Kurznachrichten vom 05.10.2016

1: Ein 43-Jähriger Mann ist in Oberfranken nach mehreren Jahrzehnten Isolation in seinem Elternhaus in ein Krankenhaus gebracht worden. Gegen die Eltern sind laut Polizeisprecher Ermittlungen wegen Körperverletzung durch Unterlassung und auch Freiheitsberaubung eingeleitet worden.

Ich bin mal gespannt, ob er auch durch alle Talkshows gereicht wird wie Natascha Kampusch oder ob das Thema nach drei Tagen keinen mehr interessiert.

2: Beim Tagesanzeiger fordert Christoph Fellmann ein Verbot des Herrenanzugs, weil:

Der Herrenanzug ist aber nicht nur ein Symbol für die Unterdrückung der ihn tragenden Männer. Der Herrenanzug ist gleichzeitig auch ein Symbol für die Unterdrückung der Frau. Er markiert und feiert die – statistisch belegbare – weibliche Untervertretung in Führungspositionen, in verantwortungsvollen und gut bezahlten Jobs. Der Herrenanzug ist das textile Zeichen männlichen Kastendenkens. Der Herrenanzug verhöhnt damit wichtige Grundwerte der westlichen Gesellschaft.

Das ganze entpuppt sich dann aber als eine mehr oder weniger verunglückte Glosse gegen das Burka-Verbot.

3: Auf Haiti wird die linke Aktivistin Amanda Kijera von einem schwarzen Mann mehrfach vergewaltigt. Die Schuld dafür gibt sie aber den weißen Männern.

“Women are not the source of their oppression; oppressive policies and the as-yet unaddressed white patriarchy which still dominates the global stage are,” she explained. She also went on to argue that it is up to the United Nations to support people who are forced to bear the brunt of black male aggression.

Kijera makes the outrageous claim that dependency on white people causes them to act out against them. She alludes that this was the reason for her attack.

4: Der Porno-Darstellerin Natalie Hot hat das Landratsamt Mühldorf am Inn das Strippen in der eigenen Wohnung vor der Webcam verboten, und zwar mit der Begründung, dass der Bebauungsplan eine gewerbliche Nutzung nicht vorsehe. Und der Schenkelklopfer:

Das Zimmer, in dem die Frau sich räkelt, sei als Kinderzimmer vorgesehen.

Sie zieht jetzt dagegen vor Gericht.

Ich vermute, die meisten Home Office-Arbeiter, die zuhause am Computer Texte schreiben, Grafiken erstellen oder programmieren, wissen noch nicht einmal, ob ihr zuständiger Bebauungsplan überhaupt eine gewerbliche Nutzung zulässt. Warum auch, es interessiert sich ja eh keiner dafür, weil es auch nicht stört. Wenn man sich aber vorm Computer nackig macht, scheint das sehr viele zu stören.

5: Nach einem Sexismus-Vorwurf müssen zwei tschechische Fußballer nun „zur Strafe“ mit Frauen trainieren.

Ich frage mich gerade, ob das nicht wieder Sexismus ist, wenn man es als demütigend betrachtet, mit Frauen trainieren zu müssen. Oder inwiefern das für die beiden nicht sogar eine willkommene Abwechslung ist. Ob sie danach auch zusammen duschen. Und was ihre Frauen dazu sagen.

6: Hadmut Danisch und Sciencefiles.org verarzten Christian Seidel, der in der ZEIT dazu aufgerufen hat, Männer zu ihrem Glück zu zwingen.

7: Beim hpd gibt es einen Vorabdruck eines Kapitels des neuen Buches von Andreas Altmann, einem bekannten und renommierten Reporter und Reisebuchautor. Darin hält er ein flammendes Plädoyer gegen die Beschneidung, allerdings mehr aus säkularer und weniger aus männerrechtlicher Sicht.

8: Das Innenministerium hat jetzt Zahlen zu Kinderehen von Flüchtlingen präsentiert. Registriert sind 1.475 minderjährig Verheiratete, 361 unter 14 Jahren. Jetzt warten wir alle auf den Riesen-#aufschrei der Netzfeministinnen. Noch ist nichts zu hören. Wahrscheinlich ist man zu beschäftigt, gegen Altherrenwitze und schlimmste traumatisierende Beleidigungen wie „süße Maus“ zu kämpfen.

9: Die Weltraumaffen analysierten am Montag in einem Sonderstream den Bericht des Europarates zur Bekämpfung sog. „sexistischer Hasssprache“. Das ist offensichtlich eines der Papiere, das eine Grundlage der „No Hate Speech“-Bewegung ist, wobei „Bewegung“ ein Euphemismus ist, denn es handelt sich eher um reines Astroturfing, sprich es handelt sich um eine lupenrein staatlich finanzierte Kampagne, die so tut, als wäre sie eine Bewegung von unten. Dabei kreieren die Weltraumaffen auch gleich noch das wunderbare Mem „Kein Wort ist illegal“. Empfehlenswert, wenn man wissen möchte, wo die Reise der EU hingeht in Richtung Verbot von antifeministischer Meinung und überhaupt jedweder Sprache, die Frauen verletzten könnte.

10: Noch ein Sendehinweis: Heute Abend ist um 22:15 Uhr bei phoenix das Thema in der phoenix Runde: „Kampf der Geschlechter – Die Sexismus-Debatte„. Dabei geht’s um das Thema Jenna Behrends und ihren Sexismus-Vorwurf an CDU-Parteifreunde. Einzige zum jetzigen Zeitpunkt bekannte Teilnehmerin ist Susanne Gaschke, die als Quereinsteigerin aus der ZEIT-Redaktion 2012 Kieler Oberbürgermeisterin wurde, dort schon nach 11 Monaten scheiterte und dies dem Männerklüngel in der SPD, insbesondere Ministerpräsident Torsten Albig und Parteichef Ralf Stegner, anlastete.

Warum mich solche Frauenfußballwerbung ärgert

„Dritte Plätze sind was für Männer!“ hieß es zur Fußball-WM der Frauen 2011. Und auch für die diesjährige WM ist es gelungen, eine selten dämliche Werbung zu finden:

#Titeltraum – Ein Kurzfilm mit Carolin Kebekus.

Warum stößt mich das so ab? Was haben beide Werbungen im negativen Sinne gemeinsam?

Wie die Stadtmensch-Chronicles 2011 berichteten: „Von Anfang an wurden die WM-Kampagnen als Kriegserklärung gegen die Männer designt.“

Ja, dieses Element „Wir sind besser als die Männer“ finde ich schon sehr verstörend, zumal es für mich nach „Wir müssen uns unbedingt mit Männern vergleichen!“ klingt. Dabei sollte die eigene Leistung doch einen eigenen Wert haben – unabhängig davon, was andere geschafft haben (außer natürlich, sie waren die direkten Konkurrenten).

Beim Fußball könnte das Bild nicht weiter von der Realität entfernt sein: 2003 verloren die damaligen Weltmeisterinnen gegen die B-Jugend des VfB Stuttgart, also gegen 14- bis 16-jährige (Quelle: taz).

Den Kurzfilm würde man mit vertauschten Rollen sofort als sexistische Werbung brandmarken. Man stelle sich vor, so wie Carolin Kebekus würde ein Mann über Frauen reden (und dabei als positive Figur dargestellt)! Manches geht eben nur mit Männern…

Es ist aber auch bezeichnend, dass die Schiedsrichterin, die eigentlich neutral über einen sportlichen Wettkampf wachen müsste, klar Partei ergreift und das Geschehen genüsslich kommentiert. Man fühlt sich an manche Debatten erinnert, wo einige Leute der Meinung sind, Sprüche dürften nur in eine (die politisch genehme Richtung nämlich) ausgeteilt werden. Stattdessen wäre hier ja eine weitere Chance, die Leistung einer Frau zu zeigen, die in ihrer Rolle als Schiedsrichterin aufgeht und das Spiel nüchtern und zurückgenommen beurteilt.

Der Film ist aber auch ansonsten von vorne bis hinten verkrampft und bemüht: Er wiederholt den alten Grabenkampf Männer gegen Frauen, am dem außer irgendwelchen Extremisten sowieso niemand Interesse hat. Die Männer spielen vorher fröhlich und entspannt und fangen erst gegen die Frauen mit peinlichen Patzern an. Die Botschaft für Männer lautet also: Spielt nie gegen Frauen, da könnt Ihr nichts gewinnen, sondern Euch nur blamieren! Das kollektive Gekicher der Frauen auf die abwertenden Sprüche gegenüber den Männern zeugt auch nicht gerade von einem Frauenbild, das im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Es ist schon traurig, dass der Frauenfußballnationalmannschaft ein Wert nur gegen die Männer zugestanden wird. Waren wir da nicht schon einmal weiter?

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied aus dem Jahr, als den Männern bei der Fußball-WM ein dritter Platz zuwenig war.

Andreas Bourani: Auf uns

Fundstücke 2014: Thomas Hitzlsperger

Das Jahr war erst wenige Tage alt, da gab der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsperger in einer Erklärung (PDF) und einem begleitenden Videointerview (siehe unten) bekannt, dass er homosexuell sei. Damit hatte 2014 seinen ersten Knüller.

Interview Thomas Hitzlsperger – Deutsche Fassung

Die Wortwahl war wohl sorgfältig ausgetüftelt worden, dennoch: Auf mich wirkte das alles authentisch und natürlich.

Was natürlich die nächste Frage aufwirft: Ja, wenn das alles kein so großes Ding ist, warum dann so einen Bohei darum machen?

Weil es eben, da mache ich mir nichts vor, nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist, dass ein männlicher Fußballer sagt: „Ich möchte mit einem Mann zusammen leben.“

Bei all der öffentlichen Zustimmung, die als Reaktion auf diese Erklärung kam, gab es auch kritische Stimmen, die darauf hinwiesen, was nach wie vor nicht erreicht worden sei: Das Coming out kam erst vier Monate nach dem Karriereende, das eines aktiven Spielers im Männerfußball steht noch aus.

Dazu sei jedoch gesagt: Die Einschläge kommen näher. Gut darauf hingewiesen hat etwa Arndt Zeigler in seinem offenen Brief (der zur Gänze lesenswert ist, bitte nicht von der Facebook-URL irritieren lassen). Thomas Hitzlsperger, das ist nicht irgendeine Randfigur, ein Gescheiterter oder Unbekannter. Thomas Hitzlsperger hat für die Nationalmannschaft gespielt, hat die Kapitänsbinde getragen, für Deutschland Tore geschossen. Er ist WM-Dritter und EM-Zweiter geworden, war Teil jener Gruppe von Spielern, die ab 2006 recht erfolgreich spielten und dabei insgesamt doch sehr sympathisch wirkten. Thomas Hitzlsperger, das ist einer aus der Mitte, einer von uns – und genau das macht seinen Schritt so bedeutsam.

Es fällt mir erst im Rückblick auf, wie selbstverständlich Frauen und Freundinnen der Spieler nach dem gewonnenen WM-Finale Teil des Blitzlichtgewitters wurden. Es gab sogar eine eigene Fotostrecke nur mit den Damen. Klar, viele von ihnen sind Fotomodelle, die sich präsentieren müssen, da kommt ihnen diese Aufmerksamkeit natürlich entgegen. Bei soviel öffentlich ausgelebter Heterosexualität muss aber umso mehr auffallen, wenn einer nicht mitmacht. Man könnte dann sozusagen residual darauf schließen, wer anscheinend homosexuell ist, aber das – aus welchen Gründen auch immer – nicht bekannt geben möchte. Um sein Privatleben privat zu halten, müsste man plötzlich zur Tarnung eine Alibi-Freundin präsentieren. Ohne dass jemand anderes bewusst Zwang ausübt, wird man am Ende durch das kollektive Verhalten doch gezwungen.

(Diesen Mechanismus kennt man übrigens auch aus anderen Zusammenhängen. Wenn bei einem Massen-DNA-Test fast alle mitmachen, kommt man in Erklärungsnot, wenn man sich verweigert. Wenn ohne Anlass die Kommunikation der Bevölkerung überwacht werden soll und als Argument angeführt wird: „Wer nichts zu verbergen hat, hat ja nichts zu befürchten.“)

Bei der Kritik am radikalen Feminismus habe ich in den letzten Monaten mehrfach den kritischen Hinweis gelesen, dass das Private zum Politischen wird. Im Fall Thomas Hitzlsperger hat das Private nach wie vor eine politische Dimension, hier lassen sich die beiden Ebenen nicht vollständig trennen. Seine Erklärung, die streng genommen nur sein Privatleben betreffen sollte, hat dafür gesorgt, dass Homosexualität in Deutschland ein Stück weit mehr Normalität geworden ist

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Lied, das unmittelbar mit dem Thema zu tun hat.

Marcus Wiebusch: Der Tag wird kommen