„Guter“ Sexismus bei den Grünen

Zu einem Schenkelklopfer im bayrischen Wahlkampf-Bierzelt kam es kürzlich aufgrund dieser Aussagen von Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze:

Dem „breitbeinigen Söder“ wirft Schulze vor, das Friedensprojekt Europa kaputt machen zu wollen. Dann liest sie die Definition des Ausdrucks „zum Horst machen“ aus einem Werk für Kinder vor, nennt Verkehrsminister Andreas Scheuer einen „digitalen Flachwurzler“. Damit hat Schulze die Lacher auf ihrer Seite, gerade in der vorderen Zelthälfte.

Quelle: FOCUS

Sieh mal einer an. Die Grünen entdecken die Lust an der politischen Inkorrektheit. Oder, um es mit einem Sinnspruch auszudrücken: Der Zweck heiligt die Mittel. Guter Sexismus, sozusagen. Wie sonst sollte man „breitbeinig“ deuten, wenn nicht so, dass es eine Anspielung auf das männliche Genital sein soll, als Metapher für einen „testosterongesteuerten“ politischen Gegner?

Klar, Frau darf so was sagen … da läßt man vieles durchgehen. Mann sein ist sowieso unmodern geworden. Da darf man ruhig mal darauf hinweisen, wie „falsch“ diese Gattung politisch unterwegs ist, aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften.

Hoffen wir, dass Frau Schulze ihre politischen Ämter künftige besser ausfüllen kann. Schön wäre es, gelänge es so gut wie bei ihrem feschen, konservativ-anbiedernden Dirndl.

Leider wird es wohl eher eine Hoffnung bleiben, wenn man sieht, welche Geisteshaltung immer mal wieder aufblitzt. Ist ja nicht die erste sexistische Auslassung. Siehe hier.

 

 

 

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Julie Bindel’s personal Gender Empathy Gap

Ich finde momentan nicht viel Zeit zum Bloggen, möchte aber mit dem folgenden Kurzbeitrag wenigstens symbolisch (und etwas verspätet) Gunnar Kunz‘ Initiative zum Gender Empathy Gap Day honorieren. Anlass ist ein Zitat, über das ich kürzlich gestolpert bin, welches in meinen Augen einen solchen »Empathy Gap« auf drastische Weise zum Ausdruck bringt.

Weiterlesen „Julie Bindel’s personal Gender Empathy Gap“

Der ESC, #metoo, die Verlogenheit

Netta, eine Sängerin aus Israel, hat den Eurovision Song Contest mit einem seltsamen Titel und einer schrägen Darbietung gewonnen. Zwei Ausschnitte aus dem Text ihres Songs „Toy“:

Wonder woman, don’t you ever forget
You’re divine and he’s about to regret

[…]

I’m not your toy
You stupid boy
I’ll take you down
I’ll make you watch me

Auf deutsch also ungefähr: „Wunderfrau, vergiß nicht, du bist göttlich und er wird’s bereuen. Ich bin nicht dein Spielzeug, du dummer Junge. Ich zieh dich runter. Ich werde dich dazu bringen, mich anzuschauen“.

Aus der Presse erfährt man dazu (in diesem Fall habe ich mir nach kurzem Googeln einen Beitrag der „Aargauer Zeitung“ herausgesucht):

Das von dem israelischen Komponisten Doron Medalie und dem Texter Stav Beger geschriebene überwiegend englischsprachige Gewinnerlied „Toy“ sei eine Antwort auf die #MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung in der Unterhaltungsbranche, so die Sängerin. Die Botschaft an junge Frauen: Nehmt Euch an, so wie Ihr seid und seid stolz auf Euch selbst. Ihr seid nicht das Spielzeug (toy) von Männern.

Mission accomplished – wie gewünscht verfehlte der am aktuellen Thema konstruierte Song nicht seine Wirkung und sowohl Fachjury als auch das sich die Finger wundwählende Publikum brachten das Lied auf die Nr. 1 der Auswertung.

So weit, so gut. Eben ein weiteres Element des Protestes gegen ungewollte Berührungen oder sexuellen Mißbrauch.

Aber so richtig schräg wird die Nummer, wenn man sich anschaut, mit wem sich die Israelin ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Krone lieferte. Nämlich mit der Sängerin Eleni Foureira, die für Zypern antrat und zwar in einem Outfit, für das die Bezeichnung „knapp“ untertrieben wäre (bitte selbst googeln oder sich das Video vom Auftritt ansehen). Beide Sängerinnen waren gegen Ende der Punktevergabe zeitgleich auf dem Bildschirm.

Schräg ist es deshalb, weil beim zypriotischen Auftritt die Masche „Sex sells“ angewandt wurde. Mit dem israelischen Beitrag beklagt man sich über Tatschereien und andere Belästigungen, mit dem Beitrag aus Zypern soll der Fisch über nackte Haut, enganliegende Kleidung und sexy Tanzbewegungen an den Haken.

Nun könnte bei diesem Zusammenhang eingeworfen werden, dass weder nackte Haut, knappe Kleidung noch aufreizende Bewegungen als Einladung zu irgendwelchen, von einer Frau unerwünschten Handlungen gesehen werden können.

Womit ich beim Punkt Verlogenheit angekommen wäre. Oder zumindest beim Punkt der naiven Dummstellerei.

So verständlich es auch ist, wenn sich Frauen, gegen unerwünschte Annährungen stellen, sollte nicht die Diskrepanz aus den Augen verloren werden, dass Frauen andererseits ihre Reize bewußt einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen.

Ob nun bezüglich des Gewinns des ESC, um in der Karriere voranzukommen (ja, auch so etwas soll es geben …) oder um sich den gewünschten Mann als Partner zu angeln. Seltsamerweise will gerade in letzterem Punkt niemandem auffallen, dass dem Mann dabei sprichwörtlich „der Kopf verdreht“ (= der Verstand überwunden) werden soll. In dem Fall ist es erwünscht. Wenn es unerwünscht ist, soll hingegen der Verstand die Reize überwinden.

Bevor möglicherweise der nächste Einwand kommt, dass mit dieser Argumentation die Gesamtheit der Männer unter dem Deckmantel einer „biologischen Konditionierung, der sich die Männer quasi nicht erwehren können“, in Schutz genommen werden soll: Nein, soll sie nicht. Männer sind keine triebgesteuerten Tiere.

Was ich mit diesem Blogbeitrag bezwecken will, ist die Bewußtmachung der durchaus unterschiedlichen Herangehensweisen individueller Frauen im Umgang mit den eigenen Reizen. Und „manchmal“ auch die Herangehensweise ein- und derselben Frau zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Frauentag 8.März: Feministsiche Parlamentarierinnen wollen freie Wahl aushebeln

  1. Paritätsgesetz (Frauenquote) für Bundestag geplant:

Anlässlich des Weltfrauentages haben Politikerinnen von CDU und SPD wieder eine Frauenquote für deutsche Parlamente ins Gespräch gebracht. Es sei zu prüfen, „welche Stellschrauben bei einer Wahlrechtsreform gedreht werden können“, damit wieder mehr Frauen in die Parlamenten einziehen, sagte Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). Dafür plädierten auch die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF).

Hier geht’s weiter. Was auffällt: Der Artikel ist völlig unkritisch. Der ZEIT kommt dieser verfassungswidrige Irsinn ganz normal vor; auch bei der FAZ ist keine Kritik zu lesen. Die Kommentare unter dem ZEIT-Artikel sprechen hingegen eine andere Sprache; fast alle sind ablehnend. Manche sprechen von einer Einschränkung der Demokratie und Unvereinbarkeit mit dem GG. Und natürlich wird fleißig zensiert, wie sich das gehört, wenn das dumme Volk sich gegen ein quotiertes Parlament wehrt.

Hier ist zum Thema schon alles gesagt:

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2017/10/01/schnapsidee-bei-der-spd-frauenquote-fuer-den-bundestag/

https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2018/03/04/quotierte-wahl-in-italien/

https://scheidendegeister.wordpress.com/2018/01/12/jammerpolitikerin-frauen-sind-die-falschen-fuer-den-job/#comment-1196

 

2. Frauenstreik in Spanien

Ach ja, ein Frauenstreik. Da kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Einige tausend Frauen in ganz Spanien haben gestreikt und sind gegen irgendwas mit Männern und für irgendwas mit Frauen auf die Straße gegangen.

Taz:

Gründe für den Ausstand gibt es viele. Frauen verdienen, je nach Studie, bis zu 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. 75 Prozent der Teilzeitarbeitsplätze sind von Frauen besetzt. Nur 50 Prozent der arbeitslosen Frauen erhalten Stütze. Bei den Männern sind es 60 Prozent. Außerdem haben nur knapp 38 Prozent der Frauen einen Rentenanspruch, bei den Männern sind es 62 Prozent. Die Renten der Frauen liegen 57 Prozent unter denen der Männer. 42 Prozent der Alleinerziehenden leben an oder unter der Armutsgrenze. 81 Prozent davon sind Frauen.

Klingt nach krasser Diskriminierung und hat sicher überhaupt nichts damit zu tun, dass viele spanische Frauen einen männlichen Ernährer haben oder hatten und hat sicher auch nicht im geringsten was mit persönlichen Lebensentscheidungen zu tun.

Bento (Femi-Magazin vom SPIEGEL) jubelt und spricht von einem „Generalstreik“ von 5,3 Millionen Frauen, der „das ganze Land lahmgelegt“ habe. Da wär ich skeptisch. Wie man feststellen will, wie viele Hausfrauen gestreikt haben, ist mir außerdem nicht ganz klar. Wogegen die Frauen da streiken scheint Bento außerdem relativ wurscht zu sein; einzig von „Gewalt gegen Frauen“ ist die Rede, aber was ist dieser Begriff wert, wenn er von heutigen Feministen benutzt wird?

 

3. ZEIT interviewt Grüne Baerbock zum Thema „Gleichberechtigung“

Baerbock: Sexismus habe ich bei [den Grünen] nicht erlebt. In der Partei haben wir dagegen ja auch vielfältige strukturelle Regelungen, die dem vorbeugen, zum Beispiel Quoten für Ämter.

Diese Quoten sind Ungleichberechtigung, also selbst Sexismus in Bilderbuchformat.

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil bei den Grünen liegt bei 41 Prozent, das ist der beste Wert unter allen im Bundestag vertretenen Parteien. Trotzdem ist das weniger als die Hälfte. Woran liegt das?

Baerbock: Strukturelle Diskriminierung betrifft auch Parteien. Das fängt damit an, dass Parteiveranstaltungen oft abends um 19 Uhr beginnen. Wenn man wie ich kleine Kinder hat, kollidiert das voll mit dem Abendbrot und der Gute-Nacht-Geschichte. Das kann ein Grund sein, der Frauen die Beteiligung erschwert. Flexiblere Zeitmodelle können da helfen. Wichtig ist zum Beispiel auch, Sitzungen so zu begrenzen, dass sie zu einer festgelegten Uhrzeit auch wirklich zu Ende sind. Oder Parteiveranstaltungen jenseits von Parteitagen nicht gleich am Samstag und am Sonntag abzuhalten.

Wenn man keine Zeit hat für Politik, kann man ihr ja fernbleiben. Oder sein politisches Engagement halt auf ein Maß begrenzen, das sich mit dem Familienleben vereinbaren lässt. Aber über „strukturelle Diskriminierung“ zu jammern, gilt hier nicht. Abgesehen davon ist diese Baerbock natürlich weit entfernt davon, zuzugeben, dass sich Frauen einfach weniger für Politik interessieren. Naja, alter Kaffee. Im Westen nichts neues. Jetzt noch ein kleiner Lacher zum Abschluss und dann gehts ins Bettchen:

ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil unter den Grünen-Parteimitgliedern liegt bei 41 Prozent. Von den Grünen-Abgeordneten sind aber 58 Prozent Frauen. Ist das nicht aktive Männerdiskriminierung?

Baerbock: Nein, das ist aktive Frauenpolitik. Ich bin stolz drauf, dass das bei uns so ist.

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Nachtrag:

Ich habe ich schon gefragt, warum sich nur SPD- und CDU-Vertreter an der Initiative beteiligen. Warum nicht auch Grüne und Linke; müssten die nicht besonders begeistert sein? Nein. Ironischerweise befürchten genau diese beiden Fraktionen den Vorstoß von Barley und Kramp-Karrenbauer, denn die hier geplante Parlamentsquote wird für die Unions- und SPD-Fraktion maßgeschneidert sein. In der SPD-Fraktion herrscht eine 40%-Quote und in der Union gibt es keine verbindliche Quote sondern ein 33%-Quorum. Bei der grünen Fraktion hingegen herrschen 50%+ und bei der Linksfraktion 50%. D.h.: Wenn sich SPD und Union mit ihrer Quote durchsetzen wird sich diese zwischen 33 und 40% bewegen. Da es auserdem höchstwahrscheinlich keine Geschlechterquote; d.h. es würde (ähnlich wie in Frk. und It.) die Regelung geben, dass die Fraktion aus min. 40% Frauen und min. 40% Männer bestehen müsste, oder so ähnlich. Und genau damit könnten nun insbesondere die Grünen ein Problem bekommen. Denn die Männerquote von 40% halten sie nur knapp ein. (zur Zeit: 41%). Nicht dass die Grün*innen am Ende noch männlicher werden müssten! Ich vermute, dass das der Grund für die Zzurückhaltung der Grünen ist.

Rebecca Solnit und zweierlei Schweigen im »Patriarchat«

Ich werde ja sofort hellhörig, wenn in öffentlichen Debatten (oder, wie man im Internetzeitalter wohl ergänzen muss, in öffentlichen Debatten von hinreichender geistiger Schöpfungshöhe) tatsächlich explizit die Vokabel vom »Patriarchat« verwendet wird. Jetzt ist sie mir in einer Zeitschrift begegnet, die ich abonniert habe, nämlich in den »Blättern für deutsche und internationale Politik«, die als »politische Fachzeitschrift« gilt und dem eigenen Anspruch nach »die größte politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum« ist, und zu deren Herausgeberkreis unter anderem linksliberale Akademiker wie Micha Brumlik, Dan Diner, Claus Leggewie und Jürgen Habermas gehören. In der aktuellen Ausgabe 1’18 findet sich ein Artikel von Rebecca Solnit mit dem Titel »Die Geschichte des Schweigens oder: Wie das Patriarchat uns mundtot macht« (online nur hinter Paywall), der ausweislich Fußnote auf ihrem jüngst erschienenen Buch »Die Mutter aller Fragen« beruht. Da nun die Frage danach, ob und inwieweit es so etwas wie ein »Patriarchat« überhaupt gibt und gegeben hat und ob es zudem sinnvoll ist, die moderne Gesellschaft als »Patriarchat« zu bezeichnen, für mich »die Mutter aller Fragen« darstellt, habe ich mich entschlossen, meiner Lektüre des Artikels einen Blogpost folgen zu lassen.

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»Blutwurst«: Jakob Augsteins Plädoyer für den Terror

 

Die um den Hashtag #metoo und die sexuellen Übergriffe Hollywoods entbrannte öffentliche Debatte nimmt an Schärfe zu. Im Deutschlandfunk hat Thea Dorn am 10. November aus Anlass des Hinauswurfs von Kevin Spacey aus »House of Cards« (sowie aus einem Film über Paul Getty) vor zwei Wochen den Vorwurf erhoben, dass wir in einer »hysterisch-bigott hypermoralisierten Gesellschaft« lebten und im Begriff seien, in einen moralischen Totalitarismus zu geraten:

»In so einem System bin ich doch von morgens bis abends nur noch damit beschäftigt zu überlegen, hat mich wer beleidigt, hat mich wer komisch angeguckt, hat mich wer irgendwie genannt, anstatt den Leuten, den Menschen zu sagen: Kinder, das gehört zum Erwachsenwerden, das gehört, um in dieser Welt zu überleben, dass man eine gewisse Abwehrkraft entwickelt.« (Thea Dorn)

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Walexplosion bei der ZEIT: Frauen, hört endlich auf sexy zu sein!

Vorab: allen Leserinnen und Lesern, allen Lesenden und LeserXen, ein ganz herzlichen Glückwunsch zum diesjährigen Walexplosionstag 2017. Am 12. November 1970 strandete ein ausgewachsener toter Pottwal am Strand von Oregon (USA). Die Behörden wollten das Tier beseitigen, aber wie entfernt man einen tonnenschweren Wal? Den riesigen Kadaver im Ganzen ab zu transportieren ist schwierig, also zerlegt man ihn vorher in Stücke. Und wie geht das am schnellsten? Richtig: mit einer halben Tonne (!) Dynamit. An diesem 12. November vor genau 47 Jahren passierte das, was der große Schriftsteller Stefan Zweig eine „Sternstunde der Menschheit“ nennen würde: Ein stinkender schleimiger Walkadaver wurde in tausend Stücke gesprengt und regnete stückchenweise in einem Radius von mehreren hundert Metern auf Land und Leute hernieder. Todesopfer: mindestens ein Auto, das von einem gewaltigen Fleischmeteoriten zerschlagen wurde. Um diesen denkwürdigen Moment zu feiern, veranstaltet mein Mitbewohner jedes Jahr den Walexplosionstag: er bäckt Kuchen und es wird gesoffen: Auf den Irrwitz der Menschheit!

Offenbar möchte sich auch die ZEIT dieser Tradition anschließen, denn der neue „Sexismus“-Artikel bringt den alten stinkenden Kadaver namens „Sexismus“ endlich zur Explosion. Eine neue Qualität wurde erreicht. Und „neue Qualität“ bedeutet nicht „neuer Tiefpunkt“ sondern mehr: Der Artikel ist eine radikale Gesellschaftskritik.

Wenn aber – mit Marx – radikal sein heißt, ein Problem bei der Wurzel zu packen, dann müssen Frauen schon auf dieser tieferen Ebene dazu ansetzen, aus dem asymmetrischen Regime des Gutaussehenmüssens auszubrechen. Sie müssen aufhören, sich zu schminken, zu schmücken und zu stylen, sich selbst permanent als Körper zu präsentieren.

Und radikal bedeutet hier nicht „extrem“ oder „männerfeindlich“ und schon gar nicht bedeutet es „besonders dumm“, sondern radikal bedeutet hier, dass hier tatsächlich das Problem bei der Wurzel (radix) gepackt wird und rücksichtslos rausgerissen wird; Mit allen Konsequenzen wie zum Beispiel herabregnende Kadaverstücke. Operation geglückt; Patient aber leider gestorben. Die Autorin Barbara Kuchler plädiert dafür, dass sich Frauen weniger schön machen müssen, da sie ansonsten Teil des frauenunterdrückenden „Systems“ seien. Ihre Ausgangsthese (die im Artikel leider sehr weit hinten steht) ist äußerst hellsichtig; sie dreht sich um die Doppelbelastung von Frauen:

Und noch eine Warnung an die weiblich-selbstbewussten Frauen, die jetzt sagen: „Ich kann beides, Leistung bringen und gut aussehen, und wer denkt, dass sich das ausschließt, ist Opfer seiner Vorurteile.“ Im besten Fall läuft das auf eine Doppelbelastung von Frauen hinaus, wie wir sie am Punkt „Kinder und Karriere“ schon kennen und fürchten gelernt haben: Es lässt sich eben nicht einfach problemlos beides nebeneinander machen, sondern wer beides macht, bezahlt mit einem insgesamt gesteigerten Stresslevel. Dieselbe Doppelbelastungsgefahr droht auch in puncto „Karriere und Gutaussehen“. Mädchen und Frauen dürfen zwar jetzt auch in Sachen Leistung voll ran, ohne aber in Sachen Aussehen dafür entlastet zu werden.

Und da stimme ich ihr voll zu: Frauen, die glauben, dass sie Barbiepuppe und Bundeskanzlerin sein können machen sich Illusionen und werden an diesen Erwartungen meistens scheitern. Ich finde es daher wunderbar, dass hier eine Feministin klipp und klar die Vereinbarkeitslüge anspricht, an der sich Millionen Frauen in der westlichen Gesellschaft sinnlos kaputt arbeiten. Doch der nächste Schritt, den die Radikalfeministin Kuchler nun gehen muss ist fatal. Da sie als Feministin  selbstverständlich Frauen, wie sie nun mal gerne und freiwillig sind nicht akzeptieren kann und sie unbedingt zu Männern umerziehen muss, platzt nun die Bombe im Walbauch. Hier nur ein paar Häppchen aus dem großen Fundus von fauligen Walspeck-Fetzen:

Schulen: Verschärft eure Kleidungsvorschriften und zwingt Mädchen, ebenso viel von ihrem Körper zu bedecken wie Jungs.

Oder

Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung. Geht nicht mehr als einmal im Vierteljahr zum Friseur.

Und

Politiker, Frauenminister: Droht mit der Regulierung der Modeindustrie! Erwägt Vorschriften, wonach Modefirmen gleich viele Artikel im Frauen- und im Männersortiment haben müssen und gleich viel Geld für deren Produktwerbung ausgeben müssen, oder bestenfalls um einen gewissen, anpassbaren Faktor von 1,5 oder 1,25 differierend. Nein, das ist nicht schön und freiheitlich. Aber dafür spart man hinterher Regulierungsaufwand in Sachen Antidiskriminierung und Anti-Grapsch-Gesetzen.

Leider hab ich nicht so viel Zeit diese ganze radikale Moralisierung, diesen widerwärtigen autoritären Modernisierungseifer, diese kulturfeindliche wahnhafte Gleichheits-Ideologie zu kommentieren. Denn ich muss jetzt Kuchen essen und Bier trinken: Auf den Untergang von Schönheit, Liebe und menschlicher Kultur! Prost!

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