Helden der Neuzeit. Menschen als Zierde wie ein Blumenstrauß oder eine Gürtelschnalle – das gibt es auch noch im Jahr 2017.“

Nein, Herr Spiller, nicht die Frau ist hier „Dekorationsobjekt“, sondern eine Frau. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Und dass Frauen auf körperlich starke und heldenhafte Männer stehen und dies dadurch zeigen, dass sie lächeln, schön für ihn aussehen und ihm Blumen und Küsschen schenken ist nichts verwerfliches. Und genau darum geht’s bei den Podiumsgirls. Sie zeigen uns, dass Männer, die sich außerordentlich anstrengen, nicht nur mit Geld belohnt werden, sondern auch mit der Gunst von Frauen. Und genauso ist es in der Welt auch (in der Regel). Und das empfinde ich als schön und als gerecht. Materialisten und feministisch-prüde Eiferer wie Spiller finden es „sexistisch“ oder „unmodern“.

„In der Formel 1 stehen die Grid Girls minimal bekleidet auf dem heißen Asphalt“

Au Backe, so viel nackte Haut auf einem Haufen; wenn das der Jesus wüsste! Müssen diese Weibsbilder auch immer so verdammt begehrenswert sein und das auch noch im Fernsehen zur Schau stellen?! Was sollen denn die Kinder denken!! Und die Männer erst – diese elenden Schweine glauben noch, dass es okay ist, schöne Frauen sexy zu finden, nur weil es ihnen im Fernsehen vorgelebt wird.

„Bevor nun wieder die Martensteins dieser Welt zu jammern beginnen, dass ihnen durchgegenderte, feminisierte Cis-Sitzpinkler den letzten Spaß im Leben rauben wollen, der für sie wohl darin besteht, deutlich jüngeren Frauen auf den Arsch zu schauen“

Nun Herr Spiller, was ist daran verwerflich, dass Männer sich gerne Pos von deutlich jüngeren Frauen anschauen? Was denn bloß? Genau: überhaupt nichts. Es sei denn natürlich, man verwechselt seine autoritäre Sex- und Männerfeindlichkeit mit Antisexismus. Vielleicht kann man daher einfach mal darüber nachdenken ob dieser Vorwurf der „Martensteins dieser Welt“ (also nicht-Feministen) ganz einfach gerechtfertigt ist.

„Poledance. Oder Lingerie-Football, in dem Frauen in Unterwäsche gegeneinander antreten. Sportarten also, die nur erfunden wurden, um Frauen in einem sexualisierten Kontext darzustellen.“

So was rückständiges aber auch. Frauen als sexy darstellen und dann auch noch nur in Unterwäsche. Widerwärtiges Drecks-Patriarchat!

„Der belgische Radprofi Jan Bakelants wurde vor dieser Tour de France von einer Zeitung gefragt, wie er drei Wochen ohne Sex auskomme. ‚Es gibt ja noch die Podiumsgirls‘, sagte er. Und dass er auf jeden Fall eine Packung Kondome mitnehmen werde, weil man ja nie wisse, wo die Podiumsgirls sich gerade herumtreiben.’“

Iiiih, oh mein Gott, sexuelle Abenteuer. Wie kann der nur glauben, dass er mit fremden Frauen Sex haben könnte? So ein Perversling! Ab in die Bibelschule mit dem und die 10 Gebote gepaukt, aber dalli!

„Die Zeiten ändern sich, ein wenig zumindest. Während der Olympischen Spiele in London 2012 wurden die Medaillen und Blumensträuße ausschließlich von Männern hereingebracht, ohne dass dabei das Abendland untergangen wäre. Die australische Radrundfahrt Tour Down Under schaffte die Dekofrauen unlängst ab. […weitere ähnliche Fälle…] Und vor ein paar Jahren wurden beim Formel-1-Rennen in Monaco einmal Grid Boys eingesetzt.“

Gott sei Dank müssen also die Christian Spillers dieser Welt, also die „durchgegenderten, feminisierten Cis-Sitzpinkler“, wie sie sich selbst betitelt haben möchten, bald keine heißen Mädels mehr bei Sportsendungen anschauen. Bald müssen sie sich nicht mehr für den 3-Meter-Turm und die zwei prall gefüllten Basketbälle in ihrer Hose während der Siegerehrungen schämen und dafür, dass sie diese armen Podiumsgirls mit ihren Blicken ausbeuten. Endlich müssen sie während der Werbepause nicht mehr schnell mal auf Klo gehen um dieses hochpeinliche Schandmal ihrer toxischen Männlichkeit in ein paar schnellen Handstreichen zu Fall zu bringen.

Diese Grid Boys sind dabei übrigens okay. Anscheinend sogar fortschrittlich. Wirklich ganz erstaunlich diese Logik.

Und sonst so?

 

Teresa Bücker (Edition F) in der ZEIT

Die Zeit übernimmt mal wieder einen Text von Edition F, dem radikalfeministischen Online-Schundmagazin für kapitalistische, männerfeindliche Karrierefrauen, die von sich selbst glauben, dass sie total sympathisch, feminin, cool und links sind. In dem Artikel von Edition F-Chefredakteurin Teresa Bücker geht es um die böse geschlechtliche Arbeitsteilung. Eine neue Studie hat mal wieder rausgefunden, dass Männer einfach so für das Wohl ihrer Familie arbeiten und Geld verdienen, während sie ihre Frauen die Drecksarbeit machen lassen (das mit diesen ekeligen Kinder-Dingern und so…). Ferner geht es um die Doppelbelastung von Müttern in höheren Positionen. Total fies findet Bücker, dass..

„46 Prozent der Vorgesetzten glauben, Mütter wollten im Vergleich zu ihren Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder weniger gern beruflich vorankommen.“

Vielleicht liegt das ja daran, dass diese 46% der Vorgesetzten eine Erziehung genossen haben, und daher davon ausgehen, dass sich Mütter um ihre Kinder und nicht nur um die Karriere kümmern wollen. Um es noch mal zu betonen: es geht um „weniger gern beruflich voran kommen“ und nicht um gar nicht. Die Einschätzung dieser 46% Vorgesetzten findet Bücker jedenfalls „mütterdiskriminierend“. Von einer Mutter zu glauben, dass sie Mutter sein will, ist nämlich Unterdrückung. Bücker geht auf ihrem Profil bei Edition F übrigens damit hausieren, dass sie eine „good-enough-mom“ (gut-genug-Mutter) ist. Vor dem Hintergrung ihres Artikels kann ich mir in etwa vorstellen, was das heißt.