Zeit Online über geschlechtliche Diskriminierung im Beruf

Die Zeit interessiert sich dafür, welche Erfahrungen ihre Leser zu sexueller Diskriminierung am Arbeitsplatz gemacht haben und bietet an, Erfahrungsberichte zu veröffentlichen:

Wir wollen von ZEIT ONLINE Lesern wissen: Haben Sie schon einmal Diskriminierung am Arbeitsplatz oder bei der Bewerbung erfahren? Wurden Sie schon einmal aufgrund Ihres Geschlechts, Hautfarbe oder Äußeren benachteiligt – oder weil Sie zu einer bestimmten Gruppe gehören? Schicken Sie Ihre Geschichte an debatte-arbeit@zeit.de.

Vielleicht hat ja der eine oder andere Leser eine Story zu berichten, die die Zeit so nicht erwartet hätte. Eine über die Folgen von Frauenförderung bzw. Diversity-Management vielleicht? Oder darüber, dass er, wie James Damore, leider die falsche Meinung geäußert hat? Wer dergleichen mal erlebt hat, der sollte diese Einladung nutzen. Die Zeit ist zwar eher feministisch, aber ich denke, sie ist offen genug auch solche Beiträge zu veröffentlichen, die nicht der Opferfrauen-Doktrin entsprechen.

Dieses Angebot der ZEIT ist in einen Gastbeitrag einer jungen Frau eingebettet, die sich diskriminiert fühlt, weil Arbeitgeber sie in Bewerbungsgesprächen nach ihrer Familienplanung befragen. Ich kann nachvollziehen, dass Frauen diese persönliche Frage nervt, aber sie sollten verstehen, dass der Arbeitgeber nun mal davon ausgehen muss, dass eine junge Frau in absehbarer Zeit wegen ihrer Familie ausfallen wird und dies dementsprechend einplanen muss. Dass meistens nur Frauen diese Frage in Bewerbungsgesprächen gestellt wird, Männern aber nicht, liegt sicherlich ganz einfach an der gesellschaftlichen und biologischen Realität (Schwangerschaft, Stillzeit und engere Beziehung der Frau zum Kind). Diese Realität nehmen Unternehmer ganz nüchtern hin und handeln danach, ohne sich um die ideologischen Sprachregeln zu kümmern, auf die die Autorin des Zeit-Artikels beharrt.

Ferner wird in dem Artikel thematisiert, dass es dem Arbeitgeber eigentlich gar nicht erlaubt ist, den Bewerber nach Schwangerschaft und Familienplanung zu befragen. Das stimmt wohl. Der Arbeitgeber darf anscheinend sogar eine ganze Reihe an Fragen nicht stellen. Ich weiß nicht, auf welches Gesetz sich das stützt, aber ich halte das für verfehlt. Der Arbeitgeber sollte das Recht haben, zumindest Fragen zu Schwangerschaft und zur kommenden Familienplanung zu stellen, weil dies gerade bei jüngeren Frauen nun mal eine äußerst wichtige Frage ist. Die Folge dieses freien Wettbewerbes ohne Sprechverbote wäre natürlich politisch unkorrekt: Frauen würden es wegen ihrer natürlichen und kulturell bedingt weitaus engeren Bindung an die Kinder auf der Karriereleiter etwas schwieriger haben, als eh schon der Fall ist. Vielleicht – und diese Vorstellung ist gar schrecklich – würde sich dadurch sogar der unbereinigte Genderpaygap noch etwas erhöhen und anschließend der Antichrist zurückkehren! Kann alles passieren. Aber was sollte daran so schlimm sein? Und warum genau sollte das Gesetz daraus den Arbeitgebern einen Strick drehen?

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Fundstück: Mädchen / Jungen entwickeln Test für „Partydrogen“ – toll / entsetzlich!

Ist es nicht großartig / schrecklich? 3 Schülerinnen / 4 Studenten haben in den USA einen einfachen Test entwickelt, anhand dessen man ein Getränk darauf überprüfen können soll, ob jemand eine Partydroge (K.o.-Tropen, „Roofies“) hineingeschüttet hat. Natürlich zeigen sich die Massenmedien begeistert / entsetzt und werten die Nachricht als eindeutiges Signal für „empowering“ / „victim blaming“. Ein typischer Kommentar: „Es läßt sich nicht anders deuten – hiermit wird Frauen ein mächtiges Hilfsmittel / selbst die Schuld gegeben gegen / an Vergewaltigungen. Das ist eindeutiger Schritt vorwärts / zurück in Sachen Gleichberechtigung!“

Unabhängig von der aktuellen Meldung gehen Experten davon aus, dass noch viel zu tun ist, damit das Geschlecht einer Person keine Rolle spielt und Menschen unter gleichen Umständen alleine an ihren Taten gemessen werden.

Quellen:
High School Girls Invent An Ingenious Straw That Detects Date Rape Drugs
Controversy Over Student Nail Varnish Date Rape Drug Detector

Inspiration: Der Postillon

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Heute mal wieder ein einfacher Griff in die Titelschublade…

Good Charlotte – Girls & Boys

Warum positive Einstellungen zu Feminismus für mich kein Fehler in der Matrix sind

Lucas Schoppe schreibt in einem Kommentar bei Alles Evolution:

Ich hab eine ganze Reihe von Frauen kennen gelernt, die gute Gründe hatten, feministisch zu sein. Das ist unter anderem eine Generationenfrage. Frauen, die ich im Germanistik-Studium als Dozentinnen an der Uni erlebt habe und die heute vielleicht sechzig, siebzig oder auch achtzig Jahre alt sind, haben durchaus Zustände erlebt, die feministische Positionen sehr nahelegen.

Auch in der Germanistik, die heute eher ein Frauenfach ist, war es für viele Männer selbstverständlich, dass Texte von AutorINNEN nicht unbedingt von Belang waren. Dies selbst bei Autorinnen wie Marie von Ebner-Eschenbach oder Ingeborg Bachmann, die jemand, der Germanistik studiert, schon gelesen haben sollte. Ich hab selbst noch Germanisten kennen gelernt, für die selbst entlegene Texte von Brecht unbedingt zum Kanon gehörten, die sich aber nichtmal fünf Minuten Zeit für ein Gedicht von Bachmann genommen hätten.

Auch Professorinnen hatten als Wissenschaftlerinnen solche Herablassung erlebt. Dabei ging es eben NICHT um Gender Studies, die ja oft tatsächlich fragwürdige Wissenschaftskonzepte haben, sondern um ganz etablierte Formen des Fachs – die von Kollegen nur eben weniger wichtig genommen wurden, weil sie von Frauen ausgeübt wurden oder Autorinnen zum Thema hatten. (Übrigens rede ich nicht von den Fünfziger Jahren, sondern von den Neunzigern…)

In solch einem Kontext ist Feminismus viel nachvollziehbarer als im heutigen, in dem Feministinnen es schon als dringend nötigen Aktivismus begreifen, Fotos von Männern ins Netz zu stellen, die mit etwas geöffneten Beinen in der U-Bahn sitzen.

Noch ein zweiter Punkt, eher als Ergänzung zum Kommentar von Leszek denn als Widerspruch: Feminismus hat eben oft auch eine sehr große PERSÖNLICHE Bedeutung. Viele Feministinnen, die ich kennen gelernt habe, sehen den Feminismus als einen Rahmen an, der es ihnen ermöglicht hat, ein halbwegs selbstbestimmtes, selbstbewusstes Leben zu führen. Das zu dieser Einschätzung viel Legendenbildung gehört – geschenkt.

Wichtig ist: Feminismus wird hier eigentlich gar nicht als politische Bewegung oder als Set politischer Positionen wahrgenommen, die offen kritisiert werden können – sondern als dringend notwendiger Teil der eigenen Biographie. Wer den Feminismus angreift, greift damit in ihrer Wahrnehmung die Biografie und das Leben dieser Frauen an – und welche Motivation sollte er dafür haben, wenn nicht eine reaktionäre Böswilligkeit, mit der er Frauen wieder zurück an den Herd haben will?

Das ist ein Grund, warum Feminismuskritiker bei Feministinnen fast nie Gehör finden. Diese Kritik nämlich begreift Feminismus als Set politischer Positionen, die selbstverständlich kritisiert werden können und MÜSSEN – und für die Kritiker ist es einfach eine undemokratische Verweigerung von wichtigen Debatten, ihre Punkte nicht ernst zu nehmen.

Regelrecht putzig wird das in extremen Fällen, wie z.B. der Kritik an der feministischen Faschistin Solanas. Ich hab gewiss schon hundertmal Äußerungen von Feministinnen gehört oder gelesen, die sich darüber empörten, dass sie schon wieder zu Solanas Stellung beziehen sollen – als ob sie das schon hundertfach getan hätten. Tatsächlich hab ich allerdings noch niemals eine einzige Feministin erlebt, die es wichtig gefunden hätte zu erklären, wie solch ein faschistischer Müll im Feminismus Kult-Status bekommen konnte. Es ist eben nicht IHR Problem – im Rahmen ihrer Biografie spielt Solanas keine Rolle, und dann ist nicht verständlich, wieso sie sich dazu äußern sollten. Dass eine POLITISCHE Position durch Distanzlosigkeit zum Faschismus diskreditiert wird – das ist gewissermaßen einfach nicht ihre Diskussion.

Das ist weder radikal noch uninformiert – Feminismus wird hier nur ganz einfach nicht als eine politische Position wahrgenommen, sondern als eine sehr persönliche. Dann ist eben auch gar nicht klar, warum jemand über alle seine Aspekte informiert sein sollte, anstatt sich gerade das herauszusuchen, was er – bzw. eben: sie – braucht.

Damit berührt er ein Thema, das ich schon lange auf meiner Liste hatte (nur dass er es natürlich mal wieder viel eleganter formuliert). Ich habe in den letzten Jahren von einigen Frauen gehört, dass Feminismus nichts für sie sei, weil er einengend und nicht für Gleichberechtigung sei. Interessanterweise waren das waren charakterstarke Frauen, die ihr Leben selbstbestimmt und in eigener Verantwortung leben wollten. Auf der anderen Seite habe ich andere Frauen getroffen, die mir erzählten, welches Geschlechterverhältnis sie von dort, wo sie herkamen, gewohnt waren:

  1. slut shaming: „Eine Frau, die einen Mann anspricht, ist eine Schlampe.“ Frauen müssen sich entsprechend aufbrezeln, lächeln und darauf hoffen, dass er den ersten Schritt macht.
  2. Sprüche wie „Studienfach X ist doch nichts für Frauen“ bzw. „Warum studierst Du denn? Du suchst Dir doch eh später einen Mann!“
  3. Im Beruf: „Frauen bekommen eh Kinder.“ / „Ein Mann braucht eine Frau, die ihm den Rücken freihält.“
  4. „Es ist Sache der Frau, dafür sorgen, dass zu Hause stets Essen auf dem Tisch steht.“

Dieses Weltbild hörte ich vor allem von Frauen aus Süd- und Osteuropa. In der Generation meiner Eltern haben die meisten Frauen etwas zu erzählen, gerade was das „nicht für voll genommen werden“ oder „weniger als ein Junge/Mann wert sein“ in früheren Jahren angeht. In Einzelfällen kenne ich – gerade aus dem Berufsleben – auch Geschichten von Gleichaltrigen.

Das zu schreiben kostet mich keine Mühe. Es ist aber Welten davon entfernt, dass es „allen Frauen überall“ so gehe. Man sieht das am besten an den Reaktionen der früher betroffenen Frauen selbst.

Gerade die Süd- und Osteuropäerinnen loben Nord- und Westeuropa dafür, insgesamt einen fortschrittlicheren Umgang mit Frauen zu haben. (Was Galanterie und Flirten angeht: Das ist ein anderes Thema!)

Das bedeutet nicht, dass hier und jetzt alles perfekt wäre. Ein eingängiges Bild von Christian Schmidt:

Natürlich: Auch verbesserte Zustände können schlecht sein. Einem Sklaven, der nur noch 10 Peitschenhiebe pro Tag erhält, kann man nicht entgegenhalten, dass er sich doch nicht aufregen soll, es wäre doch alles besser.

Die positiven Urteile etwa über Deutschland von Frauen aus Süd/Osteuropa passen aber überhaupt nicht ins Weltbild von Anne Wizorek: „Für ganz viele Frauen ist es extrem schlimm, einfach schon auf die Straße zu gehen.“

Übrigens heißt dass auch nicht, dass es süd- und osteuropäischen Männern in ihrem Land jeweils prima ginge. Um das zu sehen, reicht ein Blick auf Suizidziffern Osteuropa, die für Männer stark schwankend nach Wirtschaftslage ausfallen, für Frauen hingegen relativ gleichbleibend niedrig sind.

Die Welt als „überall ist es gleich schrecklich“ oder „es ist so schlimm wie immer“ zu beschreiben, verdeckt den Blick auf die Unterschiede und das Erreichte. Vor allem ist es deswegen demotivierend, weil man offensichtlich durch eigenes Verhalten nichts erreichen kann. Bestimmte Leute kann man nicht zufriedenstellen. Dann konzentriere ich mich lieber auf die anderen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? „Einen Unterschied machen“ – das ist doch eine wichtige Motivation. Wenn alles gleich ist, kommt’s auch auf nichts mehr an.

Esther Phillips: What A Difference A Day Makes

Gastartikel: man in the middle zur Frauenbevorzugung

Das ging ja schnell! Vor einem Monat hieß es bei Alles Evolution „Dienstrechtbeförderungsgesetz – Beförderung der Frau, auch wenn der Mann besser ist“, gestern kam die Nachricht, dass das Gesetz vom Düsseldorfer Verwaltungsgericht wegen Verwassungswidrigkeit gekippt wurde.

Hierzu kam von „man in the middle“ (mitm) ein äußerst erhellender Kommentar, den ich zum Gastartikel befördere, denn er liefert das passende Hintergrundwissen zur Nachricht. Leicht nachlesbar und zudem so aufbereitet, dass man eine Kurzversion in dem Kommentar präsentiert bekommt und von dort aus wiederum auf verschiedene detailliertere Texte gelangt. So sieht es aus, wenn man an einer Sache über einen längeren Zeitraum dranbleibt!

(ab jetzt – bis zur Popkultur – mitm:)

Dieser Skandal hat ja eine lange Vorgeschichte. Der erste Akt war 2014 das von Kraft / Löhrmann bestellte Gutachten von Papier/Heidebach. Das Gutachten sollte einen Weg zur „verbindlichen Festlegung von Zielquoten sowie zur Verankerung von Sanktionen“ zeigen. „Verbindliche Zielquoten“, also harte Frauenquoten, sind eklatant verfassungswidrig, deshalb ging es darum, den Verfassungsbruch irgendwie zu kaschieren.

Papier erfand dann den Trick, die „Bevorzugung von Frauen bei gleicher Qualifikation“ zu benutzen, indem man die Beurteilungsmaßstäbe so extrem vergröbert, daß eine konkurrierende Frau sehr oft „gleich qualifiziert“ mit einem konkurrierenden Mann ist. Das Prinzip der Bestenauslese sollte also weitgehend entkernt werden, also Art. 33 Abs. 2 GG unterlaufen werden, um über ein drittklassiges Frauenfördergesetz Art. 3 Abs. 2 GG auszuhebeln. Das Grundgesetz wird also gleich doppelt gebrochen, unsere Feministinnen entwickeln eine unglaubliche kriminelle Energie, wenn sie Männer diskriminieren können. Details dazu hier.

Das Dienstrechtsmodernisierungsgesetz ist genau nach diesem Muster gestrickt, mehr dazu hier.

Daß das Verwaltungsgericht Düsseldorf sein Urteil mit der Unzuständigkeit des Landes begründet, erweckt den Eindruck, das Gesetz sei an einer rein bürokratischen Klippe gescheitert. Dieser Eindruck ist mMn falsch.

Das Gesetz ist deswegen verfassungswidrig, weil es dem Beamtenstatusgesetz (BeamtStG) und dort dem § 9 „Kriterien der Ernennung“ widerspricht. Dieser § 9 wiederholt aber nur die wesentlichen Inhalte von GG Art.3. Der § 9 könnte also eigentlich wegfallen, weil er mit Blick auf das übergeordnete Grundgesetz redundant ist. In vielen Gesetzestexten werden Inhalte aus übergeordneten Gesetzen wiederholt, diese theoretisch verzichtbaren Anteile verbessern die Lesbarkeit und Verständlichkeit der Gesetze, sie sind zulässig, obwohl diese Gesetze bzw. deren Gesetzgeber dafür gar nicht zuständig sind.

Im Dienstrechtsmodernisierungsgesetz hätte also auch eine Wiederholung von Teilen des BeamtStG oder GG stehen können (vermutlich findet man solche Stellen sogar). Solche redundanten Passagen stören niemanden.

NRW ist unzuständig, ein dem BeamtStG § 9 direkt widersprechendes und GG Art.3 indirekt widersprechendes Gesetz zu erlassen. D.h. die Feststellung der Unzuständigkeit des Landes stellt implizit auch den Verfassungsbruch (GG Art.3) fest.

Eine zweite Klatsche ist die folgende im Prinzip überflüssige Erwähnung in der Urteilsbegründung:

Vor diesem Hintergrund bedurfte es keiner Entscheidung, ob die Neuregelung zugleich dem in Art. 33 Abs. 2 GG verankerten Leistungsgrundsatz widerspricht. Das Gericht hält es jedoch für fraglich, ob der Gesetzgeber hinreichend berücksichtigt hat, dass das Leistungsprinzip auch dem öffentlichen Interesse an einer Besetzung eines öffentlichen Amtes gerade mit dem leistungsstärksten Bewerber und damit auch der Sicherung der Qualität des öffentlichen Dienstes dient.

Das Gericht hat also deutliche Zweifel, ob die oben erwähnte Entkernung von Art. 33 Abs. 2 GG verfassungsgemäß ist. Das ist selbst mit als Amateurjurist sofort aufgestoßen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Ich hatte dieses Lied zwar schon einmal, aber dieses mal eine Version von einer anderen Band. Es fiel mir wieder als erstes zum Thema „Gesetz“ ein…

Bobby Fuller Four: I Fought The Law

Kurznachrichten vom 24.03.2016

Die letzten Tage war ich nur mäßig im Internet surfen, weshalb ich auch nur wenig in den einschlägigen Medien gesurft habe. Das, was mir über den Weg gelaufen ist, hat am Tag drauf auch meistens bei Genderama gestanden, so dass es wenig Sinn macht, das nochmal nachzuliefern. Der heutige Post ist ein buntes Sammelsurium aus ernsthaften und merkwürdigen Beiträgen, wobei die Großthemen der letzten Wochen, also Frauenkampftag, Gender Pay Gap, die Landtagswahlen, AfD, Flüchtlinge und schließlich der Anschlag in Brüssel weitgehend ignoriert werden. Dazu wurde und wird schon mehr als genug geschrieben. Na gut, komplett Umschiffen kann ich jetzt nicht versprechen…

Fangen wir mit den ernsthafteren Themen an:

1: Gestern gab es im ARD-Nachtprogramm eine wirklich sehenswerte Doku über Männer, die aus den unterschiedlichsten Motiven Viagra oder andere Potenzmittel nehmen. Ruhig, einfühlsam, unaufgeregt, so sollten ernsthafte Dokumentationen sein. Zeit mitbringen (86 Minuten)!

2: Die Mitteldeutsche Regiobahn führt auf den Zügen zwischen Leipzig und Chemnitz spezielle Frauenabteile ein, um „das Sicherheitsgefühl der weiblichen Fahrgäste zu stärken“. Auf Twitter findet das eher geteiltes Echo. Die meisten zielen darauf ab, dass dies genau die Geschlechtertrennung herbeiführe, die im Islam gewollt sei.

Aber wenn Männer mal unter sich bleiben wollen, dann gilt natürlich das hier:

safespace

3: Auf seiner neuen Website sinniert Dr. Alexander Ulfig über „Das geheimnisvolle Schweigen der Männer„, womit das Schweigen bzw. Sich-Nicht-Wehren gegen die Dämonisierung und Diskriminierung von Männern gemeint ist. Letztlich ist dies auch eine Kurzrezension des Buches „Von Höllenhunden und Himmelswesen“ des Geschlechterforschers Gerhard Amendt. Zwei Faktoren sieht Ulfig (bzw. Amendt):

In erster Linie sind es Schuldgefühle, die durch ständige Schuldvorwürfe erzeugt werden. Männer, die diese Schuldgefühle haben, glauben daran, für eine angebliche Jahrtausende währende Unterdrückung der Frauen büßen zu müssen. Sie möchten das Leid, das Männer Frauen angeblich zugefügt haben, wiedergutmachen. Schuldgefühle bei Männern zu wecken, hat sich als erfolgreiches Mittel der Durchsetzung von Frauenprivilegien erwiesen.

Aber es sind nicht nur die Schuldgefühle, die das Schweigen der Männer begünstigen. Viele Männer empfinden dabei ein Überlegenheitsgefühl, Frauen schwach zu sehen, sie von Verantwortung freizusprechen, um selbst mehr Verantwortung zu übernehmen. Sie möchten Frauen schwach sehen, weil dadurch ihr eigenes Selbstwertgefühl gestärkt wird.

Ich würde noch einen dritten Faktor als wesentlich ansehen: Aufgrund dieses Bedürfnisses nach einem Überlegenheits- bzw. Souveränitätsgefühls nehmen Männer ihre eigenen Probleme viel zu lange nicht wahr und blenden aus, dass es ihnen bereits wesentlich schlechter geht als sie glauben. Und wenn sie sie dann wahrnehmen, schreiben sie sich die Schuld oft selbst zu, was das Erkennen von strukturellen Nachteilen durch die Gesellschaft erschwert.

Der Lösungsansatz von Amendt gefällt mir allerdings nicht:

Frauen sollten die Vorwurfshaltung gegenüber Männern aufgeben. Erst wenn Frauen Männer für ihr Leben nicht verantwortlich machen, sondern dafür selbst Verantwortung übernehmen und sich dadurch von ihrer Opferrolle befreien, könnten Männer ihre Schuldgefühle überwinden und sich von überkommener Ritterlichkeit befreien. Als Folge davon würden Männer ihr Schweigen brechen und eine aktive Rolle in der Geschlechter-Debatte spielen. Nur auf diese Weise könnten Männer und Frauen einen Dialog auf Augenhöhe führen.

Der einzige Kommentar unter dem Artikel weist zurecht darauf hin, dass man darauf allerdings noch lange warten müsste. Ich fürchte, es muss umgekehrt laufen: Männer müssen ihre Schuldgefühle und die überkommene Ritterlichkeit aufgeben sowie das Schweigen von sich aus brechen. Erst dann sind Frauen gezwungen, die Opferrolle aufzugeben und in die Verantwortung zu gehen. Weil niemand mehr zuhört, wenn das Klagelied angestimmt wird.

Weiter gehts mit zwei typischen Beispielen von weiblicher Anspruchhaltung:

4: Über den Bachelor hatte ich es neulich schon einmal. RTL musste da jetzt noch einmal nachkarten und hat alle Beteiligten zu Frauke Ludowig eingeladen. Was dabei rauskam (ich hab’s nicht gesehen) muss wohl ein ziemliches Rumgezicke gewesen sein.

Und schon fegt der Sturm der Entrüstung über ihn hinweg. Jasmin ist der Meinung, dass Leonard das, was er den Damen in Florida so erzählt hat, nicht immer ernst gemeint hat. Zu viele Komplimente gab es auch und der Cindy habe er zu spät gesagt, dass da keine Chemie zwischen ihnen beiden sei. Und außerdem, da sind sich die Damen weitgehend einig, habe der Bachelor zu viel geknutscht.

Wie verwerflich! Frauen dagegen dürfen Männer gegeneinander ausspielen und mitnehmen, was sie kriegen können? Und zu viele Komplimente, das geht ja schon mal gar nicht.

Ganz besonders, wenn Daniela einmal das Wort hat, spürt man, wie die Studio-Temperatur um ein paar Grad sinkt. Offenbar hat sie immer noch nicht ganz verwunden, dass sie seinerzeit nur das kleine „Bachelor“-Abzeichen in Silber bekommen hat. Als Leonard ihr erzählt, dass er sich die letzte Folge, in der sie leer ausging, angesehen hat und er gar nicht wissen will, wie es ihr damals ging, antwortet die Blondine frostig. „Ja, das willst du nicht wissen“ und erweitert Leonards bisheriges Repertoire an Gesichtsausdrücken um einen vierten: unangenehm berührt.

Die Erfahrung, nur zweite Wahl bei einer Frau zu sein, und die, dass sich die jeweilige Frau nicht groß dafür interessiert, wie es einem damit geht, dürfte fast jeder Mann spätestens mit 16 oder 17 einmal durch haben. Und es hört danach ja nicht auf.

5: Im Magazin von „Elitepartner“ meint ein Autor namens Maximilian Krabbes, der männliche Single mittleren Alters müsse „wie sein weibliches Pendant“ um seinen guten Ruf kämpfen. Tenor des Beitrags: Wer als Mann Mitte 40, Anfang 50 Single ist, gilt als Loser.

Einsam reitet der Cowboy durch die Wildnis. Von Frauen umschwärmt und von Männern beneidet. Denn er ist wild und frei, ein Mann für zärtliche Stunden und ungebunden. Dieses Klischee ist so romantisch wie vorgestrig. Der ewige Junggeselle wird kaum noch bewundert. […]

Ab wann ist ein Mann zu alt fürs Single-Dasein? Beäugt werden genau genommen eigentlich nur zwei Schubladentypen: der langjährige Aufreißer mit den Bindungsproblemen und der chronisch Alleinlebende, der nie eine Frau halten konnte. Diese Männer gelten vielen ab einem bestimmten Alter als suspekt, und sie fühlen sich nach eigenen Angaben oft unter Rechtfertigungszwang. […]

Im Forum von ElitePartner haben Singles dieses Thema diskutiert. Eine Nutzerin formulierte es besonders scharf: „Ein 50-jähriger Mann ohne Kinder hat in seinem Leben etwas falsch gemacht“, schrieb sie. Die meisten anderen Frauen stimmten ihr mehr oder weniger zu. Sie unterstellten diesen Singles, ewige Jungs mit Bindungsängsten zu sein.

Klar, wer sein Leben genießen will, anstatt sich in den Dienst einer Frau gestellt zu haben, muss ja was falsch gemacht haben.

6: Ich bin da auf eine Facebook-Gruppe mit dem großartigen Namen „Reclaimyourfotze“ gestoßen und bin mir bis jetzt noch nicht sicher, ob das eine radikalfeministische Gruppe oder eine Parodie darauf ist. Wieder einmal ein Fall von Poe’s Law. Lustig ist es auf jeden Fall.

7: Wer bis jetzt geglaubt hat, als weißer heterosexueller Mann sei er von jeglicher Opferolympiade ausgeschlossen, bekommt eine neue Chance, doch noch mitspielen zu dürfen: wenn er denn Linkshänder ist. Ist eigentlich schon mal wem aufgefallen, dass die Social Justice Whiners Diskriminierungen immer erst dann entdecken, wenn sie eigentlich schon zu Spurenelementen zusammengeschrumpft sind? Vor ca. 50 Jahren hörte das endlich auf, dass Lehrer Linkshänder dazu zwangen, mit der rechten Hand zu schreiben. Heute bestehen die Diskriminierungen mehr so in ergonomisch geformten Scherengriffen und von Tinte gefärbten Handballen, mit denen man über das gerade Geschriebene fährt. Kleiner Tipp: Werde Moslem, zieh nach Arabien! Dort darfst Du von rechts nach links schreiben. Ist sicher befreiend.

Warum ich schwangere Kolleginnen völlig ok finde

„Die Wirtschaft könnte so gut laufen, wenn nur die Menschen nicht wären!“ Diese Einstellung führe ich schon immer auf asoziale Ratten zurück. Ja, bei dieser Gelegenheit spreche ich deutliche Worte. Der Mensch als Störfaktor im Wirtschaftssystem – da hat jemand etwas falsch herum verstanden (oder die falschen Prioritäten gesetzt). So direkt sagt das zum Glück fast niemand, aber wann immer eine Argumentation sich in die Richtung bewegt, werde ich hellhörig.

Was musste ich zuletzt lesen? Einen verstörenden Artikel nebst entsprechender Diskussion. Das eigentliche Thema sollte ein ganz anderes sein, aber es wurde zurecht die Hauptsache: Eine diskriminierende, weil sexistische Auswahl von Bewerbern. Frauen hätten, so wurde frank und frei zugegeben, selbst bei bester Qualifikation keine Chance, die Stelle zu bekommen.

Es ist faszinierend und bewundernswert, wie sehr einige Kommentatoren nachsetzten und sich nicht mit halbgaren Beschwichtigungen zufrieden gaben. Darunter fielen:

  1. Die meisten Frauen wollen gar nicht führen.
  2. Es gibt ja ohnehin nur 5% Bewerberinnen.
  3. Es ist ja nur eine Stelle!
  4. Das ist sowieso ein harter, das möchte man den wenigsten zumuten.

Natürlich ist das alles Blödsinn. Wenn sich eine Frau findet, die hart im Nehmen ist, die in einer solchen Stelle ihre Erfüllung sieht, dann muss sie, wenn sie die Qualifikation hat, eine Chance haben, die Stelle zu bekommen. (Immer unter der Voraussetzung, dass sie so gut ist wie andere Bewerber usw. – ich werde jetzt nicht die Bedingungen aufzählen, die unter „mit gesundem Menschenverstand betrachtet“ zusammenfassen würde.)

Mein Lieblingstest bei solchen Fragestellungen ist ja immer: Wie sähe derselbe Sachverhalt aus, wenn man sinngemäß Ausländer / Schwarzer / Jude einsetzen würde? „Wir wollen grundsätzlich keine Ausländer für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Schwarzen für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Juden für die Stelle.“ Starker Tobak!

Stellen wir uns ein anderes, aber sehr ähnlich gelagertes Beispiel vor: Eine Stelle wird geschlechtsneutral ausgeschrieben, es wird aber eigentlich nur eine Frau gesucht. Es bewirbt sich ein hochqualifizierter Mann, formal entspricht er den Anforderungen, aber man kann ihn aus diesen diskriminierenden Gründen nicht nehmen und streicht die Stelle lieber ganz. Unglaublich, oder? Der Fall eines Mathematik-Professors sorgte vor vier Monaten zurecht für Aufsehen (zumindest in dieser Blogblase) – ich staune aus heutiger Sicht, bei wem unter anderem.

Kommen wir nun zu dem Grund, der vorgeschoben wird, um Diskriminierung zu rechtfertigen: „Wir haben Angst vor Frauen als Mitarbeitern, weil die schwanger werden können.“ Alles klar! Und nächste Woche: Warum ist die Geburtenrate (gerade bei Akademikerinnen) so niedrig?

Fummeln wir das mal Schritt für Schritt auseinander. Zunächst einmal sollten wir nicht auf eine billige Nebelkerze hereinfallen: Das sei eine Stelle im Top-Management. Deswegen sei es doch klar, dass man völlige Hingabe erwarten müsse, und das sei bei Frauen im gebärfähigen Alter unwahrscheinlich. Außerdem gehe es um KMU (für die Nicht-Ökonomen: das steht für „kleine und mittlere Unternehmen“). Bei denen wirke sich der längere und unerwartete Ausfall eines Mitarbeiters fatal aus.

Also, was denn nun? Das Spitzenmanagement, über das wir im Zusammenhang mit der Frauenquote reden, betrifft nur eine Handvoll Großkonzerne, also gerade nicht KMU. Und KMU werden uns immer auch damit als wichtiges Rückrat oder Seele der deutschen Wirtschaft verkauft (und ich glaube es sogar), dass sie anpassungsfähiger seien.

Mit Verlaub: Die Karte „die können sich nicht darauf einstellen“ zieht da nicht. Je größer der Laden, desto eher findet man jemanden innerhalb des Betriebs, der den Ausfall ersetzen kann. Je kleiner die Klitsche, desto mehr kann man erwarten, dass sich alle Beteiligten absprechen.

Klar, ungeplante Schwangerschaft läßt sich nie zu 100% ausschließen. Aber bitte, hören wir denn sonst nicht von irgendwelchen Leuten mit stolzgeschwellter Brust, das einzig konstante sei der Wandel, und das sei ihr tägliches Geschäft? Und so etwas Gewöhnliches wie eine schwangere Frau bringt sie aus dem Konzept? Auf welchem Planeten leben diese Leute? Mal umgekehrt gesehen: Wenn in dieser Blogblase Forderungen nach Sicherheit abgelehnt werden (die auch überzogen sind, meine Wertung), dann mit dem Hinweis, dass ich mich nie vollständig vor Risiken schützen kann und vor allem, dass es immer Idioten geben wird. Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt auch für diesen Fall.

„Kind und Karriere“ halte ich tatsächlich für eine Illusion, und ich glaube, dass der Ausdruck hauptsächlich wegen der Alliteration verwendet wird, denn ansonsten führt er in die Irre. Ich setze dem mal eine andere entgegen: „Auslaufmodell Alleinverdienerehe“. Darum muss „Kind und Beruf“ vereinbar sein – ohne Reibung und Ärger wird das nicht gehen, aber es muss machbar sein.

Sodann lese ich, die Stelle sei als Sprungbrett geplant. Dann wird nach 2-3 Jahren ohnehin ein Wechsel nötig sein! Gerade wenn man Typen direkt von der Uni im Auge hat, die sich hocharbeiten wollen, muss man davon ausgehen, dass sie von einer anderen Firma abgeworben werden. Dieses Schicksal ist KMU nur zu gut bekannt. Um nach oben zu kommen, muss man wechseln oder von Anfang an bei einer größeren Firma einsteigen.

Der nächste Widerspruch: Entweder es sind genug andere Leute da, weil man eine Flut von Bewerbungen hat, bei denen man nicht nach formalen Kriterien aussortieren kann. Dann wird Ersatz zu finden kein Problem sein. Eine Frau automatisch auszuschließen ist dennoch Diskriminierung, selbst wenn ihre Chance auf die Stelle minimal waren. Oder es herrscht Fachkräftemangel (meiner Ansicht nach generell ein Mythos, er herrscht eher „Mangel an Fachkräften, die man mit einem niedrigen Lohn abspeisen kann“) und man bekommt schwer einen neuen Mitarbeiter: Dann ist jedoch Entgegenkommen sinnvoll in Form von Regelungen, mit denen man auf Schwangerschaften adäquat reagieren kann.

Sexuelle Diskriminierung bei der Vergabe von Stellen trifft Männer wie Frauen (siehe das Mathematik-Professur-Beispiel oben). Mein Bekannter X suchte lange eine Stelle. Eine Regel schälte sich heraus: Aufgrund der „Wir wollen unseren Frauenanteil erhöhen und stellen bei gleicher Qualifikation eine Frau ein“-Regelung vieler Unternehmen hatte er keine Chance mehr, sobald sich eine (wohl mindestens halbwegs qualifizierte) Frau bewarb. Es war ab dann egal, wie gut er war. Genau das würde eine Frau umgekehrt im Ausgangsfall erleben. Aus diesem Grund bin ich auch gegen eine Frauenquote, denn sie läuft auf einen ähnlichen Mechanismus hinaus.

Meine Bekannte Y hingegen wurde in ihrer ersten Stelle ausgebremst und nicht ernst genommen. Es stellte sich heraus, dass der Chef ein mentales Problem hatte. Er war der Meinung, Frauen gehörten an den Herd und da sie irgendwann schwanger würde, würde sie jetzt eh nichts reißen.

Mein Bekannter Z wiederum wurde völlig ausgelaugt an seinem Arbeitsplatz. Sein Vorgesetzter verlangte Übermenschliches. Für den Kram zu Hause, da habe man ja eine Frau, die einem den Rücken freihielte… auch die Einstellung ist natürlich von vorgestern. Textaufgabe: Wie läßt sich diese Idee mit der Realität vereinbaren, in der es homosexuelle Männer gibt, bei denen beide Partner arbeiten – von Single-Männern wollen wir mal gar nicht reden?

Wenn eine Stelle „nur für Männer“ vorgesehen wird, weil man das Frauen aufgrund der Härte „ja auch nicht zumuten“ kann – dann ist das einerseits Frauenbevormundung. Andererseits handelt es sich auch um Männerdiskriminierung („mit denen kann man es ja machen“).

Ich selbst habe in mehreren KMU erlebt, wie sowohl Frauen als auch Männer Elternzeit genommen haben. Schwangerschaftszeiten kann man planen inklusive Rückkehr. Die Einstellung war: Lieber einen Mitarbeiter halb verlieren als ganz an die Konkurrenz. Die Rückkehrer kommen schneller wieder rein in den Ablauf als ganz neue Leute.

Alle anderen Kollegen bekommen die Stimmung mit und eine gute und faire Behandlung motiviert auch die anderen. Die Kollegen ohne Kinder helfen mit. Es ist ja klar, dass das jeder später selbst verlangen kann. Dabei hilft eine gute Mischung im Unternehmen, etwa indem man ein paar „junge Heißsporne“ hat, die sich beweisen wollen. Das ist ein typisches Beispiel für eine Solidargemeinschaft – der eine steht für den anderen ein.

Selbst nach dem Ausscheiden aus dem Betrieb wird Gutes über die Firma erzählt. Und ein guter Ruf kann viel ausmachen.

Richtig ist aus: Die Elternzeit für Väter musste erkämpft werden. Die Väter, die ich erlebt habe, haben sie gerne genommen. Zufriedene Väter schienen auch besser ranzuklotzen, es hatte also seinen Sinn.

Und die Vorstellung von „totale Flexibilität“ ist ohnehin eine Illusion. Wer soll so ein Haus bauen?

Interessant finde ich, wie Sexismus an dieser Stelle durch „ökonomische Zwänge“ begründet wird auf der Ebene eines einzelnen Betriebes gerechnet wird. Das hat aber gleich mehrere Macken.

Zum einen gilt auch für ökonomische Modelle: garbage in, garbage out. Man kann aus einem Modell nicht herausholen, was man nicht hineingesteckt hat. Was sich nicht beziffern läßt, läßt sich auch nicht einpreisen. Gut motivierte Mitarbeiter sind unbezahlbar! Auch das Wirtschaftssystem existiert nicht im luftleeren Raum, sondern basiert auf der Gesellschaft, die dazugehört. Es gibt also viele Einflussfaktoren, die man aber schwer einpreisen und damit in das Modell packen kann.

Außerdem wird der alte Fehler gemacht, für eine volkswirtschaftliche Beurteilung betriebswirtschaftlich zu denken. Dabei ist klar, dass das nicht funktioniert: Das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie ist ein Beispiel, wie man gerade nicht das gesamtgesellschaftliche Optimum bekommt, wenn jeder für sich optimiert. Wenn jemand das „Risiko“ schwangere Frau ausschließen will, will er sich möglichen Kosten entziehen, die gesamtgesellschaftlich anfallen müssen (sonst stirbt die Gesellschaft langsam aus – wir sind übrigens auf gutem Wege dabei).

Schließlich stellt sich noch die Frage, warum denn „das Primat der Wirtschaft“ gelten soll. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, auch wenn das meistens nicht sinnvoll oder möglich ist, sowie ein ins Private überbordendes Wirtschaftssystem, das uns nebenbei eine „marktkonforme Demokratie“ beschert und eine Lebensplanung, bei der die Menschen der Wirtschaft dienen und nicht umgekehrt – es scheint ein weiteres Mal, als sei der wahre Feind einer modernen Gesellschaft nicht „das Patriarchat“, sondern der Neoliberalismus. Es ist zum links werden!

Was tun? Denn die Firma (oder Autorin) hat einfach keinen Bock auf „keine Diskriminierung“. Dazu kann man sie (ohne Beweise) nicht zwingen und selbst mit Beweisen hat es wenig Sinn, jemanden reinzupuschen, der da nicht willkommen ist.

In einer überraschenden Wende bringe ich jetzt (scheinbar) neoliberales Gewäsch: Der Markt funktioniert an dieser Stelle! So eine Einstellungspolitik läßt sich auf Dauer schwer kaschieren, selbst wenn sie nirgendswo aufgeschrieben oder verkündet wird. Die beste Konsequenz für jeden einzelnen besteht darin, einen weiten Bogen um diese Firma zu machen! Die wollen Frauen nicht und laugen Männer gerne etwas mehr aus. Das regelt sich mit der Zeit von selbst, denn die Leute erzählen das ja.

Die beste Strategie für jeden einzelnen besteht also darin, die Augen und Ohren aufzuhalten und solche Sachverhalte weiterzugeben. Wenn ein Unternehmen weniger verkauft oder Probleme hat, neue Mitarbeiter zu finden, weil die Einstellung von hinreichend vielen Leuten einfach nicht hingenommen wird, dann gibt es irgendwann genügend Leidensdruck, um sich zu ändern. Das mag langsamer wirken und weniger plakativ sein als ein Gesetz. Aber ich glaube, dass das am Ende besser funktioniert.

P.S.: Was mich nicht überzeugt: Frauen als „halsstarrig“ darstellen, wenn sie auf etwas beharren. Das nennt man auch Durchhaltevermögen. Zum Vergleich: Ansonsten werden Frauen (zumindest in dieser Blogblase) umgekehrt gerne als „wenig hartnäckig“ abgewertet oder bekommen zu hören „die halten keinen Widerspruch / keine harten Worte aus“ oder „regen sich über ein paar wenig nette Bezeichnungen zu sehr auf, lassen sich davon ins Bockshorn jagen“. In meinem Berufsleben sind Kolleginnen übrigens sehr erfolgreich gewesen mit dieser Methode und auch sehr beliebt bei Kunden und anderen Kollegen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal gibt’s einen Klassiker Depeche Mode. Ist schon beachtlich, wie oft in der Popmusiker der 1980er der zügellose Kapitalismus besungen wurde…

Depeche Mode: Everything Counts

Hat jemand das Patriarchat gesehen?

Angeblich leben wir in einem Patriarchat. Behaupten zumindest die Feministen. Was ist denn so ein Patriarchat? Nun, etymologisch ist es die Herrschaft des Vaters. Davon kann ich heutzutage beim besten Willen nichts entdecken. Was der Feminismus mit dem Wort meint ist auch etwas anderes, nämlich eine Gesellschaft die von Männern dominiert und beherrscht wird. Deswegen wird gelegentlich auch das zutreffendere Wort Androkratie benutzt.

Zwar haben wir heute eine Bundeskanzlerin, aber tatsächlich sind in unserer Gesellschaft die meisten mächtigen und einflussreichen Menschen Männer. Nur erschließt sich daraus noch nicht was am Patriarchat schlecht sein soll; immerhin wird der Begriff von Feministen fast immer in einer sehr abwertenden Weise gebraucht. Was dabei immer mitschwingt ist die Idee, dass Herrschaft und Dominanz der Männer Unterdrückung der Frauen bedeutet, also dass Männer ihre Macht zum Nutzen von Männern und auf Kosten von Frauen benutzen. Was außerdem mitschwingt ist, dass Frauen von der Macht ausgeschlossen werden.

Zunächst zu letzterem Vorwurf. Hierfür gibt es keinerlei Belege. Ganz im Gegenteil gibt es von staatlicher Seite zahlreiche Initiativen und Programme die dazu führen sollen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. In einigen Fällen gibt es sogar explizite Quotenregeln die einen Mindestanteil von Frauen vorschreiben. Einfach auf die Frauenanteile zu zeigen und das als Beweis für Diskriminierung zu werten ist nicht zulässig, denn es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, so dass man ohne Diskriminierung keine paritätische Verteilung aller Spitzenposten erwarten sollte. Wenn es also offensichtliche Fälle von Frauenbevorzugung und keine soliden Hinweise von Männerbevorzugung gibt, ist es abstrus zu behaupten, Frauen (qua Frauen) würden von der Macht ausgeschlossen.

Nun zur Behauptung, Männer würden ihre Macht und ihren Einfluss benutzen, um Männern auf Kosten von Frauen zu helfen. Hier fehlt wiederum jeglicher Beleg. Es gibt a priori keinen guten Grund dafür anzunehmen, dass Männer andere Männer bevorzugt behandeln. Immerhin sind viele Männer mit Frauen verheiratet, haben Mütter, Schwestern, Töchter, Cousinen, Tanten und Nichten. Etwas anderes wäre es, wenn zum Beispiel eine bestimmte ethnische oder religiöse Gruppe eine dominante Rolle einnimmt. Da in der Regel die meisten Verwandten und Freunde der gleichen Religion oder Ethnie angehören werden, gibt es hier berechtigten Grund, sich über Bevorzugung von Mitgliedern der dominanten Gruppe Sorge zu machen.

Es gibt also a priori keinen guten Grund, von einer Benachteiligung von Frauen auszugehen. Wenn wir uns aber nun die Gesetze anschauen, sehen wir sogar das Gegenteil. In einigen Punkten sind Frauen bessergestellt. Mir ist kein einziges Gesetz in Deutschland bekannt, das Frauen gegenüber Männern benachteiligt. Auch in der Rechtsprechung und in der Umsetzung des Rechts sind mir keine Praktiken bekannt, die Frauen benachteiligen. Wohl aber welche die das Gegenteil tun. So gab zum Beispiel der deutsche Richter Ulrich Vultejus unumwunden öffentlich zu, er gestatte angeklagten Frauen in Strafverfahren einen „Frauenrabatt“ und seine Kollegen würden das auch ähnlich handhaben. Breite öffentliche Empörung? Fehlanzeige.

Um dann doch irgendwelche Benachteiligungen aufzuzeigen, werden immer abstrusere Argumente aufgefahren. Es werden statistische Unterschiede aufgezeigt bei denen Frauen schlechter abschneiden, beispielsweise die „Lohnschere.“ Warum das kein gutes Argument für Diskriminierung ist, wurde oben schon gezeigt. Man kann aber auch ohne Probleme Bereiche finden, in denen die Statistiken schlechter aussehen für Männer, beispielsweise die viel höhere Selbstmordrate von Männern oder die niedrigere Lebenserwartung. (Auch diese sind für sich genommen natürlich noch kein Beleg für Diskriminierung gegen Männer.)

In letzter Zeit auch sehr beliebt ist der Verweis auf unsere angeblich patriarchalische Sprache. Nun wird im Deutschen freilich häufig das generische Maskulinum benutzt. Das aber nun als Benachteiligung von Frauen aufzufassen ist schon ziemlich weit hergeholt. Wer sich über derartige „Probleme“ echauffiert, dem sind wahrscheinlich längst die wirklichen Argumente ausgegangen. Auch ist es meines Erachtens noch keinem Feministen gelungen, einen adäquaten Ersatz für das generische Maskulinum zu finden. Doppelnennungen („Bürgerinnen und Bürger“) sind langatmig und umständlich, das Binnen-I („BürgerInnen“) ist unästhetisch, widerspricht den traditionellen Regeln der Rechtschreibung und ist schwer aussprechbar. Von besonders absurden Kreationen wie „Bürgxs“ will ich lieber gar nicht erst sprechen. Es hat auch keine dieser Sprachkreationen einen besonders großen Rückhalt im Volk. Ob sie sich durchsetzen werden ist fraglich.

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Aber schauen wir uns doch einmal das Problem von der umgekehrten Seite an. Nehmen wir an, es gäbe ein Patriarchat welches, wie der Feminismus befürchtet, sicherstellt dass die Macht in Männerhand bleibt und dass Männer auf Kosten von Frauen profitieren. Was würde ein solches Patriarchat tun?

Zunächst mal würde es gelten, Frauen von der politischen Macht auszuschließen, also aktives und passives Wahlrecht nur für Männer. Damals bei der Einführung des Frauenwahlrechts muss der Patriarchat wohl gerade nicht aufgepasst haben. Vielleicht ist die ganze Sache einfach untergegangen in dem ganzen Aufruhr den es damals gab wegen all den Patriarchen die im Ersten Weltkrieg gestorben waren. Wie man schon sieht, sind Männer offenbar ziemlich unfähig als Unterdrücker. Der unterdrückten Klasse freiwillig das Wahlrecht zu geben ist so ziemlich das dümmste was eine Unterdrückerklasse tun kann.

Es ist schon ziemlich erstaunlich, dass die Gruppe von Menschen die verantwortlich für die überwiegende Mehrheit aller wissenschaftlichen, technischen, künstlerischen und kulturellen Errungenschaften ist, nicht einmal die einfachsten Prinzipien der Unterdrückung zu verstehen scheint. Ein Dreijähriger könnte einen besseren Plan zu Unterdrückung der Frauen ausarbeiten.

Viel plausibler ist es, dass es kein Patriarchat in diesem Sinne gibt, und auch nie gegeben hat. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander war schon immer komplex und kann nicht durch eine einfache Theorie der einseitigen Unterdrückung und Ausbeutung erklärt werden.