Homoehe: Katrin Göring-Eckardt kann’s nicht lassen

Die Grünen knüpfen mögliche Rgierungsbeteiligungen nach der BT-Wahl 2017 an die Bedingung der Anerkennung der Homoehe, was ich vor kurzem schon hier thematisiert habe. Zuvor bezeichnete die grüne Kanzlerkandidatin Göring-Eckardt Kritiker der Homoehe per se als Arschlöcher. Dass die Grünen und andere Parteien die „Ehe für alle“ fordern, ist nichts neues. Dass sie aber eine zukünftige Regierung von dieser Nebensächichkeit abhängig machen wollen ist – naja – streitbar. Jetzt legt KGE noch mal nach und versucht, genau das in einem Gastbeitrag in der Zeit zu verteidigen. Wie viele stichhaltige Argumente für diese schwerwiegende Entscheidung werden jetzt wohl kommen? Wer hätte es gedacht; genau null:

„Argument“ Nr. 1 ist….. (Trommelwirbel): „Because it’s 2017

Yeah, 2017! Cool! Mit demselben Argument hätte Hitler den Überfall auf Polen legitimieren können. „Bikos itz neunzehnhundeRRtneununddRReißig!!!“

„Argument“ Nr. 2: „es gibt keinen Grund, warum die Liebe der einen nicht genau so viel zählt wie die Liebe der anderen.“

Nein, Frau Eckardt. Thema verfehlt. Es geht hier nicht um Liebe, sondern um Eherecht.  Und selbst wenn: Das rechtfertigt nicht, die Homoehe zur Bedingung für eine Koalition zu machen.

„Argumente“ 3-5:

„Weil das so überfällig ist“ – siehe Hitler

„weil es so einfach ist“ – dachte Hitler auch

„Argument“ 6: „und weil die große Koalition diese Änderung in den vergangenen vier Jahren sage und schreibe 30 Mal vertagt hat“ – Ja. Und warum wurde das immer wieder vertagt? So weit ich das beurteilen kann deswegen, weil das Parlament dem Thema verständlicherweise eine geringere Priorität gibt und daher andere Gesetzvorhaben Vorrang haben. Insofern kann auch das keine Rechtfertigung sein.

„Argument“ 7 ist der Klassiker: „Wie wichtig die Ehe für alle auch in diesem Wahlkampf ist, zeigt schon das aktuelle Urteil des Verfassungsgerichts, was einen Antrag auf Bundestagsabstimmung über die Ehe für Schwule und Lesben abgelehnt hat.“

Bei diesem verlinkten Urteil handelt es sich übrigens um dasselbe Thema wie bei Nr. 6.  KGEs Argument ist das typische „wenn andere dagegen sind, zeigt das nur die Relevanz und Richtigkeit der eigenen Sache und dass wir jetzt um so vehementer darum streiten müssen!“ (Nur mit dem Unterschied, dass das BVG nicht dagegen ist, sondern einfach nur festgestellt hat, dass der BT solche Entscheidungen vertagen kann.) Egal wie man zur Homoehe steht, man muss seine Position argumentativ verteidigen. Aber das was KGE hier abliefert ist keine Argumentation. Sowas ist einfach nur peinlicher identitätspolitischer Kindergarten. Und noch mal zur Erinnerung: Sie ist Kanzlerkandidatin und Fraktionsvorsitzende.

Noch mehr Kurznachrichten

In Ergänzung zu Aranxos heutigen Kurznachrichten

  1. Anne Wizorek zieht in der ZEIT über Kohl und seine Familie her

Die Femi-Bloggerin und Aktivistin Anne Wizorek (#aufschrei) mault in einem Helmut-Kohl-Gedenkbeitrag bei ZOn über den „Patriarchen“ Kohl und seine arme unterdrückte Ehefrau. Wizorek:

Mittlerweile verbinde ich den Namen Helmut Kohl auch mit dem veralteten Geschlechterbild eines Patriarchen, der nur für die Arbeit lebt, und dessen Frau alles Familiäre mit einem Lächeln auffängt – während sie hinter verschlossener Tür darunter leidet.

Als Beleg für Kohls „veraltetes Geschlechterbild“, unter dem seine Frau angeblich zu leiden gehabt hätte, führt sie an, dass sie mal eine Satiresendung gesehen hatte, in der Kohl Kreuzworträtsel löst (ich hab’s auch nicht verstanden). Mehr Begründung für diese Respektlosigkeit Kohl und seiner Frau gegenüber gibt’s von Wizorek nicht.

Kleines Bonbon dabei: ZOn kontrolliert alle Kommentare zu ebendiesem Artikel besonders streng mit der Begründung:

Die Wahrung der Pietät ist uns bei Todesfällen wichtig, weswegen alle Kommentare vor der Veröffentlichung geprüft werden.

Ah ja, aber feministische Pietätlosigkeit ist natürlich kein Ding, denn sowas ist ja fortschrittlich.

http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-06/erinnerungen-helmut-kohl-ddr-wiedervereinigung/komplettansicht#kondolenzbuch-kommentare-info-1-tab

Die Politisierung von Kohls Familie hat übrigens Tradition. Wikipedia listet einige Beispiele für Schmutzkampagnen und Sippenhaft gegen Hannelore Kohl auf:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hannelore_Kohl#Ehe_mit_Helmut_Kohl

 

2. Grüne werden Koalition 2017 von Homo-Ehe abhängig machen

Eine Nebensächlichkeit spaltet die Menschheit: Das Thema Homoehe ist für manche Leute so wahnsinnig wichtig, dass die Grünen angekündigt haben, nach der kommenden BT-Wahl mit keiner Partei zu koalieren, die die Homoehe nicht akzepiert. Das betrifft insbesondere die CDU, die gegen die „Ehe für alle“ ist.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-06/buendnis-90-gruenen-bundestagswahl-ehe-fuer-alle-wahlprogramm

Man mag für die Öffnung der Ehe sein, ich persönlich habe damit auch kein Problem, aber die Regierungsfähigkeit des Landes von so einem Pipifax abhängig zu machen ist nicht nur affig, sondern kann auch unangenehm werden. Man stelle sich mal vor, alle Parteien würden sich so verhalten. Könnte es dann zu Koalitionen kommen?

Oder ist die Homoehe gar kein Pipifax sondern wirklich eine der wichtigsten politischen Fragen der Gegenwart? Jein. Nüchtern betrachtet ist die Frage relativ unwichtig, denn die bestehende „eingetragene Lebenspartnerschaft“ hat einen ähnlichen Status wie die Ehe und die Aufwertung zur echten Ehe verändert nicht so viel. Allerdings ist die Homoehe für die neue queer-feministische Linke eines der wichtigsten Identitätsmerkmale. Wer sie verweigert, der muss zur falschen Seite gehören und ist unwählbar – so denken einige Grün-Wähler anscheinend. Da nun aber die Grünen nicht mehr die einzige Partei sind, die sich für die Homoehe einsetzen, müssen sie noch einen nachsetzen um sich besonders entschlossen und queer und fortschrittlich zu geben. Die Entscheidung der Grünen (bei der Volker Beck treibende Kraft war) ist daher vor allem Symbolpolitik für Watte-gepackte queer-vernarrte Politikverweigerer.

 

3. Lesbische Grüße an die EU?

Ein ganz ähnliches Thema wie grad eben: Serbien hat einen neuen Premier: weiblich, lesbisch, irgendwie liberal und proeuropäisch und unsere Leitmedien sind begeistert. Sie ist zwar leider nicht auch noch schwarz und behindert aber immerhin: Ana Brnabić – eine Lesbe als Regierungschefin des orthodoxen Serbien! Das ist in der Tat etwas verwunderlich, da die serbisch-orthodoxe Kirche sich gegen Brnabić ausgesprochen hat, aber trotzdem ist mir etwas aufgestoßen, wie ihre Sexualität bei z.B. SpOn und ZOn in den Vordergrund gezerrt wird. Doch ein Grund mehr, um den Vorgang kritisch zu betrachten. Spiegel schreibt den vielsagenden Satz:

[…] schließlich steckt hinter Brnabics Nominierung  als Regierungschefin [durch Präsident Vucic, nicht durch das serbische Volk] auch das Signal an die Europäische Union, dass Serbien einen pro-westlichen, pro-europäischen Weg verfolgt – und keinen eher pro-russischen […]

Das bezog sich darauf, dass Brnabić wirtschaftsliberal und proeuropäisch ist, doch der Schluss liegt nahe, dass dasselbe Prizip auch für die Frage nach der Sexualität gilt. Serbien unter Präsident Vucic möchte der EU beitreten. Brnabic ist dem Präsidenten anscheinend sehr hörig und politisch sehr unerfahren – sprich: die perfekte Marionette, was auch bei SpOn und ZOn angesprochen wird. Dass sie durch ihre Sexualität bei der Diversity-begeisterten europäischen Öffentlichkeit gut ankommt, war möglicherweise ein von Präsident Vucic einkalkulierter Schachzug: „Schaut mal wie modern wir sind! Scheißt doch drauf, dass wir hier ein Demokratiedefizit und eine schwache Wirtschaft haben – wir haben eine Lesbe! Das habt noch nicht mal ihr.“ Mag sein, dass es nur ein Zufall ist, dass die Dame lesbisch ist. Ich halte es aber für gut möglich, dass hier die Sexualität politisch instrumentalisiert wurde.

 

4. Maas steht zu Netz-DG, stellt aber Änderungen in Aussicht

Kleines Update bei der ZEIT zum geplanten Meinungsmanagement unseres „Justiz“-Ministers. Wer es nicht kennt: Heiko Maas (SPD) will soziale Netzwerke (FB, Twitter, Youtube..) dazu verpflichten, „Hatespeech“ und „Fakenews“, die von Nutzern gepostet werden, sofort zu löschen. Und zwar ohne Gericht, Staatsanwalt und diesem ganzen anderen neumodischen Rechtsstaatsgedöns. Wenn die Seitenbetreiber nicht spuren, können sie satte Strafen zahlen. Welche Aussagen strafwürdig sind und welche nicht, dürfen sie dabei selbst entscheiden. Autoritäre Feministen und sonstige Sprachpolizisten jubeln und liberale Bürgerrechtler sind entsetzt, denn die Folge könnten historische Eingriffe in die freie Debattenkultur im Netz sein, da die Sozialen Netzwerke vorsichtshalber lieber 10 000 Kommentare zu viel als 10 zu wenig löschen werden. Zum Update und zur neuen Rechtfertigung von Maas habe ich allerdings nicht mehr zu zu sagen, als schon bei der ZEIT geschrieben wurde:

http://www.zeit.de/digital/internet/2017-06/hasskommentare-netzwerkdurchsetzungsgesetz-netzdg-aenderungen/komplettansicht

Ein interessantes aber schon älteres Interview zu dem Thema mit Renate Künast (Grüne) gibt’s hier. Dort sieht man, wie Leute die eine solche Form der Zensur durch die Hintertür wollen, denken. Künast geht Maas Vorhaben nämlich noch nicht weit genug, da es „nur“ strafbare Inhalte unter Strafe stellen will aber legale „Hatespeech“ einfach so unangetastet bleiben soll. Im Ernst.

 

5. Weitere interessante Kurznachrichten bei Genderama. Denn, heute ist der 17. Juni, der Kurznachrichtentag! der Tag an dem sich mutige DDR-Bürger mit Kurznachrichten gegen sowjetische Panzer gestellt haben, die ihnen Stalins Gendermainstreaming aufzwingen wollten 😉

In Gedenken der Helden des 17. Juni 1953. Menschen wie euch braucht die Welt!

Meinungsmanipulaton a la ZAPP

Dieser Artikel ist (fast) Off Topic, aber da wir uns hier ja auch oft genug mit Meinungsmanipulation herumärgern müssen, passt es eben doch so am Rande. Mir ist da nämlich so ein hübsches Stück aufgefallen.

Wer das politische Tagesgeschehen einigermaßen verfolgt, hat sicherlich die Aufregung um die von Arte und WDR zurückgehaltene und nicht gezeigte Dokumentation über Antisemitismus „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ mitbekommen. „ZAPP – Das Medienmagazin“ vom NDR berichtet über das Geschehen, regt sich aber weniger über den Inhalt auf als darüber, dass BILD den Film für einen Tag auf seiner Website trotzdem gezeigt hat, obwohl BILD keine Rechte daran hatte. Frech, findet das Redakteurin Anja Reschke.

Und da auch Frau Reschke die Doku anscheinend nicht gefällt und man als ZAPP-Redaktion wohl den befreundeten öffentlich-rechtlichen Sendern Schützenhilfe geben will, muss man der offiziellen Begründung für das Zurückhalten, die Dokumentation sei „unausgewogen“, ein wenig nachhelfen. Die Schwierigkeit liegt darin, einen Film über Antisemitismus zu diskreditieren, ohne sich selbst des Vorwurfs des Antisemitismus bzw. dessen Verharmlosung auszusetzen. Da muss man schon sehr subtil vorgehen. Aber hey, man ist ja schließlich ein Fernsehsender, hat das entsprechende Filmmaterial und was liegt da näher, als dieses einfach passend zu schneiden?

Am Anfang des Ausschnittes von ZAPP wird die Rede von Mahmud Abbas vor dem Europäischen Parlament gezeigt und der Vergleich, den der Film mit dem Nazi Julius Streicher zieht. So wie ZAPP das geschnitten hat, sieht es für den Zapp-Zuschauer natürlich so aus, als wäre dieser Vergleich völlig überzogen und damit die Doku polemisch und einseitig. Was hat Abbas auch schon großartig schlimmes gesagt in dem Ausschnitt? Dem Off-Kommentar des Dokumentarfilms „Bitte hören sie genau zu!“ ergänzt der ZAPP-Redakteur noch mit „den drastischen Vergleichen“, um den Zuschauer mit der Nase auf den angeblich überzogenen Vergleich mit Streicher zu stoßen.

Aber das, was dazwischen weggeschnitten wurde, ist das eigentlich brisante. Abbas hat nämlich die alte Geschichte von den brunnenvergiftenden Juden wieder aufgewärmt, und das vor dem EU-Parlament. Martin Schulz und viele andere haben am Ende der Rede Abbas applaudiert, Schulz hat die Rede auch noch „inspirierend“ genannt. Natürlich schneidet man das raus, denn damit wird der Vergleich mit der Nazizeit auf einmal viel plausibler. Aber das sind halt so die kleinen dreckigen Tricks, mit denen man was ins schlechte Licht stellen kann und immer noch so tun, als hätte man offen berichtet.

Selbstverständlich gibt es auch die Doku längst im Netz, so z.B. hier. Prädikat: Extrem sehenswert. Mindestens ein Upload auf Youtube wurde allerdings schon wieder blockiert.

Keine Angst, die beiden Szenen sind jeweils ganz am Anfang der Filme. Und falls auch diese Version aus Youtube wieder verschwinden sollte, ich habe längst eine mp4-Kopie auf der Platte.

Kurznachrichten vom 17.06.2017

1: Bei der WELT gibt es eine Besprechung der Netflix-Serie „Flaked“  mit dem Titel „Das halten Frauen von diesem neuen Typ Mann“. Der „neue Typ Mann“, der in der Serie gezeigt wird, ist der „Narcissist Loser“, also der Typ, der sich auch, obwohl längst der Jugend entwachsen, auf nichts festlegen will, und und stattdessen ohne Job in den Tag hinein lebt. Die Autorin Anne Philippi beschreibt ihn so:

Er hat keine Verwendung für seine Krise, er hat einfach nur eine Krise und wühlt in seinem „deep shit“, eine flapsige Formulierung für psychische Störungen à la L.A. Der „Narcissist Loser“ kann zum Beispiel ganz gut Möbel bauen, aber er macht es nicht. (Weil er ja eine Krise hat.) Er fährt mit seinem Beach Bike zu AA Meetings und wieder zurück. Dazwischen: Drama mit Freundin/Ex-Frau und Kampf mit gentrifiziertem Barista-Mann. Das ist sein Leben.

Philippi schließt dann mit dem Fazit:

Ich habe von „Flaked“ alle Folgen geschaut und empfand ein amüsantes Mitleid für Chip. Ein Gefühl, welches der „Narcissist Loser“ in Frauen auslöst. Achtung Männer, es ist kein gutes Gefühl.

Also Jungs, ihr habts gehört: Hört endlich auf mit dem rumhängen! Sucht Euch endlich eine Frau, für die Ihr Euch nützlich machen könnt! Rein in die Tretmühle, Karriere machen, Häuschen bauen, damit sie sich ohne finanzielle Sorgen in Ruhe selbstverwirklichen und sich bei den Latte-Macciato-Freundinnen – während die Kinder in der Ganztags-Kita outgesourced sind – darüber beschweren kann, dass er so wenig da ist und dann nicht mal 50% vom Haushalt macht. Und wenn er langweilig geworden ist, wird er gegen den nächsten kunstsinnigen Beau ausgetauscht. Kinder und Haus bleiben bei ihr, er darf das weiter finanzieren, ohne nochmal was davon zu haben. Die nächste Frau, die er abkriegt, rätselt dann über seine „Bindungsunfähigkeit“. Sind das etwa keine traumhaften Aussichten, das Loser-Dasein endlich abzustreifen?

2: Comedian Oliver Pocher lästert in seiner Show „Global Gladiators“ allgemein über seine Ex-Frauen und beschwert sich darüber, dass Alessandra Meyer-Wölden, Ex-Frau und Mutter der drei gemeinsamen Kinder, mal eben in die USA gezogen ist, er seine Kinder kaum noch sieht, aber dennoch 660 Euro Unterhalt pro Kind zahlen muss. Die Kommentatorin der WELT, Claudia Becker, findet das gar nicht gut. Zumindest das öffentliche Lästern von Pocher. Und Sharlely „Lilly“ Becker, Ehefrau von Boris Becker, die in der Show ebenfalls mitwirkt, meint zu den 660 Euro:

„Das ist ein Dinner“, sagte Lilly, und meinte vermutlich, dass das doch nicht so viel Geld sei.

Außerdem meint Lilly noch:

Ohne Kindermädchen […] ginge bei ihr gar nichts. Sie bräuchte eine Fulltime-Nanny, weil, alleine mit Amadeus sei ja „absolut keine Zeit für mich selbst“ da.

Ja, wenn man Ehefrau von Boris Becker ist, sieht die Welt eben ganz anders aus.

Einerseits hält sich mein Mitleid mit dem Holzkopf Pocher eher in Grenzen. Andererseits, warum sollte man nicht auch mal in einer solchen Show das Thema getrennte Väter und die Anspruchshaltung von Frauen, die Kinder hätten wie selbstverständlich bei ihnen zu sein, ansprechen? Man muss es ja nicht unbedingt im Stil von Pocher tun. Und: wieviele Promi-Frauen habe ich in Fernsehen schon über ihre Ex-Männer lästern hören, ohne dass sich eine Redakteurin bemüßigt gefühlt hat, dieses zu tadeln?

Fundstück: Voice of Baceprot, die Metalband aus Indonesien

Ein blindes Huhn trinkt auch mal ’nen Korn, und sogar The Guardian hat mal einen interessanten Artikel, nämlich über die Metalband „Voice of Baceprot“ alias VoB. Ich möchte dazu gar nichts lang schreiben, denn die Musik spricht für sich. Ein jeder konsumiere selbst die Popkultur:

VoB (Voice of Baceprot): The Enemy of Earth is You (live studio session Gua Berduri)

Manspreading-Alarm in Madrid

Wie im guten alten 16. Jahrhundert erreicht uns das Gold aus Amerika über Spanien. Der spanische Verkehrskonzern EMT untersagt „Manspreading“ (also breitbeiniges Sitzen von Männern in der Öffentlichkeit) und schließt sich damit dem neusten feministischen Moraltrend aus der Neuen Welt an. Nachdem spanische femi-Aktivisten(die nach manchen Quellen ‚Mujeres en Lucha‘ und nach manchen Quellen ‚Microrrelatos Feministas‚ heißen) über eine Online-Pedition Stimmung gegen das patriarchale Ritual des „Manspreading“ gemacht haben, ist der Stadt-eigene (nicht private!) Verkehrsbetrieb EMT am 7. Juni darauf eingegangen und schmückt von nun an die Busse der spanischen Hauptstadt mit Warnschildern, die ein Männchen dabei zeigen wie es breitbeinig sitzt (während daneben frei ist) und zeigt durch ein Kreuz an, dass das Männchen sich falsch verhält. Gemütlich machen verboten, besonders für Männer? Na gut; darunter steht „Respektier den Platz der anderen“. Man kann das Schild also auch einfach nur so interpretieren, dass es EMT darum geht, grundsätzlich das -in der Tat störende- Verhalten zu unterbinden, dass sich Fahrgäste (egal ob männlich oder weiblich oder Apache-Helikopter) zu sehr ausbreiten (egal ob durch breitbeiniges Sitzen der Herren oder Handtasche abstellen bei den Damen oder Rotorblätter umherwirbeln bei den Apache-Helikoptern) und anderen Fahrgästen damit den Platz wegnehmen. Doch diese Interpretation wäre leider nur die halbe Wahrheit. Denn EMT und die Madrider Stadtverwaltung möchten dies explizit als Kampf gegen „Manspreading“ und als „Gleichstellung“ verstanden wissen. „Die EMT hat die Initiative in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbehörde der Stadt Madrid ins Leben gerufen.“, schreibt die WELT, welche die Maßnahme übrigens angemessen findet (war’n die nicht irgendwie konservativ oder so?) und der amtliche Twitterkanal der Stadt stellt dies unter #manspreading.

Was ist so schlimm daran? Fahrgäste offiziell aufzufordern, anderen genug Platz zu lassen, ist in Ordnung. Aber das Fehlverhalten zu gendern, wie es beim Kampf gegen „Manspreading“ passiert, ist ungerecht. Erstens wird mit zweierlei Maß gemessen, da vergleichbares Verhalten bei Frauen ja ok zu sein scheint und zweitens bekämpft die Aktion nicht direkt das Wegnehmen von Platz sondern eine bestimmte Sitzhaltung an sich, gerade weil sie bevorzugt von Männern eingenommen wird und als „Dominanzgebaren“ oder dergleichen Unsinn interpretiert wird, egal ob damit tatsächlich jemanden der Platz weggenommen wird oder nicht. Und das nenne ich staatliche Schikane von Männern. Oder im Jargon der Maskulisten: sexistische Diskriminierung.

Bei Ze.tt (gehört zu ZEIT-Online) kommentiert übrigens der unvergleichlich stupide Till Eckert, der uns schon mit seinem Jahrhundertwerk  „Wie Männer den Feminismus unterstützen können“ viele tragikomische Minuten beschert hat.

Wer spanisch kann, sollte sich auch auf jeden Fall mal die offizielle Website der Madrider Stadtverwaltung zu Gemüte führen:

https://diario.madrid.es/

Feminismus und Kampf gegen „Macho-Gewalt“ scheinen dort für die linke Stadtregierung (Podemos und PSOE unter Bürgermeisterin Manuela Carmena) explizit Staatsraison zu sein. Aber mein Spanisch reicht nicht aus um da tiefer einzudringen.

 

Kurznachrichten vom 09.06.2017

1: Tamara Wernli beschäftigt sich zum zweiten Mal in der Basler Zeitung mit „Toxischer Männlichkeit„, nachdem eine Studie herausgefunden hat, dass Frauen mit männlicheren Partnern zufriedener sind.

Das von Studienleiterin Andrea L. Meltzer auf zwölf Seiten dargelegte Resultat offenbart, dass Frauen mit Ehemännern, die sich selbst anhand ihres Verhaltens als männlich einstufen, um den Eisprung herum zufriedener mit ihren Partnern sind als Frauen mit weniger maskulinen Ehemännern.

Wernli meint dazu:

Die Tatsache, dass wir Frauen ausgerechnet während unserer biologisch wertvollsten Zeit – dann, wenn wir nichts weniger tun, als den Fortbestand der Menschheit zu sichern – mit maskulinen Partnern zufriedener sind als mit verweichlichten, lammfrommen Stubentigern, dürfte sich für «Gender Studies»-Professoren anfühlen wie eine zu eng gebundene Fliege.

Ihr erster Beitrag zum Thema von voriger Woche ist ebenfalls lesenswert.

2: Ebenfalls ein Beitrag zur Verteidigung von wohlverstandener Männlichkeit kommt von Ben Shapiro:

But boys want to become men; men want to be men. As Christina Hoff Sommers points out: “Most boys evince healthy masculinity. . . . telling a boy to ‘man up’ can be harsh and degrading. But teaching him to ‘be a gentleman’ is another matter.”

If men are not told to be “gentlemen,” some will be emasculated, but more will become destructive men. If men are not trained by good men, they will be trained by bad men; if they have no good males to follow, they follow bad ones.

3: Noch eine Studie. Sie will herausgefunden haben, dass Männer – aufgepasst – auf untreue Frauen stehen. Hat das das Potential, das Weltbild von Feministinnen zu erschüttern, nach deren Lesart Männer nichts lieber tun, als Frauen im Ehejoch zu unterdrücken und eifersüchtig auf ihr sexuelles Monopol auf eine Frau pochen? Nun ja, gemach, gemach. Die Studie beruht auf einer Umfrage des Dating-Portals „Victoria Milan“, das man auch eher in die Casual Sex und Seitensprung-Schiene einsortieren dürfte. Insofern betreibt „Victoria Milan“ eventuell schlicht Werbung in eigener Sache.

Vielleicht haben da ein paar Beteiligte nicht ganz verstanden, dass es natürlich auf die Situation ankommt, in welcher Männer Untreue von Frauen gut finden und in welcher nicht. Wenn es um unverbindlichen Sex geht, ist Untreue kein Problem. Warum auch, erhöht sie doch die Chance darauf, dass es überhaupt zum Sex kommt. Geht es allerdings um eine langfristige Partnerschaft, sieht es ganz anders aus. Also einfach das gute alte Hure-Heilige-Prinzip, sprich der Versuch der Optimierung des Verhältnisses von Fortpflanzungschance im Verhältnis zum notwendigen Ressourcenaufwand. Ich weiß nicht, was daran so schwer zu verstehen ist.

4: Katrin Göring-Eckhardt (Grüne) hat bei der Kundgebung zum Christopher-Street-Day in Hannover für Konservative, die Bedenken gegen die sog. „Ehe für alle“ haben, folgenden Satz übrig:

„Diese Leute sind nicht homophob, das sind einfach Arschlöcher“

Roger Letsch kommentiert das auf seinem Blog Unbesorgt.

Mit Verlaub, das ist schon nicht mehr öko- oder in dem Fall genderpopulistisch, das ist schlicht ordinär. Das sind dieselben Leute, die anschließend wieder von Verrohung der Sitten im politischen Geschäft schwafeln. Dieses Umsichwerfen mit Verbalinjurien ist aber auch bezeichnend für die Situation der Linken und Grünen. Man wähnt sich so dermaßen auf der moralisch richtigen Seite, dass man Argumentieren gar nicht mehr für nötig hält und meint, es reiche stattdessen, Andersmeinende herabzusetzen oder in die rechte Ecke zu stellen. Die letzten Wahlergebnisse zeigen allerdings, dass dieses Konzept an seine Grenzen gestoßen ist. Wenn Linke auf dieser Schiene weitermachen wollen, werden sie auf Dauer nur noch mehr Rückhalt in der Bevölkerung verlieren.

Update: Was ich eigentlich auch fragen wollte: Gilt das auch für Muslime, die die „Ehe für alle“ ablehnen, Frau Göring-Eckhardt? Ist das nicht ein wenig islamophob?

5: Hagen Grell unterhält sich in einem neuen Video mit dem Verführungscoach Maximilian Pütz, unter anderem über die Hetzjagd auf Xavier Naidoo und den Film „The Red Pill“.