Warum ich mich über diesen Erfolg so freue

In Zeiten von Clickbait und Social-Media-Hypes kommt die Meldung über die Eröffnung einer Gewaltschutzwohnung für Männer ganz unaufgeregt und nüchtern daher. Dabei handelt es sich um den Erfolg einer ganz konkreten Aktion, um in Not geratenen Männern zu helfen.

Als Ende April der Spendenaufruf rundging, habe ich mich spontan dazu entschlossen, dieses Projekt zu unterstützen, weil ich mithelfen wollte, etwas zu verändern, anstatt mich nur auf die (sehr geschätzten) Diskussionen in Blogs zu beschränken. Letzten Endes kam es mir unsinnig vor, immer wieder durchaus schlüssig argumentiert zu lesen, dass Männer weniger allgemeine Aufmerksamkeit für ihre Probleme bekommen – egal, ob diese nun allgemeiner Natur sind oder spezifisch männlich – und dann nichts zu tun. „Alle Bücher sind gelesen, alles Denkbare gedacht, kein Problem ist ungewälzt, doch nichts gemacht…“ – so wie die Erste Allgemeine Verunsicherung in ihrem gleichnamigen Lied „Die Intellektuellen“ besingt, wollte ich nicht enden.

Dröge Arbeit macht den Unterschied aus

Es stimmt mich schon nachdenklich, dass stete, kleinteilige und zähe Arbeit zum Erfolg geführt hat. Dessen Vater Tristan Rosenkranz war vor einigen Monaten am Ende seiner Kräfte und wurde darüber hinaus für seine Aktivität auch noch beschimpft und lächerlich gemacht.

Gleichmaß e.V. hat inzwischen dem Gewaltschutz eine eigene Seite gewidmet. Wenn man die bereits erwähnten Meldungen des Vereins zur Gewaltschutzwohnung sowie die Erwähnungen in der Presse zum Thema (OTZ veröffentlicht Interview zur Gewaltschutzwohnung und „Neues Gera“ berichtet über unsere Gewaltschutzwohnung; Originalquellen: Ostthüringer Zeitung, „Neues Gera“) durchliest, bekommt man die nackten Fakten herausgefiltert:

  1. polizeilich in Thüringen erfasste Fälle: 824 (2012), 810 (2013), 636 (2014)
  2. die Wohnung besteht aus anderthalb Zimmer, Küche und Bad
  3. derzeit sind 1500 Euro auf dem Spendenkonto – das reicht fürs erste Jahr

Dazu der Verein selbst:

Wir freuen uns über die dieswöchige Eröffnung unserer Gewaltschutzwohnung in Gera. Nach einigen Jahren Sensibilisierung, Konzeptions-, Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit sowie Recherche zur statistischen Notwendigkeit von Gewaltschutzangeboten und Gesprächen mit Betroffenen, Kooperationspartnern*, Politikern, Fachleuten und Behördenvertretern ist es uns bislang nicht gelungen, die Bereitschaft einer öffentlichen Finanzierung zu erreichen.

Mit anderen Worten: Selbst wenn man die niedrigste Zahl aus dem vorletzten Jahr nimmt und jeweils ein anderer Mann einen Monat in der Wohnung lebt, ist selbst für weniger als 2% der Opfer öffentliche Unterstützung schon zuviel verlangt.

So sieht die Realität aus! Unglaublich, sollte man meinen.

Was tun?

Wer die Hilfe braucht: Die Notrufnummer für das Angebot: 0160 / 951 015 47; der Flyer als PDF-Datei

Wer Gleichmaß e.V. unterstützen möchte: Spenden / Unterstützung

Das letzte Wort möchte ich aber Tristan Rosenkranz überlassen. Auf die Frage im Interview, was der Verein unternehme, wenn sich von Gewalt betroffene Frauen an ihn wenden:

Sie bekommen sofort einen Kontakt, wohin sie sich wenden können. Wir lassen sie nicht allein.

So macht man das! Das ist souverän.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal Depeche Mode, die über „Zuhause“ singen.

Depeche Mode: Home

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4 Antworten zu Warum ich mich über diesen Erfolg so freue

  1. Tristan Rosenkranz schreibt:

    Vielen lieben Dank!

  2. Pingback: Fundstück: Wahre Worte über Männer | Geschlechterallerlei

  3. Pingback: Fundstück: Das Dilemma – Förderung nur für beide Geschlechter? | Geschlechterallerlei

  4. Pingback: Fundstück: Gewaltschutzwohnung in Thüringen ohne öffentliche Unterstützung | Geschlechterallerlei

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