16 Dinge, die in jeder Sexismus-Debatte immer wieder gleich verlogen sind

1. Disclaimer

Jeder Mann, der sich zur Debatte äußern will, hat erst einmal den Bückling zu machen und zu beteuern, dass er sexuelle Belästigung selbstverständlich in jedweder Form verabscheut, und Vergewaltigung ja sowieso. Meine Güte. JA. WAS. DENN. SONST?! Glaubt irgendwer, irgendein ernstzunehmender Mensch würde das heute nicht? Nur, es wird ihm nichts nützen, denn jede Stimme, die sich nicht vorbehaltlos in den digitalen Lynchmob einreiht, wird sowieso der „Relativierung“ geziehen werden.

2. „Sexismus“

Ohne diese Totschlagvokabel geht es natürlich nicht. Früher war Sexismus mal, wenn sich Männer per se Frauen gegenüber überlegen gefühlt haben, weil sie eben Männer sind. Oder umgekehrt Frauen sich Männern gegenüber überlegen gefühlt haben. Heute ist Sexismus jedes Verhalten von Männern, das irgendeiner Frau nicht gefällt. Ganz egal, ob er sich überlegen fühlt oder nicht. Und Frauen können laut Definition von Radikalfeministinnen gar nicht mehr sexistisch sein, egal wie widerwärtig sie sich Männern gegenüber benehmen.

Vor ein paar Jahren hat man noch für Vorkommnisse, die allenfalls unter schlechtes Benehmen fallen, die Variante „Alltags-Sexismus“ benutzt. Bis Feministinnen offenbar gemerkt haben, dass das Wort eine Kennzeichnung dafür ist, dass es eben doch nicht so wirklich richtiger Sexismus ist. Was dem Vorhaben der Skandalisierung von Nichtigkeiten entgegenstand. Also ist der „Alltag“ ist jetzt auch weitestgehend weggefallen.

Das Ergebnis haben wir jetzt: Der Begriff Sexismus ist so verwässert und ins Unendliche gedehnt worden, dass er schlicht unbrauchbar geworden ist, und nicht nur Männer inzwischen gähnend und achselzuckend abwinken, wenn sie ihn hören.

3. Debatte? Welche Debatte?

Im Grunde ist die Bezeichnung dieses Vorgangs als „Debatte“ schon ein Euphemismus. Um etwas ernsthaft als Debatte bezeichnen zu können, müsste es zwei gleichberechtigte Parteien geben, die ihre Standpunkte fair austauschen dürfen. Davon sind wir weit entfernt.

Wir haben auf der einen Seite Frauen, die sich aufs hohe moralische Ross des Opfertums setzen, die fordern, ihnen müsse bedingungslos geglaubt werden, und jeder, der ihre Anschuldigungen für nicht ganz so schlimm betrachtet oder sogar bezweifelt, ist ein Sexist, dem nur an der Perpetuierung des Patriarchats gelegen sein kann.

Auf der anderen Seite haben wir Männer, die pflichtschuldigst das Büßerhemd anzuziehen haben, alleine schon aus Kollektivschuldgründen, und zu beteuern, wie schrecklich sie das alles finden. Diejenigen Männer, die sich diesem Ritual verweigern, werden zu den öffentlichen Diskussionen gar nicht erst eingeladen und sind auf Anwältinnen wie Birgit Kelle oder gar Verona Pooth angewiesen.

Debatte ist was anderes.

4. „Endlich trauen sich Frauen“

Endlich, endlich trauen sich Frauen einmal, über ihre schlimmen Erlebnisse zu sprechen. Endlich das erste Mal – seit der letzten Kampagne vor zwei Jahren, und der vor vier Jahren, der vor sechs, der vor acht usw. Ich kann mich eigentlich an keine längere Periode in meinem Leben erinnern, in der es nicht ständige feministische Kampagnen gab, in der der Mann als das Übel der Welt schlechthin gebrandmarkt wurde. Das geht seit mindestens den 70er Jahren so zu, quasi permanent. Also lasst das mit dem „Endlich-trauen-sich-Frauen“-Quatsch doch bitte mal!

Also dann, bis zum nächsten „Schweigen brechen“ in zwei Jahren…

5. Frauen = Opfer, Männer = Täter. Basta.

Wenn die Sache mal so richtig schön am Rollen ist, will man sich von Quertreibern nicht das mit groben Strichen gemalte Bild versauen lassen. Wenn da also ein paar Männer zaghaft den Finger heben und darauf hinweisen wollen, dass es da durchaus nicht wenige Männer gebe, die ähnliches erlebt haben und daher die Rollenverteilung nicht ganz so eindeutig sei, wird das schnell als „Whataboutism“ nieder gemacht. Jetzt seien endlich mal die Frauen dran, ihr Wort zu erheben, – also endlich mal seit der letzten Kampagne vor zwei Jahren etc., wir hatten das oben schon. Kann es sein, dass mit dieser Einseitigkeit nicht nur Männer als Opfer unsichtbar gemacht werden sollen, sondern vor allem Frauen als Täterinnen?

6. Das omnipräsente „Tabu-Thema“

Es wirkt wie der Hohn, dass uns die neueste Kampagne wieder einmal als „Tabu-Bruch“ serviert wird, obwohl seit Jahrzehnten das Thema permanent in der Öffentlichkeit präsent ist und breit debattiert wird. Ohne Unterlass wird seit den 70ern eine „Keine Gewalt gegen Frauen“-Kampagne nach der anderen durchs Dorf gejagt, quasi andauernd wird darüber getratscht, und Ihr wollt uns immer noch erzählen, das sei ein Tabu-Thema? Wenn es wirklich ein Tabu-Thema gibt, über das bisher allenfalls ein paar Experten und dann noch so ein paar merkwürdige Männerrechtler reden, dann die Gewalt von Frauen, begangen an Männern.

7. Unschuldsvermutung? In die Tonne damit!

Wie sich das so in einer anständigen Moralpanik, die sich zu lynchjustizartiger Hysterie steigert, gehört: Es wird nicht lange gefackelt. Schuldig aufgrund Anklage ist das Motto der Stunde. Erst wird geschossen und hinterher nichtmal mehr gefragt. Wer was konkret gemacht hat, ob es überhaupt strafwürdig nach dem Gesetz ist, wenn ja, ob es verjährt ist, ob der Delinquent es zugibt oder sich gegen Anschuldigungen wehrt, es ist alles egal. Frau fand vor dreißig Jahren mal was unangenehm? Das muss doch reichen, um einen Mann mindestens beruflich zu ruinieren.

8. Definitionsmacht

Immer wieder sind so Sätze zu lesen wie etwa dieser: „Einzig und alleine die Frau kann selbst entscheiden, was sie als Belästigung empfindet, das darf ihr niemand absprechen und das muss respektiert werden.“ Ja und? Meinetwegen! Nur: Das bedeutet noch lange nicht, dass das irgendwer anders auch so sehen müsste, weder der direkte Gegenpart, noch das geneigte übrige Publikum. Man kann und sollte sich auch aus Höflichkeit danach richten und sich entsprechend verhalten, aber man ist nicht gezwungen, die Sichtweise der Anklägerin zu übernehmen. Und schon gar nicht ein Gericht, denn das braucht zweierlei Dinge, um Recht sprechen zu können, erstens einen klaren Straftatsbestand, d.h. eine Definition dessen, was strafrechtlich relevant ist, und zweitens klare Beweise. Da ist, mit Verlaub, das Empfinden einer Person reichlich dürftig. Wenn die sogenannte Definitionsmacht zur Grundlage von irgendwas gemacht werden soll, dann ist es allenfalls die Grundlage von Willkür.

9. Alles in einen Topf werfen, Teil I

Wie immer in solchen Debatten wird keinerlei Unterschied gemacht zwischen Straftaten, Dinge, die zwar straffrei sind, aber der Anstand verbietet, und eher lässlichen Sünden wie Blicken, nicht ganz jugendfreien Sprüchen oder missglückten Annäherungsversuchen. Alles wird unter dem beliebten Oberbegriff „Übergriff“ zusammengefasst. Ein Begriff, der für die Intentionen der Interessierten wie gemacht ist. Wenn es ihn nicht gäbe, man müsste ihn erfinden, suggeriert er doch automatisch schlimmeres, auch wenn in der konkreten Situation gar niemand zugegriffen hat. Da werden auch zu lange Blicke oder ein schlüpfriges Wort unter „Übergriff“ subsumiert, natürlich mit der Absicht, auch kleinste Vergehen zu skandalisieren.

All das geschieht, um die Grenzen sowohl zwischen Strafbarkeit und Unanständigkeit wie auch zwischen Unanständigkeit und Kavaliersdelikten, die vielleicht für die ein oder andere unangenehm sein mögen, aber im normalen Leben zu tolerieren sind, zum einen verschwimmen zu lassen und zum anderen in Richtung autoritärer Rigidität zu verschieben.

Man hätte in einer rationalen Debatte natürlich darüber diskutieren können, welche konkreten Verhaltensweisen in welche der drei Kategorien gehören sollten. Aber das passiert nicht, weil das auch gar nicht beabsichtigt ist. Beabsichtigt ist, dass es eben keine klaren Kriterien gibt, sondern alleine das Gefühl der Frau entscheiden soll, also letztendlich Männer unter die Willkür und damit Macht von Frauen gestellt werden. (Siehe: Definitionsmacht)

10. Alles in einen Topf werfen, Teil II

Wo man schon mal dabei ist, kann man ja auch alle anderen feministischen Dauerbrenner und auch den ein oder anderen Ladenhüter aufs Tapet bringen. Da soll auf einmal inkommodes, unziemliches oder auch strafbares, aber individuelles (Fehl-)Verhalten von Männern etwas mit Gehaltseinstufungen (Gender Pay Gap) oder mit Geschlechterquoten in Vorständen und Parlamenten zu tun haben. Das gipfelt dann in so Behauptungen, dass der „Sexismus“ aufgrund unterschiedlicher „Machtstrukturen“ bestehe, und nur damit bekämpft werden könne, dass Frauen zu gleichen Teilen an der Macht beteiligt wären. Als ob, wenn nur in den Vorständen der Firmen 50% Frauen sitzen würden, Männer aufhören würden zu versuchen, sich Frauen anzunähern, oftmals mit untauglichen Mittel und damit scheiternd. Wers glaubt, wird selig.

11. Machtstrukturen

Nur die ominösen Machtstrukturen, die immer angeführt, aber nie näher erläutert werden, sind daran Schuld, dass sich Männer daneben benehmen. Denn sexuelle Belästigungen haben natürlich nichts mit Sex zu tun, weswegen sie ja auch so heißen. Männer sind in überlegenen Machtpositionen, die sie über diese „Übergriffe“ an Frauen ausnutzen wollen. Der sprichwörtliche Bauarbeiter, der der Zeit-Online-Journaktivistin nachpfeift, ist ihr gegenüber selbstverständlich privilegiert und in einer Machtposition. Und man sieht ja auch, wie der machtvolle FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle die kleine Journalistin Laura Himmelreich regelrecht fertig gemacht hat, so dass sie sich ins Privatleben zurückziehen musste, während er Chefredakteur eines, naja, mehr oder weniger angesehenen Online-Dienstes geworden ist und weiterhin durch die Talkshows der Republik tingelt. Oder hab ich da jetzt was durcheinander gebracht?

Mal im Ernst: Wenn man sich anschaut, wie im Moment die Karrieren und Lebensläufe von Männern alleine aufgrund Anschuldigungen vom Kaliber „Hat mir mal ans Knie gefasst“ (Michael Fallon) oder „Hat nen Witz über Frauen erzählt“ (Tim Hunt) reihenweise kaputt gehen, wie kann man da im Ernst noch die Mär vom machtlosen scheuen Rehlein erzählen, ohne die eigene kognitive Dissonanz massiv verdrängen zu müssen?

12. Moderne Frauen, zurückgebliebene Männer

Immer wieder wird uns der Gegensatz zwischen den ach so modernen Frauen, die die Zeichen der Zeit erkannt hätten, und den Neandertalern von Männern, die immer noch in ihrem altertümlichen Patriarchatsgehabe verharren, vorgehalten.

Das ist ist eine Chimäre. Denn was soll an einer immer rigider werdenden Sexualmoral eigentlich modern sein? Für mich sieht das eher sehr deutlich nach einer gezielten Rückabwicklung der sexuellen Revolution aus, die im Zuge der 68er die Geschlechterverhältnisse befreite. Mich erinnert das immer mehr an meine Kindheit in einer bayerischen Kleinstadt in den 70ern, als noch katholische Nonnen mitbestimmten, was als Moral zu gelten hat. Dieser Mief zieht jetzt wieder ein, nur unter anderem Namen. Wenn die Zeiten schwierig sind, ist das immer Wasser auf die Mühlen der Reaktion. Ja, genau, Reaktion! Das, was Ihr da macht, hat nichts mit Fortschritt zu tun.

13. „Nicht jeder Mann ist…“

Danke für Eure geheuchelte Nachsichtigkeit, mit der Ihr uns doch tatsächlich zugestehen wollt, dass es auch ein paar wenige nette und anständige Männer gibt. Das sind wohl dann die, die sich als Feministen deklarieren? In Wirklichkeit wollt Ihr nur implizieren, dass die meisten Arschlöcher sind. Obwohl Ihr genau wisst, dass es eigentlich „So gut wie kaum ein Mann ist…“ heißen müsste. Aber auf ein paar schwarzen Schafen kann man ja auch keine Moralpanik aufbauen, um in deren Fahrwasser weitere Frauenbevorzugungsmaßnahmen zu fordern.

14. „Kommt in allen Gesellschaftsschichten vor“

Auch gerne in der Variante „Ist nichts neues, hat es schon immer gegeben.“ Diese Floskel stimmt zwar, ist aber ein Verschleierungsversuch, um nicht darüber reden zu müssen, dass sog. Übergriffe in bestimmten Gesellschaftsschichten signifikant häufiger und signifikant brutaler vorkommen als in anderen. Speziell natürlich, wenn es um den Elefanten geht, den keiner sehen will, nämlich der, der am Kölner Silvester besonders ausgiebig im Porzellanladen getanzt hat. Sehen will man nur weiße Männer, die ja an allem Schuld sind, auch wenn sie im Schnitt zivilisierter sind. Ich kann mich jedenfalls an keinen weißen Mann erinnern, der seine Frau an einem Seil hinter seinem Auto hergezogen hat.

15. Aufforderung zu Buße und Einkehr

Sorry, meine Damen, aber das kommt bei mir nicht an. Ich lehne es ab, mir irgendeine patriarchale Erbsünde andichten zu lassen. Ich bin für die Dinge verantwortlich, die ich verbockt habe, und in dieser Hinsicht habe ich mir nichts vorzuwerfen und insofern ein reines Gewissen. Wenn sich eine Frau von mir unziemlich behandelt gefühlt haben sollte, möge sie es mir bitte zeitnah mitteilen, damit ich mich auch entsprechend entschuldigen kann – sofern ich es für entschuldigungsbedürftig ansehe. Wenn allerdings jemand noch 20 Jahre später damit ankommt: Nein, tut mir leid, schon längst verjährt, interessiert mich nicht mehr. Buch es ab unter Lebenserfahrung!

16. Aufforderung zu Sozialkontrolle und Eingreifen

Für andere Männer und deren Verhalten bin ich nicht zuständig, außer in einem akuten Fall benötigt eine Frau tatsächlich meine Hilfe. Aber auch dann würde ich nur einschreiten, wenn es gewalttätig wird oder die Frau mir eindeutige Zeichen zusendet, die als Hilferuf zu identifizieren sind. Alles andere wäre nämlich sexistisch, denn mir steht es nicht zu, starken Frauen paternalistisch die ihnen durchaus mögliche Selbstverteidigung abzunehmen oder selbst besser zu wissen, wann sich eine Frau gefälligst belästigt zu fühlen hat.

Ach, und nur so ne Frage: Was würdet Ihr Frauen davon halten, wenn Männer Euch dazu aufrufen würden, über andere Frauen zu wachen und einzuschreiten, wenn diese sich nicht genug männerkompatibel benehmen? Was? Davon haltet Ihr gar nichts? Dachte ich mir.

 

 

 

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Fundstück: Margarete Stokowski begrüßt Straftaten gegen politisch unliebsame Personen

Margarete Stokowski dreht frei. Fefe drückt es so aus:

Ich brauche mal eure Hilfe. Ich lese vorhin diese Kolumne im ehemaligen Nachrichtenmagazin und gewinne den Eindruck, dass darin falsche Vergewaltigungsvorwürfe als ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung betrachtet werden. Und dass die Autorin das nur deswegen nicht macht, weil es ihrer Meinung nach „nicht funktioniert“.

Wo ist mein Denkfehler?

Gemeint ist der Text „Sexuelle Belästigung: Gibt es eine weibliche Geheimwaffe?“ von Margarete Stokowski bei Spiegel Online. Schon die Einleitung hat es in sich:

Frauen haben es angeblich sehr leicht, unliebsame Kerle zu beseitigen: Sie können einfach behaupten, ein Mann habe sie sexuell belästigt – dann sind dessen Ruf, Familie und Karriere futsch. Wenn es nur so einfach wäre.

Wie bitte? Was dann?

Wenn es so wäre: Was hindert uns? Gibt es nicht genug ätzende Leute, die man auf diese Art loswerden könnte? Ist es nicht geradezu fahrlässig, Despoten, Rechtspopulisten und Ausbeuter an der Macht zu lassen, wenn man sie so einfach unschädlich machen könnte? Wäre es nicht unsere heilige weibliche Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie nicht noch mehr Schaden anrichten, bevor wir dann in Ruhe die Trümmer der letzten Jahre aufräumen?

Ja, was ist eigentlich der Grund dafür, unliebsame Personen nicht mit Straftaten loszuwerden? Mir fallen spontan Demokratie und Rechtsstaat ein. Aber es gibt ja die These, bestimmte Feministinnen ständen mit beiden schon länger auf dem Kriegsfuß.

Aber was ist mit denen, die weniger Macht haben? Es könnte ja sein, dass die uns schutzlos ausgeliefert sind. Wer das glaubt, muss aber irgendwie auch erklären können, warum auf diese Art nicht reihenweise unliebsame Männer aus dem Weg geschafft werden.

Wie es der erste Kommentar treffend ausdrückt: „Wer sagt Ihnen denn, dass dem nicht so ist?“ (Danke, kuschkusch!)

Wenn es so einfach wäre, jemanden wegen Belästigung, Missbrauch oder Vergewaltigung verurteilen zu lassen oder zumindest im großen Stil unbeliebt und machtlos zu machen, dann müssten Frauen mit einem Mindestmaß an krimineller Energie das doch tun.

Sind die bekannt gewordenen Falschbeschuldigungen für Margarete Stokowski also bedauerliche Einzelfälle, die das Kraut nicht fett machen? Ignoriert sie sie bewusst? Oder hat sie so dermaßen keine Ahnung?

Richtig ist: Falschbeschuldigungen werden dann leichter aufdeckt, wenn die Polizei kritisch ist und dem angeblichen Opfer nicht so einfach glaubt. Denn dann eine gute Geschichte zu präsentieren, die mehrmaligem Nachfragen standhält, und entsprechende Beweise zu fälschen, ist nicht so einfach. Aber gerade in die Richtung plädieren manche Feministinnen ja, dass man einfach „zuhören und glauben“ soll.

Andererseits gibt es die Unschuldsvermutung (ja, ja, für Alice Schwarzer das Unwort des Jahres!), die bei Aussage gegen Aussage verhindern soll, dass ein Unschuldiger verurteilt wird. Auch das wird immer wieder bitter beklagt und ein Freispruch so gewertet, als lasse man automatisch einen Täter laufen.

Zack, eine Gang gegründet, zack, Flaschendrehen: Eine muss mit Höcke Frühsport machen und sich nur noch merken, ob der jetzt Bernd oder Björn heißt. Die nächste muss ihren Hintern in der Nähe von Gaulands Hand platzieren und so weiter.

Es geht sogar noch einfacher. Man sieht das ja im Fall Rainer Brüderle: Einen Mann wegen seines Alters beleidigen, der bringt ein schlechtes Kompliment, und zack, Monate später fällt das der Frau auf und die Karriere des Mannes ist beendet.

Es wäre kein so großes Opfer, wenn man die dadurch loswerden könnte.

Moment, ist hier die Rede vom Täter, der ein Opfer bringt? Opfer ist doch immer noch die Person, die die Falschbeschuldigung erleidet. Das klingt wie eine Täter-Opfer-Umkehr, oder auch „victim blaming“! Die Begründung „diese Person hatte es nicht anders verdient“, mit der eine Straftat moralisch gerechtfertigt werden soll, ist ja genau das.

Margarete Stokowski will möglicherweise die oft getane Feststellung konterkarieren, eine Frau könne alleine mit der Beschuldigung der Vergewaltigung das Leben eines Mannes zerstören. Konkrete Beispiele aus den Kommentaren: Andreas Türck, Jörg Kachelmann, Horst Arnold, Gustl Mollath. (Danke, riedlinger!)

Stattdessen sagt sie direkt: Falschbeschuldigung gegen politisch unliebsame Personen, da habe sie nichts dagegen. Wenn das nur funktionieren würde.

Nun dürfte es unter den Leserinnen ja genug Frauen geben, die sich an die prominenten Fälle von Falschbeschuldigung erinnern und die wissen, dass statt „wenn das nur funktionieren würde“ in Wirklichkeit „und es funktioniert auch, wenn man es geschickt genug anstellt“ gilt. Ein direkter Aufruf, so zu handeln, ist das natürlich nicht. Aber indem ich die Methode schildere, sie moralisch absegne und einer Umsetzung dann nur noch das Hindernis „leider funktioniert das ja nicht“ in den Weg stelle, während Leute, die einigermaßen im Bilde sind, durchaus wissen, dass es sehr wohl geht, betreibe ich geistige Brandstiftung.

Kaum zu glauben, aber wahr: Margarete Stokowski hat es geschafft, noch perfider als seinerzeit Anne Wizorek gegenüber Jörg Kachelmann zu sein.

Aktualisierungen:

Lucas Schoppe meldet sich in den Kommentaren und verweist auf seinen Text zum selben Thema.

Lutz Bierend (Superlutz) ist ebenfalls wieder in Hochform.

Christian Schmidt bei Alles Evolution zum selben Thema.

Fefe hat eine Reaktion veröffentlicht, in der allen Ernstes auf dieser Linie argumentiert wird:

Warum darf also der Spiegel so einen Artikel mit einem Aufruf zum „Vergewaltigungsvorwurf als Waffe“ veröffentlichen?

Weil die Redaktion eben erkannt hat, dass Frauen, selbst wenn sie es theoretisch wissen, es niemals in der Praxis anwenden werden!

Frauen machen keine schlimmen Dinge, auch wenn sie sie für richtig halten? Und was ist mit den bekannten Fällen von Falschbeschuldigung? Oder Valerie Solanas und ihr Mordanschlag auf Andy Warhol? Weibliche Terroristen (gab’s doch schon in der RAF)? Und nicht zu vergessen all die Männer, die dann glauben, stattdessen Hass in Gewalt umsetzen zu müssen, eben weil die Frauen ja „zu lieb“ sind und verdient haben, dass ihnen jemand diese „Arbeit“ abnimmt.

Breakpoint/Anne Nühm stellt Die Margaretchen-Frage: Was hindert Frauen an Falschbeschuldigungen?.

Zwei Artikel mit gegenteiliger Meinung sind bei Onyx und bei Margret erschienen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wer sich moralisch ruiniert hat, sollte feststehen.

Die Sterne: Was hat dich bloß so ruiniert?

Fundstück: Terror-Bingo

Tom174 hat unter dem Titel „Sicherheit und so“ ein paar gute Gedanken zum Amoklauf/Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin geschrieben. Besonders einen Kommentar von ihm möchte ich dabei hervorheben:

Vom Terror ganz ab, viele, gerade auch ein Adrian, treibt die angst, dass wir viele unserer Freiheiten verlieren werden. Mich übrigens auch, nicht, weil ich Angst habe, dass wir hier irgendwann die Scharia einführen, sondern weil ich Angst habe, dass die Gegenbewegung einen Backlash erzeugt, der uns einen extrem autoritären Staat beschert.

Das gibt meine eigene Position recht gut wieder. Ich habe mehr Sorge vor einem überbordenden Staat. „Im Namen einer guten Sache bzw. gegen die Bösen“ wurden in den letzten Jahren immer wieder Zensurmaßnahmen eingefordert.

Rufe nach Zensur sowie die Forderung nach einem Aufheben rechtsstaatlicher Prinzipien, wie sie immer nach Amokläufen und Terroranschlägen kommen, sind zwei Dinge, die in dieser Blogblase auch aus anderem Kontext bekannt sind – und in keinem Zusammenhang berechtigt sind. Jemand ist eines Verbrechens verdächtigt, aber noch nicht rechtskräftig verurteilt worden? Dann gilt die Unschuldsvermutung! Egal, wer es ist und egal, um was es geht. So ist das mit dem Rechtsstaat gedacht.

Insofern stehe ich einer Berichterstattung, die jeden kleinsten Schnippsel veröffentlicht, weil er „brandaktuell“ ist, und nicht, weil er überprüft und für wahr befunden wurde, skeptisch gegenüber. Das ist doch „postfaktisch“ und „Fake News“ in Reinform!

Wie sich Erzählungen von vor einem Jahr wiederholen lassen! Damals führten Fefe und Frank Rieger in ihrem Fnord-Jahresrückblick 2015 ein Spiel namens „Terror-Bingo“ (aktuelle Karte) ein – im folgenden Video zu sehen zwischen 56:41 und 1:12:00.

Fnord NEWS Show 2015 [32c3]

Fefe hat das bezogen auf den aktuellen Fall ganz locker wiederholen können. Ungereimtheiten in der offiziellen Version brachten die Nachdenkseiten in einem heutigen Fundstück auf den Punkt: An alles gedacht?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Angesichts der Verrücktheit der Welt optimistisch zu bleiben, auch wenn es ein langer Weg ist, das verbinde ich immer mit folgendem Lied:

Reinhard Mey: Vertreterbesuch

Fundstück: Ahoi Polloi zum neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung

Weil Ahoi Pollois Beiträge zu „hate speech“ neulich so gut ankamen und auch die bereits früher erwähnten nichts von ihrem Charme verloren haben, bringe ich noch einmal drei Cartoons, die sich mit dem neuen Sexualstrafrecht und der Unschuldsvermutung befassen.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Wo wir schon beim Thema sind… (es ist natürlich eine Parodie auf „Boom Boom Boom Boom“ von den Vengaboys)

J.B.O.: Bums bums bums